DDT in Afrika

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    07-Mar-2016
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Helfen Sie mit, diese Gefahr für Mensch und Umwelt zu stoppen!

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  • BIOVISIONNewsLetter 18 /April 09

    Seite 2 : BioVision bekmpft den Einsatz des Umweltgiftes in Afrika Seite 4 : Projekt Cabesi: Hhenflge und Stolpersteine in West Pokot Seite 6 : Internet-Einstieg auch fr AnfngerInnen Seite 7 : Schweizer Landwirt-schaftsschule als Vorbild fr Afrika Seite 7 : Hans Rudolf Herren trifft Bundesrtin Doris Leuthard

    www.biovision.ch

    DDT in AfrikaHelfen Sie mit, diese Gefahr fr Mensch und Umwelt zu stoppen! Seite 2

  • 2Hans Rudolf Herren ist emprt: Es ist eine Schande, dass man DDT jetzt wieder in den Entwicklungslndern einsetzt, weil es vermeint-lich billig ist, sagt der Prsident von BioVision. Bei uns kme das berhaupt nicht in Frage. Und was fr uns schlecht ist, kann fr andere nicht gut sein! Das Insektizid sei nicht umsonst verbannt worden, gibt der Agronom und Insektenforscher zu bedenken. DDT untergrabe die Anstrengungen fr eine nachhaltige Landwirtschaft, schdige die Gesundheit von Menschen und Tieren und ntze im Kampf gegen Malaria lngerfristig doch nichts. Stichproben in Afrika zeigten bereits heute DDT-Resistenzen der Malaria-Mcken.

    Vom Maikferkrieg zum VogelsterbenDichlordiphenyltrichlorethan (DDT) galt, bevor es verboten wurde, als Wundermittel in der Landwirtschaft und zur Bekmpfung von krankheitsbertragenden Insekten. Anfang der 50er Jahre besprh-ten Flugzeuge ganze Landstriche mit dem Insektizid. In der Schweiz

    gingen die Flge als Maikferkrieg in die Geschichte ein. Es war der Schweizer Paul Hermann Mller, der die insek-tizide Wirkung des Mittels entdeckt und dafr den Nobel-preis erhalten hatte.Schon frh gab es allerdings Hinweise auf Risiken und Ne-benwirkungen. DDT reichert sich im Krpergewebe an, und seine Abbauprodukte haben hormonhnliche Wirkung. Das Mittel geriet unter Verdacht, Krebs erregend zu sein. Doch nicht nur fr die menschliche Gesundheit zeichneten sich Gefahren ab: Vgel legten Eier mit zu dnnen Schalen, in Gebieten mit hoher DDT-Dosierung elen sie buchstblich vom Himmel.

    Gift oder Lebensretter?Anfang der 70er Jahre wurde DDT in den meisten Indus-trielndern verboten. 2001 unterzeichneten 122 Staaten die Stockholm Konvention, eine bereinkunft ber das Verbot von organischen Giften, die sich in der Natur anreichern, darunter auch DDT. Das Abkommen ermglicht den Ein-satz von DDT nur noch in begrndeten Ausnahmefllen zur Bekmpfung von Mcken, die Malaria bertragen, so-fern keine unbedenklichen, wirkungsvollen und erschwing-lichen Alternativen vorhanden sind. Die Konvention wird heute von 162 Lndern anerkannt, nicht aber von den USA. Die Malariatragdie in Afrika muss herhalten fr poli-tischen Druck, um internationale Regeln zum weltweiten Schutz von Gesundheit und Umwelt vor Chemikalien zu schwchen, stellt Paul Saoke, Direktor der rzte fr sozi-ale Verantwortung von Kenia, fest. Rckenwind bekam die Lobby der DDT-Befrworter durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die 2006 pltz-lich den Einsatz von DDT in Innenrumen ausdrcklich empfahl. Dabei werden Wnde von Husern und Htten mit einer DDT-Suspension besprht, die Mcken vertreiben oder abtten soll. Zwar hat die WHO spter erklrt, dass sie weiterhin das Ziel untersttze, DDT durch andere Mittel im Kampf gegen Malaria zu ersetzen. Gesttzt auf die WHO haben aber vor allem die USA den DDT-Einsatz propagiert.

