Chamberlain, Houston - Das Drama Richard Wagners (1892, Text)

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Transcript of Chamberlain, Houston - Das Drama Richard Wagners (1892, Text)

  • DAS DRAMA

    RICHARD WAGNER'S

    Die Musik ist nicht Nebenbuhler des

    Dramas , sondern seine Mutter. Sie

    tout, und was sie font, moget ihr dort

    auf der Bfihne erschauen.

    Richard Wagner.

    LEIPZIG

    DRUCK UND VERLAG VON BREITKOPF & HARTEL

    1892.

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  • Cha/vs bev-lcu^ Housfo^ S+Aujnyt

    MUSIC -X

    ML4lo.W13

    CLA3

    Alle Rechte, insbesondere das der Ubersetzung, vorbehalten.

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  • JSicht in dem Sinne einer nachtriiglichen Widmung ge-

    h'drt dieses Bandchen dem seltensten, treuesten Freunde ; es

    ist sein durch das gauze Entstehen und Werden. Seine Bitte

    nur bestimmte den Verfasser, es zu schreiben, und ohne sein

    Zuthun ware es selbst dann nicht der Offentlichkeit ubergeben

    toorden. Auch die sehr personliche, Manchem vielleicht ein-

    seitig erscheinende Art der Darlegung rilhrt namentlich daher,

    dass der Verfasser stets diesen einen, bestimmten, theueren

    Freund vor Augen hatte, Vielleicht aber , dass die kleine

    Schrift gerade diesem Umstande etwas Intimes, Eindringliches

    verdanken diirfte, und bei Einigen dadurch an Vberzeugungs-

    kraft getvanne. Bei jedem Worte schlug das Herz des

    Schreibers dem edlen Freunde entgegen; wer das verspiirt,

    wird auch die Worte begreifen. Den Schmuck des Namens

    soil die geringe Arbeit nicht tragen; moge ihr aber die in

    der gemeinsamen Liebe zu der Kunst des Bayreuther Meisters

    aafgewachsene Freundschaft Gluck bringen.

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  • Vorwort.

    Der Verfasser vorliegender Abhandlung beabsichtigt

    demnachst ein Schrift zu veroffentlichen, welche in gedrun-

    gener Kiirze ein Gesammtbild von Wagner's Leben und

    Wirken entwerfen soil. Solcher Schriften giebt es zwar

    schon mehrere; diese unterscheidet sich aber von den bis-

    her erschienenen dadurch, dass sie nicht die ausfiihrliche

    Darlegung der Einzelheiten bezweckt, sondern lediglich zur

    selbstandigen Erfassung des wesentlichen Kernes anregen

    will. Das kurze Vorwort jener Arbeit giebt wohl hierliber

    gentigenden Aufschluss und m()ge desswegen hier folgen.

    Es lautet folgendermassen

    :

    Diese Schrift wendet sich an Diejenigen, welche Wag-

    ner schon kennen und welche das Bedtirfnis empfinden, das

    Wesentliche an dieser gewaltigen Erscheinung noch klarer

    und bestimmter zu erfassen.

    Der Verfasser setzt voraus, dass dem Leser die Ein-

    zelheiten aus des Meisters Leben, ebenso wie seine Kunst-

    werke und seine Schriften bekannt sind. Die Werke werden

    jetzt ttberall gegeben; Einfiihrungen in dieselben und Er-

    l&uterungen giebt es in Hiille und Ftille; auch an Lebens-

    beschreibungen mangelt es nicht; die Schriften liegen in

    billiger Ausgabe vor, einem Jeden znganglich. Eine Auf-

    gabe blieb aber vielleicht bisher unberticksichtigt; vor-

    liegender Versuch bezweckt diesem Mangel abzuhelfen:

    das Uberfltissige aus der Unmenge von Einzelheiten auszu-

    merzen, alles Wesentliche aber in einen einzigen Strahl zu

    vereinigen und damit das Auge auf jenen Brennpunkt der

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  • VI

    Erscheinung hinzuleiten, von welchem aus die unzahligen

    Gestalten des Lebens als zusammengehflrig erkannt werden.

