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    1. Einleitung

    Die Idee fr diese Unterrichtseinheit entstand bei meiner Ttigkeit als wissenschaftli-che Hilfskraft am Lehrstuhl fr germanische Sprachwissenschaft von Prof. Dr. Aueran der Universitt Freiburg. Dort wird der Sprachwandel der alemannischen Dialekt-merkmale untersucht. Fr die Prsentation des Lehrstuhls an en Science Days,eine Art Wissenschaftsmesse fr Schlerinnen und Schler im Europapark in Rust,sowie fr das Universittsjubilum im Sommer 2007, entwickelten die MitarbeiterIn-nen und Hilfskrfte, u.a. mit Hilfe der Aufnahmen des Zwirner-Korpus, des badischenWrterbuchs und des Schwbischen Sprachatlas, mehrere Lernspiele und Karten,um das Thema Dialektologie in kurzer Zeit fr Kinder und Erwachsene interessantdarzustellen, ohne fachliche Aspekte zu vernachlssigen. An beiden Veranstaltungenfanden die Angebote des Lehrstuhls groen Anklang und erhielten sehr gute Rck-meldungen. Hier entstand der Wunsch, diese Spiele und kleine Lehreinheiten ein malin den schulischen Deutschunterricht zu integrieren.In dieser Dokumentation sollen in einer Sachanalyse zunchst die fachlichen As-pekte des Themas beleuchtet werden. Anschlieend wird in der fachdidaktischenDiskussion das Lehr- und Lernfeld nher erlutert. Auerdem wird die Unterrichts-einheit im Kontext des Bildungsplans untersucht, bevor die Lernziele der Einheitausfhrlich erklrt werden. Danach wird die Thematik im Hinblick auf den aktuellenStandpunkt der fachdidaktischen Position errtert. Daraus ergeben sich die nun fol-genden berlegungen zu den methodischen Konsequenzen fr diese Unterrichtsein-heit.Im anschlieenden Teil wird die Durchfhrung der Unterrichtseinheit ausfhrlich be-schrieben und analysiert.Abschlieend findet eine Reflexion statt, in der die Art der Durchfhrung und das Ge-lingen der Einheit rckblickend betrachtet werden.

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    2. Sachanalyse

    Eine Unterrichtseinheit zum Sprachwandel und zur Sprachgeschichte des Deutschenwird oft in Verbindung mit mittelhochdeutschen Texten verbunden, da sich an ihnendeutlich die Vernderungen bestimmter lautlicher Merkmale aufzeigen lassen. Dochkann man mit Hilfe des Dialektes weitere Aspekte beleuchten, die den Schlerinnenund Schlern ein tieferes Verstndnis fr Sprachgeschichte vermitteln knnen. DieseThese soll im Folgenden nher erlutert werden.

    Einteilung der deutschen Sprachgebiete nach der zweiten Lautverschiebung

    In der nebenstehenden Grafik kannman die Einteilung des deutschenSprachgebietes in den niederdeut-schen, den mitteldeutschen, und denoberdeutschen Bereich erkennen, wo-bei die gepunktete Linie, auch Ben-rather Linie oder maken-machen-Grenze genannt, das Niederdeutschevom Mitteldeutschen und die durchge-zogene Linie, auch Appel-Apfel-Grenze genannt, das Mitteldeutschevom Oberdeutschen trennt. Die zweiteLautverschiebung verlor ihre Wirkungim norddeutschen Raum. Im folgendenwerden anhand von Sprachbeispielendie Auswirkungen der zweiten

    Deutschen Lautverschiebung, die etwa um 600 n. Chr. stattfand, vorgestellt.

