Demokratiestammtisch-Vielfalt als Chance

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    12-Mar-2016
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Dokumentation zur Auftaktveranstaltung

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  • 2 Dokumentation Demokratiestammtisch: VIELFALT ALS CHANCE

    INHALT Vorbemerkungen 03 Impulsvortrag Der Demokratiestammtisch - 04 Idee und Ziele Jan Bartelheimer (AWO Landesverband Sachsen-Anhalt e.V.) Moderierte Gesprchsrunde 07 VIELFALT ALS CHANCE - Begegnung und Untersttzung gemeinsam gestalten Workshopergebnisse 10 Kompass und Fahrplan - erste Schritte zur Umsetzung Zusammenfhrende Ein- und Ausblicke. Ein Resmee 12 Impressum 12

  • 3 Dokumentation Demokratiestammtisch: VIELFALT ALS CHANCE

    Vorbemerkungen Liebe Leserinnen und Leser, die Auftaktveranstaltung zum Demokratiestammtisch VIELFALT ALS CHANCE ist nun Geschichte. Doch vorbei ist damit noch lngst nicht alles: Ganz im Gegenteil. Gerade die vorliegende Zusammenfassung beweist eindrucksvoll, dass der mit dem ersten Aufschlag angestoene Dialog auf Augenhhe in jedem Fall das Potential hat, Vernderungsprozesse auszulsen. Sicherlich nicht sofort und auch nicht berall. Aber das aufeinander Zugehen, die direkte Begegnung zwischen Zugewanderten ob mit oder ohne deutschen Pass und Einheimischen, kann Vorurteile und Klischees im Alltag abbauen, Brcken schlagen und Freundschaften strken. All dies, so unsere feste berzeugung, trgt mit dazu bei, das Weienfels und Umgebung am Ende etwas vielfltiger und offener wird. Auch wenn es fast ein alter Hut ist, gilt immer noch: Demokratiefrderung ist die beste Rechtsextremismusprvention. Dieser Prmisse fhlte sich offensichtlich auch der Kreistagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Burgenlandkreis e. V., Maik Reichel, verpflichtet, wenn er in seiner Begrung eindeutig feststellte: Helfen Sie uns in der Politik, andere Wege zu finden und zu gehen. Oberbrgermeister Robby Risch, der hinlnglich dafr bekannt ist, Formen der kooperativen Demokratie nicht abgeneigt gegenber zu stehen, hat sich trotz Sitzungsstress und Termindruck die Zeit genommen, zum Auftakt vorbeizuschauen. Unddies nicht mit leeren Hnden: Die Tren des Rathauses stehen dem Projekt offen, jederzeit.

    Oberbrgermeister Robby Risch (l.) und Kreistagsabgeordneter Maik Reichel haben verbale Untersttzung mitgebracht

  • 4 Dokumentation Demokratiestammtisch: VIELFALT ALS CHANCE

    Die vorliegende Dokumentation, die fr Sie zudem auf der Homepage des AWO-Landesverbandes Sachsen-Anhalt e. V. zum Herunterladen bereitsteht (www.AWO-LSA.de), erfasst dabei vor allem die Ergebnisse vom 15. Dezember 2011 in der Multikulturellen Begegnungssttte Weienfels. An dieser Stelle mchten wir uns zunchst vor allem bei den zahlreichen ehrenamtlichen HelferInnen aus der Begegnungssttte bedanken, ohne deren Engagement die organisatorischen Herausforderungen nicht zu stemmen gewesen wren. Ein herzliches Dankeschn geht nicht zuletzt an alle Gste der Auftaktveranstaltung, die mit ihren lebendigen und produktiven Beitrgen den Stammtisch schon jetzt zum Gesprch gemacht haben. So muss es sein. Wir wnschen Ihnen viele Anregungen und das ein oder andere AHA-Erlebnis beim Lesen und wrden uns freuen, wenn Sie Hinweise, Kritik und Anmerkungen direkt an uns weiterleiten. Die Redaktion, im Dezember 2011

    Impulsvortrag Der Demokratiestammtisch - Idee und Ziele Jan Bartelheimer (AWO Landesverband Sachsen-Anhalt e.V.)

