April 2014 | Zachow - Ihr Magazin

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4. Jahrgang | April 2014 | kostenlos zachow-magazin.de Für Leser mitten im Leben, mitten in Halle. Porträt Christoph Werner hat das Puppen- theater zu einer erstklassigen Adresse gemacht Zeitzeuge Ehrenmitglied Cornelia Geweniger erzählt aus 40 Jahren Puppenbühne Ihr Magazin

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Zachow - Ihr Magazin | April 2014 | Titel: 60 Jahre Puppentheater Halle | Porträt: Christoph Werner hat das Puppentheater zu einer erstklassigen Adresse gemacht | Zeitzeuge: Ehrenmitglied Cornelia Geweniger erzählt aus 40 Jahren Puppenbühne

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  • 4. Jahrgang | April 2014 | kostenlos

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    Fr Leser mitten im Leben, mitten in Halle.

    PortrtChristoph Werner hat das Puppen-theater zu einer erstklassigen Adresse gemacht

    ZeitzeugeEhrenmitglied Cornelia Geweniger erzhlt aus 40 Jahren Puppenbhne

    Ihr Magazin

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  • 3DIE INHALTE IM BERBLICK

    Eins mit den Doppelgngern60 Jahre Puppen-theater. Ein Jubil-um, welches wir Hallenser in den nchsten Tagen und Wochen gro feiern werden. Da ist Zachow natr-lich dabei min-

    destens mit dieser Ausgabe, in der wir die Puppen tanzen lassen. Und ich sage Ihnen: Die Recherche nach der zum Teil spektaku-lren Geschichte unserer Puppenbhne war weitaus schwieriger als Ostereier zu suchen: Es gibt kaum Aufzeichnungen aus den An-fangsjahren, keine Chronik oder etwa Bilder der Spielsttten. Umso spannender waren unsere Ergebnisse, die mich ein wenig an eine Serie wie Dallas erinnert haben: Da gibt es einen mysterisen Brand (S. 15), die steile Karriere vom Werkzeugmacher zum Inten-

    danten (S. 19), das Liebespaar, welches sich ber Umwege gefunden hat (S. 8) und nicht zuletzt den traurigen Bruch derjenigen, die unfreiwillig die groe Bhne verlassen mussten (S. 17). Und auch als Zuschauerin empfinde ich wie damals bei Dallas: Ich fh-le die Krankheit der tauben Seele Maurice Ravel, will wie Jane in Tarzan endlich ge-ksst werden oder erlebe Freude, Trauer, Schmerz und Glck in der Werkstatt der Schmetterlinge so intensiv wie ich einst J.R. die Pest an den Hals gewnscht habe. Meine persnlichen 30 Jahre Puppentheater waren groartig, und so bin ich voller Vorfreu-de auf die nchsten 60 mit spannenden Ge-schichten der Doppelgnger unseres Lebens.

    Jessica Quick (Redaktionsleiterin)

    Inhalt

    HIN UND WEG 34Es ist Frhling und der wird in Kloschwitz tradi-tionell mit dem Kirschbltenfest begrt.

    STATT HALLE 13

    THEMA DES MONATS 14 GEWUSST WIE 36Das Elektrofahrrad er-freut sich immer gre-rer Beliebtheit. Mit der zweiten Antriebskraft sind Berge oder Gegen-wind kein Problem mehr.

    Die Puppenspieler Ines Heinrich-Frank und Lars Frank freuen sich im April vor allem auf die Festwoche ihres Puppentheaters.

    STADTHALLE 8

    Ein Projekt macht Frau-en wie Kirsten Schikora (re.) Mut, den Schritt in die Selbststndigkeit zu wagen. Wir haben die 53-Jhrige begleitet.

    LEBEN 18

    ber Umwege ist Christoph Werner an die hallesche Puppenbhne gekommen und schlielich Intendant geworden.

    PORTRT 19

    Andere Lnder, andere Ostersitten: Zachow hat sich unter Halloren und Halunken umge-hrt, wie Ostern andernorts gefeiert wird.

    GENUSS UND STIL 20

    KALENDER 22

    IMPRESSUM 31

    Die Gartensaison hat begonnen. Ein Glck fr Krper und Seele, denn wer regelmig um-grbt, ist seltener krank, belegt die Statistik.

    Wir sind auf Malta, der Sonneninsel im Mit-telmeer und auf der Suche nach den Schtzen hinter historischen Mauern.

    KRPER UND SEELE 32

    Die Puppe in der Mo-derne ist gleichermaen die Ernungsaustellung des Neubaus im Kunst-verein "Talstrasse". Ein Blick hinter den Vorhang.

    KULTURHALLE 38

    Die Line-Dancer Flying Boots lassen im Wes-ternlook die Stiefel fliegen und das ist gut fr Hirn und Hfte.

    SPORTHALLE 48

    Cornelia Geweniger verbindet seit mehr als 40Jahren eine unzertrennliche Liaison mit dem Puppentheater.

    ZEITZEUGE 50

    GEWINNSPIEL 46

    LESERBRIEFE 33

    Vor gut 60 Jahren, am 10. Mai 1954, wird in der Goethestrae das Puppentheater ernet. Zachow verfolgt die Spu-ren der Doppelgnger.

  • STADTHALLE4

    65 000 Pflanzen wur-den in den vergangenen Tagen

    und Wochen in den stdtischen

    Park- und Grnanlagen gepflanzt.

    Das sind im Vergleich zum

    Vorjahr 22 000 weniger. Dafr

    konnten die Stadtgrtner wegen

    der warmen Temperaturen aber

    schon knapp einen Monat eher,

    nmlich am 12. Mrz, mit der

    Frhjahrs-Pflanzaktion begin-

    nen. Insgesamt 15 000 Euro

    stehen fr die Tulpen, Narzissen,

    Hyazinthen, Stiefmtterchen und

    Vergissmeinnicht im Haushalt

    bereit. Im Sommer sollen unter

    anderem Geranien und Begonien

    folgen.

    Bepflanzt wurden Bereiche im

    Stadtpark, im Heinrich-Heine-

    Park, am Reildenkmal, vor dem

    Eingangsbereich des Nordbades,

    am Riveufer, am Lichtenfels-

    brunnen in Neustadt, das Beet

    am Steintor, das Teppichbeet

    auf dem Joliot-Curie-Platz, der

    Pestalozzipark und das Rundbeet

    an der Hallorenstrae.

    : Anschwimmen in der Saale, 1. Mai, 14.30 Uhr, Saalestrand/Ziegelwiese

    3 www.saaleschwimmerhalle.de

    Am 1. Mai locken die Saaleschwimmer ins khle Nass

    Heute ist es schon fast normal geworden, was vor rund 20 Jahren noch unvorstellbar war: Schwimmen in der Saale. Der lebendige Fluss im Herzen der Stadt galt viele Jahre als dreckig und giftig, doch das ist lange vorbei. Aktuell wird die Saale in Halle mit der Gteklasse zwei bis drei eingestuft. Ob man nun regelmig einen Sprung in das khle Nass wagt, bleibt jedem selbst berlassen. Den Termin zum Saaleschwimmen sollte man sich allerdings vormerken: Am 1. Mai wird traditionell ange-badet. Zum Anschwimmen und zur Erffnung des Ba-destrands an der Ziegelwiese ldt wie immer der Verein Saaleschwimmer Halle ein. Um 14.30 Uhr wird der Strand von Oberbrger-meister Bernd Wiegand offiziell erffnet. An-

    schlieend folgt die Einweihung eines neuen Kunstobjekts entlang des Flusses, der Skulp-tur der Saalenymphe. Alle Schwimmer, die im phantasievollen Kostm erscheinen, nehmen an einem Wettbewerb zum besten Outfit teil. Um 15.30 Uhr geht es dann los, Kostmierte und kostmlose Schwimmer begeben sich in die hoffentlich nicht reienden Fluten der Saale. Wer auch mal einen Blick unter die Was-seroberflche wagen mchte, kann dies ab 16 Uhr beim Tauchen mit dem Deutschen Roten Kreuz tun. 1 ARI

    Die Badesaison ist erffnet

    Auch im vergangenen Jahr trafen sich mutige Hallenser zum Anschwimmen in der Saale. (Foto: Verein)

    Der Frhling hat sich in diesem Jahr schon frhzeitig von seiner son-nigsten Seite gezeigt dem traditionellen Frhjahrsputz steht demnach

    nichts mehr im Wege. Zusammen mit Vereinen und Initiativen ruft die Stadt in der zweiten Aprilwoche zum gemeinschaft-

    lichen Putzen auf. Das DLZ Brgerengagement steht wie immer als Ansprechpartner und Vermittler zur Verfgung.

    Riesige Ostereier und kleine LmmerEin Osterfest ohne den Osterhasen ist wie Weihnachten ohne den Weihnachtsmann. Zwei Wochen vor Ostern macht Langohr Halt in der Saalestadt. Denn bereits zum 13.Mal organisiert die City-Gemeinschaft Halle ei-nen Ostermarkt auf dem Marktplatz. Vom 4. bis zum 6. April hoppelt Meister Lampe zwi-schen den sterlich geschmckten Stnden hindurch und verteilt Geschenke und Lecke-reien an die Kinder. An den Stnden selbst bieten mehr als 80 Hndler Accessoires, Dekorationen und eine groe Auswahl an Artikeln fr das Frhlingsfest sowie Speisen und Getrnke an. Whrend fahrende Musi-kanten und Drehorgelspieler Musik machen, knnen die Besucher des Ostermarktes beim groen Ostereierraten mitspielen und Prei-se gewinnen. Es gilt zu schtzen, wie viele Tausende Eier sich in der Htte der City-Ge-meinschaft befinden. Lust auf das bunte Fest machen auch die berdimensionalen, zwei Meter groen Ostereier, mit denen die Ost-seite des Marktplatzes geschmckt ist. Klei-nere Osterdekorationen knnen die Md-chen und Jungen an einem der zahlreichen Stnde selbst basteln. Die Jngsten unter ihnen freuen sich sicher schon jetzt darauf,

    einem echten Lmmchen beim Osterfest in Halles Innenstadt die Wolle zu streicheln. 1 KES

    Gleich mehrere Meister Lampe werden beim Ostermarkt durch die Stnde hoppeln. (Foto: City-Gemeinschaft Halle)

    Auf zum Frhjahrsputz!

    : 13. Hallescher Ostermarkt, 4. und 5. April jeweils von 10 bis 19 Uhr, 6. April von 11 bis 19 Uhr, Marktplatz

    : Tel.: 221 41 07

    Der Frhling hat sich in diesem Jahr schon frhzeitig von seiner son-nigsten Seite gezeigt dem traditionellen Frhjahrsputz steht demnach

    nichts mehr im Wege. Zusammen mit Vereinen und Initiativen ruft die Stadt in der zweiten Aprilwoche zum gemeinschaft-

    lichen Putzen auf. Das DLZ Brgerengagement steht wie immer

  • STADTHALLE 5

    7. April, 18 UhrKurt-Uwe Baldzuhn: Grndung, Blte und Niedergang der Heimat-, Geschichts- und Museumsvereine in Sachsen-Anhalt zwi-schen 1819 und 1949, Vortrag im histori-schen Hrsaal im Lwengebude

    28. April, 17 UhrFhrung durch die Kabinettausstellung Mit Gott fr Kaiser und Vaterland. Die Franckeschen Stiftungen im Ersten Weltkrieg, anschlieend Jahresmitglieder-versammlung, Historische Bibliothek der Franckeschen Stiftungen

    26. MaiPeer Pasternack: Wohnstadt Denkmal Kunstwerk, erste Veranstaltung der Freiluftvor-tragsreihe zu Halle-Neustadt, im Landesbildungszentrum, Oebisfelder Weg 2

    VERANSTALTUNGEN APRIL/MAI

    Seit 2001 erforscht der Verein fr halli-sche Stadtgeschichte die Historie der Saa-lestadt. Vor drei Jahren bernahmen Holger Zaunstck (UNESCO-Beauftragter der Fran-ckeschen Stiftungen) und Ralf Jacob (Stadt-archivar) gemeinsam mit einem neunkpfi-gen Vorstand die Leitung des Vereins. Wer sich kritisch mit der Geschichte der Stadt Halle auseinandersetzt, investiert zugleich in ihre Zukunft, erklrt Zaunstck die hohe Relevanz, sich mit der Stadtgeschichte zu beschftigen. So strkt stadtgeschichtliche Arbeit auch die Identitt der Stadtgemein-schaft.

