baumwuoll-anabau inl afriika täts frage - · PDF filevon DuPont Pioneer, ChemChina und...

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    baumwoll-anbau in afrika

    qualittsfrageAfrika dient als Versuchsfeld fr die Kommerzialisierung von gentechnisch verndertem Saatgut fr Baumwolle, Mais und Soja. Nun ist ein Land ausgestiegen: Burkina Faso klagt ber Ernteausflle und schlechte Qualitt der Gentechnik-Baumwolle.

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    securvital - das magazin 2 | 18

    urkina Faso ist der grte Baum-wollproduzent in Afrika und zu-

    gleich eines der rmsten Lnder des Konti-nents. Baumwolle ist das wichtigste Export-gut des westafrikanischen Staates. 20 Pro-zent der Bevlkerung leben vom Baumwoll-anbau, allerdings reicht das Einkommen derKleinbauern kaum fr das Existenzmini-mum. So wie bei Hlne Kabr, einer Baum-wollbuerin aus einem kleinen Dorf, etwaeineinhalb Autostunden von der Haupt-stadt Ouagadougou entfernt. Seit ihr Manngestorben ist, sorgt sie als Witwe allein frihre sechs Kinder. Die Baumwolle auf dem Feld von Hlne

    Kabr hat Bio-Qualitt. Statt chemischemDnger verwendet sie Mist und Mulch. Auerdem verzichtet sie auf die teuren Pes-tizide, die an vielen anderen Orten ohneSchutzkleidung und ohne Anleitung ver-sprht werden. Der Bio-Anbau wie bei Hl-ne Kabr ist nur eine kleine Nische: Ein win-ziges Prozent betrgt der Anteil an der ge-samten Produktion im Land. Aber er wreausbaufhig: Was wir biologisch produ-ziert haben, das haben wir alles verkauft,sagt David Nana, ein junger Mitarbeitervom Bauernverband UNPCB. Wenn sie zu-stzliche Abnehmer finden knnten, wr-den sie noch mehr biologische Baumwolleanbauen, so die UNPCB. Stattdessen nimmt der konventionelle

    Anbau im Land zu, nach ausgesprochen

    schwierigen Phasen in den vergangenenJahren. In den 1990er-Jahren geriet der An-bau des weien Goldes in Westafrika ineine Krise. Bis dahin war Baumwolle daswichtigste Exportgut des Landes, meist vonKleinbauern im Familienbetrieb angebaut.

    kampf gegen die schdlingeDoch die Verarbeitungsfabriken aus franz-sischer Zeit waren veraltet, auerdemmussten die Bauern jedes Jahr mit neuenPlagen kmpfen. Erst fraen Raupen die Fel-der leer, dann kamen die Weien FliegenMottenschildluse, die die Fasern auf den

    Struchern schwarz werden lieen. In die-ser schwierigen Zeit begann der Staat, gen-technisch vernderte Baumwolle an Stelleder traditionellen Sorten massiv zu frdern. Als man 2008 zum ersten Mal flchende-

    ckend das Bt-Saatgut des Gentechnik-Kon-zerns Monsanto anbaute, erschien das alsersehnte Rettung. Die Bezeichnung Bt stehtfr die genetische Vernderung: Gene desBodenbakteriums Bacillus thuringiensis,in die Erbanlagen der Baumwolle einge-fgt, sollten die Pflanzen gegen bestimmteInsekten resistent machen. Die Versprechendes US-Konzerns klangen verheiungsvoll:hhere Ertrge und geringere Kosten, Wi-derstandsfhigkeit gegen viele Schdlingeund weniger Bedarf an gesundheitsschdli-chen Pestiziden.Doch jetzt, ein Jahrzehnt spter, sind die

    Erfahrungen ernchternd. Das Experimenthat sich nicht gelohnt. Die quasi-staatlicheBaumwollgesellschaft Sofitex, die 80 Pro-zent des Baumwollgeschfts in Burkina Fa-so lenkt, beschloss gemeinsam mit anderenUnternehmen, aus der Kooperation mitdem Gentechnik-Konzern Monsanto auszu-steigen. Es hatte sich herausgestellt, dassdie gentechnisch vernderte Baumwolle imPrflabor der Sofitex zu wenig Ertrag brach-te und ein erhebliches Qualittsproblemaufwies. Wir stellten fest, dass die Baum-wollfasern zu kurz geworden sind, berich-tet der Sofitex-Prfer Anselme Kabor. Die

    B

    Bei der Modernisierung der Verarbeitungsanlagen gab es Nachholbedarf.

    Baumwollpflckerinnen in Burkina Faso (ganz links: Hlne Kabr).

