Böhm, Johanna - Jakob Lorber. Eine kritische Durchsicht

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    05-Dec-2014
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    Spiritual

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"... Von Geburt an war mein Leben geprägt von der Neuoffenbarung. Meine Eltern und Verwandten kannten, lasen und glaubten diesen Schriften. Sie richteten ihr Leben und meine Erziehung danach aus und brachten mir Lorbers Schriften von frühester Kindheit an mit viel Liebe nahe. Über 20 Jahre hinweg lebte ich in dieser Lehre, vertiefte mich in die Schriften und verinnerlichte ihre Aussagen. Als Aussteigerin kenne ich daher die Neuoffenbarung und auch die Denkweise von Neuoffenbarungsfreunden von innen. Anders als bei Scientologen oder Zeugen Jehovas gibt es bei der Neuoffenbarung leider kaum Aussteiger, die ihr Wissen anderen zur Verfügung stellen. Von außen übersieht man leicht den durch die Ich-Form omnipräsenten sakralen Anspruch dieser Schriften und den damit verbundenen Einfluss auf die Sichtweisen von Neuoffenbarungsfreunden. Die Bindung erfolgt nicht durch einen Guru, eine Sekte oder eine Institution sondern durch die Schriften selbst. Eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen Neuoffenbarung muss sich deshalb im Wesentlichen an den Texten selbst vollziehen. Zu diesem Zweck stelle ich auch die Inhalte der Neuoffenbarung vor, die oft unterschlagen oder zerredet werden. Ich hoffe durch diese Zusammenstellung sowohl Interessierten als auch Insidern Impulse zu einer Einschätzung der Neuoffenbarung von Jakob Lorber geben zu können. ..."

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  • 1. Jakob Lorber Eine kritische Durchsicht
  • 2. Jakob Lorber Eine kritische Durchsicht Johanna Bhm ____________________________________________ 2011
  • 3. Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, Und leider auch Theologie! Durchaus studiert, mit heiem Bemhen. Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor; Heie Magister, heie Doktor gar Und ziehe schon an die zehn Jahr Herauf, herab und quer und krumm Meine Schler an der Nase herum- Und sehe, dass wir nichts wissen knnen! Das will mir schier das Herz verbrennen. Zwar bin ich gescheiter als all die Laffen, Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen; Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel, Frchte mich weder vor Hlle noch Teufel- Dafr ist mir auch alle Freud entrissen, Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen, Bilde mir nicht ein, ich knnte was lehren, Die Menschen zu bessern und zu bekehren ...
  • 4. ... Auch hab ich weder Gut noch Geld, Noch Ehr und Herrlichkeit der Welt; Es mchte kein Hund so lnger leben! Drum hab ich mich der Magie ergeben, Ob mir durch Geistes Kraft und Mund Nicht manch Geheimnis wrde kund; Dass ich nicht mehr mit saurem Schwei Zu sagen brauche, was ich nicht wei; Dass ich erkenne, was die Welt Im Innersten zusammenhlt Johann Wolfgang Goethe Faust Der Tragdie Erster Teil
  • 5. Inhalt: Prolog: Eine neue Offenbarung 9 Das Leben von Jakob Lorber 18 Das Umfeld der Neuoffenbarung 35 Der Inhalt der Neuoffenbarung 39 Der Anspruch der Neuoffenbarung 43 Eine kritische Prfung 49 Kurt Eggensteins Beweis fr die Neuoffenbarung 51 Naturzeugnisse 56 Vgel fliegen mit Wasserstoff 65 Erde und Mond 75 Widersprche innerhalb der Lorberschriften 78 Probleme Lorbers mit Widersprchen 90 Jesu Liebe 93 Erziehungsratgeber 99 Frauen als Mittel zur Fortpflanzung 113 Antisemitismus 117 Bekenntnisse der Lorbergemeinschaft 122 Rettungsversuche 127 Lorbers Tochter 137 Umgang mit Kritikern 139 Konkrete Argumentationen 141 Fr Toleranz 154 Rettungsversuche des Lorber-Verlages 159