    In der Tat blickt Halle auf eine mehr als 1200-jhrige, wechselvolle Geschichte zurck. Seit Jahrhunderten in Bibliotheken, Archiven und Museen aufbewahrte Schtze sind nicht nur fr Wissenschaftler und Studenten inte-ressant. Die Martin-Luther-Universitt, die Franckeschen Stiftungen und die Hochschule fr Kunst und Design Burg Giebichenstein be-stimmten und bestimmen das Profil der Stadt und ihrer Geschichte in hohem Mae wesent-lich mit und bieten mannigfache Impulse fr die Arbeit des Vereins. Dessen Aktivitten sind breit gefchert und ziehen mit ihrer Viel-falt immer mehr Brger aller Altersgruppen an. Jacob, der von Anfang an dabei ist, betont, dass man sich stets auf Augenhhe begegne: Keiner lsst hier den Fachmann raushngen. Auf dem Programm stehen Vortragsreihen, Einzelvortrge, Themenabende, Fhrungen

    und anderes mehr. 2014 heit das Jahresthe-ma Erbaut Erlitten Ergraben. In der be-liebten Freiluftvortragsreihe (Foto oben: Vor-trag in der Galgenbergschlucht) widmet sich der Verein zusammen mit Stadtarchiv und Stadtmuseum im Frhjahr und im Sommer der ab 1964 erbauten Neustadt. Die Jahresvor-tragsreihe unter Leitung von Patrick Wagner beschftigt sich im Herbst mit den Auswirkun-gen des Ersten Weltkriegs auf die lokale Gesell-schaft ein Thema, das die Vereinsmitglieder selbst vorgeschlagen haben. Der von Caroline Schulz konzipierte 15. Stadtgeschichtstag im November nimmt die Stadtarchologie Halles in Mittelalter und Frher Neuzeit in den Blick.In der Reihe Forschungen zur hallischen Stadtgeschichte erscheint im Herbst Band 21, ebenso wie das Jahrbuch zur hallischen Stadt-geschichte 2014. Diese Publikationen treffen Jahr fr Jahr auf eine zahlreiche und stetig wachsende Leserschaft, nicht nur unter den fast 200 Mitgliedern des Vereins.Die Forschungsergebnisse des Stadtgeschichts-tages 2013 Im Land der Palme. Das Erzstift Magdeburg und die Residenzstadt Halle unter August von Sachsen werden im Ausstel-lungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung der Stiftung Moritzburg im Sommer verffent-licht.Zaunstck resmiert: Wir leben in einer cha-raktervollen Stadt, von der wir noch immer viel zu wenig wissen! Unser Verein will Halles Geschichte auf wissenschaftlicher Grundlage erforschen, sie strker ins ffentliche Bewusst-

    sein rcken und neue Mit-streiter fr dieses Anliegen gewinnen. Darum laden wir Sie herzlich ein, unsere Ver-anstaltungen zu besuchen und, wenn Sie mgen, Mit-glied im Stadtgeschichtsver-ein zu werden. 1 MARGARETE WEIN

    Der Stadtgeschichtsverein startet im April mit seinem Jahresprogramm

    Ein Blick zurck nach vorn

    3 www.stadtgeschichte-halle.de

  • Wer in Halle wohnt, kennt das Hndel-Denkmal, die Marktkirche oder die Fran-ckeschen Stiftungen. Aber wissen Sie auch, was in Ihrer unmittelbaren Umgebung se-henswert ist? Die unterschiedlichen Facet-ten hallescher Stadtteile stellen wir in einer Serie vor.

    Gerade einmal 522 Einwohner zhlten die halleschen Behrden Ende 2012 im Stadtteil Saaleaue, der sich von der Peinitz- bis zur Rabeninsel zieht. Die Saale durchfliet das Gebiet mit ihren Seitenarmen Wilde Saale, Gerbersaale und Mhlgraben derart, dass man sich fragen muss: Wo wohnen diese 522 Per-sonen? Auf der Suche nach Anwohnern kom-men wir auf die Idee, an den Saaleschleusen Stadtschleuse, Schleuse Bllberg und Gimritz im Stadtviertel nach deren Wrtern zu fragen. Bettina Klppel wohnt im ehemaligen Wrter-Anwe-sen hinterm Wehr Gimritz. Sie erzhlt uns vom Fr und Wider des exklusiven Wohn-sitzes mitten in der Natur. Bis vor kurzem teilten wir uns mit einer anderen Familie das Anwesen, aber die haben

    nun die Segel gestrichen, sagt die 46-Jhrige, die seit 2002 im ehemaligen Schleusenhaus wohnt. 2013 war die Flut so stark, dass alle unsere Hhner ersoffen sind. Auf frische Eier mssen wir nun erst mal verzichten, bedau-ert Klppel. Abgesehen vom Hochwasser wird die Familie aber von ihren Freunden fr ihr kleines Anwesen beneidet: Zentrumsnah und trotzdem romantisch am Fluss gelegen. Wre da nicht dieses stndige boom, boom, meint die Hobbygrtnerin. Jeden Samstag kommen die Massen und schlieen den Verstrker an. Seitdem der Oberbrgermeister die Spontan-partys erlaubt hat, ist es ganz schlimm gewor-den. Gerade an den Wochenenden zieht es die Hallenser auf Peinitz, Ziegel- und Wrfelwie-se. Der Lrm-Pegel ist entsprechend. Dabei war das ursprngliche Ziel der Stadt, als sie die Peinitz samt Gut Gimritz im Jahr 1888 von Amtmann Ludwig Barthels kaufte, einen Ort zur Erholung und Entspannung fr die von der Industrialisierung geschundenen Hallenser zu schaffen. Barthels Spuren aus dem 19.Jahrhundert sind bis heute erkennbar:

    An der Stelle des heutigen Peinitzhauses stand sein Jagdhaus, aus dem die

    Stadt 1893 eine reprsentative Ausflugsgaststtte errichtete. Wahre Vlkerwanderungen gab es damals zum Beispiel an Ostern, wenn Wirt Friedrich Klopffleisch leckere Speisen

    auftischte. Im brigen wurde erst 1899 die Peinitzbrcke er-

    richtet, fr deren Benutzung die Hallenser noch bis in die 20er Jahre Brckengeld zahlen mussten. Heute wird das Flair der Peinitz gar mit dem des New Yorker Central Park verglichen zumindest von Roland Gebert. Der Vorsitzende des 2003 gegrndeten Ver-eins Peinitzhaus lobt die ideale Verbindung von Kultur und Natur auf der Insel.

    Nur Gutes auf Gut GimritzIm sdlichen Teil des Gelndes stoen wir auf den alten Gutshof Barthels, Gut Gimritz. Etwa 250 Menschen leben hier, inmitten der Natur. In einem der Ziegelgebude, welches einst als Stall fungierte, treffen wir Heinrich Wunderlich, der schwrmt: Das Leben mit dem Fluss ist groartig. Meine Frau schwimmt im Sommer immer bis zur Giebichensteinbr-cke. Laut Wunderlich leben viele Individu-

    Die Saaleaue wird von ihren Bewohnern in den hchsten Tnen gelobt

    Saaleaue

    Durchschnittsalter: 41,66Einwohner: 522Flche: 5,26 kmMietspiegel: 6,28 /mArbeitslosenquote: 3,1 %Strkste Partei: Die Linke 23,4 % (Strkste Partei, Landtagswahl 2011)Wahlbeteiligung: 43,3 %Besonderheiten: Peinitzhaus (Foto), Halloren- und Salinemuseum, Gasometer, Eissporthalle, Galopprennbahn

    Wie Central Park und Sanssouci

    im Stadtviertel nach deren Wrtern zu fragen. Bettina Klppel wohnt im ehemaligen Wrter-Anwe-sen hinterm Wehr Gimritz. Sie erzhlt uns vom Fr und Wider des exklusiven Wohn-sitzes mitten in der Natur. Bis vor kurzem teilten wir uns mit einer anderen Familie das Anwesen, aber die haben

    An der Stelle des heutigen Peinitzhauses stand sein Jagdhaus, aus dem die

    Stadt 1893 eine reprsentative Ausflugsgaststtte errichtete. Wahre Vlkerwanderungen gab es damals zum Beispiel an Ostern, wenn Wirt Friedrich Klopffleisch leckere Speisen

    auftischte. Im brigen wurde erst 1899 die Peinitzbrcke er

  • STADTHALLE 7

    Christian-Heinrich Wunderlich hat auf Gut Gimritz Wurzeln geschlagen. Seitdem er 2004 sein Zuhause in Halle Ost gegen 170 Quadratmeter Eigentum auf der Peinitzin-sel getauscht hat, will er hier nie wieder weg. Dreieinhalb Etagen plus Garten teilt sich der Leiter einer Restaurationswerkstatt im Lan-desmuseum mit seiner Frau und zwei Kat-zen. Wir haben den 51-Jhrigen besucht.

    Was ist so besonders am Viertel?Zunchst: Ich sehe mich als Peinitzbewoh-ner. Besonders am Leben hier ist, dass man geografisch mitten in der Stadt wohnt und trotzdem mitten in der Natur und eigentlich auch mitten im Fluss lebt. Wir haben Kanus, einen Bootsanleger, und viele angeln gern. Un-ser Nachbar hat krzlich einen riesengroen Hecht aus der Saale gezogen, den wir auf dem Gut unter uns verteilt haben. Die Fische aus der Saale sind sehr, sehr lecker. Brauchen wir Holz fr unsere Feuerstelle, reinigen wir hin und wieder den Gimritzer Gutspark von berflli-gen sten. Dann sitzen wir ums Feuer rum und quatschen und klnen, ein bisschen wie im Asterixdorf. Es ist einfach absolut traumhaft.

    Warum diese Wohnung?Fr uns stand fest, dass wir ewig in Halle blei-ben werden. Wir suchten also etwas Langfris-tiges. ber Freunde hatten wir erfahren, dass der Gutshof gerade ausgebaut wird. Kurze Zeit spter haben wir die Schuhs, die Besit-zer, kennengelernt. Damals war das hier eine komplette Ruine. Und meine Frau sagte: Um Gottes willen! Als man uns aber alles erklrt hatte und anbot, wir knnten ber den Grund-riss mitentscheiden, waren wir berzeugt.

    Kennen Sie eigentlich Ihre Nachbarn?Zu Beginn gab es bei dem Bau einige Querelen, und so haben wir sogar schon vor dem Ein-zug unsere Nachbarn kennengelernt. Seitdem sind wir eine eingeschworene Gemeinschaft. Mittlerweile sind unsere Nachbarn ein Grund dafr, warum ich nie hier weg will. Wir haben viele gute Freunde gefunden. 1 QUI

    Der Hausbesuch

    alisten hier. Man muss schon eine Idee von einer Kommune haben, denn Zune gibt es hier nicht, meint der 51-Jhrige. Vorbesitzer Barthels legte hinter seinem Herrenhaus ei-nen historischen Landschaftsgarten an, der heute unter Denkmalschutz steht. Der Park ist fantastisch, wie Sanssouci in klein, er-klrt Wunderlich. Selbst den regelmigen berschwemmungen kann der Mitarbeiter des Landesmuseums fr Vorgeschichte etwas Positives abgewinnen. Unser soziales Zu-sammenleben hat das unheimlich gefrdert. Als kleine Gruppe verteidigten wir das Gut. Von der Auenwelt wie abgeschnitten, ohne Strom, haben wir Essensplne er-stellt, zusammen getafelt und am Ende alle Khlschrnke leer gegessen, so Wunderlich. Unter Wasser stand 2011 und 2013 auch die Eissporthalle. Das Gebude, das 1957 er-baut wurde, kennen vie-le Hallenser noch vom Schlittschuhlaufen aus der Schulzeit. In den ver-gangenen Jahren konnten die Saale Bulls hier einen Titel nach dem anderen in der Eishockey-Oberliga Ost erkmp-fen. Nach den Flutschden jedoch soll die Halle neu errichtet werden.Unsere nchste Station ist der Stadthafen an der Elisabethsaale, dessen Erffnung im Jahr 2010 gro gefeiert wurde.

    Zu Beginn mit viel Vorschusslorbeeren be-dacht und begrndet als notwendig, um den Saale-Tourismus zu frdern, fristet dieser heu-te ein eher tristes Dasein. Der Hafen liegt viel zu versteckt, sagt uns der passionierte Boot-fahrer Bernd Weiske. Die Hafenstrae wirkt (noch) trostlos, geplant ist jedoch Groes: Ne-ben der angedachten Brcke zur Franz-Schu-bert-Strae soll praktisch ein neuer Stadtteil aus dem Boden gestampft werden. Etwa 120 Bewohner zhlt das Gebiet am Sophienhafen bisher.Eine letzte Verabredung mit einem ehemali-gen Saaleaue-Bewohner steht uns noch bevor.

    Doch zunchst mssen wir linker Hand das Halloren- und Salinemuseum sowie rechter Hand die Galopprennbahn hin-

    ter uns lassen, um zu den Pulverweiden zu gelangen. Gastwirtschaft, Spielplatz, Studen-tentreff die Wiesen waren schon immer ein

    beliebtes Ausflugsziel. Jedoch erreichte die romantische Flussaue zweifelsfrei erst in der zweiten Hlfte des 19. Jahrhunderts sei-ne Glanzzeit: Etliche Flussbder erffne-

    ten und lockten die Hallenser ins Grne. Das Flora-Bad, welches um 1890 noch

    streng in Damen- und Herren-bad unterteilt war, gehrte zu den populrsten. Doch die Industrialisierung n-derte alles: Als wir dort

    wohnten, kamen die Fische mit dem Bauch

    nach oben angeschwom-men, so verdreckt war die Saale, sagt Gerd Eichler, der

    in den 60er Jahren als Sohn der Schleusenwrterin ein An-

    wesen auf der Rabeninsel sein Zu-hause nennen durfte. In den 60ern war

    auf der Rabeninsel noch jede Menge los. Die Wichsschachtel, eine der Buden auf

    der Seite der Fhre, und der Kaffeegarten Kurzhals mit groem Tanzsaal und Bhne fallen mir da auf Anhieb ein. Heute ist die Rabeninsel ein Mekka fr Spaziergnger und Jogger, aber Cafs und Gaststtten gibt es nicht mehr. Leider. 1 JESSICA QUICK

    Christian-Heinrich Wunderlich am Quittenbaum vor seinem Haus auf Gut Gimritz. (Foto: Qui)

    Das Fundament von Gut Gimritz hat Amtmann Ludwig Barthels bereits im 19. Jahrhundert gelegt. (Fotos: Andreas Ler)

    Auf der Peinitzbhne fand regelmig das Pressefest der Zeitung Freiheit statt. (Foto: Archiv MZ)

    : In der nchsten Ausgabe lesen Sie Teil 36: Dieselstrae

    An der Magistrale

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  • STADTHALLE8

    Der April steht fr die Eheleute im Zeichen der Jubilumsfestwoche an ihrem Puppentheater

    12. April, 18.30 Uhr, Kirche im Diakoniewerk Das Diakoniewerk Halle ldt an diesem Abend zur musikalischen Vesper ein. Dabei steht diesmal kein reines Instrumentalkonzert auf dem Programm. Kantor Tim-Dietrich Meyer hat die Sopranistin Uta Mcksch eingeladen, die seit Jahren im Kammermusikensemble Musica da Camera in Dres-den singt. In der Diakonie wird sie die Rhlmann-Orgel begleiten. Der Eintritt ist frei.

