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  • Alleinerziehen Vielfalt und Dynamik einer Lebensform

  • Alleinerziehen Vielfalt und Dynamik einer Lebensform

    Norbert F. SchneiderDorothea KrgerVera LaschRuth LimmerHeike Matthias-Bleck

    Band 199Schriftenreihe des Bundesministeriumsfr Familie, Senioren, Frauen und Jugend

    Verlag W. Kohlhammer

  • Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme

    Alleinerziehen Vielfalt und Dynamik einer Lebensform /Schneider, Norbert F.; Krger, Dorothea; Lasch, Vera; Limmer, Ruth;Matthias-Bleck, Heike [Hrsg.: Bundesministerium fr Familie, Senio-ren, Frauen und Jugend].

    Stuttgart; Berlin; Kln: Kohlhammer, 2001

    (Schriftenreihe des Bundesministeriums fr Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Bd. 199)ISBN 3-17-017148-8

    In der Schriftenreihe des Bundesministeriums fr Familie, Senioren,Frauen und Jugend werden Forschungsergebnisse, Untersuchungen,Umfragen usw. als Diskussionsgrundlage verffentlicht. Die Verant-wortung fr den Inhalt obliegt der jeweiligen Autorin bzw. dem jeweili-gen Autor.

    Alle Rechte vorbehalten. Auch fotomechanische Vervielfltigung desWerkes (Fotokopie/Mikrokopie) oder von Teilen daraus bedarf der vor-herigen Zustimmung des Bundesministeriums fr Familie, Senioren,Frauen und Jugend.

    Herausgeber: Bundesministerium fr Familie, Senioren, Frauen und Jugend11018 Berlin

    Titelgestaltung: 4 D Design Agentur, 51427 Bergisch-Gladbach

    Gesamtherstellung: DCM Druckcenter Meckenheim, 53340 Meckenheim

    Verlag: W. Kohlhammer GmbH2000

    Verlagsort: StuttgartPrinted in Germany

    Gedruckt auf chlorfrei holzfrei wei Offset

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    Vorwort

    Neben den Familien, in denen verheiratete oder nichtverheiratete Elternmit ihren Kindern leben, steigt der Anteil der Familien, in denen Mtteroder Vter ihre Kinder allein erziehen. Das Alleinerziehen hat sich etab-liert. Etwa 15 % aller Familien in Deutschland sind heute Ein-Eltern-Familien. 85 % aller Alleinerziehenden sind Frauen.

    Aber noch immer gibt es viele offene Fragen und Widersprche. Einer-seits wissen wir, dass das Alleinerziehen ein wirtschaftliches Risikodarstellt. Andererseits entscheiden sich immer mehr Menschen freiwilligfr diese Lebensform. Unbersehbar ist, dass sich insbesondere in denGrostdten eine neue Normalitt des Alleinerziehens herausgebildethat. Aber nach wie vor fhren auch unfreiwillige Notlagen zum Alleiner-ziehen.

    Unter dem Begriff Alleinerziehen lsst sich eine Vielfalt verschiedenerLebenssituationen subsumieren, die sich z.B. hinsichtlich Entstehungund Dauer, konomischer Situation und Partnersituation, Alter und Zahlder Kinder unterscheiden. Die verschiedenen Facetten des Alleinerzie-hens werden in der ffentlichen Debatte hufig miteinander vermischt.Hier ist mehr Differenzierung notwendig.

    Noch immer sehen sich Alleinerziehende mit vielen Vorurteilen konfron-tiert. Das gravierendste ist das von vernachlssigten und in der Ent-wicklung beeintrchtigten Kindern von Alleinerziehenden. Dieses Kli-schee ist deshalb besonders gefhrlich, weil es fr die betroffenenKinder nicht selten zu Diskriminierungen und ungerechten Beurteilun-gen fhrt.

    Vorurteilen zu begegnen und die Situation des Alleinerziehens sachlichzu beschreiben und zu analysieren, ist Anliegen der vorliegenden Stu-die. Sie liefert zum einen empirische Belege ber bekannte Gegeben-heiten und Tatsachen. Sie bringt aber auch zahlreiche neue Erkennt-nisse an den Tag.

    Ich wnsche der Studie eine groe Resonanz in Wissenschaft, Politikund Gesellschaft und hoffe, dass sie dazu beitrgt, die Situation desAlleinerziehens mit ihren Chancen und Risiken realistischer zu be-trachten.

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    Den Autorinnen und dem Autor danke ich fr ihre engagierte wissen-schaftliche Arbeit.

    Dr. Christine BergmannBundesministerin frFamilie, Senioren, Frauen und Jugend

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    Vorwort

    Alleinerziehende waren bis in die jngere Vergangenheit verbreitet so-zialen Diskriminierungen und erhhten Deprivationsrisiken ausgesetzt.Auch heute noch, so scheint es mit Blick auf die Sozialhilfestatistik,handelt es sich bei Alleinerziehenden um eine besonders diffizile Le-bensform. Gleichzeitig entsteht manchmal beim Blick in die Medien derEindruck, Alleinerziehen sei fr eine wachsende Zahl unabhngiger undselbstbewusster Frauen ein angestrebter Lebensstil. Sie entscheidensich fr ein Kind, aber gegen eine feste Partnerschaft. Alleinerziehenalso als Prototyp einer modernen, frei gewhlten Lebensform? Oderdoch eher ungewollte Folge berzogener Ansprche an Ehe und Part-nerschaft in einer individualisierten Gesellschaft? Schicksal oder Chan-ce? Notlsung oder moderner Lebensstil? Eine an die Erfordernisse dermodernen Gesellschaft angepasste Lebensweise oder Problemfall, umden sich die Gesellschaft mehr als bisher sorgen sollte - oder eine ganznormale familiale Lebensform?

