Begeisterung - Jakobsweg und Pilgerreisen

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    24-Mar-2016
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Das Lesebuch für Lehrpersonen die das Thema Jakobsweg in einem fächerübergreifenden Schulprojekt behandeln möchten.

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  • BEGEISTERUNG | Jakobsweg und Pilgerreisen

    BE

    G

    EIST

    ER

    UN

    G

    PILGERN

  • IMPRESSUM

    Ein Projekt des Bildungshauses

    Kloster Neustift in Zusammenarbeit

    mit den Bezirksgemeinschaften

    Eisacktal, Salten-Schlern,

    Burggrafenamt und Vinschgau

    Kofinanziert im Rahmen der

    EU-Gemeinschaftsinitiative

    INTERREG IV Italien- Schweiz

    Projektmanagement:

    Mag. Peter Sader und DI Andreas Wild

    Theologische Beratung:

    Prof. Dr. Petra Kurten

    Fr den Inhalt verantwortlich:

    Sonja Sader

    Sader Sonja, geb. 1972 in Brixen, arbeitet seit

    1991 als Grundschullehrerin in Sdtirol. Sie

    besuchte Fortbildungen zum Thema Offenes

    Lernen und absolvierte 2003 einen dreijhrigen

    Lehrgang zur Montessori-Pdagogik. Sie hat

    jahrelange Erfahrungen im Bereich offenes,

    selbststndiges und kreatives Lernen und in der

    Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien fr die

    Freiarbeit in Klassen mit Montessoriausrichtung.

    Grafische Gestaltung:

    alias idee + form | Helga Kasseroler

    Bildnachweise:

    Gianni Bodini | Wolfgang Hrer

    Martin Ruepp | Verein Jakobsweg Schweiz

    iStockphoto | ventin

    www.jakobsweg.it

    www.jakobsweg-gr.ch

    www.bildungshaus.it

    Einen Dank allen Partnern fr

    die freundliche Untersttzung!

  • Nicht in der Luft zu liegen oder

    auf dem Wasser zu wandeln ist

    ein Wunder, sondern auf der Erde

    zu gehen. (Lin Tsi)

    Pilgern stammt vom lateinischen Wort

    peregrinus und bedeutet: fremd sein.

    Ein Pilger ist folglich ein Fremder, der

    aufbricht, unterwegs ist, durch das Land

    zieht, also in die Fremde geht. Kann das

    Pilgern gar ein Urinstinkt des Menschen

    sein, denn wir waren frher schlielich

    alle Nomaden?

    In allen Kulturen und Religionen war und

    ist das Pilgern ein wichtiger Teil im Leben

    der Menschen. Jeder wahre Moslem sollte

    mindestens einmal im Leben nach Mek-

    ka pilgern, Hindus pilgern zum heiligen

    Fluss Ganges. Im antiken Judentum waren

    Pilgerfahrten zum Tempel in Jerusalem

    Tradition. Heute pilgern die Glubigen

    zur alten Westmauer des Tempels, der so

    genannten Klagemauer. Christen pilgern

    nach Jerusalem, Rom oder Santiago de

    Compostela.

    Wir leben in einer Zeit, in der man meinen

    mchte, dass der Mensch schon alles ge-

    funden, entdeckt und erforscht htte. Kaum

    ein materielle Wunsch, der nicht erfllt ist.

    Und dennoch, Pilgern ist modern, ist wieder

    in. Der Mensch macht sich auf die Suche

    nach sich selbst.

    Schnren wir also unser Bndel und pilgern

    auf den historischen und wundersamen

    Wegen des heiligen Jakobus nach Santiago

    de Compostela.