    24. April, 17 Uhr, Siedehalle Salinemuseum Das Salzforum beschftigt sich mit montan- und natur-wissenschaftlichen Themen. Die Vortragsreihe findet von Frhjahr bis Herbst ein- bis zweimal im Monat immer donnerstags um 17 Uhr statt. An diesem Tag ist Dr. Friedhart Knolle aus Goslar zu Gast, um ber den 3 000 Jahre whrenden Metall-erzbergbau im Harz und denen daraus resultierenden Folgen fr die Umwelt zu referieren. Eintritt 1 Euro.

    30. April, 18.30 Uhr, Oberburg Auf der Oberburg der Burg Giebichenstein findet auch in diesem Jahr die Walpur-gisnacht, ausgerichtet vom Thalia Theater, statt. Die Hexe Walpurga ldt ein, bei Speis, Getrnk und Spielen, wie Hexenbesen basteln, mit Totenkpfen kegeln und dem Feuersprung, den Winter endgltig zu vertreiben. Mit einer Feuershow geht die zauberhafte Nacht zu Ende. Erwachsene 4 Euro, Kinder unter 14 Jahren 2 Euro.

    LOHNENSWERT

    S ie sind beide Absolventen der Hochschule fr Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, geh-ren beide seit 1996 dem Ensemble des halleschen Puppentheaters an und sie sind ein Ehepaar. Wollte man freilich die an verrckten Wendungen hchst reiche Geschichte erzhlen, wie Ines Hein-rich-Frank und ihr Mann Lars Frank zusammenge-kommen sind, knnte man das ganze Heft fllen. Deshalb im Telegrammstil: Er fand sie am Theater Waidspeicher in Erfurt, wo sie sich das erste Mal ber den Weg liefen, uninteressant. Sie hatte sich bei Christoph Werner, der beide 1996 ans hallesche Puppentheater holte, ausbedungen, nicht gemein-sam mit ihm besetzt zu werden. Fnf Jahre spter geriet das Arrangement dann aber durcheinander, als sie das Zwei-Personen-Stck Die Schne und das Biest einstudierten. Und sich heftig ineinander verliebten weil man sah, dass dieser Mensch ganz anders ist als das Klischee, das man von ihm hatte, wie Lars Frank erklrt.Der April, der ja ganz im Zeichen der Festwoche zum 60. Geburtstag des Puppentheaters steht, hlt fr ihn und seine Frau ein proppenvolles Programm bereit. Neben dem regulren Proben- und Vor-stellungsbetrieb nehmen wir an zwei mehrtgigen Workshops teil, mit denen die weltbekannte The-atermacherin und Puppenspielerin Gisle Vienne knftige Inszenierungen in Halle vorbereiten will, schildert Ines Heinrich-Frank. Immerhin ist Ostern probenfrei nur Ehemann Lars muss abends in Wir werden alle unsere Mtter ran , sodass sich die groe Patchworkfamilie mit insgesamt fnf Kin-dern und zwei Enkeln im urigen Wochenendhaus im mansfeldischen Rotha versammelt. Da werden

    wir gemeinsam so richtig Freestyle mit Filzstift Ostereier anmalen sowie Kaffee trinken, Fahrrad fahren, im Wald spazieren und am ,Feuerlager sit-zen, wie unsere bald vierjhrige Tochter Lise-Lotte immer so drollig sagt, erzhlt Lars Frank. In der Jubilumsfestwoche des Puppentheaters, die bald darauf beginnt, will sich der 53-Jhrige auf alle Flle das Gastspiel Feuer, Wasser und Posaunen auf dem Hallmarkt anschauen. Ich kenne die Kollegen von den ,Pyromantikern seit vielen Jahren und hab das Spektakel schon mal in Stuttgart gesehen sehr komdiantisch, sehr improvisiert, einfach toll. Sei-ne Frau zieht es derweil ins neue theater zu Kalma Streuns Inszenierung von Happy Ending. Ich war von Kalmas ,Katzenhaus im Thalia schwer be-eindruckt. Welche Achtung sie vor den Leuten, vor dem Stck, vor dem Publikum hat!, schwrmt Ines Heinrich-Frank. Ich bin total gespannt, wie sie nun dieses Krebs-Thema auf die Bhne bringt.Total spannend finden es die Franks auch, dass sich gleich bei ihnen um die Ecke der For-mat Filmkunstverleih befindet. Wir sind gro-e Filmfans, aber fr den Gang ins Kino bruch-ten wir ja jedes Mal einen Babysitter, nennt Lars Frank den Vorteil huslicher DVD-Abende. Im April steht ,Finsterworld auf unserer Liste. 1 ANDREAS LFFLER

    : Feuer, Wasser und Posaunen, 30. April, 22 Uhr, Hallmarkt : Happy Ending, 12. und 19. April , 20 Uhr, neues theater : Das Katzenhaus, 3., 4., 21. April, 15 Uhr, 22., 23., 29. April, 10 Uhr, Thalia Theater : Finsterworld von Frauke Finsterwalder; u.a. mit Corinna Harfouch, Ronald Zehrfeld, Sandra Hller; DVD-Verffent-lichungsdatum: 11. April

    Der April steht fr die Eheleute im Zeichen der Jubilumsfestwoche an ihrem Puppentheater

  • STADTHALLE 9

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    Adresse:Bernburger Str. 2506108 Halle (Saale)Tel.: (0345) 2 90 97 27ffnungszeitenMo bis Fr: 9 bis 19 UhrSa: 9 bis 13 Uhr

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    Designed for ECOISTSIn Halleexklusiv im FAHRRADIES,demE-Bike-Kompetenz-Center!

    Pedalritter starten am 12. April in die vierte Auflage der Extrem-Radtour

    Die Hlle des Ostens fhrt ins Saaletal

    Pagus Neletizi et Nudzici, diese auf den ersten Blick kryptische Bezeichnung fr eine Radausfahrt geht auf ein Kataster aus dem Jahr 1749 zurck. Das Werk ist eine Beschreibung des Saalkreises mit allen Stdten, Drfern, Gtern und deren Besitzern.Nach Marizio Paul, dem Mitorganisator der Aus-fahrt Die Hlle des Ostens, wird die landeskund-lich interessante Radtour am 12. April in den Um-kreis des Petersberges und in das Rote Mansfeld mit seinen Abraumpyramiden fhren. Topfit soll-ten Teilnehmer und Material schon sein, wenn es auf steilen Rampen und Kehren durch die mittel-alterlichen Innenstdte von Wettin und Lbejn geht. Immerhin ist die Strecke 175 Kilometer lang,

    davon sind 35 uraltes Kopfsteinpflaster, so die Ankndigung der privaten Veranstalter.Vorbei an einer Templerkirche, der Intention der Fahrt folgend, werden Sektoren einsamer, gepflas-terter Feldwege und mit Grabhgeln und Menhiren Zeugen der Vergangenheit passiert. Der besondere Charme dieser Kulturlandschaft geht sicher an kei-nem Teilnehmer vorbei.Die Fahrt steht in diesem Jahr auch im Gedenken an die Millionen Toten des Ersten Weltkrieges, des-sen Ausbruch sich zum hundertsten Mal jhrt. Der anspruchsvolle Streckenverlauf fordert gestan-dene Fahrer ebenso wie die willkommenen Jeder-mnner. Ohne vorheriges Training und speziell prparierte Rder sollte man allerdings nicht an den Start gehen. Fr Verpflegung, medizinische Betreuung und ein Begleitfahrzeug zur Pannenbeseitigung wird ge-sorgt. 1 BS

    Wer bei der Hllentour am Ende das Ziel erreicht, kann mit Fug und Recht behaupten, es endlich geschat zu haben. (Foto: Archiv/privat)

    Zachow empfiehlt: 60 Jahre Puppentheater

    : 4. Radtour Hlle des Ostens, 12. April, Start: 7.30 Uhr, Am Waldkater (groer Parkplatz) Ziel: 16.30 Uhr, Riveufer, Bootshaus 5

    3 www. hoelle-des-ostens.de

    Die beiden Ausnahme-Knstlerinnen der Saalestadt teilen sich an diesem Abend zum Festkonzert der Staatska-pelle die Bhne des Opernhauses. Primadonna Romelia Lichtenstein und Echo-Preistrgerin Ragna Schirmer sind eng mit dem Puppenhaus verbunden. Sie gratulieren, indem sie Preziosen wie Bellinis Arie Casta Diva aus der Oper Norma und Beethovens fnftes Klavierkonzert zum Besten geben.16 bis 32 Euro, ermigt 8 Euro

    27. April,19.30 Uhr,Opernhaus

    Mit dem Stck Feuer, Wasser und Posaunen halten die Pyromantiker aus Berlin auf dem Hallmarkt Einzug. Zu sehen ist eine atemberaubende Mischung aus Feuer-werk und Theater, die auf Festivals im In- und Ausland gefeiert wird. Zum 60-jhrigen Jubilum ist dieses Spektakel ein Ge-schenk des Puppentheaters an die Stadt. Der Eintritt ist frei.

    30. April,22 Uhr,Hallmarkt

    Was wre, wenn Puppen tatschlich leben wrden? ber ihre Gefhle und ihr Dasein nachdenken knnten? Diese Fragen treiben die Knstler am Puppentheater schon seit Jahren um. Mit Hilfe der Leopoldina kann dieser spie-lerische Ansatz nun auch wissenschaftlich untersucht werden. In dem Programm Puppen fragen Wissen-schaftler antworten wird es sicherlich ausreichend Ge-sprchsstoff zwischen Puppen und Menschen geben. Der Eintritt ist frei.

    1. Mai,18 Uhr,FranckescheStiftungen

    Zachow empfiehlt: 60 Jahre Puppentheater

    www. hoelle-des-ostens.de

    Die beiden Ausnahme-Knstlerinnen der Saalestadt teilen Festkonzert der Staatska-

    die Bhne des Opernhauses. Primadonna Romelia

  • Er gehrt zu den Gartentrumen, den Histo-rischen Parks in Sachsen-Anhalt. Hier bl-hen die Blauen Blumen der Romantik, es wachsen ungewhnliche Bume wie der Ur-welt-Mammutbaum, Franzsischer Ahorn oder der Trompetenbaum: Der Brgerpark zwischen Seebener Strae und Friedens-strae war und ist Reichardts Garten, des-sen 200. Todestag Halle in diesem Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen ehrt.

    Versumen Sie nicht, sich in Halle umzu-sehen, wozu Sie so manchen Anlass finden werden, rt Johann Wolfgang Goethe im Juli 1803 seinem Freund Friedrich Schiller. Goe-the pflegte eine enge, wenn auch nicht immer freundschaftliche Beziehung mit dem Kom-ponisten und Schriftsteller Johann Friedrich Reichardt. Der 1752 als Sohn eines Stadtmusi-kus geborene Reichardt wurde schon frhzei-tig musikalisch ausgebildet. Bereits im Alter von zehn Jahren galt er als Wun-derknabe und unternahm mit seinem Vater Konzertreisen in Ostpreuen. 1775 wurde Reich-ardt zum kniglich preuischen Hofkapellmeister ernannt. Nach seiner Entlassung vom knigli-chen Hof lebte er seit 1794 im damaligen Dorf Giebichenstein. Der romantische Musiker kauf-te das alte Kstnersche Gut von etwa fnf Hektar Gre und

    gestaltete es gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Johanna Dorothea Wilhelmina zu einem Landschaftsgarten im englischen Stil um. Reichardts Garten sollte zu der schnsten Komposition seines Lebens werden. Neben Goethe fanden auch Dichter wie Jean Paul, Novalis, Ludwig Tieck, Joseph von Eichen-dorff, Achim von Armin und Clemens Bren-tano hier ihre Inspiration. Die jungen Knstler schtzten nicht nur die Gastfreundschaft der Reichardtschen Familie, sondern vor allem auch die Mglichkeit, im Kreise Gleichgesinn-ter eigene Werke vorzutragen und sich ber neue Strmungen in Musik und Dichtung aus-zutauschen. Als Herberge der Romantik ging Giebichensteins Dichtergarten so in die Ge-schichte ein. Reichardt, der unter anderem Texte von 125 Dichtern vertonte, nutzte die idyllische At-mosphre, um seine jngsten Kompositionen zum Beispiel von Goethes Gedichten als Mu-

    sik im Freien vorzutragen. Dabei waren seine Vorstellungen von Hausmusik fr seine Zeit recht eigenwillig: Nicht nur seine Tch-ter, sondern auch die Hausange-stellten bis hin zu den Kutschern lie er musikalisch ausbilden. Noch vor Sonnenaufgang weckte er seine Gste mit Waldhornkln-gen aus den Gebschen, um mit ihnen die Freude an der Schn-heit seines Gartens und der Mu-

    sik zu teilen. Kunst und Geselligkeit standen bei dem romantischen Musiker an erster Stel-le. Wenn oft an stillen Sommerabenden die alten Gesnge in dem stillen Garten erklangen, war der Eindruck hinreiend, schreibt der Wissenschaftler und Naturphilosoph Henrik Steffens, der sich im Hause Reichardts, wel-ches auf dem heutigen Spielplatz stand, oft Rededuelle etwa mit dem Theologen Friedrich Schleiermacher lieferte.Noch heute erinnern drei Denkmler an den Aufenthalt Goethes: ein Gedenkstein des Bild-hauers Richard Hrn aus dem Jahr 1946 mit dem Relief Goethes, der Nachtigallen- oder Philomelenstein von 1804 sowie die Goethe-bank. Im Jahr 1803 hat Reichardt die steinerne Bank zu Goethes Ehren aufstellen lassen, in die der Dichter selbst seinen Namen eingra-viert haben soll. 1839 wurde sie vom hchsten Punkt des Gartens auf halbe Hhe umgesetzt.1814 starb Johann Friedrich Reichardt. Er wur-de in der Nhe seines Gartens an der Bartho-lomuskirche beigesetzt. Seine Kompositio-nen zu Schlaf, Kindchen schlaf oder Bunt sind schon die Wlder zhlen bis heute zu den bekanntesten deutschen Volksliedern. 1 JESSICA QUICK