    In der Vielheit der Erscheinungen wollen wir die Einheit

    der bewegenden Ursache auffinden;gelingt uns dies, so wer-

    den wir den einzig richtigen Weg betreten haben, um uns einklares und gerechtes Bild zu machen von dem, was Wagner

    war und was sein Werk ist.

    Der einzige Zweck dieser Schrift ist hierzu anzuleiten."

    Besagte Schrift besteht aus folgenden Kapiteln:

    I. Das Leben. II. Die Kunstwerke. III. Die Kunst-anschauungen. IV. Die Politik. V. Die Religion. VI. Die Regeneration. VII. Das Dilemma. VIII. DieBedeutung Bayreuths. IX. Die Zukunft.

    Bei der n&heren Ausarbeitung musste aber der Verfasser

    zu folgender Erkenntnis gelangen : soil das Bild als ein har-

    monisches Ganzes wirken, so muss zwischen den verschie-

    denen Theilen desselben ein gewisses Gleichgewicht bestehen

    ;

    andrerseits hangt aber das Interesse ftir Wagner unleugbar

    so vorwiegend von dem Eindruck seiner Kunstwerkeab, und ist es so nothwendig, zu einer vollkommen klaren

    Erkenntnis des Wesentlichen in denselben namlich desDramas zu gelangen (will man Wagner tiberhaupt be-greifen), dass eine breitere Behandlung dieses Gegenstandes

    geradezu unerlasslich erscheint. In Folge dessen wtirde aber

    entweder die Gesammtdarstellung zu einer Breite anwachsen,

    welche mit dem Zweck des Buches nicht vereinbar erscheint,

    oder es mttsste jenes Ebenmaass der Theile und somit auch

    der beabsichtigte Gesammteindruck geopfert werden.

    Darum entschloss sich der Verfasser, eine besondere Ab-

    handlung iiber die Kunstwerke zu verOflfentlichen. Sie kann

    als Einleitung oder als Erganzung zu der Gesammtdarstellung

    betrachtet werden. Sie bildet aber zugleich ein bestimmt

    umgrenztes Ganzes.

    Wien, im Mai 1892. H. S, C.

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  • Inhalt.

    Seite

    Widmung in

    Vorwort vviEinleitung 3

    I. Ge8chichtliches 516Wagner's erster dramatiseher Versuch, S. 7. Kapellmeisterund Opernkomponist, S. 9. Die ersten Werke und ihre Ent-stehung in Paaren, S. 10. Das Problem des Wort-Tondramas,S. 12. Die Beantwortung desselben, S. 13. Die zweiPerioden des kunstlerischen Schaffens, S. 14. Die grund-legenden Schriften, S. 15.

    II. Die Lehre vom Wort-Tondrama 1732Die zu Grunde liegenden Vorstellungen, S. 19. Musiker undDienter, S. 21. Das Intuitive und das durch Reflexion Er-reichte bei Wagner, S. 25. Dajjifijjunenjjchljche als einzigerStoff dieses Dramas, S. 26. Die Erlosung der Musik, S. 31.

    III. Die Dramen aus der Zeit vor 1848 3350

    Die Feen und Das Liebesverbot, S. 36. Rienzi und Derfliegende Hollander, S. 39. Die Sarazenin, S. 44. Tann-hauser und Lohengrin, S. 45. Siegfried's Tod und Friedrichder Rotbbart, S. 53. Wieland der Schmied und Jesus vonNazareth, S. 54.

    IV. Die Dramen nach 1848 57144Einleitendes, S. 59. Tristan und Isolde: Ein-leitung, S. 61. Die dramatische Handlung, S. 63. DasVerhaltnis von Wort und Ton, S. 72.

