Der Grossglockner (Jakob Lorber)

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    26-Dec-2014
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    Spiritual

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Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.

Transcript of Der Grossglockner (Jakob Lorber)

  • 1. DER GROSSGLOCKNEREin Evangelium der Berge.Durch das innere Wort empfangen und niedergeschrieben von Jakob Lorber.Nach der 6. Auflage.Lorber-Verlag Hindenburgstrae 5 D-74321 Bietigheim-Bissingen.Alle Rechte vorbehalten.Copyright 2000 by Lorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen.Einleitung Hret, und dann schauet und erfahret![Gr.01_000,01] Liebe Kinder, so ihr Mir nachfolget, da folget vllig in allem Mir nach; habtnicht Lust zu wandeln in tiefen Tlern, Grben und Schluchten, die da sind oft vollUngeziefer, unreiner Luft und nicht selten unter den Nachbarn voll Hader, Zank, Ha undaller Dieberei und gegenseitigen Fluches, sondern gehet mit Mir gern auf Berge und Hhen!Da sollet ihr allzeit entweder eine Bergpredigt, oder eine Verklrung, oder eine Sttigung mitwenig Brot, oder eine Reinigung vom Aussatze, oder einen Sieg ber die strkstenVersuchungen, eine Erweckung vom Tode und derart vieles und fr euch jetzt nochUnaussprechliches erfahren; ja, nehmet sogar Kinder mit, und ihr sollet den Segen der Bergean ihnen gar deutlich erkennen![Gr.01_000,02] Wer da ist schwachen Leibes, der soll nicht frchten die gesegneten Berge,denn ihre Scheitel sind umflossen vom strkenden Hauche der Geister des Lebens. Frwahr,auf den Bergen und Hhen, da drehen sich selige Reihen und schmcken die duftendenScheitel mit goldenen Blumen der ewigen Liebe! O prfet noch heut die Bewohner derBerge, ob sie nicht zumeist gro beschmen die Hadrer der Tler, der Drfer, der Mrkte undStdte! Die christliche Gastfreundschaft wohnet auf Bergen nur noch ungeschndet;vertrgliche Eintracht, die wohnt nicht in Stdten der Tiefe, in Tlern und Grben, aufBergen nur mt ihr sie suchen, da ist sie zuhause, so unter den Pflanzen wie unter den Tierenund eben nicht selten auch unter den Menschen.[Gr.01_000,03] O lasset zwei Feinde betreten die duftenden Scheitel der Alpen: ihr werdeterfahren und sehen die Feinde als Freunde nicht selten sich kosen. Der Wolf, dieses reiendeTier, der nach Blute nur drstet, der suchet nicht selten, frwahr, auf den Bergen seinheilendes Krutlein und schonet in diesem Geschfte der blkenden Herde der Lmmer.[Gr.01_000,04] O schauet zurck auf die ersten Vter der Vter auf Erden: sie wohnten aufHhen der Berge! Vom himmelanragenden Sinai gab Ich dem Moses die heiligen Tafeln, aufwelchen mit goldenen Zeichen des ewigen Lebens gar freie Gesetze den Menschen derschmutzigen Tiefe gezeichnet und tief eingegraben gar waren.[Gr.01_000,05] Ich brauch euch nicht mehrres von allen den heiligen Bergen zu sagen, auchnicht von der Schule der Seher und Knder des ewigen Wortes aus Mir; gehet nur fter aufBerge, und weilet recht gerne auf selben, da werdet ihr allzeit die Flle des Segens der ewigenLiebe des heiligen Vaters erfahren! Der Kulm, schon einmal von Mir euch geraten, wirdgeben dem, welcher aus Liebe zu Mir wird besteigen des grnenden Scheitel, was einstens derTabor dem Petrus, Jakobus und Meinem Johannes. Doch hret, Ich sage nicht Mu, auchnicht Soll; nur wers kann und wers will, folge Mir, seinem Meister und Vater, so wird ergar bald auch erfahren, warum Ich die Predigt des Himmels vom Berge zum Volkegesprochen! Die Zeit steht euch frei; doch je eher, je besser, das merket euch, amen! Dassage Ich Vater ganz heilig voll Liebe zu euch; hrt es, amen, amen, amen!Der Groglockner im neuen Lichte[Gr.01_000,06] In der Reinen reinrem Lande, / Da, wo reine Lfte wehen, / Wo inliebetreum Verbande / Brder miteinander gehen, / Da auch ber Wolken ragen / Freundlichdster hehre Zeugen, / Die gar groe Brden tragen, / Opfer auch, die aufwrtssteigen![Gr.01_000,07] Unter diesen vielen Zeugen, / Die das kleine Lndchen zieren, / Zeigt in still-erhabnem Schweigen / Deutlich doch der Groe Wirren. / Diesen Zeugen viele kennen, /
  • 2. Weit und breit wird er besprochen, / Doch wie viele sein erwhnen, / Wird dahier nicht vielgerochen![Gr.01_000,08] Wie er da zerklftt, zerrissen, / Und wie hoch empor er raget, / Wie er ist anseinen Fen, / Wieviel Schnee und Eis er traget, / Solches wird hier nicht beraten, /Sondern was der Riese saget, / Sei ganz kurz dahier verraten. / Und so wisse, wer da fraget:[Gr.01_000,09] Zu was ntze solche Hhen? / Solche Hhen vielfach ntzen: / Wennerboste Geister wehen / Und im Argen sich erhitzen, / Eurer Erd mit Feuer drohen, / Alls aufihr vernichten wollen, / Ja in Grimmes Feuerlohen / Schon so manches Gras verkohlen, [Gr.01_000,10] Seht, da greift der hohe Wchter / Weit um sich mit tausend Armen / All dietckischen Geschlechter / Fest und kalt ohn alls Erbarmen / So am Kragen, wie ihr saget, /Zieht an sich sie von alln Seiten, / Dann zu rhren keins sich waget, / Keins, sich weiterauszubreiten![Gr.01_000,11] Hat er sie an sich gezogen, / All die argen Ordnungsstrer, / Die die Erd sooft belogen, / Sie, der Erde Wahnsinnsmehrer, / Werden hier erst ganz ergriffen / Von desFriedens Geisterhorden / Und am Eise matt geschliffen, / Stumpf fr Lust zum fernernMorden.[Gr.01_000,12] Nun zu Schnee und Eis umstaltet / Liegen sie zu Trillionen / Schon alsHhnschmuck grau veraltet / Auf den kalten Herrscherthronen. / Seht des Glockners ntzesWalten / Seht, wie er der Ordnung dienet, / Daher seine rauhn Gestalten, / Darum auch sohoch er zinnet![Gr.01_000,13] Doch allein dazu erschaffen / Ist er wahrlich nicht geworden, / Um gerechtallzeit zu strafen / Arger Geister friedlos Horden! / Was in ihm noch alles stecket, / Was eralles noch verrichtet, / Wird in Grrem ausgehecket / Und des Nutzens Weis gelichtet!Amen.1. Kapitel Der Groglockner als Gebirgs- und Landesvater.[Gr.01_001,01] Es deucht euch wunderbar das wohlgelungene Bild, wie da majesttisch einKnig der Berge, der Groglockner genannt, aus der Mitte seiner groen Brder khn seinHaupt erhebt und schauet gewisserart nach allen Seiten hin, wo seine Kinder, von ihmauslaufend, sich befinden; aber noch wunderbarer wird es euch bednken, wenn Ich euch,nach der guten Ordnung bei seinen kleinsten Abkmmlingen angefangen, erst also bis zu ihmhinfhren werde.[Gr.01_001,02] Es wird euch freilich wohl ein wenig wundernehmen, wenn Ich dartue, daeure Steiermark auch nicht einen Hgel diesseits des Flusses Drave besitzt, der da nicht einAbstmmling dieses Gebirgsvaters wre; aber das tut nichts zur Sache, am Ende wird essich dann bei der Summierung aller Wahrheiten wohl zeigen, wie viele Fehlhiebe wir beidieser Darstellung werden gemacht haben.[Gr.01_001,03] Und so sehet denn: Wenn ihr zum Beispiel euren Schloberg besteiget, oderden sogenannten Rosenberg, oder den Plabutsch, oder den Buchkogel, oder ihr verfgeteuch ganz hinab in die letzten Auslufer der windischen Bhel, da sage Ich euch: Auf allendiesen Bergen, miteingerechnet diejenigen Alpen, die ihr schon bestiegen habt, besteiget ihrimmerwhrend noch den Fu des Groglockners.[Gr.01_001,04] Wem solches schwer zu glauben wre, der drfte, um den nchstenGebirgsweg zu haben, nur zum Beispiel hier auf dem sogenannten Buchkogel seine Reisebeginnen, von dort aus aber immerwhrend sich an die Gebirgsrcken halten welche freilichnicht immerdar gleich hoch sein werden, aber dennoch immer hoch genug, um von den Tlernwohl unterschieden zu werden , und er wird wohl auf diesem freilich etwas beschwerlichenWege schon nach einer Tagereise auf jene Alpen gelangen, welche zumeist die Steiermarkvom Krntnerlande trennen, bei welcher Gelegenheit er dann nichts anderes braucht, als denmhsamen Weg ber alle die Alpen fortzusetzen, und so er brigens festen Fues ist, kann erdarauf rechnen, da er binnen lngstens zehn Tagen schon in die sehr nahe liegenden