    Wir haben die Idee nach Weienfels gebracht, sagt Jan Bartelheimer, der beim AWO-Landesverband als Referent fr Demokratiefrderung und Migration zustndig ist. Er hat

    einen Vortrag dabei, der erfrischend anders ist. Fremdwrter, Soziologensprech und Antragslyrik hat er augenscheinlich aus seiner Prsentation verbannt, stattdessen wird auf selbsterklrende Bildersprache gesetzt. Gut so, kommt er doch damit auch der Zielgruppe entgegen, die eher in der Praxis verhaftet ist, wie der weitere Abend noch berdeutlich zeigen sollte.

    Hier dieser grne Kreis stellt die Region Weienfels dar, fhrt der Politikwissenschaftler gleich zu Anfang eine seiner zahlreichen Bildmarken ein. Damit auch alle etwas damit anfangen knnen, schiebt er nach: Diese Grenze ist nicht geographisch zu sehen, sondern zwischenmenschlich. Es msse darum gehen, allen Menschen eine kulturelle und politische Teilhabe zu ermglichen. Nicht nur in einem multikulturellen Zentrum,

  • 5 Dokumentation Demokratiestammtisch: VIELFALT ALS CHANCE

    sondern eben auch in der Schwimmhalle, im Sportverein und dem Sonnenstudio. Das Zauberwort: Integration kann nur lebenswirklich gelingen. Denn schlielich bringe jede und jeder Werte, Normen und Ressourcen in die Gesellschaft ein, unabhngig davon aus welchem Herkunftsland oder mit welchem Migrationshintergrund. Bei Bartelheimer sind das viele bunte Punkte, manche gleich und manche anders, manche im Kreis und andere auerhalb der geometrischen Form. Und genau diese Barrieren, mssten im Alltag aufgebrochen werden, stnden sie doch fr gefhlte oder tatschliche Ausgrenzung und ein gertteltes Ma an Unsicherheit und Frustration. Wenn ein Arzt aus Russland oder eine Professorin aus Rumnien hier nicht arbeiten knnten, weil die Abschlsse nicht erkannt werden, ist fr den AWO-Mitarbeiter klar: Sie schaffen es nicht allein, die grne Grenze zu berwinden.

    Die Idee des Demokratiestammtisches VIELFALT ALS CHANCE setze deshalb auf Partnerschaften zwischen MigrantInnen und der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Runtergebrochen heit das: Gegenseitige Untersttzung im Alltag. Nur so, da ist sich Jan Bartelheimer sicher, knne das gegenseitiges Verstehen und Begreifen verbessert werden. Das Projekt mchte fr eine solche lebenswirkliche Begegnung einen Raum geben. Keinen geschtzten, sondern einen nach allen Seiten offenen. Dabei seien Sprachpatenschaften ebenso vorstellbar, wie ganz praktische Nachbarschaftshilfe im huslichen Umfeld oder bei Angehrigen.

  • 6 Dokumentation Demokratiestammtisch: VIELFALT ALS CHANCE

    Selbst wenn all dies nur ansatzweise funktioniere, sei die Grenze durchlssiger, gestrichelt eben, um bei der visualisierten Krcke zu bleiben: Der Stammtisch soll Ausgrenzung minimieren. Uns geht es um den Aufbau einer Willkommenskultur. Jan Bartelheimer schliet mit einem Appell an die lokalen Eliten: Bringen Sie sich bitte mit Ihrem Namen in diese Strategie ein.

  • 7 Dokumentation Demokratiestammtisch: VIELFALT ALS CHANCE

    Moderierte Gesprchsrunde VIELFALT ALS CHANCE - Begegnung und Untersttzung gemeinsam gestalten Jan Bartelheimer kndigt den ganz praktischen Teil an: Es gibt keine Rechtschreibkontrolle, versprochen. Die Gste sind zusammen mit den Moderatoren nun auf der Suche nach den Themen, nach den Feldern und Schwerpunkten, die der Stammtisch in 2012 aufgreifen knnte.

