C 13010 MÄRZ 03/2012 NR 96 4,50 (D) sFr 8,80 4,50 (AT) 5 ... · , Abenteuerspiele und...

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Das Magazin für fantastisches Kino, Fantasy & SF-Literatur, Abenteuerspiele und PC-Adventur es MÄRZ 03/2012 NR 96 4,50 (D) sFr 8,80 4,50 (AT) 5,30 (LU) NAUTILUS - ABENTEUER & PHANTASTIK ISSN 0946-3534 C 13010

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    sFr 8,80 ◆ € 4,50 (AT) ◆ € 5,30 (LU)

    NAUTILUS - ABENTEUER & PHANTASTIK

    ISSN 0946-3534 ◆ C 13010

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    habe, ist es nur natürlich, dass meineIdeen dadurch geprägt sind. Aber wennman sich Film und Fernsehen heuteanschaut, ist ja in gewisser Hinsicht al-les Science Fiction. Wenn Sie eine Be-schreibung unseres Alltags in das Jahr1960 transportieren würden, dannwäre das ein Science Fiction-Roman,den kaum jemand glaubhaft findenwürde: das Telefonieren und Fotogra-fieren mit streichholzschachtelgroßenGeräten - Kaffeekochen können siewomöglich auch. Insofern weiß ichnicht, ob es überhaupt noch sinnvoll ist,von Science Fiction als einer Literatur-gattung zu sprechen.

    ■ Sie haben vor 16 Jahren Ihren erstenRoman Die Haarteppichknüpfer veröf-fentlicht ...

    ... es war eine als Roman getarnte Kurz-geschichtensammlung.

    ■ Was ist das Wichtigste, das Sie in derZwischenzeit, also als Schriftsteller,über das Schreiben gelernt haben?

    (Überlegt) ganz viele kleine Details, wieder Buchmarkt und wie das Verlagswe-sen funktioniert. Aber nichts, was mirgeholfen hätte, wenn ich es vor 20 Jah-ren schon gewusst hätte. Wenn manTipps fürs Schreiben veröffentlicht,dann nährt man - ich weiß aber auchnicht, was ich dagegen tun soll - dieVorstellung, dass es eine Frage desrichtigen Tipps wäre, den Durchbruchzu schaffen. Das ist es aber nicht. Es isttatsächlich das simple Ziel, einen Ro-man zu schreiben, der Leute begeistert:

    der einen Lektor begeistert, der einenVerlag begeistert und der dann schließ-lich auch die Leser begeistert. Aber wieman das macht, das weiß niemand.

    Beim Schreiben ist ja nichts verbor-gen, nichts liegt hinter der Buchseite.Wie ein Text funktioniert, liegt offen:Man kann die Worte studieren, die an-dere geschrieben haben, und sich an-schauen, wie die das gemacht haben.Man kann durchaus aus der Lektüre,aus der Betrachtung anderer Werkeversuchen, seine Schlüsse zu ziehen -und so hat man das ja auch schon im-mer gemacht. Aber es hat auch damitzu tun, wer man selbst ist. Weil mansich ja immer auch in das Buch hinein-gibt, um mit einem Leser zu kommuni-zieren, den man wahrscheinlich niekennenlernen wird. Und in dem Maße,wie man über das Medium Schrift er-folgreich jemandem etwas mitteilt, dasbei dem ein positives Gefühl auslöst, indem Maße funktioniert das. Aber das isteigentlich banal, es heißt: Schreib einBuch, das den Leuten gefällt. Den ent-scheidenden Tipp, den man wissenmuss, um den Durchbruch zu schaffen,den gibt es nicht. Jedenfalls kenne ichihn nicht (lacht).

    ■ »Schreib ein Buch, das den Leutengefällt«, macht ja schon einiges klar.

    Ja, aber man kann auch kein Buchschreiben, das einem selbst nicht ge-fällt. Ich habe keine Leser im Kopf,wenn ich schreibe, sondern ich habedas Buch im Kopf: Es hat in meinemGeist eine bestimmte Gestalt, die ich zuerfassen und aufs Papier zu bringen

    versuche. Da denke ich aber an mich,ich schreibe die Bücher, die mir fehlen.Wenn es ein Geheimnis gibt, dann,dass derjenige, der mit so einem BuchErfolg hat, einen relativ durchschnittli-chen Geschmack hat. Wenn ich einenelitären Geschmack hätte und mir nurexotisch-versponnene Texte gefielen,dann könnte ich auch keinen Gassen-hauer schreiben. Man teilt seine eige-nen Vorlieben mit seinen Lesern. Ichhabe einen überdurchschnittlich durch-schnittlichen Geschmack, was Romaneanbelangt. Wenn ich ein Buch entdek-ke, das ich für einen Geheimtipp halte,dann stelle ich später fest, dass es min-destens ein Kultbuch ist, wenn esschon kein Bestseller war.

    ■ Wie sieht ein typischer Arbeitstag beiIhnen aus?