  • 3. Gegenden unseres Groglockners gelangt ist, ohne da er nur einmal ntig hatte, ber eintiefes Tal zu gehen.[Gr.01_001,05] Diese Reise wird ihn dann sicher berzeugen, da euer Buchkogel samtseinen noch weiterhin gedehnten Auslufern gar wohl noch mit diesem Gebirgsvaterzusammenhngt. Wer jedoch solche ziemlich beschwerliche Reise nicht zu machen gedenkt,der nehme in diesem Falle nur eine gute Landkarte, wo er freilich wohl viel bequemerdieselbe Reise unfehlbar mit seinem Finger machen kann, und er wird sich von derRichtigkeit dieser Aussage sicher berzeugen.[Gr.01_001,06] Ja, werdet ihr aber sagen, das mag wohl alles sein, denn es hngt ja derNordpol mit dem Sdpol sogar zusammen, und auf diese Weise knnen ja wohl derBuchkogel und der Groglockner auch zusammenhngen; aber was soll aus diesemZusammenhang werden? Wo sieht da ein Evangelium heraus?[Gr.01_001,07] Ich aber sage: Nur eine kleine Geduld, Meine Kindlein! Denn zwischen demBuchkogel und dem Groglockner ist des Raumes und der Dinge genug, um auf diesesRaumes Boden ein gutes Senfkrnlein auszustreuen, welches da aufgehen und seine ste undWurzeln so weit ausbreiten wird, wie unser groer Gebirgsvater seine Arme und Kinderausbreitet![Gr.01_001,08] Eine Frage lt sich hier sogleich anbringen, und zwar diese: Liegt dennetwas daran, da dort oben der Groglockner ber alle Berge sein Haupt erhebt, in einemandern Lande wieder ein anderer, der noch hher ist als der Groglockner, und wieder ineinem andern Lande noch ein dritter, der ber alle anderen hinwegschaut?[Gr.01_001,09] Hier auf diese Frage gebe Ich eine ganz kurze Antwort und sage nichts, alsda solches im Ernste sehr notwendig ist, weil von der berragenden Hhe solcher Berge innaturmiger Hinsicht die ordentliche Erhaltung nicht nur derjenigen Lnder, in denen siesich befinden, sondern eines ganzen Weltteiles abhngt, wie z.B. Europa von den drei euchhalbwegs benannten Bergen, Asien und Amerika von den ihren, usw.[Gr.01_001,10] Bei dieser Beantwortung der Frage ergibt sich schon sogleich wieder eineandere, und zwar folgende, da ihr saget: Wieso denn? Wie ist das mglich?[Gr.01_001,11] Und Ich gebe euch darauf ebenfalls eine kurze Antwort, welche also lautet:Ebenso, wie das Leben des Leibes vorn Kopf abhngt; denn wird dieser vom Leibrumpfegenommen oder sonst stark beschdigt, so geht auch alsbald das Leben des ganzen anderenLeibes unter.[Gr.01_001,12] Diese Antwort genge euch vorderhand; denn gerade also ist auch dasVerhltnis solcher Berge zum brigen Lande, wie das des Kopfes ist zu dem brigen Leibe.Geht auch das Leben nicht unmittelbar vom Kopfe aus, so ist aber dennoch der Kopf dasHauptaufnahmeorgan des naturmigen Lebens, von welchem aus dann erst dasselbe, denganzen Leib dirigierend, in alle Teile desselben ausgeht. Der menschliche Leib hat noch vieleandere Extremitten, die er verlieren kann, ohne darum das Leben einzuben; aber desLeibes oberste Extremitt lt sich nicht ohne den Verlust des Lebens einben.[Gr.01_001,13] Sehet, gerade also auch verhlt es sich mit unsern hchsten Bergen. Ihr knntzwar den ganzen Buchkogel abgraben, ja sogar ber eine hhere Alpe drft ihr euchhermachen, wenn ihr Lust und Krfte dazu besitzt; aber wre es jemandem mglich, sich auchber den Groglockner herzumachen und ihn zu planieren gleich dem vorher erwhntenBuchkogel oder einer anderen Alpe, so wrde diese Unternehmung nicht so straflos ablaufenwie die Planierung des Buchkogels oder einer andern, bedeutenderen Hhe. Denn solchegeringeren Planierungen wrden beinahe gar keine fhlbaren nachteiligen Folgen nach sichziehen, whrend die Planierung des Groglockners entweder alsbald eine unabsehbar weiteStrecke der Lnder in einen ewigen Winter oder aber wenigstens in einen weit ausgedehntenSee verwandeln wrde.[Gr.01_001,14] Hier werdet ihr schon wieder fragen: Wieso denn? Und wie ist diesesmglich?
  • 4. [Gr.01_001,15] Ein kleines Beispiel wird euch die Sache sogleich anschaulich machen.[Gr.01_001,16] Sehet: Ihr wisset, da vom Leibe aus alles Blut seinen Weg in den Kopfnimmt! Wenn nun der Kopf vom Leibe getrennt wird, was tut da das Blut? Sehet, jetzthaben wir es schon; denn ihr sagt selbst: Da wird das Blut ja alsbald aus den Adern treten,sich ber den Leib ergieen, wodurch dann die Adern und der ganze Leibzusammenschrumpfen werden; der Leib aber wird dadurch in den sichern Tod bergehen![Gr.01_001,17] Also ist es auch bei einem solchen Berge der Fall, der ebenfalls ein Rezipientder gewaltigsten inneren Wasserquellen der Erde ist, dieselben durch seine groeGrundschwere daniederhlt und nur so viel durch seine Poren davon austreten lt, dadadurch das ganze Land weit und breit seine ntige Bewsserung erhlt; den berflu dieserbestndigen Ausdnstungen der inneren Gewsser aber saugt er aus der Luft selbstsorgfltigst wieder in sich. Damit es sich nicht so leichtlich von ihm entferne, so verwandelter es in bestndiges Eis und in bestndigen Schnee, aus welchem Grunde er auch hchstselten dunst- oder wolkenlos zu erblicken ist.[Gr.01_001,18] Was aber er tut, dasselbe mssen auch wennschon in geringeremVerhltnisse bei Zeit und Gelegenheit alle seine Kinder und Kindlein tun.[Gr.01_001,19] Warum sage Ich hier Kinder und Kindlein? Aus der einfachen Ursache,weil zur Zeit der Gebirgsbildung die hchsten Berge der Erde die ersten waren, die dagebildet wurden, und von ihnen aus dann erst die anderen in zusammenhngender Ordnungauf die Art und Weise, die euch schon bekannt ist! Nur mt ihr euch dabei nicht etwadenken, heute wre zum Beispiel der Groglockner, morgen seine Kinder und bermorgenseine Kindlein gebildet worden, sondern zwischen diesen Bildungsprogressionen sind langeZeitperioden vorhanden, welche sich nicht selten auf mehrere Millionen von Erdenjahrenerstrecken, so da darob in einem Lande kaum zwei Berge vorhanden sind, die da gleichenAlters wren. Da aber unser Groglockner zu den urltesten Bergen der Erde gehrt, knntihr vorerst daraus ersehen, da er von Mir ein Vater der Berge genannt wird, und frszweite, weil er ein Haupt mehrerer Lnder ist, und frs dritte bezeugt solches sein Gestein,welches da gewaltig verschieden ist von dem Gestein seiner Kinder und Kindlein.[Gr.01_001,20] Wie aber alle die Berge gegen ihren Vater hin an Hhe zunehmen, alsonehmen sie auch zu an Alter; und je mehr ihre Scheitel sich mit bestndigem Schnee und Eiseschmcken, desto erhabener und bedeutungsvoller werden sie auch. Dieses mt ihr euch garwohl merken, denn die Folge wird es zeigen, von welcher vielseitig groen Wichtigkeit dieserSatz ist. Wir wollen uns daher in keine langen Nebendiskurse einlassen, sondern sogleich zurHauptsache bergehen, und zwar zuerst in naturmiger, dann in geistiger, dann endlich inevangelischer Hinsicht.[Gr.01_001,21] Es gibt gar viele Menschen, die da sagen: Ich habe einen sanften Hgel, dermit ckern, Wiesen, Baumgrten, Waldungen und Viehweiden belebt ist, um unvergleichbarvieles lieber den hundert Groglockner![Gr.01_001,22] Solche Menschen haben zwar einesteils wohl recht; denn auf dem ewigenSchnee und Eise des Groglockners lt sich durchaus kein Weinberg anlegen, ja nichteinmal die allerletzte Pflanze, wie zum Beispiel das harte Steinmoos, kommt da fort.[Gr.01_001,23] Ich frage aber: Ist denn ein Berg nur dann nach seiner vegetabilenFruchtbarkeit zu taxieren? Wenn es auf die Fruchtbarkeit ankommt, da ist ein jeder Bergberflssig; denn in der Ebene arbeitet sichs ja doch offenbar leichter denn auf was immer freinem Berge, und die Erfahrung wird euch schon gar wohl belehrt haben, da in der Ebenealles recht gut fortkommt. Sonach ist es doch sicher eine Albernheit, einen Berg nach seinerFruchtbarkeit zu taxieren, denn die Fruchtbarkeit der Berge ist nicht die Bedingung ihresDaseins, sondern diese dreht sich um eine ganz andere Achse. Sonach werden diejenigenwohl ihr Wort zurcknehmen mssen, welche einen fruchtbaren Hgel hher schtzen alseinen unfruchtbaren hohen Gletscher, und sie werden es sich gefallen lassen mssen, wenn
