BTS 24 Wie Treibt Man Biblische Theologie

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Peter Stuhlmacher DasBuchbeantwortetinfnfKapitelndieFrage:Wie treibtmanBiblischeTheologie?Esbehandeltnacheinan-der:dieNotwendigkeitderAltesundNeuesTestament verbindendenbiblisch-theologischenFragestellung;die AnlageeinerBiblischenTheologie;dieVerkndigungJesu unddieneutestamentlicheChristologie;dasZeugnisdes ApostelsPaulusundderSchuledesJohannes;dasWer-dendeszweiteiligenKanonsderchristlichenBibelund dasProblemder MittederSchriftsowiedieFragenach dersachgerechtenAuslegungderHeiligenSchrift.EinLite-raturverzeichnis,dasinteressierteLeserinnenundLeser zur eigenenBeschftigungmitdemThemaanleitet,beschliet denBand. PeterStuhlmacher,Dr.theol.,geb.1932,istProfessorfr NeuesTestament ander Evangelisch-theologischenFakultt derUniversittTbingen.SeinHauptinteressegiltseitJah-renhermeneutischenundbiblisch-theologischenFragen. Er istunteranderemMitarbeiteramEvangelisch-Katholischen KommentarzumNeuenTestamentundMitherausgeber des Jahrbuchs fr BiblischeTheologie. neukirchener Peter Stuhlmacher Wie treibt man Biblische Theologie? N eukirchener Biblisch-Theologische Studien 24 Herausgegeben von Ferdinand Hahn, Hans-Joachim Kraus, Wemer H.Schmidt und Wolfgang Schrage Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Stuhlmacher, Peter: Wie treibt man Biblische Theologie? / Peter Stuhlmacher. -Neukirchen-Vluyn:Neukirchener,1995 Biblisch-Theologische Studien; 24 ISBN 3-7887-1518-9 NE:GT 1995 Neukirchener Verlag des Erziehungsvereins GmbH Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung:Hartmut Namislow Gesamtherstellung: Breklumer Druckerei Manfred Siegel KG Printed in Germany ISBN 3-7887-1518-9 ISSN 0930-4800 Der Theologischen Fakultt der Universitt Lund in Dankbarkeit fr die Verleihung der Ehrendoktorwrde Vorwort ImHerbst1993warichvomAsburyTheologicalSemi-nary(inWilmore,Kentucky[USA])eingeladen,dievon Rev.Dr.LowellRyanundseinerverstorbenenFrauge-stifteten Ryan-Lectures zu halten, und zwar ber das The-ma HowtodoBiblical Theology.ber dieselbeFrage hatteichauchanderYaleDivinitySchool(NewHaven, Connecticut [USA]) und im Frhjahr 1994 an der Gemein-defakultt in Oslo sowie an der Hochschule fr Mission in Stavanger zu sprechen. Der Neukirchener Verlag war dan-kenswerterweisebereit,diedeutscheFassungmeiner Vorlesungenzudrucken;dieenglischeVersionsollvon Pickwiek Publications (Allison Park, Pennsylvania [USA]) verffentlicht werden. Ich widme beide Publikationen der Theologischen Fakultt in Lund (Schweden)zum Zeichen meinesaufrichtigen Dankesfrdiemiram27.Mai1992 verliehene Wrdeeinestheologischen Ehrendoktors. BiblischeTheologiezutreiben,isteinereizvolle,aber auch kontroverseSache.Jelnger ich mich mit dem The-ma beschftige,destomehr verwundert(und bekmmert) michder Umstand,daman dasbiblischeGotteswortso-wohl in derwissenschaftlichen Theologiealsauch in den Kirchennichtnurdankbarannimmt,sondernsichauch stndigseinemAnspruchwidersetzt.Da BiblischeTheo-logiemeinesErachtensdieHauptaufgabehat,denhisto-rischenUrsprungssinnundtheologischenAnspruchder biblischenTexteherauszuarbeiten,wachsenihrindieser Situation drei Zusatzaufgaben zu:Sie mu bei der Exegese derBibeltexteeineHermeneutikeinben,diebestimmt ist von der annehmenden Anerkennung,vom historischen Sich-IdentifizierenundvomErlernenderWirklichkeit, diedieTraditionzuerkennengibt!;siemudieihran-1H.Gese,HermeneutischeGrundstzederExegesebiblischer Texte, in:ders.,Alttestamentliche Studien,1991, (249-265) 265. 8Vorwort vertrautenTexteinSchutznehmen,woimmerhistori-scher oder auchdogmatischer Unverstandsie verdunkelt; sie darf sich schlielich nicht scheuen,theologische Kritik zuben,woausdemBlick gert,dadieineinertiefen Identittskrise steckenden evangelischen Kirchen nur noch so lange Existenzrecht gegenber den katholischen haben, alssieernsthaftversuchen,creaturaverbizuseinundzu bleiben. Ichbetonedies,weilmichJrgenRoloff inseinerdan-kenswertenKritik deserstensBandesmeiner Biblischen TheologiedesNeuenTestaments2gergthat,daich vielfach steile, weithin (zumindest auerhalb Tbingens) kaum konsensfhige historische Thesen einsetze, um die ZuverlssigkeitvonFakten,dieungebrocheneGeradli-nigkeit von Entwicklungen und die fragloseKonstanzvon Traditionenzubeweisen3.SeineKritikmndetindie Frage,obdennwirklichdieEinheitdesNeuen Testa-ments nur um den Preis einer historische Spannungen und AporiennivellierendenApologetikzuhaben ist? 4Dazu ist inaller Krzedreierlei zusagen: 1.RoloffsKritikberhrteinleidigesProblemgerade derdeutschenneutestamentlichenWissenschaft:Bisauf wenige lbliche Ausnahmen hat sie sich seit dem Zweiten Weltkriegimmermehrauf systematisch-theologische In-terpretationsproblemekonzentriert undsichdabeiimmer weitervonsoliderphilologischerundhistorischerFor-schungabgekoppelt.Dementsprechend schwer flltesihr heute,auchinhistorisch-philologischerHinsichtwieder Niveauzugewinnen.IndieserLageistesbesser,wenn wenigstenseinpaarExegeten(inderalt- undneutesta-mentlichenWissenschaft- inTbingenundanderswo) versuchen,auch diehistorischen Aufgaben der biblischen Exegese wieder aufzugreifen, ohne darber die Verpflich-tungzur theologischen Auslegung der Heiligen Schrift zu vernachlssigen.Anderszuverfahrenhiee,wieauch Roloff betont,diebiblischeExegesepreiszugebenanei-2P.Stuhlmacher, Biblische Theologie des Neuen Testaments, Bd. 1,1992. 3J.Roloff,ThLZ119,1994,(241-245)245. 4Ebd.,245. Vorwort9 nen ganzuntheologischen historischen Positivismusoder an Strmungen in der sog.postmodernen Hermeneutik, fr dieschon die bloe Annahmeeinesmageblichen hi-storischenUrsprungs sinnsvonTextensinnlosgeworden ist. 2.WasdieEinheit desNeuen Testaments anbetrifft,ha-be ich schon in meinem AufsatzDie MittederSchrift-biblisch-theologischbetrachtet5(undverschiedentlich auchimerstenBandmeinerTheologie!)betont,was dann zum Abschlu deszweiten Bandes meinerTheolo-gie vollends herauszustellen ist:Die Einheit desvom Al-ten nichtablsbaren NeuenTestamentsliegt im Evange-liumGottesvonJesusChristus.DiesesEvangeliumwar vondemTagan,daesverkndigtundgelehrtwurde, umstritten,undzwarkeineswegsnurzwischenGlauben undUnglauben,sondernz.B.auchzwischenPaulus,Pe-trusundJakobus(vgl.Gal2,14;Jak2,14-26).Wirddie EinheitdesNeuenTestamentsundderHeiligenSchrift insgesamt in dem (stets umstrittenen) Evangelium gesehen, kannderEindrucknivellierenderApologetiknursolan-ge entstehen,alsman nicht wirklich historisch genau nach EntstehungundKontinuitt derneutestamentlichen Chri-stusbotschaft fragt.Stellt mansich aber der Frage,wiees trotzder unleugbaren Divergenzen zwischendenZeugen mglichwar,dasEvangeliumzuerstinJerusalem,bald aberauchin Damaskus,AntiochienundRom,dannvor allem in der SchuledesPaulusundschlielich im Johan-neskreissoklarzuformulierenundzu tradieren,dadie Alte Kirche es wagen konnte, die verschiedenen biblischen Stimmen zueinemSchriftenkanon und einerGlaubens-regelzusammenzufassen,legtsichdievonmirvorge-schlagene Betrachtungsweise der verschiedenen neutesta-mentlichen Traditionsbildungen sehr viel nher, als Roloff wahrhaben will. 3.Wirklich entscheiden lieensichdievon Roloff auf-geworfenenStreitfragenabererstdann,wennmannoch einmalinkleineremKreisdaranginge,grundstzlichzu 5In:WissenschaftundKirche,FSfrE.Lohse,hrsg.vonK. Aland / S.Meurer,1989,29-56; vgl.verschiedentlich auch im ersten Band meiner Theologie (s.o.Anm.2). 