Auferstanden: büssing-nAG 650 Aufbewahrt: Sigurds ?ssing/... · Markante Nase: Die...

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    18-Sep-2018
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    3/2016Juni/Juli 6,00

    Auferstanden: bssing-nAG 650

    Aufbewahrt: Sigurds Scania-Sammlung

    Auftakt: Kipper in Geilenkirchen

  • In Rekordzeit

    restauriert:

    Bssing-NAG 650

    Wenn die Verantwortlichen eines fhrenden europischen Lebens-mittel-Logistikers nicht lange vor dem 80. Geburtstag des Fami-lienunternehmens beschlieen, den Fuhrpark um einen Lastzug aus den Grnderjahren der Firma zu erweitern, lsst das ein hohes Ma an Traditionsbewusstsein vermuten. Und tatschlich wird Tradition bei der Nagel-Group im westflischen Versmold gro geschrieben. Pnktlich zum Ju-bilum hat man dort einen be-eindruckenden Khlzug auf die gusseisernen Trilex-Rder gestellt.

    Emil Blling was not amused! Als Horst Gassmann, der damalige Eigner des mobilen alga-Nutzfahrzeugmuseums in Sittensen, ihm 2012 vom Verkauf des braunen Bssing-NAG 650 an die Nagel-Group berichtete, befrchtete Blling Schlimmes fr die Zukunft des von ihm noch vor der Wende in der DDR erworbenen Haubenwagens. Da werde fr einen Werbe-Oldtimer wert-volle Originalsubstanz unwiederbring-lich zerstrt, wetterte ein aufgebrachter Emil im kleinen Kreis und lag damit komplett falsch! Denn erstens hatte,

    objektiv betrachtet, jahrzehntelanger DDR-Alltag von der Originalsubstanz des 1939 gebauten Schwerlastwagens nur noch wenig Erhaltenswertes brig gelassen. Und zweitens konnte Emil seinerzeit nicht ahnen, welche Mhe man sich in Versmold mit dem Bssing-Projekt geben wrde.

    Sinn fr Tradition: Pnktlich zum 80-jhrigen Firmenjubi-lum erinnert bei der Nagel-Group in Versmold seit 2015 ein neu aufgebauter Bssing-NAG 650 an die Grnderjahre des Unternehmens.

    Seinen Anfang hatte das ehrgeizige Re-staurationsprojekt zu Beginn des Jah-res 2012 genommen, als Tobias Nagel, geschftsfhrender Gesellschafter der Nagel-Group und Enkel des Firmen-grnders Kurt Nagel, die Idee vom Traditionslaster als greifbares Stck Firmenhistorie ins Rollen brachte. Zwar erwies sich der Wunsch nach einem Fahrzeug aus dem Grnderjahr 1935 als kurzfristig nicht realisierbar, doch bald darauf landete eine Anfrage der Nagel-Fuhrparkverwaltung auf dem Schreib-tisch von Horst Gassmann, der gerade

    im Begriff war, die ehemalige Blling-Sammlung komplett oder in Teilen zu veruern. Mit dem Bssing-NAG 650 konnte er einen Lastwagen anbieten, der zwar kein exaktes Vorbild in der einstigen Flotte der Gebrder Nagel hatte, der aber dem Bssing 8000 sehr hnlich sah, den Kurt und Rudolf Nagel als eines der ersten Fahrzeuge nach Kriegsende neu gekauft hatten. Ther-mosaufbau und -anhnger des 8000 hatte seinerzeit Karossier Schmitz aus Altenberge (heute: Schmitz Cargo bull) geliefert, der sich in den Jahrzehnten danach zum regelmigen Lieferanten des spter als Kraftverkehr Nagel firmie-renden Unternehmens mauserte.