  • 5. Ich sage: Eine Quadratklafter vom Eise des Groglockners ist an und fr sich mehr wert alseine Quadratmeile voll der fruchtbarsten Hgel![Gr.01_001,24] Hier werdet ihr schon wieder fragen: Wieso denn? Wie ist das mglich?[Gr.01_001,25] Ich aber sage euch: Wenn es nur auf den gewissen Erwerbsertrag ankommt,da knnt ihr euch mit den Augen eures Kopfes, fr sich allein genommen, sicher nicht einenHeller verdienen, wohl aber mit euren Hnden und Fen! Ist aber darum das Auge nichtmehr wert denn die Hnde und Fe, welche ihr ohne das Licht des Auges schwerlichgebrauchen wrdet?! Und doch ist die Pupille des Auges gar klein im Verhltnis zu demMae der Hnde und Fe! Und mt ihr nicht zuvor ein jedes Ding, das ihr mit der Handergreifen wollt, mit dem Auge ergreifen, und so auch mit dem Auge den Fen allzeitvortreten?![Gr.01_001,26] Wenn ihr nun dieses beachtet, so wird euch wohl ersichtlich werden, warumIch eine Quadratklafter des eisigen Groglocknergrundes hher ansetze als eine ganzeQuadratmeile des fruchtbarsten Hgellandes; denn so wie ihr ohne das Auge wenig Frchtetragen wrdet an den Hnden und Fen, so auch wrden die Ebenen undKleinhgellndereien gar spottwenig Frchte tragen ohne den ewigen Schnee und das Eis derGletscher. Und in dieser Hinsicht drfte dann wohl so mancher wohlhabende Landmann eineReise nach dem Groglockner machen und daselbst in Meinem Namen sein Eis kssen; dennes hngt von der kugroen Flche des Eises am Groglockner die ganze Fruchtbarkeit seinesGrundes ab.[Gr.01_001,27] Mchtet ihr hier denn nicht schon wieder fragen: Wieso denn? Wie ist dasmglich? Nur eine kleine Geduld; es wird gleich kommen![Gr.01_001,28] Ihr wit, da sich nach dem alten Sprichwort Gleiches mit Gleichem gernvergesellschaftet. Wenn ihr in eurem Zimmer irgendeinen feuchten Stein in der Mauer habt,so wird dieser Stein nicht so leicht trocken werden, sondern wird vielmehr noch Feuchtigkeitvon allen Seiten an sich ziehen und sonach seinen Feuchtigkeitsberflu der andern ihnumgebenden Mauer mitteilen und wird somit einen groen feuchten Fleck in eurem Zimmerbewirken.[Gr.01_001,29] Sehet, also verhlt es sich auch schon wieder mit unserm Groglockner! Er istebenfalls ein sehr groer feuchter Stein in den weit ausgedehnten Lndereien eines Erdteilsund zieht dadurch von weit und weit her die in der Luft berflssig schwebendenFeuchtigkeiten an sich. Wenn aber diese Feuchtigkeiten in tropfbarem Zustande an seinenSteinwnden blieben, so wrden sie dann auch alsbald wieder in groen Strmen diesemRiesenstein entweichen und viele Lndereien um ihn herum verheeren. Damit aber solchesnicht geschieht, so bewirkt er durch seine Hhe und Gesteinseigentmlichkeit, da die in sichgesogenen Feuchtigkeiten alsbald zu Schnee, Hagel und Eis werden.[Gr.01_001,30] Aber hier werdet ihr sagen: Wenn das wirklich also ist und geschieht, somu er dadurch mit der Zeit ja ber ganz Europa hinauswachsen![Gr.01_001,31] O ja, das wrde auch sicher der Fall sein, wenn er keine Kinder und Kindleinhtte; aber diese Kinder entbrden dann ihren Vater, und zwar auf diese Art: Wenn seine Eis-und Schneelast von oben und auen hinzuwchst, da werden die unteren Teile oder dieunteren und alten Schnee- und Eismassen eben auch stets mehr gedrckt und gequetscht,wobei sich dann diese Wasser- und Luftteile durch solchen Druck in zahllosen kleinen Partienentznden, sich dann wieder in neblichte Dnste auflsen und diesem ihrem Gefngnisortentsteigen. Und da ein solcher Gletscher seine vorzgliche Anziehungskraft nur in seinenhchsten Regionen hat, so wrden diese aus seinen niederen und unteren Regionenentwichenen Dnste sich entweder als tropfbare Flssigkeit stromweise in die tieferliegendenEbenen, alles zerstrend, ergieen, oder sie wrden sich, wenigstens auf den hherenPunkten, dem Schnee und Eise anschlieen und dasselbe also fort und fort ausdehnen undmehren, da da in einem Jahrtausend ganze Lndereien von ihnen begraben wrden.
  • 6. [Gr.01_001,32] Aber damit weder das eine noch das andere geschieht, so sind einem solchenGebirgslandesvater auch eine unbersehbare Menge Kinder an die Seite gestellt, welche garbegierig die berbrdung ihres Vaters auf sich nehmen; und was ihnen selbst noch zuvielwird, da hocken um sie herum schon wieder eine Menge Kindlein, weiche den berflu garbegierig an sich nehmen. Und was denen auch noch zuviel wird, damit erst segnen sie dasganze andere weitgedehnte Flachland.[Gr.01_001,33] Und so ihr dieses nur einigermaen begreift, da werdet ihr es auch leichteinsehen, warum sich von einem solch hohen Berge so weitgedehnte, zusammenhngendeBergketten nach allen Richtungen hin fast strahlenartig erstrecken, und es wird euch auchnicht eben zu lcherlich klingen, wenn Ich euch sage, da ihr selbst aus euren Hausbrunnennoch Groglocknerwasser trinkt, und da es in eurem Lande gar spottwenig Quellen gebenwird, die ursprnglich ihr fruchtbares Dasein nicht diesem Gebirgslandesvater verdankenmchten.[Gr.01_001,34] Ja, werdet ihr sagen, aber was ist denn hernach das Regenwasser?[Gr.01_001,35] Und Ich sage euch darauf, da in eurem Lande selten ein Tropfen anderenRegens den Wolken entfllt als solcher nur, der vom Groglockner und seinen weitgedehntenKindern ber dieses Land ausgesendet wurde; und ihr wrdet eben nicht gefehlt sprechen, soihr da sagen mchtet: Der Groglockner regnet ber unser Land![Gr.01_001,36] Warum denn? Weil er drei verschiedene, weit ausgehende, krftig wirkendeArme besitzt, von denen der eine sich in seinen Kindern und Kindlein nach allen Richtungenweit ausbreitet, der zweite in all den Quellen, Bchen, Flssen und Strmen, oft noch weitergehend als seine Kinder und Kindlein, der dritte, am weitesten ausgehende Arm aber bestehtin der Wolkenregion, welche eben am Groglockner fr mehrere Lnder ihren Zentralpunktund an den vielen weit und breit ausgestreuten Kindern sorgliche Wchter und untergeordneteRuhepunkte hat, wo sie sich wieder in stets mehr und mehr dunstigen Massen ansammelt.Und wenn diese Massen zum Beispiel auf der Choralpe zu dicht angehuft werden, dann hatauch eine solche Alpe wieder untergeordnete Kindlein, welche ihrer Mutter gar begierig einengroen Teil ihrer Brde abnehmen, bei welcher Gelegenheit dann dieser dritte Arm desGroglockners, sich gewhnlich in einem wohlttigen Regen ergieend, der armen Pflanzen-und Tierwelt der Ebenen sorglich unter die schwachen Arme greift und ihr einewohlschmeckende Mahlzeit bereitet.[Gr.01_001,37] Aber das ist nur eine naturmig-ntzliche Verrichtung und Bestimmungdieses Gebirgslandesvaters.[Gr.01_001,38] Es stecken nebst dieser aber noch zwei andere und viel wichtigere imHintergrunde, welche wir in der Folge dieser Mitteilung erst werden kennenlernen; und wennihr erst diese werdet kennenlernen, so werdet ihr auch stets einen vorteilhafteren Begriff vonder groen Ntzlichkeit eines solchen totscheinenden Gebirgsriesen in euch lebendigerschauen. Denn wahrlich, Ich sage euch: Auf der Welt verhlt sich alles verkehrt! Wo ihrviel Lebendigkeit sehet auf der Erde, da ist auch ebensoviel des Todes; wo ihr aber glaubt, essei alles in einen ewigen Tod versunken, da herrscht zumeist des Lebens grte Flle und eineunberechenbar eifrigste Ttigkeit desselben.[Gr.01_001,39] Aus diesem Grunde waren zumeist alle Propheten und Seher auf den Bergenzu Hause; und Ich Selbst, als Ich als Mensch auf der Erde war, hielt Mich vorzugsweise gernauf den Bergen auf. Auf dem Berge gab ich dem Versucher den ewigen Abschied; auf einemBerge speiste Ich so viele Hungrige; auf dem Berge gab Ich in Meinem Worte den ganzenHimmel preis; auf einem Berge zeigte Ich Mich als das urewige Leben verklrt den drei euchBekannten; auf einem Berge betete Ich, und auf einem Berge wurde Ich gekreuzigt.[Gr.01_001,40] Darum achtet die Berge; denn wahrlich, je hher sie ihre Scheitel ber dieSchlammtiefe des menschlichen Eigennutzes erheben, desto geheiligter sind sie auch unddesto segnender das ganze andere Land.