10Vorwort berlegen,washistorischeForschung im biblischen Kon-text leisten kannundwasnicht,wiederbiblischeTradi-tionsbegriff strukturiertistundwasesheit,mitPaulus von der Wahrheit desEvangeliums(Gal2,14)zuspre-chen.Ein Symposium ber diese Problematik wre gewi schwierig,abersicherauchfrderlichunddementspre-chend wnschenswert! FrauHannaStettlerhatmeinManuskriptdurchgesehen unddieLiteraturliste erarbeitet.FrauGerlindeEisenkolb hat die groe Mhe auf sich genommen, die Druckvorlage zuerarbeiten.Dr.Volker Hampel hat sich desBuches mit groemInteresseundallererdenklichenSorgfaltange-nommen. Ich bin ihnen allen zu groem Dank verpflichtet. Tbingen,im Herbst1994Peter Stuhlmacher Inhalt Vorwort..........................................................7 Anlage und Durchfhrungeiner Biblischen Theolo-gie13 I.Die Notwendigkeit der biblisch-theologischen Fragestellung........................................ .15 11.Die Durchfhrung der biblisch-theologischen Fragestellung........................................ .17 111.. DieAnlageeinerBiblischenTheologiedes Neuen Testaments...................................24 DieVerkndigungJesuunddieneutestamentliche Christologie.....................................................26 I.Der Einsatz mit der Verkndigung J esu26 11.ProblemederDarstellung.......................27 111.Der Wegder Evangelientradition.............29 IV.Jesu Person, Botschaft und Weg...............31 V.DieOsterereignisseundderUrsprungder Christologie...........................................36 DasZeugnisdesPaulusundderjohanneischen Schille.............................................................40 I.Paillus und seine Schule...........................40 1.Die Berufung des Paulus..................40 2.Das paulinische Evangelium.............42 3.Die paulinische Rechtfertigungslehre.44 12 H.Die Schule des Johannes 1.DasgegenseitigeVerhltnisderJohan-nesschriften................................... . 2.Die johanneische Christologie.......... . IH.Rckschau Der christliche Kanon,seine Mitte und seine Ausle-Inhalt 48 48 54 59 gung...............................................................60 I.Die Auslegung des christlichen Kanons60 H.Die Mitteder Schrift...............................68 IH.Die Auslegung der Heiligen Schrift71 Gesamtberblick I. H. IH. IV. Der Stand derArbeit Die inhaltlicheDurchfhrung Ergebnis Ausblick 77 77 86 91 91 Literatur zur Biblischen Theologie.....................93 AnlageundDurchfhrungeiner Biblischen Theologiel EineBiblischeTheologiedesNeuenTestaments,diemit RechtdiesenNamentrgt,mudenbiblischenTexten hermeneutischentsprechen,d.h.siemusichbemhen, diealt- und neutestamentlicheberlieferungsoauszule-gen,wiesieselbst ausgelegt werden wilI.2Sie darf die ihr vorgegebenenTextedeshalbnichtnurauskritischerDi-stanzherausalshistorischeQuellenlesen,sondernmu siegleichzeitigalsGlaubenszeugnisseinterpretieren,die zurHeiligenSchriftderChristenheitgehren.Dement-sprechendberschneidensichbeiderAbfassungeiner BiblischenTheologiedesAltenoderNeuenTestaments (oderauchzubeidenTestamentengleichzeitig)histori-scheunddogmatischeGesichtspunkte.Auerdemsteht von Anfangandieschwierige und bisheute offene Frage zurDebatte,wiesichAltesundNeuesTestamentzuein-anderverhalten. DiechristlicheBibelbestehtseitdenTagenderAlten KircheausAltemundNeuemTestament,unddieKir-chen gehenmitgutem Rechtdavonaus,daderzweitei-ligebiblischeKanondendreieinigenGottbezeugt. TrotzdemistesinderexegetischenForschungblich geworden,beideTestamentegetrenntzubearbeitenund Bei meinen Bemhungen um die Biblische Theologie zehre ich dankbar von den jahrzehntelangen Gesprchen mit meinen Freunden E.Earle Ellis, Hartrnut Gese, Martin Hengel,Otfried Hofius, Ulrich Mauser,RobertGuelich(t) undFriedrichMildenbergerund vom Austausch mit den an der Biblischen Theologie arbeitenden Kollegen vom Alten und Neuen Testament sowie der Dogmatik:Oswald Bayer, Otto Betz, Brevard S.Childs,KlausHaacker;Traugott Holtz,Hans Hbner, Bernd Janowski,Gisela Kittel,KlausKoch,Helmut Merk-lein,Ben F.Meyer,Hans-Peter Rger(t), HansHeinrichSchmid, Horst Seebass und Michael Welker. 2V gl. H.Gese,Hermeneutische Grundstze der Exegese biblischer Texte, in:ders.,Alttestamentliche Studien,1991, (249-265) 249. 14Anlage und Durchfhrung einer Biblischen Theologie dieFragenachihrerZusammengehrigkeitineinem christlichenKanonnurnochbeibesondererGelegenheit zuerrtern.DieseEntwicklungistebensoverstndlich wie bedauerlich.Verstndlich ist sie,weil esum eine wis-senschaftlicheArbeitsteilunggeht:DiehistorischeEr-forschungund theologische Durchdringung desAlten und Neuen Testamentssind in den vergangenen150 Jahren so ausgeweitet und spezialisiert geworden,daeinzelne For-scherpersnlichkeitenkaumodergarnichtmehrinder Lagesind,daskomplexeGanzeder Bibelwissenschaften zu berschauen und sowohl im Bereich desAlten alsauch desNeuen Testamentswissenschaftlich ttigzusein.Be-dauerlichist dieseEntwicklung,weilsiedasBewutsein frdieZusammengehrigkeit derbeidenTestamente im-merstrkerverkmmernltunddemirrigenEindruck Vorschubleistet,diebeidenTestamenteseienerstnach-trglichzueinemchristlichenKanonvereinigtworden undlieensichdortauchnurdurchdieKlammerder christlichenLehrezusammenhalten.Bedenkt manauer-dem,dadersog.TeNaK,d.h.dieausGesetz(Tara), Propheten (Nebi'im)und Schriften (Ketubim)bestehende HebrischeBibel, dieHeiligeSchrift desJudentumswar und ist,kannmanber jenen irrigenEindruckhinauszu derSchlufolgerungverleitetwerden,dadas(erst christlichsogenannte)AlteTestamentursprnglichund eigentlichdieBibelIsraelsund(erstundnur)dasNeue Testament dieBibel der Christensei.Man kann dannso-gardarbernachsinnen,obdie(Alte)Kirchedurchdie Bildung deszweiteiligenchristlichenKanonsnicht Israel seiner Bibel beraubt habe.So milich solche Fehlschlsse sind,sowenigltsichdieAufteilungderBibelwissen-schaft ineinealt- undneutestamentlicheDisziplin rck-gngig machen.Gilt dies,muman wenigstensenergisch darauf dringen,dasichbeideDisziplinen nicht ausden AugenverlierenundihregemeinsametheologischeAuf-gabe nicht versumen! Fr die christliche Theologie ist esdaher ander Zeit, sich auf die Tatsache zu besinnen,da Altes und NeuesTesta-ment vomAnfangderchristlichenKircheanaufsengste zusammengehrthaben.Der Zusammenhaltistsogro, daman das Zeugnis desNeuenTestamentsohne dasdes Anlage und Durchfhrung einer Biblischen Theologie15 Alten nicht angemessen verstehen kann und die Auslegung des Alten Testaments ohne Blick auf das Neueunvollstn-digbleibt.3 Die Besinnung auf diese Tatbestndeist mei-ner Generationdurch dieAlt- und Neutestamentler Leon-hard Goppelt, Gerhard von Rad, Walther Zimmerli, Claus Westermann und Hans-Walter Wolff sowie den Dogmati-kerKarlBarthzurPflichtgemachtworden,undesist nunmehranderZeit,Ergebnissevorzulegen,undzwar nichtmehrnurinFormvonErwgungenoderbloen Thesen,sonderneinerinhaltlichausgefhrtenBiblischen Theologie des Alten und Neuen Testaments. 1.Die Notwendigkeit der biblisch-theologischen Frage-stellung GehtmanvomNeuenTestamentaus,sindesvorallem vier Umstnde,diedazuntigen,dasAlteTestament bei der historischen Analyse und theologischen Auslegung der neutestamentlichen Texte von Anfang an mitzubedenken. 1.Der ersteundwichtigsteUmstandistder,daJesus von Nazareth und die von ihm erwhlten Apostel mit Ein-schludeserstnachOsternberufenenPaulusgeborene JudenwarenundalssolchederChristenheitvonUran-fanganAnteilanden HeiligenSchriften Israelsgegeben haben.Jesus und die Apostel haben zunchst die jdischen MnnerundFrauen,dieihrerBotschaftglaubten,und spter auch Heiden die Heilige(n)Schrift(en)(vgl.zum Begriff 2Makk8,23undRm1,2)lesengelehrtalsdas vomHeiligenGeisterfllteWortdeseinenGottes(vgl. 3V gl.H.Gese, Erwgungen zur Einheit der biblischen Theologie, in:ders.,Vom Sinai zum Zion,1974,11-30. Gese wird seit langem von B.S.Childsvorgeworfen,er konstruiereunzulssig einen Altes und Neues Testament verbindenden einheitlichen Traditionsproze und stufe damit dasAlte Testament nur alseine geschichtliche Gre der Vergangenheitein,stattseinefortdauerndeRolleim Kanonals vom Neuen Testament )>unabhngiges Zeugnis zu betonen (so zuletzt B.S.Childs, Biblische Theologie und christlicher Kanon, in:JBTh 3, 1988,[13-27]24).Eine Antwort auf diese(m.E.ganz unberechtig-ten) Vorwrfe gibt Gese in seinem Aufsatz:Der auszulegende Text, in:ders.,Alttestamentliche Studien (s.o.Anm.2), 266-282. 