Alternative Juli/August

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    10-Mar-2016
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Monatszeitschrift der Unabhängingen GewerkschafterInnen

Transcript of Alternative Juli/August

  • Herausgegeben von

    Juli/August 2012

    Einzelheft: 1,50 Euro, Abonnement: 15 Euro

    P.b.b., Verlagspostamt 1040

    02Z031242 M, Kd.-Nr: 0021012558

    7/8

    PROGRAMMIERTESDESASTERWENN ARBEIT PSYCHISCH KRANKMACHT ARBEITSRECHTSREFORMENIN KRISENZEITEN

    FISK

    ALP

    AK

    T

  • Kontraproduktive bertreibung

    Gulaschfaschismus?, 6/2012, ab Seite 20

    Liebe Freunde, eingangs Gratulation zum Artikel. Er fasst sehranschaulich und drastisch die Entwicklungen in unserem Nach-barland zusammen, Entwicklungen, die der mig Interessierteleicht nur bruchstckhaft wahrnimmt, ohne sich ber dasGesamtbild Rechenschaft abzulegen.Hellhrig wurde ich u.a. bei folgendem Passus: () war ()

    ausgerechnet Viktor Orbn (Anm. zur Schreibweise der Eigennamen: Wre es nicht zuberlegen, die diakritischen Zeichen exakt wiederzugeben?) in seiner Vergangenheitkommunistischer Spitzenfunktionr, nmlich Vorsitzender der kommunistischen Jugend-organisation KISZ. Es hat mich einfach gereizt, diese Sache ein wenig im Internet zu recherchieren, unddas Ergebnis war ein wenig mager. Seine politische Karriere startete er als Vorsit-zender der ungarischen kommunistischen Jugendorganisation KISZ im von ihmbesuchten Gymnasium (aus Wikipedia). Die vergleichbare ungarische Seite, die dar-ber halt 2 Stze mehr verliert, stellt dann noch fest bin nur eingeschrnkt des Unga-rischen mchtig , dass er in der auf die Matura folgenden Militrzeit seinem vorherals naiv bezeichneten Glauben in den Kommunismus radikal abgeschworen habe.Was ja bei den Strukturen in den realsozialistischen Armeen einigermaen nachvoll-ziehbar ist Orbn und seine Politik sind an sich schlimm genug (ich kenne einen in Wien leben-den Ungarn, erzkonservativ und antikommunistisch, der meinte, htte er in UngarnWahlrecht, diesmal htte er gegen seine berzeugungen sozialistisch whlen mssen).Dass frau/man in der Kritik an ihm und seinem Gefolge in bertreibungen rutscht, istverstndlich, aber eher kontraproduktiv.Wie wre es, in der nchsten Nummer ein Erratum zu verffentlichen, vorausgesetztmeine Ergebnisse stimmen. Aber das msste sich ja mit einer kurzen E-Mail an einender Podiumsdiskutanten rasch klren lassen.Mit solidarischem GruMartin Berghold

    Lieber Martin! Du hast tatschlich recht: Viktor Orbn war nicht Vorsitzenderder KISZ sondern an seinem Gymnasium sowie an der Universitt KISZ-Sekretr,laut der Zeitung Npszava zitiert im lesenswerten, orbankritischen BLOG Puszta-ranger. Entsprechend war er nicht Vorsitzender der Gesamt-KISZ, womit dieserRecherchefehler hoffentlich behoben ist. Danke jedenfalls fr den Hinweis!

    Ankndigung:

    15 Jahre! UG-Fest

    Freitag, 28. September 2012In Wien 15, Schutzhaus Zukunft, Verl. Gunt-herstrae, (Linien 9, 48A), Einlass: 18 Uhr

    P r o g r a m m :Reinhard Sellner & Ernst Eigenbauer

    Wiener BeschwerdechorDJane-Line

    Zur Erinnerung an

    ILSE SIRINEK

    Ilse Sirinek, Kollegin im Bundesministerium

    fr Unterricht, Kunst und Kultur und lange

    Jahre unabhngige Personalvertreterin und

    Kassierin der UGd, ist im Mai fr uns alle

    berraschend erkrankt und gestorben im

    Juli wollte sie in den Ruhestand treten. Sie

    hat sich auf diesen Lebensabschnitt gefreut.

