1 Arbeitszeit und Arbeitsleid im Wandel der Geschichte 1. Geschichte der Industrialisierung in...

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    05-Apr-2015
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  • 1 Arbeitszeit und Arbeitsleid im Wandel der Geschichte 1. Geschichte der Industrialisierung in sterreich 2. Arbeitsbegriff, Arbeitsbedingungen und Arbeitszeit in speziellen Berufsfeldern im 18. und 19. Jahrhundert 3. Das Problem der Kinderarbeit und erste Kinderarbeitsverbote 4. Die Bedeutung des Sonntags, das Verbot der Sonntagsarbeit und die kirchlichen Feiertage 5. Das Entstehen von Arbeitervereinen und Gewerkschaften und ihr Kampf fr bessere Arbeitsbedingungen 6. Von der Krankenfrsorge der Fabrikanten zur Krankenversicherung 7. Die Entwicklung moderner Arbeitszeiten bis zum Washingtoner Arbeitszeitbereinkommen von 1919 8. Arbeitszeit heute
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  • 2 Literaturempfehlungen sterreichische Industriegeschichte GmbH (Hg.), sterreichische Industriegeschichte, 3 Bde., Wien 2003f.; Ludwig Brgel, Soziale Gesetzgebung in sterreich 1848 bis 1918. Eine geschichtliche Darstellung, Wien 1918; Ernst Bruckmller, Sozial-Geschichte sterreichs, Wien-Mnchen 1985; Franz Homala, Geschichte der Gewerkschaften, Wien 1922; Roman Sandgruber, konomie und Politik. sterreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Wien 1995; Anton Tautscher, Wirtschaftsgeschichte sterreichs auf der Grundlage abendlndischer Kulturgeschichte, Berlin 1974; Ferdinand Treml, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sterreichs, Wien 1969; Rudolf Weiler (Hg.), Der Tag des Herrn. Kulturgeschichte des Sonntags, Wien-Kln-Weimar 1998.
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  • 3 Geschichte der Industrialisierung in sterreich I. Wichtige Weichenstellungen in den 200 Jahren davor: Die Entdeckung Amerikas: 1492 durch Christoph Kolumbus; Konflikt England Spanien endet 1588 mit der Vernichtung der spanischen Armada; Reichtum an Edelmetallen; Transfer von Kartoffeln und Mais nach Europa. Reformation und Gegenreformation: 31.10.1517 Anschlag der 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg durch Martin Luther; Religionskriege und Gegenreformation (30jhriger Krieg 1618 1648); in sterreich Sieg der Gegenreformation durch die Schlacht am Weien Berg (1620) Die Niederlage der Trken vor Wien 1683: Zurckdrngung des Osmanischen Reiches in Richtung Bosporus; Rckeroberung Ungarns; Aufblhen des Levantehandels
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  • 4 Geschichte der Industrialisierung in sterreich Die Glorious Revolution in England 1688: beendet Konflikt zwischen Parlament und Krone; durch Absetzung von Knig James II. endet dessen Rekatholisierungspolitik; Ausschluss von Katholiken von der englischen Thronfolge; 1689 unterzeichnet der neue Knig Wilhelm von Oranien die Declaration of Rights. Die Aufklrung: In Zeit Maria Theresias (1740 1780) und Joseph II. (1780 1790); fr Kant ist Aufklrung der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmndigkeit; Aufblhen der Naturwissenschaften.
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  • 5 Geschichte der Industrialisierung in sterreich II. Einzelne Aspekte der Industrialisierung: II.1. Beginn der Industrialisierung: Beginn in England ab ca. 1760; Voraussetzungen: a) liberale wirtschaftliche Rahmenbedingungen, b) ausreichend Kapital und c) Innovationskraft (Erfindungen); auf dem Kontinent setzt die Industrialisierung erst 20 bis 40 Jahre spter ein; der Industrialisierung geht eine protoindustrielle Phase voraus: in dieser arbeiten Manufakturen im sogenannten Verlagssystem = eine Form der Gtererzeugung, bei der der Verleger die Rohstoffe beschafft und den Absatz organisiert, whrend die Produktion in Heimarbeit erfolgt. Unmittelbare Auslser der Industrialisierung waren die englischen Erfindungen vor allem im Textilbereich, bei der Eisen- und Stahlerzeugung und der Nutzung der Dampfkraft.
