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    6 Die GrunDleGunG europas im mittelalter Herrschaft im mittelalterlichen Europa

    Ernst Klett Verlag GmbH, Stuttgart 2014 | www.klett.de | Alle Rechte vorbehalten | Von dieser Druckvorlage ist die Vervielfltigung fr den eigenen Unterrichtsgebrauch gestattet.

    Kompetenzziele

    u FachkompetenzDie Schlerinnen und Schler kennen die im Mittelalter sich entwickelnden Reiche

    und setzen diese in Beziehung zu den Gebieten heutiger Staaten,

    knnen die bertragung von Herrschaft und Macht in ihren zentralen und historisch gewachsenen Strukturen erklren (u. a. Lehnswesen),

    kennen wichtige Ereignisse, Personen, Entwicklungen und Strukturen der karolingischen und ottonischen Epoche.

    knnen den Begriff des Personenverbandsstaats und die mit ihm verbundenen Strukturen mittelalterlicher Ge-sellschaft erlutern,

    kennen wichtige Personen, Ereignisse und Entwick-lungen, die als Voraussetzungen und fr den Verlauf des Investiturstreits entscheidend waren.

    knnen wichtige Ereignisse und Entwicklungen, die die Auseinandersetzungen zwischen Knig und Frsten ent-scheidend bestimmt haben, erlutern.

    s MethodenkompetenzDie Schlerinnen und Schler knnen wichtige Ereignisse, Entwicklungen und Struk-

    turen aus der karolingischen Epoche topographisch einordnen,

    vertiefen ihre Kenntnisse der Analyse von Text- und Bild-quellen im Hinblick auf ihre Multiperspektivitt und Wirkungsabsicht,

    knnen Aussagen von Textquellen in inhaltliche Zusam-menhnge zu einer Bildquelle setzen.

    B KommunikationskompetenzDie Schlerinnen und Schler verstehen und verwenden die folgenden Grundbegriffe

    fachlich korrekt: Kaiser, Knig, Landesherren, Lehnswe-sen, Grundherrschaft, Investiturstreit,

    knnen ein themenbezogenes Interview fhren, knnen die Rollen historischer Personen bernehmen

    und in ihrem Sinne argumentieren, prsentieren selbst zusammengestellte Informationen

    ber eine historische Persnlichkeit in einem kurzen Vortrag.

    6 Herrschaft im mittelalterlichen Europa

    Das deutsche Reich entsteht

    Ergnzende Kapitel (Erweiterung/Vertiefung)

    Zusatzmaterialien

    GuG Arbeitsheft 1, Der Knigs-hof auf Reisen, M 32 Wie lebt und regiert der Knig?

    Was prgte die Zeit des Mittelalters?

    Ein neuer Kaiser wird gekrnt

    GuG Arbeitsheft 1, Symbole der Macht, M 31 Methodentraining: Bilder untersuchen

    Minimalfahrplan (Basis)

    Kampf um die Macht Kaiser und Papst

    Kampf um die Macht Knig und Frsten

    GuG Arbeitsheft 1, Wie whlt man einen Knig?, M 36

    Arbeitsblatt:Die sieben Kurfrsten

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    Wiederholen und Anwenden

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    O 156 157t UrteilskompetenzDie Schlerinnen und Schler knnen Herrschaft als ein Geflecht von Machtanspr-

    chen und zentralen bzw. regionalen Partikulargewalten beurteilen,

    knnen vor dem Hintergrund der Vorherrschaftskmpfe die Beweggrnde der Beteiligten nachvollziehen und beurteilen ihre Handlungsweisen aus dem historischen Kontext heraus.

    knnen die Standortgebundenheit von Quellen sowie die damit verbundene Meinungsmache der beteiligten Parteien erkennen.

    Zur Orientierungsseite

    Die Konfrontation der Schlerinnen und Schler mit den Bildmaterialien kann folgende Fragen provozieren: Malerei aus dem Wolfenbtteler Sachsenspiegel (14. Jh.):

    Warum vergibt der Knig Lehen an einen Bischof und einen weltlichen Frsten? Welche Bedeutung hatte diese Handlung eigentlich fr die damalige Gesellschaft? Wel-che Konsequenzen hatte diese Handlung wohl fr die Beteiligten? Waren alle zufrieden oder gab es Streit?

    Malerei aus dem Heidelberger Sachsenspiegel (14. Jh.): Kaiser und Papst auf einem Thron entsprach das der Wirklichkeit oder war es nur ein Wunsch? Herrschten beide eintrchtig ber Europa oder stritten sie sich? Wer war mchtiger? Kann man schon in dieser Abbildung erkennen, wer mchtiger oder wichtiger war?

    Malerei aus der Schsischen Weltchronik (vor 1290): Warum kniet der Knig vor seinem Frsten, was war vorgefallen? War das Verhalten beider Beteiligten ihrer jeweiligen Stellung angemessen? Welche Folgen hatte ihr Verhltnis fr nachfolgende Herrscher?

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    Was prgte die Zeit des Mittelalters?

    Kommunikations- und Sozialformen

    Plenum: Brainstorming

    Erarbeitung 1Lektre des Verfassertextes orientiert an Aufgabe A

    EinstiegDer Begriff Mittelalter

    LeitfrageWas kennzeichnet das Mittelalter als gedeutete Epoche?