16Anlage und Durchfhrung einer Biblischen Theologie Dtn6,4),derdieWelterschaffen,IsraelzuseinemEi-gentumsvolk erwhltundseinenSohnJesus(vonNaza-reth)alsChristusin dieWeltgesandt hat,umJuden und Heiden zu erlsen.VonJesusund denAposteln her geh-rendieHeiligenSchriftennichtIsraelallein,sondern zugleich auchall denJudenund Heiden,dieanJesusals Herrnund Christus glauben. 2.Der zweiteUmstand ist der:Schon die literarisch l-testeFassungdeschristlichenBekenntnisses,dieunsim NeuenTestament berliefert ist,dasvonPaulusin1Kor 15,3b-5zitierteEvangelium,deutetdenTodunddie AuferweckungdesChristusnachdenSchriften(KUTcl TclSypuq)(1.s)alsdasvonGott gewirkteund unberbiet-bare Heilsgeschehen.Auch dasaltenarrative Summarium desEvangeliums in Apg10,36--43 lebt von seinem durch-gngigen Bezugauf dieSchriften.4 BeideTextemachen deutlich,da JesuPersonund Sendungsowieseine Pas-sion und AuferweckungchristlicherstvomZeugnisder Schriften her sachgem zu verstehen waren und sind. 3.DerdritteUmstand,derzubedenkenist,betrifft TextundUmfangderHeiligenSchriften.DieSchriften wurdenim1.Jh.n.Chr.vonJudenundChristenin He-brischsowieGriechischgelesenund - unbeschadetdes Vorrangsdeshebrischen Textesvor dem griechischen -in beiden Textformen fr inspiriert gehalten.5 Nach einem JahrhunderteandauerndeninnerisraelitischenTraditions-prozeistdieHebrischeBibelvom4.Jh.v.Chr.anin drei Schritten kanonisch fixiert worden: Zuerst wurde die Tora kanonisiert,im 2.Jh.v.Chr.folgtendiePropheten, whrend dieAbgrenzung desdiesog.Schriften enthal-tenden dritten Kanonteils biszum Ende des1.Jh.sn.Chr. (und darber hinaus)angedauert hat.6 Die Entstehungsge-4Vgl.G.N.Stanton, Jesus ofNazareth in New Testament Preach-ing,1974,70ff. 5Vgl. R.Hanhart, Die Bedeutung der Septuaginta in neutestament-licher Zeit, ZThK 81,1984, (395--416)397ff. 6Bei dieser Datierung folge ich H.Gese, Die dreifache Gestaltwer-dung des Alten Testaments, in:ders., Alttestamentliche Studien (s.o. Anlage und Durchfhrung einer Biblischen Theologie17 schichtederSeptuaginta flltindenselbenZeitraum:Im 3.Jh.v.Chr.hat man zunchst denPentateuch undetwas ~ p t e rauchdiePropheteninsGriechischebersetzt;die UbersetzungderSchriftenistabererstnachundnach erfolgtundhatsichbisindas2.Jh.n.Chr.hingezogen. Da die aus dem Hebrischen und Aramischen bersetzten Bcher noch umeineAnzahlvon jdisch-hellenistischen Lehr- und Erbauungsschriften(wiez.B.dieWeisheitSa-lomosunddas4.Makkaberbuch)ergnztwordensind, diekeinesemitischeVorlagehaben,umfatdieSeptua-gintamehrBcheralsdieHebrischeBibel.Obwohles auf jdischer Seite nieden Versuch gegeben hat,dieSep-tuaginta abschlieend zukanonisieren,hatsiefrdasan-tikeJudentumunddasUrchristentumgrteBedeutung gehabt.DieAusformulierungdesneutestamentlichen Christuszeugnissesistohnesienichtzudenken.7 Das NeueTestament und die Apostolischen Vter setzen auch Kenntnisund Lektre der Septuaginta vorausund zitieren deren Erbauungsbcher ebensoalsSchrift(ypaqnl)wie die Tora,diePropheten und diePsalmen (v gl.z.B.Jak1, 19 mit Sir 5,11[hebr.]; Mk 10,19 mit Sir 4,1[LXX]; Barn 19,2.9mit Sir 7,30[und 4,31]). AlsdiewesentlichenneutestamentlichenTraditionenge-bildet und die Hauptbcher desNeuen Testaments nieder-geschriebenwurden,warendieHebrische Bibel unddie SeptuagintavonJudenundChristenfraglosalsHeilige Schriftanerkannt,abersowohlderhebrischealsauch der griechische Bibelkanon waren an ihren Rndern noch offen.DieneutestamentlichenBcher sind alsonicht ei-nemlngstinsich feststehendenAltenTestamentgegen-Anm.2),1-28; H.P.Rger,Das Werden deschristlichen Alten Te-staments, in:JETh 3,1988,175-189. 7Zum Werdender Septuaginta vgl.R.Hanhart,Septuaginta,in: w.H.Schmidt /W.Thiel /R.Hanhart,AltesTestament,1989,176-196;M.Hengel,Die Septuaginta alsvon den Christen beanspruchte Schriftensammlung bei lustin und den Vtern vor Origenes, in:lews and Christians,hg.von J.D.G.Dunn,1992,39-84; M.Hengel(un-ter Mitarbeit von R.Deines), Die Septuaginta als>christliche Schrif-tensammlungLehrerhistorischenJesushistorischen JesusSchuleParakletenEndlichschliet die Offenbarung dann das ganze BibelbuchPetrus Amt< alsSohn Gottes besttigt hat, widersprechen die Zweifel, die die Irr-lehrer an der noch bevorstehenden Parusie des Christus uern (vgl. 2Petr 3,4),dem JesusvonGottselbst erteilten endzeitlichen Herr-schaftsauftrag.Gleichzeitig mideuten sie nach 2Petr1,20 mit ihrer eigenmchtigen kritischen Auslegung (l.8la ElTlAveJlS) das vom Geist erfllte prophetische Wort der Schrift, dessen christologische Bedeu-tung Gott selbst (vor den Augen und Ohren der drei Apostel) heraus-gestellt hat. Dagegen darf die von den Aposteln belehrte Gemeinde an der umstrittenen Parusierwartung festhalten, weil sie die Prophetie der Schrift nicht eigenmchtig,sondern im Sinne der von den Aposteln bezeugten Tradition liest und auslegt. Sie darf nach 2Petr 3,8-9 zudem aus Ps 90,4 (Denn tausend Jahre sind vor dir wie der gestrige Tag, der verging... )entnehmen,daGottdasEndgericht nurdeshalb noch zurckhlt, weil er in seiner gndigen Geduld allen Menschen Raum zur Umkehr lassen will. Auch die teilweise zwar recht schwie-rig formulierten,aber von gttlicher Weisheit erfllten Paulusbriefe legen, wenn man sie im Einklang mit der apostolischen Tradition liest, von dieser Geduld Gottes Zeugnis ab (vgl.Rm 2,4;3,25-26; 9,22-23;11,11-12), whrend die Unwissenden und Ungefestigten die u-erungen des Apostels ebenso wie die brigen Schriften (TUSAOL lTUS 'Ypacj>cis)zu ihrem eigenen Verderben verdrehen(2Petr 3,15-16). Die geisterfllte Prophetie der Heiligen Schriften und die von gttlicher Weisheit erfllten Paulusbriefesowie diebrigen Schriftenwerden also (nur) dann sachgem ausgelegt,wenn sie im Sinne der aposto-lischen Glaubenstradition verstanden werden. Der kanonischeProzeist im 2.Petrusbrief hnlichweit fortgeschrittenwiebei Justin,der inApol.1,67,3berich-tet,inderrmischenGemeindeversammlungwrden sonntagsneben denSchriften der Propheten die Erinne-rungenderApostel(Taa:rrollVTJIlOvdlllaTaTWVaTTo-O"TOA.wv),d.h.dieEvangelienverlesen,und im Anschlu daran werdevom Gemeindevorsteher eine Predigt gehal-ten.Schon in der ersten Hlfte des2.Jh.sn.Chr.gehren alsodieypaq,alYLaL,dieEvangelienunddiePaulus-briefe,zudenSchriften,dieindenfrhchristlichenGe-meindeversammlungen regelmig verlesen werden. Oder andersausgedrckt:Die genannten alt- und neutestament-lichen Schriften genieen kanonische Geltung. Der christliche Kanon,seine Mitte und seine Auslegung67 4.Verfolgt mandenkationischenProzeweiter,wurde dieZusammengehrigkeit vonAltemundNeuemTesta-ment in der Alten Kirchenur einmalgrundlegend in Fra-gegestellt,nmlichdurchMarcionundseineAnhnger-schaft in der Mitte des2.Jh.s.Seine Ablehnung des Alten Testaments konntesich aber gegenalleanderenGemein-den nicht durchsetzen.Fr sie ging es bis ins4.Jh.hinein (und lnger)nur noch um dieDoppelfrage,welchen Um-fangder zweiteilige christliche Kanon haben sollte. a)IndenKirchendesOstens,diestrkereVerbindung zum Judentum hattenalsdiedesWestens,wurden die22 Bcher deshebrischen Kanonsvon denApokryphen der Septuagintaunterschieden;dieeinenwurdenzumfesten BestandteildesbiblischenKanonserklrt,whrenddie nichtkanonisiertenSchriftennurals>Schulbcher Wort Wort< - sein Sohn genannt - im Namen Gottes auf verschiedene Weise von den Patriarchen geschaut, inden Propheten immerdar vernommen,zuletzt ausdem Geist und der Kraft desVaters in die Jungfrau Maria herabgestiegen, in ihrem Schoe Fleisch annahm und als Jesus Christus geboren ward, danach das neue Gesetz und die neue Verheiung des Himmelreiches verkn-digte, Wunder tat, ans Kreuz geschlagen wurde, am dritten Tage auf-erstand, in den Himmel entrckt wurde und sich zur Rechten des Va-tersgesetzt hat - anseiner Stelle sandte er dieKraft deshl.Geistes, der die Glubigen leitet - da er wiederkommen wird in Herrlichkeit, die Heiligen aufzunehmen in den Genu des ewigen Lebens und der himmlischenVerheiungunddieGottlosenzum ewigen Feuer zu verurteilen, nachdem beide Gruppen (Heilige und Gottlose) von den Toten auferweckt und fleischlich wiederhergestellt sein werden. 