AA Fertighaus in Holz - luedi · PDF filefertighaus v 080522 vorwort 1 prinzipien der...

Click here to load reader

  • date post

    17-Sep-2018
  • Category

    Documents

  • view

    215
  • download

    0

Embed Size (px)

Transcript of AA Fertighaus in Holz - luedi · PDF filefertighaus v 080522 vorwort 1 prinzipien der...

  • FERTIGHAUS V 080522 VORWORT 1 PRINZIPIEN DER KOOPERATION 2 DESIGNERHAUS VOM ARCHITEKTEN 3 BAUKASTENSPIELE 4 SYSTEM- ODER TYPENHUSER 5 WIN-A-HOUSE Doz. Urs Luedi dipl. Arch. ETH SIA Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau Bachelor Holztechnik

  • Fertighaus 1

    Vorwort

    Unbestritten bieten Fertighuser den Kunden einige Vorteile: Sie knnen sich ihr Wunschhaus in der Regel vor dem Kauf in echt ansehen, die Planungs- und Bauzeit ist kurz und witterungsunabhngig, und vor allem: der Preis ist zwar nicht unbedingt niedrig, aber fest, die finanzielle Belastung bleibt somit kalkulierbar. Die Qualitt wird geprft und dies vermittelt weitere Sicherheiten.

    Abb.1: Durisolhaus

    Kein Wunder, dass die Fertighaus-Industrie floriert und Hersteller aus den klassischen Holzhausregionen Alpenraum, Skandinavien und Amerika auf den Markt drngen. Vielleicht hat die allgemeine Holzhausrenaissance dazu beige-tragen, dass aus Holz konstruierte Fertighuser nicht mehr so hufig wie Massivhuser aussehen. Aufmerksamkeit verdient das Thema Fertighaus seit einige Hersteller und Architekten nach jahrzehntelanger misstrauischer Reserve wieder zusammen-arbeiten. Ein Vergleich zu den zwanziger Jahren, in denen Vorfertigung und industrielles Bauen zu den wichtigsten Themen der Architektur wurden, drngt sich auf. Vorgefertigte Einfamilienhuser waren vor allem aus Holz ge-baut. Nie zuvor und nie mehr danach gab es so vielfltige Beziehungen zwi-schen Holzbaufirmen und Architekten.

    Abb.2: Plydom

    Architekt Max Bill

    Architekt

    Buckminster Fuller

  • Fertighaus 2

    1 Prinzipien der Kooperation

    1.1 Hersteller beauftragt einen Architekten

    Ein Hersteller beauftragt einen selbstndigen Architekten mit dem Entwurf ei-nes Hauses auf dem Schema vorhandener Fertigungsmethoden. 1914 liess die Firma Christoph & Unmack in Niesky, die schon seit der vorigen Jahrhun-dertwende vorgefertigte Wohnhuser produzierte, zum ersten Mal einen Knstlerarchitekten, Albin Mller, ein transportables Ferienhaus in Paneel-bauweise planen. Bei den Deutschen Werksttten in Dresden-Hellerau, die zu Beginn der zwanziger Jahre mit der Holzhausproduktion in Kassettenbauwei-se begonnen hatten, war der Architektenentwurf in alter Werkbundmanier Prinzip. Sie standardisierten die Bauelemente jedoch nicht den Grundriss. Was im Katalog Typenhaus bezeichnet wurde, waren individuelle Entwrfe in Skelett- oder Tafelbauweise, die auf Bestellung reproduziert wurden.

