Der Auftrag - Wintersemester 2012

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Am 11. Oktober 2012, dem 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, begann das Jahr des Glaubens. Das ist auch für uns Anlass, diese Ausgabe unserer Seminarzeitschrift dem Thema „Glauben“ zu widmen.

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  • Bischfliches PriesterseminarInnsbruck-Feldkirch

    Heft 1 1 0

    Wintersemester 201 2

  • 2 Der Auftrag Heft 110 Wintersemester 2012

    REDAKTION

    Liebe Leserinnenund Leser!

    Ein herzliches Vergelt's Gottfr Ihre Untersttzung!Das Priesterseminar dankt allen, dieum geistliche Berufe beten!Besonders danken wir diesmal allenkontemplativen Orden unsererDizese, die uns fter mitteilen, dasssie tglich im Gebet an uns denken!

    Am 11. Oktober 2012, dem 50. Jahrestag der Erffnung desZweiten Vatikanischen Konzils, begann das Jahr desGlaubens. Das ist auch fr uns Anlass, diese Ausgabeunserer Seminarzeitschrift dem Thema Glauben zuwidmen. Der Papst greift in seinem Motu proprio dieseszentrale Anliegen auf, das wir auch in jeder Eucharistiefeiervor Gott bringen, wenn der Priester vor der Kommunionbetet: Herr Jesus Christus, schau nicht auf unsere Sndensondern auf den Glauben deiner Kirche.

    Was der Glaube fr unser Leben bedeutet und wie dieserGlaube in unserem Leben verwirklicht werden kann,versuchen die Beitrge in dieser Ausgabe aufzuzeigen. Siefinden Artikel, die das Papstwort zum Jahr des Glaubensaufgreifen und Einblicke in verschiedene Lebensbereicheerffnen. Dabei kommen neben einem Professor undunserem Regens, auch ein Religionslehrer und eineFamilienmutter zu Wort, die von ihren Erfahrungen derGlaubensweitergabe in Familie und Schule berichten. Sieerhalten durch unsere Kollegen aus Indien und Nigeria aucheinen Einblick zur christlichen Glaubensweitergabe imindischen und afrikanischen Kontext. Vorbilder im Glauben,von denen einige vorgestellt werden, machen uns Mut undbestrken uns auf dem Glaubensweg.

    Auch die Berichte ber die Priesterweihe und diePrimizen fgen sich gut in das Thema ein, denn Glaubenwird sichtbar durch Taten. Es ist ein Zeugnis des Glaubens,wenn sich junge Menschen radikal in den Dienst desHERRN stellen. Wir sind alle gerufen Glaubenszeugen zusein. Da wir jedoch um unsere Schwachheit und Begrenzt-heit wissen, vertrauen wir auf Gott, der uns in seiner Gnadedie Kraft verleiht, das Geschenk des Glaubens anzunehmen,zu hten und weiterzugeben.

    In herzlicher Verbundenheit im Gebet grt Sie IhrRedaktionsteam: Siegmund Bichler, Alexander Meier undLojin Kalathipparambil

  • Der Auftrag Heft 110 Wintersemester 2012 3

    LIEBE SCHWESTERN UND BRDER IM GLAUBEN!

    Liebe Schwesternund Brder imGlauben!

    Benedikt XVI. ldt uns ein, das Tor desGlaubens in diesem Jahr weit zu ffnen.Glaubend gehen wir ber die Schwelle desSichtbaren hinein ins Mysterium Gottes.Glauben heit: ber die Schwellegehen. Dabei setzen wir einen groenSchritt, weil wir uns ber die sichtbare,

    greifbare, messbare Wirklichkeit auf eine unsichtbare Wirk-lichkeit einlassen: Auf Gott, seine Engel und Heiligen, aufGottes ewiges Reich, das schon und noch nicht da ist.

