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  • Auszeichnung guter Bauten im Kanton Zrich 2006

  • Auszeichnung guter Bauten im Kanton Zrich 2006

    Bund Schweizer Architekten, Ortsgruppe Zrich Schweizerischer Werkbund, Ortsgruppe Zrich

  • Bauen und ffentlichkeit

    Jedes Bauen ist ein ffentlicher Akt, auch der Bau des privatesten Einfamilienhauses. Der Eingriff in das Gewebe der Stadt

    oder in eine Landschaft verndert das rumliche Gefge und betrifft damit alle. Das ffentliche und das Private durchdringen

    sich gegenseitig und sind nicht immer eindeutig abzugrenzen. Ein verstrkter Rckzug ins Private lsst sich beobachten,

    gleichzeitig wird die Intimitt des Wohnens zusehends aufgebrochen, seit vermehrt zu Hause gearbeitet wird oder seit die

    riesigen Fenster der zeitgenssischen Architektur die Stadtwohnung zum Schaufenster machen. Besonders im verdichteten

    Wohnungsbau treten die Schnittstellen beziehungsweise die fliessenden bergnge zwischen ffentlichem und Privatem

    in verstrktem Masse auf.

    Die Jury stellt mit den diesjhrigen Auszeichnungen Arbeiten in den Vordergrund, die unmissverstndlich Bezug nehmen auf

    die vielfltigen Parameter des Planungs- und Bauprozesses. Sei es das Grundstck, das alles andere als optimal ist, sei es

    der stdtebauliche Kontext, der sich auf den ersten Blick einer klaren Einordnung entzieht, sei es die komplexe Bauaufgabe

    selbst: stets ging es darum, neue Architektur in ein bestehendes Gewebe einzufgen. Die sorgfltige Recherche des Ortes

    mit seinen spezifischen Eigenschaften zieht sich als roter Faden durch alle Arbeiten und ist das deutlichste Pldoyer fr ein

    Bauen in und mit der ffentlichkeit.

  • Auszeichnungen

    6 Wohnberbauung Hagenbuchrain

    Hagenbuchrain 1013, Zrich

    10 Gemeindeverwaltungszentrum Affoltern am Albis

    Marktplatz 1, Affoltern a. A.

    14 Wohnberbauung Paul Clairmont-Strasse

    Birmensdorferstr. 467, Zrich

    18 Jurierung

    Anerkennungen

    20 Betriebsgebude Dietlikon

    Hofwiesenstrasse, Dietlikon

    22 Schulhaus Mattenhof

    Dbendorferstrass 300, Zrich

    24 Fachhochschule Sihlhof

    Lagerstrasse 5, Zrich

    26 MFO-Park

    Sophie-Taeuber Strasse, Zrich

    28 Wohnberbauung Leimbachstrasse

    Leimbachstrasse 221, Zrich

    30 Sulzerareal Winterthur

    32 Zrcher Hochschule Winterthur

    Theaterstrasse 17/19, Winterthur

    35 Eingereichte Objekte

  • Die Wohn-Landschaft

    Auch wer an den Rndern der Stadt baut, muss sich mit bereits Vorhandenem auseinandersetzen. Die stdtebauliche Kon-

    stellation im Falle der Wohnberbauung Hagenbuchrain war so komplex wie typisch fr diese Situationen: Der mittelalter liche

    Dorfkern von Albisrieden liegt in Sichtweite, die nhere Umgebung ist geprgt von Zeilen-Mehrfamilienhusern aus der

    Nachkriegszeit, durchsetzt mit kleineren Einfamilienhusern. Hinzu kommt die Nachbarschaft zum Landschaftsraum des

    etliberges. Hier, wo Grn und Siedlungsgebiet aneinander stossen, ist besondere Sorgfalt geboten, vor allem wenn verdichtet

    gebaut werden soll.

