Benjamin Horkheimer 6Dec1937sm

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  • 5/9/2018 Benjamin Horkheimer 6Dec1937sm

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    Max Horkheimer M ax HorkheirnerGesammelte Schriften

    Band 16:BriefwechseI1937-1940

    Gesammelte SchriftenHerausgegeben von Alfred Schmidt und

    Cunzelin Schmid Noerr

    Herausgegeben vonGunzelin Schmid Noerr

    . '"J

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    Inhal t

    Herausgeber und Verlag haben sich redlich bemiiht, alle Verfasserder hier veroffenrlichten Briefe an Max Horkheimer bzw, derenRechtenachfolger ausfindig zu machen. Die Bemiihung war leiderniche immer erfolgreich. Der Verlag verpflichtet sich, nachtraglichgeltend gemachte rechrmafsige Anspruche nach den ublichen Hono-rarsatzen zu vergiiten.

    1937193819391940

    9350531690

    Verzeichnis der Abkurzungen und Zeichen 789Das Gesamrverzeichnis der Copyrightinhaber der Briefe an MaxHorkheimer, die in den Banden 15-18 der Gesammelten Schriftenabgedruckt sind, erscheint in Band 18. Das Nachwon des Herausgebers zu den Banden 15, 16, 17 und 18

    (Briefwechsel), ein Namen- und Werkverzeichnis zu den Briefensowie eine Erlaurerung der editorischen Prinzipien finden sich imAnhang zu Band 18.Die englisch- und Iranzosischsprachigen Briefe wurden ubersetztvon Hans Gunter HolL

    199')S.Fischer Verlag GmbH, Frankfun amMainAllc Rechte vorbehaltenUrnschlaggestalrung: Manfred Walch, LorsbachGesamtherstellung: Clausen & Bosse, LeekPrinted in Germany 1995ISBN 3-10-031826-9

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    31 0 Bride 1937ammeisten zu, besonders die Thesen auf Seite 2752 die sehr g

    f .' esundan euernd und der Befolgung wen SInd. Ich freue rnich aufi 'dentlich, daBSie sich so positiv zu den akriv poliuschen Konse ero-,

    d 11 h Itli h Th ' .. n qUenzen er gese sc a rc en eone auisern, zu dem, was Si c konkrgesehiehiliehe Aktivitat nennen. -Die Avanrgarde bedarf der Kl ete~eit im politischen Kampf, niche ~er akademischen Belehrung i i ~ : ~ihren sogenannten Standort.e' Diesen Satz mochte ich besoncl

    " hdl ersunsern emignerren Kat. e er euten ubers Bert gehangr sehen, dam'ie ied M bei Itre je en orgen elm Erwachen erinnert werden, wozu sie eigem.lich da sind.lch personlich glaube dieser Aufmunterung nachgelebt zu habensolange ich lehre, forsche und schreibe. Aber solche Tatigkeit, dawissen Sie, ist nicht dauernd moglich, wenn sie als Antrieb nichr nurdie Einsicht sondern auch die rnaterielle Not hat. Die materieUeNot, die mich von Tag zu Tag beftiger artackiert, muB schlie{!]icbaueh die Einsicht und ihre Aktivierung bedrohen. Das ist mein Zu-stand irn Augenblick. Die Sebule, an der ich lehre ', liefert mir zwarrnehr Schuler als ieh wiinsche, aber sie zahlt nicht, Ich konnt Ihneneine ganze Serie ahnlicher Negativen aufzahlen, unveroffendichteBucher, unrealisierte wissenschaftliche Plane, rniserabel bczahlreoder garnicht bezahlte schriltsrellerische Arbeiten und dergleiehenmehr.Konnren Sie, lieber Herr Horkheimer, rnir niche dazu verhelfen,meine Theorien ununterbrochener und ungelahmter zu aktivierenals ich jetzt im Stande bin? lch will nunmehr mein Wirtschaftsarchivverkaufen, Ferner suche ieh mit verdoppelten Augen und wahrhaf-rig im Krampf eine Fellowship, darnir ich wenigsrens auf einer nochso sehmalen Grundlage srehe. Wer kautt mein Archivmaterial, werhilft mir? Konnren Sie mir einen brauehbaren Rat geben oder selbsteingreifen? Dariiber bitte ieh Sie sehr herzlich, mir Mitteilung zurnachen.