    Johann Friedrich Reichardt hat Giebichenstein zu einem Mekka fr Wissenschaftler und Knstler gemacht

    Musikalisches Dichterparadies

    : Goethe seine Poesie ist musikalisch, Erffnung der Sonderausstellung zum 200. Todestag Johann Friedrich Reichardts, 11. April, 17 Uhr, Hndel-Haus

    : Musik im Hndel-Haus Vater- und Tochterliebe, Lieder von Johann Friedrich Reichardt und seiner Tochter Louise, 26. April, 18 Uhr, Hndel-Haus

  • STADTHALLE 11

    Es gibt wohl niemanden, der zu ihnen keine Meinung hat. Plattenbauten spal-ten die Gemter. Manch einer empfin-det sie als Schandfleck in der schnen Altstadtarchitektur, andere wiederum schtzen die unaufgeregte, klare Bau-struktur der Platte. Diese Ambivalenz ist auch in dem Buch Altstadtplatten. ,Komplexe Rekonstruktion in den In-nenstdten von Erfurt und Halle ein Thema. Das Werk beschftigt sich vor allem mit den Plattenbauten, die in den Stadtzentren der beiden Orte gegen Ende der 70er Jahre entstanden sind. Zu dieser Zeit wurden im Rahmen der komplexen Rekonstruktion nicht nur Altbestnde saniert und modernisiert,

    sondern auch Neubauten geplant. Als Beispiel fr Halle wird von der Autorin Kirsten Angermann das innerstdtische Baugebiet Am Domplatz vorgestellt und untersucht. Dabei verweist sie ne-ben der baugeschichtlichen Aufarbei-tung auch auf die heutige Situation und den aktuellen Umgang mit den Bauten und errtert sogar mgliche Denkmal-werte der Gebude. Am 10. April stellt Kirstin Angermann die Beitrge zu Halle und Erfurt in der Thalia-Buchhandlung am Markt vor. Im Anschluss steht die Autorin fr ein Ge-sprch zur Verfgung. 1 ARI

    Monstrse Kurzfilme aus aller WeltGlaubensfragen stehen im Mittelpunkt der 2. Monstronale Unntzes Wissen nutznieend

    Unlngst schockte ich mich mit einem Buch. Darin gelistet mehr als tausend skurrile Fakten unntzen Wissens, die man, laut Titelung, nie mehr vergisst. Tatsachen, wie dass die Tanzlehrerin Annie Taylor, sich 1901 63-jhrig als Erste in ein Fass steckte und in diesem die Niagaraflle hinabstrzte. Sie ber-stand den Sturz, aber wie steht nicht da. Blo nicht vergessen: Weltweit gibt es 1,5 Milliarden berge-wichtige! Fakt.Laut einem weiteren, diagnostizieren bergewichti-ge rzte seltener Adipositas, als normalgewichtige. Es muss demnach eine hohe Dunkelziffer geben, zumal ein weiterer Fakt angibt, dass 38 Prozent der deutschen Hausrzte bergewichtig sind. Besser man vergisst alle Angaben gleich. Davon un-betroffen unser Paul Biedermann, der weder fettlei-big, noch Arzt ist. Als Kind jedoch soll er durch die Seepferdchenprfung gefallen sein, was im Buch als Zeichen dient, dass kein Schaden ohne Nutzen sei. Mir zugleich Trost, solange ich dergleichen nicht aus dem Kopf kriege. Auch Halle ist, weil die Frohe Zu-kunft, Frohe Zukunft heit. Ein Fakt fr Halle. Unntz? Wie soll etwas unntz sein, wenn man nicht wissen kann, wozu es doch einmal was ntzen kann? In Schulen, darber steht im Buch freilich nichts, wird zuweilen manch unntzes Wissen vermittelt. Doch lernt man so, unntzes Wissen von ntzendem Wissen zu unterscheiden, und wie es im Bestfall ge-trennt werden kann. Spannend sind die Wandlungen ntzenden Wissens in unntzes Wissen, als auch umgekehrt. Immer eine Frage des Nutzens. Aber weg, weil unntz, mit Jgern, die Dachse Schmalz-mnner nennen, Frau Merkel, die mal Eiskunstlu-ferin zu werden gedachte, Kindern, die schneller wachsen als Fingerngel und mit Pferden, die nicht kotzen knnen! Vergiss es! Elf Prozent aller Deut-schen sind selbststndig. Das wiederum ist so was von Fakt! Und ich stecke voll mit drin. Ntzt mir das was? Bestimmt finden sich Antworten, die Fakt sind.

    Juliane Blech ist Dichterin, Dramatikerin und die neue Stadt-schreiberin in Halle. Als Kolumnenschreiberin ist sie unterwegs, um Schrges, Saftiges, Herausragendes und Alltgliches mit ihren Worten einzufangen.

    Der Name klingt buchstblich mons-trs, die Zahl der Einreichungen fr die zweite Auflage der Monstrona-le Anfang April war es gewisserma-en aber auch: Wir sind berwltigt und freuen uns ber fast 300 Einsen-dungen aus aller Welt, sagt Christi-an Schunke. Der Mann vom Verein Plan3 fungiert als Koordinator des inter nationalen Kurzfilmfestivals, das

    sich als eine eigenstndige cineastische Institution positionieren und profilieren will, die einem mglichst breiten Pub-likum den Zugang zum knstlerischen und im weitesten Sinne besonderen Film ebnet. Das diesjhrige Festival, welches wie gehabt im Puschkinhaus sowie im La Bim am Tpferplan statt-findet, wird sich unter dem Leitthema A question of belief mit den Erschei-nungen und Spielarten des Spirituel-len, Unbewussten und Phantastischen im Film auseinandersetzen. Bei einer Podiumsdiskussion mit Regisseur Lutz Sttzner sowie Daniel Herrmann von der Werkleitz Gesellschaft, der auch der Wettbewerbs-Jury angehrt, soll zudem versucht werden, diesen doch eher va-gen Begriffen auf den Grund zu gehen und vielleicht etwas Ordnung in das fil-mische Chaos der Glaubensfragen zu bringen. 1 LF

    Der Film Forever Mime stellt sich unter anderen im Rahmen der Monstronale der Fachjury. (Foto: Ag)

    Plattenbauten unter Denkmalschutz?Buchvorstellung und Gesprch zum Wert der Platte am 10. April

    Hbsch oder hsslich? Bei Plattenbauten gehen die Meinungen oft auseinander. (Foto: Gnter Bauer)

    : Buchvorstellung und Gesprch, 10. April, 20.15 Uhr, Thalia-Buchhandlung

    : Internationales Kurzfilmfestival Monstronale vom 4. bis 6. April

    3 www.monstronale.org

  • STADTHALLE12

    Treppen sind nicht einfach nur Mittel zum Zweck des Auf- oder Abstiegs. Sie sind auch charakteristisches Gestal-tungselement, reprsentativer Blickfang oder idyllischer Aufenthaltsort. Als wichtigen Bestandteil der Formenspra-che haben Architekten mit ihren Treppen auch in Halle ihre Spuren hinterlassen.

    Halles Prachtstcke: Treppen

    (von links nach rechts) Studenten gnnen sich auf der Treppe am Uni-Campus eine Pause zwischen den Vorlesungen; der Aufgang im neuen theater gleicht einem Walk of Fame vorbei an Schauspielern und Stcken; nach der Sanierung im Frhjahr 2013 erstrahlt auch das Treppenhaus im Landgericht Halle in neuem Glanz; die Stufen im Dormero-Hotel Rotes Ross fhren zu einigen von Halles schnsten Schlafgemchern; die Treppe im ehemaligen Regierungsprsidium im Paulusviertel wird wohl nach den geplanten Umbauten nicht wiederzuerkennen sein; einen imposanten Blick ergibt das historische Treppenhaus im Institut fr Physik

  • 13STADTHALLEStatt

    Vor genau 26 Jahren raunte die schchtern wirkende Tanita Tika-ram mit ihrer tiefen Stimme die Worte meine Augen sind nur ein Spiegel meiner selbst ins Mi-krofon und erlangte mit dem Titel Twist in my Sobriety 1988 ber Nacht musikalischen Weltruhm.

    Nachdem ihr Debtalbum Anci-ent Heart im folgenden Jahr das meistverkaufte in Deutschland wurde, tourte sie mit gerade ein-mal 19 Jahren durch die ganze Welt. Danach war es lange Zeit ruhig um die britische SingerSongwriterin geworden, die vor

    44Jahren in Mnster zur Welt kam und in einer britischen Kaserne, in der ihr Vater stationiert war, auf-wuchs. Spter zog Tikaram wie-der zurck nach Grobritannien. In den vergangenen 20 Jahren hat sie alle sieben Jahre ein Album herausgebracht alle Lieder sind selbst komponiert und haben die fr Tikaram typischen Soul- und Motown-Klnge inne.Nun will die Britin am 7. April im Kulturkeller Oelgrube ihr neues-tes Werk Cant go back musika-lisch zum Besten geben, welches Tikaram als sehr positiv und dynamisch bezeichnet. Sie singt von der persnlichen Freiheit, die man erfhrt, wenn man die Ver-gangenheit hinter sich lsst. Ins-piriert wurde die 44-Jhrige von Paul Simon und Dusty Spring-field die mssen es ja wissen. 1 AR

    4. April, 15 Uhr, Heimat- museum Salzatal Festliche OstertafelnDie Osterbruche unserer Hei-mat stehen im Mittelpunkt der Ausstellung im Heimatmuse-um Salzatal.

    5. April, Ringhotel Schloss SchkopauMittelalterspektakel Ritter, Feuerzauber und Kin-deranimation entfhren zum zweiten Mal in die Welt des Mittelalters.

    5. April, 20 Uhr, Oelgrube MerseburgStrandkorb-TreffenAuch die zehnte Auflage des Treens der Besucher der ehe-maligen Jugendtanzgaststtte Saaletal bietet eine musika-lische Zeitreise.

    7. April, 17.30 Uhr, Gemeinderaum LieskauLesen in LieskauIn der Reihe Lesen in Lieskau stellt Margarete Wein ihr Buch Abland vor.

    12. April, 14 Uhr, Kirche DblitzFrhlingskonzert und OstermarktZum Ostermarkt prsentieren Studenten der Kirchenmusik-schule Halle deutsche und in-ternationale Liedbearbeitun-gen.

    20./21. April, jeweils 13 bis 18 Uhr, Arche NebraFamilienaktionstagUnter dem Motto Schippen, Scherben, Schtze Funde aus der Bronzezeit ldt die Arche Nebra zu zwei Familienaktions-tagen ein.

    26. April, 15 Uhr, Templerkapelle MchelnErlebnisfhrung Tempelritter Arnulf entfhrt Interessierte in die Zeit der Kreuzzge.

    STATT HALLE TERMINE APRIL

    : 7. April 2014, 20 Uhr, Kulturkeller Oelgrube, Merseburg Kartenbestellungen: 03461 35 27 67 3 www.oelgrube.info

    Seelenheil mit Ausnahme-BritinFrhliche Momente treffen in der Oelgrube in Merseburg auf se Melancholie

    Tanita Tikaram stellt am 7. April in Merseburg ihr neues Album vor. (Foto: Agentur)

    Seit nunmehr 123 Jahren fin-det das traditionelle Bltenfest in Kloschwitz statt. Vom 26. bis 27. April feiern die Gemeindebe-wohner des Salzatales die weie Pracht der blhenden Obstbu-me. Besondere Hhepunkte sind in diesem Jahr die Wahl der Bl-tenknigin und der Bltenball,

    der musikalisch von der Band Meilenstein untersttzt wird. Ein buntes Rahmenprogramm bieten unter anderem die umlie-genden Feuerwehren mit ihrem 13. Schlauchbootrennen. Dazu sorgen die Kloschwitzer Blasmu-sikanten, Bauchredner Ron Rein-ker und der Schlagersnger Phil

    Stewman fr ausgelassene Stim-mung an dem Wochenende.Urlaub auf der Zauberburg heit es indes fr die jngeren Gste, die bei einer Ritterspaparty mit Kin-derdisco mal so richtig die Hften schwingen knnen. Auerdem gibt es wilde Zaubereinlagen, ein Ballonknstler modelliert kleine Ritterschwerter oder Zauberst-be und auf dem gesamten Fest-gelnde wird es Fahrgeschfte geben. Whrend sich die Kleinen vergngen, knnen die Groen an den vielen Verkaufsstnden des Bltenmarktes zwischen den verschiedenen Kstlichkeiten und Andenken an das Bltenfest st-bern.brigens: Dass das Bltenfest zu Kloschwitz dazugehrt, beweist sogar das Wappen der Ortschaft. Dort finden sich die Bltenfarbe Wei und das Blau fr die angren-zende Saale wieder. 1 AR

    Bltenfest im SalzatalKloschwitz feiert Ende April seine weie Pracht

    Noch ist es still auf dem Festgelnde. Doch Blten sind die Vorboten fr das traditionelle Blten-fest in Kloschwitz. (Foto: Agentur)

    : Bltenfest, 26. und 27. April, Kloschwitz 3 www.kloschwitz.de

  • Stationen des Puppentheaters

    60 Jahre Puppentheater in Halle. Die Erffnung der ersten Puppenspiel-sttte am 10. Mai 1954 wird Ende April mit einer Festwoche unter dem Motto

    Doppelgnger gefeiert. Doch was heute euphorisch bejubelt wird, htte es vor 60 Jahren um ein Haar erst gar nicht gegeben. Zachow zeichnet die Entwick-lung von Halles beliebtester Kultursttte nach, erinnert an Puppenspieler der ersten Stunde und hat beim Bau einer Puppe ber die Schultern geschaut.