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  • 6 Geschichte der Industrialisierung in sterreich Englische Erfindungen und Erfinder: a) Spinnmaschine: James Hargreaves und Richard Arkwright (ca. 1760); b) Verbesserung der Eisenproduktion: Abraham Darby (1700); c) Verbesserung der Stahlproduktion: Henry Cort (1784); d) Erfindung der Dampfmaschine: ames Watt (1782). sterreichische Erfindungen und Erfinder: a) Verbesserung der Dampfmaschine: Johann Fichtner (1822); b) Bau der ersten sterr. Pferdeeisenbahn: Franz Anton Ritter von Gerstner (1825/26); Fotoapparat: Friedrich Voigtlnder; Schiffsschraube: Josef Ressel; Nhmaschine: Josef Madersperger; Lithographie: Alois Senefelder; Verwebung von Kautschukfden: Johann Nepomuk Reithoffer
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  • 7 Geschichte der Industrialisierung in sterreich II.2. Industrie und Handwerk: Handwerk in Znften organisiert, hielt an traditionellen Produktionsmethoden fest; Staat versucht die starren znftischen Strukturen aufzubrechen; Kommerzialgewerbe liberalisiert, Polizeygewerbe bleibt traditionell; Manufakturen und Fabriken werden staatlich durch Privilegien gefrdert. II.3. Verlag und Manufaktur: Manufakturen produzieren im Verlags- system (= die zentrale Manufaktur steuert mit wenigen Be- schftigten oft tausende Heimarbeiter); Vorteil fr Unternehmer: niedere Lohnkosten und geringer Kapitaleinsatz; Vorteil fr Heimarbeiter: Mglichkeit eines Nebenverdienstes, Verbleib im gewohnten sozialen Umfeld; Vorteil fr den Staat: armutsbe- kmpfende Wirkung des Verlagssystems; Nachteil: geringe Arbeitsproduktivitt, Qualittskontrolle, Trgheit des Systems.
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  • 8 Geschichte der Industrialisierung in sterreich II.4. Die Fabrik: Arbeitet wie die Manufaktur arbeitsteilig, war aber zentral organisiert und mechanisiert; Entstehen neuer Fhrungseliten = selbstndige Unternehmer; Staat frdert die Manufakturen und Fabriken durch Aufhebung der Niederlagsrechte 1774 (=Zwangs-manahmen zum Anbieten von Waren, verschafft einer Kaufmannsgruppe Wettbewerbsvorteile). Neue Unternehmer kommen teils aus dem Ausland (Italien und Frankreich, England), teils aus dem Inland (aus der Aristokratie und dem Brgertum); Kameralismus = der Staat wird selbst zum wichtigen Unternehmer.
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  • 9 Geschichte der Industrialisierung in sterreich III. Hemmnisse der Industrialisierung: Der Industrialisierung sterreichs standen Engpsse in den Bereichen Energie und Verkehrswege entgegen. III.1. Engpass Energie: Bis zur zweiten Hlfte des 18. Jahrhunderts waren Holz und Holzkohle die wichtigsten Energielieferanten fr den privaten und gewerblichen Bereich. Mit wachsender Bevlkerung (und der Rodung von Wldern zur Gewinnung von Ackerland) und beginnender Industrialisierung setzt ab der zweiten Hlfte des 18. Jhdts. eine gravierende Energiekrise ein. Grte Energiever- braucher waren der Hausbrand, die Salinen und die Eisenwerke. Dem Energiemangel wirkte man entgegen durch Dezentralisierung der Produktion, Erhhung der Holzproduktion (durch Verbesserung der Waldbewirtschaftung, Erlassung von Waldordnungen, Verbesserungen in der Khlerei) und Energiesparen.