    Die Meistersinger, Die dramatische Handlung.

    S. 83. Das Konventionelle und das Komische, S. 86. Die Musik, S. 90. Zusammenfassung, S. 92.

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  • VIII

    Per Ring des Nibelungen: Die zwei Bearbeitungen,S. 93. Die dramatiache Handlung, S. 98. Theater undKritik, S. 105. Das Verhaltnia von Wort und Ton, S. 109.

    Parsifal: Ursprung der Dichtung, S. 120. Diedramatiache Handlung, S. 124. Mystik, Symbolik undAllegoric S. 130.

    (Anhang) Kunst und Philosophie, S. 136.

    Schlussworte, S. 141.

    Verbesserung:

    S. 32 Z. 19 lies: in dem Drama und durrh das Drama.

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  • Das Drama Richard Wagner's.

    Chamberlain, Das Drama Richard Wagners.

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  • Einleitung.

    gj/er Zweck dieser kleinen Schrift ist ein ganz bestimmter

    und eng umschriebener: Wagner war stets und zwar von

    Kind an dramatischer Dichter. Zu einer lebendigenund verstandnisvollen Erkenntnis dieser Thatsache soil das

    Folgende anregen. Denn diese Einsicht ist die erste, un-

    ablassig nothwendige, urn den Kunstler Wagner zu verstehen,und um seine Kunstwerke wahrhaft zu begreifen.

    Nirgendwo offenbart sich die strenge Einheit des Charak-

    ters und des Zieles, welche Wagners Leben zu einem solibersichtlich klaren gestaltet, liberzeugender als in g&inen

    Kunstwerken. Sieht man von ganz oberflachlichen Zufallig-keiten ab, so gewahrt man, dass sie eine einzige Reihe bilden.

    Dieses muss hier zunachst dargethan werden; und dann

    werden wir, von dem durch diese Einsicht gewonnenen Stand-punkt aus, die einzelnen Werke betrachten. Diese Betrach-

    tung wird aber ausschliesslich dem dramatischen Kerne geltenund der klaren Erkenntnis dessen, dass in dem neuen Dramaauch der Begriff des Dramatischen ein neuer ist.

    Wir werden sehen, dass Wagner vom Drama ausging;dass er nie etwas Anderes gewollt hat als das Drama; dass

    er sich der Oper nur desswegen bediente, weil er eines

    musikalisch-scenischen Apparates zur Verwirklichung seiner

    dramatischen Konceptionen bedurfte und diesen in der Oper

    eine 2Jeit lang zu finden glaubte; dass der Entwicklungsgang

    seines eigenen intuitiven Schaffens ihn endlich zu der Einsicht

    flihrte, es handle sich um eine ganz neue Kunst, wobei ihmdann auch die Grundprincipien derselben aufgingen. Aus

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  • der Betrachtung dieser Grundprincipien wird klar hervorgehen,

    dass diese That nicht eine Reform, sondern eine Neugeburt

    bedeutet; dass man also die Werke der ersten, nicht volligbewussten Zeit nur vom Standpunkte der Periode des er-langten Bewusstseins aus wirklich wtirdigen kann, da sie ja

    die Stufenleiter zum Bewusstwerden des unbewusst Vorhan-

    denen waren. Ich werde dann diese Werke der erstenPeriode einer kurzen Betrachtung unterziehen und zeigen,

    dass sie Dramen sind, deren Verstandnis als Dramen aber

    zum Theil durch die Opernform, zum Theil durch gewisse

    Schwankungen in der Anwendung der verschiedenen Aus-

    drucksmittel erschwert wird. Die Werke aus der Zeit desvollbewussten Schaffens in einer neuen Kunstform werde

    ich ausfuhrlicher behandeln; auch hier aber werde ich

    den dramatischen Dichter allein im Auge haben und zu zeigen

    suchen, dass Wagner mit seinem neuen Kunstwerk