Moderne Verstorbenenversorgung & Abschiedsbegleitung Dr ... · Thanatologie • Hygienische...

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Was kommt danach?

Moderne Verstorbenenversorgung

& Abschiedsbegleitung

Dr. Christine Pernlochner-Kügler

Ein ganz alltäglicher Sterbefall

„Frau Maier“

• Wird von uns 24 Stunden nach Eintritt des Todes abgeholt.

• Kinder und Enkelkinder (3, 5, 10 Jahre) reisen erst an und wollen

sich noch einmal von der Mutter bzw. Oma verabschieden.

Abschied ja oder nein?

Der Abschied hilft zu begreifen, dass „es wahr ist“ …

• Realisieren, dass „es wahr ist“ fördert Trauerreaktionen

• Erwachsene und Kinder können den Tod „begreifen“ auf der Ebene des Verstandes

der Gefühle

und auch körperlich.

Phasen und Aufgaben der Trauerarbeit

• Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens/ Betäubung/ Schockphase

Begreifen, dass der Verstorbene tot ist.

Begreifen, dass es eben doch „wahr ist“.

• Phase der aufbrechenden Emotionen

Gefühle, Schmerz und andere Aspekte der Trauer zulassen und aushalten.

• Phase des Suchens und sich Trennens

Die Anpassung an eine Umgebung, in der der Verstorbene fehlt.

• Phase des neuen Selbst- und Weltbezugs

Für die tote Person im Gefühlsleben einen Platz finden, der es erlaubt, sich an diese zu erinnern.

Der Abschied hilft zu begreifen, dass es wahr ist …

Phase des Nicht-Wahrhaben Wollens

Den Tod begreifen, und zwar auf der

Ebene des Verstandes und der Gefühle.

Phase der aufbrechenden Gefühle

Trauer-Gefühle zulassen und aushalten

„Wenn der Deckel auf dem Sarg bleibt,

bleibt auch der Deckel auf unseren Gefühlen!“

Abschied am geschlossenen Sarg

„Wir behalten ihn so in Erinnerung, wie er im Leben war.“

„Wie er wohl aussieht, sich anfühlt, wie er

wohl riecht, wenn ich ihn so in Erinnerung

behalten soll, wie er im Leben war?“

Trauer ist …

• keine Krankheit

• eine dem Menschen angeborene Reaktion auf Verlust

• Ausdruck und Bewältigung zugleich

• ein heilsamer Prozess

Abschiednehmen heißt nicht

„Deckel auf – reinschauen – Deckel zu“

Moderne Verstorbenenversorgung

verbessert die Bedingungen unter denen Abschiede stattfinden

und reduziert Berührungsängste

Thanatologie

• Hygienische Grundversorgung

• Restaurative Eingriffe bei Entstellung (Unfall, Suizid, Obduktion)

• Modern Embalming

• Erinnerungsstücke: Fingerprints, Haarlocken, Totenmasken

• Kompetente Begleitung beim Abschied

Thanatopraxie

Moderne Verstorbenenversorgung

Dient der Vorbereitung der Abschiednahme, es geht um

– die Würde und friedliches Aussehen des Verstorbenen

– Hygiene und Sicherheit

• Verhindert den Austritt von Fäulnisflüssigkeit.

• Verzögert Geruchbildung

Vor dem Abschied: Thanatopraktische Versorgung

• Erleichtert den Körperkontakt zum Verstorbenen

• Restaurative Maßnahmen ermöglichen einen Abschied auch

nach Unfall, Suizid oder Obduktion.

Vor dem Abschied: Thanatopraktische Versorgung

Thanatopraktische Maßnahmen

Desinfektion des Körpers

Konservierung der Körperöffnungen und Wunden

Blutstillung

Hygienische Grundversorgung

Massage mit Feuchtigkeitscreme gegen Austrocknung

Hygienische Grundversorgung

Lösung der Totenstarre (Hände, Arme, Gesicht)

Thanatopraktische Maßnahmen

Absaugen von Flüssigkeiten aus Magen oder Lunge

Waschung von Körper und Haaren

Tamponade der Körperöffnungen mit Spezialwatte

Thanatopraktische Maßnahmen

Nahtkorrektur und Trockenlegen von Obduktionswunden Wundversorgung mit Verbänden Sicherer Kieferschluss

Hygienische Grundversorgung

Verschließen der Augen

mit Eye-Caps

Ankleiden und Einbetten

(gemeinsam mit Angehörigen möglich)

Begleitung

beim Abschiednehmen

Abschiednehmen braucht Zeit und Ruhe!

• Druck aus der Situation nehmen und vom Gas runter gehen!

• Die Beisetzung muss nicht binnen 3 Tagen stattfinden.

• So viel Zeit für das Abschiednehmen und für die bewusste Planung der

Trauerfeier nehmen wie man braucht.

Wichtige Faktoren bei der Begleitung

Angehörige vorbereiten

Ablauf, Möglichkeiten und Verhalten erklären

auffällige Veränderungen am Verstorbenen erklären:

Totenflecken, Kälte, Starre, Verletzungen etc.

Wichtige Faktoren bei der Begleitung

• Abschiede „im Leben“ gehen immer mit Körperkontakt einher:

Wir geben uns die Hand oder umarmen uns zum Abschied.

• Der Abschied vom Verstorbenen gelingt,

wenn ein Körperkontakt zwischen Angehörigen

und dem Verstorbenen stattfindet.

Wichtige Faktoren bei der Begleitung

• adäquate Abschiedsformen und Trauerrituale für alle beteiligten Generationen:

– Eltern brauchen vor allem Körperkontakt zum verstorbenen Kind

– Ältere Generation braucht evt. vertraute Gebetsformeln

– Kinder brauchen etwas „zu tun“

– Männer und Frauen sind anders!

• Grundsätzlich ist es hilfreich, die Situation zu „normalisieren“:

– „Räucherstäbchen“ u.Ä. machen den Abschied „gruslig“

– Normale Tätigkeiten am Verstorbenen reduzieren Angst und fördern den Kontakt

Begleitung beim Abschied

Annäherung Distanzierung

Realisieren Vermeiden

Überwältigung Abwehr

Positiv: Pendeln zwischen den beiden Zuständen.

Negativ: Fixierung in einem Zustand.

Annäherung Distanzierung

Zwei-Raum-Konzept

Zwei Räume/Bereiche ermöglichen Annäherung und Distanzierung,

Überwältigung und Abwehr (= Erholung).

Wichtige Faktoren bei der Begleitung

4 Fragen für einen gelungenen Abschied:

• Was möchte ich dem Verstorbenen noch sagen und wie möchte ich es ihm sagen?

• Was möchte ich meinem Verstorbenen mitgeben?

• Was möchte ich für meinen Verstorbenen noch tun?

• Was möchte ich von meinem Verstorbenen mitnehmen, dass ich mich besser an ihn erinnern kann?

Was geben wir dem Verstorbenen mit?

Was können wir für den Verstorbenen noch tun?

Einen Abschluss finden…

Den Sarg selber schließen, ist für Angehörige schmerzhaft,

es macht den Abschluss des Abschiedes aber bewusst.

Was kommt danach?

Noch Fragen?

Alles hat ein Ende.

Ich danke für die Aufmerksamkeit!