15Vgl.z.B.G.Maier,Biblische Hermeneutik,1990,174-178. 16Vgl.B.S.Childs,Biblische Theologie und christlicher Kanon, in:JBTh3,1988,13-27;ders.,BiblicalTheologyof theOldand New Testaments,1992. 70Der christliche Kanon,seine Mitte und seine Auslegung rigkeitennicht hinreichenddeutlich,dieentstehen,wenn mandasHeilshandelndeseinenGottesinund durchsei-neneingeborenenSohnimHeiligenGeist,dasdieBibel bezeugt,ausjeweilsselbstndigenalt- undneutestament-lichen Teilelementen zusammenzusetzen versucht. c)Schlielich geht esnicht an,dieMitte der Schrift auf den(genuinen)Paulinismuszureduzieren.17 Trotzihres reformatorischen Anstrichssteht dieseReduktionim Wi-derspruchzum SchriftverstndnisLuthersund der Refor- . matoren,dienirgendseiner isoliertenWertschtzungnur derPaulusbriefe(odergarnureinigerTeilevonihnen) dasWortgeredet haben.18 DieLehre desPaulusist in ih-rer theologischen Przision biblisch unvergleichlich,aber siekannundwillwedervomAltenTestamentabgelst werden,nochdarf mansiegegenberdemZeugnisder anderen Hauptbcher des Neuen Testaments isolieren oder verabsolutieren. 2.Versuchtman,diegenanntendreiFehlerzuvermei-den,istbeiderFormulierungderMittederSchriftdar-auf zuachten,dadie Aussagen zwei Bedingungen gen-gen: 'Siemssen umfassend genugsein,umdemZeugnis derHauptschriftendesAltenundNeuenTestamentsge-rechtzuwerden,aberauchhinreichendgenau,umdie schoninnerhalbderBibel(undseitherauchkirchlich) strittigesoteriologischeGrundfragezubeantworten,wel-chemGeschehensichderGlaubeanJesusChristusver-dankt und wasMenschenzuihrer endzeitlichen Errettung beizutragen vermgen und wasnicht. WagtmaneineinhaltlicheAussage,darf mansosagen: Der eineGott,der dieWeltgeschaffenund Israelzusei-nem Eigentumsvolk erwhlt hat,hat inder Sendung,dem Werk,demTodund der Auferweckung seineseingebore-nenSohnesJesusChristusein fr allemal genuggetan fr 17Vgl..Schutz,Die Mitte der Schrift,1976. 18AlsBeleg dafr braucht man nur zu verweisen auf dieAusfh-rungen Luthers zu der Frage Welches die rechten und edelsten B-cher des Neuen Testaments sind, die seine Vorrede zum September-testament von1522 abschlieen.Sie sind bequem zugnglich bei H. Bornkamm (Hg.), Luthers Vorreden zur Bibel,1967,140f. Der christliche Kanon,seine Mitte und seine Auslegung71 die Rettung von Judenund Heiden.JesusChristus ist Herr und HoffnungderganzenSchpfung.Wer anihnalsden Vershner und Herrn glaubt und seiner Weisung gehorcht, darf derTeilhabeanderHerrschaftGottesgewisein. UnterdenbiblischenTexten,diedieseMittebezeugen, sindnatrlicherweisezuerst neutestamentlicheBelegezu nennen:Joh11,25-26;14,6;lJoh 2,1-2;4,9-10;Rm1, 1-6;1,16-17mit3,21-31;ITim 2,5-6u.a.Siegehren aberunlslichzusammenmitalttestamentlichenSchrift-stellen wieEx 20,1-6;Dtn 6,4-5; Hos11,8-9; Jes7,9;9, 5-6;25,6-9;43,1-7;Jes52,13-53,12;Jer31,31-34;Ps 139,1-17; Spr 8,22-36 u.a.,weildie Aussagen desNeuen Testaments ohne dasalttestamentliche Fundament unvoll-stndig und mideutbar bleiben. 3.Die Einsicht,dadiechristliche Bibel nur eine Mitte hat,ermglicht es,das biblische Zeugnisdifferenziert auf dieseMittezubeziehen.Vonihr herltsichnichtnur erkennen,da Altes und Neues Testament gemeinsam den dreieinigenGott bezeugen,sondernvondiesemZentrum her ordnensich auch die biblischen Bcher in Haupt- und Nebenschriften. Diese Mitte erlaubt zudem, eine angemes-seneUnterscheidungzutreffenzwischendemindirekten ChristuszeugnisdesAltenTestamentsunddemdirekten desNeuen,zwischen Evangelium undGesetz,Segen und Fluch,Glaube und Unglaube. III.Die Auslegung der Heiligen Schrift Fr die Auslegung der Heiligen Schrift kommt es entschei-dend darauf an,dader von Hartmut Gese frdieExege-se biblischer Texte aufgestellte hermeneutische Grundsatz konsequentdurchgehaltenwird:EinTextistsozuver-stehen,wieer verstanden sein will,d.h.wie er sich selbst versteht.19Da dieTextederBibelalsinspirierteZeug-nisse behandelt werden wollen (s.u.), mu bei ihrer Inter-pretation der vom Alten und Neuen Testament gemeinsam 19H.Gese,HermeneutischeGrundstzederExegesebiblischer Texte, in:ders.,Alttestamentliche Studien,1991, (249-265) 249. 72Der christliche Kanon,seine Mitteund seine Auslegung bezeugte biblischeErkenntnisweggebhrendeBeachtung finden.2o 1.Dieser Wegverluft zwischenzweiPolen.Dererste Pol wird durch Israels Erkenntnistheorie in nuce21, Spr 1,7,markiert:DieFurchtdesHerrnistAnfangderEr-kenntnis:DasGeheimnisGottesbegrenzt und begrndet alle menschliche Wahrheits erkenntnis, und um sich selbst, dieWelt und Gott erkennenzuknnen,darf und sollsich der Mensch diesesGeheimnisvorgeben lassen.Den zwei-tenPolmarkierenGa14,9undlKor13,12:DieErkennt-nisdesMenschen durch Gott geht aller ErkenntnisGottes durchdenMenschenvoraus.Der Mensch kannGott und seine Wege nur insoweit erkennen, als Gott sich dem Men-schenzuerkennengibt.DerentscheidendeTestfallfr diesen Zusammenhang ist die biblischeOffenbarung(vgl. Jes6,1-10;Bar3,37;Mt11,27;2Kor 4,1-6;lKor12,3; Joh6,66-69):Die ErkenntnisderWahrheitdieser Offen-barungkann nur Gott erffnen undschenken;von Ez36, 25-27;Jer31,31-34;Joh16,13undlKor 2,16her kann man auch sagen: Die Erkenntnis der Offenbarung kann nur vom Heiligen Geist erffnete Erkenntnissein,diedasLe-ben mit und in dieser Wahrheit einschliet. Die hermeneu-tische Konsequenz dieses Sachverhalts lt sich in den Satz zusammenfassen:Man kanndieWahrheitderbiblischen TextenurergrndenundzurMittederSchriftnurvor-dringen, wenn man den biblischen Erkenntnisweg beachtet undgebhrend bercksichtigt,dadieseTexteinhaltlich vorallem(Offenbarungs-)Weisheitmitteilenwollen, de-ren Wahrheitsgehalt erst dann voll ermessen werden kann, wenn er anerkannt und gelebt wird (vgl.Joh 7,16-17). 2.Wirhabenbereitsherausgestellt,dadieneutesta-mentlichen Autoren die Heiligen Schriften fr inspiriert gehalten und im Geist desGlaubensausgelegt haben(vgl. 2Tim 3,16; 2Petr 1,20-21); die Inspirationsanschauung ist schonim NeuenTestament auf dasZeugnisJesu und der Apostel ausgedehnt worden.Warum und wie dasgeschah, 20Vgl.H.Diem,Ja oder Nein,1974,282-290. 21G.von Rad, Weisheit in Israel,1970,94. Der christliche Kanon,seine Mitte und seine Auslegung73 kann man am schnsten ausder johanneischen Lehre vom Geist-Parakleten, auslKor 2,6-16 und dem 2. Petrusbrief ersehen. NachJoh 14,26 und 16,13-15 sind Verkndigung und Werk Jesu erst vondem Zeitpunktanwahrhaft verstndlich geworden,da sievon dem Geist der Wahrheit in Erinnerung gerufen wurden, den Jesus nach seinem Weggang zum Vater gesandt hat. Joh 21,24-25 deutet an, da das ganze Johannesevangelium den Anspruch erhebt, Niederschlag solcher geistgewirkter Erkenntnis zu sein. Auch die Prophetie der Jo-hannesoffenbarunggiltalsGeschenk GottesundGabedesGeistes (vgl.Apk1,1.10), und eben deshalb darf sie weder ergnzt noch ver-krzt werden (vgl.Apk 22,18-20). - Unabhngig von Johannes bie-tet auch Paulus in1Kor 2,6-16 einen hermeneutischen Entwurf, der die Inspiration des apostolischen Zeugnisses betont: Whrend die j-dischen Archonten Jesus verkannt und deshalb den Herrn der Herr-lichkeitansKreuzgebracht haben(vgl.Apg3,17;13,27), hat der Apostel (nach seiner Berufung) kraft der Gabe des Geistes erkennen drfen,wer Jesusin Wahrheit ist,unddaessich beim Kreuzesge-schehenumGottesendzeitlicheRettungstatinunddurchChristus handelt. Indem Paulus den Geisttrgern in Korinth diese geistlichen Sachverhalte inWortendeutet,dieder Geist lehrt(lKor 2,13-14), gibt er ihnen die ihm gewhrteOffenbarungserkenntnis weiter,und andersals im Geist kannsie von den Adressaten auch nicht verstan-denwerden.22 Der 2.Petrusbrief geht nicht nur von der Inspiration deralttestamentlichenProphetie(vgl.1,21),sondernauchder von gttlicher Weisheit erfllten23 Paulusbriefe aus (vgl.3,15-16), und er zeigt auerdem, da man aufgrund dieser Anschauung Mastbe fr diesachgeme Auslegung der inspirierten Schriften (des Alten und Neuen Testaments) entwickelt hat (s.o.). 