Das Konzentrationslager Buna-Monowitz ... Buna-Monowitz: Zusammenhأ¤nge Zeittafel 1940 April 1940...

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  • Fritz Bauer Institut Geschichte und Wirkung des Holocaust

    Fritz Bauer Institut Norbert-Wollheim-Platz 1 60323 Frankfurt am Main

    Telefon: 069.798 322-40 info@fritz-bauer-institut.de www.fritz-bauer-institut.de

    Materialienmappe Das Konzentrationslager Buna-Monowitz

    Reader zur Vorbereitung auf die Ausstellung des Fritz Bauer Instituts:

    Die IG Farben und das Konzentrationslager Buna-Monowitz Wirtschaft und Politik im Nationalsozialismus

    Ausstellung in der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Januar/Februar 2018 Foto: Funkelbach. Büro für Architektur und Grafik, Leipzig

  • Kapitel 1

    Buna-Monowitz: Zusammenhänge

    › IG Farben

    › Zeittafel

    › Lageplan des Lagers Buna-Monowitz

    › Legende zum Lageplan

  • Buna-Monowitz: Zusammenhänge IG Farben 1925 gründeten sechs Chemieunternehmen die „Interessengemeinschaft Farbenindustrie Aktiengesellschaft“. Das waren: Badische Anilin- & Soda-Fabrik,Ludwigshafen; Farbenfabrik vorm. Friedr. Bayer u. Co., Leverkusen; Farbwerke vorm. Meister Lucius und Brüning, Höchst; Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation, Berlin; Chemische Fabriken vorm. Weiler-ter Meer, Uerdingen; Chemische Fabrik Griesheim-Elektron, Frankfurt am Main. IG Farben war einer der weltweit größten Industriekonzerne mit internationaler Aktivität. Das Management stellte sich ab 1933 auf die wirtschaftlichen Bedingungen und Chancen des auf Rüstung und Autarkie orientierten NS-Regimes ein. Bis 1937 wurden all jüdischen Direktoren entlassen und die Spitzenmanager traten geschlossen in die Partei ein. Durch die Beteiligung an der Kriegsproduktion und vor allem an der Ausbeutung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern, aber auch durch die Einbindung in die „Lebensraum“-Politik in Osteuropa, wurde die IG Farben zu einem integralen Bestandteil des NS-Systems. Die IG Farben-Tochter Degesch lieferte das Giftgas Zyklon B, mit dem in Auschwitz die fabrikmäßige Vernichtung von Menschen durchgeführt wurde. Die Produktion des Kautschuk-Ersatzstoffes Buna war ökonomisch nur unter der Voraussetzung einer Abschottung Deutschlands vom Weltmarkt sinnvoll. Sobald der Rohstoff Kautschuk verfügbar war, lohnte sich die teure Technologie nicht. Das technische Konzept für das Buna-Werk im „Generalgouvernement“ war daher darauf ausgelegt, nach dem Kriegsende andere Produktionslinien fahren zu können. 1945 beschlagnahmten die Alliierten das Vermögen der IG Farben. Der Konzern wurde in den folgenden Jahren entflochten, es entstanden mehrere Gesellschaften in Westdeutschland, im Osten wurden 17 Betriebe enteignet. Die bekanntesten Nachfolgefirmen sind Bayer, BASF, Hoechst und Agfa. Die „I.G. Farbenindustrie in Abwicklung“ besteht seit 1955 als Aktiengesellschaft. 1947 verurteilte der amerikanische Militärgerichtshof 13 Direktoren des IG Farben-Konzerns wegen Raub und Teilnahme am Massenmord zu Freiheitsstrafen. 1996 lehnte das Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde der I.G. Farbenindustrie in Abwicklung auf Rückgabe der enteigneten Betriebe in Ostdeutschland ab.

