Bl£¤ttern und Pilzen wahrzunehmen oder den Duft von Pflaumen oder frisch gepress-ten...

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  • Himmelsduft… SchöpfungsZeit 2017

    Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau

    Nummer 17 3. bis 16. September 2017

  • Editorial «Im Frühling wohnen in Tipasa die Götter. Sie reden durch die Sonne und durch den Duft der Wermutsträucher, durch den Silberkürass des Meeres, den grellblauen Himmel, die blumenübersäten Ruinen und die Lichtfülle des Steingetrümmers. Zu gewissen Stunden ist das Land schwarz vor lauter Sonne. Vergebens suchen die Augen mehr festzuhalten als die leuchtenden Farbtropfen, die an den Wimpern zittern. Der herbe Geruch der Kräuter kratzt in der Kehle und benimmt in der ungeheuren Hitze den Atem.» Mit diesen Worten beginnt der Essay «Hochzeit in Tipasa». Der junge Albert Camus beschreibt darin kraftvoll einen ihm lieb gewordenen Landstrich an der algerischen Küste. Das Meer, die Land- schaft, die Vegetation, ja die ganze Natur wird durch seine Poesie hindurch leben- dig, erscheint fast wie ein geheimnis- volles Wesen.

    Diese Zeilen faszinieren mich bis heute, weil sie etwas hochhalten, was in unserer Zeit zusehends verloren geht: der Sinn für die Eigenständigkeit unserer Natur. In unserer technologisch und ökonomisch ausgerichteten Welt ist sie nicht mehr als ein Ding, ein Objekt, über das der Mensch Verfügungsgewalt hat. Wir entreissen ihr ihre Rohstoffe, holzen ihre Wälder ab, holen das Letzte aus ihren Böden. Wir betrachten sie als Zuchtstation und Forschungslabor, nutzen sie als Bauland und schliesslich als Müllkippe.

    Dabei ist die Welt um uns herum aus theologischer Sicht nicht weniger wertvoll wie der Mensch selbst: Denn die Schöp- fungserzählung betont ausdrücklich, dass alles durch das machtvolle Wort Gottes entstand und damit sein Abbild ist (vgl. Gen 1). Die SchöpfungsZeit möchte uns für diese Wirklichkeit wieder empfänglich machen, möchte uns die Natur wieder als lebendiges Wesen entdecken lassen, als Schwester und Bruder – wie Franz von Assisi es empfand. Dazu sollen wir sie bewusst mit unseren fünf Sinnen wahr- nehmen, dieses Jahr vor allem mit unse- rer Nase. Wir sind eingeladen, der feucht- kühlen Morgenluft nachzuspüren, den leicht modrigen Geruch von verwelkenden Blättern und Pilzen wahrzunehmen oder den Duft von Pflaumen oder frisch gepress- ten Trauben zu geniessen…

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    SchöpfungsZeit

    Immer der Nase nach In der SchöpfungsZeit den Düften auf der Spur

    Wer sich von seinem Geruchssinn leiten lässt, erfährt die Schöpfung auf ganz neue Weise. Diese Erfahrung machte Redaktorin Sibylle Zambon-Akeret auf einem Spazier- gang durch den Klostergarten Ittingen.

    Der Garten der Kartause Ittingen liegt an diesem Spätsommermorgen noch etwas verschlafen da. Am Eingangstor verschaffe ich mir einen ersten Eindruck, und zwar wie die meisten Menschen – über den Sehsinn. Er zeigt mir Grüntöne in allen Schatti- erungen eines gepflegten Gartens. Farbtupfer sind nur wenige auszumachen. Die Haupt- blütezeiten der Rosenstöcke und Pfingst- rosen, die meinen Weg säumen, ist vorbei. Erst als ich die Treppen zum Kräutergarten hochsteige, dominiert ein anderer Sinnes- eindruck: meine Nase kündet mir Rosen an. Und sie täuscht mich nicht. Auf der Terrasse blüht eine Kletterrose in hellem Rosa. Sie verströmt einen zarten, leicht zitronigen Duft, von dem man sich wünscht, er möge einen ständig begleiten. Das aller- dings ist ein unrealistischer Wunsch. Denn aus der Forschung weiss man: Wenn der gleiche Duftstoff längere Zeit auf den Ge- ruchssinn wirkt, kann für diesen spezifi- schen Duft die Geruchsempfindung ver- schwinden. Bei Menschen, die dauernd stark riechenden Gerüchen ausgesetzt sind, kann der Geruchssinn sogar zerstört werden. Das ist nicht ungefährlich, denn Rauch und übelriechende Gerüche haben eine Warnfunktion. Sie zeigen an, dass der Mensch in Gefahr ist. Gerüche vermögen

    aber noch mehr. Da man ihnen nicht aus- weichen kann, berühren sie unmittelbar un- sere Gefühlswelt. Alle unsere Erinnerungen haben, wenn man so will, eine Geruchs- komponente und können auch über den Geruchssinn abgerufen werden.