3.NachdemNeuenTestament lassensich dieauf Chri-stus weisendenHeiligenSchriften,dielesustraditionund dasapostolischeZeugnisnur dannsachgemauslegen, wenndieAusleger andemGeist partizipieren,derdiese Traditionen durchherrscht,und ihre Auslegung kann auch nurdannverstndigaufgenommenwerden,wennder GeistdieRezipientendafraufschliet.Damitstehtdie Schriftauslegung,diediebiblischen Textewirklichinter-pretierenwill,wiedieseselbstverstandenseinwollen, 22Vgl.P.Stuhlmacher, Zur hermeneutischen Bedeutung von lKor 2,6-16, TheolBeitr18,1987,133-158. 23Die Begabung mit Weisheit ist ein Inspirationsvorgang; vgl. Sir 39,6(und 24,30-34). 74Der christliche Kanon,seine Mitteund seine Auslegung unterdemVorbehalt,daerstundnurGottselbst durch ChristuskraftdesHeiligenGeisteseinsolchesVerstnd-nisder Schrift erffnen kann.Fr dieneutestamentlichen AutorenistdernatrlicheOrtsolcherSchriftauslegung dievomGeisterfllteGemeindeJesuChristi(v gl.1Kor 14,24-25;Eph2,19-22;4,4). 4.Da diese Zusammenhnge lngst gesehen und bedacht worden sind, ist die kirchliche Hermeneutik seit den Tagen derAltenKirchevondemGrundsatzausgegangen,da dieHeiligeSchriftindemGeistgelesenundausgelegt werdenmu,indemsiegeschriebenwurde24.Dieser Grundsatz ist auchvonLuther und denReformatoren be-jaht worden.25 5.DiewirklichdenTextenderBibelzugewandteund ihnen entsprechende Exegese hat nicht nur die Pflicht, auf diese ihr biblisch vorgegebenen hermeneutischen Mast-beundBefundeaufmerksamzumachen,sondernmu auchselbst denVersuch unternehmen,sichansie zu hal-ten.Versucht man dieszutun,kann esbeider biblischen Hermeneutiknicht nurundauchnicht inerster Linieum dieFragegehen,wiewirheutedieBibelverstehenund unsihreBotschaftaneignenknnen.Ehemansichdem Problem der Aneignung zuwendet, ist deutlich zu machen, dadieHeiligeSchriftselbst Mastbedafrentwickelt hat,wiesieinihren Einzelaussagenund insgesamt ausge-legt werden will: Die geisterjllten Texte der Schrift wol-lenim Geist ausgelegt werden. 24DeiVerbum m,12;zitiert nach:O.Semmelroth /M.Zerwick, Vaticanum 11berdasWortGottes,1966,79;derGrundsatzwird dortauf Hieronymus,InGal.5,19-21, Migne PL 26,445A zurck-gefhrt. 25Luther schreibt in seiner Assertio omnium articulorum M.Lu-theri per bullam Leonis X novissimam damnatorum von1520:Ich will nicht alsder gerhmt sein, der gelehrter alsalle ist,sondern ich will,dadieSchriftalleinKniginsei,und dasienicht ausgelegt werde durch meinen Geist oder den andrer Menschen sonst, sondern verstanden werdedurch sich selbst und ihreneignenGeist(WA7, 98,40-99,2;bersetzungnachE.Hirsch,HilfsbuchzumStudium der Dogmatik, 41964,85). Der christliche Kanon,seine Mitte und seine Auslegung75 a)Dasbedeutet methodisch,dadasbliche Ensemble historischerMethodenunddersielenkendehistorisch-kritische Zweifel gegenber aller geschichtlichen berlie-ferungnicht ausreichen,umdieWahrheitder biblischen Glaubensbotschaftzuergrnden.DiehistorischeKritik stelltnureinwichtiges(undm.B.auchunentbehrliches) Hilfsmitteldar,umsogenauwiemglichindiehistori-schen Dimensionen der biblischen Einzeltexte und Gesamt-traditionen einzudringen.Die Arbeit mit diesem Hilfsmit-telmuaber umgriffen werdenvon der Bereitschaft,sich dasGeheimnisGottesindenbiblischen Traditionenvor-geben zulassen(v gl.Spr1,7),und diese Bereitschaft er-wchst am besten ausder Erwartung,daGott sich durch die Schrift tatschlich zuerkennen gibt (vgl.Gal4,9).26 b)ArbeitetmanmitdenbiblischenTextenindiesem Rahmen,sind dieanalytischen Ergebnisseder Auslegung nicht daseinzige oder letzte, was biblische Exegese zusa-genhat,sondernsiedarf und mudieDimension nur hi-storischer Aussagenberschreiten undselbstzumWahr-heitszeugniswerden.Nurwennsieauchinhaltlichvon derOffenbarungdeseinenGottesinunddurchChristus spricht und sich dieser Offenbarung selbst unterstellt, kann 26V gl. K.Barth, Einfhrung in die evangelische Theologie, 21963, 193f (kursiv im Original):Biblisch-theologische Wissenschaft arbei-tet...nicht im leeren Raum,sondern im Dienst der Gemeinde Jesu Christi,diedurchdasprophetisch-apostolischeZeugnisbegrndet ist.Eben von daher tritt sie in der Erwartung - mehr ist nicht zusa-gen,aber auch nicht weniger! - andieseTexte heran:da ihr dieses Zeugnisin ihnen begegnen werde - wobeisiesichnun doch(eben darum geht esin demsog.>hermeneutischenZirkelDogmatischePneumatische< Exegese? Sicher nicht,sofern sie etwa aus irgend-einem ihr vermeintlich eigenen Geistbesitz heraus ber die Schrift ver-fgen zu knnen meinte. Sie mag aber so genannt werden, sofern sie sich die doch ausder Schrift selbst zu begrndende Freiheit nimmt, ernstlich, letztlich und entscheidend nur eben die Frage nach dem in ihr vernehmbaren Selbstzeugnis desGeistes an sie zu richten. 76Der christliche Kanon,seine Mitte und seine Auslegung dietheologischeExegesederSchriftdieMenschenauf dem Weg versammeln,den Gott in und durch Christuszu ihnen gegangen ist,umsie zum Glauben und zur Rettung zu fhren. 27 6.Unter diesen Umstnden stellt sich die christliche Aus-legung der Bibel ganz von selbst als eine Aufgabe dar, die weder von den Fachexegeten desAlten und Neuen Testa-mentsnochauch der wissenschaftlichenTheologieallein bewltigt werden kann.Sie ist eine gesamtkirchliche(und kumenische)Aufgabe.Man kannsienur unter derVor-aussetzunganpacken,dadasbiblische Wort Gottessich auseigenerAutorittherausGehrverschafft,undzwar ehedieTheologieansWerkgeht,undauchdannnoch, wenn sie mit ihrer Arbeit am Ende ist.28 Die Fachexegese des Alten und Neuen Testaments hat im Kreis der anderen theologischen Disziplinen nur diespezielle Aufgabe,An-waltderTextezusein,ihren historischen Ursprungs sinn herauszuarbeiten und sie gegen (alle mglichen Spielarten des)instrumentellenMibrauch(s)in Schutzzunehmen. AngesichtsdersichselbstauslegendenHeiligenSchrift bleibenaberalleFachexegetenmitsamtderTheologen-schaft und allen Christen nichts als beschenkte Bettler.29 27Vgl. P.Stuhlmacher,Geistliche Schriftauslegung?, in:Einfach von Gott reden, FS fr F. Mildenberger zum 65.Geburtstag, hg. von J.Roloff /B.G.Ulrich,1994,67-8l. 28F.Mildenberger, Biblische Dogmatik, Bd.1,1991,11-30 hat die Beziehung der wissenschaftlichen Theologie und Exegese zu der bereits im Gang befmdlichen Selbstauslegung der Schrift auf die ein-leuchtende Formel gebracht,diewissenschaftlicheTheologiehabe das Geschehen der einfachen Gottesrede kritisch zu begleiten. 29Vgl. Luthers letzten Zettel, WA.TR 5,318,2 (Nr. 5677). Gesamtberblick I.Der Stand der Arbeit Diegroenundbekannten TheologiendesNeuenTesta-ments, mit denen wir gegenwrtig arbeiten, sind zwischen 1953und1976 erschienen:1953lag diein dreiLieferun-generschieneneberhmteTheologiedesNeuenTesta-mentsvonRudolf BuItmannabgeschlossenvor.BuIt-mannsSchlerHansConzelmannhatseinenGrundri der Theologie des Neuen Testaments 1967 verffentlicht. 