  • 7. [Gr.01_001,41] Wie solches zugeht, haben wir schon zum Teil gehrt; die Folge aber wirdeuch erst alles dieses ins klarste Licht stellen, und so lassen wir es heute bei dem bewendetsein!2. Kapitel Die Bedeutung und Entstehung des Eisens.[Gr.01_002,01] Welch einen wichtigen Artikel die Metalle, namentlich das Eisen, bei eurenHauswirtschaften ausmachen, da braucht ihr eben keine hohen mathematischen Kenntnisse,um solches zu berechnen.[Gr.01_002,02] Was wrdet ihr wohl ohne das Eisen verrichten knnen?! Ja, ganz bestimmtknnt ihr annehmen: Ohne das Eisen wre noch nie ein Buchstabe gedruckt worden; ohnedasselbe wrdet ihr euch hchst beschwerlich und mhsam eure Wohnungen bereiten undnoch viel beschwerlicher und mhsamer eine notdrftige Kleidung; ja ohne das Eisen gbe esnoch heutzutage keine Schiffe auf dem Meere und keine Wagen auf dem Lande.[Gr.01_002,03] Ihr httet ohne das Eisen nicht ein einziges Werkzeug, um das Erdreichaufzulockern und den Getreidesamen in die Erde zu sen, ja, mit einem Worte gesagt: Ohnedas Eisen wret ihr in naturmiger wie auch in so mancher Hinsicht in geistiger Weise diermsten Geschpfe der Erde, so da euch ein jedes Tier berflgeln wrde! Aber mittelsdieses hochgesegneten Metalls knnet ihr euch alles verschaffen, weil aus dem Eisen allemglichen brauchbaren Instrumente und Werkzeuge verfertigt werden knnen. Nicht einmalein einfaches Grab knntet ihr der Leiche eines verstorbenen Bruders bereiten ohne das Eisen,und ihr mtet deswegen die Leichen der Verstorbenen entweder in die Flsse werfen, hierund da hchstens in seichten Sand verscharren oder sie auf die hchsten, mit ewigem Schneeund Eis bedeckten Berge tragen, so ihr nicht wolltet vom bestndigen Pesthauche umgebensein. Kurz und gut, die Ntzlichkeit des Eisens ist entschieden zu gro, als da sie je verkanntwerden knnte.[Gr.01_002,04] Es wrde freilich mancher Kurzsichtige sagen: Im Notfalle, d.h. inErmangelung des Eisens und somit auch aller andern Metalle, welche samt und smtlichdurch das Dasein des Eisens bedingt sind, mte man sich denn mit hlzernen Instrumentenbehelfen![Gr.01_002,05] Dieses wre wohl recht, es fragt sich aber dabei nur, womit wird da wohl einBaum umgehauen, dann behauen und zu verschiedenartigen notdrftigen Werkzeugengeschnitten werden knnen?! Sehet, aus dem geht ja klar hervor, da eben das Eisen in dernatrlichen Lebenssphre des Menschen die allererste Bedingung ist; ohne das hrte sogar dasBrotbacken auf, und die Nahrung des Menschen wrde blo auf rohe Naturfrchtebeschrnkt.[Gr.01_002,06] Da wir somit durch diese kleine Vorbetrachtung gesehen haben, wieunumgnglich ntig dieses Metall ist, so wollen wir denn auch einen Blick auf seineEntstehung tun.[Gr.01_002,07] Ihr wit schon aus einer frheren Kundgebung, und zwar namentlich aus derDarstellung Meiner groen Haushaltung im von euch also benannten Hauptwerk, allwo eineMeldung geschieht von der Hin- und Herwanderung des Meeres, da whrend desberstandes der Meeresgewsser sich dieses Metall durch das Salz dieses Gewssers,vorzugsweise aber durch die Einwirkung der Gestirne, in dem Innern der Erde, und zwar ingewissen schon eigens dazu bestimmten Gngen oder Adern derselben, ansammelt.[Gr.01_002,08] Dieses ist richtig und wahr, ja, diese Ansammlung ist also wohlberechnet,da da volle nachfolgende 14000 Jahre nicht imstande sind, das Metall vllig zu verbrauchen!Aber es ist hier zu der Bildung des Eisens noch eine sehr wichtige Frage ntig, und dieseFrage lautet also: Ist dieses vom Meere und den Gestirnen gebildete Eisen auch schontchtig, da man es bearbeite und daraus verfertige allerlei Gertschaften?
  • 8. [Gr.01_002,09] O nein, sage Ich euch, also ist es noch eine unreife Frucht, welche wohl dieFhigkeit in sich besitzt, reif und schmackhaft zu werden und somit auch geniebar, aber imunreifen Zustande weder das eine noch das andere ist![Gr.01_002,10] Da wir solches nun wissen, so fragt sich denn wieder weiter: Ja, wie wirddenn sonach das Eisen reif?[Gr.01_002,11] Die Antwort gibt euch ein jeder Bergmann wie ein jeder Botaniker und einjeder Landmann, indem er sagt: Durch Regen und milden Sonnenschein alls gedeiht undreifet fein! Und es ist auch also.[Gr.01_002,12] Regen ist eine Hauptbedingung zu aller Kultur, somit auch zur Kultur desEisens. Wenn aber der Regen ununterbrochen fortdauern mchte, so wrde er gar baldersticken die Frchte und nach lngerer Zeit auch verzehren und taub machen das Metall derBerge; damit also alles gedeihe, mu eine rechte Ordnung allenthalben beachtet sein.[Gr.01_002,13] Wer aber ist von Mir zur Regulierung solcher Ordnung aufgestellt aufirgendeinem Weltkrper? Und durch wen wird sie also fortwhrend erhalten?[Gr.01_002,14] Jetzt knnen wir schon wieder eine Reise zu unserem Groglockner machen!Sehet ihn nur recht gut an, wie er da emporragt hoch in die Lfte und in die Regionen derWolken, und wie er umlagert ist von tausend und abermal tausend Felsenzacken und -riffen![Gr.01_002,15] Sehet, dieser Knig der Berge hat einen weiter ausgedehnten Wirkungskreiszur Einsaugung der Elektrizitt und des magnetischen Fluidums denn eure Wetter- undBlitzableiter auf den Dchern der Huser![Gr.01_002,16] Was ist er demnach noch neben dem, was wir schon in der vorigen Mitteilungvernommen haben?[Gr.01_002,17] Sehet, er ist eine unglaublich groe und starke Ansammlungs- undVorratskammer des elektrischen und magnetischen Stoffes! Wenn er dann durch seineFernwirkung auf dem dreifachen euch schon bekannten Wege, namentlich durch dieBewsserung, wirkt, so versieht er auch alle die Wsser und vorzugsweise den Regen mit demgehrigen Quantum von Elektrizitt und magnetischem Fluidum.[Gr.01_002,18] Diese zwei Polaritten aber sind in naturmiger Hinsicht ja dieHauptbedingung alles Gedeihens und alles Wachstums und Reifwerdens der Pflanzen undmineralischen Welt, und durch diese beiden hernach auch des der Tiere.[Gr.01_002,19] Da unser Groglockner aber ein so gewaltiger Ansammler dieser Polarittenist, so kann hier mit wenigen Worten gezeigt werden, da die Erze der untergeordneten Bergeja hauptschlich den Gletschern ihre brauchbare Auszeitigung verdanken, da eben dieGletscher die Ordner der Temperatur ber alle die unter ihnen gelegenen Lndereien sind.[Gr.01_002,20] Da wir nun solches wissen, so mache Ich euch nur einzig und allein daraufaufmerksam, da diese hohen Schnee- und Eisgebirge, wie bei uns namentlich derGroglockner, ihre anderen schon bekannten Segnungen zuallermeist auf dem Wege ihrerKinder und Kindlein ber den Erdboden hin ausspenden; also spenden sie auch diesenelektromagnetischen Stoff zuallermeist auf diesem Wege aus.[Gr.01_002,21] Was aber hinter diesem elektromagnetischen Stoff noch steckt, und wieschnell dieser nach allen Richtungen hin ausgebreitet wird, werden wir erst im Bereiche dergeistigen Darstellung dieses Gebirgslandesvaters nher kennenlernen.[Gr.01_002,22] Fr jetzt aber wollen wir diesen Teil beschlieen und nur allein die kurzeBetrachtung hinzufgen, da allezeit die grten und segnendsten Wirkungen da ausgeborenund zum allgemeinen Nutzen weiter gefrdert werden, woselbst sie die blinde Menschheit amallerwenigsten suchen zu mssen glaubt und somit auch am allerwenigsten sucht.[Gr.01_002,23] Und so geht von einer unbedeutenden Eisspitze des Glockners nicht selteneine bei weitem grere Wirkung ber viele Lndereien aus als von den nicht viel sagendengroen Weltstdten, von denen im Verhltnis zu den guten Ausgngen ganzunverhltnismig viele schlechte Ausgnge gemacht und geboten worden sind.