  • 6. Das Innere Wort bei Jakob Lorber 163 Die Alexander-Morde und das Innere Wort 176 Der unbekannte Prophet Jakob Lorber 180 Die Rolle des Lorber-Verlages 196 Erde und Mond Die Geschichte einer Flschung 206 Die Neuoffenbarung ber die Bibel 211 Heilslehre 215 Sein wie Gott 219 Gott der Finsternis und der Lge 220 Sola Scriptura 221 Neuoffenbarung und Bibel 228 Sind die Neuoffenbarungsfreunde eine Sekte? 233 Erfahrungen 237 Helle Hlle 244 Redeverbot 259 Befreiung 261 oida ouk eidos 268 Wie kann man als Christ Lorberfreunden begegnen? 276 Epilog: Des Kaisers neue Offenbarungen 279 Anhang A: vollstndige Texte 286 Anhang B: Fotografische Belege 324 Anhang C: Schriften Lorbers chronologisch 405 Anhang D: Literaturverzeichnis 425
  • 7. Prolog: Eine neue Offenbarung Prolog: Eine neue Offenbarung Der Mensch sieht sich den Grundfragen des Lebens gegenber. Er findet sich in einer Welt wieder, die ihm nicht sagt, woher er kommt, wer er ist und wohin er geht. Aber der Mensch sehnt sich nach Antworten, denn hinter all diesen Fragen steckt immer auch die Hoffnung auf einen Sinn und ein Ziel fr das Sein. Ausgrabungen zufolge ist die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tode so alt wie die Menschheit selbst. Grabbeigaben aus dem Doppelgrab von Oberkassel 10000-12000 v. Chr. 9
  • 8. Prolog: Eine neue Offenbarung Vor etwa zwei Jahrtausenden wurde die Auferstehung Jesu Christi eine konkrete Grundlage fr diese Hoffnung. Berichte ber das Leben, Sterben, die Auferstehung und die Lehre Jesu breiteten sich in der gesamten bekannten Welt aus und berstanden in kanonisierter Form als Neues Testament die Jahrtausende. Bis heute geben die Berichte, Briefe und Visionen unzhligen Menschen Hoffnung und Mut, ein Leben in den Fustapfen dieses Jesus von Nazareth zu fhren. Doch obwohl diese Botschaft bis heute wirkt, lie auch sie viele Fragen offen. 10
  • 9. Prolog: Eine neue Offenbarung Fr die ersten Christen war zunchst entscheidend, wie man als religise Randgruppe die kurze Zeit bis zur Wiederkunft Christi durchhalten kann die neutestamentlichen Briefe spiegeln diese Konzentration auf die augenblickliche Situation wider. Je mehr Christen jedoch starben, desto wichtiger wurden wieder die alten Grundfragen der Menschheit: Woher komme ich? Wer bin ich? Wohin gehe ich? Alle diese Fragen werden zwar in der Bibel beantwortet, die Antworten befriedigen aber oft nicht die Neugier und Phantasie der Menschen: Woher komme ich - oder: Wie ist diese Welt - nicht nur die materielle - denn nun wirklich genau entstanden und beschaffen? Wozu ist sie entstanden? Und woher kommt letztlich das Bse? Wer bin ich - oder: Was ist meine Aufgabe - nicht nur bezogen auf mein soziales Umfeld, sondern auch auf den gesamten Kosmos? Sind wir als Menschen neben den Tieren allein im Universum? Und wenn nicht: Welche Rolle spielen dann die anderen Wesen in Gottes Plan? Wohin gehe ich - oder: Was erwartet mich nach dem Tod? Wie sieht das Jenseits aus? Was gibt es dort? Und wie geht es dort mit mir und all den anderen Menschen konkret weiter? Wollte man sich nicht nur in Spekulationen verlieren, msste man sich entweder mit den vorhandenen Offenbarungen begngen, oder auf neue Offenbarungen hoffen. Doch statt aufgrund einer neuen, allgemein akzeptierten Offenbarung nderte sich die Sicht der Menschen auf diese Welt im Zuge der Aufklrung. 11