    Eine Gesamtbewertung der Lebensform Alleinerziehend nach einerdieser Typisierungen ist sicherlich nicht angebracht. Einer der mageb-lichen Grnde dafr ist, dass es sich bei Alleinerziehenden um keinehomogene soziale Kategorie, um keine Lebensform mit einheitlichenLebensumstnden handelt. Als sicher kann gelten, dass die Lebenssi-tuationen von Alleinerziehenden sehr heterogen sind und mithin von ei-ner Vielfalt der Lebenslagen Alleinerziehender auszugehen ist. Feststeht auch, dass es sich im Fall des Alleinerziehens um eine sehr dy-namische Lebenssituation handelt, die allein ber ihre Morphologie, wiees zumeist versucht wird, nicht adquat erfassbar ist. Realittsnah kn-nen die Lebenssituationen Alleinerziehender nur unter Einbezug haus-haltsbergreifender Beziehungsstrukturen und prozessorientierter Krite-rien abgebildet werden.

    Diese kurzen berlegungen verweisen auf Ansatz und Problemhinter-grund der vorliegenden Studie, deren Hauptzielsetzung es ist, die Viel-falt und Dynamik dieser Lebensform mit ihren spezifischen Problemenund Belastungen, aber auch Vorzgen v.a. im Vergleich zur Eltern-Familie zu erfassen und zu erklren, um mgliche Ansatzpunkte fr einrealittsnahes und bedarfsgerechtes sozial- und gesellschaftspoliti-sches Einwirken zu formulieren.

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    Ein Projekt wie dieses wird von wenigen verantwortet und von vielenmitgestaltet. Wir mchten an dieser Stelle jenen danken, die an derDurchfhrung des Projekts mitgewirkt haben. Unser Dank gilt zunchstden beteiligten Institutionen, dem Staatsinstitut fr Familienforschungan der Universitt Bamberg (ifb), dem Institut Frau und Gesellschaft(ifg) in Hannover, die dem Projekt institutseigene Personalressourcenzu Verfgung gestellt haben, und der Universitt Mainz, die groe Teileder notwendigen Infrastruktur bereit gestellt hat. Danken mchten wirauch den Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats, die aus wissen-schaftlicher und aus praxisbezogener Sicht die Fragestellungen desProjekts kritisch reflektiert haben. Unser besonderer Dank gilt den wis-senschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zeitlich befristetbzw. zur Bearbeitung spezifischer Aufgaben im Projekt mitgearbeitethaben. Zu nennen sind hier Irene Kahle (ifb), Andrea Schrther (ifb) undSusanne Groht (ifg). Die Sekundranalysen wurden von Gerhard Nun-ner (ifb), Doris Rosenkranz (ifb), Werner Lachenmaier (ifb) und RalfHimmelreicher (ifg) durchgefhrt. Bei der Aufarbeitung und Darstellungdes Forschungsstandes hat Christiane Micus (ifg) mageblich mitge-wirkt; Claudia Heinzelmann (ifg) hat die ExpertInnengesprche (2. Pha-se) ausgewertet.

    Die inhaltliche Verantwortung fr die Kapitel 1 bis 5, 11 und 14 oblagder Projektleitung in Mainz, fr die Kapitel 6 bis 10, 12 und 13 trug siedas ifg. Bei der Erstellung der einzelnen Kapitel des Abschlussberichtshaben verantwortlich mitgewirkt: Heike Matthias-Bleck (Kap. 2), RotrautOberndorfer (Kap. 3), Irene Kahle (Kap. 4 und 14), Ruth Limmer (Kap. 5und 11), Stefanie Sperlich und Vera Lasch (Kap. 6), Dorothea Krger(Kap. 7), Vera Lasch und Dorothea Krger (Kap. 8), Dorothea Krgerund Vera Lasch (Kap. 9), Dorothea Krger (Kap. 10), Susanne Groht(Kap. 12), Dorothea Krger und Claudia Heinzelmann (Kap. 13).

    Unser Dank gilt schlielich allen Interviewerinnen, unseren studenti-schen Mitarbeiterinnen, den Sekretrinnen in Mainz, Bamberg undHannover sowie den alleinerziehenden Frauen und Mnnern, die sichals Interviewpartnerinnen und -partner zur Verfgung gestellt haben.

    Mainz, im Dezember 2000 Norbert F. Schneider

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    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort der Ministerin ................................................................. 5

    Vorwort .......................................................................................... 7

    1 Problemhintergrund, Forschungsansatz undFragestellungen ............................................................... 17

    1.1 Zum gesellschaftlichen Wandel der LebensformAlleinerziehend................................................................ 17

    1.2 Konzeption und Hauptfragestellungen der Studie ............. 19

    1.3 Alleinerziehend? ber Probleme bei derGegenstandsbestimmung.................................................. 24

    1.4 Zur Vielfalt der Lebenssituationen Alleinerziehender ........ 27

    1.4.1 Die Lebenssituationen Alleinerziehender nach denaktuelle Beziehungsstrukturen .......................................... 29

    1.4.2 Die Lebenssituationen Alleinerziehender nach demEntstehungszusammenhang ............................................. 32

    1.4.3 Die Lebenssituationen Alleinerziehender nach derPartnerschaftssituation ...................................................... 35

    1.4.4 Die Lebenssituationen Alleinerziehender in denqualitativen Interviews ....................................................... 36

    2 Entstehungszusammenhnge der LebensformAlleinerziehend ............................................................ 38

    2.1 Einfhrung .......................................................................