    Aufregung macht sich vor und hinter der Bhne im Saal des Hauses der Deutsch-Sowje-tischen Freundschaft A.S. Puschkin breit. Whrend im Zuschauerraum an diesem 21. November 1953 unzhlige hallesche Kinder ungeduldig auf den Beginn des Stckes Der Schwielenhans warten, sind die Puppenspieler hin-ter der Bhne extrem nervs. Grund dazu haben sie alle-mal, denn es geht um viel: ein eigenes Theater. Diese Vorstellung, begutachtet von einer Kulturkommissi-on, entscheidet, ob die Lai-enspielgruppe des Volks-kunstkabinetts Halle in ein stndiges stdtisches En-semble umgewandelt wird.

    Denn nach-dem die erste Vor-stellung der Gruppe um die beiden bildenden K n s t l e r Karl Bram-

    bora und Walter Spter im Juni 1953 kritisch aufgenommen wurde, mssen die Puppen-spieler nun beweisen, dass sich eine eigen-stndige Puppenbhne knstlerisch lohnt. Fr Halle wre ein eigenes Theater nur fr Pup-penspiel ein immenser Zugewinn. Zur Grndung der DDR existieren nur frei-schaffende Puppenbhnen. Private Kleinstthe-ater, die von Gemeinde zu Gemeinde ziehen. Staatlich gefrderte Puppenbhnen kennt man nicht. Da erweist sich eine Gastspielreise der sowjetischen Puppenspiellegende Sergej Obraszow 1951 als Initialzndung: Man lernt staatliche Organisationsformen und das En-semblespiel kennen. In der ganzen Republik grnden sich daraufhin Gruppen. Was jedoch fehlt, sind die fundierte Ausbildung einen eigenstndigen Studiengang Puppenspiel gibt es erst ab 1971 sowie Stcke, die gespielt werden knnen. Die Puppenspieler in Halle haben in dieser Hinsicht Glck, die Schrift-stellerin Edith Bergner schreibt extra fr die Puppenbhne konzipierte Stcke. So stammt auch Der Schwielenhans aus Bergners Feder. Und diesen nehmen die Kin-der an diesem entscheidenden Sonnabend-nachmittag 1953 begeistert auf. Damit steht fest, ab dem 1. Januar 1954 bernimmt der Rat der Stadt die Verantwortung ber die Bhne. Was nun noch fehlt ist eine Spielsttte. Doch auch diese findet sich: die ehemaligen Edi-

    son-Lichtspiele in der Goethestrae 26. Eine ideale Spielsttte, welche am 10. Mai 1954 mit dem Stck Das Waldmrchen erffnet wird, ist das ehemalige Kino mit seinen 110 Sitzen nicht, aber die Kinder lieben es. Immer mittwochs und sonntags strmen in den kom-menden Jahren Menschenmassen ins Pau-lusviertel. Bis zum ersten Spielstttenwech-sel im Jahr 1958 werden es 150 000 sein. 1 SEBASTIAN KRZIWANIE

    Ein Anfang mit Hindernissen

    Autorin Edith Bergner verfasste etliche Stcke fr die halle-sche Puppenbhne. (Foto: Archiv ekrz)

    1954 1958 Goethestrae 26 (ehemalige Edison-Lichtspiele)

    1958 1963 Puschkinhaus

    1963 1971 Geiststrae

    1971 Aula der Medizinischen Fachschule, Klosterstrae

    1971 1974 Capitol, Lauchstdter Strae

    60 Jahre Puppentheater in Halle. Die Erffnung der ersten Puppenspielsttte am 10. Mai 1954 wird Ende April mit einer Festwoche unter dem Motto

    Doppelgnger gefeiert. Doch was heute euphorisch bejubelt wird, htte es vor 60 Jahren um ein Haar erst gar nicht gegeben. Zachow zeichnet die Entwicklung von Halles beliebtester Kultursttte nach, erinnert an Puppenspieler der ersten Stunde und hat beim Bau einer Puppe ber die Schultern geschaut.

    THEMA DES MONATS1414

  • Brand im Puppentheater titelte die Freiheit am 6. April 1971. Dass sich die Geschehnisse hinter dieser kur-zen Meldung als spektakulrer Kri-minalfall entpuppen wrden, ahn-te anfangs noch niemand. Fr das Puppentheater bedeutete der Brand jedoch den Verlust ihrer Spielsttte in der Geiststrae und damit ver-bunden eine zehnjhrige Odyssee durch die Stadt.Die Nacht vom 4. auf den 5. April 1971 wird Ina Meyer (Foto) wohl nie vergessen. Die Puppenspie-lerin, die von 1967 bis 1991 im Theater ttig gewesen ist die letzten vier Jahre davon als In-tendantin war schwanger und befand sich wegen einer Untersu-chung in der Frauenklinik. Eine Schwester erzhlte der jungen Frau am Morgen, ihr Ehemann habe ver-sucht, sie zu erreichen, um ihr zu sagen, dass im Puppentheater ein Feuer ausgebrochen sei. Als Meyer

    nach Hause eilte, traf sie auf ihren Mann Gnther, den Technischen Leiter des Puppentheaters. An

    seine dramatische Schilderung der Ereignisse erin-

    nert sich die heute 73-Jhrige noch sehr

    gut: In der Nacht wurde Gnther von Henry

    Braun, dem Chef des Kabaretts, aus dem Bett geklingelt. Das Theater brennt!, schrie dieser aufgeregt. Und da die Feuerwehr nicht wuss-te, wo sich die Stromanlage befindet, musste mein Mann den Weg in das brennende Haus weisen. Am Tag des 5. April offenbarte sich die ganze Katastrophe. Vom Keller aus bahnte sich der Brand seinen Weg bis hoch zum Dach. Was das Feuer im damals modernsten Puppen-theater der Republik nicht zerstrte, erledigte das Lschwasser. Fast alles war weg. Aber wie durch ein Wunder blieben Teile der Bhne unversehrt. Die Kulisse von Buratino (Foto links) war nur leicht beschdigt. Auerdem fanden sich in einem Koffer die Puppen von dem legendren Stck Das Entchen alle vllig intakt. Ein Neuanfang war also mglich. Und bereits wenige Tage spter nahmen die Puppenspieler den Spielbetrieb in der Aula der medizinischen Fachschule in der Kloster-strae wieder auf. Doch wer war nun fr den Brand verantwortlich? Kommissar Zufall sorg-te fr Aufklrung, erinnert sich die Puppen-spielerin: Wie uns der Staatsanwalt Monate spter berichtete, wurde in einer Kneipe in der August-Bebel-Strae ein Mann festgenom-men, der bei einem Streit einem Kellner die Jacke angezndet hatte. Uns war er sogar be-kannt, weil er in der Gaststtte Nord, wo wir Puppenspieler manchmal verkehrten, Stamm-gast gewesen ist. Wie sich in der Vernehmung herausstellte, war er Kopf einer gut 40-kpf-igen Ruberbande, auf deren Konto unzh-lige Straftaten gingen, vor allem Diebsthle. Ihre Spezialitt sei es wohl gewesen, dass die Bande ihre

    Spuren mit Feuer zu verwischen pflegte zum Leidwesen des Pup-pentheaters. Bis zum Bezug der neuen Spiel-sttte 1981 im Mhlweg verging-en zehn Jahre, in denen man sich unter anderem proviso-risch im Capitol und dem Klei-nen Thalia Theater einrichten musste. Eine Odyssee, die der Beliebtheit aber keinen Ab-bruch tat.1 SEBASTIAN KRZIWANIE

    1981 2002 Mhlweg 12

    2002 heute Kulturinsel

    1974 1981 Klubraum Thalia Theater, Geiststrae

    Buratino und die 40 Ruber

    sucht, sie zu erreichen, um ihr zu sagen, dass im Puppentheater ein Feuer ausgebrochen sei. Als Meyer

    nach Hause eilte, traf sie auf ihren Mann Gnther, den Technischen Leiter des Puppentheaters. An

    73-Jhrige noch sehr gut: In der Nacht wurde

    THEMA DES MONATS 15

  • Bei Kulturinsel denken Hallen-ser wohl zuerst an die Innenstadt. Eine Kulturinsel hat aber auch die Silberhhe. Nahe der S-Bahn-Sta-tion ist sie entstanden, zwischen Plattenbauten, Geschften und dem Gesundheitszentrum an den Straenbahnlinien 1 und 2. Theaterhaus steht am Wohn-block Wittenberger Strae 24, die Fenster der einstigen Laden-passage sind dekoriert mit Pup-pen aus Mrchen und Plakaten des Figurentheaters Anna So-phia.Gudrun Haefke ist Direkto-rin, Regisseurin und Akteu-rin dieses Kleinods, in dem im April Die Regentrude und Die Heinzelmnnchen zu Kln gespielt werden und kulturelle Begegnun-gen stattfinden. Ich hatte 1995 die Tollkhnheit, ein eigenes Puppentheater zu grnden , sagt sie ber ihre Entscheidung, die sie unter anderen Umstnden wohl nicht getroffen htte. Sie fiel zusammen mit einem Intendantenwechsel, der

    Nichtverlngerung ihres Vertra-ges und der Neuausrichtung des Puppentheaters. Fast 25 Jahre gehrte sie zum Ensemble. Gud-

    run Haefke war in mehr als 60 Rollen zu erleben, in Mrcheninszenierungen und

    Stcken fr Erwachsene. Sie spielte im Klassi-ker Das Entchen, fhrte die Stabpuppe Fissa

    in Die feuerrote Blume und durfte mit Zu-stimmung von Samuel Beckett sogar die Rolle des Pozzo in Warten auf Godot bernehmen, das 1989 auf die Bhne gebracht wurde. Das Verlassen des Ensembles, welches damals im Mhlweg spielte, sei ihr nicht leicht gefallen. Doch ich wollte im Beruf bleiben.

    Furchterlebnis in der GoethestraeEin Leben ohne Puppenspiel, ohne Publi-kum, das sie erfreuen und ans groe Theater heranfhren mchte, ist fr die Hallenserin undenkbar. Und das, obwohl sie ihre Kind-heitsbegegnung mit dem Puppentheater als nachhaltiges Furchterlebnis bezeichnet. Mein erster Besuch in der damaligen Spiel-sttte Goethestrae 26 war verknpft mit Lrm, Dunkelheit und Angst. Nie wieder woll-te ich da rein, erinnert sich Haefke. Zur Bhne schon als Tnzerin. Dafr trainierte sie im

    Kinder- und Jugendballett und begann ein Stu-dium an der Ballettschule Berlin. Rckenpro-bleme beendeten den Kindheitstraum. Die Be-geisterung fr das Puppentheater habe dann der damalige Intendant Rolf Thieme geweckt. 1971 wurde sie ins Ensemble aufgenommen, erwarb die staatliche Bhnenreife, studierte Kulturwissenschaften, spielte, inszenierte und fhrte Regie. Heute gehrt Gudrun Haefke zu den besten und gefragtesten Puppenspielern Deutschlands mit Auftrittsorten im In- und Ausland. Besonders am Herz aber liegt ihr das Spiel mit den Handpuppen, Stabfiguren und Marionetten im Figurentheater Anna So-phia, der Kulturinsel auf der Silberhhe. 1 ERNST KRZIWANIE

    Gudrun Haefke: Tollkhn auf die Silberhhe

    Gudrun Haefke spielt heute auf der eigenen Bhne, in den 70er Jahren im Puppentheaterensemble (re.). (Foto/Repro: ekrz)

    Frau Nowitzki, wie haben Sie die Puppen gemacht?