    Mit besren Wfinsehen und GruBen Ihr,Alfons Goldschmidt

    Ts. / beantw. durch verof f. B . vom 9.12.1937 IMHA: 1 8.315.1 Gedruckter Briefkopf,2 In: HGS 4, S. 196f.3 Ebd., S.197.

    Briefe 1937 31 1

    Walter Benjamin an Max Horkbeimer, New YorkBouJogne s/ Seine, I Rue de Chatea u

    6. Dezember 1937Lieber Herr Horkheimer,Fur Ihre freundliehen Zeilen vom 5.November danke ich Ihnenvielmals. ..[)en heutigen Berieht mochre ieh mit der Frage des Aufsatzes fur, .Mass und Wert Ibeginnen. .Auf meinen an Oprecht gerieh~eten Br!ef ~am vor eJ~er Woche Ant-wort von dern Redakreur Ferdinand Lion". Er schreibt: .lOL.H. B. - Das Einverstandnis der Redaktion? -L'Etar c'est MOI~ .Also de tout cceur et avec Jeplus grand plais ir, Ich rnochre den Arti-kel in Heft 4, spates tens Heft 5 veroffenrlichen. Nur ein Punkt: ~rdarf nicbt kommunistiseh sein, - Und zweiter Punkr: Er gehort Inunseren Kricikreil, nicht wahr? lmmerhin, wie Sie wohl schon gese-hen haben, fehIt es auch da nicht an Platz und Entfaltungsmoglieh-keit, rc h mochte gern wissen, wieviel Seiten Sie beanspruchen?Oberhaupt - alter Redakteurfehler schon in der Bibel - ware iehneugierig zu wissen, worum es sieh handelt - nur ein paar Winkeund Wone genugen mir,Lions Grundbedingung stimmt mich im Verein mit der Tatsache,daB er vorn Charakter dec Zeitschrift wohl keine rechte Vorsrellunghat, erwas triibe. Was unter einer derart formu]ierten Einschran-kung zu verstehen ist, hangt unter anderm vorn Bildungsgrad des sieFormulierenden abo Lions [etzte Publikarion Geschiclne biolo-giseh gesehen- lafh mich diesen mit vieler Zuruckhalrung einschat-zen, beweist auBerdem, daB er mit dem Herzen bei der Sache ist,wenn er seinen Punkt eins Iormuliert.Was Punkt zwei betrifft, so handelt es sich bei dem KritischenTeil- um die zweispaltig gedruckten Glossen, die am ScbJuB desHefres erscheinen. Ich nehrne nicht an, daB der Aufsatz sich so pra-sentieren 5011. Der langste Beitrag, den ich an dieser Stelle fand, um-faBt vier Seiten; ich mUte mich also dort in so engen Grenzenbewegen, dag der Zweck des Aufsatzes nur schwer zu erreiehenware.