  • 9. [Gr.01_002,24] Und somit zhlt ein solcher Berg auch bei weitem mehr als alle IndustrieEnglands, Frankreichs und Nordamerikas usw.[Gr.01_002,25] Da wir somit mit dieser Betrachtung fr das Herz, wennschon nicht fr denmathematischen Verstand, zu Ende sind, so wollen wir uns denn zur nchsten, dritten undsomit letzten und allergrten Nutzwirkung unseres Groglockners hinwenden; jedoch frheute lassen wir es bei dem bewendet sein!3. Kapitel Die Berge als Regler der Luftstrmungen.[Gr.01_003,01] Nachdem ihr ber die Ntzlichkeit unseres Groglockners schon so manchesvernommen habt und die Ntzlichkeit fr nahe schon erschpft angegeben betrachtet, so fragtihr euch wohl selbst: Welche ntzliche Tauglichkeit soll denn neben allem Vernommeneneinem solchen Berge noch innewohnen, und zwar naturmigerweise?[Gr.01_003,02] Diese Frage ist recht gut; denn dieser Frage liegt ja eben noch ein groesBedrfnis zugrunde, vermge welchem ihr noch etwas Ntzliches von diesem Berg erfahrenmchtet. Da sich aber nirgends ein Bedrfnis oder irgendein Hunger nach etwas aussprechenkann, fr den es nicht irgendeine Sttigung gbe, so wird es fr das Bedrfnis, welches indieser Frage liegt, wohl sicher auch noch eine Sttigung geben.[Gr.01_003,03] Und so habt denn acht! Wir wollen sogleich unsere Speisekammer ffnen,allwo ihr zur Sttigung eures Bedrfnisses des besten Brotes in groer Menge antreffen sollt.[Gr.01_003,04] Also fr was taugt unser Groglockner und somit auch alle Gletscher undanderen Berge der Erde denn noch?[Gr.01_003,05] Es wird euch allen gar wohl bekannt sein, da sich die Erde binnen 24Stunden und etwas darber um ihre eigene Achse dreht; neben dem wird euch auch derziemlich bedeutende Umfang der Erde nicht unbekannt sein.[Gr.01_003,06] Wenn ihr den Umfang der Erde nehmt, der noch bedeutend ber 5000deutsche Meilen hinausreicht, und teilt diese ganze Lnge des Umfanges in so viele Teile, alsda 24 Stunden und einige Minuten darber Minuten in sich haben, so werdet ihr dieberraschende Erfahrung machen, da da auf eine Minute etliche Meilen zu stehen kommen.[Gr.01_003,07] Nun denkt euch aber die Erde als eine berglose, ebene Kugel, welchewenigstens zehn Meilen hoch ber sich teilweise noch mit schwerer atmosphrischer Luftumgeben ist![Gr.01_003,08] Damit ihr aber das Auerordentliche dieser Erscheinung um so vollkommenerbegreifen mget, so drft ihr nur eine Glaskugel nehmen und diese dann entweder in einemGefe, das mit Wasser angefllt ist, oder in dem Sonnenstrahl, der da durch irgendeinFenster in das Zimmer fllt und ziemlich gesttigt ist mit dem gewhnlichen Sonnen- undauch allflligen Zimmerstaube, recht behende um ihre eigene Achse drehen, und ihr werdeteuch berzeugen, da diese sich drehende Kugel weder ein Wasserteilchen, noch ein noch soleichtes Stubchen, wenn es sich nicht durch die elektrische Anziehung der Kugel an sieklebt, mit sich fortreit, d.h. in dieselbe Bewegung zwingt, in welcher sich die Glaskugelselbst befindet.[Gr.01_003,09] Nun, da wir dieses Experiment gewisserart im Geiste schon gemacht haben,so wollen wir nun einen vergleichenden Blick auf unsere Erdkugel werfen![Gr.01_003,10] Saget Mir: Was wrde da wohl die atmosphrische Luft in die Mitdrehungder Erdkugel um ihre Achse ntigen, so die Erdoberflche vollkommen flach wre? So aberdie atmosphrische Luft nicht mitgezogen wrde, welcher Luftstrmung wrden da allelebenden Wesen ausgesetzt sein?[Gr.01_003,11] Wenn aber schon die sogenannten Naturforscher mit ziemlicher Genauigkeitden mchtigsten Sturm also angesetzt haben, da da die Luft eine so schnelle Strmungmacht, da sie in einer Sekunde nahezu 80 Fu zurcklegt, bei welcher Gelegenheit dann dieLuftstrmung schon eine solche Gewalt entwickelt, da sie die dicksten und krftigstenBume mit der grten Leichtigkeit aus dem Erdboden reit, was wrde denn dann erst eine
  • 10. Luftstrmung fr Folgen haben, welche in einer Minute etliche deutsche Meilen zurcklegenwrde?[Gr.01_003,12] Ich brauche euch den Erfolg eines solchen Experiments nicht nher zuschildern; denn so ihr nur ein wenig nachdenkt, so werdet ihr es ja augenblicklich berklarfinden und begreifen mssen, da bei solchem Luftzug nicht einmal das Steinmoos sicherhalten knnte, geschweige erst irgendein anderes Geschpf. Und was bei einem solchenLuftzug dann erst das Meer dazu sagen wrde, wird derjenige gar nicht schwer begreifen, dernur je das Meer gesehen hat, wenn ein tchtiger Wind ber seine Oberflche dahinstrmt unddas Gewsser gleich Bergen bereinander aufsteigen macht.[Gr.01_003,13] Wenn ihr nun dieses ein wenig beachtet, so wird euch doch Meine vterlicheFrsorge daraus ganz auffallend in die Augen springen mssen, da Ich zu diesem Zweck dieBerge ber die Flche der Erde also wohl geordnet aufgerichtet und festgestellt habe, daihnen zufolge die Luft mit der Erde sich zu drehen gentigt wird.[Gr.01_003,14] Ihr werdet hier freilich sagen: Warum sind denn zufolge solcher Ntzlichkeitdie Berge dann nicht alle gleich hoch und laufen nicht gleich den Meridianen von Pol zuPol?[Gr.01_003,15] Auf diese Fragen knnen drei gltige Antworten gegeben werden.[Gr.01_003,16] Frs erste sind sie, die Berge, also gestaltet, wie sie sind, weil Ich bestndigmit der Aufstellung eines Dinges keine einseitige Nutzwirkung beabsichtigen kann und will;und so liegt der erste Grund schon in den vorher kundgegebenen Nutzwirkungen der Bergeoffen vor euch, warum da viele sehr hoch, einige weniger hoch und einige nur unbedeutendeErhhungen des flachen Landes sind.[Gr.01_003,17] Der zweite Grund ist aber folgender: Wren alle Berge gleich hoch undmchten sich alle geradlinig von Pol zu Pol ziehen, so wrde dadurch eine ewige Luftruheeintreten, wobei dann bald die unteren Schichten der Luft in Fulnis bergehen wrden so wiein den unterirdischen Katakomben. Saget, wie stnde es bei solcher Gelegenheit mit demnaturmigen Leben?![Gr.01_003,18] Sehet, aus diesem Grunde sind die Berge scheinbar hchst unregelmig berdie Erdflche gestellt. Ich sage euch aber, diese Stellung ist eine mit allerhchsterWissenschaft so geordnete, da eben ihr zufolge die Luft immerwhrend einen Spielraum hatund kreuz und quer ber die Erde ziehen und sich dadurch mischen und reiben mu, durchwelche Ttigkeit dann ber den ganzen Erdboden die sogenannte Elektrizitt, oder besser dasnatrliche Lebensfluidum in hinreichender Menge stets frisch erzeugt wird.[Gr.01_003,19] Wenn ihr dieses nur ein wenig betrachtet, so wird euch die Stellung der Bergeber dem Erdboden wie ihre verschiedenen Hhen nicht mehr ungeschickt und zufllig,sondern beraus weise geordnet vorkommen.4. Kapitel Wesen und Ursache des Gletscherlichtes.[Gr.01_004,01] Warum sind denn noch frs dritte die Berge von ungleicher Hhe? Diesesbleibt uns hier noch zu beantworten brig. Dieser dritte Grund hat aber wieder dreiHauptgrnde in sich, und zwar folgende: Zuerst mssen dadurch die hohen Gebirgsspitzenauch die obere Luftregion in den Mitschwung um die Erde ntigen. Wren solcher hohenBerge zu viele auf der Erde, so wrde das auch mit der Zeit in den Tiefen eine fastimmerwhrende Luftruhe mit sich ziehen, weil zuviel der oberen Luftregion zurMitbewegung gezogen wrde.[Gr.01_004,02] Da es aber nur wenige solche Hhen gibt, so wird die obere Luftregion auchnur an wenigen Punkten gentigt, mit der Rotation der Erde sich mitzuschwingen; die vonsolchen Gebirgsspitzen weiter abstehenden Luftsphren aber werden dadurch nur in eine nachallen Richtungen hin wirbelnde Bewegung gesetzt gleich also, als wenn ihr einen Stockziemlich behende durch ein Wasser zieht, bei welcher Gelegenheit die vor dem Stockebefindlichen Teile des Wassers zwar mit dem Stocke fortgetrieben werden, zu beiden Seiten
  • 11. aber kann jedermann eine Menge Ringel und Wellchen bemerken, welche sich viel langsamerdem Stocke nachziehen, und deren Zug selbst wieder die nebenangrenzenden Wasserteile ineine Bewegung versetzt.[Gr.01_004,03] Die Ringel sind lauter Wasserwirbel, welche das Wasser in die Tiefe hinabbeunruhigen, und die Wellchen beunruhigen die ganze Oberflche des Wassers; und so hatmit der Zeit ein solcher Stockzug durch das Wasser nicht selten einen bedeutend groen Teichin eine Bewegung versetzt.[Gr.01_004,04] Sehet, das ist also ein gar wichtiger Grund, warum nur der viel kleinere Teilder Berge so hoch in die Luft emporragt.[Gr.01_004,05] Der zweite Grund dieses dritten Hauptgrundes ist folgender:[Gr.01_004,06] Ihr werdet schon fter vom sogenannten Gletscherlicht etwas gehrt haben.Was solls denn damit?[Gr.01_004,07] Einige Naturforscher haben dieses Licht, freilich ziemlich ungeschickt, alsoerklrt, als rhrte es noch von den ber den weiten Horizont des Nordens herberbrechendenStrahlen der Sonne her; allein solches ist ganz grundlos und falsch. Dieses Licht ist ganz reinpositiv elektromagnetischer Art und wird erzeugt durch die bestndige Reibung solcherGebirgsspitzen mit der sie umgebenden Luft.[Gr.01_004,08] Ja, werdet ihr aber sagen, solches kann schon immerhin der Fall sein; aberwir sehen da noch keinen Nutzen ein! Und sollte ihr Leuchten etwa die Ntzlichkeit selbstsein, so sehen wir es aber dennoch nicht ein, warum solche groen Erdnachtlichter so sparsamber den Erdboden gestellt sind! Was hat der weit entlegene Flachlandbewohner von dem oftmehrere hundert Meilen weit entfernten Gletscherlicht?[Gr.01_004,09] Wenn das Licht die Ntzlichkeit wre, da httet ihr freilich wohl recht, alsozu fragen; allein solches ist mit dem ziemlich sparsamen Gletscherlicht mitnichten der Fall.Das Licht ist hier nur eine Erscheinlichkeit von einer groen Nutzwirkung. Es fragt sichdemnach: Worin besteht diese Nutzwirkung?[Gr.01_004,10] Hret, es soll euch die Sache gleich klargemacht werden![Gr.01_004,11] Ihr wit, da eine gerechte Verteilung des elektromagnetischen Fluidums eineunerllich notwendige Bedingung alles naturmigen Lebens ist. Wren nun zu viele solcherGebirgsspitzen in irgendeinem Lande, so wrden dieselben dieses elektromagnetischeFluidum also gnzlich aufspeisen, da vom selben nicht ein Atom sich in die Tiefe herabverlieren wrde; wren sie aber gar nicht da, nmlich diese hohen Gletscherspitzen, da wrein der Tiefe wohl niemand mit seinem Leben in Sicherheit, sondern stnde bei jedem Schrittin der Gefahr, von einem sich leicht aus der Luft entwickelnden Blitz erschlagen zu werden.[Gr.01_004,12] Also sehet, das ist eigentlich die Ntzlichkeit, von der das Leuchten nur alsErscheinlichkeit auftritt.[Gr.01_004,13] So aber doch jemand da wre und folgendes einwendete: Was hat demnachdas weitgedehnte Flachland z.B. Polens oder auch zum Teile Ungarns von derelektromagnetischen Sorgfalt des Groglockners?[Gr.01_004,14] Darauf sage Ich aber: Dieser Gletscher liegt so wohlberechnet an seinemPunkt, da, so er nur eine Stunde von seinem Posten weichen knnte, er nicht mehr einGletscher wre, sondern, wie es dergleichen Berge genug gibt, nur ein kahler Steinberg.[Gr.01_004,15] Da er aber ein Gletscher ist, rhrt lediglich daher, weil er sich auf demPunkte befindet, ber welchem vom Nordpol aus eine hauptelektromagnetische Strmungsich bis zum Sdpol hin erstreckt.[Gr.01_004,16] Diese Hauptstrmung geht zwar ber alle Gletscher des Tiroler- undSchweizerlandes, und nur ein stlicher Arm luft noch da, wo der Groglockner sich befindet;aber von diesem Lebensstrom nimmt er gerade so viel auf, da er damit alle Lndereien mitHilfe der noch brigen Gletscher also gengend beherrscht, da sich da die wohlttigeWirkung nicht nur ber ganz Europa, sondern noch ber einen bedeutenden Teil von Afrikaerstreckt.