    BioVision sagt Nein zu DDTDie Stiftung BioVision engagiert sich seit Jahren mit positivem Leistungsausweis fr die Bekmpfung der Malaria mit kologisch einwandfreien Mitteln. Das Problem wird an der Wurzel angegangen, indem die Krankheitsbertrger schon in ihren Brutsttten biologisch kontrolliert werden. Die von BioVison untersttzten Projekte beweisen, dass Malariamcken und damit die Malaria-Erkrankungen mit umwelt-vertrglichen Methoden stark reduziert werden knnen.Die Stiftung BioVision lehnt den Einsatz von DDT auch im Kampf gegen die Malaria entschieden ab. DDT ist schdlich fr die Gesund-heit von Mensch und Umwelt und gefhrdet die Biovielfalt. Zudem isterwiesen, dass die Malariamcken nach kurzer Zeit resistent werdengegen DDT und der Einsatz dieses Insektengiftes somit keine nachhal-tige Lsung sein kann.

    BioVision fordert alle Staaten auf, die Alternativen zu DDT zu frdern und umweltvertrgliche Methoden in der Malariabe-kmpfung aktiv zu untersttzen. www.biovision.ch/Malaria

    DDT in AfrikaBioVision bekmpft die Rckkehr des UmweltgiftesVon Charlotte Walser, InfoSd

    Von 14 afrikanischen Staaten ist heute bekannt, dass sie DDT in der Malariabekmpfung einsetzen, oder den Ein-satz planen: u.a. sind das Sdafrika, Sambia, Simbabwe, Mozambik, Gambia, Namibia und thiopien.

    In den 70er Jahren wurde DDT bedenkenlos versprht. Heute ist der Einsatz in der Landwirtschaft in allen Industriestaaten verboten.

  • 3Fehlende Kostenwahrheit fr DDT

    Das Argument, DDT sei die billigere Lsung, greift zu kurz, weil es die negativen Folgen und Risiken fr Umwelt und Gesundheit, so-wie fr den Exportmarkt landwirtschaftlicher Erzeugnisse, ignoriert. Zudem wird der Auf-wand fr einen kontrollierten Umgang und die sichere Entsorgung alter Lagerbestnde von DDT nirgends beziffert. Wenn wir die vorhandenen Mittel fr nachhaltige Strategien in der Malariabe-kmpfung einsetzen, knnen wir die Betroffenen schtzen und die Krankheit besiegen, ohne Gefahren fr Mensch und Natur und ohne immense Folgekosten, sagt Hans Rudolf Herren.

    Die Bush-Administration sprach im Rahmen der Presidential Malaria Initiative Millionen von Dollars dafr.Die Befrworter von DDT-Einstzen machen geltend, dass das Insektengift im Kampf gegen die Malaria Leben retten kann. Sie betonen, dass bei niedriger Dosierung in der Hauswand-besprhung keine Schden entstehen wrden. Paul Saoke warnt und verweist auf neuste Ge-sundheitsstudien in Lndern wie Sdafrika. Die machten immer deutlicher, dass DDT auch in kleinen Dosen in Innenrumen eine Gefahr fr die Gesundheit der Bewohner darstelle, die sich insbesondere bei Neugeborenen manifestiere. Der Einsatz von DDT ist umso fragwrdiger, als

    sich Malaria mit gesundheitlich unbedenklichen Massnahmen erfolgreich bekmpfen liesse. Darauf weist auch Hans Rudolf Herren immer wieder hin: DDT zu produzieren, in Entwick-lungslnder zu importieren und in der Malari-aprvention einzusetzen, ist der falsche Weg. Missbruchliche Anwendungen in der Landwirt-schaft sind programmiert, sagt der anerkannte Wissenschafter und mahnt: Wir haben gen-gend Beweise, dass mit diesem Insektizid das Problem nicht zu lsen ist. Im Gegenteil die ganze Sache wird damit noch verschlimmert!

