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  • Das Evangelium des Lukas

    Das Evangelium des Lukas

    Wir haben in der Einleitung zu diesem Kapitel schon gesehen, da Lukas mit denWerken seiner Vorgnger nicht zufrieden war, sondern sie als unzureichende Ver-suche betrachtet hat. Seinen eigenen Entwurf hielt er fr wesentlich besser als denseiner Vorgnger. Ein Hauptgrund fr diese Selbsteinschtzung liegt darin, da seinAnsatz ein wesentlich umfassenderer war als der seiner Vorgnger: Lukas hat nicht wie manch ein moderner Autor seinem ersten Bestseller einen zweiten hinterherge-schickt, sondern ein einheitliches Werk konzipiert, das von Luk , bis Apg , (von [epeide. per] bis [akoly. tos]) reicht. Im Neuen Testament sind diebeiden zusammengehrigen Bcher auseinandergerissen, nachdem das vllig anders-artige Johannesevangelium dazwischen geschoben wurde. Diese bedauerliche Tren-nung hat sich nicht nur bis zum heutigen Tag gehalten die Kluft wird durch dieisolierte Auslegung jeweils eines der beiden Bcher in allen Kommentarreihen nochweiter vertieft.1

    Im Unterschied zu allen andern neutestamentlichen Schriften (doch vgl. immer-hin Apk ,) hat das lukanische Doppelwerk ein Promium in Luk , und eineErinnerung an dieses Promium zu Beginn der Apostelgeschichte. In diesem Promi-um legt Lukas darber Rechenschaft ab, wieso er berhaupt zur Feder gegriffen hatund was er mit seinem Werk bezweckt.2

    . Das Promium des Lukas in Luk ,

    Das Promium des Lukasevangliums ist auch auerhalb der Kommentare oft undbreit (neuerdings sogar in einer Monographie) diskutiert worden.3 Der Text lautet:

    Nachdem schon viele den Versuch un-ternommen haben,

    eine Erzhlung zusammenzustellen

    1 Das gilt in hnlicher Weise auch fr die einschlgigen Lehrveranstaltungen: Man findet Vor-lesungen beispielsweise zum Lukasevangelium oder zur Apostelgeschichte da in ein und derselbenVorlesung beide Bcher des Lukas behandelt werden, ist dagegen relativ selten. Ich habe in einer Greifs-walder Vorlesung im Wintersemester / den Versuch gemacht, das lukanische Doppelwerk alsGanzes zu behandeln. Teile aus dieser Vorlesung sind in die folgenden Ausfhrungen eingeflossen.

    2 Es handelt sich bei Luk , um das Promium des gesamten Werkes des Lukas, wie schonSchleiermacher in seiner Einleitung hervorhebt (Friedrich Schleiermacher: Einleitung ins Neue Testa-ment. Aus Schleiermachers handschriftlichem Nachlasse und nachgeschriebenen Vorlesungen, mit ei-ner Vorrede von Dr. Friedrich Lcke, herausgegeben von G. Wolde, Friedrich Schleiermachers smmt-liche Werke I , Berlin , S. ).

    3 Neben den Kommentaren ist zur Interpretation des Promiums des Evangeliums vor allemheranzuziehen:

    Eduard Meyer: Ursprung und Anfnge des Christentums. Bd. I: Die Evangelien, Stuttgart und Berlin, Kapitel I (Das Geschichtswerk des Lukas) und hier insbesondere S. (Die Vorrede).

    Henry J. Cadbury: Commentary on the Preface of Luke = Appendix C in: The Beginnings of Chri-stianity, Part I: The Acts of the Apostles, hg. v. F.J. Foakes Jackson und Kirsopp Lake, vol. II: Prolego-mena II: Criticism, London , S. .