    Abb. 3: Transportables Ferienhaus in Paneelbauweise

    Abb. 4: Kassettenbauweise

    Knstlerarchitekt Albin Mller

    Standardisierte Bauelemente

  • Fertighaus 3

    1.2 Produktionsfirma stellt Architekten an

    Ein angestellter Architekt ist in die Produktion einer Firma involviert und stei-gert so die architektonische Qualitt. Eine neue ra begann bei Christoph & Unmack, als 1926 auf Vermittlung Poelzigs der 25 Jahre junge Konrad Wachsmann eingestellt wurde und eine Jahr spter zum Chefarchitekten der Abteilung Holzhausbau aufstieg. Es handelte sich hierbei um eine besonders tiefgreifende Art der Zusammenarbeit, da Wachsmann, wenn er auch bei der alteingesessenen Firma kein vllig neues System entwickeln konnte, die kon-struktiven Details und die Fertigungsmethoden entscheidend weiterentwickel-te. Er beschrnkte sich nicht auf den Entwurf eines neuen Typenhauses, son-dern fhrte eine neu Art Katalog ein, bei dem der Kunde in ein auf die vorge-fertigen Bauelemente abgestimmtes Raster die Vorstellung seines Hauses einzeichnen konnte. Im Architekturbro der Firma wurde dieser Plan dann zur Ausfhrung berarbeitet. Weniger bekannt, aber innerhalb der Firma ebenso innovativ war Eugen Schwemmle bei den Deutschen Werksttten.

    Abb. 5: Die Maschine macht das Haus

    Abb. 6: Verladene Tafeln

    Architekt Konrad

    Wachsmann

    General Panel Coorporation

  • Fertighaus 4

    1.3 Architekt entwirft mit fertigen Bauteilen

    Ein selbstndiger Architekt entwirft ein einzelnes, individuelles Haus aus vor-gefertigten Bauteilen. Beispielhaft soll hier Hans Scharoun angefhrt werden, dessen Mittelstandshaus auf der Gartenbauausstellung 1927 in Liegnitz aus Paneelen von Christoph & Unmack gebaut war. Fr Scharoun war das Lieg-nitzhaus der Beginn einer weiterreichenden Beschftigung mit der vorgefer-tigten Holzbauweise, die ihn ber seinen Beitrag zum Wettbewerb Das wachsende Haus bis zu seinem System Baukaro fhrte. Heutzutage werden individuelle Holhausentwrfe hufig oder sogar in der Regel mit vorgefertigten Bauelementen geplant.

    Abb. 7: Der Karo-Bau besteht aus einzelnen Baukaros mit Fixpreis

  • Fertighaus 5

    Abb. 8: Fertighaus in Skelettbauweise

    Abb. 9: Kerngebude mit Anbauvarianten

    Furter Haus

    Axonometrie

  • Fertighaus 6

    Abb. 10: Inseratenkampagne fr zeitgemssen Holzbau

  • Fertighaus 7

    2 Designerhaus vom Architekten

    Der grosse Fertighaushersteller Allkauf beauftragte bereits 1995 mehrerer Ar-chitekten von Rang und Namen, ein Einfamilienhaus von durchschnittlicher Grsse und in angemessenem Kosten-Nutzen-Verhltnis fr sein neues Pro-gramm New Standard zu entwerfen.

    Abb. 11: Fertighaus mit persnlicher Unterschrift

    Allkaufkatalog

  • Fertighaus 8

    Allkauf stellte dabei das Vertriebssystem und die Produktionstechnik. New Standard dahinter verbergen sich die Kunstagenten Helge Achenbach und Klaus Zimmermann war fr die knstlerische Betreuung verantwortlich. Die Architekten sollten sich der Aufgabe von einer grundstzlichen Ebene her n-hern, gemss ihren Auffassungen von Raum, Material, Gestaltung. Erst in ei-nem zweiten Schritt wurden die Entwrfe den produktionstechnischen Erfor-dernissen angepasst, was nicht ohne Diskussion und manchen Kompromiss vonstatten gegangen sein drfte. Allkauf setzt mit dem Programm New Stan-dard auf eine Klientel, die die Vorteile eins sogenannten Ausbauhauses (Innen- und Technikausbau erfolgen in Eigenleistung) zum Fixpreis mit dem Gestal-tungsplus eines Architektenentwurfes verbinden will. Musterhuser gibt es von dem Programm bisher nicht, dafr aber einen Katalog, dessen Informati-onswert umgekehrt proportional zu seiner Aufmachung steht. Zwei der fnf Architekturbros haben sich fr ein reines Holzhaus entschieden, jedoch in sehr unterschiedlicher Gestaltung.