  • 12. [Gr.01_004,17] Wenn sonach auch die vorbenannten greren Flachlnder Europas keineeigenen Gletscher haben, so geht aber auch ber sie keine so bedeutende Strmung; frunbedeutendere Strmungen aber gibt es verhltnismig kleinere Berge berall in gerechterMenge, welche gar wohl imstande sind, solche kleineren elektrischen Strmungen zuregulieren.[Gr.01_004,18] Ihr werdet hier fragen: Warum geht denn vom Nordpol bis zum Sdpolkeine allgemeine gleichfrmige Strmung?[Gr.01_004,19] Wenn ihr so fragt, da mt ihr schon noch fter fragen und zwar: Warummacht denn der Blitz nie einen geraden Zug und nicht auch einen allgemeinen, damit er dochwenigstens auf einen Hieb alles erschlagen knnte?[Gr.01_004,20] Wieder mtet ihr fragen: Warum fliet nur hie und da ein Bach, Flu undStrom, und der nicht geradeaus, wo doch alles brige Flachland so gut des Wassers und derBewsserung bedarf wie dasjenige, welches den Bach, Flu und Strom begrenzt?[Gr.01_004,21] Und wieder mtet ihr fragen: Warum gibt es in manchem Lande so vieleund bedeutende Seen, whrend in einem andern Lande wieder keine Spur davon zu findenist?[Gr.01_004,22] Und so gbe es noch eine ganze Legion von Fragen. Allein diese dreiberflssigen mgen euch gengen, da ihr daraus frs erste einsehet, um wie vieles Ichweiser bin als die Menschen; und frs zweite, weil Ich eben um vieles weiser bin als dieMenschen, so wei Ich auch am allerbesten, warum Ich die elektromagnetischen Strmungenalso vereinzelt angeordnet und ihnen vorgezeichnet habe einen bestimmten Weg, aufwelchem Wege unsere Gletscher ganz wohlgeordnete Meilenzeiger sind.[Gr.01_004,23] Somit htten wir auch den zweiten Grund des dritten Hauptgrundes, und esbleibt uns demnach noch ein dritter brig.[Gr.01_004,24] Hier werdet ihr euch freilich wohl fragen: Wer da noch einen Grundherausbringt, der mu doch sicher mehr als fnf Einheiten zusammenzhlen knnen![Gr.01_004,25] Und doch sage Ich euch, da eben dieser dritte Grund der allerwichtigste undtchtigste ist, und sage euch noch hinzu, da dieser Grund euch zugleich auch amallernchsten liegt und ihr ihn auch somit zuerst finden solltet, so ihr naturmig genommen in den Augen eurer Seele kurzsichtiger wret, als ihr seid. Denn die Kurzsichtigkeit derSeele ist ein gar gut Ding. Je langsichtiger oder mathematisch verstndiger nmlich die Seeleist, desto mehr lt sie ihre Augen unter den fernen Fixsternen umherschweifen; dafr abergehen ihr die Haare, die um ihr eigenes Auge gestellt sind, so gut wie gnzlich verloren.[Gr.01_004,26] Was ist hernach denn dieser dritte Grund des dritten Hauptgrundes? werdetihr fragen.[Gr.01_004,27] Und Ich sage: Geduldet euch nur ein wenig! Ich will euch darauf hinleitenund will sehen, ob ihr ihn nicht mit den Hnden greifen werdet; und so habt denn acht![Gr.01_004,28] Habt ihr euch noch nie gedacht, warum ihr nur zwei Arme und an jedem Armoder an jeder Hand nur fnf Finger habt? Warum sind selbst diese Arme nicht wenigstensnoch einmal so lang, als sie sind, und mit viel mehr Fingern versehen?[Gr.01_004,29] Oder habt ihr euch noch nie gefragt, warum ihr nicht mit mehr denn zweiAugen und zwei Ohren versehen seid, und diese nur auf einer Seite des Leibes stehend,namentlich was die Augen betrifft? Es drfte ja ein Auge, am Rcken angebracht, undallenfalls noch ein Ohr an einer Hand nicht unzweckdienlich sein![Gr.01_004,30] Oder habt ihr noch nie darber nachgedacht, warum bei den Bumen nurgewhnlich ein Ast am hchsten emporragt, die andern dann natrlicherweise tiefer zu stehenkommen? Kurz, es sind der anzufhrenden Fragen hier zur Genge gegeben, und wir wollensehen, ob wir durch sie nicht auf den dritten Grund kommen![Gr.01_004,31] Wozu habt ihr die Augen? Diese Frage wird wohl jedes Kind beantworten,nmlich: Um damit zu sehen, oder verstndiger gesprochen um die erleuchtete Form derAuendinge wahrzunehmen.
  • 13. [Gr.01_004,32] Diese schwere Frage htten wir ohne Anstand beantwortet und sehen dabeiauch ein, da uns zu diesem Zweck zwei Augen vollkommen gengen.[Gr.01_004,33] Jetzt kommt die andere schwere Frage: Wozu dienen uns die Ohren? Auchmit dieser Frage werden die Kinder bald fertig sein und sagen: Damit wir hren, oder verstndiger gesprochen damit wir die Bewegungen und die Begegnungen der Dinge aueruns in uns selbst wahrnehmen![Gr.01_004,34] Also wren wir auch mit dieser schweren Beantwortung fertig, und dieErfahrung lehrt, da auch zu dem Zweck zwei Ohren hinreichend gengen, und man knnteeher sagen, da so mancher oft an den zwei Ohren, wie an den zwei Augen schon zuviel hat.[Gr.01_004,35] Aber jetzt kommen die Hnde! Wozu sind denn die Hnde?[Gr.01_004,36] Ich meine, auf diese Frage knnen wir uns fglich die Antwort ersparen.[Gr.01_004,37] Da brigens die zwei Hnde zu jeder Verrichtung gengen, hat seit AdamsZeiten die Erfahrung aller Zeiten mehr als hinreichend besttigt, nachdem die Menschen mitdiesen zwei Hnden nur viel zuviel gerichtet und angerichtet haben.[Gr.01_004,38] Fllt euch nun der dritte Grund noch nicht ein?[Gr.01_004,39] So hret denn! So gut wie jeder Leib eines Menschen, eines Tieres, ja sogareines Baumes, Gestruches und einer Pflanze gewisse Extremitten haben mu, um sich mitHilfe derselben in die Korrespondenz mit der Auenwelt zu setzen, also mu es auch die Erdehaben. Und sonach sind unsere Gletscher Augen, Ohren und Hnde der Erde, mittels welchersie sich bei ihrer weiten Reise um die Sonne und mit der Sonne durch das weite Sonnengebietin allerlei Korrespondenzen zu setzen hat, und zwar zuerst in die wichtige Korrespondenz desSchauens denn ihr drft es glauben, da die Planeten durchaus nicht blind ihre Bahnendurchziehen , und frs zweite hat die Erde sich dadurch in die Korrespondenz zu setzen, umaufzunehmen die harmonischen Frchte der groen Bewegungen anderer Weltkrper und derBewegungen des thers und des Lichtes und allerartigen Strmungen auf ihr selbst, undfrs dritte hat sie dann mit diesen Extremitten auch die gehrige Aktion auszuben, welchesie ntig hat, um frs erste ihre Bewegung selbst zu regulieren und frs zweite dadurch auchzu der regelmigen Bewegung anderer Weltkrper beizutragen und frs dritte alle die euchschon bekanntgegebenen ntzlichen Verrichtungen zu bewerkstelligen.[Gr.01_004,40] Sehet, das ist somit der dritte und, wenn ihr ein wenig nur nachdenkt, auchsicher der wichtigste Grund frs erste des Daseins solcher Gletscher, und frs zweite auchfr ihre bei weitem geringere Anzahl gegen die andern Berge, und frs dritte auch fr den Ortund die Stelle, wo sie sich befinden.[Gr.01_004,41] Und somit htten wir auch, soviel es fr euch notwendig zu wissen ist, dienaturmige Ntzlichkeit dieser Berge dargestellt; denket aber dabei ja nicht, als sei dasschon ein geschlossener Kreis, sondern da hat jeder hier aufgestellte Punkt noch seine endlosvielen ntzlichen Auslufer und ein jedes Atom seine entschiedene ganz eigentmlicheNutzwirkung.[Gr.01_004,42] Wie vielfach demnach die Nutzwirkungen eines solchen Gebirgslandesvaterssind, wahrlich, da htte ein allervollkommenster Engelsgeist mit der gelufigsten Zunge undder allereinfachsten Sprache fr eine ganze Ewigkeit genug zu reden![Gr.01_004,43] Mehr brauche Ich euch nicht zu sagen. Jedoch, wieviel auch immerhin dienaturmigen Nutzwirkungen eines solchen Berges in sich enthalten, so wiegt aber eineeinzige geistige, die ihr spter vernehmen werdet, schon alle samt und smtlich auf.[Gr.01_004,44] Die Folge jedoch wird euch alles dieses in zweckmiger Krze vollkommenklarmachen, was ihr jetzt kaum dunkel ahnt.[Gr.01_004,45] Und somit lassen wir es fr heute wieder gut sein!5. Kapitel Geistiges und Materielles.