    PartnerarbeitSicherung 1Sammeln der Kennzeichen als Lsung der Aufgabe

    Minimalfahrplan (Basis)

    1. Stunde: Das Mittelalter als Zeit der Gegenstze

    Lektre der Anmoderation mit anschlieender Hypothesen-bildung

    Tafelbild 1:Das Mittelalter als Zeit der Gegenstze

    Differenzierung:Deutung des Mittelalters um 1800 und heute: vergleichende Arbeit mit Q3 und Q4

    VertiefungArbeit mit Q2: aktuelle Deutung des Mittelalters im Interview

    Kommunikations- und Sozialformen

    Minimalfahrplan (Basis)

    2. Stunde: Das Mittelalter als dynamische Zeit

    LeitfrageMobilitt als Merkmal des Mittelalters: Welche Lebenserfahrungen und Praktiken kennzeichnen das unterwegs sein

    Plenum:Unterrichtsgesprch

    Vertiefung:Abfassen einer Erzhlung zu Q1 oder Q3 und Prsentation ausgewhlter Erzhlungen mittels Folien

    Sicherung 1Sammeln der Umstnde, Diskussion mglicher Narrative die Vorbereitungen betreffend

    Partnerarbeit

    EinzelarbeitEinstiegReisemittel und -wege: Aufgabe 1 zu Q1 als Wiederholung

    Erarbeitung 1Umstnde der Mobilitt: Aufgabe 1 zu Q1 und Q3

    Einzelarbeit

    Stundenvorschlag

    Ergnzungsangebote

    Ergnzungsangebote

    Lehrkraft als interviewter Experte

    Handlungsorientierte Alter-native:Szenen einer Zeitreise ins Mittelalter entwickeln und ausprobieren

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    VT Ideengeschichtlich nimmt die Begriffsbestimmung des Mittelalters in der Renaissancezeit seinen Anfang. Die Humanisten historisieren mit dem Gespr dafr, ein neues Denken zu begrnden, die zurckliegende Zeit als eine Phase, die sie von ihrer Inspirationsquelle, der An-tike trennt. Nachfolgende Generationen bewerteten das Mittelalter als dunkle Zeit, wobei der zeitgenssische Quellenmangel mehr und mehr zum Etikett einer ganzen Gesellschaft wurde. Eine Umkehrung fand zu Zeiten der Romantik statt, wie das Zitat aus Novalis Rede ber Europa deutlich macht. Nach der nationalistischen und nationalso-zialistischen Vereinnahmung des Mittelalters bis hin zum 1000jhrigen Reich hat die historische Forschung nach 1945 die Ambivalenz des Mittelalters zum Gegenstand ih-rer Urteile gemacht, was anschaulich in den Arbeiten des Frankfurter Medivisten Johannes Fried (geb. 1942) zu erfah-ren ist. Beharrung einerseits, Aufbruch und Gestaltung (Alfred Haverkamp) andererseits kennzeichnen die Zeit zwischen 800 und 1450. Werden die mhsamen Lebensum-stnde im Verfassertext nur angedeutet, da sie in spteren

    Kapiteln ausfhrlich Beachtung finden, erhlt Mobilitt im vorliegenden Zusammenhang mehr Aufmerksamkeit. Norbert Ohler hat in seinem anschaulichen Buch ber das Reisen im Mittelalter die vielschichtigen Facetten dieses Themas herausgearbeitet, angefangen beim sogenannten Reiseknigtum ber die Stadtflucht und die Aktivitten der Hanse bis hin zu den berhmten Forschungsreisenden Marco Polo (1254 1324) oder Ibn Battuta (1304 1377).

    Q1 Der in der zweiten Hlfte des 15. Jahrhunderts wir-kende Kupferstecher Martin Schonbauer erstellte diese 16,3 16,3 cm groe Darstellung. Auffllig ist, dass der au-genscheinlich freie Bauer ein Schwert an seiner Seite trgt.

    Q3 Gentile da Fabriano (um 1370 1425), ein wegweisender Knstler der italienischen Frhrenaissance, schuf dieses lgemlde als Teil eines Altarbildes im Auftrag der Flo-renzer Kaufmannsfamilie Quarantesi. Der Polyptych zeigt verschiedene Szenen aus dem Wirken des Hl. Nikolaus von Bari.

    A Fasse die Kennzeichen des Mittelalters als Epoche zu-sammen. [I]Frmmigkeit und Kirchlichkeit prgte das Leben; der Alltag fand unter mhsamen Bedingungen statt; zugleich lebte man sehr mobil.

    B Beschreibe, was die Schiffsbesatzung unternimmt, um dem Sturm zu widerstehen. [I]Gut erkennbar ist der betende Mann ganz links. Andere Besatzungsmitglieder schaffen Gter an Deck und werfen diese ins Meer.

    1 Diskutiert, ob die Bilder Q1 und Q3 das Mittelalter als Zeit der Beharrung oder der Dynamik erscheinen lassen. [III]Beide Darstellungen machen die Ambivalenz der Situa-tion deutlich. Q1 zeigt den reisenden Bauer, der dadurch Land und Stadt verbindet, sich aber gegen bevorstehende berflle mit einem Schwert wappnet; Q3 zeigt fahrende Kaufleute mit unbekanntem Ziel, die sich aus eigener Kraft nicht gegen die Krfte der Natur wehren knnen und daher auf ihren Glauben und die Hilfe des Heiligen angewiesen sind.

    2 Arbeite heraus, dass der Dichter Novalis eine positive Sichtweise auf das Mittelalter einnimmt (Q4). [II]Vor allem die Passage schne glnzende Zeiten drckt die positive Vorstellung aus; sie wird mit einer positiven Bewertung des Christentums verbunden. Darber hinaus fhrt Novalis die klare gesellschaftliche Ordnung an, indem er die Grundlagen der Lehensherrschaft m