1969 erschien Die Theologie desNeuen Testaments nach seinenHauptzeugenvonWernerGeorgKmmel.1971 ist der erste (und einzige) Band der Neutestamentliche(n) TheologievonJoachimJeremiasgedrucktworden,der die Verkndigung Jesu zum Gegenstand hat.1974 erschie-nenATheologyoftheNewTestamentvonGeorge Eldon Ladd undEduard LohsesGrundriderneutesta-mentlichenTheologie.1975/76hatJrgenRoloffdie TheologiedesNeuen TestamentsseinesLehrersLeon-hard Goppelt postum herausgegeben,und zwischen1968 und 1976 ist die vierbndige Theologie des Neuen Testa-mentsvonKarlHermannSchelkleherausgekommen. AlledieseWerkedokumentieren,wieeine berhmteGe-nerationvonForscherndasNeueTestamenttheologisch verstanden hat,und sie sind mit Recht bisheute (in Nach-drucken und Neuauflagen) in Gebrauch. Seit 1990 setzen jetzt wieder neue zusammenfassende Ver-ffentlichungenzumThemaein,undsiewerdennolens volenswiederzurDokumentation,wiedieGeneration, die bei den eben genannten Autoren studiert hat, das Neue Testament theologisch versteht.DieseGeneration ist aber auchstarkbeeinflutwordendurchKarlBarthundhat beisoberhmten Alttestamentlern wieGerhard von Rad, HansWalterWolff undWaItherZimmerligelernt.Sie habenihrenStudentendenWunschmitgegeben,dieEx-78Gesamtberblick egeten desAlten und Neuen Testamentsmchtensich ei-nesTagesdaranwagen,wiedereinebeideTestamente bergreifende BiblischeTheologiezuerarbeiten.Deshalb drngt sich frdieneue Forschergeneration ein Thema in denVordergrund,dasindenTheologienihrerLehrer nur erst ansatzweise verhandelt worden ist:die Bedeutung des Alten Testaments frdasNeue und die Beziehung der bei denTestamentezueinanderindereinenchristlichen Bibel. Inzwischen liegen drei Theologien vor,diespeziell dieses Thema bearbeiten: Biblical Theology of the Old and N ew Testamentsvondem in NewHaven lehrendenAlttesta-mentlerBrevardS.Childs,dieauf dreiBndeangelegte Biblische Theologie desNeuen TestamentsdesGttin-ger NeutestamentlersHansHbner und meineeigene,in zwei Bnden erscheinende Arbeit mit demselben Titel. 1.Das1992erschieneneWerkvonBrevardS.Childs stelltdiereifeSummeeinerLebensarbeitdar,dieder theologischen Auslegung desAlten und Neuen Testaments inihrer kanonischenGestalt und im kanonischen Zusam-menhanggewidmetwar und ist.Childsist WaltherZim-merli theologischstark verpflichtet und hat esgewagt,ei-newirklich gesamtbiblischeTheologiezuschreiben.Mit groem theologischem Sachverstand und bewundernswer-ter Belesenheit behandelter nacheinandervierProblem-komplexe: zuerst biblisch-theologische Grundfragen, dann das besondere Zeugnis des Alten Testaments, anschlieend das besondere Zeugnis des Neuen Testaments und schlie-lichdiesichausbeidenTestamentenherausergebende theologische Lehre von Gott,seinem Bund,von Christus, der Vershnung,vonGesetzund Evangelium,vom Men-schen,vomGlauben,vonderHerrschaft Gottesundvon derEthik. a)ChildsgehtindiesenSchritten vor,weilnachseiner SichtderzweiteiligechristlicheKanonausAltemund NeuemTestamentinfolgendengeschichtlichenEtappen entstandenist:Nachdemdiegroenalttestamentlichen Traditionscorporaschoneinen jahrhundertelangenkano-nischenProzedurchlaufenhatten,sindsievom4.Jh. v.Chr.anzumKanonderHebrischenBibelerhoben Gesamtberblick 79 worden,derausTora,ProphetenundSchriftenbesteht. Er lagschon im 2.Jh.v.Chr.fertigvor und ist nachund nachauchinsGriechischebersetztworden,wobeiaber derhebrischeTextgegenberdemgriechischenstets den normativen Vorrang behielt.Die ausdiesem berset-zungsproze hervorgegangene Septuaginta hat daher nicht dieselbekanonischeQualittwiederhebrischeKanon. Nach einer etwa 200 Jahre andauernden Zeit zwischen den Testamentensetztinder erstenHlftedes1.Jh.sn.Chr. aufgrundderOsterereignissedieneutestamentlicheTra-ditionsbildungein und durchluft ihrerseitseinen kanoni-schen Prozevon etwa hundert Jahren.Er wird von zwei Impulsen getragen:von dem Gewicht desChristusgesche-hens und dem Licht,dasdie Heiligen Schriften (desAlten Testaments)auf diesesGeschehenwerfen,wenn man sie christologischauslegt.WhrenddasJudentumnachdem ScheiternderbeidenAufstndegegenRomdieSeptua-gintaabgestoenunddieHebrischeBibelabschlieend fixiert hat, hat die Alte Kirche den zweifachen Impuls der neutestamentlichenTraditionsbildungaufgenommenund dieSchriftender HebrischenBibelmitden27Bchern desNeuenTestamentszudemzweiteiligenchristlichen Kanonverbunden.ImOstensinddiesog.Septuaginta-ApokryphenausdiesemKanonausgeschlossenworden, whrend sie im Westen zu ihm hinzu gerechnet wurden. b)WerdenzweiteiligenchristlichenKanonnichtnur historisch-kritisch(und entsprechendsubjektiv)analysie-ren,sonderntheologischinterpretierenwill,munach Childssowohlvonder kanonischenTextgestaltalsauch AnordnungderbiblischenBcherausgehen.Nachdem DurchgangdurchdasjeweilsselbstndigeZeugnisdes AltenunddesNeuenTestamentshaterdanndieLehre beider Testamente in einem Elementarentwurf christlich-biblischer Dogmatik zusammenzudenken.Childs vollzieht alledieseArbeitsschritteselbst,undmankannseinem profundenWerk nurvieleundnachdenklicheLeser und Leserinnen wnschen,diesich von ihm zur theologischen Auslegung der ganzen Heiligen Schrift anleiten lassen. 2.Von der Biblischen Theologie desNeuen Testaments, die Hans Hbner erarbeitet, liegen bisher zwei Bnde vor: 80Gesamtberblick DerersteBandist1990erschienenundbehandeltunter demUntertitelProlegomenaausfhrlichdietheologi-schenGrundproblemeeinerBiblischenTheologie.Der zweiteist1993herausgekommenundhatdieTheologie des Paulus und ihre neutestamentliche Wirkungsgeschich-tezum Gegenstand.Sieist frHbner dasHerzstck der BiblischenTheologiedesNeuenTestaments.Dernoch ausstehendedritteBandsolldierestlichen neutestament-lichen Zeugen behandeln und dasganze Werk zusammen-fassen.Schon jetzt ist jedoch sichtbar,dasichHbners Biblische Theologie grundlegend von dem Werk unter-scheidet,dasChildsvorgelegt hat.Er bearbeitet nur das NeueTestament,whlteinenganzanderenAnsatzpunkt alsChilds,bewertet die Septuaginta andersalsdieser und verfolgtaucheineanderetheologischeInterpretationsab-sicht. a)Fr Hbner liegtderentscheidende Ansatzpunkt fr eineBiblischeTheologiedesNeuenTestamentsinden zahlreichenZitatenausundAnspielungenaufalttesta-mentliche Texte,diesehr vieleneutestamentliche Bcher durchziehen.WeilindiesenZitatenundAnspielungen abernureineAuswahlalttestamentlicher Texteinterpre-tiert wird,unterscheidet er dasVetusTestamentum per se vondemVetusTestamentuminNovoreceptum.Erge-winntdamitdieMglichkeit,zwischenderHebrischen BibelundihrernurpartiellenchristlichenRezeptionzu differenzierenundkannvondieserBasisaussogarkri-tischfragen,obundinwiefernderGottderHebrischen Bibel auch der Gott desNeuen Testamentssei(s.u.).Mit diesem Vorgehen stellt sich Hbner gegen den>canonical approachchristliche Schriftensamm-lunger-kenntnistheoretisch< gemeinte!) Maxime aus Spr 1,7 hoch-zuhalten:DieFurcht desHerrnistAnfangderErkennt-nis.Andersformuliert:DietheologischeExegeseder HeiligenSchriftdarf undmusichdasGeheimnisdes WirkensGottes fr dieMenschheitinund durchChristus vorgeben lassen.SofernsiesichdieseVorgabegefallen lt,ist sie - wiealleTheologie,diesichvonKarl Barth her versteht - nachderschnenFormulierungvonErnst Fuchsgewrdigt ... ,GottesWegzudenMenschenmit-zugehenund dabeidieMenschenauf diesemWegGottes zuversammeln.l0 b)DasVerhltnisder heidenTestamente in der christli-chen Bibel bestimmtsich von zweiVoraussetzungen her: erstens der Tatsache, da Jesus und die von ihm erwhlten Apostel ebenso wie Paulus geborene Juden waren und der 9V gl. H.Gese, Hermeneutische Grundstze der Exegese biblischer Texte, in:ders.,Alttestamentliche Studien,1991,249-265. 