    Nicht wenige Wortmeldungen kreisen dabei um einen Begriff: Wegweiser. Es mangele an Hilfeleistungen, die den Besuch von Behrden und mter fr MigrantInnen ein wenig durchschaubarer machen knnten. Ob es diesen Bedarf tatschlich gibt, ist in der Runde zunchst umstritten. Die Integrationskoordinatorin des Landkreises verweist darauf, dass es in diesem Bereich sehr wohl schon Anstrengungen gegeben habe. Schlielich htte sich die Arbeitsgruppe Interkulturelle Kompetenz mit dem Komplex befasst und mittlerweile sei ein Internetportal geschaltet, auf dem zentral viele Informationen abrufbar wren. Diese Bemhungen stellen andere DiskutantInnen nicht in Abrede, bezweifeln jedoch die Wirkungsmchtigkeit im Detail. Diese kritische Sicht, dass wird schnell klar, speist sich jedoch wiederum aus einer anderen Debatte, nmlich jener um wirksame Manahmen zur Sprachfrderung.

  • 8 Dokumentation Demokratiestammtisch: VIELFALT ALS CHANCE

    Wer die Infobroschren rein sprachlich nicht versteht, kann auch mit den buntesten Bildchen nichts anfangen, bringt es eine Teilnehmerin auf den Punkt. Die Angebote mssten dahingehend auf den Prfstand, ob sie von den Menschen erfasst werden knnten, im Sinne einer Sender-Empfnger-Harmonisierung berhaupt funktionieren. Diesbezglich seien eben nicht nur Verwaltung, Politik und

    Vereinslandschaft gefordert. Es msse auch bei den Zugewanderten der Wille bestehen, sich mit der Umgangssprache wirklich zu befassen, sie in ihren Alltag einzubinden.

  • 9 Dokumentation Demokratiestammtisch: VIELFALT ALS CHANCE

    Gerade dort, dass hat die Diskussion eindeutig gezeigt, gibt es ganz unterschiedliche Erfahrungshorizonte, Zugnge und Meinungsbilder. Ein zugewanderter Geschftsmann, schildert seine Beobachtung recht unmissverstndlich: Wir haben eine Gruppe, die will Deutsch lernen und eine andere Gruppe will nicht. Die, die es nicht wollten, wrden es vor allem nicht tun, weil ihr Aufenthaltsstatus vllig unklar sei: Weil sie die Hoffnung nicht haben, lnger bleiben zu knnen, sind sie absolut nicht motiviert. Eine jugendliche Teilnehmerin mit kaum hrbaren Akzent, ist indes der Meinung: Wenn meine Eltern den ganzen Tag vorm Fernsehen sitzen und den russischen TV-Sender schauen, knnen sie ja nichts lernen. Das Gesprch rundet eine Teilnehmerin ab, die es augenscheinlich wissen muss: Ich bin die dienstlteste Migrantin und lebe seit 17 Jahren hier. Die Sprache wirklich zu erlernen, da ist sie sich sicher, habe nicht nur etwas mit Motivation zu tun: Dazu braucht es den Kontakt mit den Weienfelsern. Und ganz ehrlich, da sind die Mglichkeiten noch lange nicht ausgeschpft, auf beiden Seiten.

  • 10 Dokumentation Demokratiestammtisch: VIELFALT ALS CHANCE

    Richtig erfrischend, da sehr lebenswirklich, war indes ein Diskursstrang, der sich mit einer offenbar entscheidenden Frage befasste: Wer redet hier eigentlich ber wen und warum? Ein Kommentar brachte es auf den Punkt: Wir mssen nicht ber sie, sondern mit ihnen reden. Gemeint war der Umstand, dass Statements von Eingewanderten in der gesamten Debatte nur eine bedingte Rolle spielten. Diskussionsbesti