    Nachdem das Restaurationsobjekt im Juni 2012 auf Achse(!) in Versmold eingetroffen war, trat Christian Teuber (46) auf den Plan. Der gelernte Karosse-rie- und Fahrzeugbaumeister arbeitet in der Fuhrparkverwaltung des Unterneh-mens und war von seinem Vorgesetzten gefragt worden, ob er sich eine feder-fhrende Mitarbeit am Bssing-Projekt vorstellen knne. Christian konnte! Er und sein Kollege Viktor Ens (37), eben-falls Karosserie- und Fahrzeugbauer, starteten mit Vollgas in die Welt der Nutzfahrzeug-Oldtimer, mit denen die beiden bis dato nur wenig zu tun gehabt hatten. Fest stand zu diesem Zeitpunkt lediglich, dass aus dem Bs-sing getreu der Firmentradition ein Thermoslastwagen werden sollte. Die genaue Ausfhrung des Neubaus stand allerdings noch in den Sternen.

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    TITELSTORY

  • Erst als sich Schmitz Cargobull nach langen und zhen Verhandlungen von einem dort noch vorhandenen, dreiachsigen Khlanhnger des Typs GE 24 trennte, war auch das Blechkleid des Zugfahrzeugs beschlossene Sache: Passend zum 1950 gebauten Anhn-ger sollte der Neuaufbau des Bssing den Schmitz-Spezifikationen dieser Zeit entsprechen.Bei der Karosseriebaufirma Niehoff in Fchtorf holten sich die beiden Oldtimer-Novizen Schtzenhilfe. Seniorchef Heinrich Niehoff hatte vor vielen Jahrzehnten das blechbe-plankte Holzfahrerhaus eines Bs-sing 8000 als Meisterstck gebaut. Die 1:1-Zeichnungen dazu waren auf vergilbten Tapetenrollen noch immer vorhanden und dienten nun als wert-volle Hilfe bei der Rekonstruktion der hlzernen Htte! Als nicht weniger wertvoll erwiesen sich auch die Origi-nalzeichnungen der Haubenbleche aus dem Braunschweiger Bssing-Werks-archiv, die der Oldtimerfreund Carsten

    Messer den Restaurierern zugnglich machte. Auf Basis dieser Zeichnungen baute Viktor die Original-Beblechung der langen Bssing-Haube und die geprgte Stostange nach. Das stark unterrostete Chassis des mehr als sie-ben Jahrzehnte alten Lastwagens war in der Zwischenzeit aufgenietet, per Sandstrahl vom Bltterteig befreit, neu vernietet und lackiert worden. Der 145 PS starke GD 6-Motor befand sich zu diesem Zeitpunkt lngst bei Axel Bergmann, in dessen Versmolder Nutz-fahrzeug-Werkstatt der Reihensechszy-linder zu neuem Leben erwachen sollte. Trotz langer Einsatzjahre in der DDR berraschte der Vorkammer-Diesel mit erstaunlich guter Substanz. Nach Zerlegung und einer grndlichen Rei-nigung erhielt er neue Kolbenringe, eine berholte Einspritzpumpe samt Dsen, sowie neue Wasserfhrungsrohre und Khlerelemente. Eine finale Abdichtung machte den Motor und auch die ro-buste Hinterachse schon nach kurzer Zeit wieder einbaufertig.

    Verlebt aber fahrbereit: Bssing 1996.

    Vllig marode: Schmitz GE 24 von 1950.

    Knnte was werden: Restauriertes Chassis. Groer Fortschritt: Der Aufbau wchst!

    Maarbeit: Die neue Motorhaube.Bltterteig: Das gestrippte Chassis.

    Tapetenplne: Rohbaufahrerhaus.

    Stabiler Rcken: Das Anhnger-Chassis. Plattenbau: Bald kommt der Lack

    Vollblut-Karosseriebauer: Bei Christian Teuber (links) und Viktor Ens war das Bssing-Projekt in den besten Hnden.

    Robuste Natur: Der GD 6-Reihensechszy-linder hatte die harten Jahre in der DDR erstaunlich gut berstanden.