    Vormittags wird geschrieben. Nachmit-tags wird Sonstiges erledigt: Korre-spondenz, Hausarbeit, Gartenarbeit,Besorgungen, das Archiv aufräumen -jedenfalls irgendwas, was nichts mitSchreiben zu tun hat. Und abends wirdgelesen. Zwischendrin wird auch wasgegessen, das will ich gar nicht verleug-nen. Und sonntags gibt es keinenRhythmus.

    ■ Was lesen Sie?

    Bücher, auf denen Science Fiction alsGenre-Bezeichnung steht, lese ich inletzter Zeit nur noch sehr selten, weilich das Gefühl habe, da wiederholt sichalles. Ich finde da derzeit nichts, wasmich begeistert. Ich lese gern gute Thril-

    ler, da finde ich aber derzeit auch nichtso viel, denn ich mag keine psychopa-thischen Serienkiller. Wenn mir in me-dizinischer Genauigkeit erklärt wird,wie die Leichenteile angeordnet sindund welche Qualen das Opfer durchge-macht hat - mit so etwas muss ich mirden Kopf nicht verstopfen.

    Ich suche den intelligenten Thriller,der irgendeinen Sachverhalt aus derwirklichen Welt aufgreift. Im RomanDas Einstein-Mädchen geht es um Ein-steins Kinder, mit Verwicklungen undeinem geheimnisvollen Todesfall, denes tatsächlich gegeben haben soll. Undwie das Ganze mit Einstein und der Zeitdamals zu tun hat - so was fasziniertmich: Wenn ich das Gefühl habe, dalüftet ein Autor einen Zipfel der Weltge-schichte und lässt einen Blick zu, dernoch nicht einmal stimmen muss, son-dern auch nur eine schräge Perspektivesein kann. Zwischendrin lese ich auchalles Mögliche, was mir ins Augespringt. Literarisches, Familiendramen,egal was.

    ■ Vielen herzlichen Dank.

    Die Fragen stellteLars Schiele b

    BUCH TIPP

    GorillaDelphia ist der Name von TimoMrazeks phantastischer Welt und zu-gleich der Titel seines Romans. Auf imBuch verstreut abgedruckten Landkar-ten, Zeitungsausschnitten, Karteikärt-chen und in geschwätzigen Fußnotenerfahren wir Wissenswertes über dieseskurril-parodistische Schöpfung undihre Bewohner wie den unglaublichgelehrten Professor Gerbatz, die Durch-sichtigen Menschen und den Asselkä-fer Rakkadost.

    Hauptfigur Ray Moron ist Mitgliedim geheimdienstartig organisierten Or-den der Pappinger, der sich um dasWohlergehen der Menschheit küm-mert. Wir fühlen mit Ray, denn er istzwar begabt und sympathisch, aberauch faul - immer wieder verschiebt erseine anstehenden Übungen in denmystischen Disziplinen der Pappinger

    aus kurzsichtiger Bequemlichkeit (je-der, der heute eigentlich noch Sporttreiben wollte, wird das nachempfin-den können).

    Mrazek kommentiert das Gesche-hen als ziemlich vorlauter allwissenderErzähler. Manche Leserwerden erst darin denwahren Reiz und Witz derGeschichte sehen. SeineNamen (wie SchorschLuhny für den wichtigstenHandlanger des Oberbö-sewichts) sind teils par-odierend, teils zotig undteils grob. Andere Leserwerden darin den wahrenReiz und Witz der Ge-schichte sehen.

    Timo Mrazeks GorillaDelphia istwitzig, rasant und actionreich, aber

    auch platt und banal - das ist eben dasRisiko, wenn man humorvolle Fantasyschreibt. Über Humor lässt sich trefflichstreiten, der Fall, den Ray Moron zu-sammen mit seinem Helfer vor Ort, demFrisör Tataro Bärenbeiss, lösen muss,

    ist hingegen erfreulichklassisch: Eine Reihescheinbar unzusammen-hängender Morde undTodesfälle führen denHelden durch harte Er-mittlungsarbeit, gutes Ge-spür und Glück auf dieSpur einer bösartigen Ver-schwörung. Wichtige Hin-weise sind übrigens Kern-seife und Nähmaschinen-

    öl. Die Schurken sind größenwahnsin-nig, skrupellos und gerissen (wie ihr An-führer) oder bescheiden, skrupellos

    und nur mäßig kompetent (wie seinHelfer); die Frau, in die sich unser HeldRay Moron verguckt, ist attraktiv undgeheimnisvoll, aber nicht ehrlich. DasZiel der Verschwörung ist gigantisch,und mehr als nur eine geheimnisvolleGruppierung hat ihre Finger mit imSpiel. Und natürlich wächst der Held imletzten Drittel des Romans über sichselbst hinaus.

    Aber irgendwie muss man Romanemögen, in denen die Hauptfigur so ge-schliffene Dialoge erleidet wie: »Nunsag mal, meine Kleine: Ist das hier derWeg zum Schlechte-Laune-Wald?«

    »Des geht Dich en Scheißdreck an!!Omaaa, der Mann da will mich verge-waltigen!«

    »Hau ab, du Drecksau!«, fauchte dieAlte. »Kinderficker!«

    Henry Schrieb b

    GORILLA DELPHIA - RAGE AGAINST THE NÄHMASCHINE BUCH TIPP

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