10Zitiert nach H.Diem, Ja oder Nein,1974,290. Gesamtberblick85 ChristenheitbleibendenAnteilandenHeiligenSchrif-ten(desAlten Testaments) gegeben haben,und zweitens dem komplexen kanonischen Proze,dem dashebrische AlteTestament,dieSeptuaginta unddasNeueTestament entstammen(s.o.).ErfindetseinZielinder Feststellung des zweiteiligen christlichen Kanons im 4. Jh. n.Chr. durch dieAlteKirche.DastheologischmageblicheZentrum dieses Kanons ist das Zeugnis vom Heilshandeln Gottes fr Judenund Heideninund durchChristus.Dieses Zeugnis hat alt- und neutestamentliche Wurzeln,ist aber untrenn-bar eins,weil dereineGott,der dieWeltgeschaffenund IsraelzuseinemEigentumsvolkerwhlthat,inseinem eingeborenenSohnJesusChristus frdasHeilderWelt ein fr allemal genuggetan hat. c)VondiesemZeugnisherbestimmtsichdieAufgabe einer Biblischen Theologie des Neuen Testaments: Sie daif und soll vondenneutestamentlichenTextenher denWeg Gottes zudenMenscheninund durchChristus aufzeigen. DieserWegbeginntmitderSchpfung,durchluftdie ganzeErwhlungsgeschichteIsraels,gewinntseinenH-hepunkt in der Sendung,Passion und Auferweckung Jesu undfhrtauf dasReichGotteszu,dasdererhhteChri-stusherauffhrensollundwird.Diegeschichtlich-kon-kreteNachzeichnungdesapostolischenZeugnissesvon diesem Weg ist nur mglich,wenn man nicht nur den Zi-taten alttestamentlicher Bcher und den Anspielungen auf sie im Neuen Testament nachgeht, sondern die Traditions-bezgezwischenbeidenTestamentenbisindiegemein-same Sprach- und Vorstellungswelt auslotet.Sie erfordert auerdem eine vonden Evangelien ausgehendemglichst genaueRekonstruktionderSendungJ esu,seiner Passion undAuferweckungsowiedieeingehendeDarstellung der EntstehungundEntfaltungderChristusbotschaftdurch dieneutestamentlichen (Haupt-)Zeugen.AmSchlumu sie einmnden in eine Skizze der Ausbildung deszweitei-ligenchristlichenKanonsunddieFragenachseiner theologischen Bedeutung frdieKirche.Da die biblische (Fach-)ExegeseeingebettetistindasGanzederwissen-schaftlichen Theologie,musie zuerst und vor allem An-waltderbiblischenTextesein,wiesieihr im biblischen Kanonvorgegebensind;siedarfundmudasZeugnis 86Gesamtberblick dieser Textenachsprechen undeine theologische Summe darausziehen,aber sie braucht nicht auch noch dieganze Aufgabe der Dogmatik zu bernehmen. Sie sollte sich des-halbauchnichtanheischigmachen,unterweitgehender AusblendungderWirkungs- undAuslegungsgeschichte derHeiligenSchriftunddifferenzierterdogmatischer Fragestellungen dieBedeutung der Bibeltexte frdieGe-genwart im existential-analytischen Alleingangaufschlie-en zu wollen. H.Die inhaltlicheDurchfhrungll Versuchtman,dieseGrundstzeumzusetzen,sollteman sich von neutestamentlicher Seite her auf den Entwurf ei-ner Biblischen Theologie desNeuen Testaments,diezum AltenTestamenthinoffenist,beschrnkenunddarauf hoffen, da umgekehrt auch vom Alten Testament her eine zum Neuen Testament hin offene Biblische Theologie des Alten Testamentsentworfenwird.Ein einzelner Autor ist heute kaum mehr inder Lage,dieForschungssituation in der alt- und neutestamentlichen Disziplin zu durchschauen, und je weiter dasArbeitsfeld ist,daser sich whlt,umso dilettantischer muer in vielenFragen urteilen.Dasaber ist der zu bewltigenden Aufgabe abtrglich. 1.Eine Biblische Theologie des Neuen Testaments sollte einsetzen bei der Darstellung der Verkndigung Jesu nach dem Zeugnis der Synoptiker, weil auf diese Weise deutlich wird,dasichderchristlicheGlaubedemihmvorange-hendenHeilshandelndeseinenGottesinderSendung, dem Werk,derPassionundderAuferweckungJesuvon Nazareth verdankt(vgl.Rm5,6-8). a)In den vergangenen dreiig Jahren ist durch Forscher wieE.Earle .Ellis,BirgerGerhardsson,MartinHengel, HeinzSchrmannundRainerRiesnerherausgearbeitet 11Da im folgenden zusammengefat wird, was in den voranstehen-denVorlesungenzur VerkndigungJesu,zum ZeugnisdesPaulus und der johanneischen Schule gesagt wurde, kann auf Anmerkungen verzichtet werden. Gesamtberblick87 worden, da das Zeugnis der synoptischen Evangelien auf einer Schultradition fut,dievon Jesusselbst begrndet, vondenJngern bzw.Schlern Jesu( ~ a e T ) T a L )sorgsam bewahrtundandieUrgemeindeweitergegebenwurde, die im Kernanfnglich ausebendiesen~ a e T ) T a Lbestand (v gl.Apg1,13-14).AufgrunddiesesTraditions- und Personenkontinuums ist das Jesuszeugnis der synoptischen berlieferunghistorisch viel verllicher,alsweithin an-genommenwird.DerirdischeJesusund dervondieser berlieferungbezeugteChristussindnahezudeckungs-gleich. b)Das Markusevangelium willnach Mk1,1JesusChri-stusalsdenSohnGottesbezeugen.Diesentspricht durchausdemSeinundderAbsichtdesirdischenJ esus, dersichnachLk10,21-22 par Mt11,25-27alsSohn seineshimmlischenVatersverstandenhat.Diemarkini-schePassionsgeschichtegibt klarzuerkennen,daJesus umdesAnsprucheswillen,dermessianischeGottessohn zusein(vgl.Mk14,61-62 par),verurteilt und gekreuzigt worden ist.Er hat diesen gewaltsamen Tod in der Gewi-heit auf sich genommen,der vop Gott gesandte messiani-sche Knecht zu sein, der mit seinem Leben ein fr allemal ShnefrIsrael(unddieHeidenvlker)zuleistenhat; wiedieAnalysevonMk10,45par und14,24parzeigt, habendieGottesworteausJes43,3-4und52,13-53,12 Jesus zu diesem Todesverstndnis gefhrt. Die Entdeckung desleeren Grabes und die Erscheinungen Jesuvom Him-melhervordenvonGottvorherbestimmtenZeugen (Apg10,41)habenPetrusundandereJesusjngerdie umstrzende Erkenntniserffnet,daGott Jesusvonden Toten auferweckt und zum Herrn und Christus gemacht habe(Apg2,36).SiehabendaraufhindieUrgemeindein Jerusalembegrndet,dortdieJesustraditiongesammelt undsodenGrund frdasGeschichtszeugnisgelegt,das schlielich in Gestalt der synoptischen Evangelien auf uns gekommen ist. 2.Das ZeugnisdesApostelsPaulusist biblisch-theolo-gisch von ganz besonderem Gewicht. a)DerSchlsselzurVerkndigungundTheologiedes Paulusliegt inder BerufungdesChristenverfolgerszum 88Gesamtberblick ApostelJesuChristivorDamaskus(vgl.Gal1,1.15-16; 2Kor 4,5-6;Rm1,1-5).DiesesEreignisntigtePaulus zueinerdreifachenErkenntnis:DergekreuzigteJesus wurdevonGottselbsteingesetztzumSohnGottesin Macht aufgrundder AuferstehungvondenToten(Rm 1,4);Paulusselbsthatte- indem er inseinemmilitanten Eifer frdasGesetz(vgl.Gal1,14)die jungeGemeinde JesuChristiverfolgte - fundamentalgegenGottesHeils-absichtinChristusverstoen;trotzdemwarer begnadigt und gewrdigt worden,alsApostel JesuChristidasChri-stusevangeliumzuverkndigen(vgl.1Kor15,9-10).Seit dieserErfahrungkonnteundmutePaulusverkndigen: Gott hat seinen eigenen Sohn fr Juden und Heiden in den TodgegebenundzumZweckihrerendzeitlichenGe-rechtsprechungauferweckt(vgl.Rm4,24-25mitJes 53,10-12);deshalbknnen und sollen sie trotzaller ihrer Snde undGottesferne kraftder Frsprachedeserhhten ChristusvorGottesendzeitlichemRichterthrongerecht-fertigtwerden,undzwar(allein)ausGlauben,ohne Werke desGesetzes(vgl.Rm 3,28und 8,34). b)Nach2Kor5,21;Rm3,21-26 und10,3-4sinddie Christologie desApostelsundseineRechtfertigungslehre (fast)identisch.Beide Malegeht esum die Durchsetzung derHeilundWohlordnungschaffendenGerechtigkeit Gottes(8LKaLOCJUVllSEOU)inunddurchChristus.Die paulinische LehrevonChristus,derdenGlaubendenvon GottzurGerechtigkeit,HeiligungundErlsunggesetzt ist(vgl.1Kor1,30), -gewinntdamitdieumfassendeWei-te,diedieSchler desPaulusim Kolosser- und Epheser-brief mitdemStichwortHeilsplanGottes(OLKOVOf1La TaUSEaU)zuerfassensuchen(vgl.Ko11,25;Eph 1,10;3, 2.9):Der eineGott,derdieWelt erschaffen und Israel zu seinemEigentumsvolkerwhlthat,hatdurchseinePro-pheten das Kommen des Messias angekndigt. Als die Zeit erfllt war,hat erseinen(prexistenten)Sohn in dieWelt gesandt(Gal4,4).DerVerheiungvon2Sam7,12-14 gem ist dieser Sohn ausder Sippe Davids hervorgegan-genundhatdenOpfergangangetreten,derihnandas Kreuz auf Golgatha brachte. Nach seiner Grablegung wur-deeramdrittenTagevondenTotenauferweckt undzur RechtenGotteseingesetztzumSohnGottesinMacht Gesamtberblick89 (Rm 1,4); in ihm und durch ihn ist Juden und Heiden das endzeitlicheHeilverbrgt(Rm3,21-26.30).Ermu aber seine himmlische Herrschaft solange ausben,biser alleFeindeGottesberwunden und der Herrschaft Gottes dieBahngebrochenhat(lKor15,25).WennamEnde der TageallevonGott dazubestimmten Heidenvlker in dieHeilsgemeinde JesuChristieingegangen sind,wird er selbstvomZionhererscheinen,umauchganzIsrael vomUnglaubenzuerlsen(Rm11,25-31).Dann(erst) wird die Zeit der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes inmitten dervonderNichtigkeit befreiten Schpfungan-brechen (vgl. Rm 8,20-21;lKor 15,26). Es ist unschwer zu erkennen, da die Strukturen dieses Heilsplans den Hei-ligen Schriften entnommen sind und dieChristologie des ApostelsimSinnederendzeitlichenErfllungdermes-sianischen Verheiungen verstanden werdenwill. 