  • 14. [Gr.01_005,01] Ihr werdet euch schon aus den frheren Mitteilungen mit so viel Lichtversehen haben, da es euch nun schon klar sein darf, da alle Materie an und fr sich nichtsanderes ist als ein durch Meinen Willen gefesteter Gedanke aus Mir.[Gr.01_005,02] Diesem Grundsatze gem wird demnach wohl auch unser Groglocknernichts mehr und nichts weniger sein, als was da alle andere Materie ist.[Gr.01_005,03] Was ist demnach fr ein Unterschied zwischen dem eigentlichen Geistigenund dem diesem entgegengesetzten Materiellen, nachdem das eine wie das andere ein ProduktMeines Willens ist?[Gr.01_005,04] In der produktiven Hinsicht waltet da kein Unterschied ob, aber ein destogrerer in der Wesenheit.[Gr.01_005,05] Dieses wird euch zwar ein wenig befremden; allein seht nur einen Knstlerunter euch an![Gr.01_005,06] Was ist bei ihm der Grund aller seiner Produktionen? Ihr knnt da unmglicheinen andern finden und angeben als allein den seines Willens, welches mit andern Wortenebensoviel heit als: Alles, was er nur immer hervorbringt, mu er zuvor wollen; denn ohnediesen Grund wird er wohl schwerlich je etwas hervorbringen.[Gr.01_005,07] Ist aber das nun eine notwendige Folge, da da ein und derselbe Willeimmerwhrend auch ein und dasselbe produzieren mu?[Gr.01_005,08] Nein, sondern die Liebe zeichnet die Modifizierung der Produkte, und derWille spricht nur das einfache Es werde! hinzu, und so wird es auch, was die Liebe zuvorgezeichnet hat.[Gr.01_005,09] Nun sehet, geradeso geht es auch bei Mir zu: Meine unendliche Liebe bildetdie Formen, und die Kraft der Liebe, welche da heit der Wille, lt sie hervortreten! EinenTeil dieser Formen hlt der Wille zufolge des Begehrens der Liebe gefestet; einem andernaber wieder gibt eben dieser Wille nach dem Verlangen der Liebe die stets lebendigerwerdende Freiheit.[Gr.01_005,10] Und so entspricht die Materie, Meinem Willen nach, der Liebe dadurch, dasie ist ein gefesteter Grund als letzte Unterlage alles Geistigen, und sie ist somit im Vergleichder Liebe das, was da Meine Erbarmung genannt wird.[Gr.01_005,11] Das Geistige aber entspricht dann der lebendigen Freiheit Meiner eigenenLiebe selbst und ist das, was da genannt wird die Gnade oder das eigentlicheSichselbstbewutsein jeder freien Wesenheit, die da dem freien Leben Meiner Liebeentstammt und geistig vollkommen ebenbildlich mit ihr ist.[Gr.01_005,12] Aus dieser kurzen einleitenden Vorangabe knnt ihr nun schon sehr leichtentnehmen, da, wo sich nur immer Materie wie immer gestaltet vorfindet, auch notwendigGeistiges vorhanden sein mu; denn wenn die Materie eine Erbarmung ist, so kann dieseErbarmung als ein Lsemittel ja doch nicht fr sich selbst dasein, sondern sicher fr einehhere Potenz, an welche eben diese Erbarmung gerichtet ist. Oder habt ihr euch jemals schonder Erbarmung selbst erbarmt?![Gr.01_005,13] So ihr euch aber schon jemandes andern erbarmt, so wird wohl auch sicherMeine Erbarmung fr jemand anders dasein und nicht um ihrer selbst willen![Gr.01_005,14] Somit haben wir alsdann auch die gewisse Notwendigkeit der Materie freine hhere Potenz dargetan. Wo mu denn aber die hhere Potenz sich aufhalten? Das isteine sehr wichtige Frage.[Gr.01_005,15] Wenn zum Beispiel irgendein drftiger Mensch sich in einer abendlichenGegend befinden mchte, saget Mir, so ihr euch dieses Menschen erbarmen wrdet, um ihmaus seiner Not zu helfen, wrdet ihr da mit eurer Erbarmung nach Morgen ziehen, oderwrdet ihr euch nicht vielmehr mit eurer Erbarmung dahin wenden mssen, wo sich derHilfsbedrftige befindet? Und so ihr ihn da finden wrdet, wrdet ihr mit eurer Erbarmungnicht bei ihm verbleiben?!
  • 15. [Gr.01_005,16] Wenn ihr diese Fragestze nur mit einiger Aufmerksamkeit durchgehet, somu es euch ja auf der Stelle einleuchten, da ein Armenspital und die Armen doch sicherstets beisammen sind. Und also wird es auch mit der Materie und mit den geistigen Potenzensein, da sie sich erfassen und eins das andere enthalten.[Gr.01_005,17] So ihr aber auf der Erde ein mehr und mehr ausgezeichnetes und somit auchgreres und greres Armenhaus antrefft, da werdet ihr wohl auch den ganz natrlichenSchlu ziehen, da ein ausgezeichneteres und greres Armenhaus mehr Arme fassen wirddenn ein kleineres und weniger ausgezeichnetes.[Gr.01_005,18] Ebenso verhlt es sich auch mit der Groartigkeit und Auszeichnung derMaterie: je groartiger und ausgezeichneter ihr sie irgendwo antrefft, fr desto mehr geistigePotenzen ist sie auch da.[Gr.01_005,19] Sonach wollen wir denn wieder einen Blick auf unseren Groglocknerwerfen![Gr.01_005,20] Sehet ihn an, wie groartig und ausgezeichnet er dasteht, wie ein Knig unterden Bergen; denn wo sich anderer Berge Spitzen in kahle Felsen verlieren, eben da fngtunser Groglockner erst mchtig an, sich ber alle seine kahlen Nachbarn zu erheben. Undsehet an seine mehrere Stunden weite Ausdehnung nach allen Seiten; sehet an, wie er mitewigem Schnee und Eis bedeckt ist; sehet an die vielen Bche, die von seinen Zinnenherabstrzen, und sehet an seine steilen Scheitel, wie sie beinahe bestndig mit weilichenWolken umlagert sind! Ja, ihr werdet diesen Berg schon aus weiter Ferne erkennen und mitSicherheit sagen: Das ist ganz bestimmt unser Groglockner; denn sein Schneeglanz, seineHhe und seine Umlagerung mit bestndigem Gewlk ist ein sicherer Brge fr unsereAnnahme![Gr.01_005,21] Sehet, also werdet ihr ihn ausgezeichnet finden! Da er aber also ausgezeichnetist, so wird er auch sicher eine ausgezeichnete Anstalt sein, oder er ist da gewisserart eingroer Brocken Meiner Erbarmung.[Gr.01_005,22] Wir haben schon aus dem naturmigen Teil dieses Berges eine weitgedehnteGroartigkeit seiner Nutzwirkungen vernommen. Fragt euch aber selbst dabei: Wren solcheVerrichtungen wohl nur denkbar mglich, so da nicht geistig-intellektuelle Potenzen zu Hausewren, welche alles dieses leiteten; oder wre eine Wirkung ohne die zusagende Kraft oderKrfte mglich?[Gr.01_005,23] Sehet, die Krfte, welche hier solches wirken, sind ja eben die geistigenPotenzen, durch welche alles dieses verrichtet wird![Gr.01_005,24] Es ist jetzt nur die Frage: Sind diese naturmig nutzwirkendenErscheinungen von seiten dieses Berges der Hauptzweck der ihn umgebenden und ihminnewohnenden geistigen Potenzen, oder sind sie nur ein Nebenzweck, durch welchen allediese geistigen Potenzen fr einen anderen Zweck heranreifen sollen?[Gr.01_005,25] Diese Frage kann ein kurzes Beispiel hinreichend beantworten, und zwarwieder durch eine Frage: Was ist denn beim Aussen der Samenkrner in die Erde der Zweckdieser Arbeit? Ist es die Aussaat an und fr sich, oder hat die Aussaat noch einen hherenZweck vor sich?[Gr.01_005,26] Es wird zwar durch das Verwesen der Samenkrner die Erde gedngt undsomit nach und nach fetter gemacht; aber ihr werdet doch sicher diese Nutzwirkung derAussaat nicht als den Hauptzweck solcher Handlung betrachten, sondern werdet sagen: Wirsen das Korn nur darum in die Erde, damit daraus ein neuer Fruchthalm entstehe, der unsvielfach wiedergebe das, was wir zuvor einfach in die Erde gelegt haben.[Gr.01_005,27] Sehet, also verhlt sich die vorerwhnte naturmige Nutzwirkung diesesBerges geradeso zu dem hheren Zweck seines Daseins, wie sich da verhlt die Dngung desErdreiches durch das Verwesen des Krnchens in der Erde zu seiner entstandenen vielfachlebendigen Frucht!