    Als das hlzerne Fachwerk des Fahrer-hauses mit Stahlblech beplankt war, durfte es erstmals seinen Platz auf dem Rahmen einnehmen. Nun konnte es nahtlos mit der Rekonstruktion des alubeplankten Khlaufbaus weiterge-hen, die bei der Firma Niehoff nach Schmitz-Plnen mit Originalbauteilen aus den 1950er Jahren durchgefhrt wurde. Sogar zeitgenssische Trbe-schlge tauchten in einer verstaubten Kiste ganz hinten im Lager noch auf! Kurz vor dem Abschluss der Arbeiten am Bssing fiel der Startschuss fr den Anhnger. Dessen Substanz hatte in den vergangenen 64 Jahren allerdings derart gelitten, dass neben Beblechung und Dach auch der komplette Rahmen neu aufgebaut werden musste. Weil die ursprnglich auf dem Dreiachser mon-tierten Reifen des Formats 14.00-22 heutzutage weder fr Geld noch gute Worte aufzutreiben sind, rollt er heute auf Pneus der Gre 14.00-20.Unmittelbar nach seinem Einstieg in das Bssing-Projekt hatte Christian Teuber den Fuhrunternehmer, Entsor-ger und Oldtimerfreund Gisbert Suden aus Dorsten kennengelernt. Suden, seit 15 Jahren ebenfalls stolzer Besitzer eines Bssing-NAG 650, kam mit der Restaurierung seines Pritschenwagens nicht mehr so recht voran. Zwar waren Fahrerhaus und Aufbau lngst rund-erneuert, doch die Instandsetzung der Technik hatte sich durch diverse Pro-bleme mehrfach verzgert.

    Auf kleinem Fu: Der Nagel-Bssing rollt auf Reifen der originalen Dimension 12.00-20. Wahlweise gab es ihn damals auch mit den gr-eren 22-Rdern.

    Fordert den ganzen Kerl: Das hlzerne Original-lenk rad lsst keinen Zweifel daran, dass man es bei dem 650 mit einem Vorkriegslastwagen zu tun hat.

    Zyklopenauge: Der zentral angeordnete Notek-Nebelscheinwerfer gilt unter Kennern als echte Raritt.

    Fotos: H. Grf / Chr. Teuber

    Markante Nase: Die charakteristische Bssing-Spinne trug der Typ 650 schon bei seiner Markteinfhrung 1936.

    Vorkriegs-Sound: Experten erkennen den niedrig dre-henden GD 6-Motor schon von weitem an seinem dumpfen Klang.

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    TITELSTORY

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  • Nachdem Christian und Viktor zum Informationsaustausch nach Dorsten gereist waren, stieen sie mit ihren Fragen bei Gisbert Suden und seinem hilfsbereiten Schrauber-Team auf of-fene Ohren. Dank ihrer 15 Jahre Re-staurierungs-Vorsprung konnten die Jungs aus dem Ruhrgebiet den Neulin-gen aus Versmold wertvolle Tipps und Anregungen liefern. Ohne die Hilfe aus Dorsten, ist sich Christian Teuber sicher, wre unser Auto bis heute nicht fertig! Schon nach kurzer Zeit war aus dem zunchst rein informellen Kontakt zwischen den beiden Schrauber-Teams eine echte Freundschaft entstanden, die den Endspurt beider Restaurierungen zu einem Gemeinschaftsprojekt werden lie, in dessen Verlauf sich die Beteilig-ten gegenseitig halfen und motivierten. Denn noch war eine Menge Detailar-beit zu leisten, zudem fehlten zahllose zeitgenssische Anbau- und Zubehr-teile. Hier erwies sich Sascha Theopold als kompetenter Helfer: Von speziellen Elektrik-Teilen ber die riesigen Bosch-Scheinwerfer, das Anhngerdreieck und den einzelnen Notek-Nebelstrahler bis hin zur originalen Bssing-Anhnger-kupplung beschaffte der Teilehndler aus Lemgo diverse Raritten, die an einem vor dem Krieg gebauten Fahr-zeug nicht fehlen drfen.

    Auf ebenso aufwndige wie geniale Weise lste Viktor Ens in der Zwischen-zeit eines der letzten noch verbliebenen Probleme: Aus zuvor eigens gefrsten Alu-Profilen bog er die ausstellbaren Frontscheibenrahmen des Bssing! Blieb noch die Lackierung des gesamten Zuges in elfenbein (RAL 1014), lichtblau (RAL 5012) und kieselgrau (RAL 7032), den langjhrigen Firmenfarben der Nagel-Group. Bei der anschlieenden, per Hand (!) aufgemalten Beschriftung bewiesen die Verantwortlichen erneut ihren Sinn fr Historie und verzichteten