Agatha Christie Der Hund Des Todes Kurzgeschichten

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Agatha Christie Der Hund Des Todes Kurzgeschichten

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  • AGATHA CHRISTIE

    Der Hund des Todes

    Kurzgeschichten

    Hachette Collections

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  • AGATHA CHRISTIE The Hound of Death, The Red Signal, The Fourth Man, The Gypsy, The Lamp, Wireless, The Witness for the Prosecution, The Mystery of the Blue Jar, The Strange Case of Sir Arthur

    Carmichael, The Call of Wings, The Last Seance, S.O.S. 2010 Agatha Christie Limited (a Chorion Company).

    All rights reserved.

    The Collection of short stories The Hound of Death was first published in 1933

    Der Hund des Todes, Das rote Signal, Der vierte Mann, Die Zigeune-rin, Die Lampe, Am falschen Draht, Zeugin der Anklage, Das Ge-

    heimnis des blauen Kruges, Der seltsame Fall des Sir Arthur Carmicha-el, Rolltreppe ins Grab, Die letzte Sitzung, SOS 2010 Agatha

    Christie Limited. All rights reserved.

    Aus dem Englischen von Rudolf Hermstein

    Copyright 2010 Hachette Collections fr die vorliegende Ausgabe.

    Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tontrger jeder Art und

    auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

    Satz und Gestaltung: Redaktionsbro Franke & Buhk, Hamburg Druck: GGP Media GmbH, Pneck

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  • Inhalt

    Der Hund des Todes...............................................................5 Das rote Signal ...................................................................... 29 Der vierte Mann.................................................................... 57 Die Zigeunerin ...................................................................... 81 Die Lampe............................................................................. 95 Am falschen Draht ............................................................. 107 Zeugin der Anklage ............................................................ 126 Das Geheimnis des blauen Kruges................................... 198 Der seltsame Fall des Sir Arthur Carmichael................... 223 Rolltreppe ins Grab ............................................................ 253 Die letzte Sitzung................................................................ 274 SOS....................................................................................... 293

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  • Der Hund des Todes

    s war William P. Ryan, ein amerikanischer Zei-tungskorrespondent, durch den ich zuerst von der Geschichte erfuhr. Am Tag vor seiner Rck-

    reise nach New York a ich mit ihm in London zu Abend und erwhnte dabei gesprchsweise, dass ich am nchsten Morgen nach Folbridge fahren wolle.

    Er blickte auf und fragte scharf: Nach Folbridge in Cornwall?

    Nun wei unter tausend vielleicht gerade einer, dass es berhaupt ein Folbridge in Cornwall gibt. Die allermeis-ten halten es fr selbstverstndlich, dass der Ort Folbrid-ge in Hampshire gemeint ist. Daher erweckte Ryans Ortskunde meine Neugier.

    Ja, erwiderte ich. Kennen Sie es? Er bemerkte lediglich, da hole ihn doch dieser und je-

    ner. Dann fragte er, ob ich da unten zufllig ein Haus namens Trearne kenne.

    Meine Neugier wuchs. Allerdings, sehr gut sogar. Genau da fahre ich nmlich

    hin. Trearne gehrt meiner Schwester. Na so was, sagte William P. Ryan. Wenn das einen

    nicht glatt vom Stuhl haut! Ich ersuchte ihn, sich nicht lnger in rtselhaften An-

    deutungen zu ergehen, sondern zu erklren, was er meine. Tja, sagte er, um das zu tun, muss ich bis zu einem

    Erlebnis von mir bei Ausbruch des Krieges zurckge-hen.

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  • Ich seufzte. Die Ereignisse, von denen hier die Rede ist, fanden im Jahr 1921 statt. Kein Mensch wnschte da-mals, an den Krieg erinnert zu werden. Wir begannen ihn gottlob gerade zu vergessen Auerdem pflegte William P. Ryan, wie ich wusste, unglaublich weitschweifig zu werden, sobald er auf seine Kriegserlebnisse zu sprechen kam.

    Aber er war nicht mehr zu bremsen. Bei Ausbruch des Krieges war ich, wie Sie vermutlich

    wissen, fr meine Zeitung in Belgien ttig und kam dort ziemlich viel herum. Nun, es gibt dort ein kleines Dorf ich will es mal X nennen. Ein richtiges Kuhdorf, aber es gab ein ziemlich groes Kloster am Ort. Nonnen in Wei den Namen des Ordens kenne ich nicht. Er tut auch nichts zur Sache. Also, dieses Nest lag genau auf dem Weg des deutschen Vormarschs. Die Ulanen kamen

    Ich rutschte unruhig auf meinem Stuhl hin und her. William R Ryan hob beschwichtigend die Hand.

    Keine Angst, es ist keine Geschichte ber deutsche Kriegsverbrecher. Es htte vielleicht eine werden knnen, aber es ist keine. Eigentlich liegt der Fall hier genau um-gekehrt. Die Deutschen marschierten zum Kloster und als sie hinkamen, flog das ganze Ding in die Luft.

    Oh! bemerkte ich etwas erschrocken. Sonderbare Geschichte, nicht? Auf Anhieb wrde ich

    sagen, die Deutschen haben eben gefeiert und dabei ihren eigenen Sprengstoff hochgejagt. Aber anscheinend hatten sie gar keinen dabei. Es war kein Sprengkommando. Also frage ich Sie, was sollte ein Haufen Nonnen von Spreng-stoff verstehen? Das wren mir schne Nonnen, was?