3.Neben densynoptischen Evangelien und den Paulus-briefen gehren diejohanneischen Schriften zu den Haupt-bchern desNeuen Testaments. a)Obwohl sich nur noch in Umrissen klren lt, ob und inwieferndieJohannesoffenbarung,diedreiJohannes-briefe und dasJohannesevangelium der (kleinasiatischen) Schuledes(Presbyters)Johanneszugehren,kannkein Zweifeldaranbestehen,daihr biblisch-theologisch ent-scheidenderBeitraginderAusbildungderLogos-Chri-stologieliegt.Siewirdvondiesen Bchern indreifacher Form bezeugt: a)Die traditions geschichtlich ltesteSchicht liegt wahr-scheinlichvorinderapokalyptischenBeschreibungdes erhhten Christus aus Apk 19,11-16(-21), der an der Spit-zederhimmlischenHeerscharenerscheint,umdiesich gegenGott auflehnenden Heidenvlker niederzukmpfen. SeinNameist6AOYOSTOUElfOU(Apk19,13).Erheit so,weiler den gerechten Willen Gottesmit dem Schwert seines Mundes gegen dieGottesfeinde durchsetzt (vgl.Jes 11,4). )InlJoh1,1wirdderprexistenteChristus,dervom VaterausgegangenundaufErdenerschienenist,das Wort desLebens(6AOYOSTf)S(wf)s) genannt.Er heit deshalbso,weilerdas(ewige)Lebenerschliet unddas 90Gesamtberblick ZentrumderBotschaftausmacht,dieJohanneszuver-kndigen hat. y)Die wirkungsgeschichtlich wichtigsteSchicht der Lo-gos-Christologieliegt vor in Joh1,1-18,demProlog des Johannesevangeliums.IndemChristushymnus,derdem Prologsehrwahrscheinlichzugrundeliegt,wirdChri-stuseinfachdasWort(6AOyoS)genannt und mit dem SchpferwortGottesgleichgesetzt.DerChristustitelbe-sagt,daGottsich der Welt alsSchpfer und Erlser nur inunddurchseineneingeborenenSohnmitteiltunddie Welt Gott nur in unddurchdiePersondiesesSohnesbe-gegnenkann(vgl.1,18mit14,6).Daschristologische HauptinteressedesHymnusliegtbeiderBetonungder Wesenseinheit von Gott und dem Logos und dem Bekennt-niszuseiner Inkarnation.Diehochentwickeltetheologi-sche Reflexion der johanneischen Schule zeigt sich in Joh 1,1-18daran,daderChristushymnuszueinemdreitei-ligenPrologzum 4.Evangeliumausgestaltetwordenist, indemauf dieunterschiedlicheAufnahmedesLogosin derWeltabgehobenwird:In Joh1,1-5werdenSein und WirkendesLogosvor,bei und nachder Erschaffungder Welt beschrieben.1,6-8 fhrt Johannesden Tufer alsir-dischen Vorlufer des Logos ein, dann wird in zweifacher WeisevomKommendesLogosin dieWelt berichtet:1, 9-13handeltvonseinerErscheinungund Abweisung in derWelt,dieprototypischvonIsraelvertretenwird;nur einekleineMinderheiterkenntinihmdenOffenbarer undgewinntdurchihndieGotteskindschaft(vgl.1,12-13).In1,14-18ist dannvonderErscheinungund Aner-kennungdesLogos inder Welt durchdieGlaubenden die Rede.Siebekennen,daerFleischwurde,unterihnen Wohnung nahm und im Unterschied zu Mose wirklich die GnadeundHerrlichkeitGottesoffenbarthat.Nachdem Johannesprolog ist die Erscheinung des Logos in der Welt alsoein Heilsgeschehen,daszur Scheidung von Licht und Finsternis,GlaubeundUnglaubefhrt.IndemdieGlau-benden denLogosin1,14-18 im Wir-Stil bekennen,wird die Grenze zwischen seinem vorsterlichen und nachster-lichenWirkendurchstoenundeinGrundzugder johan-neischenChristologieberhauptsichtbar:DasEvangeli-umbezeugtnichtnurdieHeilstatenunddieGeschichte Gesamtberblick91 Jesu,sondernauchundvorallemdenerhhtenChristus, der durchseinen Geist und dieVerkndigungseiner Zeu-geninderWeltgegenwrtigist.Auf dieseWeisesollen Menschen aller ZeitenzumGlaubenandenLogosange-leitetwerden,derdasewigeLebenempfngt(v gl.Joh 20,31). ur.Ergebnis DasChristuszeugnisderPaulusbriefeundderJohannes-schriften istsehr unterschiedlichformuliertund hat doch einegemeinsameAussagerichtung:Gottoffenbartsich derWeltnurinunddurchseinenSohnJesusChristus; nurdurchdenOpfergangunddieAuferweckungdieses Christuswird Juden undHeiden dasendzeitliche Heiler-ffnet;dereinzigeWegzudiesem Heil besteht im Glau-benan ihn,und dieser Glaubeumschliet sowohl dasBe-kenntniszuJesusalsHerrnalsauchdieErfllungseiner Weisung(vgl.GaI5,6;lJoh 4,7-10; Joh13,34-35). IV.Ausblick ImNeuenTestamentwerdendieHeiligenSchriften(des AltenTestaments)alsvom Heiligen Geist inspirierte Pro-phetie angesehen, die auf Gottes endzeitliches Heilshandeln in unddurchChristushinauszulegen ist(vgl.Rm15,4; 2Tim 3,16;Hebr 3,7;10,15u.a.);der Schlssel zuihrem VerstndnisistdasEvangeliumvonJesusChristus,in demsichGottabschlieendoffenbart(vgl.Rm1,1-6; IPetr 1,10-12;Hebr 1,1-2).Alsin nachapostolischer Zeit dieEvangelienherausgegeben,dieJohannesoffenbarung fixiertunddiePaulusbriefegesammeltwurden,istdie Inspirationsanschauungauchauf dieneutestamentlichen Bcherausgedehntworden(vgl.Joh21,24;Apk22,18-19;2Petr1,20-21;3,16).Seitdem2.Jh.n.ChT.bilden sie zusammen mit den ypacpa'LYLaLdenzweiteiligen Ka-non der christlichen Bibel.Sie knnen und wollen dasAl-teTestament nicht ersetzen, bezeugen aber dieendgltige undabschlieendeOffenbarungGottesin J esusChristus 92Gesamtberblick undgeben an,wiedieHeiligen Schriftenauf dieseOf-fenbarungzubeziehen sind. Da beide TeiledesKanonsvomHeiligenGeist inspiriert sind,istdiekirchlicheHermeneutikseitdenTagender AltenKirchevon demGrundsatzausgegangen,dem auch dieReformatorenbeigepflichtethaben,dadieHeilige Schrift indemGeistgelesen undausgelegtwerdenmu, indemsiegeschriebenwurde.12DieserGrundsatzgilt biszurStundeundverdientbesondersdannhermeneuti-scheBeachtung,wennman eineBiblischeTheologiedes NeuenTestamentszuerarbeitenversucht,inderdiebi-blischen Texte so interpretiert werden sollen, wie sie selbst ausgelegtwerdenwollen,nmlichalsgeisterfllteZeug-nissevondemWeg,denGottinunddurchChristuszu denMenschengegangenist,umsiezusichzurckund damit zum Heil zu fhren.Indem sie diesen Weg darstellt, legt die Biblische Theologie des(Alten und)Neuen Testa-ments den Grund frdasGlaubenszeugnisder Kirche. 12Dei Verbum m,12 (s.o.S.62,Anm.24). Literatur zur Biblischen Theologie 1 .Allgemeine Literatur Biblisch-theologische Studien,hg.vonFerdinand Hahnu.a.,Neu-kirchen-Vluyn1977ff Horizonsin Biblical Theology.An International Dialogue,hg.von Ulrich Mauser u.a., Bd.1-16, Pittsburgh1979-1994 JahrbuchfrBiblischeTheologie,hg.vonIngoBaldermannu.a., Neukirchen-Vluyn 1986ff - Bd.1 (1986): Einheit und Vielfalt Biblischer Theologie - Bd.2 (1987): Der eine Gott der beiden Testamente - Bd. 3 (1988):Zum Problem des biblischen Kanons - Bd. 4 (1989):Gesetz als Thema Biblischer Theologie - Bd.5 (1990):Schpfung und Neuschpfung - Bd. 6 (1991): Altes Testament und christlicher Glaube - Bd.7 (1992):Volk: Gottes, Gemeinde und Gesellschaft - Bd. 8 (1993):Der Messias - Bd. 9 (1994):Snde und Gericht Oeming, Manfred,Gesamtbiblische Theologien der Gegenwart.Das Verhltnis von AT und NT in der hermeneutischen Diskussion seit Gerhard von Rad, Stuttgart u.a.(1985) 21987 Schmid, Johannes H.,Biblische Theologie in der Sicht heutiger Alt-testamentler.Hartrnut Gese - Claus Westermann - Walther Zim-merli - Antonius Gunneweg, Gieen/Zrich 1986 2.Altes Testament Childs, Brevard s., Biblical Theology of the Old and New Testaments: Theological Reflection on the Christian Bible, London 1992 Gese, Hartmut, Alttestamentliche Studien, Tbingen 1991 - Vom Sinaizum Zion:Alttestamentliche Beitrge zur biblischen Theologie, Mnchen (1974) 31990 - Zur biblischen Theologie. 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