Chronik Michaeliswoche

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Chronik des Vereins Michaeliswoche Gütersloh e. G.

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  • 80 JAHREMICHAELISWOCHE

    19302010EINE CHRONIK

    WWW.MICHAELISWOCHE.DE

  • Ein herzlicher Dank gilt den Sponsoren, die mit ihrem Engagement das Erscheinen dieser Chronik ermglicht haben.

  • 80 Jahre Michaeliswoche19302010

  • 80 JAHREMICHAELISWOCHE

    19302010EINE CHRONIK

    WWW.MICHAELISWOCHE.DE

  • Herausgeber Verein Michaeliswoche e.V. | Gtersloh

    Texte Johannes Bitter | Hartwig Fischer | Stephan Grimm Giesbert Nunnemann | Christian Schrter

    Fotonachweis Stadtarchiv GterslohPressefotos Stadt Gtersloh | Verein Michaeliswoche e.V. Die Glocke | Neue Westflische | Westfalen-BlattAlexander Franz Kllner | Renate Kllner Friederike Edler | Henrik Martinschledde

    Redaktion Hartwig Fischer | Giesbert Nunnemann | Christian Schrter

    Gestaltung und Druck Graphischer Betrieb Rehling GmbH | Rietberg

    Copyright Verein Michaeliswoche e.V. | GterslohFlttmann Verlag GmbH | Gterslohund die Autoren

    ISBN 978-3-924088-13-2

    Impressum

  • bis der Landrat kam und den Wa gen be schlag -nahmte, obwohl er mein bester Freund war.

    Damals wie heute gab es Parallelen in derDiskussion ber das Fr und Wider einer solchenFestwoche und das Argument von 1931, selbst -verstndlich msse in einer Notzeit jede unnt -ze Ausgabe vermieden werden, man dr fe abernicht glauben, dass die Wirtschaft allein mitSparmanahmen wieder in Fluss zu bringen sei,hat auch heute nach wie vor seine Gltigkeit.

    Die Gtersloher Michaeliswoche und diehie sige Kaufmannschaft haben seit 1931 eini gewirtschaftliche Krisen gemeistert und sind oft -mals gestrkt daraus hervorgegangen. Bei ei nerBndelung aller Krfte und in Zusammenarbeitmit der Stadt und allen Werbung treibendenAkteuren wird es gelingen, Gtersloh weiter ei -nen hervorragenden Platz im Wirtschafts- undKulturleben der Region zu sichern.

    Lieber Leser, liebe Leserin, wir danken al -len, die an dieser Chronik mitgearbeitet ha ben,allen voran Stephan Grimm vom Stadtarchivund dem Redaktionsteam. Auerdem dan kenwir allen Sponsoren, ohne die die Michaelis-woche und alles, was damit zusammenhngtnicht mglich wre. Ein groer Dank geht auchan die vielen Vereine und Organisationen, diesich an dem Gelingen des Festes mit groemEngagement beteiligen und an August Schnei-der, den Vater der groen Kirmes. Und wirdan ken natrlich Ihnen, dass Sie die Michae-liswoche besuchen, sie erleben und genieen.

    Herzliche Gre vom Vorstand des Vereins Michaeliswoche

    Gabriele Conert, Wilhelm Kottmann, Heidi Ostmeier, Christian Schrter und Matthias Trepper

    Gtersloh, im September 2011

    die Michaeliswoche feiert ihren 80. Ge-burtstag und ist damit das lteste StadtfestGterslohs. Sie steht fr Tradition und hat einebewegte und spannende Geschichte. Alt? Ist siesicher nicht, eher rstig. In die Jahre gekommen?Ist sie auch nicht, eher traditionell mit einemSchuss Moderne. Langweilig? Ist sie schon garnicht. Denn die Gtersloherinnen und Gters-loher bewegen was! Kurz: Die Mi ch a eliswochehat immer Spa gemacht und wird immer Spamachen. Jede Besucherin und jeder Besuchererinnert sich an die eine oder andere Attraktion,das eine oder andere Erlebnis. Kann etwasdazu im Gesprch beisteuern und denkt im mergerne dran zurck. So ist es unser Ziel, darananzuknpfen. Getreu dem Spruch: Tradition istnicht das Halten der Asche, sondern das Wei-tergeben der Flamme, nach Thomas Morus.