    Louise Nowitzki (Foto links) ist ein Multi-Talent. Sie studierte Bild-hauerei in Dresden und absolvier-te ein Schauspielstudium an der Hochschule fr Musik und The-ater in Rostock. So war es kaum verwunderlich, dass sich die heu-te 32-Jhrige, seit 2010 festes En-semblemitglied an Halles Thalia Theater, auch fr Puppenbau zu interessieren begann. Im vorigen

    Jahr schuf die junge Frau die Figuren fr Chris-toph Werners Inszenierung Der seltsamste

    Fall des Doktor E. T. A. Hoffmann. Exklusiv erlaubte sie Zachow einen Blick in die Werk-statt und ihre Vorgehensweise sowie die Be-antwortung der Frage: Frau Nowitzki, wie haben Sie das gemacht?Weil es in Sachen Puppenbau keine geregel-te Ausbildung gibt, bat sie den in Halle bes-tens bekannten Atif Hussein, ihm in seiner Werkstatt ber die Schulter blicken und sich einige Tricks und Kniffe abschauen zu kn-nen. Mit Regisseur Christoph Werner, der von ihrer Probepuppe berzeugt war, fand dann eine Art Casting statt, bei dem Zusammen-

    stellung, Aussehen und auch die Art des Puppen-Personals fr

    das Hoffmann-Stck besprochen

    THEMA DES MONATS

    seit 1957 dem Theater Junge Garde angeschlossen

    Wichtige Ereignisse des Puppentheaters

    Bei Kulturinsel denken Hallen-ser wohl zuerst an die Innenstadt. Eine Kulturinsel hat aber auch die Silberhhe. Nahe der S-Bahn-Sta-tion ist sie entstanden, zwischen Plattenbauten, Geschften und dem Gesundheitszentrum an den Straenbahnlinien 1 und 2. Theaterhaus steht am Wohn-block Wittenberger Strae 24, die Fenster der einstigen Laden-passage sind dekoriert mit Pup-pen aus Mrchen und Plakaten des Figurentheaters Anna So-phia.Gudrun Haefke ist Direkto-rin, Regisseurin und Akteu-rin dieses Kleinods, in dem im April Die Regentrude und Die Heinzelmnnchen zu Kln gespielt werden und kulturelle Begegnun-gen stattfinden. Ich hatte 1995 die Tollkhnheit, ein eigenes Puppentheater zu grnden , sagt sie ber ihre Entscheidung, die sie unter anderen Umstnden wohl nicht getroffen htte. Sie fiel zusammen mit einem Intendantenwechsel, der

    Nichtverlngerung ihres Vertra-ges und der Neuausrichtung des Puppentheaters. Fast 25 Jahre gehrte sie zum Ensemble. Gud-

    run Haefke war in mehr als 60 Rollen zu erleben, in Mrcheninszenierungen und

    Stcken fr Erwachsene. Sie spielte im Klassi-ker Das Entchen, fhrte die Stabpuppe Fissa

    in Die feuerrote Blume und durfte mit Zu-stimmung von Samuel Beckett sogar die Rolle des Pozzo in Warten auf Godot bernehmen, das 1989 auf die Bhne gebracht wurde. Das Verlassen des Ensembles, welches damals im Mhlweg spielte, sei ihr nicht leicht gefallen. Doch ich wollte im Beruf bleiben.

    Furchterlebnis in der GoethestraeEin Leben ohne Puppenspiel, ohne Publi-kum, das sie erfreuen und ans groe Theater heranfhren mchte, ist fr die Hallenserin undenkbar. Und das, obwohl sie ihre Kind-heitsbegegnung mit dem Puppentheater als nachhaltiges Furchterlebnis bezeichnet. Mein erster Besuch in der damaligen Spiel-sttte Goethestrae 26 war verknpft mit Lrm, Dunkelheit und Angst. Nie wieder woll-te ich da rein, erinnert sich Haefke. Zur Bhne schon als Tnzerin. Dafr trainierte sie im

    Kinder- und Jugendballett und begann ein Stu-dium an der Ballettschule Berlin. Rckenpro-bleme beendeten den Kindheitstraum. Die Be-geisterung fr das Puppentheater habe dann der damalige Intendant Rolf Thieme geweckt. 1971 wurde sie ins Ensemble aufgenommen, erwarb die staatliche Bhnenreife, studierte Kulturwissenschaften, spielte, inszenierte und fhrte Regie. Heute gehrt Gudrun Haefke zu den besten und gefragtesten Puppenspielern Deutschlands mit Auftrittsorten im In- und Ausland. Besonders am Herz aber liegt ihr das Spiel mit den Handpuppen, Stabfiguren und Marionetten im Figurentheater Anna So-phia, der Kulturinsel auf der Silberhhe. 1

    ERNST KRZIWANIE

    Gudrun Haefke: Tollkhn auf die Silberhhe

    Gudrun Haefke spielt heute auf der eigenen Bhne, in den 70er Jahren im Puppentheaterensemble (re.). (Foto/Repro: ekrz)

    Frau Nowitzki, wie haben Sie die Puppen gemacht?

    Louise Nowitzki (Foto links) ist ein Multi-Talent. Sie studierte Bild-hauerei in Dresden und absolvier-te ein Schauspielstudium an der Hochschule fr Musik und The-ater in Rostock. So war es kaum verwunderlich, dass sich die heu-te 32-Jhrige, seit 2010 festes En-semblemitglied an Halles Thalia Theater, auch fr Puppenbau zu interessieren begann. Im vorigen

    Jahr schuf die junge Frau die Figuren fr Chris-toph Werners Inszenierung Der seltsamste

    Fall des Doktor E. T. A. Hoffmann. Exklusiv erlaubte sie Zachow einen Blick in die Werk-erlaubte sie Zachow einen Blick in die Werk-erlaubte sie Zachow einen Blick in die Werkstatt und ihre Vorgehensweise sowie die Be-antwortung der Frage: Frau Nowitzki, wie haben Sie das gemacht?Weil es in Sachen Puppenbau keine geregel-te Ausbildung gibt, bat sie den in Halle bes-tens bekannten Atif Hussein, ihm in seiner Werkstatt ber die Schulter blicken und sich einige Tricks und Kniffe abschauen zu kn-nen. Mit Regisseur Christoph Werner, der von ihrer Probepuppe berzeugt war, fand dann eine Art Casting statt, bei dem Zusammen-

    stellung, Aussehen und auch die Art des Puppen-Personals fr

    das Hoffmann-Stck besprochen

    seit 1957 dem Theater Junge Garde angeschlossen

    Wichtige Ereignisse deded s Puppentheaters

    Frau Nowitzki, wie haben Sie die Puppen gemacht?

    THEMA DES MONATSTHEMA DES MONATS1616

  • wurden. Es gibt ja beispielsweise Marionet-ten, lebensgroe Halbkrperpuppen oder die sogenannten ,Vierfler, die von zwei Spie-lern gefhrt werden. Nun ging es fr Louise Nowitzki in die Werkstatt und zunchst an die Modellierung der Kpfe in Ton. Das war wortwrtlich ein Tasten, und es konnte lange brauchen, bis es mir gefiel. Eine der groen Schwierigkeiten bestand darin, einen Ge-sichtsausdruck zu finden, der weder zu krass noch zu neutral ist, erklrt die Knstlerin. Von dem Tonkopf fertigte sie dann ein so-genanntes Negativ an, indem sie diesen mit dnnflssigem Gips berzog. Die so entstan-dene Gipsform wurde mit Gummimilch ausge-gossen, und voil, nach dem Festwerden des Latex war die Rohversion des Puppenkopfes fertig. Fr die Herstellung der Hnde galt der gleiche Ablauf. Die Kpfe versah Nowitzki nun mit handelsblichen Glasaugen und schnitt und frisierte ihnen nach dem Aufkleben von

    Percken aus dem Opernfundus die Haare. Mit Hilfe einer Rouge-

    Palette wurde sodann an Hnden sowie Gesich-

    tern Stichwort ge-rtete Wangen die Hautstruktur aufge-malt.Die Krper der Pup-pen fertigte Nowitz-ki aus Schaumstoff an mit einem Skelett aus Holz und Alumi-nium und ent-sprechenden

    Scharniergelenken. Die Puppen sollen ja mglichst leicht sein, erst recht der ,Vierfler, den manchmal nur ein Spieler auf der Hand hat, erlutert sie. Zu-dem seien in Sachen Bedienbarkeit ei-nige anatomische Besonderheiten zu beachten gewesen: Die Griffffnung fr eine Mnnerhand muss nun einmal ein wenig grer sein. Quasi nackt bergab Nowitz-ki ihre Kreaturen schlielich an Pup-pentheater-Chef-ausstatterin Angela Baumgart, die den Puppen noch Kos-tme auf den Leib schneiderte. Weil fr die Erbauerin der-weil selbst die Pro-benzeit angefangen hatte, sah sie ihre Geschpfe erst zur Premiere wieder: Auch wenn mir ein paar Dinge aufge-fallen sind, die ich htte besser machen

    kn-n e n , war ich von den Puppen total geflasht dass die so zum Leben erweckt wurden, als stnde ein echter Mensch da. Eine Figur, die ursprnglich Clint Eastwood nachempfunden sein sollte, hat wegen ihrer ver-blffenden hnlichkeit mit dem Chef der Theater, Oper und Or-chester GmbH sogar schon den Spitznamen Herr Stiska weg-bekommen. Der hat das aber locker und mit Humor genom-men. 1 ANDREAS LFFLER

    Wenn Ute Harning von der Puppe

    spricht, geht es nicht um ihre Spielgefhrtin aus Kindertagen. Ge-meint ist das Puppen-theater, fr das die Hal-lenserin Fden zieht. Nicht als Marionetten-spielerin. Die wunder-baren Auffhrungen, betont Harning, genie-

    e ich aus dem Zuschau-erraum. Dort wuchs

    ihre Begeisterung fr die traditionsreiche Kunstform

    des Puppenspiels. Und so be-durfte es keiner berredungs-kunst fr eine ehrenamtliche

    Mitarbeit im Verein zur Frderung des Puppenthe-

    aters Halle. Inzwischen

    ist die Hallenserin, die als Wirtschaftsprfe-rin und Steuerberaterin arbeitet, Vorsitzen-de des Frdervereins. Gegrndet wurde der

    Freundeskreis im Februar 2002. In ihm engagieren sich rund 100 Brger fr die kleinste hallesche Bh-ne. Besucherwerbung, so Harning, ist zum Glck unser kleinstes Problem. In Zeiten knapper Kassen sei es vor allem wichtig, Kontakte zur Stadt, zur Wirtschaft und Politik zu pflegen. Doch die Partner-schaft reduziert sich nicht auf Geldbeschaffung. Zu ihr gehren Werkstattgesprche mit Regisseuren, Puppenbauern und Puppenspielern, Beratungen ber Inszenierungen, Probenbesuche und natrlich Feiern mit den Knstlern. Willkommen im Frderverein ist jeder, betont Harning, der die Puppe untersttzen mchte. 1 EKRZ

    Frderverein: Der Partner fr die Puppe

    Ute Harning knpft als Vorsitzende des Frdervereins des Puppentheaters wichtige Kontakte. (Foto: ekrz)

    ab 1970 eigenstndiges Theater

    1991/92 Fusion mit dem Kabarett Kiebitzensteiner

    2005 bis 2011 gemeinsame Intendanz unter Christoph Werner

    Seit 2009 Teil der Theater, Oper, Orchester GmbH

    Die Entstehung einer Puppe (von oben) beginnend beim Tonkopf ber den Schaumsto krper bis hin zu den Hnden und der am Ende fertig kostmierten Puppe. (Fotos: Lf)

    wurden. Es gibt ja beispielsweise Marionet-ten, lebensgroe Halbkrperpuppen oder die sogenannten ,Vierfler, die von zwei Spie-lern gefhrt werden. Nun ging es fr Louise Nowitzki in die Werkstatt und zunchst an die Modellierung der Kpfe in Ton. Das war wortwrtlich ein Tasten, und es konnte lange brauchen, bis es mir gefiel. Eine der groen Schwierigkeiten bestand darin, einen Ge-sichtsausdruck zu finden, der weder zu krass noch zu neutral ist, erklrt die Knstlerin. Von dem Tonkopf fertigte sie dann ein so-genanntes Negativ an, indem sie diesen mit dnnflssigem Gips berzog. Die so entstan-dene Gipsform wurde mit Gummimilch ausge-gossen, und voil, nach dem Festwerden des Latex war die Rohversion des Puppenkopfes fertig. Fr die Herstellung der Hnde galt der gleiche Ablauf. Die Kpfe versah Nowitzki nun mit handelsblichen Glasaugen und schnitt und frisierte ihnen nach dem Aufkleben von

    Percken aus dem Opernfundus die Haare. Mit Hilfe einer Rouge-

    Palette wurde sodann an Hnden sowie Gesich-

    tern Stichwort ge-rtete Wangen die Hautstruktur aufge-malt.Die Krper der Pup-pen fertigte Nowitz-ki aus Schaumstoff an mit einem Skelett aus Holz und Alumi-nium und ent-sprechenden

    Scharniergelenken. Die Puppen sollen ja mglichst leicht sein, erst recht der ,Vierfler, den manchmal nur ein Spieler auf der Hand hat, erlutert sie. Zu-dem seien in Sachen Bedienbarkeit ei-nige anatomische Besonderheiten zu beachten gewesen: Die Griffffnung fr eine Mnnerhand muss nun einmal ein wenig grer sein. Quasi nackt bergab Nowitz-ki ihre Kreaturen schlielich an Pup-pentheater-Chef-ausstatterin Angela Baumgart, die den Puppen noch Kos-tme auf den Leib schneiderte. Weil fr die Erbauerin der-weil selbst die Pro-benzeit angefangen hatte, sah sie ihre Geschpfe erst zur Premiere wieder: Auch wenn mir ein paar Dinge aufge-fallen sind, die ich htte besser machen

    kn-n e n , war ich von den Puppen total geflasht dass die so zum Leben erweckt wurden, als stnde ein echter Mensch da. Eine Figur, die ursprnglich Clint Eastwood nachempfunden sein sollte, hat wegen ihrer ver-blffenden hnlichkeit mit dem Chef der Theater, Oper und Or-chester GmbH sogar schon den Spitznamen Herr Stiska weg-bekommen. Der hat das aber locker und mit Humor genom-men. 1 ANDREAS LFFLER

    Wenn Ute Harning von der Puppe

    spricht, geht es nicht um ihre Spielgefhrtin aus Kindertagen. Ge-meint ist das Puppen-theater, fr das die Hal-lenserin Fden zieht. Nicht als Marionetten-spielerin. Die wunder-baren Auffhrungen, betont Harning, genie-

    e ich aus dem Zuschau-erraum. Dort wuchs

    ihre Begeisterung fr die traditionsreiche Kunstform

    des Puppenspiels. Und so be-durfte es keiner berredungs-kunst fr eine ehrenamtliche