    Verschlusslaute

    Mittelhochdeutsch Neuhochdeutsch Niederdeutsch Oberdeutsch

    Pund Pfund Pund Pfund

    Torf Dorf Dorp Dorf

    maken machen maken machen

    Vokale

    Bru-eder Bruder Bru-eder

    li-ebe Liebe li-ebe

    mn (meine) Meine min

    Die aufgefhrten Beispiele zeigen die Vernderungen zur neuhochdeutschenSprech- und Schreibweise, sowie die Vernderungen zur dialektalen Sprechweise.Man kann deutlich erkennen, dass bestimmte Laute, respektive Wrter, sich denEinflssen der zweiten deutschen Lautverschiebung nicht unterworfen haben. Zu-nchst ist dies durch die Verbreitung von Luthers Bibelbersetzung zu erklren, diesich vom ostoberdeutschen Sprachraum her ausbreitete und dem Neuhochdeut-schen den Weg bereitete. Des Weiteren sind die Phnomene des Niederdeutschen

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    Der alemannische Sprachraum

    auch mit der regionalen Nhe zum englischen Sprachraum zu erklren. Anhand deroberdeutschen Beispiele kann den Schlerinnen und Schlern jedoch verdeutlichtwerden, dass Sprache nicht an die Schrift gebunden ist, und unterschiedliche As-pekte Einfluss auf sie nehmen. Durch diese Erkenntnis soll das Sprachgefhl gefr-dert, das Interesse fr sprachliche Phnomene und der kulturelle Horizont der Sch-lerinnen und Schler erweitert werden. Auerdem kann durch die Einbindung desDialektes die Identifikation mit der Sprache und der Region verbessert werden.Da der alemannische Dialekt, zu dem auch das Schwbische zhlt, viele ber-schneidungen mit dem Mittelhochdeutschen aufweist, eignet er sich sehr gut, um ihnin einer Unterrichtseinheit zum Thema Sprachbetrachtung und Sprachwandel einzu-binden. Da die genauere Betrachtung des Dialektes immer auch eine genauere Be-trachtung der gesprochenen Sprache beinhaltet, bietet es sich an, mit Sprachauf-nahmen zu arbeiten. Der Einheit lagen verschiedene schwbische, aber auch ge-samtdeutsche Sprachaufnahmen von Dialekten zu Grunde, mit denen die Schlersich selbst die Dialektgrenzen erarbeiten konnten, die auf den unten gezeigten Kar-ten zu sehen sind.

    Diese Karte bezieht sich auf die Einteilung der Dialekte nach Schrambke von 20011

    und zeigt die unterschiedlichen Gebiete des alemannischen Sprachraums. DieseSprachgrenzen erarbeiteten die Schler mit Hilfe des von Rudolf Post entwickelteninteraktiven Tests, der spter nher erlutert wird noch genauer.

    1 Vgl. Schrambke, R., Die Gliederung des alemannischen Sprachraumes. In: Muettersproch-Gsellschaft, Verein fr alemannische Sprache e.V. Freiburg. (Hrsg.): Alemannisch dunkt s guet. HeftIII/IV. Freiburg. S. 5-15.

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    Die im Folgenden gezeigte Karte bezieht zeigt die Dialektgebiete Gesamtdeutsch-land, die ebenfalls auf eine Einteilung P. Wiesingers zurck geht.Diese Karte stellte fr die Schlerinnen und Schler die Grundlage zur interaktivenDatei zur Erarbeitung der Grenzen der deutschen Dialekte dar.

    Um dem Interesse und Engagement der Schlerinnen und Schler nicht durch vielewissenschaftliche Details und Fachbegriffe entgegenzuwirken, wurde versucht, sichauf wenige Grundlagen zu beschrnken, um ihnen einen Einblick in die Sprachge-schichte, den Sprachwandel und den daraus resultierenden sprachlichen Phnome-nen, zu gewhren.