    Standorte der Buna-Werke Drei Werke zur Buna-Produktion waren 1939 in Ludwigshafen (Rhein), Hüls (Ruhrgebiet) und Schkopau (Sachsen) bereits in Betrieb. Sie sollten die Unabhängigkeit Deutschlands von Kautschuk- Importen sichern. Am 8. Oktober 1939 erklärte das Deutsche Reich den nicht annektierten Teil Polens zum „Generalgouvernement“. Der Standort für das vierte Buna-Werk der IG Farben sollte neben seinen wirtschaftlichen Vorzügen ein Beitrag der IG „für ein kräftiges, gesundes Deutschtum im Osten“ (Otto Ambros) sein. Möglichst viele „Volksdeutsche“ aus Osteuropa sollten als Arbeitskräfte angezogen werden. Sie sollten in die Häuser der aus der Stadt Oswiecim (Auschwitz) vertriebenen Juden und Polen einziehen. Das KZ Auschwitz wurde als Lieferant von Arbeitskraft neben der verkehrstechnischen Lage und den Rohstoffen ein wichtiger „Standortfaktor“. Die Entscheidung für den Bau des Werkes in Auschwitz fiel im Winter 1940/1941.

  • Buna-Monowitz: Zusammenhänge Zeittafel

    1940

    April 1940 Befehl von Reichsführer SS Heinrich Himmler zur Errichtung des Konzentrationslagers Auschwitz. SS-Gruppenführer Richard Glücks, Inspekteur der Konzentrationslager, ernennt SS-Hauptsturmführer Rudolf Höß zum Kommandanten des KZ Auschwitz.

    Dezember 1940 Die letzte in diesem Monat vergebene Häftlings-Nummer war: 7879 Die Lagerstärke beträgt vermutlich ca. 6000 Häftlinge. Von den 7879 in Auschwitz registrierten Häftlingen sind folglich in sieben Monaten etwa 1800 ums Leben gekommen.

    1941

    Jaunar 1941 Otto Ambros, Mitglied des Vorstands der I.G. Farbenindustrie AG, bereist Oberschlesien auf der Suche nach einem Standort für das geplante vierte Buna-Werk der I.G. Farben. Die letzte in diesem Monat vergebene Häftlings-Nummer war: 9570

    Februar 1941 Reichsmarschall Hermann Göring in seiner Funktion als Beauftragter für den Vierjahresplan weist Himmler an, für den Bau des Buna-Werks der I. G. Farben Häftlinge des KZ Auschwitz bereitzustellen. Fertigstellung eines zweiten Einäscherungsofens (2 Brennkammern). Die letzte in diesem Monat vergebene Häftlings-Nummer war: 10.900

    März 1941 Besuch Himmlers in Auschwitz (1. März 1941). Himmler erteilt Höß u.a. folgende Befehle: Ausbau des Lagers, Errichtung eines Kriegsgefangenenlagers für 100.000 Insassen, Abstellung von 10.000 Häftlingen für den Bau der I.G. Farben-Werke Aussiedlung der jüdischen Einwohner der Stadt Auschwitz. Erschießung von 72 polnischen Häftlingen in der Kiesgrube. Besprechung von Vertretern der I.G. Farben und der SS in Berlin (20.März 1941) über die Kooperation der KZ-Leitung mit der Bauleitung der I.G. Farben. Besprechung von Lagerleitung und Bauleitung der I.G. Farben in Auschwitz (27. März 1941). Folgende Vereinbarungen werden getroffen: das KZ stellt 1000 Häftlinge für die I.G. Farben ab; pro Hilfsarbeiter und Tag zahlt die I.G. Farben 3 RM an die SS, pro Facharbeiter und Tag 4 RM; die Arbeitszeit beträgt im Sommer 10-11 Stunden, im Winter mindestens 9 Stunden. Die letzte in diesem Monat vergebene Häftlings-Nummer war: 11.121

    April 1941 Das „Kommando Buna“ beginnt mit der Arbeit auf der Baustelle der I.G. Farben; das Kommando marschiert vom Lager Auschwitz zur 6 km entfernten Baustelle. Die letzte in diesem Monat vergebene Häftlings-Nummer war: 15.181