    Sie war eine Unabhngige Gewerkschafte-

    rin der ersten Stunden im ffentlichen

    Dienst. Im Unterrichtsministerium arbeitete

    sie im Bereich der Kindergartenpdagogik

    und war sehr geschtzt, weil sie immer gut

    aufgelegt war, sachkundig, aktiv und unter-

    sttzend, stets bereit, sich fr die Anliegen

    und Sorgen ihrer Kolleginnen und Kollegen

    einzusetzen. In ihrer Familie war sie in den

    letzten Jahren berwiegend pflegend aktiv,

    in der Pension wollte sie endlich mehr Zeit

    fr sich selber, fr ihren Mann und vielleicht

    bald auch fr Enkelkinder haben. Und sie

    wollte weiter in der Bundesleitung der UGd

    aktiv sein.

    Ilse ist am 13. Mai 2012 gestorben. Am

    11. Juni 2012 fand am Friedhof Stammers-

    dorf Zentral die Bestattung ihrer Urne statt.

    Ihr Gatte Karl und die Familie ersuchten,

    von Kranzspenden abzusehen und die

    sterreichische Krebshilfe zu untersttzen:

    PSK 60000, Kontonummer 2.046.000

    Wir sind alle sehr traurig, dass sie mit ihrer

    lebendigen Offenheit nie mehr auf uns

    zukommen wird.

    Beate Neunteufel-Zechner, Reinhart Sellner(fr die Unabhngigen Gewerkschafter-Innen in der GD)

  • SEITE 3 ALTERNATIVE 7-8/2012

    Thema

    Fiskalpakt: Programmiertes Desaster . . . . . . . . . . . Seite 4

    Magazin

    Kindergrten: Kinder, wie die Zeit vergeht . . . . . . . . Seite 9Studie: Wenn Arbeit psychisch krank macht . . . . . . . Seite 10Interview: Armut ist kein Naturereignis. . . . . . . . . Seite 12Pension: Betrogene Generation . . . . . . . . . . . . . Seite 14

    Gewerkschaft & Betrieb

    Wien: Hilfe fr die Aids-Hilfe. . . . . . . . . . . . . . . Seite 18AbfallberaterInnen sind keine Wegwerfartikel . . . . . Seite 20Bergab: Arbeitsrechtsreformen in Krisenzeiten . . . . . . Seite 24

    International

    Griechenland: Radikal wie die Wirklichkeit . . . . . . . . Seite 28

    Bcher

    Der Glanz der Welt; Arbeit ist das halbe Leben . . . . . Seite 30

    . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 16

    IM JULI/AUGUST

    KENNST DI AUS?

    Offen gestanden: Ich nicht mehr. Ichentscheide mich im Zweifelsfall fr dieSchoko-Schirmchen. Die sind nett undschmecken gut. Rettungsschirme aller Artsind mir zu hoch. Bei den genanntenSummen wird mir ganz schwindlig. DieBanken sollen also gerettet werden. Fein.Bei den betroffenen Bevlkerungen kommtnichts an. So naiv darf man aber offensicht-lich nicht an die Sache herangehen, nur weilman sie nicht versteht.

    Ein Bissel rettet mich da immer wiederder Markus Koza mit seinen Artikeln.Diesmal ber den Fiskalpakt. Verstehentu ich trotzdem nichts. Wahrscheinlich, weilich berhaupt keine Lust mehr habe, michmit dem Wahnsinn zu beschftigen. Aberich wei, wogegen ich bin, weil ich demMarkus vertraue.

    Die Ablse Sarkozys und die Wahl Hollan-des brachten kurz die Hoffnung, dass inEuropa auch noch anderes gedacht werdenkann, als die Merkel-Doktrin, die Weisheitender Europischen Zentralbank und die Rat-schlsse der Spar-Internationale. bertrie-bene Hoffnung habe ich aber auch da nicht.

    Auch verstehe ich nicht, warum sterreich,Faymann und die SP bei jedem Schas mit-machen mssen, der da in Europa passiert.Arbeiterkammer, GB und Einzelgewerk-schaften sparen nicht mit Kritik. Sogar inFSG-Zeitungen schleicht sich schon hie undda ein kritisches Wort ber die Bundes-SPein. Der versprochene Weg aus der Krise istdennoch nicht erkennbar.

