Agrarforschung Schweiz, Heft 9, September 2014

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  • AGRARFORSCHUNG SCHWEIZ

    S e p t e m b e r 2 0 1 4 | H e f t 9

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    iBL

    Nutztiere Erfahrene Ferkel frdern das Wachstum frisch abgesetzter Ferkel nicht Seite 324

    Gesellschaft Wer in der Schweiz Bio-Lebensmittel kauft Seite 338

    Pflanzenbau Ergebnisse der Sortenversuche 20112013 mitLuzerne Seite 358

  • ImpressumAgrarforschung Schweiz / Recherche Agronomique Suisse ist die Zeitschrift der landwirtschaftlichen Forschung von Agroscope und ihren Partnern. Die Zeitschrift erscheint auf Deutsch und Franzsisch. Sie richtet sich an Fachpersonen aus Forschung, Industrie, Lehre, Beratung und Politik, an kantonale und eidgens sische mter und weitere Fachinteressierte.

    HerausgeberinAgroscope

    Partnerb Agroscope (Institut fr Pflanzenbauwissenschaften IPB;

    Institut fr Nutztierwissen schaften INT; Institut fr Lebensmittelwissenschaften ILM; Institut fr Nachhaltigkeits wissenschaften INH), www.agroscope.ch

    b Bundesamt fr Landwirtschaft BLW, Bern, www.blw.chb Hochschule fr Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL, Zollikofen, www.hafl.chb Beratungszentrale AGRIDEA, Lindau und Lausanne, www.agridea.ch b Eidgenssische Technische Hochschule ETH Zrich,

    Departement fr Umweltsystemwissenschaften, www.usys.ethz.chb Forschungsinstitut fr biologischen Landbau FiBL, www.fibl.org

    Redaktion Leitung und deutsche RedaktionAndrea Leuenberger-Minger, Agrarforschung Schweiz / Recherche Agronomique Suisse,Agroscope, Postfach 64, 1725 Posieux, Tel. +41 58 466 72 21, Fax +41 58 466 73 00

    Franzsische RedaktionSibylle Willi, Agrarforschung Schweiz / Recherche Agronomique Suisse,Agroscope, Postfach 1012, 1260 Nyon 1, Tel. +41 58 460 41 57

    StellvertretungJudith Auer, Agrarforschung Schweiz / Recherche Agronomique Suisse,Agroscope, Postfach 1012, 1260 Nyon 1, Tel. +41 58 460 41 82

    E-Mail: info@agrarforschungschweiz.ch

    Redaktionsteam Vorsitz: Jean-Philippe Mayor (Leiter Corporate Communication Agroscope), Evelyne Fasnacht, Erika Meili und Sibylle Willi (Agroscope), Karin Bovigny-Ackermann (BLW), Beat Huber-Eicher (HAFL), Esther Weiss (AGRIDEA), Brigitte Dorn (ETH Zrich), Thomas Alfldi (FiBL).

    AbonnementPreiseZeitschrift: CHF 61.* (Ausland + CHF 20. Portokosten), inkl. MWSt. und Versandkosten, Online: CHF 61.* * reduzierter Tarif siehe: www.agrarforschungschweiz.ch

    AdresseNicole Boschung, Agrarforschung Schweiz / Recherche Agronomique Suisse, Agroscope, Postfach 64, 1725 Posieux E-Mail: info@agrarforschungschweiz.ch, Fax +41 58 466 73 00

    AdressnderungenE-Mail: verkauf.zivil@bbl.admin.ch, Fax +41 31 325 50 58

    Internet www.agrarforschungschweiz.chwww.rechercheagronomiquesuisse.ch

    ISSN infosISSN 1663-7852 (Print)ISSN 1663-7909 (Internet)Schlsseltitel: Agrarforschung SchweizAbgekrzter Schlsseltitel: Agrarforsch. Schweiz

    Copyright Agroscope. Nachdruck von Artikeln gestattet, bei Quellenangabe und Zustellung eines Belegexemplars an die Redaktion.