    Das respektable Raumprogramm von 41 grsseren Familienwohnungen verteilten Bnzli & Courvoisier auf sechs usserst

    przis gesetzte Huser. Durch die Gliederung der Baukrper wird die doch erhebliche Baumasse in ihrer Wirkung deutlich

    gemildert, gleichzeitig entstehen dadurch spannungsreiche Rume zwischen den Gebuden. Das abschssige Gelnde

    an der Nordflanke des etlibergs fliesst frei und wie unberhrt durch diese Wohn-Landschaft. Gebude und Grnraum sind

    eng verzahnt, und doch ffnen sich immer wieder Durchblicke, die stets eine Orientierung gewhrleisten.

    Zum subtilen Umgang mit der Landschaft und dem bestehenden Stadtkrper passt die unaufgeregte Ausfhrung der Bauten.

    Die strenge Fassadengestaltung bindet die einzelnen Huser zu einer berbauung zusammen, kontrastiert aber gleichzeitig

    mit warmen Farbgebungen wie dem hellen Beige des Kratzputzes und der dunklen Baubronze der Fensterprofile. Zum soliden,

    handwerklichen Duktus der Gebude gehren auch die intimen, mit Holz ausgekleideten Loggias. Das Zusammenspiel der

    Materialien und Farben gibt der Siedlung eine dezidiert unmodische und damit zeitlose Erscheinung.

    Die Weite in der Kompaktheit, die schon die stdtebauliche Setzung prgt, setzt sich im Inneren wie selbstverstndlich fort.

    Durch die Gliederung der Bauten entstehen verschiedene Flgel, die in der hohen Bebauungsdichte doch noch ein grosses

    Mass an Individualitt gewhrleisten. In jeder Wohnung fhrt ein breiter Korridor vom Eingang an den einzelnen Zimmern

    vorbei zum Wohnzimmer, das quer ber die ganze Breite des Hauses eine Art Kopf der Wohnung bildet. Fenster auf drei Seiten

    betonen diese Ausnahmestellung und ermglichen zugleich mehrere Ausblicke in die Umgebung.

    Objekt Wohnberbauung Hagenbuchrain

    Hagenbuchrain 1013, Zrich

    Architekt Bnzli & Courvoisier Architekten BSA SIA, Zrich

    Bauherrschaft Baugenossenschaft Sonnengarten, Zrich

    6 Auszeichnung

  • Khner Baustein im stdtebaulichen Wirrwarr

    Lange musste Affoltern am Albis auf sein neues Gemeindezentrum warten. ber Jahrzehnte wurden Standorte geprft

    und wieder verworfen. In der Zwischenzeit wandelte sich das frhere Bauerndorf zu einem stdtischen Regionalzentrum im

    Knonaueramt. Mit dem Platz hinter dem einstigen Offizierskasino an der Oberen Bahnhofstrasse wurde schliesslich ein Ort

    gefunden, dessen zentrale Lage sich fr ein ffentliches Gebude geradezu anbietet. Ausserdem hatte die unbebaute Flche

    bis anhin schon eine ffentliche Funktion als Marktplatz fr den Wochenmarkt.

    Das Grundstck und die benachbarten Gebude machten es den Architekten Mller Sigrist aus Zrich jedoch nicht einfach:

    kein direkter Strassenanstoss, eine Art Hinterhofsituation und eine gebaute Nachbarschaft, in der architektonisch und

    stdtebaulich kein Halt zu finden ist. In dieses diffuse Gebude-Konglomerat setzen die Architekten mit einer khnen Geste

    das neue Gemeindezentrum. Vom Volumen her schwer und unverrckbar, gleichzeitig glsern und leicht, markiert es eine

    neue Mitte, zieht die Blicke auf sich und lsst einen die Umgebung vergessen.