  • Juli 1941 Sowjetische Kriegsgefangene werden ins Lager verbracht und in der Kiesgrube ermordet. Auf Befehl Himmlers wählt eine Sonderkommission 573 Häftlinge aus, die in die Euthanasieanstalt Sonnenstein bei Pirna transportiert und dort ermordet werden. Das „Kommando Buna“ wird täglich mit der Bahn zur Baustelle und zurück gebracht (Im September 1941 ca. 1300 Häftlinge). Himmler bestellt Höß nach Berlin und erteilt ihm den Befehl, in Auschwitz Vernichtungsanlagen zu bauen. Die letzte in diesem Monat vergebene Häftlings-Nummer war: 19.856

    1942

    Januar 1942 Die Lagerstärke beträgt ca. 12.000 Häftlinge und 1500 Kriegsgefangene. In Birkenau wird ein Bauernhaus in eine Vernichtungsstätte umgewandelt, Bunker Nr. 1, Rotes Haus, mit zwei Gaskammern. Die letzte in diesem Monat vergebene Häftlings-Nummer war: 26.288 Belegstärke des Lagers: 11.449 Häftlinge.

    März 1942 Die Venichtungsanlage Bunker Nr. 1, Rotes Haus, wird in Betrieb genommen; die Leichen werden in Massengräbern in Birkenau verscharrt. Ende März trifft ein Transport mit 999 weiblichen Häftlingen aus dem KZ Ravensbrück in Auschwitz ein, am selben Tag kommt ein Transport mit 1000 slowakischen Jüdinnen an. In den Blöcken 1-10 wird das „Frauenkonzentrationslager“ eingerichtet, das bis Mitte 1942 dem KZ Ravensbrück unterstellt ist.

    Juli 1942 Zum ersten Mal werden die Deportierten eines RSHA-Transportes nach der Ankunft selektiert; die vergasten Opfer werden in Massengräbern verscharrt. Das Frauenkonzentrationslager wird dem KZ Auschwitz unterstellt. Inbetriebnahme des Nebenlagers Golleschau (Zementwerke). SS-Obersturmführer Schöttl übernimmt die Leitung des „Kommandos Buna“; Schöttl wird im Oktober 1942 Lagerführer des neu errichteten Lagers Buna. Reichsführer SS Heinrich Himmler besucht an zwei Tagen (17./18. Juli) Auschwitz, u.a. läßt sich Himmler von I.G.-Oberingenieur Max Faust die Baumaßnahmen auf dem I.G.-Baugelände zeigen. Die letzte in diesem Monat vergebene Häftlings-Nummer war: 54.422 (Männer) Belegstärke des Männerlagers: 21.421 Häftlinge. Die letzte in diesem Monat vergebene Häftlings-Nummer war: 13.244 (Frauen)

    August 1942 Das Frauenkonzentrationslager (Blöcke 1-10 des Stammlagers) wird aufgelöst; die weiblichen Häftlinge werden nach Birkenau (BIa) überstellt. Ausbruch einer Flecktyphusepidemie. Inbetriebnahme des Nebenlagers Jawischowitz (Kohlebergwerk). Das „Komando Buna“ stellt wegen der Epidemie seine Arbeit ein. Die letzte in diesem Monat vergebene Häftlings-Nummer war: 62.251 (Männer) Die letzte in diesem Monat vergebene Häftlings-Nummer war: 18.819 (Frauen)

    Oktober 1942 Überstellung von jüdischen Häftlingen aus den KZs im „Reichsgebiet“ nach Auschwitz. Etwa 800 Häftlinge werden vom Stammlager in das „Arbeitslager Buna“ überstellt. Inbetriebnahme des Nebenlagers Chelmek (Schuhfabrik). Die letzte in diesem Monat vergebene Häftlings-Nummer war: 72.160 (Männer) Die letzte in diesem Monat vergebene Häftlings-Nummer war: 23.376 (Frauen)

  • 1943

    Juli 1943 Kommandant Höß und I.G.-Betriebsleiter Walther D