    Abb. 12: Preisliste

    Ausbauhaus Materialpaket

  • Fertighaus 9

    2.1 Villa Italia

    Toskane. Land der Lebenskunst und des schnen Wohnens. Mit der Architek-tur der Villa Italia der beiden Mnchner Architekten wird das mediterrane Leben diesseits der Alpen angeboten. Die Villa Italia ist geprgt von der berlagerung der Geschichte die sichtbar wird. Das weit auskragende Dach, das Klinkerwerk im Erdgeschoss und eine horizontale Holzverschalung im Obergeschoss verlei-hen der Fassade einen markanten Charakter. Mit einem Aussenmass von 9.5 Metern im Quadrat bentigt die Villa Italia ein normal grosses Grundstck.

    Abb. 13: Wrfelfrmiger Holzkubus mit vorgesetzter Backsteinfassade

    Abb. 14: Quadratischer Grundriss

    Architekten Hilmer & Sattler

  • Fertighaus 10

    2.2 TWOgether

    Gerade darin liegt der Gegensatz zum weiteren reinen Holzhaus der New Standard Reihe vom Basler Bro Diener & Diener, dass ohne alle Holzhaus-klischees auskommt. TWOgether besteht aus zwei Kuben auf rechteckigem Grundriss, die versetzt aneinander geschoben sind. Dieses Konzept ergibt zum Garten hin eine hofartige abgeschirmte Terrassensituation. Im Innern findet keine Verzahnung der beiden Baukrper statt, alle Neben-rume sind im kleineren Kubus konzentriert, der grosse ist in grosszgige Wohnrume aufgeteilt. Eine Verbindung entsteht jedoch indirekt ber den Freiraum im Winkel der beiden Flgel, zu dem sich alle Rume mit grossen franzsischen Fenstern beziehungsweise Tren ffnen. Dieses Fensterformat wird auch an der Strassenseite beibehalten. Alle Aussenwnde sind mit durchgehenden Lrchenholz-Latten verkleidet, die Terrassenseite ist wahlwei-se rot, grn oder blau gestrichen, je nach individuellen Vorstellungen und re-gionalen Besonderheiten. Ohne Sockel steht das Haus wie eine oder besser zwei Kisten auf dem Grund, kompromisslos und klar.

    Abb. 15: Zwei versetzte Holzkuben

    Architekt Roger Diener

  • Fertighaus 11

    Abb. 16: Holzrahmenbau

  • Fertighaus 12

    2.3 Terrazza

    Elemente der klassischen Moderne bestimmen das ussere von Terrazza. Die Kombination geometrischer Grundformen und ausgewogenen Porportionen bringen Ruhe und Charakter in die Fassadengestatlung. Nichts lenkt ab. So hat sich Max Dudler auf zwei Fensterformen konzentriert, die immer wieder-kehren. Die Terrassen, eine im Erdgeschoss und eine zweite im Oberge-schoss, jede so gross wie ein Viertel des Hauses, prgen seinen Charakter. Bei aller Grossszgigkeit des Raumangebotes (gut 163 m2 Wohnflche) ist Terrazza in den Ausmassen sehr bescheiden. Mit einer Breite von 8 Metern ist es geradzu ideal fr schmale, tiefe Grundstcke.Die Auswahl des Materials unterstreicht die konsequente Geradlinigkeit der Aussengestaltung. Sie erin-nert an die Architektur der 20er Jahre. Klinker ist das dominierende Fassa-denmaterial. Seine Form prgt die monolithische Gestalt. Die Treppe wird als formschne Edelholztreppe geliefert. Im Inneren handelt es sich um einen Holzrahmenbau mit Gipsverkleidung.

    Abb. 17: Holzbau vollstndig mit Klinker verkleidet

    Abb. 18: Grundrisse

    Architekt Max Dudler

  • Fertighaus 13

    2.4 New Tradition

    Die Architekten haben eine traditionelle Idee des Bauens und Wohnens neu formuliert. So entstand ein Haus, das eine Verbindung zwischen Vergangen-heit