    Missbrauch unvermeidlichTatschlich ist die Beschrnkung auf eine kon-trollierte Raumbesprhung in vielen Lndern illusorisch. In Mozambik wird DDT bereits als Ersatz fr Moskitonetze betrachtet. Je mehr DDT im Umlauf ist, desto grsser ist die Gefahr, dass das Mittel in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Das kann fr die betroffenen Staaten wirt-schaftlich verhngnisvoll sein: Unter Umstn-

    den knnen sie ihre Produkte nicht mehr exportieren. Die Welthandelsorganisation (WTO) erlaubt es nmlich, fr Produkte mit DDT-Rckstnden Importsperren zu erlas-sen. Viele Experten vermuten deshalb, dass die USA und andere Industrielnder, die den Einsatz von DDT propagieren, auch wirtschaftspolitische Interessen verfolgen. DDT-Rckstnde seien ein willkommener Anlass, Produkte aus Entwicklungslndern vom eigenen Markt fernzuhalten.

    Alarmierende ZahlenHinweise auf landwirtschaftliche Anwen-dungen in der Gegenwart gibt es bereits, wie das in Genf angesiedelte Sekretariat der Stockholm Konvention in einem Be-richt von letztem Herbst schreibt. Eine zu-nehmende Zahl von Staaten fhre DDT ein, ohne den korrekten Gebrauch gewhrlei-sten zu knnen. Gemss dem Bericht wer-den jhrlich 4000 bis 5000 Tonnen DDT eingesetzt, Tendenz steigend. Im Haupther-stellerland Indien stieg die Produktion zwi-schen 2005 und 2007 um 50% an. Auch die Lagerbestnde nehmen zu, wobei aktuelle Zahlen oft fehlen was eine ef ziente Kon-trolle durch die zustndigen internationalen Gremien erschwert. Die jngsten Angaben aus Mozambik zum Beispiel stammen von 2005. Bereits damals wurden im Land 308 Tonnen DDT gelagert.Die Suche nach Alternativen sei dringlich und unabdinglich, steht im neusten Stock-holmer Bericht. In den vergangenen Jahren seien diese von DDT verdrngt worden. Die Vertragsstaaten der Stockholm Kon-vention treffen sich im Mai 2009 zu einer Konferenz in Genf. Erstmals soll die Liste der persistenten organischen Schadstoffe (POPs) ergnzt werden. Zur Debatte steht aber auch, wie die Verbote durchgesetzt werden knnen. Den Fall DDT haben Ex-perten an einer Vorbereitungskonferenz im

    November errtert. Die Teilnehmenden darunter auch Vertreter von BioVision aus der Schweiz und des icipe aus Kenia erar-beiteten einen Businessplan zur Frderung von Alternativen.

    Bio statt ChemiekeuleDass es wirksame umweltfreundliche Me-thoden zur Malariabekmpfung gibt, bewei-sen die von BioVision untersttzten Projekte in Kenia. Gemeinsam mit dem Internationa-len Insektenforschungs-Institut icipe fhrt BioVision mehrere Projekte in Malaria-Ge-bieten Afrikas mit weit ber 100000 Betrof-fenen durch. Die Menschen werden ber die Gefahr von Moskitos informiert und in die Beseitigung der Brutsttten einbezogen. Durch eine Kombination verschiedener Massnahmen Behandlung der Brutgews-ser mit dem umweltfreundlichen Bti (Bacil-lus thuringiensis israelensis), Verteilung von Bettnetzen und konsequente Behandlung der Malariakranken kann der tdliche Kreislauf zwischen Mcke und Mensch un-terbrochen werden.Der Ansatz von BioVision und icipe zeigt Wirkung: Innert zwei bis drei Jahren gin-gen die Malariainfektionen im Gebiet von Malindi um ber 22% zurck. In Nyabondo

    Prominentes Opfer von Bioziden: 1970 war der Wanderfalke bei uns praktisch ausgestor-ben. Nach dem DDT-Verbot erholte sich der Bestand. Heute brten in der Schweiz ber 200 Paare.

    Tglich sterben 3000 Kleinkinder an den Folgen der Malaria.