Christvesper - Predigt-Gottesdienst 24.12.2013 in ... Christvesper - Predigt-Gottesdienst am...

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  • Christvesper - Predigt-Gottesdienst am Heiligen Abend 24.12.2013

    in der evangelischen Kreuzkirche Reutlingen, Pfarrer Stephan Sigloch

    Vorspiel Gruß, Begrüßung Bethlehem

    Ein Ort in allen vier Winden, ein Ort mit Tauben und Blinden - Bethlehem. Ein Ort, so arm wie verloren, mit verschlossenen Herzen und Toren - Bethlehem. Ein Ort mit Gassen und Straßen, in denen Flüchtlinge saßen - Bethlehem. Ein Ort mit Spöttern und Frommen, ein Ort, wo wir alle herkommen - Bethlehem. Ein Ort, wo wir alle hingehen, das Kind in der Krippe zu sehen - Bethlehem. Ein Ort, wo wir knien auf der Erden: Gott will unser Bruder werden - Bethlehem. Rudolf Otto Wiemer (EG S. 97)

    Lied „Hört der Engel helle Lieder“ (EG 54)

    1. Hört, der Engel helle Lieder / klingen das weite Feld entlang, / und die Berge hallen wider / von des Himmels Lobgesang: / Gloria in excelsis Deo. / Gloria in excelsis Deo.

  • 2. Hirten, warum wird gesungen? / Sagt mir doch eures Jubels Grund! / Welch ein Sieg ward denn errungen, / den uns die Chöre machen kund? / Gloria in excelsis Deo. / Gloria in excelsis Deo.

    3. Sie verkünden uns mit Schalle, / dass der Erlöser nun erschien, / dankbar singen sie heut alle / an diesem Fest und grüßen ihn. / Gloria in excelsis Deo. / Gloria in excelsis Deo.

    Psalmgebet Johannes-Hymnus (EG 763; Gde = Gemeinde) Pfr. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, Gde. und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Pfr. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. Gde. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Pfr. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. Gde. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Pfr. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben. Gde. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, Pfr. eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, / voller Gnade und Wahrheit. Gde. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Joh 1,1-5.11.12.14.16 Gebet + Stilles Gebet Dreieiniger Gott, wir stehen vor dir in dieser heiligen Nacht,

  • stehen an deiner Krippe. Du trittst in unser Leben, in unsre Welt – ganz unscheinbar, unerkannt, geheimnisvoll. Von deiner Krippe geht ein Licht aus, und es wird hell, wo Dunkelheit herrscht. Im Licht der Heiligen Nacht sieht die Welt anders aus: Fröhlicher, gerechter, wahrhaftiger und sie bekommt einen besonderen Glanz. Wir bitten dich: Öffne uns Herz, Sinne und Verstand für dein Kommen, für dieses Geheimnis, das unsere Welt verändert. Führe uns ganz zurück an den Anfang, damals im Stall, und erfülle uns mit tiefer, weihnachtlicher Freude. Amen. Miteinander und füreinander beten wir weiter in der Stille: Stilles Gebet Schriftlesung Lukas 2,1-20 ( ______________________) Lied „Ich steh‘ an deiner Krippen hier“ (EG 37)

    1. Ich steh an deiner Krippen hier, / o Jesu, du mein Leben; / ich komme, bring und schenke dir, / was du mir hast gegeben. / Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, / Herz, Seel und Mut, nimm alles hin / und lass dir’s wohl gefallen.

    2. Da ich noch nicht geboren war, / da bist du mir geboren / und hast mich dir zu eigen gar, / eh ich dich kannt‘, erkoren. / Eh ich durch deine Hand gemacht, / da hast du schon bei dir bedacht, / wie du mein wolltest werden.

    3. Ich lag in tiefster Todesnacht, / du warest meine Sonne, / die Sonne, die mir zugebracht / Licht, Leben, Freud und Wonne. / O Sonne, die das werte Licht / des Glaubens in mir zugericht’, / wie schön sind deine Strahlen!

    4. Ich sehe dich mit Freuden an / und kann mich nicht satt sehen; / und weil ich nun nichts weiter kann, / bleib ich anbetend stehen. / O dass mein Sinn ein Abgrund wär / und meine Seel ein weites Meer, / dass ich dich möchte fassen!

  • Predigt

    Einleitung und Predigttext

    „Wir glauben nur das, was wir sehen. Darum glauben wir alles, seit es

    das Fernsehen gibt“ (Dieter Hildebrandt, † 20.11.2013). Glauben wir alles,

    was wir sehen? Oder glauben wir am Ende nur noch, was wir im

    Fernsehen sehen? Manchmal habe ich den Eindruck, dass für viele

    Zeitgenossen das „wahre Leben“ im Fernsehen stattfindet. Aber auch

    beim Fernsehen ist die Wirklichkeit nicht vor, sondern hinter der

    Kamera und hinter den Kulissen.

    Weihnachten ist auf eine bestimmte Art und Weise auch „Fern-

    Sehen“ …wir schauen zurück in eine ferne Vergangenheit: In unsere

    Kindheit und Weihnachten damals. Vor allem schauen wir in einen

    Stall in Bethlehem. Und zugleich in eine Wirklichkeit, die uns ganz

    fern zu sein scheint: In Gottes Wirklichkeit.