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    Lnge der Fasern ist ein entscheidendes Kri-terium fr den Weltmarkt und bestimmtdamit auch die Preise und Einnahmen.

    gtesiegel verlorenDie Baumwolle aus Burkina Faso und denwestafrikanischen Nachbarlndern war inFachkreisen fr ihre lngeren Fasern be-kannt. Doch mit der Mon-santo-Baumwolle und ihrenkrzeren Fasern haben wirunser Gtesiegel verloren,sagt der Chef von Sofitex,Wilfried Yamogo. Er forder-te Schadensersatz von Mon-santo fr die nicht gehaltenen Versprechender Bt-Baumwolle. Man einigte sich auf eine Summe von 11,3 Milliarden CFA (knapp20 Millionen US-Dollar). Die Akte Mon -santo ist damit fr uns geschlossen, er-klrt Wilfried Yamogo. Das knnte eine internationale Signal-

    wirkung haben, denn auch andere afrikani-sche Lnder wie gypten, Sudan und Sdafrika haben gentechnisch vernderteBaumwolle angepflanzt. Das Ergebnis warin keinem der Lnder berzeugend, urteil-te die Zeitschrift Le Monde diplomatique.Damit sei allerdings keineswegs die Gen-

    technik in der afrikanischen Landwirtschaftgenerell auf dem Rckzug. Burkina Fasozum Beispiel gestattet trotz der schlech-ten Erfahrungen mit der Bt-Baumwolle den Testanbau von Genmais. Andere Lnderhaben Mais, Soja, Maniok, Reis, Skartof-feln und andere genetisch vernderte Nutz-pflanzen genehmigt nicht nur von Mon-

    santo (das vom deutschen Bayer-Konzernbernommen werden soll), sondern auchvon DuPont Pioneer, ChemChina und ande-ren internationalen Unternehmen.

    versorgung gefhrdetKritiker sehen darin eine Gefahr fr die re-gionale Landwirtschaft und die Lebens-mittelversorgung. In Afrika bewirtschaf-ten die Bauern in der Regel kleine Parzel-len, auf denen sie verschiedene Produkteanbauen. Sie verbinden Ackerbau undViehzucht, was der Umwelt, der Biodiversi-tt und den Bden zugutekommt. Der

    massenproduktBaumwolle ist die weltweit wich-tigste Pflanzenfaser fr Textilien. 26 Millionen Tonnen werden proJahr geerntet, vor allem in China, Indien und den USA. Fr viele Klein-bauern in Afrika und Asien ist dieBaumwolle eine wichtige Lebens-grundlage. Etwa ein Prozent derweltweiten Ernte stammt aus Bio-Anbau, whrend etwa 70 Prozentgentechnisch verndert sind. Um-weltschtzer kritisieren, dass bei der Massen produktion in Mono -kulturen auerordentlich groeMengen an Pestiziden und Insek -tiziden eingesetzt werden. Auer-dem verbraucht Baumwolle vielWasser bis zu 2.700 Liter fr dasGewicht eines einzigen T-Shirts.

    Fertig verpackte Baumwoll-ballen fr den Export.

    Die Akte Monsanto ist damit fr uns geschlossen.Wilfried Yamogo, Direktor derBaumwollgesellschaft Sofitex

    Anbau von Gentechnik-Pflanzen geht ge-nau in die Gegenrichtung, meint Le Mon-de diplomatique. Er luft auf groe Mo-nokulturen hinaus, die aus den heutigenBauern womglich einfache Landarbeitermachen.Der Baumwollbauer Bognini Boyoun aus

    dem Ort Koumbia in Burkina Faso stellt sei-ne eigene Rechnung auf. Die konventio-nellen Samen kosten mich 3.000 CFA proHektar, sagt Boyoun. Das Gen-Saatgutvon Monsanto, das er einige Jahre lang verwendete, ist jedoch neun Mal so teuerund muss jedes Jahr neu gekauft werden.Er ist jetzt wieder auf die konventionelleBaumwolle umgestiegen und mit der Ernte zufrieden. Das deckt sich mit den Erfahrungen von Sofitex. Seit der Abkehr von der Monsanto-

    Baumwolle sind die Quantitt und dieQualitt der Ernte wieder gestiegen. Dievergangene Saison, die erste nach derRckkehr zu konventionellem Saatgut, warmit weit ber 600.000 Tonnen beraus erfolgreich, berichtet der Sofitex-DirektorWilfried Yamogo. Gnzlich abgeschlossenist fr ihn das Thema aber nicht. Vielleichtwerde ein anderer Konzern knftig einebessere Qualitt anbieten. n