    Glaubende betreten oft den Raum Gottes, der nicht nurjenseitig, sondern seit der Menschwerdung Jesu Christi auchsehr diesseitig ist. Alfred Delp sagt: Die Welt ist randvollmit Gott. Wir begegnen ihm hier und heute in JesusChristus, verborgen, aber direkt. Der Hl. Jakobus schreibt:Wer sich Gott naht, dem naht sich Gott (Jak 4,8). Ausdieser Aussage drfen wir schlieen: Immer, wenn wir beiGott sein wollen, ihm nahe sein wollen, ihm unsere Anliegenund unseren Dank sagen wollen, sind wir bei ihm und ist erbei uns. Gott hat sich schon im AT als der Da seiendeoffenbart. Jesus unterstreicht diese Wahrheit, wenn er sagt:Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung derWelt (Mt 28,20). Das ist keine Phantasie, kein bloerWunschtraum. Das ist unser Glaube. Im Ps 145,18 (und anvielen anderen Stellen der Bibel) heit es: Der Herr ist allennahe, die ihn anrufen.

    Unzhlige Generationen vor uns ffneten die Tr desGlaubens und traten ber die Schwelle des Sichtbaren insUnsichtbare zu Gott hin mit ihren Bitten, ihrem Dank, ihrerFreude und Hoffnung, ihrer Trauer und Angst. Er istunsere Hilfe schrieben sie im Ps 33,20, um auch sptereGenerationen zum Glauben zu ermutigen. Gott hilft immer,manchmal oder nicht selten allerdings anders als wirmchten, denn Seine Wege sind weit ber unseren Wegen;seine Gedanken sind weit ber unseren Gedanken (vgl.Jes 55,8) .

    Glaubende machen neben dem oben gesagten dieErfahrung, dass Gott Person ist, ein Du, ein Gott der unsliebt, der aber in keinen Rahmen zu pressen ist. Wenn wirsehr gro von Gott denken, so ist Gott noch viel grer alswir je zu denken vermgen. Dies bedeutet, dass wir alleHilfe von Gott erwarten drfen; wie er aber hilft, drfen wirgetrost Seiner Weisheit und Liebe berlassen.

    Wo ein Mensch seinen Fu im Gebet fter ber dieSchwelle des Sichtbaren ins Unsichtbare setzt, da entfaltensich in ihm die Gaben des Glaubens. Wir knnen diesebenennen: Gottesfreundschaft, Gottvertrauen, Freude anGott, Friede, Nchstenliebe.

    Alle, die je eine Freundschaft mit Menschen erlebten,finden hier Parallelen. Durch eine Freundschaft und durchden Glauben wird das Leben reich (Joh 20,31 ). In derGottesfreundschaft, wie auch bei der Freundschaft unterMenschen, ffnet sich das Auge des Herzens, das uns mehr,tiefer und dankbar sehen hilft.

    Schon Saint-Exupry schrieb: Man sieht nur mit demHerzen gut. Glaubende sehen mit dem Herzen GottesWirken in der Zeit, im Alltag, im persnlichen, ffentlichenund kirchlichen (durch Nchstenliebe und besonders imsakramentalen) Leben, in der Schpfung. Das macht siefroh. Einer schrieb: Manchmal gengt eine Blume und ichentdecke den Himmel. Manchmal hre ich ein paar TakteMusik und ich bin in einer anderen Welt. Manchmal leide

  • 4 Der Auftrag Heft 110 Wintersemester 2012

    LIEBE SCHWESTERN UND BRDER IM GLAUBEN!

    vermgen. Die Hand selbst wird dabei zur Faust, zur Waffe.So entstanden in der Geschichte die Religionskriege. WoMenschen aber tglich neu ber die Schwelle des Sichtbarenins Unsichtbare, ins Mysterium Gottes eintreten, und umeinen starken Glauben bitten, werden die Hnde, wird dasHerz des Menschen wie eine Schale bereit zu empfangen,bereit zu geben. Glaubende sind Empfangende und auchGebende. Die grten Werke auf unserer Erde, die wir nichtmissen mchten, wurden von Glaubenden vollbracht,gegeben, geschaffen aus Dank.

    Wir glauben allein, eigenverantwortlich, als Individuumund wir glauben gemeinsam, als Kirche. Imgemeinschaftlichen Glauben erfahren wir viel Sttze durchdie Mitglaubenden. Vielleicht danken wir einmal bewusstfr alle Glaubenssttzen auf unserem Lebensweg und fralle, die uns in den Glauben der Kirche eingefhrt haben:Die Eltern, die Oma, die Freunde, Religionslehrer, Priester,Heilige, Mrtyrer.