  • 10. Prolog: Eine neue Offenbarung Mit dem Siegeszug der Naturwissenschaften wurden schlielich zwar mehr Fragen beantwortet, als ursprnglich gestellt wurden, doch die Antworten befriedigten wieder nicht die Sehnsucht nach Tiefe und Sinn. Im Gegenteil: Quelle: http://www.bz-berlin.de Die Erde ist seither nicht mehr der Mittelpunkt des Universums, sondern ein vllig unbedeutender Krmel in einem unfassbar groen leeren Universum, das keine Notiz von dessen Entstehung nahm und fr dessen grundstzliche Ablufe auch das Verschwinden der Erde in ferner Zukunft bedeutungslos bleiben wird. Der Mensch ist seither ein unbedeutendes zuflliges Zwischenprodukt eines vernetzten globalen kosystems, das die Erde wie Plaque berzieht. Gesteuert von Trieben, ngsten und Erfahrungen, erliegt der Zellklumpen Mensch dennoch der Illusion, ein freies Individuum zu sein. Selbst Gott wurde zu einer Meme, einer Gedankeninfektion, der viele Menschen vielleicht schon aufgrund der neuronalen Gegebenheiten ihres Schlfenlappens erliegen. Der Glaube ist nicht mehr das Zentrum, von dem aus die Welt verstanden wird, sondern berlebt bestenfalls als persnliche Lebenshilfe einiger Menschen, die nach Feierabend einen Ausgleich brauchen. Die Antworten kommen mit einem Minimum an Metaphysik und ohne Gott aus. 12
  • 11. Prolog: Eine neue Offenbarung Doch gerade in der Blte des Materialismus, nachdem Laplace Napoleon auf seine Frage nach Gott angeblich antwortete Eine solche Hypothese brauche ich nicht!, brach eine Offenbarung ber die Menschheit herein, die nicht nur die alte Sehnsucht nach umfassenderen gttlichen Antworten zu befriedigen vermochte, sondern diese Antworten auch vielen wissenschaftlichen Erkenntnissen eine geistliche Tiefendimension gab. Endlich wurden die Fragen beantwortet. Hans-Werner Sahm: Vision Glaubt man diesen Schriften, so diktierte Gott selbst auf ber 10.000 Seiten die Antworten auf die tiefsten Fragen des Seins. Die gesamte kosmologische Geschichte und die Evolution der Arten wird ber den Menschen im geistigen fortgesetzt als Rettungsaktion des gefallenen und in Materie auskristallisierten Satan. Gott wird in dieser Neu-Offenbarung wieder das Zentrum der sichtbaren und unsichtbaren Welt, in deren Pracht und 13
  • 12. Prolog: Eine neue Offenbarung Gre sich nun wiederum der so bermchtig scheinende Materialismus verliert. Einzelne Gesprche der biblischen Erzvter kann man ebenso verfolgen, wie die vergangene und zuknftige Weltgeschichte. Wir erfahren z.B., was der Revolutionr und Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung Robert Blum nach seiner Hinrichtung erlebte, wie es im Jenseits aussieht und wie sich die weitere persnliche Entwicklung vollzieht. Die Vergangenheit und die Zukunft, das Diesseits und das Jenseits, Gott, der Mensch und das ganze Universum mit seinen materiellen und geistlichen Bezgen werden in der Neuoffenbarung vor dem Leser ausgebreitet. Das Wesen der Dreieinigkeit wird ebenso erklrt, wie die Herstellung von Heilmitteln. Wartete die Menschheit ber 1800 Jahre lang auf die