    Mitarbeit im Verein zur Frderung des Puppenthe-

    aters Halle. Inzwischen

    ist die Hallenserin, die als Wirtschaftsprfe-rin und Steuerberaterin arbeitet, Vorsitzen-de des Frdervereins. Gegrndet wurde der

    Freundeskreis im Februar 2002. In ihm engagieren sich rund 100 Brger fr die kleinste hallesche Bh-ne. Besucherwerbung, so Harning, ist zum Glck unser kleinstes Problem. In Zeiten knapper Kassen sei es vor allem wichtig, Kontakte zur Stadt, zur Wirtschaft und Politik zu pflegen. Doch die Partner-schaft reduziert sich nicht auf Geldbeschaffung. Zu ihr gehren Werkstattgesprche mit Regisseuren, Puppenbauern und Puppenspielern, Beratungen ber Inszenierungen, Probenbesuche und natrlich Feiern mit den Knstlern. Willkommen im Frderverein ist jeder, betont Harning, der die Puppe untersttzen mchte. 1 EKRZ

    Frderverein: Der Partner fr die Puppe

    Ute Harning knpft als Vorsitzende des Frdervereins des Puppentheaters wichtige Kontakte. (Foto: ekrz)

    ab 1970 eigenstndiges Theater

    1991/92 Fusion mit dem Kabarett Kiebitzensteiner

    2005 bis 2011 gemeinsame Intendanz unter Christoph Werner

    Seit 2009 Teil der Teil der T Theater, Oper, Orchester GmbH

    Die Entstehung einer Puppe (von oben) beginnend beim Tonkopf ber Tonkopf ber Tden Schaumstokrper bis hin zu den Hnden und der am Ende fertig kostmierten Puppe. (Fotos: Lf)

    THEMA DES MONATS 17

  • LEBEN18

    Wenn Frauen an einem Scheideweg stehen, dann zgern sie. Die Kinder sind aus dem Haus. Der Beruf erfllt sie nicht mehr. Oder der Krper sagt: ndere dein Leben! Kirs-ten Schikora steht oder besser stand an einem solchen Scheideweg. Dank des Pro-jektes Mit Frauenpower selbststndig fand sie den Mut, ihr Hobby zum Beruf zu machen.

    Lebe deinen Traum, sagt der Volksmund und nun auch Kirsten Schikora (Foto oben, links). Sie breitet ihre Patchwork-Arbeiten im Semi-

    narraum 21 des BBI-Projekthau-ses aus. Hier besuchte sie mit

    sechs weiteren Frauen im vergangenen Mo-nat drei intensive Ideenworkshops. Neun Jahre habe ich im Vertriebsinnen-dienst gearbeitet. Ich habe mich total

    ausgepowert. Bis ein gesundheit-

    liches Problem dem ande-

    ren folg-te, er-

    zhlt

    die 53-Jhrige. Vor knapp einem Jahr zog sie die Reileine. Doch wie geht es nun weiter im Leben? Vor dieser Frage stehen nicht nur ltere Frauen, meint Susanne Lie, eine der Betreue-rinnen des Projektes Mit Frauenpower selbst-stndig. Auch Frauen, die gerade ein Studium oder eine Ausbildung abgeschlossen haben, kommen zu uns. Sie wollen alle das Gleiche: Spa im Beruf oder die eigene Chefin sein.Das bisher einmalige Projekt, gefrdert durch den Europischen Sozialfonds und das Land Sachsen-Anhalt, begleitet Frauen seit zwei Jah-ren erfolgreich auf der ersten Etappe ihres We-ges in die Selbststndigkeit. Kirsten Schikora mchte in Zukunft mit ihrem Hobby Geld verdienen. Mit Mitte Zwanzig lern-te ich nhen. Erst nhte ich nur fr mich, spter Hosen, Blusen und Hemden fr die Kinder. Die studierte Maschinenbauingenieurin perfektio-nierte ihre Freizeitbeschftigung immer mehr. Vor sechs Jahren entdeckte sie die Patchwork-Technik fr sich. Doch Arbeit und Familie lie-en wenig Zeit, aus Stoffresten ein neues Fli-ckenwerk so die deutsche bersetzung fr die alte Handarbeitstechnik aus Amerika entste-hen zu lassen. Insofern tat der Mutter zweier er-wachsener Kinder die Auszeit des vergangenen Jahres gut. Es entstanden farbenfrohe Tablet-Taschen, Fototaschen, groe Tagesdecken und

    kleine Tischdecken. Der Wunsch, die kreative Ttigkeit zum Broterwerb zu machen, nahm im-mer mehr Raum in ihrem Leben ein. Wenn nur die Zweifel nicht wren. Projektbetreuerin Bri-gitte Krappe: Frauen sind unsicher: Werde ich genug Geld verdienen? Werden meine Produk-te gekauft? In den Workshops helfen Krappe und Lie den Teilnehmerinnen dabei, ihre Ge-schftsideen weiterzuentwickeln und nehmen ihnen die ngste. Gemeinsam versuchen wir, die ganz individuellen Strken herauszufinden. Den ntigen Mut sprechen sich die Frauen letzt-endlich selbst zu, so Lie. Das besttigt auch Schikora: In den Diskussionen haben wir uns gegenseitig befruchtet. Sie halfen mir, klarer zu werden im Kopf, nicht mehr zu zgern. Die anderen Frauen motivierten mich zu sagen: Ich mach das jetzt!Das erste Etappenziel hat Schikora da-mit erreicht. Jetzt heit es, Business-plan aufstellen, Gewerbe anmelden, Kunden akquirieren. Doch die erste Her-ausforderung wird sein: einen unverwech-selbaren Unternehmensnamen zu finden. 1 KERSTIN ESCHKE

    Projekt macht Frauen Mut, den Schritt in die Selbststndigkeit zu wagen

    Dem Traumjob ein Stck nher

    : BBI-Projekthaus, Trothaer Strae 29, Tel.: 530 30 26, Beginn der nchsten Ideenworkshops am 5. sowie am 15. April

    3 www.frauenpower-selbststaendig.bbi-bildung.de

    narraum 21 des BBI-Projekthauses aus. Hier besuchte sie mit

    sechs weiteren Frauen im vergangenen Monat drei intensive Ideenworkshops. Neun Jahre habe ich im Vertriebsinnendienst gearbeitet. Ich habe mich total

    ausgepowert. Bis ein gesundheit

    liches Problem dem ande

    ren folgte, er

    zhlt

  • PORTRT 19

    Christoph WernerDer Werdegang des Puppentheaterchefs zeigt: Auch Umwege fhren zum Erfolg

    Steil ist die Treppe nach oben zum Direktor der Puppenbhne und verwirrend der Weg durchs Labyrinth der Kulturinsel, bis man in seinem Bro sitzt, hoch unterm Dach. Doch abgehoben ist er keineswegs, der Mann, der gerade 50 Jahre alt geworden ist und mit seinem kleinen, aber feinen Ensemble Halle innerhalb weniger Jahre zu einer erstklassigen Adresse in der deutschen Puppentheaterszene gemacht hat. Obwohl er als Kind nie mit Puppen gespielt hat und als Theatermann ein Sptstarter war.

    Er kommt aus Dessau, aus einer der fnf katholischen Grofamilien der DDR, sagt er, und war zudem mit dem Makel brgerlicher Her-kunft behaftet. So lernt er nach dem Abi in Dessau erst einmal Werk-zeugmacher und studiert dann: Chemieanlagenbau, nicht ernsthaft natrlich. Nach drei Semestern schmeit er das Studium hin, denn eigentlich will er Schriftsteller werden. Er schreibt Gedichte, sucht eine Nische zum Geldverdienen und landet fr drei Jahre als Tontechniker im Puppentheater am Mhlweg. Erst als das Ensemble 1986 beim DDR-Puppentheaterfestival gastiert, macht es bei ihm klick: Da habe ich pltzlich gesehen, dass Puppentheater noch ganz anders sein kann, als ich es bisher kannte. Alle, die mich dort beeindruckten, hatten den einschlgigen Studiengang an der Ernst-Busch-Schule in Berlin absol-viert. Dahin wollte ich auch. Nach dem Studium geht er zunchst ans Theater Waidspeicher in Erfurt, fr 1995 bekommt er das Angebot, ans Puppentheater Halle zurckzukommen, diesmal nicht als Techniker, sondern als knstlerischer Leiter.Seine Inszenierungen werden rasch zum Geheimtipp nicht nur in Halle, und es regnet Einladungen in die ganze Welt. Inzwischen hat er mit seinem Ensemble alle Preise bekommen, die in der Puppentheaterwelt zu vergeben sind, und eine eigene sthetik entwickelt: Bei offener Spielweise sind die Spieler nicht nur sichtbar, sondern treten mit ihren Puppen oder auch untereinander, ber die Kpfe der Figuren hinweg, in den Dialog, so wie auch die Puppen manchmal ber die da oben reden: Hast du schon mal nachgesehen, ob dein Spieler berhaupt da ist?, kann da pltzlich eine Puppe die andere fragen. Dieses Spiel auf mehreren Ebenen macht die witzige Hintergrndigkeit des Theaters von Christoph Werner aus.

    Ein UnruhegeistUnd er selbst? Hat drei Kinder, ist verheiratet und ein Unruhegeist, im positiven wie im negativen Sinne, sagt er ber sich. Zweimal hat er ein Theater durcheinandergewirbelt: Als er 1995 Spielleiter am Mhlweg wurde, hat er den Kern seiner Truppe aus Erfurt mitgebracht und die halleschen Spieler entlassen. Das ist ihm nicht leichtgefallen, doch dafr sind ihm die Zuschauer zugelaufen. Als er 2005 Intendant der Kulturinsel wurde, hat er diese entplscht, so radikal, dass ihm die Zuschauer weggelaufen sind. Er hat sich selbst nicht geschont und zum Beispiel dem Festival Theater der Welt, das im Jahr 2008 erstmals in einer so kleinen Stadt wie Halle statt-fand, zu berwltigendem Erfolg verholfen. Er hatte die Gre, die Intendanz aufzugeben und zurckzugehen ans Puppentheater, als er beides gleichzeitig machen sollte und sich damit berfordert fhlte. Und er hat den Mut zu groen Projekten: Die deutsch-franzsische Kooperation Meine Kltekammer war so eins. Demnchst wird es die mit Gisle Vienne sein, einer Tnzerin, Puppenspielerin

    und Performance-Knstlerin, mit der das Ensemble wiederum Neuland betreten wird. Und sein persnlicher Traum? Sich einmal Zeit zu lassen fr etwas ganz anderes, ein Jahr lang wandern zu gehen zum Beispiel lnger auf keinen Fall! Schriftsteller ist Werner brigens doch noch geworden. Nach zwei Prosabnden hat er gerade seinen ersten Roman verffent-licht: eine Fantasy-Geschichte nicht nur fr Jugendliche. 1 EVA SCHERF

    5 Christoph Werner: Marie Marne und das Tor zur Nacht. Osburg Verlag 2014

    Die steile Holztreppe zu seinem Bro unterm Dach der Kulturinsel nimmt Puppentheater-Inten-dant Christoph Werner mit Leichtigkeit. (Foto: Andreas Ler)

  • Halloren: Rdiger Just, Kustos des SalinemuseumsWir, die Halloren, bemalen am Osterfest keine Eier. Aber in den vergangenen Jahren konnten Kinder zum Frhjahrsschausieden selbst ausgeblasene Eier mitbringen und die-se mit Leim, Kreide und gefrbten Salz bunt gestalten. Traditionell schneiden wir an Ostern Reisig-zweige von Birken, Kastanien oder Buchsbu-men, wenn diese dann ausschlagen, also blhen, gilt dies als Hoffnungsschimmer und als lebensbejahendes Zeichen fr eine bessere Zukunft. Frher lieen sich die Menschen die abgeschnitten Zweige in der Kirche weihen. Bis 1868 verteilten die Halloren zudem am

    Osterabend die sogenannte Armensole. Das hochwertige Salzwasser konnten die Armen dann fr die Zubereitung ihrer Speisen ver-wenden. Damals aen die Hallenser zu Ostern Speckkuchen mit Soleiern ein hallesches Nationalgericht. Das Ei steht fr die Frucht-barkeit und galt als Fastennahrung.

    Griechenland: Dimitris Zourkantonis In Griechenland ist das Osterfest, das grte Fest des Jahres. Ich bin mit meinen zwei Br-dern in der nordgriechischen Handels- und Hafenstadt Kavala aufgewachsen. Nach der 40-tgigen Fastenzeit waren unsere Famili-enzusammenknfte legendr. In der groen Woche, die letzte Woche vor Ostersonntag, beginnen die aufwendigen Vorbereitungen: Lmmer werden geschlachtet, gekochte Eier werden ausschlielich rot gefrbt und die tra-ditionelle griechische Ostersuppe Majirtsa wird zubereitet. Warum nur rote Eier? Die Ei-erfarbe soll an das am Karfreitag vergossene Blut des Heilands erinnern. Viele Griechen tragen in der Nacht zu Ostersonntag solch ein Ei in ihrer Tasche. Wenn in den Kirchen die Priester die Auferstehung Christi feierlich er-ffnen, dann ist es Brauch, mit seinem Nach-barn die Eier aneinanderzuschlagen, um so das Ende der Fastenzeit zu besiegeln. Beim Eierschlagen hlt einer das Ei fest und der

    Zachow entdeckt in Halle Osterbruche aus aller Welt

    Der handelsbliche Hallenser wird wie viele seiner Verwand-ten und Bekannten im April mit voller Vorfreude die ersten

    Ostervorbereitungen treffen. Am 20. April ist es schlielich end-lich soweit: Der Osterhase versteckt die bunten Eier und Sig-

    keiten, die die Kinder hoffentlich alle wiederfinden. Zum Fest gehrt auch ein bunter Osterstrau mit ausgeblasenen und selbst

    bemalten Eiern. So ist es seit Jahren Tradition, hier bei uns. Die Auferstehung Jesu Christi wird jedoch nicht nur in Deutsch-land gefeiert. Weltweit haben sich um das christliche Osterfest

    vielfltige Bruche entwickelt. Zachow-Mitarbeiterin Anne Rder hat sich unter Hallensern, Halloren und Halunken umgehrt und

    dabei interessante Traditionen entdeckt.