  • Kapitel IX: Das Werk des Lukas

    ber die Dinge, die sich in unsrer Mitte, erfllt haben, wie uns berliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen (waren) , und Diener des Wortes geworden sind, schien es auch mir angebracht - nachdem ich allem von Anfang an genau nachgegangen war , , es dir Stck fr Stck aufzuschreiben, , bester Theophilos, damit du die Zuverlssigkeit der Leh- . ren erkennst, in denen du unterrichtet

    bist.

    Das Promium des Lukasevangeliums besteht aus einem einzigen Satz, der von v. bis v. reicht. Dabei handelt es sich um den sprachlich besten Satz, der Lukas in denvielen Kapiteln seines Werkes berhaupt gelungen ist.4 Dieses Promium unterschei-det das Werk schon rein uerlich von den andern kanonischen Evangelien: DerProlog erweist, da der Verfasser die bliche literarische Bildung der hellenistisch-rmischen Zeit besitzt und fr sein Werk einen Platz in der Literatur beansprucht.5

    Wir gehen dem nun in aller Krze nach. Nachdem schon viele den Versuch un-ternommen haben, eine Erzhlung zusammenzustellen ber die Dinge, die sich inunsrer Mitte erfllt haben . . . (v. ). Viele Vorgnger nennt Lukas, wir aber kennennur zwei oder drei (das Markusevangeliusm; die Spruchquelle; das lukanische Son-dergut, das allerdings seinerseits vielleicht wieder in mehrere Quellen zerfllt). Wertrotz vieler Vorgnger dasselbe noch einmal versucht, kann die Werke der Vorgn-ger nicht fr perfekt halten. Das bedeutet: Schon gleich zu Anfang kndigt sich einevorsichtige Kritik des Lukas an seinen Vorgngern an.

    Nach dem (polloi.) folgt das Prdikat (epechei.resan), sie haben den Versuchunternommen. Was will Lukas damit sagen? Cadbury mchte die Brisanz herunterspielen,indem er behauptet, da in der Verwendung dieses Wortes keinerlei negative Qualifikationmitschwingt: The other writers are mentioned as precedents rather than as failures.6

    Da Cadbury hier auf dem Holzweg ist, zeigt das Sprachgefhl keines geringeren als desOrigenes, der z.St. schreibt, es handle sich um apokryphe Schriften:

    Gnter Klein: Lukas , als theologisches Programm, in: Zeit und Geschichte. Dankesgabe anRudolf Bultmann zum . Geburtstag, Tbingen , S. .

    Loveday Alexander: The preface to Lukes Gospel. Literary convention and social context in Luke. and Acts ., MSSNTS , Cambridge .

    4 Cadbury (s. die vorige Anmerkung), S. , diskutiert das aus v. , das nicht streng at-tisch sei: But Luke, even in his best sentence, was not sensitive to this objection . . . .

    5 Eduard Meyer, a.(Anm. )a.O., S. . Vgl. auch Cadbury, a.a.O., S. : It is the only place inthe synoptic gospels where the consciousness of authorship is expressed . . .

    6 Cadbury, a.a.O., S. .

  • Das Evangelium des Lukas

    , Matthus nmlich hat nicht einen Versuchunternommen,

    , sondern geschrieben, was der Heilige Geistihm eingab,

    , .7

    in gleicher Weise auch Markus und Johannesund hnlich auch Lukas.

    Dagegen trfe die Formulierung des Lukas etwa auf das gypterevangelium und hnlicheMachwerke zu (Z. ff.). Ganz eindeutig versteht Origenes also das Prdikat (epechei.resan) in malam partem!