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  • 10 Geschichte der Industrialisierung in sterreich Statistische Daten: Brennholzbedarf Wiens: 1760 400.000 fm; 1800 750.000 fm Holztransport durch Schwemmbetrieb: 75% ber die Donau (60% aus N, 25% aus O, 15% aus Bayern, S und T), 20% ber Wienerwaldflsse und 5% ber den Wiener Neustdter Kanal (aus dem sdlichen N) Ab dem 19. Jahrhundert wird Holz und Holzkohle vermehrt durch Braunkohle und Mineralkohle substituiert. So wurden in im Jahr 1800 erst 20.000 Tonnen (t) Mineralkohle gefrdert; 1830: 37.015 t; 1841: 104.136 t; 1850: 189.076 t. Dieser Prozess wurde staatlich gefrdert durch die Verknpfung von Fabriksprivilegien mit einer verpflichtenden Mineralkohleverwendung.
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  • 11 Geschichte der Industrialisierung in sterreich III.2. Engpass Verkehrswege: Wichtigste Verkehrswege waren bzw. wurden die Straen, die Wasserwege und die Eisenbahn. III.2.1. Straen: Seit dem 18.Jhdt. groe Fortschritte im Straenbau (Unterbau, gewlbter Oberbau, grere Straenbreite, mehr Fel- genbreite oder geringeres Hchstgewicht der Fuhrwerke); wichtige Straenbauprojekte: Teilausbau der Brennerstrae (ab 1777), An- legung eines Karrenweges ber den Brenner (ab 1785), weitere Ausbauwelle in ganz zwischen 1820 und 1840; hohe Zuwachs- rate der Transporte z.B. ber den Brenner: 1800: 19.000 t, 1835: 75.000 t, 1840: 100.000 t pro Jahr; Anwachsen der Mautstellen: 1841 gab es in ca 410 Mautstellen; steigende Reisegeschwin- digkeit durch Bau einer Pferdeeisenbahn bzw. Dampfeisenbahn (Postkutschen 8 15 km/h, Pferdeeisenbahn 16 km/h); Hemmnisse: Rottfuhrwesen wird ab 1750 zunehmend durch Spediteure ersetzt.
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  • 12 Geschichte der Industrialisierung in sterreich III.2.2. Wasserwege: Die Donau und ihre Nebenflsse flossen in die falsche Richtung (W nach O) und ins falsche Meer; starke Strmung macht Transporte nur flussabwrts mglich Schiffziehen auf der Donau durch Strflinge = Todesstrafe auf Raten; daher zuneh- mende Verwendung von Dampfschiffen und Bau einer knstlichen Nord-Sd-Verbindung in Richtung der Adriahfen; Bau des Wiener- Neustdter Kanals 1794 begonnen bis 1803 nach den Plnen von Sebastian von Maillard. Lnge ca. 60 km, Hhenunterschied 93 m, 46 Schleusen; diente vor allem dem Gtertransport von Kohle, Holz, Erz und Ziegeln; verlor durch die Konkurrenz der Eisenbahn seine Bedeutung, 1878 erfolgte die letzte Schiffsfahrt; wurde spter teilweise zugeschttet.
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  • 13 Geschichte der Industrialisierung in sterreich III.2.3. Die Eisenbahn: War die grte Neuerung im Verkehrswesen und wurde zum Sinnbild der industriellen Revolution. Vorangehende Innovationen: 1767 entwickelt Richard Reynolds anstelle der hlzernen gusseisernen Muldenschienen; 1789 fhrt William Jessop die pilzfrmigen Schienen ein, bei denen das Rad das Fhrungsprofil trgt; 1820 entwickelt John Berkinshaw die schmiedeisernen Schienen etwa zeitgleich erfolgte der bergang von hzernen Lang- zu Querschwellen. 1814 wurde von George Stephenson (1781-1848) die Lokomotive Mylord entwick