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    06-Mar-2018
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  • Bundespsychotherapeutenkammer (Hrsg.)

    10 Tatsachen zur Psychotherapie

    BPtK-Standpunkt

  • 2

    Seite

    Tatsache 1 Psychische Erkrankungen sind hufiger als allgemein bekannt ........................................................ 03

    Tatsache 2 Psychische Erkrankungen sind objektiv und zuverlssig zu diagnostizieren ............................. 04

    Tatsache 3 Psychotherapie ist nachweislich wirksam ........................................................................................................ 07

    Tatsache 4 Patienten ziehen Psychotherapie einer Pharmakotherapie vor .......................................................... 11

    Tatsache 5 Patienten in ambulanter Psychotherapie sind krank .................................................................................. 12

    Tatsache 6 Psychisch kranke Menschen erhalten zu spt eine Behandlung oder gar keine ..................... 17

    Tatsache 7 Psychotherapie spart mehr Ausgaben, als sie selbst verursacht ....................................................... 19

    Tatsache 8 Psychotherapeuten behandeln so lange wie notwendig ........................................................................ 22

    Tatsache 9 Psychotherapeuten erfllen ihre Versorgungsauftrge ........................................................................... 25

    Tatsache 10 Psychotherapie ist ein attraktives Berufsfeld .................................................................................................. 29

    Literatur ....................................................................................................................................................................................................... 31

    BErBlick

    Impressum

    Herausgeber Bundespsychotherapeutenkammer Klosterstrae 64, 10179 Berlin T: 030 278785-0 F: 030 278785-44 info@bptk.de www.bptk.de

    Umsetzung KomPart Verlagsgesellschaft GmbH & Co. KG, Berlin

    Grafik Sybilla Weidinger, Dsire Gensrich (KomPart)

    Stand April 2013

  • 3TATSAchE 1

    Tatsache 1

    Psychische Erkrankungen sind hufiger als allgemein bekannt

    Zusammenfassung: In Deutschland leidet mehr als jeder vierte Erwachsene innerhalb eines Jahres an einer psychischen Erkrankung. Damit liegt Deutschland im europischen Mittelfeld.

    Psychische Erkrankungen in DeutschlandDer Bundes-Gesundheitssurvey beziffert die Jahrespr-

    valenz psychischer Erkrankungen auf 31 Prozent (Jacobi

    et al., 2004). Erste Auswertungen der Nachfolge-Studie

    DEGS besttigen diese Ergebnisse (Wittchen et al.,

    2012a, 2012b; Jacobi et al., in press). Mit 28 Prozent

    fllt die Hufigkeit psychischer Erkrankungen in Deutsch-

    land unter zustzlicher Bercksichtigung der lteren

    Bevlkerung (66- bis 79-Jhrige) etwas geringer aus.

    Im europischen VergleichIm europischen Vergleich liegt die Hufigkeit psychi-

    scher Erkrankungen in Deutschland im Mittelfeld. Die

    Prvalenz psychischer Erkrankungen in der erwachse-

    nen Bevlkerung (18 bis 65 Jahre) in Europa wird auf 27

    Prozent geschtzt (Wittchen & Jacobi, 2005). Neuere

    Studien, die sich auf die Gesamtbevlkerung beziehen

    (inklusive Kinder und Jugendliche sowie ltere Men-

    schen) und ein noch breiteres Spektrum psychischer

    Erkrankungen (unter anderem inklusive dementieller

    Erkrankungen, Persnlichkeitsstrungen, geistiger Be-

    hinderung) bercksichtigen, ergeben eine Jahresprva-

    lenz psychischer Erkrankungen von 38 Prozent in der

    europischen Bevlkerung (Wittchen et al., 2011).

    Kinder und JugendlicheBei Kindern und Jugendlichen liegt die Hufigkeit psychi-

    scher Erkrankungen vermutlich etwas niedriger. Nach

    einer Meta-Analyse von Barkmann & Schulte-Markwort

    (2010) auf Basis von 33 internationalen epidemiologi-

    schen Studien der vergangenen 50 Jahre wiesen im

    Durchschnitt 18 Prozent der Kinder und Jugendlichen in

    diesem Zeitraum eine psychische Strung auf. Die Pr-

    valenzen schwanken zwischen den Studien stark und

    reichen von zehn bis ber 30 Prozent.

    1Epidemiologie, Prvalenz von psychischen Erkrankungen

    Epidemiologische Studien ermitteln, wie hufig zum Beispiel psychische Erkrankungen in

    Deutschland sind. Diese Hufigkeit wird Prvalenz genannt. Die Jahresprvalenz beschreibt,

    wie viele Menschen innerhalb eines Jahres an einer Krankheit leiden. Die Punktprvalenz

    sagt aus, wie viele Menschen zum Zeitpunkt der Befragung erkrankt sind.

    Fr Deutschland liegen bislang drei bevlkerungsreprsentative Studien zur Hufigkeit psychi-

    scher Erkrankungen vor: Der Zusatzsurvey Psychische Strungen des Bundes-Gesundheits-

    survey (BGS, 19981999) ermittelte die Prvalenz psychischer Erkrankungen bei Erwachse-

    nen (18 bis 65 Jahre). Dessen Nachfolgeuntersuchung ist das Zusatzmodul Psychische Ge-

    sundheit der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1-MH, 20092011).

    Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS, 20032006) untersuchte reprsentativ

    psychische Aufflligkeiten bei Kindern und Jugendlichen (7 bis 17 Jahre) in Deutschland.