    Hintergrundinformationen und Legenden zu

    Jakobsweg und Pilgerwesen Grundlage fr

    einen handlungsorientierten, modernen und

    fcherbergreifenden Religionsunterricht in

    den Mittel- und Oberschulen

    (6. 10. Schulstufe)

    BEGEISTERUNG

    JakoBSWEg uNd PiLgErrEiSEN

    3

  • 4TEIL 1

    JakoBSWEg uNd PiLgErrEiSEN

  • 5TEIL 1

    iNhaLT

    1

    10

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    12

    13

    14

    15

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    3

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    6

    7

    8

    91 | JakoBSWEgE STraSSEN,

    diE zuSammENfhrEN Seite 7

    2 | gESChiChTE SPaNiENS Seite 8

    3 | JakoBuS EiN hEiLigEr

    fr SPaNiEN Seite 9

    4 | JakoBuS dEr maNN

    miT dEr muSChEL Seite 11

    5 | auf dEN SPurEN

    dES hEiLigEN JakoBuS Seite 13

    Translation des Leichnams Seite 13 Die Grabaufindung Seite 13 Etymologie - Erklrung der Entstehung des Namens Santiago de Compostela Seite 13

    Der Jakobskult Seite 13

    6 | iNSTrumENTaLiSiEruNgEN

    EiNES hEiLigEN Seite 14

    7 | moTivE fr EiNE PiLgErrEiSE Seite 15

    Das Bu- oder Strafpilgern Seite 15 Das Delegationspilgern Seite 15 Weitere Pilgermotive Seite 15 Pilgermotive im 21. Jahrhundert Seite 15

    8 | PiLgErN zu hEiLigEN orTEN Seite 17

    9 | diE PiLgErSTTTE SaNTiago

    dE ComPoSTELa Seite 19

    Mirakelerzhlungen Seite 19

    10 | diE PiLgErrEiSENdEN

    im miTTELaLTEr Seite 21

    11 | diE CharakTEriSTiSChE

    ErSChEiNuNg uNd auSrSTuNg

    dES PiLgErS im miTTELaLTEr Seite 23

    12 | PiLgErzEiChEN JakoBSmuSChEL Seite 25

    Die Muschel und der heilige Jakobus Seite 25 Der moderne Pilgernachweis die Pilgerurkunde Seite 25

    13 | PiLgErhErBErgEN Seite 27

    Hausordnung einer Pilgerherberge Seite 27

    14 | kurioSES auf dEm WEg

    NaCh SaNTiago dE ComPoSTELa Seite 28

    15 | SPurEN mauriSChEr uNd

    JdiSChEr kuLTur iN EuroPa Seite 29

    LEgENdEN uNd

    mirakELErzhLuNgEN ab Seite 31

    Quellen Seite 38

  • 6

  • 71

    Jedoch gab es seit dem Mittelalter

    nicht nur diese Hauptwege, sondern

    eine Vielzahl von Pilgerrouten. Meist

    benutzten die Pilger die blichen

    Handelsstraen, welche von Frankreich

    aus ber die Pyrenen nach Spanien

    fhrten und ihnen auf ihrer Reise

    grtmgliche Sicherheit und die

    ntigen Infrastrukturen boten.

    diese Wege, allen voran die

    klassischen Pilgerrouten nach

    Santiago de Compostela, sind etwas

    Besonderes, weil einige von ihnen auch

    kultur historisch von groer Bedeutung

    sind und an klstern und Wallfahrts

    sttten, romanischen und gotischen

    kirchen, alten Brcken und mittel

    alterlichen hospizen vorbeifhren.

    als Jakobsweg werden auch jene

    Pilgerstraen bezeichnet, welche als

    historisch nachgewiesene routen von

    Jakobspilgern in Europa verwendet

    wurden und heute wieder entdeckt und

    erneuert werden.

    Der Jakobsweg ist somit ein Jahrhun-

    derte altes europaweites Wegenetz,

    auf dem seit jeher ein kultureller und

    wirtschaftlicher Austausch stattge-

    funden hat. Eine Pilgerreise ist damals

    wie heute ein soziales Ereignis. Es

    begegnen sich Menschen, die sich

    ansonsten nie getroffen htten.