    Dem Origenes zum Trotz behauptet Theodor Zahn, sein des Origenes Verstndnis lassesich aus dem Sprachgebrauch nicht rechtfertigen er kann eben besser Griechisch als selbstOrigenes!7

    Was freilich den lukanischen Sprachgebrauch speziell angeht, so tuscht sich Zahn. Lukasverwendet dieses Verbum immer nur fr gescheiterte Versuche, was nun doch ein starkes Argu-ment fr das Verstndnis des Origenes ist. Ich fhre die Stellen in aller Krze vor. Es gibt imlukanischen Doppelwerk zwei weitere Vorkommen von (epicheirei.n): () Apg ,.Hier ist davon die Rede, da die Hellenisten den Paulus umbringen wollen. Dieser Versuchscheitert jedoch. Also ist unser Verbum hier von einem Versuch gebraucht, der nicht zum Zielfhrt. () Apg ,. Hier heit es: Es versuchten auch einige der herumziehenden jdischenExorzisten, ber die, welche die bsen Geister hatten, den Namen des Herrn Jesus zu nen-nen, indem sie sprachen: Ich beschwre euch bei Jesus, den Paulus verkndigt. Doch wiereagiert der auszutreibende Geist? Er sagt: Den Jesus zwar kenne ich, und mit Paulus bin ichbekannt aber was seid ihr denn fr welche? Und so endet ihr Versuch in , mit einer tch-tigen Tracht Prgel und einem etwas ungeordneten Rckzug der Herren. Auch hier handelt essich mithin um einen klar gescheiterten Versuch.

    Damit ergibt sich ohne weiteres: Sowohl in Apg , als auch in Apg , bezeichnet - (epicheirei.n) einen fehlgeschlagenen Versuch. So kann Klein im Hinblick auf Luk ,folgern, da [sich] fr unsere Stelle die Mglichkeit eines negativen Einschlages . . . zumin-dest nahelegen drfte.8 Lukas scheint also mit diesem Wort andeuten zu wollen, da er dieschriftstellerischen Versuche der [polloi.] fr unzureichend hlt.

    9

    Wenn diese Auslegung zutrifft, hlt Lukas die Versuche seiner Vorgnger also frunzureichend. Das wirft natrlich sogleich die Frage auf, was er denn besser machenwill, inwiefern er ber ihre Versuche hinauszukommen hofft. Auf diese Frage gibtLukas in v. eine Antwort: . . . schien es auch mir angebracht nachdem ich allemvon Anfang an genau nachgegangen war , es dir Stck fr Stck aufzuschreiben,bester Theophilos. Ich weise Sie zunchst darauf hin, da dies die einzige Stelle inden kanonischen Evangelien ist, an der der Verfasser in der . Person Singular von sich

    7 , ( , , Athen [die Ausgabefolgt dem Text von M. Rauer: Die Homilien zu Lukas in der bersetzung des Hieronymus und diegriechischen Reste der Homilien und des Lukas-Kommentars, GCS, Origenes Werke , Leipzig ],S. , Z. ).

    7 Theodor Zahn: Das Evangelium des Lucas. Erste Hlfte, Leipzig , S. .8 Gnter Klein, a.(Anm. )a.O., S. .9 Gnter Klein, a.a.O., S. f.

  • Kapitel IX: Das Werk des Lukas

    Abbildung IX.: Auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung . . .

    spricht (jedenfalls in der deutschen bersetzung erscheint diese; im griechischen Textimmerhin [e. doxe kamoi.]). Nirgendwo sonst in den Evangelien sprichtder Verfasser in dieser Weise ber sich selbst. Manchen Textzeugen erschien dies sounglaublich oder doch ungewhnlich, da sie sich zu der Ergnzung et spiritui sanctoveranlat sahen.10

    Dieser Schriftsteller, der sich da zu Wort meldet, will sich von seinen Vorgn-gern unterscheiden, indem er sie schon rein stofflich bertrifft. Er ist allem genaunachgegangen und schreibt es auf. Wenn Sie das Lukasevangelium mit Markus ver-gleichen, sehen Sie, da dies zutrifft: ber die von uns so genannte Vorgeschichteerfahren wir bei Markus nichts. Er erzhlt weder die Vorgeschichte der Geburt Je-

    10 Vgl. den Apparat zur Stelle (die Zeugen sind b q vgmss) sowie Apg ,: .

    Das wird der Selbsteinschtzung des Lukas jedoch nicht gerecht. Treffend wird diese in der oben