    Ich sprs. Meine endlose Zeit mit derAlternative neigt sich dem Ende zu. Ichwerde dann nur mehr Perry Rhodan hrenund Rosamunde Pilcher sehen die versteheich wenigstens.

    EDITORIAL von Alfred Bastecky

    IMPRESSUM Medieninhaber, Verleger: Alternative und Grne GewerkschafterInnen(AUGE/UG) Herausgeber: Unabhngige GewerkschafterInnen im GB (UG/GB)Redaktion, Satz & Layout: Alfred Bastecky (Koordination), Lisa Langbein, Franz Wohl-knig (Layout) Alle: 1040 Wien, Belvederegasse 10/1, Telefon: (01) 505 19 52-0, Fax: -22,E-Mail: [email protected]oegb.at (Abonnement), [email protected] (Redaktion), internet:www.ug-oegb.at, Bankverbindung: BAWAG Kto. Nr. 00110228775 Dass namentlich gezeichnete Beitrge nicht unbedingt der Meinung der Redaktion oderdes Herausgebers entsprechen mssen, versteht sich von selbst. Titel und Zwischentitelfallen in die Verantwortung der Redaktion, Cartoons in die Freiheit der Kunst. Textnach-druck mit Quellenangabe gestattet, das Copyright der Much-Cartoons liegt beim Knstler.DVR 05 57 021. ISSN 1023-2702.

  • Fiskalpakt stoppen? Nicht mit der SP.Von Markus Koza.

    PROGRAMMIERTESDESASTER

    SEITE 4 ALTERNATIVE 7-8/2012

    Thema

    rumort in Europa. Seit derWahl Hollandes zumneuen franzsischenPrsidenten steht die

    den europischen Ln-dern von Merkel und Sarkozy

    ber den Fiskalpakt verordnete radi-kale und verstetigte Sparpolitik zur Dis-position. In sterreich lge es vorallem an der SP, ob diese neolibe-rale Zwangsjacke, aus der es im Falledes Beschlusses kaum mehr ein (recht-liches) Entkommen gibt, beschlossenwird oder nicht. Die SP droht, sichbedauerlicherweise einmal mehr so zuentscheiden, wie so oft: falsch. Und mitihr die sozialdemokratisch dominiertenGewerkschaften.

    Fiskalpakt: der ganz normaleWahnsinnNoch einmal in Krze die zentralen

    Inhalte des von den EU-Regierungs-chefs mit Ausnahmen Tschechiens undGrobritanniens) beschlossenen Fiskal-pakts:Die Mitgliedsstaaten werden zu aus-geglichenen Budgets verpflichtet. Diesgilt als erreicht, wenn das strukturelle

    Defizit (also jenes nicht konjunkturab-hngige Defizit, dessen Berechnungund Aussagekraft in der Wissenschafthoch umstritten ist) 0,5 Prozent desBruttoinlandsproduktes (BIP) nichtberschreitet. Um dieses Defizitziel zuerreichen, sind Schuldenbremsen idealerweise in Verfassungsrang inallen nationalen Gesetzen festzuschrei-ben (Merkel: Es geht darum, dass dieSchuldenbremsen dauerhaft in dieRechtsordnungen eingefgt werden,dass sie bindend und ewig gelten!,1-Morgenjournal, 31. Jnner 2012).Nur Staaten, deren ffentlicher Schul-denstand unter 60 Prozent des BIPliegt, drfen strukturelle Defizite bisein Prozent schreiben.Die Nationalstaaten verpflichten sichgleichzeitig, einen automatischen Kor-rekturmechanismus zu verankern, derin Kraft tritt, wenn das Defizitziel ber-schritten bzw. vom entsprechendenBudgetpfad zur Erreichung des Defizit-ziels abgewichen wird. Wie genau die-ser Mechanismus funktioniert, ist nichtgeregelt, ja nicht einmal, welche Ma-nahmen innerhalb welchen Zeitraumsdurchzufhren wren. Zustndig, dieseauszuarbeiten ist die europische Kom-mission. Die Befugnisse der EU-Kom-mission bei Entwicklung dieses Spar-mecha