    Denn: Dass auch an Weihnachten „hinter den Kulissen“ mehr passiert

    als das, was wir „sehen“, was Lukas in seiner Weihnachtsgeschichte

    erzählt, davon singt und das bekennt unser Predigttext, ein alter

    Hymnus, der im 1. Timotheusbrief zitiert wird:

    „… groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des

    Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist,

    erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt,

    aufgenommen in die Herrlichkeit“.

    Er, Jesus Christus, ist „das Geheimnis des Glaubens“. Der Text singt

    von ihm, dem Geheimnis, in sechs kurzen, theologisch gefüllten

    Sätzen – wobei nicht alles geheimnisvoll ist.

  • Zeitgeist: „Entschlüsseln“

    Dass nicht alles geheimnisvoll ist, kommt uns ja entgegen. Wir

    Menschen des 21. Jahrhunderts sind weniger an Geheimnissen

    interessiert, als daran, alles zu entschlüsseln, was wir nicht wissen –

    bis hin zum Versuch, das Leben zu entschlüsseln, indem wir Gencodes

    knacken, die NSA entschlüsselt scheinbar aus Prinzip alles, was

    geheim ist, unabhängig vom Informationsgehalt … zwei Beispiele … .

    Ist Weihnachten ohne Geheimnis Weihnachten?

    Zu Weihnachten gehört immer schon das Geheimnis: Das verschlos-

    sene Weihnachtszimmer, die Überraschung beim Auspacken der

    Geschenke. Weihnachten ist ohne Geheimnis gar nicht richtig Weih-

    nachten. Zunächst allerdings ist Weihnachten nicht ganz so geheim-

    nisvoll ist: Ein Kind wird geboren. So weit, so gut. Das eigentliche

    Geheimnis der Weihnacht beginnt mit dem Bekenntnis: „Gott wird

    Mensch“ und es wird größer, wenn wir mit Paul Gerhardt singen

    „Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute“ (EG 36,2).

    Was wir sehen

    Dass Jesus gelebt hat, ist kein Geheimnis. Daran bestehen auch keine

    Zweifel. Deutlich ist weiter: Das Evangelium ist „den Völkern ge-

    predigt“ worden – und ist bis zu uns gekommen (darum feiern wir

    Weihnachten). Und schließlich ist offensichtlich: Er wurde und wird

    „in der Welt geglaubt …“ – das alles beschreibt der alte Text. Und

    rückblickend können wir heute nur feststellen: Ja, das ist wahr, kein

    Zweifel. Und also kein Geheimnis.

  • Geheimnisvoll ist das Bekenntnis: Diese Geschichte des Jesus von

    Nazareth, die bis in unsere Zeit reicht, spielt sich nicht nur

    (sozusagen) „im irdischen Bereich“ ab, sondern zugleich „im

    himmlischen, göttlichen Bereich“ – sie ist und bedeutet weit mehr als

    das, was wir sehen.

    Darin besteht das Geheimnis, dass - eben seit jener Nacht in

    Bethlehem – Erde und Himmel verbunden sind, untrennbar verbun-

    den sind in der Person und der Geschichte Jesu, der der Christus

    Gottes ist.

    Singen, Bekennen, Erzählen

    Das Geheimnis dieser Geschichte können wir nicht entschlüsseln und

    erklären. Sie lässt sich nur singen und bekennen, wie es der alte Text

    tut – und: sie lässt sich erzählen, wie wir es vorhin gehört haben.

    Was sie bedeutet, können wir im Grunde auch „nur“ singen und

    bekennen – oder erzählen.

    Eine Geschichte

    Darum erzähle ich Ihnen eine Geschichte. Es ist auf den ersten Blick

    keine Weihnachtsgeschichte. Kein Glanz, kein Gold … gehört zu

    Weihnachten nicht immer auch Gold? Vom Gold heißt es, dass es „im

    Feuer gereinigt wird“ und sich darin als echt erweist (1. Petrusbrief 1,7).

    Analog dazu erweist sich auch die frohe Botschaft der Weihnacht als

    „echt“, wenn sie unseren alltäglichen, oft schmerzlichen Erfahrungen

    standhält. Darum diese Geschichte.

  • Wie gesagt: Beim ersten Hören keine Weihnachtsgeschichte und ich

    will sie auch nicht erschrecken oder Sie aus Ihrer Weihnachts-

    stimmung reißen, falls die sich bei einigen von Ihnen schon eingestellt

    hat.

    Aber es ist eine ganz und gar menschliche Geschichte – insofern passt

    sie bestens zu Gott, der Mensch wird. Und sie passt zu dem, was

    unser Predigttext als Weg Jesu beschreibt. Es ist die Geschichte einer

    jungen Frau (Jahrgang 1980), die sie selber in einem Buch erzählt: ehr-

    lich und schonungslos und mit – ich warn‘ Sie schon ‘mal vor – mit

    einer zum Teil sehr direkten Ausdrucksweise.

    Esther Maria Magnis erzählt ihre Geschichte mit Gott, die Geschichte

    ihres Glaubens. Die beginnt ‚ganz normal‘, verändert sich aber radikal