    Unter dem Jakobsweg wird heute in

    erster Linie der Camino Francs ver-

    standen. Ziel dieses Pilgerweges ist das

    angebliche Grab des Apostels Jakobus

    des lteren im uersten Nordwesten

    Spaniens (Galicien). Die Route beginnt

    in den Pyrenen und fhrt ber den

    leicht zugnglichen Ibaeta-Pass nach

    Puente la Reina. Ab hier sind es rund

    760 Kilometer bis Santiago de Compo-

    stela, was einem Fumarsch von etwa

    30 Tagen entspricht. Dabei passiert

    der Pilger die Stdte Jaca, Pamplona,

    Estella, Burgos und Len.

    In dem bis heute bekanntesten

    Pilgerfhrer, dem Liber Sancti Jacobi

    aus dem 12. Jahrhundert, werden

    vier Hauptwege beschrieben, die von

    Frankreich aus nach Spanien fhren,

    sich nach und nach bndeln, bis sie

    sich im spanischen Puente la Reina

    zu einem einzigen vereinen. Diese

    festen Routen entstanden im 11. und

    12. Jahrhundert, wie auch zahlreiche

    Bauwerke, die den Weg sumen, und

    Reiseberichte zeigen.

    1 | JakoBSWEgE STraSSEN, diE zuSammENfhrEN

    1985 wurde Santiago de Compostela

    von der UNESCO zum Weltkulturerbe

    erklrt. 1987 erklrte der Europarat

    die Hauptrouten des Jakobsweges zum

    ersten europischen Kulturweg, um

    damit die gemeinsame europische

    Identitt zu strken.

    Nach wie vor begibt man sich auf dem

    Jakobsweg zurck zu den historischen

    und geistigen Ursprngen Europas,

    einem Europa, welches das Zusammen-

    treffen von Menschen unterschiedlicher

    Herkunft, die Begegnung zwischen

    unterschiedlichen gesellschaftlichen

    und knstlerischen Strmungen und

    den freien Austausch von Ideen

    ermglicht.

    Seit den 80er Jahren des vorigen

    Jahrhunderts erlebt der Jakobsweg

    einen Aufschwung. Zehntausende

    Pilger aus verschiedenen Nationen

    machen sich jhrlich freiwillig auf

    den Weg. Auf der Grundlage des

    gemeinsamen Pilgerstatus indet eine

    friedliche Begegnung statt, ungeachtet

    der Herkunft, des Alters, des Glaubens,

    des Ansehens und des Geschlechts.

    1989 fand in Santiago

    de Compostela der

    iv. Weltjugendtag statt.

    im Jahr 2000 war Santiago de

    Compostela kulturhauptstadt

    Europas.

  • 82

    Den Westgoten gelang es, andere

    Stmme zu vertreiben und 419 das

    groe Tolosanische Reich (das heutige

    Toulous) unter Knig Theoderid (auch

    Theoderich genannt) zu grnden.

    507 wurden die Westgoten von den

    Franken geschlagen und mussten

    Aquitanien, eine Region im Sdwesten

    Frankreichs, abtreten. Daraufhin zogen

    sich die Westgoten auf die Iberische

    Halbinsel zurck. In den folgenden

    Jahrzehnten fhrten Thronstreitigkeiten

    und heftige Unruhen an den Grenzen

    zum Untergang des Westgotenreiches.

    711 entbrannte ein Machtkampf

    zwischen dem letzten Westgotenknig

    Roderich und den von seinen Gegnern

    herbeigerufenen Mauren.

    in wenigen monaten hatten die mauren

    beinahe die hlfte der iberischen

    halbinsel erobert, bis 718 dann fast

    ganz Spanien muslimisch geprgt war.

    Eine ausnahme bildeten einige gebiete

    im uersten Norden und das winzige

    reich asturien im Nordwesten, mit den

    christlichen reichen Len und kasti

    lien und dem regionalen Wallfahrtsort

    Santiago de Compostela.

    Um 19 v. Chr. hatte sich das rmische

    Reich unter Kaiser Augustus durch