    Erfasst in: Web of Science, CAB Abstracts, AGRIS

    323 Editorial

    Nutztiere

    324 Erfahrene Ferkel frdern das Wachstum frisch abgesetzter Ferkel nicht Andreas Gutzwiller, Marion Reichenbach und

    Edna Hillmann

    Nutztiere

    330 Zusammensetzung von Fettsuren in der Tierftterung Analysemethoden Silvia Ampuero Kragten, Marius Collomb,

    Sbastien Dubois und Peter Stoll

    Gesellschaft

    338 Wer in der Schweiz Bio-Lebensmittel kauft Franziska Gtze und Ali Ferjani

    Agrarwirtschaft

    344 Potenziale der Landwirtschaft in der Gotthardregion Andreas Hochuli, Esther Hidber und Mario

    Huber

    Agrarwirtschaft

    352 Vollkostenkalkulationen fr Lohnarbeiten Daniel Hoop, Anja Schwarz und Markus Lips

    Pflanzenbau

    358 Ergebnisse der Sortenversuche 20112013 mitLuzerne Rainer Frick, Eric Mosimann, Philippe Aebi,

    Daniel Suter und Hans -Ueli Hirschi

    Pflanzenbau

    366 Die Schweizer Pflanzenzchtung eine rumliche, zeitliche und thematische Analyse des Umfeldes Achim Walter, Christoph Grieder, Luisa Last,

    Beat Keller, Andreas Hund und Bruno Studer

    Kurzbericht

    374 Gerstenflugbrand: Sortenanflligkeit und Bekmpfungsalternativen Heinz Krebs et al.

    Kurzbericht

    378 World Caf Wachstum in der Landwirtschaft Linda Reissig

    382 Portrt

    383 Aktuell

    387 Veranstaltungen

    InhaltSeptember 2014 | Heft 9

    Ferkel werden aus wirtschaftlichen Grnden von der Muttersau getrennt, bevor sie von ihr gelernt haben, Trockenfutter zu fres-sen. Ineinem Ftterungsversuch haben Forschende von Agro-scope und der ETH untersucht, ob diese jungen Ferkel fhig sind, von frher abgesetzten, erfahrenen Jungtieren die Aufnahme von Festfutter zu lernen. (Foto: Gabriela Brndle, Agroscope)

  • Editorial

    323Agrarforschung Schweiz 5 (9): 323, 2014

    Liebe Leserin, lieber Leser

    Gesellschaftlich hat die Agrarforschung wieder an Gewicht gewonnen. Die

    Menschen essen gerne und Kochen wird zelebriert. Nicht wenige definieren

    sich sogar darber, wie sie essen und einkaufen: Ich bin ein Veganer, ich

    bin ein regelmssiger Biokunde, ich kaufe nur bei der Buerin auf dem

    Wochenmarkt ein, ich bin gegen Gentechnik oder bei mir kommt nur

    ein Steak aus Freilandhaltung in die Pfanne. Dem widersprechen allerdings

    die zwei Milliarden Franken, welche Schweizer im grenznahen Ausland vor

    allem bei Billigdiscountern ausgeben. Ob wir es wollen oder nicht, Konsu-

    mentinnen und Konsumenten reden mit, wenn Forschungsprioritten

    gesetzt werden.

    Die Gesellschaft erwartet von der Forschung Rezepte, wie die steigende

    Weltbevlkerung ernhrt werden kann. Leider macht das die Situation auch

    nicht einfacher. Denn die Produktionssteigerung ist eigentlich keine Lsung,

    da sie die Stabilitt des Planeten gefhrdet.

    Fr die Schweizer Agrarforschung ergeben sich daraus aber Chancen.

    Sie ist in verschiedenen Disziplinen der Nachhaltigkeit international gut

    aufgestellt. Beispiele sind die Bodenkologie, nachhaltige Graslandsys-

    teme, biologische Landwirtschaft, artgerechte Wiederkuerftterung und

    Tierhaltung, ebenso wie Biodiversitt, biologischer Pflanzenschutz, Milch-

    technologie oder konomisch-kologische Systemmodellierung. Noch im

    Aufbau ist die Kompetenz in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit

    Entwicklungslndern.

