Ausstieg aus dem Hades Teil 1 - 1 Ausstieg aus dem Hades ERSTES KAPITEL Wie man in den Hades kommt...

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    Ausstieg aus dem Hades

    ERSTES KAPITEL

    Wie man in den Hades kommt 1. Aprilos 2021

    Manchmal spielt einem das Leben schon verrückte Streiche, voller Illusion und vollkommen

    abseits von den realen Gegebenheiten des wirklichen Alltags. Völlig abgefahren, wenn die Grenze

    zwischen Fiktion und Realität so verschwimmt, wie es mir vor ein paar Tagen geschah. Man weiß

    auf einmal gar nicht mehr, auf welcher Seite man vorher stand.

    Du bekommst was zu Lachen, Mutti, wenn ich dir diese ganze haarsträubende, wirre und krude

    Geschichte jetzt erzähle. Ich muss sie einfach loswerden! Wem sollte ich sie sonst erzählen

    außer dir? Ist mir das alles wirklich geschehen oder habe ich nicht mehr alle Latten im Zaun?

    Urteile selbst, Mami, weil..., ehrlichgesagt..., ich weiß es selber nicht!

    Ich glaube, bei mir stimmt im Oberstübchen was nicht, denn ich frage mich seit diesem Ereignis

    ständig, ob mein philosophisches Jurastudium wirklich die beste Entscheidung in meinem Leben

    war. [Du weißt ja selber, wie wir uns in dem ganzen Rechtswirrwarr um Omas Haus verfangen

    haben...., und bislang haben wir nichts gerissen! Gar nichts! Ganz im Gegenteil! Nicht einmal

    angehört haben sie uns..., als wären wir Luft für sie. Bedroht haben sie dich sogar, als wir

    frech wurden. Echt fett! Wir dachten, dass wir schlau wären und sie pusteten uns mit einem

    bloßen Zweizeiler aus unseren Latschen. Krass!

    Mami, ich sag` dir was! Mit ihrer ganzen heiligen R e c h t s l e h r e stimmt was nicht...,

    da ist was oberfaul. Die verarschen uns nach Strich und Faden, fu... ähm... ich meine nur...,

    ...es wäre blöd für uns, wenn wir deshalb Omas Haus verlieren würden. Und dann dieses kürzliche

    Erlebnis..., das hat mir den Rest gegeben. Alles ist auf den Kopf gestellt und irgendwie ist

    mein ganzes Leben durcheinander geraten und verpfuscht!

    Oh Mami, ich kämpfe mit einer Sinnkrise und du weißt nicht, wovon ich spreche, stimmt`s? Die

    ganze Zeit frage ich mich, wie ich dir meine Geschichte nur schonend beibringen könnte, damit

    mich wenigstens einer versteht? Aber etwas Unglaubliches wird ja nicht glaubhafter, wenn man um

    den heißen Brei herumredet. Auf jeden Fall musst du mir hoch und heilig versprechen, dass du

    das niemandem weitererzählst, ja?

    Dieser Brief ist ganz privat nur für dich..., du musst es schwören..., nicht, dass mich danach

    die halbe Verwandtschaft in die Klapse einweisen lassen will. Du verrätst ja eh nichts, das

    weiß ich ja..., aber vorsi...

    Was? …neiiin... vergewaltigt hat mich überhaupt niemand, wie kommst du denn immer darauf?

    Blödsinn! Wer denn? Neiiiiinn..., ...ich habe auch nicht irgendwelches Zeugs geraucht, bzw.

    ..., warte mal..., denn geraucht habe ich ja schon an diesem besagten Abend und eigentlich fing

    alles genau damit an. Hätte ich mir meine Neujahrsvorsätze doch nur besser zu Herzen genommen!

    Ein Jammer, dass ich nie was richtig hinkriege! Also pass` auf, ich erzähle dir jetzt alles

    ohne Umschweife, sonst dreh` ich noch ganz durch!

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    Bevor ich aber beginne, möchte ich dir noch was Positives sagen. Und Achtung Mama, Spannung!!!

    Ich habe trotz allem eine Lösung für Omi`s Haus gefunden. Wenn du es nicht aushalten kannst,

    dann überspring` ruhig die ersten paar Seiten und blättere vor zur „Abteilung 26“. Dort steht

    alles drin und ich hoffe, verständlich genug für dich! Wenn ich das alles nur früher gewusst

    hätte..., ich hätte es dir im selben Augenblick noch verraten. Aber unsere Forschungen waren

    manchmal ein ganz schöner Irrweg..., auch wenn die Ergebnisse in sich stimmig und schlüssig

    waren und ich jetzt im Nachhinein kaum Fehler entdecken kann. Trotzdem Mami, es tut mir leid,

    dass wir zwei Jahre schon mit diesen sinnlosen Schriftsätzen herumgemacht haben, ohne dass sie

    uns groß helfen konnten. Jedenfalls hätten wir uns viel Kummer und Mühe sparen können, das ist

    mir jetzt auch klar! Aber na ja..., so ist das Leben halt. Wenn man die Zeit nicht hat und noch

    dazu völlig unausgebildet ist und wie die Jungfrau zum Kind kommt... da ist es ja schon ein

    Wunder, dass man überhaupt eine Lösung findet. Wir müssen das schlucken..., wie so vieles in

    unserem Leben schon! Ich komme am Wochenende sowieso und wir können unsere neue Strategie dann

    ganz genau besprechen, ok?

    Aber denk` bitte dran, Mami, dass ich ohne die Freunde aus meiner Geschichte im Leben nie drauf

    gekommen wäre. Sieh` mal selber, was mir mit ihnen passiert ist...

