Ausarbeitung des Referats - TU · PDF file 2.1 Web 2.0, Social Web und Social Media:...

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Transcript of Ausarbeitung des Referats - TU · PDF file 2.1 Web 2.0, Social Web und Social Media:...

  • Technische Universität Berlin

    Fakultät I – Geisteswissenschaften

    Institut für Sprache und Kommunikation

    Studiengang: Kommunikation und Sprache

    Studienschwerpunkt: Medienwissenschaft

    Identitätsbildung 2.0

    Selbstdarstellung und Privatheit im Social Web ___________________________________________________________________

    Masterarbeit

    Vorgelegt von Tabea Canham

    Gutachter: Prof. Dr. Nobert Bolz

    Zweitgutachter: Dipl.-Medienberater Stephan Frühwirt

    Abgabedatum: 31.7.2014

  • Inhaltsverzeichnis

    1. Einleitung ..................................................................................................................... 1

    1.1 Fragestellung und Zielsetzung .................................................................................. 2

    1.2 Aufbau der Arbeit ..................................................................................................... 3

    2. Das Social Web und die Privatsphäre –

    Selbstdarstellungsverhalten der Nutzer aus Sicht von Massenmedien und Literatur .... 4

    2.1 Web 2.0, Social Web und Social Media: Abgrenzungen und Definitionen.............. 4

    2.2 Merkmale von Social Network Sites......................................................................... 8

    2.3 Eigenschaften netzbasierter Kommunikation ......................................................... 10

    2.4 Einführung in das Konzept der Privatheit ............................................................... 11

    2.5 Darstellungen in Massenmedien und Literatur ...................................................... 12

    2.5.1 Selbstdarstellung und Privatheit als Problemfelder ...................................... 12

    2.5.2 Mögliche Gründe für die Freizügigkeit im Umgang mit privaten Daten ..... 16

    2.5.3 Privacy Paradox und Post-Privacy ............................................................... 18

    3. Systemtheorie und moderne Netzwerksoziologie –

    zentrale Ansätze und Begriffe für den Themenkomplex Social Media ........................ 20

    3.1 Öffentlichkeit aus systemtheoretischer Sicht .......................................................... 21

    3.2 Interaktion als soziales System ............................................................................... 23

    3.3 Personenbegriff nach Luhmann .............................................................................. 28

    3.4 Erwartungen ............................................................................................................ 29

    3.5 Vertrauen ................................................................................................................. 31

    3.6 Identitätsbildung nach der modernen Netzwerksoziologie ..................................... 34

    3.6.1 Identitäten suchen Kontrolle ......................................................................... 35

    3.6.2 Identitätsdimensionen ................................................................................... 37

    3.6.3 Soziale Netzwerke beinhalten Stories ........................................................... 39

    3.7 Abschließende Bemerkungen zur Vereinbarkeit beider Theorien .......................... 41

  • 4. Privatheit und Identitätsbildung im Social Web –

    funktional betrachtet...................................................................................................... 43

    4.1 Social Media als Interaktionsräume ........................................................................ 43

    4.2 Kontextbildung und Empfängerdifferenzierung im Social Web ............................ 47

    4.3 Potenzielle Öffentlichkeit........................................................................................ 51

    4.4 Social Media contra Öffentlichkeit ......................................................................... 52

    4.5 Identitätsbildung im Social Web ............................................................................. 58

    5. Schlussbetrachtung und Fazit ................................................................................ 61

    Literaturverzeichnis ...................................................................................................... 63

    Eidesstattliche Erklärung ............................................................................................ 69

  • 1

    1. Einleitung

    Social Media sind aus dem alltäglichen Leben kaum noch wegzudenken. Vor allem

    die sozialen Online-Netzwerke erfreuen sich großer Beliebtheit: Circa zwei Drittel

    aller Internetnutzer 1 waren im Jahr 2013 auf entsprechenden Seiten angemeldet und

    dort aktiv; unter den 14- bis 29-Jährigen liegt dieser Wert noch deutlich höher (im

    Durchschnitt waren über 91% angemeldet und etwa 89% aktiv). 2 Das populärste

    Netzwerk unter ihnen, Facebook, verzeichnet, eigenen Angaben zufolge, weltweit

    über 1,28 Milliarden aktive Nutzer im Monat, Tendenz steigend. 3 In Deutschland

    haben gut 27 Millionen Bürger aktuell ein Facebook-Profil. 4

    Diese Zahlen zeigen nicht nur die Beliebtheit von Facebook und Co., sondern deuten

    auch an, welchen Einfluss Social-Media-Angebote auf verschiedene Bereiche des

    Lebens ausüben können. Von der Unternehmenskommunikation, über die

    Organisation von (politischem) Widerstand bis hin zur Strukturierung des

    Kommunikationsverhaltens, ziehen sie gegenwärtig weite Kreise. Im

    Sprachgebrauch hinterlassen sie ihre Spuren z.B. durch Wortneuschöpfungen, die

    sich mit der fortlaufenden Medienentwicklung semantisch noch erweitern können.