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    31 2 Briefe 1937nichr unabhangig von der ersren Bedingung der Redaktion. Willman Lions Zensur nichr allzu leichtes Spiel geben, so miissen diepolirischen Perspektiven so weir wie moglich im Schanen blei-ben. Was der Aufsatz so an Prsgnanz der Perspektive verliert,muB er an Genauigkeit im einzelnen einbringen. Das wurde mitPunkt zwei kollidieren. lch nehme auf Punkr zwei im folgen-den keine Riicksicht , sondern gehe von der Annahme aus, daB rn aerwa zehn Seiten zur Verffigung srehen - wenn nicht mehr. Dar-unter zu bleiben, scheint mir schwer moglich, ohne - bei Beach-tung der politischcn Richtlinien Lions - den Eindruck zu erwek-ken, es handle sich einfaeh urn eine neue Sparte im akademischenBetrieb,Wichcig erscheint mir auf alle Fiille, dasjenige herauszuheben, wasdas gebildere Biirgertum zurn Aufhorchen bringen kann. Dazu istalles geeignet, was an Freud anschlicllt. Ich denke also, daB ein brei-terer Raum den Arbeiten von Fromm vorzubehalten ist , auf die wirohnehin einen gewissen Akzent legen wollten. Geeignetes Materialscheinen mir einerseits die beiden Aufsatze tiber das Mutterrechtund Briffaulr:', andrerseits seine -Einleitung, zu Auroriuir und Fa-mi li ee " abzugeben. Von diesen Arbeiten aus lassen sich die unum-ganglichen Fluchrlinien ins Politische wahl am unscheinbarstenmarkieren,Der Konvergenzpunkt clieser Fluchtlinien wiirde durch lhren EssayEgoismus und Freiheitsbewegung 5 gebilder werden, Der Bour-geois, wie Sie ihn dort konstruieren, wiirde als patrizenrrischer Typdem matrizentrischen sich enrgegenstellen. Solche Anordnung derMaterien wiirde es moglich machen, die Kritik, die die Arbeiten deslnstituts an dern heute herrschenden Menschen iiben, mehr oderweniger aus der Sphare der Aktualitat herauszurucken, Die auBer-ste Annaherung an sie ware in asthetischer Verkleidung, das heiBtan Hand von Lowenthals Untersuchungen tiber die Rezeptionvon Dostojewski" und die Dichtung von C. F . Meyer? vorzuneh-men.Mit Ihrer polirischen Anthropologie ware sodann die rnetaphy-sische von Scheler ' und Jaspers zu konfroruieren, Dabei konnteman die Kritik am neuakademischen Lakaientum, die den Arbei-ten cler Zeitschrift gerneinsarn ist, mit Vorsicht zur Geltung brin-gen. GewiB wurde die Abgrenzung gegen dieses besonders deut-

    Briefe 1937 31 3lich durch die Kritik illusiriert werden, die die "Wissenssozio-logie in der Zeitschrift gefunden hat. Aber bier haben wir imAuge zu behalten, daB das ersre Heft von "Mass und Wen einenumfangreiehen Beitrag von Mannheirn veroffentlicht hat ." Manwird nicht leicht erwas auf den Autor kommen lassen. 1mubrigendurfte Mannheim genau die intellekruelle Merkwelt von Lion ab-srecken,Wie man in einen AbriB pour leDauphin 10 eine Arbeit wie ,.Tradi-rionelle und krirische Theorie 11, aus der ieh eine Anzahl von wichti-gen Zitaten bereitgestellr haue, oder eine Arbeit wie die tiber denJazz 12 einbeziehen kann, ist mir noeh nieht ersichrlicb. Ich braucheIhnen nicht zu sagen, d;ill die Kriti]; des Systernbegriffs, wie siezurnal Ihren [etztgenannten Essay bestimrnt, meiner Ansichr nachzu den Grundpfeilern unserer Arbeit gehorr. Es ist nur leider derdialektische Witz der Sache, daB bei den reinen Methodenfragendie polirischen Zwecke, fur die diese Methoden wirken, nicht weni-ger rein zuro Vorschein kommen. Erwas giinstiger steht es mitden kunsrkritischen Methoden. Ich hoffe, daB ieh WiesengrundsArbeiten wenigsrens naeh dieser Seite hin werde kennzeichnen kon-nen,Darf ich Ihnen, im Vorbeigehen, gesrehen, daB ich bei den Vorberei-tungen zu dem Aufsatz den allgemeinen Teil des Autorirarswerkes 13zum ersten Mal eingehend gelesen habe? Ihre Analyse der Thesen,die die Phanomenologie des Geistes fiber die Familie aufsrellt, hatmich tief beeindruckt. Sie ist ein Gegensriick zu den Bemerkungentiber den kantischen Schernarismus" im letzren Heft . Ich hoffe, imAnschluf an sie und an Marcuses Hegelartikel im gleiehen Band 15zeigen zu konnen, wieviel ernsthafter die Interessen der Geschichreder Philosophic im Zusammenhang der politischen Anthropologiegewahrt werden als in den Arbeiten der Metaphysiker.Die erste Sorge wird allerdings sein, uns zu vergewissern, ob dieraurnlichen und sachlichen Grenzen, die von der Redakrion gestecktwerden, nichr so ineinander spielen, daB dazwischen kein Raummehr bleibt. lch sehe es al s selbstverstandlich an,