    Das Vorbild des glaubenden Menschen inmitten derApostel, der Jnger und Jngerinnen, der Kirche als solcher,ist Maria. Sie ist stndig ber die Schwelle des Sichtbarenins Unsichtbare gegangen. Dabei ist sie Gott tief begegnet.Sie hat seine Hilfe erfahren. Sie sang ihm, dem Barmherzigenund Unbegreifbaren das Magnifikat. Als Glaubende ist sieunsere Mutter und Schwester. So bitte ich: Maria, gib unsdeinen Glauben! Im Blick auf Jesus bete ich: Herr, vermehreunseren Glauben!

    Dr. Peter Ferner, Regens

    ich, aber es trstet mich weil ich sehe: ich bin vom Herrgetragen. Ja, wir sehen nur mit den Herzen gut; dasWesentliche ist fr das natrliche Auge unsichtbar.

    Denken wir an die Hostie: Wir sehen Brot. DerGlaubende sieht Jesus Christus, gegenwrtig als wahrer Gottund wahrer Mensch. Um diese Sicht geht es. Diesen Schrittmachen wir im Glauben.

    Der Glaube als solcher ist nichts Festes. Er ist einmal stark,ein andermal ist er schwach. Wir knnen ihn auch verlieren.Wer den Glauben verloren hat, soll wissen, dass wer ihnsucht, ihn wieder findet (vgl. Mt 7,8). Stark wird der Glaubedurch die Begegnung mit dem Wort Gottes, dem Wort derHeiligen Schrift, dem fleischgewordenen Wort, dem WortGottes, das jeder und jede von uns ist. Glaube kommt vomHren.

    Glaube ist ein Geschenk. Nie ist Glaube ein Besitz. Woeiner behauptet: Ich habe den Glauben und anderenvielleicht den Glauben abspricht, wird der Glaube wie eineMnze, die wir mit unserer kleinen Hand festzuhalten

  • Der Auftrag Heft 110 Wintersemester 2012 5

    PERSPEKTIVE DES RELIGIONSUNTERRICHTS

    Zum Jahr des Glaubens

    aus der Perspektive des

    Religionsunterrichtes

    Wir alle sind aufgefordert, im Jahr desGlaubens, welches anlsslich des 50-jhrigen Konzilsjubilums ausgerufenwurde, uns mit dem Geist des Konzilsund seinem Wirken bis heute und inunserer Zeit auseinanderzusetzen.Aggiornamento war ein zentralerGedanke des Konzils: Das Evangelium

    sollte neu entdeckt und in die heutige Zeit bersetzt werden.Wie knnen wir diesem Auftrag im Rahmen des

    Religionsunterrichtes gerecht werden? Ich denke, besonderswichtig ist, dass das Evangelium, die Frohe Botschaft ,eine zentrale Rolle im Religionsunterricht unabhngig vonder Altersstufe darstellen sollte. Diese Frohe Botschaft denjungen Menschen als ihre froh machende Botschaft zuvermitteln und ihnen als Hilfe im Leben anbieten zu knnen,muss ein Grundanliegen von gelingendem Religionsunter-richt sein. Die Form der Vermittlung muss dabei natrlichimmer wieder neu hinterfragt und adaptiert werden. EineVermittlung von Glaubensinhalten, die sowohl inhaltlich alsauch sprachlich fr die Kinder und Jugendliche fern ab ihrerRealitt zu sein scheint, wird wohl blutleer bleiben undnicht als froh machende Botschaft aufgenommen werdenknnen. Es geht vielmehr darum, Glaubensinhalte mitLebensinhalten zu verknpfen. Eine meiner Unterrichts-praktikantinnen meinte dazu einmal anlsslich eines

    gestellten Stundenthemas: Hinfhrung zum Sakrament derVershnung, das knne sie nicht unterrichten, da htte siekeinen Bezug dazu! Daraufhin riet ich ihr, Bezge zu ihremLeben zu suchen und ebenso bei den SchlerInnen nachmglichen Anknpfungspunkten zu suchen. Wenn wirReligionsunterricht im Sinne der bersetzung deschristlichen Kirchenvaters Lactantius auf das lateinischeVerb religare (=anbinden, zurckbinden, an et