    Die Würze der Vielfalt Bei mir weckt der Rosenduft den Garten meiner Grossmutter aus dem Dornröschen- schlaf – während ich weiter zum Kräutergar- ten vor den kleinen Mönchshäusern gehe. Hier teilen sich Rosenstöcke und Thymian ein Buchsbeet. Das sei eine gute Alternati- ve zur klassischen Paarung von Rose und Lavendel, sagt mir Gärtnerin Brigitte Lang, die gerade verwelkte Blüten abschneidet. Überhaupt empfiehlt sie, bei der Zu- sammenstellung des Duftgartens auf die Vielfalt zu achten. Also verschiedene Duft- noten, Farben und unterschiedliche Blüte- zeiten zu kombinieren. Im Übrigen seien die Vorlieben für Düfte sehr individuell. Das gilt auch für Insekten. An sie richtet sich der Duftstoff von Pflanzen in erster Linie. Denn Blüten wollen bestäubt werden. Jene, die nach unserem Empfinden angenehm duften, ziehen Bienen, Schmetterlinge und andere Nektarsauger an. Blüten dagegen, die unangenehm riechen – oft sind es Ver- treterinnen der Doldenblütler – locken Fliegen und ähnliche Bestäuber an. Pflan- zenduft kann aber auf Insekten auch ab- stossend wirken. So haben ätherische Öle,

    Inhalt 500 Jahre Reformation 6 Zürich vor Unruhen bewahrt Katharina von Zimmern

    Kinder fragen… 9 Kommen Tiere auch in den Himmel?

    Schaffhausen 13 Der Gerechtigkeit eine Stimme geben Das Schicksal von Anna Göldi als Musical

    Kurse  Tagungen 14

    Gottesdienste an den Wochenenden 15 Filmtipp

    Kalenderblatt · Zum Schluss 16

    Die Rose: Blickfang und Dufterlebnis

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    SchöpfungsZeit

    wie sie etwa bei Rosmarin, Salbei und Lavendel vorkommen, auch eine Schutz- funktion: Sie bewahren die Pflanze vor Schädlingen.

    Duftbad im Thymianbeet Das scheint gut zu funktionieren. Ich stehe vor einem wuchernden Gartensalbei, jenem Kraut also, von dem Hildegard von Bingen sagte, es helfe gegen schmutzige Gedan- ken. Ob die Mönche der Kartause, es des- halb anpflanzten? Wir wissen es nicht. Überliefert ist aber, dass sie sich bei Son- nenschein ins Thymianbeet legten, um den Duft tief einzuatmen und die wohltuende Wirkung zu erleben. Duftende Pflanzen ent- halten ätherische Öle. Das sind organische Substanzen, die sich in den Blättern, Blü- ten oder Samen einer Pflanze entwickeln. Insbesondere unter Sonneneinwirkung ver- flüchtigen sie sich. Das gilt auch für den Lavendel. Vom ihm weiss man, dass er über die Atemwege beruhigend auf die Lun- ge wirkt. Ein Wissen, das sich einst die Mönche zunutze machten, und das bis heu- te in der Heilkunde und im Wellnessbereich weiterwirkt. Voraussetzung ist, dass Düfte richtig konserviert werden. So ist es bei der Verarbeitung von Lavendel wichtig, dass man ihn in der Blüte erntet und bei Raum- temperatur trocknen lässt.

    Mittlerweile steht die Sonne hoch am Him- mel. Und jetzt lassen sich einzelne italieni-

    sche Küchenkräuter unzweifelhaft ausma- chen. Andere, wie Liebstöckel, Baldrian, Goldmelisse oder Wermut entfalten ihren Duftstoff beim Zerreiben der Blätter. Mein Weg führt an der Klostergärtnerei vorbei aufs Feld ausserhalb der Klostermauern. Hier werden die Kräuter angepflanzt, die zu Tee verarbeitet werden oder ihren Weg in die Hotelküche finden. Rund 50 sind es insgesamt, darunter acht verschiedene Minzen, wie Orangen-, Bergamotte-, Krause oder marokkanische Minze. «Vieles wurde schon geerntet», klärt mich Gärtner Regli auf, der für diesen Bereich des Gartens zu- ständig ist. Er weist auf zurückgeschnittene Büsche. «Da, der rote Lavendel», sagt er und meint den blau blühenden. Der dahin- ter angesiedelte, weisse Lavendel steht da- gegen noch in voller Blüte. Auch die Ringel- blume hat jetzt ihre Saison. Regli bückt sich, zupft ein Blatt von einer Staude und zerreibt es. Ich rieche daran. Ein würziger Geruch, der gleichsam eine ganze Skala von Duftnoten eröffnet. «Isop», schmunzelt Regli. «Die Idee ist, daraus einen Kräuter- schnaps zu brennen.»

    Sibylle Zambon-Akeret

    ■ Edith Bächle, diplomierte Drogistin und Erwachsenenbildnerin, hat mir freund- licherweise bei Sachfragen Auskunft gegeben.

    SchöpfungsZeit zum Thema «Geruchssinn» 2007 wurde von der dritten Europäi- schen Ökumenischen Versammlung der Monat September als SchöpfungsZeit definiert. Sie beginnt mit dem Tag der Schöpfung, den die orthodoxe Kirche am 1. September feiert, und endet am 4. Oktober mit dem Gedenktag des Franz von Assisi. Im Rahmen der Schöpfungs- Zeit sind die ökumenischen Kirchen auf- gerufen, gemeinsam Gott als Schöpfer zu feiern. Es wird an die Gemeinschaft der Christen appelliert, für den Schutz der Schöpfung zu beten. Die Schöpfungs- Zeit steht jedes Jahr unter einem beson- deren Thema. 2016 begann eine Reihe zu den fünf Sinnen, die dieses Jahr mit dem Geruchssinn fortgeführt wird. Am 24. September findet in der Kartause ein Impulstag zur SchöpfungZeit statt (siehe Seite 14).

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    News

    ■ Bundesrat befürwortet Armee-Imame Der Bundesrat geht davon aus, dass die Armeeseelsorge ihre Aufgabe künftig nicht ohne die Rekrutierung von muslimischem Fachpersonal wird erfüllen können. Der- zeit fehlten aber die nötigen Voraussetz- ungen, um muslimische Geistliche in die Armeeseelsorge integrieren zu können, heisst es in den Antworten auf zw