    3. Fachdidaktische Diskussion

    3.1 Das Lehr- und Lernfeld

    a. Soziale Aspekte der KlasseDie Klasse, in der die dokumentierte Unterrichtseinheit durchgefhrt wurde ist eineelfte Gymnasialklasse. Sie setzt sich zusammen aus 27 Schlerinnen und Schlern,in einer Verteilung von 13 zu 14. Es handelt sich um eine lebhafte, zum Teil rechtunruhige Klasse, was unterschiedliche Grnde hat, die in den folgenden Abstzenerlutert werden. Die Klasse ist in diesem Schuljahr neu zusammengesetzt worden.Ungefhr zwei Drittel der Klasse kannten sich aus dem vorigen Schuljahr, das ande-re Drittel kam neu hinzu. Trotz dieser neuen Gruppenstruktur findet man hier einerecht gute Klassengemeinschaft. Dies wirkt sich sehr produktiv auf die Verwendungbestimmter Methoden wie Gruppenarbeit, szenisches Spiel oder Partnerarbeit aus.Sie arbeiten schnell und engagiert in Zweierteams und Gruppen. Die von den Sch-lerinnen und Schlern in diesen Methoden erarbeiteten Ergebnisse sind grtenteils

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    gut. Allerdings muss die Einteilung der Gruppen genau geplant werden, weil sich ge-zeigt hat, das nicht alle Gruppen derart produktiv arbeiten. Bemerkenswert ist dieOffenheit, die Akzeptanz und der Respekt, den die Schlerinnen und Schler bereitsin vorausgegangenen Unterrichtseinheiten bei kreativen Methoden wie dem szeni-schen Spiel, oder dem Vortragen eigener Texte und Gedichte, gezeigt haben. Unter-richtsstunden, die ein szenisches Spiel, oder das Vortragen eigener Texte und Ge-dichte beinhalteten, waren geprgt von positiven Emotionen und hohem Engage-ment. Auerdem ist die mndliche Beteiligung am Unterricht grtenteils gut. DieKlasse scheut sich nicht Fragen zu stellen, oder auch mal eine falsche Antwort zugeben. Leider melden sich einige Schler nicht, wenn sie etwas sagen mchten undrufen wild hinein, was gerade in Diskussionen oder Feedbackrunden zu einer groenUnruhe und somit auch zu einem Zeitverlust fhrt.

    b. Vorwissen und Leistungsstand der KlasseZu den Inhalten der Unterrichtseinheit Dialekt im Deutschunterricht besa die Klas-se, abgesehen von der Lautschrift, kein Vorwissen. Wie sich herausstellte, befindensich in dieser Klasse nur zwei Schlerinnen, die den hiesigen Dialekt (schwbisch-alemannisch) sprechen.Da das Gymnasium Markdorf groen Wert auf die Medienkompetenz legt und dieSchlerinnen und Schler Computer auch privat nutzen, konnten hier viele Kenntnis-se vorausgesetzt werden, was eine Zeitersparnis darstellt.

    c. Die Rumlichkeiten und technische AusstattungDas Klassenzimmer der Klasse ist sehr klein und die Schlerinnen und Schler sit-zen sehr eng beisammen, was das Aufkommen von Unruhe frdert. Im Klassenzim-mer selbst befinden sich die blichen Medien (Tageslichtprojektor, Tafel, Pinnwand).Alle anderen Medien, wie Beamer, Fernseher, CD-Spieler knnen nach Vorbestel-lung in der Mediothek der Schule ausgeliehen werden.In der dokumentierten Unterrichtseinheit arbeiteten die Schler sehr viel mit Compu-tern, was nur durch die gute technische Ausstattung am Gymnasium Markdorf mg-lich war. An der Schule befinden sich mehrere Computerrume. Wenn man dieselangfristig reserviert, kann man mit einer Klasse an durchschnittlich 22 Computernarbeiten. In den Computerrumen befanden sich ausreichend Kopfhrer und Dop-pelkopfhrer, so dass auch diejenigen, die zu zweit an einem Rechner arbeitenmussten, beide die Sprachaufnahmen hren konnten. Auerdem befindet sich in denComputerrumen ein Smart-Board, das es einem ermglicht, interaktiv mit einer be-stehende Prsentation zu arbeiten. Dies ermglicht es beispielsweise Schleraussa-gen direkt in eine Prsentation zu bernehmen, oder das Smart-Board als Tafel zunutzen.Da nicht alle Lehrkrfte einen Schlssel zu diesen Computerrumen besitzen kannes ab und zu