    Andere Lnder andere (Oster) Sitten

    Halloren:

    Rezept Majirtsa Griechische

    Ostersuppe- 500 gr. Leber vom Lamm

    - 250 gr. Zwiebeln in Ringen

    - Bund Dill, Saft von zwei Zitronen

    - 250 gr. Reis- 1 EL Butter - Salz und schwarzer Pfef

    fer

  • andere klopft mit dem eigenen Ei drauf. Nur das Ei, dessen Schale nicht bricht, bringt dem Besitzer Glck. In der Nacht zu Ostersonntag wird dann die Majirtsa gegessen, um den ausge-hungerten Magen auf das Osterlamm am Spie vorzubereiten, welches wir Grie-chen mit der gesamten Verwandtschaft verspeisen.

    Ungarn: Lszl RthyHusvt, so heit das ungarische Osterfest, das so viel bedeutet wie die Wegnahme des Fleisches nach der Fastenzeit. Als Kinder sind wir in Veszprm dort bin ich aufgewach-sen jedes Jahr am Ostermontag losgezogen, haben an allen Haustren geklingelt, ein Ge-dicht aufgesagt und die Frauen mit Parfm oder Wasser begossen. Damals gab's dafr Geld und Schokolade. In einem Jahr hatten wir so viel Geld eingenommen, dass sich mein

    Freund ein Fahrrad davon kaufen konnte! Die ungarischen Mnner hingegen bekommen Schnaps, nachdem sie ihr Gedicht aufgesagt haben. Diese Ostertradition fhre ich bri-gens bis heute mit meinen beiden Tchtern und meiner Frau hier in Halle fort. Als tradi-tionelle Osterspeise gibt es dann gekochten Schinken und Eier mit Meerrettich oder auch geflltes Kraut, was mit der deutschen Kohl-roulade vergleichbar ist. Damals in Veszprm haben wir uns am meis-ten ber die verrckten Spiele mit den Eiern gefreut. Zum Beispiel Eierkullern: Mehrere Personen stehen auf einem Berg und lassen die gekochten Eier runterrollen. Derjenige, dessen Ei nicht kaputt geht, hat gewonnen. Ein anderes Spiel ist nicht ganz so einfach: Man muss mit einem Geldstck versuchen, in ein geschltes, weich gekochtes Ei zu treffen, sodass das Geldstck stecken bleibt. Der Ge-winner erhlt alle Einstze.

    Russland: Oxana PetinIn Russland wird das Osterfest normalerweise etwas spter als im Westen gefeiert, da Ostern nicht nach dem gregorianischem, sondern dem julianischen Kalender berechnet

    wird. Durch meine deutsche Mutter waren unsere Osterfeste immer eine Mischung aus deutschen und russischen Bruchen. Zu den Traditionen gehrten die alljhrlich handbe-malten Eier, die mit dem Motiv einer russi-schen Kirche versehen wurden, das Backen des russischen Osterbrotes Kulitsch und eines speziellen Quarkkuchens, Pashka ge-nannt. Diesen lassen sich sehr glubige Rus-sen sogar vom Pfarrer segnen. Sehr einfach war fr meine Schwester und mich die Eier- und Schokoladensuche. Unser Vater versteck-te die Leckereien in einer Chapka. Wir muss-ten also nur nach der Fellmtze suchen, um an die Sigkeiten heranzukommen.

    Australien: Katrin JamesIch bin in Halle geboren, lebe aber seit meh-reren Jahren mit meinen beiden Tchtern und meinem Mann im Outback Australiens, in Kalgoorlie. Das Land der Kngurus besticht nicht nur durch seine eindrucksvolle Land-

    schaft und Artenvielfalt. Nein. Manche Tie-re werden hier auch zur regelrechten Plage. Was das mit Ostern zu tun hat? Mehr als man denkt. Denn in Australien herrscht die Kaninchen-Plage. Deshalb wurde seit den 70er Jahren der Easter Bunny durch den Easter Bilby ersetzt. Das australische Bil-by hnelt dem Hasen, hat aber eine lngere Nase und lngere Ohren. Auf 1 600 Quadratkilometern haben wir

    viel Platz, um am Ostersonntag unsere Schokoladeneier fr die Kinder zu ver-

    stecken. Manchmal es ist zu Ostern noch so zwischen 20 und 30 Grad hei, sodass wir uns beeilen mssen,

    die Eier zu finden, bevor sie geschmol-zen sind. Als gebrtige Deutsche schmcke ich unser Haus, wie ich es gewohnt bin. Nach-barn und Freunde kommen dann an Ostern gern zu uns und freuen sich ber die bunte Hasen- und Eierdeko. Sobald die Hot Cross Buns, die Hefebrtchen gefllt mit Trocken-frchten oder Schokolade mit einem Kreuz gekennzeichnet, in den Supermrkten ste-hen, wissen auch die letzten Australier, dass Ostern vor der Tr steht. Dann werden in den Schulen Easter bonnet, selbstgemach-te Osterhte (siehe Bild), prsentiert, und es gibt eine Osterparade. Am schnsten ist der Osterbrunch am Sonntagmorgen. Die ganze

    Familie und Freunde kommen zu uns, und wir genieen die Festtage mit Bacon und Eggs, Waffeln, Pancakes und Kuchen. 1 ANNE RDER

    GENUSS & STIL 21

    Rezept: Kulitsch

    - 150 gr. lauwarme Milch

    - 60 gr. Hefe- 1 EL Zucker / spter 330

    gr.

    Zucker fr Guss

    - 3 Eier, 700 gr. Mehl

    - 100 gr. Schmand, 120 gr. Margarine

    - 2 Pckchen Vanillezucker

    - 1 Prise Salz, 100 gr. Rosinen

    by hnelt dem Hasen, hat aber eine lngere Nase und lngere Ohren. Auf 1 600 Quadratkilometern haben wir

    viel Platz, um am Ostersonntag unsere Schokoladeneier fr die Kinder zu ver

    stecken. Manchmal es ist zu Ostern noch so zwischen 20 und 30 Grad hei, sodass wir uns beeilen mssen,

    die Eier zu finden, bevor sie geschmolzen sind. Als gebrtige Deutsche schmcke

    Nase und lngere Ohren. Auf 1

    viel Platz, um am Ostersonntag unsere Schokoladeneier fr die Kinder zu ver

    die Eier zu finden, bevor sie geschmolzen sind. Als gebrtige Deutsche schmcke

    Freund ein Fahrrad davon kaufen konnte! Die

    wir genieen die Festtage mit Bacon wir genieen die Festtage mit Bacon und Eggs, Waffeln, Pancakes und wir genieen die Festtage mit Bacon und Eggs, Waffeln, Pancakes und

    ANNE RDER

  • Dienstag

    1.KINOCinemaxX Halle20.00 Uhr Broadway's Romeo and Juliet - Aufzeichnung aus New YorkLuchs-Kino am Zoo10.00 + 20.00 Uhr Lauf Junge lauf15.45 Uhr Der Hundertjhrige, der aus dem Fenster stieg und verschwandPuschkino15.00 Uhr Pettersson und Findus - Kleiner Qulgeist, groe Freundschaft19.00 Uhr Love SteaksTheLight Cinema20.00 Uhr SneakFreak: die Sneak-Preview - Film-berraschung mit SaalverlosungZazie21.00 Uhr Nymphomaniac 1 (OmU)

    KULTURHndel-Haus - Kammermusiksaal14.00 Uhr Seniorenkolleg: Natur, Natur, nichts so Natur wie Shakespeares Menschen - Shakes-peare auf der Bhne des Musiktheatersneues theater - Kammer10.00 Uhr Mimi und Mozart - nach dem Kinder-buch von Doris DrrieOper Halle - Foyer II10.00 Uhr Papageno spielt auf der Zauber- flte - Musikalische Unterhaltung fr Kinder von Eberhard StreulPuppentheater10.00 Uhr Schne Reise - Theater fr die Aller-kleinsten - von Ania MichaelisTheater Mandroschke20.00 Uhr Spa am Dienstag: Schlechte Aprilscherze

    LIVEMarktkirche16.00 Uhr Orgelmusik an der Reichel-Orgel - Irne Peyrot, Eintritt freiVolkspark9.30 + 11.00 Uhr Schlerkonzert - Edvard Grieg Peer Gynt Suite Nr. 1 op. 46; Robbert van Steijn, Dirigent

    SONSTFeuerwehr-Gertehaus - Grokugel17.00 Uhr DRK-Blutspende - im BlutspendeMobilDessauer Hof18.30 Uhr Spielabend des 1. Bridgeclubs HalleDeutscher Verein fr Gesundheitspflege18.00 Uhr Vollwert-Kochkurs: Vegan kochen mit Lust und Laune - Anmeldung & Info: 7806092Enchilada Gambas especial - Ideal fr zwei17.00 Uhr Happy Hour - bis 20 Uhr Spezial-Preise fr Cocktails, Jumbos & Pitcher22.30 Uhr Enchilada Hour - Spezial-Preise auf Margaritas, Jumbos & PitcherGalerie im Volkspark19.00 Uhr Meine Hingabe, mein Picasso und ich - Eine performative Inszenierung - mit Gsten wird ein partizipatorisches Rollenspiel inszeniertHausmannstrme der Marktkirche14.00 + 15.00 + 16.00 Uhr Hoch hinaus auf die Hausmannstrme16.00 Uhr 373 Stufen fr scheene Beene - ber den Dchern der Stadt - Besichtigung Haus-mannstrme und des Roten Turms; bis 18 UhrSpielehaus - Franckesche Stiftungen20.00 Uhr Frankreich-StammtischStiftung Moritzburg18.00 Uhr Hommage an Prof.Dr.Dr.h.c. Hermann Goltz (1946?2010)18.30 Uhr ErwachsenenmalzirkelSV Halle e. V. - Mehrzweckraum18.15 Uhr Salsa TanzkursTourist-Information11.00 + 13.30 Uhr AltstadtbummelZiegelwiese15.30 Uhr AnschwimmenLuftfahrt- und Technik-Museumspark - Merseburg Sonderausstellung Technik im Wandel der Zeit

    Mittwoch

    2.KINOLuchs-Kino am Zoo16.15 Uhr Die zwlf Monate17.30 Uhr Alles inklusive

    20.00 Uhr Der Hundertjhrige, der aus dem Fenster stieg und verschwandPuschkino11.00 Uhr KinderwagenKino: Love Steaks15.00 Uhr Pettersson und Findus - Kleiner Qulgeist, groe Freundschaft17.00 Uhr Berg Fidel - Eine Schule fr alle - zum Welt-Autismus-Tag21.00 Uhr Love SteaksZazie21.00 Uhr Nymphomaniac 1 (OmU)

    KULTURneues theater - Kammer10.00 Uhr Mimi und Mozart - nach dem Kinder-buch von Doris Drrie

    LIVEObjekt 521.00 Uhr Eleni Mandell & Band

    SONSTBegegnungs- und Beratungs-Zentrum lebensart19.00 Uhr Vortrag: Geschlechterverhltnisse im heutigen RusslandEnchilada17.00 Uhr Happy Hour - bis 20 Uhr Spezial-Preise fr Cocktails, Jumbos & Pitcher17.00 Uhr Fajita Mittwoch22.30 Uhr Enchilada Hour - Spezial-Preise auf Margaritas, Jumbos & PitcherHndel-Haus15.00 Uhr Schallspiele - Ein museumspdagogi-sches AngebotHausmannstrme der Marktkirche14.00 + 15.00 + 16.00 Uhr Hoch hinaus auf die Hausmannstrme16.00 Uhr 373 Stufen fr scheene Beene - ber den Dchern der Stadt - Besichtigung Haus-mannstrme und des Roten Turms; bis 18 UhrMehrgenerationenhaus Pusteblume14.00 Uhr Spielspa fr SeniorenMojo Bluesbar20.00 Uhr Stammtisch EnglischRoter Turm17.00 Uhr Zeitreise auf den Roten TurmSeminarraum Bllberger Weg 18919.00 Uhr TrommelkursSpielehaus - Franckesche Stiftungen18.00 Uhr AFS-Stammtisch - Verein Inter- kulturelle BegegnungenStiftung Moritzburg15.30 Uhr KindermalzirkelTourist-Information11.00 + 13.30 Uhr AltstadtbummelWaldkater Phantasie18.00 Uhr Lauftre - Mitteldeutsche Marathon GmbHLuftfahrt- und Technik-Museumspark - Merseburg Sonderausstellung Technik im Wandel der Zeit

    FrauenPowerGrnderinnencheck02. + 12. 04., 9 15 Uhr

    BBI-Akademie,Trothaer Strae 29

    Donnerstag

    3.KINOLuchs-Kino am Zoo15.45 Uhr Pettersson und Findus - Kleiner Qulgeist, groe Freundschaft17.30 Uhr Nymph( )maniac 120.00 Uhr Nymph( )maniac 2Puschkino14.30 Uhr Antboy16.00 + 20.00 Uhr Molire auf dem Fahrrad22.00 Uhr Love SteaksZazie21.00 Uhr American Hustle (OmU)