  • 4TATSAchE 2

    Das Robert Koch-Institut (RKI) stellte 2007 Ergebnisse

    der KiGGS-Studie vor. Mehr als 20 Prozent der Kinder

    und Jugendlichen in Deutschland zeigen danach psychi-

    sche Aufflligkeiten (Ravens-Sieberer et al., 2007).

    Etwa jedes zehnte Kind ist mit hoher Wahrscheinlichkeit

    psychisch krank, bei weiteren zwlf Prozent finden sich

    zumindest Hinweise auf eine psychische Aufflligkeit.

    Jedes zehnte Kind leidet unter ngsten, etwa jedes

    zwanzigste unter Depressionen, rund jedes fnfzigste

    unter einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivittsst-

    rung (ADHS).

    Diagnosen in der ambulanten VersorgungBei der Analyse der Diagnosen aus Abrechnungsdaten

    der gesetzlichen Krankenkassen ergibt sich eine ver-

    gleichbare Grenordnung der Prvalenz psychischer

    Erkrankungen. Im BARMER GEK Arztreport 2012 (BAR-

    MER GEK, 2012) werden die Diagnosen aller niederge-

    lassenen rzte und Psychotherapeuten fr Versicherte

    der BARMER GEK auf die deutsche Bevlkerung hochge-

    rechnet. Danach wurden im Jahr 2010 bei 31,9 Prozent

    der deutschen Bevlkerung psychische Erkrankungen

    diagnostiziert.

    Tatsache 2

    Psychische Erkrankungen sind objektiv und zuverlssig zu diagnostizieren

    Zusammenfassung: Die Diagnose einer psychischen Erkrankung erfolgt aufgrund expliziter diagnostischer Kriterien und definierter differenzialdiagnostischer Regeln, deren Zuver-lssigkeit (Reliabilitt) vielfach wissenschaftlich berprft ist. Die Reliabilitt psychischer Diagnosen aufgrund standardisierter Interviews, wie sie in groen epidemiologischen Untersuchungen verwendet werden, ist zufriedenstellend bis sehr gut. Psychotherapeuten und Psychiater haben die Qualitt ihrer Diagnosen und psychometrischen Erhebungen vielfach untersucht und berprft.

    Qualitt psychischer DiagnosenDie Kritik an psychiatrischen Fehldiagnosen in den

    1970er Jahren hat seitdem zu erheblichen Anstrengun-

    gen gefhrt, die Reliabilitt und Objektivitt von Diagno-

    sen psychischer Erkrankungen zu verbessern. Als Folge

    dieser Bemhungen werden Diagnosen von psychi-

    schen Erkrankungen heute zuverlssig anhand von pr-

    zise definierten Kriterien gestellt, sodass unterschied-

    liche rzte oder Psychotherapeuten zum gleichen Er-

    gebnis beim gleichen Patienten kommen.

    Wegweisend fr den heutigen Standard der Diagnostik

    psychischer Erkrankungen war 1980 die Verffentli-

    chung des dritten Handbuchs psychischer Strungen

    der American Psychiatric Association (DSM-III). Grund-

    prinzip sind vor allem detailliert beschriebene und be-

    obachtbare Symptome. Auf der Basis von empirischer

    Forschung werden diese Kriterien in Konsensverfahren

    von internationalen Experten festgelegt und kontinuier-

    lich angepasst. In einem vergleichbaren Verfahren ent-

    stand auch die aktuelle ICD-10-Systematik der psychi-

    schen Strungen der WHO, die fr die Kodierung von

    Diagnosen und die Abrechnung in der gesetzlichen

    Krankenversicherung fr rzte und Psychotherapeuten

    verpflichtend ist.

    Analog zur Diagnostik krperlicher Erkrankungen exis-

    tiert mit dem ICD-10 ein Klassifikationssystem, das psy-

    chische Krankheiten ber beobachtbare Symptome,

    deren Intensitt und Dauer sowie ber Ausschlusskrite-

    rien beschreibt. Dieses System wurde auch in der bis-

    lang grten bundesweiten Erhebung zu psychischen

  • 5TATSAchE 2

    Erkrankungen in Deutschland (Bundes-Gesundheitssur-

    vey; Jacobi et al., 2004) verwendet. Klinisch geschulte

    Interviewer befragten eine reprsentative Bevlkerungs-

    stichprobe in der Regel zu Hause nach Symptomen

    psychischer Erkrankungen. Die durchschnittliche Inter-

    viewdauer lag bei ber einer Stunde (63 Minuten). Die

    Interviews wurden standardisiert und knnen auch PC-

    gesttzt durchgefhrt werden (DIA-X/M-CIDI; Wittchen

    & Pfister, 1997).

    Die bereinstimmung der Interviewer wurde anhand ei-

    ner Stichprobe von 575 Patienten berprft. Beide wa-

    ren zufriedenstellend bis sehr gut (Wittchen, 1994). Bei

    Depressionen betrug sie k = 0,95, bei Somatisierungs-

    strungen (krperliche Beschwerden, die sich nicht aus-

    reichend mit organischen Befunden erklren lassen)

    k = 0,67, bei der Agoraphobie (Platzangst) k = 0,99.

    Die Beurteilung der Stabilitt von Messungen bei Wie-

    derholungen (Retest-Reliabilitt) fllt grundstzlich

    etwas niedrig