    ...ich schließe also mein Zimmer ab und gehe wie immer nach dem Abendessen durchs hintere

    Treppenhaus raus, -und nein, es gab ausnahmsweise keine Fliegenpilze-, … raus in den Innenhof

    unseres Studentenwohnheims, um eine zu qualmen. Außerdem muss ich mich abregen, denn neuerdings

    erkranke ich nach dem Konsum der T a g e s s c h a u immer an hyperventilierender

    Schnappatmung. Das ist eine ansteckende p s y c h i a t r i s c h e Störung, die einen befällt,

    wenn der Nachrichtensprecher unter katatonischer Schizophrenie leidet. (Spaß, Mami!)

    Jedenfalls kommt mir im Treppenaufgang gerade meine Kommilitonin Lisa entgegen, bleich wie ein

    Skelett im Mondenschein. Was hat die denn heute für eingefallene dunkle Augen, denke ich noch

    so bei mir und zwänge mir ein beiläufiges „Hey Lisa!“ von den Lippen. Warum sie „Vollidiot“

    und „welche Ailah meint der Opa verdammt noch mal“ vor sich hinflucht, verstehe ich nicht,

    aber irgendwie schaut sie durch mich hindurch... . Sie registriert mich gar nicht und mein Gruß

    bleibt unerwidert. Ist mir auch egal, denn sie ist sowieso eine blöde Kuh und ich hab` gerade

    andere Sorgen, ...zum Beispiel Omas Haus und dass ich noch immer keinen Freund habe...,

    verdammt...!

    Noch im Treppenhaus zünde ich mir eine E v e an, weil draußen ein leichter Wind geht, wie man

    an den zappeligen Blättern des Kirschbaums draußen im Hof erkennen kann. Die Raucherei regt

    mich sowieso auf und obwohl man bei solchen Zigaretten eigentlich gar nicht rauchen bräuchte,

    tue ich es trotzdem, ich Rindvieh! Niemand ist da und ich setze mich auf die nächstbeste der

    Parkbänke draußen. Genüßlich blase ich eine Dampfwolke nach der anderen in den spätsommerlichen

    Abendwind hinein..., warum, wie gesagt, weiß ich nicht..., und weil ich schon mal da bin, zünde

    ich mir gleich eine zweite an..., wie immer.

    Mit dem Gefühl, dass es aber heute besonders schnell dunkel und kühl wird, will ich gerade mein

    Feuerzeug in die Jackentasche stecken und wieder nach oben gehen. Aber es fällt mir aus der

    Hand. Bevor ich mich danach bücke, werfe ich noch schnell einen Blick auf die silberne Uhr, die

    du mir zu meinem 18-ten geschenkt hast. Was ist das denn..., denke ich, ich erkenne die Uhrzeit

    kaum? Ich halte das Zifferblatt ins Licht der Hofbeleuchtung. Es scheint 20 Uhr 28 zu sein...

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    oder so..., aber die Zeiger sind irgendwie verschwommen und das Zifferblatt ist schwarz

    angelaufen.

    Im selben Augenblick wird mir irgendwie ganz komisch. Ich schaue nochmal hin, aber jetzt

    verschwimmt auch das Zifferblatt vor meinen Augen. Sonderbar..., denn auch meine Augen fühlen

    sich plötzlich so schwer an. Ich klopfe auf den Gehäusedeckel und schrecke hoch, als sich wie

    aus dem Nichts ein Schatten über mich legt. Eine finstere Gestalt in dunklem Mantel steht

    plötzlich vor mir! Mir fährt vielleicht der Schrecken in die Glieder, das sage ich dir!

    Ich habe doch gar niemanden kommen hören, wundere ich mich noch, denn der neue Kiesweg knirscht

    ja wie verrückt. Als ich den Mantel entlang nach oben blicke, sehe ich eine dunkle Kapuze,

    ...nur kein Gesicht! Jetzt aber nichts wie Abflug, durchfährt es mich! Ein inneres Warnsignal

    blinkt „höchste Gefahr“ in roter Leuchtschrift..., digital sogar!

    Bloß irgendwie gelingt mir das nicht..., ganz so, als wäre ich an der Parkbank festgeklebt!

    „Junges Fräulein,“ flüstert mir die tiefe Kapuzenstimme zu, „erschrecke sie nicht! Ich wollte

    sie nur nach der Uhrzeit fragen.“ Mein Impuls, dringlichst abzuhauen, wird jetzt übermächtig,

    aber ich kann einfach nicht! Ich scheine gelähmt und wie ein Guß mit dieser verdammten Parkbank

    zu sein.

    „W... wie bitte? I.. ich habe g..gar niemanden kommen hören,“ stottere ich und versuche, mich

    einigermaßen zu fassen und die Nerven zu behalten. Die Gestalt jagt mir richtige Angst ein.

    „Ich bin auch nicht gekommen“, raunt die tiefe Männerstimme, „ich bin erschienen..., junges

    Fräulein..., und zwar durch dieses Tor hier.“ Ich falle gleich tot um, durchfährt es mich jäh,

    aber ich kann ja nicht, gelähmt und bewegungsbehindert wie ich bin. Er deutet mit seinen

    Riesenpranken in Richtung des besagten Kirschbaums, der sich in der Mitte des kleinen Parks

    befindet und auf dem ich im Juli des öfteren und zu nachtheimlicher Zeit saß, um mir den Wanst

    vollzuschlagen.

    Mein Großhirn fühlt sich jetzt an wie Omas Kartoffelstampf, oder ist es mein Kleinhirn etwa,

    das mir sein