    Geboren wurde die Idee einer Oktoberwo-che damals aus der Not heraus. Konkurse undfehlender Konsum, verursacht durch die Welt-wirtschaftskrise, fhrten auch in Gtersloh zudramatischen Umsatzrckgngen und tiefgrei-fenden wirtschaftlichen Depressionen. Darberhinaus machten die Nachbargemeinden und-stdte Werbung mit der Parole Kauft am Plat -ze. Das fhrte dazu, dass auswrtige Kundennicht mehr in Gtersloh ihren Bedarf deckten.

    Die Einzelhndler kamen daher 1930 zudem Ergebnis, dass die Stadt in den letztenJah ren durch zu geringe Werbung an Geltungeingebt habe und jetzt verlorene Positionenzurckgewinnen msse mit einer Werbewo-che und Ausstellung. Das war die Geburtsstun -de der Gtersloher Michaeliswoche. Schon dieVorbereitung und Durchfhrung der ersten Ok-tobermesse war aus heutiger Sicht spannendund interessant. So reduzierte die Stadt denStrompreis fr die Einzelhndler um 25 Prozent,um die Schaufenster in den Abend stunden zubeleuchten. Fr den Pendelverkehr von Wie-denbrck wurde sogar ein Bus angemietet,

    Lieber Leser, liebe Leserin,

    580 Jahre Michaeliswoche

    Vorwort

  • 6 80 Jahre Michaeliswoche

    Ihre Prgung und ihre Bedeutung erhielt die Stadt Gtersloh durch das Wirtschafts- undBevl kerungswachstum im 19. und 20. Jahrhundert. 1825 wurde das Dorf durch den preuischenKnig zur Stadt erhoben, verharrte jedoch vorerst in den drflichen und kleinrumigen Strukturen.Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts trugen Industrialisierung, Gebietserweiterungen, reprsentativeNeubau ten im ffentlichen und privaten Bereich sowie der Ausbau der Verkehrswege und Infra-strukturen zur Ausbildung eines stdtischen Charakters bei. Heute sind in der Stadt rund 80 In-dustrie- und mittel stndische Betriebe angesiedelt. Etwa 97.000 Einwohner verteilen sich aufein Gebiet von rund 112 Quadratkilometer, whrend die Stadt vor einhundert Jahren nur 1,9Quadratkilometer gro war und etwa 7.400 Bewohner zhlte.

    Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts lag das damalige Dorf im Schatten der benachbartenRegierungssitze und Verwaltungsmittelpunkte Rheda (Herrschaft Rheda), Wiedenbrck(osnabrcki sches Amt Reckenberg) und Rietberg (Grafschaft Rietberg). Mit dem Ende der welt-lichen und geistlichen Landesherrschaften in den Jahren zwischen 1803 und 1808 nahm auchdie Bedeutung dieser Stdte ab. Das Dorf Gtersloh hatte bereits durch ein reges Gewerbe- undHandelsaufkom men eine besondere Bedeutung erlangt. Mit dem Beginn der Selbstverwaltung,zuerst unter franz sischer, dann unter preuischer Herrschaft, erffneten sich weitere Chancendes Bedeutungszuwach ses als Wirtschafts- und Verwaltungszentrum in der Region. Die Einwoh-nerzahl stieg kontinuierlich und lag 1818 bereits um das Dreifache hher als in den Nachbar-stdten. Umgeben von den gre ren Stdten Bielefeld, Mnster, Paderborn und Osnabrck konnteGtersloh nicht nur zur Kreisstadt, sondern auch zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort inOstwestfalen aufsteigen.