    Das ist allerdings sonderbar, stimmte ich zu. Es war mir interessant, den Bericht der Bauern ber

    das Ereignis zu hren. Fr die lag der Fall sonnenklar. Nach ihrer Meinung war es schlicht ein erstklassiges,

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  • hundertprozentig funktionierendes modernes Wunder gewesen. Eine der Nonnen hatte nmlich anscheinend als eine angehende Heilige gegolten Trancezustnde, Visi-onen und so. Und die hatte nach Auffassung der Bauern die Explosion ausgelst. Sie habe den Blitz herabgerufen, um die gottlosen Hunnen in die Luft zu sprengen was er dann auch tat, und alles brige im weiteren Umkreis dazu. Ein recht grndliches Wunder, muss ich sagen!

    Ich hatte keine Zeit, der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Aber Wunder standen zu der Zeit hoch im Kurs die Engel von Mons und so weiter. Ich brachte also die Geschichte zu Papier; ich drckte grndlich auf die Tr-nendrse, ging mit dem religisen Kram richtig in die Vollen und schickte das Ganze an meine Zeitung. Es kam in den Staaten sehr gut an. Die lasen zu der Zeit so was gern.

    Aber ich wei nicht, ob Sie das verstehen beim Schreiben wurde ich neugierig. Es interessierte mich, was wirklich passiert war. An der Stelle selbst war nichts zu sehen. Da standen blo noch zwei Mauern, und auf der einen war ein schwarzer Rufleck, der genau die Form von einem riesigen Wolfshund hatte. Die Bauern in der Gegend frchteten sich zu Tode vor diesem Fleck. Sie nannten ihn den Hund des Todes und weigerten sich, nach Einbruch der Dunkelheit dort vorbeizugehen.

    Aberglubische Ideen sind immer interessant. Es reizte mich, die Dame kennen zu lernen, die das Ganze insze-niert haben sollte. Anscheinend war sie nicht ums Leben gekommen, sondern mit einem Hufchen von anderen Flchtlingen nach England gegangen. Ich nahm mir die Mhe, ihre Spur zu verfolgen, und fand heraus, dass man sie nach Folbridge in Cornwall geschickt und in Haus Trearne einquartiert hatte.

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  • Ich nickte. Meine Schwester hat bei Kriegsausbruch eine ganze Menge von belgischen Flchtlingen in ihrem Haus aufgenommen. Ungefhr zwanzig.

    Ich hatte mir immer vorgenommen, die Frau mal auf-zusuchen und mir von ihr selbst erzhlen zu lassen, wie das Unglck geschah. Aber vor lauter Arbeit und dem ganzen sonstigen Hin und Her hab ich schlielich nicht mehr dran gedacht. Cornwall liegt ja auch ein bisschen weit ab. Inzwischen hatte ich die Geschichte sowieso total vergessen; erst als Sie eben von Folbridge sprachen, ist sie mir wieder eingefallen.

    Ich muss meine Schwester fragen, sagte ich. Viel-leicht hat sie etwas davon gehrt. Die Belgier sind inzwi-schen natrlich lngst wieder in ihre Heimat zurckge-kehrt.

    Freilich. Trotzdem, sollte Ihre Schwester tatschlich etwas von der Sache wissen, wrde ich mich freuen, wenn Sie mir Bescheid gben.

    Selbstverstndlich, beteuerte ich. Damit war der Fall erledigt.

    Es war am zweiten Tag nach meiner Ankunft in Trear-ne, als mir die Geschichte wieder einfiel. Meine Schwes-ter und ich saen gerade beim Tee auf der Terrasse.

    Kitty, sagte ich, hattest du nicht eine Nonne unter deinen Belgiern?

    Du meinst doch nicht etwa Schwester Marie-Anglique?

    Mglicherweise, erwiderte ich vorsichtig. Erzhl mir was von ihr.

    Oh, mein Lieber, sie war eine hchst unheimliche Per-son. Sie lebt brigens noch hier.

    Was? Hier im Haus?

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  • Nein, nein. Im Dorf. Dr. Rose du erinnerst dich an Dr. Rose?

    Ich schttelte den Kopf. Ich erinnere mich an einen alten Herrn von ungefhr

    dreiundachtzig. Ach, das war Dr. Laird. Der ist tot. Dr. Rose ist erst

    seit ein paar Jahren hier. Er ist noch ganz jung und sehr aufgeschlossen fr neue Ideen. Er hat sich ganz ungeheu-er fr Schwester Marie-Anglique interessiert. Sie hat Halluzinationen und dergleichen, weit du, und ist des-halb anscheinend vom medizinischen Standpunkt aus hochinteressant. Die Arme, sie wusste nicht wohin meiner Meinung nach ist sie einfach nicht richtig im Kopf, aber irgendwie beeindruckend eben, wenn du ver-stehst, was ich meine na, wie gesagt, sie wusste nicht wohin, und da hat Dr. Rose sie freundlicherweise im Dorf untergebracht. Ich glaube, er schreibt eine Mono-grafie ber sie, oder wie man das bei rzten nennt.

    Kitty machte eine Pause und fragte dann pltzlich: A-ber wieso weit du denn von ihr?

    Mir ist da eine recht merkwrdige Geschichte zu Oh-ren gekommen.

    Ich gab die Geschichte so weiter, wie ich sie von Ryan gehrt hatte. Kitty hrte interessiert zu.

    Sie sieht aus wie jemand, der einen in die Luft spren-gen knnte, bekrftigte sie am Schluss.

    Mir scheint, entgegnete ich mit wachsender Neugier, ich muss diese Frau kennen lernen.

    Tus. Ich mchte gern wissen, was du von ihr hltst. Aber erst