    Ein Beispiel dafür ist das Substantiv Selfie, das in Großbritannien zum Wort des

    Jahres 2013 gekürt wurde. Es steht für ein Foto-Selbstportrait, das mit dem

    Smartphone oder der Webcam aufgenommen und über die Kanäle der Social Media

    verbreitet wird. 5 Selfie weist als Wort des Jahres auf einen sprachlichen Trend hin,

    der gleichzeitig ein bestimmtes Nutzerbedürfnis verdeutlicht: Die Präsentation des

    eigenen Selbst. So gilt die Selbstdarstellung auch als einer der Hauptgründe für die

    Beliebtheit sozialer Netzwerkseiten. 6

    Der Begriff der Selbstdarstellung ist allerdings im Alltagsgebrauch oftmals negativ

    konnotiert. Er wird bisweilen mit einem übertriebenem Aufmerksamkeitsstreben

    oder einer egozentrierten Zurschaustellung verbunden. Auch die massenmediale und

    wissenschaftliche Diskussion über die Selbstdarstellung der Social-Media-Nutzer ist

    davon betroffen und wird häufig normativ geführt. Kritisch beurteilt wird das

    1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird hier und im Folgenden ausschließlich die maskuline

    Form verwendet, wobei immer beide Geschlechter gemeint sind. 2 s. Berg 2013: 2

    3 s. Facebook newsroom; Stand: 1. Quartal 2014

    4 s. Statista 2014

    5 s. Oxford Dictionaries 2014

    6 s. Utz/Kramer 2009; Kairam 2012: 1070; Busemann 2013: 393

  • 2

    Nutzerverhalten vor allem in Bezug auf die Privatheitsthematik. Massenmedien und

    Literatur sehen die Privatsphäre in Gefahr und äußern daher zum Teil massive Kritik

    an der Selbstpräsentation der Nutzer.

    1.1 Fragestellung und Zielsetzung

    Ziel der folgenden Ausführungen ist es, eine Alternative zur normativ geführten

    Diskussion um Selbstdarstellung und Privatheit im Social Web aufzuzeigen und das

    Verhalten der Nutzer in Bezug auf deren Identitätsbildung zu beleuchten. Die

    zentrale Fragestellung, die diese Arbeit leiten wird, lautet daher: Inwiefern hat die

    Selbstdarstellung der Nutzer in den Interaktionsbeziehungen der Social Media eine

    identitätsstiftende Funktion und welche Bedeutung hat das Konzept der Privatheit in

    diesem Zusammenhang?

    Für die Bearbeitung dieser Leitfrage werden zwei theoretische Strömungen

    herangezogen, die einen funktionalen Zugang zum vorgestellten Themenkomplex

    ermöglichen: Die soziologische Systemtheorie um Niklas Luhmann und die moderne

    Netzwerksoziologie nach Harrison C. White. Das Konzept der Identität wird in

    dieser Arbeit bewusst nicht ideengeschichtlich angegangen oder mithilfe anderer

    theoretischer Ansätze beschrieben. Der Schwerpunkt liegt vielmehr auf dem Prozess

    der Identitätsbildung, wie er sich mit den Ansätzen Whites und Luhmanns

    beschreiben lässt.

    Die dargestellte Herangehensweise scheint in der Literatur bisher kaum verfolgt

    worden zu sein. Zu den Themenbereichen der Identitätsbildung und Selbstdarstellung

    sowie der Privatheit und Öffentlichkeit im Social Web gibt es zwar zahlreiche

    wissenschaftliche Veröffentlichungen, allerdings sind kaum Ansätze zu finden, die

    Social Media aus einer systemtheoretischen Perspektive aufarbeiten bzw. Whites

    Ansatz darauf anwenden. Selten wird das Verhalten der Nutzer hauptsächlich im

    Hinblick auf dessen Funktion betrachtet. Diese Arbeit behandelt daher ein wenig

    erforschtes Gebiet. Sie leistet dabei bewusst keinen Beitrag zur normativen Debatte

    um Selbstdarstellung und Privatheit, sondern legt den Fokus alternativ auf die

    Identitätsbildung der Nutzer.