    Im Grundriss praktisch ein Quadrat, fasst der Neubau die Gemeindeverwaltung und den neuen Kasinosaal in einem

    kompakten Baukrper zusammen. Die abgestufte Gliederung bildet die Nutzungen nach aussen ab: Bros und Verwaltung

    im viergeschossigen Trakt, Saal und Foyer im zweistckigen Teil, schliesslich das weit ausladende Vordach, das nicht

    nur eine grosszgige Geste darstellt, sondern auch dem nach wie vor stattfindenden Wochenmarkt als Unterstand dient.

    Mit der Verwendung farbiger Glser schaffen die Architekten ein einheitlich-serises Erscheinungsbild fr den Verwaltungs-

    bau, zugleich aber auch eine festliche Atmosphre unter dem Vordach, dem gemeinsamen Eingangsbereich von ffentlichen

    Schaltern und Saal. Je nach Wetter tauchen die in die Tragkonstruktion des Vordaches eingelassenen, mit Folien beklebten

    Scheiben den gedeckten Platz in ein anderes Licht.

    Im neuen Kasinosaal wird die Farbigkeit sogar noch intensiver. Warme Rot- und Orangetne prgen den Raum, der ber

    die von der Decke ragenden Saalleuchten an die verschiedenen Bedrfnisse seiner Nutzer angepasst werden kann. Die

    leuchtenden, schlauchartigen Elemente lassen sich stufenlos auf Hhen zwischen drei bis acht Metern ber Boden einstellen,

    so dass sowohl das kleine Bankett wie auch die Theatervorfhrung ihren angemessenen Rahmen finden.

    Objekt Gemeindeverwaltungszentrum Affoltern am Albis

    Marktplatz 1, Affoltern a. A.

    Architekt Mller Sigrist Architekten AG, Zrich

    Bauherrschaft Politische Gemeinde Affoltern am Albis, Affoltern a.A.

    10 Auszeichnung

  • Neue Qualitt im verdichteten Wohnen

    Im Wohnungsbau der letzen zwanzig Jahre gab es immer wieder Experimente. Mehr oder weniger mssen aber Wohnungen

    die gleichen Bedrfnisse abdecken wie immer. Irgendwo wird geschlafen, woanders gekocht und gegessen. Die wirklich

    grosse Vernderung spielte sich ausserhalb der Wohnungen ab: auf dem Balkon. Was einst ein kleines Anhngsel an der

    Fassade war, auf dem knapp ein Bistrotisch mit zwei Sthlen Platz hat, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem echten

    privaten Aussenraum.

    Zimmergrosse Balkone stellen neue Anforderungen an die Architekten. Patrick Gmr und Jakob Steib haben bei der

    Wohnberbauung an der Paul Clairmont-Strasse beim Triemlispital den Balkon gleich als Ausgangspunkt der Entwurfsidee

    genommen. Der wachsende Platzbedarf soll mit den sich widersprechenden Wnschen nach Intimitt und Aussicht

    vermhlt werden.

    An der Sdwestfassade mit Blick auf den nahen etliberg verwirklichten die Architekten ihr neues Konzept von Balkon

    auf eine berraschende, gestalterisch berzeugende Art und Weise. Durch den wechselseitigen Versatz der massiv aus-

    gefhrten Balkonvolumen entstand ein zweigeschossiger Luftraum, der einerseits einen rumlichen Luxus darstellt, aber auch

    Licht in die dahinter liegende Wohnung transportiert. Mit der gleichen Massnahme des Versetzens erzeugen die Architekten

    auf dem gleichen Balkon eine eingeschossige, geschtzte Nische, die von festen Mauern umgeben ist.

    So gelang das Kunststck, im hoch verdichteten Wohnungsbau Balkone von 3.80 Meter Tiefe mit 25 Quadratmetern

    Grundflche zu realisieren. In der Addition formen die Balkone eine eigene, plastisch ausformulierte Schicht mit Ecken und

    Kanten. Durch den wssrig-weissen Anstrich des gesamten Gebudes kommen Assoziationen zu den Architekturen des

    Mittelmeerraumes auf.

    Deutlich weniger sp