    Die Diskussion in der Forschung ist von den Begriffen Effizienz und Suffi-

    zienz geprgt. Durch Effizienz kann zwar aus weniger mehr gemacht wer-

    den. Ohne grundstzliche Verzichte fhren aber Effizienzgewinne zu mehr

    Verschwendung an Lebensmitteln. Der Verbrauch endlicher Ressourcen (z.B.

    Phosphor oder Erdl) und die Belastung der kosysteme werden damit wei-

    ter zunehmen. Suffizienz bedeutet, die zuknftige Knappheit schon heute

    zu bercksichtigen. Das tun zum Beispiel die Richtlinien des Biolandbaus mit

    den Dngungsvorschriften. Abflle jeglicher Art mssen vom Feld bis zum

    Konsum drastisch reduziert und, wenn sie trotzdem entstehen, mit Hilfe

    neuer Aufbereitungsverfahren als hochwertige Rohstoffe in die Landwirt-

    schaft zurckgefhrt werden. Denn die meisten von der Landwirtschaft

    beeinflussten Nachhaltigkeitsparameter wie Biodiversitt, Bodenqualitt,

    agro-genetische Vielfalt, Landschaftsqualitt, Wasser- und Luftqualitt

    sowie buerliches Einkommen haben sich trotz UNO-Zielen und Effizienzstei-

    gerungen weiter ungebremst verschlechtert.

    Die auf einer Million Hektar betriebene Schweizer Landwirtschaft hat

    grssere Freiheitsgrade und wird deshalb von EU-Politikern oft als eine Art

    Experimentierkche fr neue Ideen gesehen. Nutzen wir also die Chance,

    den von mehreren internationalen Institutionen geforderten Paradigmen-

    wechsel anzugehen, ihn mit den Praktikern schrittweise auszuprobieren und

    seine Auswirkungen auf die globale Nachhaltigkeit nher zu analysieren.

    Die Agrarforschung muss radikaler denken!

    Urs Niggli, Direktor des FiBL

    Die grosse Chance der Schweizer Agrarforschung

  • 324 Agrarforschung Schweiz 5 (9): 324329, 2014

    vorgang am Fressverhalten ihrer Mutter oder anderer

    erfahrener Tiere orientieren knnen. Whrend dieser

    mehrtgigen Lernphase decken sie ihren Nhrstoffbe-

    darf ber das aufgenommene Futter nicht vollstndig

    und mssen Krperreserven mobilisieren, was sich

    negativ auf die Krankheitsresistenz und das Wachs-

    tum auswirkt (William 2003). In einem Tierversuch

    prften Agroscope und die ETH Zrich die Frage, ob

    die Anwesenheit von Ferkeln, welche frher abgesetzt

    worden sind und an die Aufnahme von Festfutter

    gewohnt sind, die Futteraufnahme frisch abgesetzter

    Ferkel stimuliert.

    E i n l e i t u n g

    Aus wirtschaftlichen Grnden sollen Sauen pro Jahr

    mglichst viele Ferkel aufziehen. Solange Mutter-

    sauen regelmssig sugen, zeigen sie jedoch keine

    Rausche (Brunst). Damit die Sauen nach dem Abfer-

    keln bald wieder trchtig werden, trennt man sie

    wenige Wochen nach der Geburt von den Ferkeln ab,

    bevor diese gewohnt sind, Festfutter zu fressen. Die

    abgesetzten Ferkel mssen lernen, ihren Hunger und

    Durst durch die Aufnahme von Festfutter und von

    Wasser zu stillen, ohne dass sie sich bei diesem Lern-

    Erfahrene Ferkel frdern das Wachstum frisch abgesetzter Ferkel nichtAndreas Gutzwiller1, Marion Reichenbach2 und Edna Hillmann2

    1Agroscope, Institut fr Nutztierwissenschaften INT, 1725 Posieux, Schweiz2ETH, Institut fr A