    Chronik der Michaeliswoche Stephan Grimm

    Die Einwohner -zahl stieg kontinuierlichund lag 1818 bereits um das Dreifachehher als inden Nachbar-stdten

  • 780 Jahre Michaeliswoche

    hier ihre Filialen und Verwaltungssitze. 1825wurde Gtersloh zur Stadt erhoben, 1842 folg-ten die ersten stdtischen Verwaltungsstruktu-ren. In den folgenden Jahren und Jahrzehntenstieg die Zahl der Einwohner kontinuierlichdurch zunehmende Arbeitsmglichkeiten, stei-genden Wohnraum und attraktive Bildungs-mglichkeiten. Dem wachsenden Raumbedarfkonnte durch die Eingemeindung umliegenderOrte begegnet werden. Am 1. April 1910 wur-den die Bauernschaften des Amtes GterslohPavenstdt, Blankenhagen, Nordhorn und Sun-dern sowie die Bauernschaft Kattenstroth ausdem Amt Reckenberg eingegliedert. Am 1. Ja-nuar 1970 folgten die Gemeinden Isselhorst,Hollen, Ebbesloh, Nie horst, das Amt Aven-wedde mit Fried- richsdorf, Avenweddeund Spexard.

    Mittelpunkt des drflichen seit1825 stdti- schen Geschehens warder Alte Kirch- platz. Mit dem Neubau

    Wirtschaft und Handel im 19. Jahrhundert

    Der alte Siedlungskern um die Apostel-kirche erweiterte sich seit dem 17. Jahrhundertspinnenfrmig entlang der Berliner Strae,Kirchstrae, Blessensttte, Mnsterstrae undKnigstrae. Hier besaen die Handwerkerund Hndler ihre Werksttten und Verkaufsge-schfte. 1819 wurden gezhlt: 23 Schneider,15 Bcker, zwlf Fleischer, 18 Schuhmacher,16 Tischler, fnf Drechsler, fnf Zimmerleute,fnf Hufschmiede, jeweils vier Maurer, Sattlerund Uhrmacher, jeweils drei Glaser, Stellma-cher, Klempner, Bttcher, Messer- oder Bch-senschmiede, zwei Hutmacher, zwei Buchbin-der, ein Glockengieer, ein Kupferschmied undein Seifensieder.

    In der durch Garnspinnerei, Viktualienhan-del, Frachtfuhrwesen und Branntweinbrennereigeprgten Stadt siedelten sich im Zuge der zu-nehmenden Mechanisierung und Industriali-sierung viele neue Unternehmen an. Behr-den, Banken und Versicherungen erffneten

  • 8 80 Jahre Michaeliswoche

    des Rathauses an der Berliner Strae im Jahr1864, gegenber der Neuen Kirche (heuteMartin-Luther-Kirche), entstand ein neuer zen-traler Ort fr Wochenmrkte und Versammlun-gen. Fr die monatlichen Viehmrkte wurdenim Oktober 1877 der Hammelmarkt, spterDreiecksplatz und im Jahr 1878 der Markt-platz im Norden der Stadt (heute Standort desStdtischen Gymnasiums) hergerichtet.

    Im Oktober 1875 berichtet der Brger-meister Mangelsdorf, dass die Stadt vorzugs-weise eine Handels- und erst in zwei ter Linieeine Ackerstadt ist. Der Ackerbau stehe hierzugleich im Dienste des Handels. Es finde ein

    lebhafter Handels-verkehr unter ande-rem nach Bielefeld,Minden und Dort-mund mit selbstge-zogenen Pflanzen,S mereien und Gar-

    tenfrchten statt. Abgesehen von der Seiden-fabrikation und der Bierbrauerei sei die Indus-trie nicht entwickelt, obgleich Gtersloh einfr industrielle Anlagen ganz geeigneter Ort zunennen sein drfte. Die allgemeine Klageber Stockungen im Handel und ber schlech -te Geschfte, besonders der Fleischwarenpro-duzenten, hervorgerufen durch die Nachwir-kungen der berspekulation und Produktionder Jahre 1871 bis 1873, sei auch in Gters-loh zu hren. Die Zahl der Kaufleute habe sichjedenfalls seit dem Jahr 1851 von 41 auf 76und der Kleinhndler von 68 auf 104 erhht.Die Zahl der Gastwirte stieg von 18 im Jahr1851 auf 32 im Jahr 1878.

    Aus dem Jahr 1880 liegt ein Verzeichnisder Industrie- und Handelskammer vor, das 88Betriebe in der Stadt auffhrt. Auffllig sind dieBranchenverbindungen der 40 Kaufleute, diein unterschiedlichen Kombinationen mit Vik-tualien, Fettware