  • 16. [Gr.01_005,28] Aus diesem werdet ihr nun schon ein wenig die Richtigkeit dessen zuerkennen imstande sein, was Ich am Schlusse der Darstellung der naturmigenNutzwirkungen dieses Berges erwhnt habe, wo gesagt ist, wie hoch ein geistiges Pnktleinoder Atom ber allen den bis jetzt erwhnten naturmigen Nutzwirkungen dieses Bergessteht.[Gr.01_005,29] Dieses bisher Gesagte betrachtet daher nur als eine notwendige Vor- undEinleitung, ohne welche ihr das Folgende schwerlich verstehen wrdet![Gr.01_005,30] Was aber da speziell folgen wird, wollen wir auf eine nchste Mitteilungaufbewahren; und somit lassen wir es fr heute wieder gut sein!6. Kapitel Geisterkampf in der Natur.[Gr.01_006,01] Wenn ihr euch zurckerinnern wollt an manche andere Meiner euchgegebenen Enthllungen aus der Natur, allwo namentlich dargetan wurde, wo die Tierweltihren Ursprung nimmt, so wird euch alsbald klar werden, warum in der Einleitung unservorliegender Berg ein ausgezeichnetes und groes Armenhaus genannt wurde.[Gr.01_006,02] Sehet, vorzugsweise halten sich auch gewhnlich noch sehr irdisch gesinnteSeelen und Geister in der Region ihres vormals im Leibe bewohnten Planeten auf. DieseGeister sind nicht selten voll rger, Bosheit und Ingrimm darum, weil sie so bald ihr zeitlichgutes Leben haben verlassen mssen, und wollen sich nun dafr auf jede mgliche Weiserchen. Obschon sie zwar die Erde nicht sehen knnen wie berhaupt kein Geist etwas zusehen vermag, was auer ihm ist, sondern nur, was in ihm ist , so wissen sie aber auf demWege innerer Entsprechung doch ganz genau, wo oder in welcher Gegend der Erde sie sichbefinden; und weil sie als Geister mit den naturgeistigen Potenzen in sichtbarem Konfliktstehen, so vereinigen sie sich auch bald mit ihnen, um dadurch, wo nur immer mglich, dersie so frhzeitig im Stiche lassenden Erde zu schaden.[Gr.01_006,03] Da sie im geistigen Zustand auf dem Wege der Entsprechung auch wohlwissen, da so ein Gebirgsriese der Erde ein naturmiger Nutzwirker ist fr viele Lndereienum ihn, so halten sie sich auch besonders gern in seiner Nachbarschaft auf. Besehet nur dasBild so euch schon die Gelegenheit mangelt, diesen Berg in der Wirklichkeit inAugenschein zu nehmen , und ihr werdet euch alsbald berzeugen, wie da rings um ihnherum Felsenmassen ber Felsenmassen sich auftrmen, in deren Schluchten, Krmmungenund Windungen nicht selten auf ja und nein pltzlich dunkelgraue Wolken aufsteigen, die,wenn sie ber die Scheitel der hchsten Felsspitzen sich erhoben haben und gewisserartunsern Groglockner erblicken, sich dann alsogleich wieder zurckziehen und oft trotz einesnoch so heftigen Windes nicht aus ihren Schlupfwinkeln zu bringen sind.[Gr.01_006,04] Sehet, diese Erscheinlichkeit ist schon ein sehr sicheres Zeichen vom Daseinsolcher mimutigen und bswilligen Geister, und zwar schon in der Verbindung mit dennaturgeistigen Potenzen![Gr.01_006,05] Erhebet ihr aber eure Blicke hher hinauf zu den weien Flchen unseresGletschers, so werdet ihr da ebenfalls fast bestndig Wolken und Nebel entdecken, welcheaber von einer nahezu blendend weien Farbe sind. Diese Wolken und Nebel sind ebenfallsGeister, aber Geister guter Art; von ihnen sind die zuallerhchst schwebenden dazu bestimmteschtzende Engelsgeister, whrend die mehr in der Tiefe des Gletschers schwebenden Nebel,welche gewhnlich linealfrmige Streifwolken bilden, zwar ebenfalls Geister guter Art, abernoch nicht vllig reif fr die Hhe sind und sich erst durch getreue Wachsamkeit undmannigfaltige Kmpfe gegen die argen Geister fr die Hhe geeignet, reif und tchtig machenmssen.[Gr.01_006,06] So ihr in dieser Gegend wret und mchtet da oft tagelang dieserNebelspielerei zusehen, da wrde es euch auch nicht im Traume einfallen, da es zwischendiesen luftigen Potenzen je zu einem ernsten Kampf kommen knnte; jedoch wer da Zeit htteabzuwarten, bis es unter diesen leichten Potenzen wirklich zu einem Kampf kommt, der drfte
  • 17. auch sicher darauf rechnen, da ihm whrend dieses Kampfes das Hren und Sehen vergehenmchte vor tobender Angst.[Gr.01_006,07] Wie kommt es aber da zu einem Kampf? Was ist die gewhnlicheVeranlassung dazu? Wissen wir einmal die Veranlassung, so wird uns auch die Ursache nichtunbekannt bleiben.[Gr.01_006,08] Sehet, die bsen Geister, deren schon frher erwhnt wurde, gehen immer mitdem Rachegedanken um, sich einmal dieses Lnderwohlttigkeitsthrones zu bemchtigen, umdann vom selben aus nach allen Seiten gehrig Unheil ausstreuen zu knnen! Aus diesemGrunde rotten sie sich in den unteren Schlupfwinkeln zusammen und machen kleineAusflge, um zu rekognoszieren, wie es mit der Wache und der Besatzung des Thrones steht.Bemerken sie, da es ziemlich blank um ihn aussieht, so geht diese Nachricht mit allerGedankenschnelligkeit weit und breit hin, und wo da nur immer eine so recht zerklfteteGebirgsspitze sich befindet, da werden sich auch sogleich berall groe Massen von gleichdunkelgrauen Wolken herauszuziehen und in die Hhe zu erheben anfangen, und wennehedem der Himmel ganz rein war, so ist er nicht selten in wenigen Minuten schon ganz dichtumhllt von solchen oft ganz schwarzen Wolkenmassen, welche da kreuz und quer ziehenund sich, wie ihr zu sagen pflegt, per ambages dem Throne nhern, damit die Thronwachendurch diese Bewegung in die Irre gefhrt werden mchten.[Gr.01_006,09] Bei solcher Gelegenheit ist der Groglockner dann auf eine kurze Zeit auchgewhnlich ganz wolken- und nebelfrei; denn sobald die Wchter solche Schelmerei derargen Geister sehen, da ziehen sie sich alsbald zusammen und verbergen sich sorgfltig in deninneren, groen Kristalltempeln dieses Berges.[Gr.01_006,10] Wenn nun die Hauptanfhrer der weitgedehnten argen Rotten sehen, da derThron unbesetzt ist, so kommandieren sie alsbald ihren losen Truppen, sich so hoch alsmglich zu erheben und dann behende ber den Thron herzufallen und alles, was da in deninneren Gemchern angetroffen wird, fr immer gefangenzunehmen und zu erdrcken.[Gr.01_006,11] Auf dieses Kommando strzt nun das graue Gesindel mit fr euch, die ihreine solche Naturszene noch nicht gesehen habt, unglaublicher Hast auf unsern Groglocknerhin, bei welcher Gelegenheit es dann in seiner Nachbarschaft selbst um die Mitte des Tagesalso finster wird, da die Menschen in seinen nahe gelegenen Tlern nicht selten zu Kerzen-und Lampenlicht ihre Zuflucht nehmen mssen. Bei dieser Gelegenheit wirds danngewhnlich ganz still, was den Grund hat, weil die argen Geister nun der Meinung sind, dasie endlich einmal gesiegt haben. Allein solche ruhige Szene dauert zuallerlngst hchstenssiebenundsiebzig Minuten. Nach dieser Zeit werdet ihr bemerken, da sich sehr dichte weieWolken aus den Eisklften zu ziehen anfangen. Diese breiten sich dann in kurzer Zeit unterden schwarzen Wolken aus, und wenn sie sich gehrig weit und dicht ausgebreitet haben, sofangen sie dann an, sich unvermerkt zu erheben und tragen dann das schwarze Gesindelgewisserart auf ihrem Rcken immer hher und hher.[Gr.01_006,12] Wenn nun das schwarze Gesindel solche List merkt, dann macht es baldirgendwo Luft und lt das weie Gewlk hindurchpassieren. Solches wissen die Geister desweien Gewlks gar wohl und auch, da sich die argen Geister dabei denken: Ziehet ihr nurhinaus; wenn ihr einmal vollends drauen seid, dann werden wir ja wohl sehen, wer denThron in Besitz nehmen wird![Gr.01_006,13] Wenn demnach die weien Wolken sich samt und smtlich ber dieschwarzen hinausgezogen haben, so breiten sie sich in der Hhe nicht selten gleich einemNetze viele Meilen weit nach allen Seiten mit Blitzesschnelligkeit aus und nehmen dasgesamte arge Gesindel, wie ihr zu sagen pflegt, solo gefangen.[Gr.01_006,14] Wenn aber nun das arge Gesindel durch allerlei geistig-telegraphischeDepeschen die Nachricht bis zum Throne hin empfngt, da die weien Geister esallenthalben umzingelt und gefangen haben, so werden die Helden, welche sich schon berden Thron hergemacht haben, beraus ergrimmt ber die List der weien Geister. Sie fangen
  • 18. da an, alle ihre Truppen zu konzentrieren, um dadurch mit Gewalt wieder durch die weienMassen zu brechen. Dieser Moment ist dann auch der Anfang des eigentlichen Kampfes.[Gr.01_006,15] Hier wrdet ihr zuerst ein ungeheures Toben und Tosen in dieser schwarzenWolkenmasse gewahren. Dieses Toben und Tosen rhrt her von dem Sichaneinander-Drngendieser Geister und von dem immer mehr und mehr Ergrimmtwerden; je mehr aber diese argenGeister sich abmhen, die oberen vernichtend zu durchbrechen, desto mehr auch werden sievon den oberen gedrckt.[Gr.01_006,16] Bei dieser Gelegenheit fangen dann die unteren Geister in ihrem Grimme sichzu entznden an, und alsbald gibts da eine so feurige Szene, da nicht selten in einer Sekundemehr denn tausend der heftigsten Blitze mit groem erderschtterndem Gekrach nach allenSeiten, wie auch nach oben und nach unten strzen, und zwar nach allen Seiten, um dieherabbohrenden weien Massen zu tten, in die Hhe, um die Hauptanfhrer der weien zuverderben, und in die Tiefe oder auf die Erde, um den Thron zu vernichten.[Gr.01_006,17] Sehet, das ist nun das erste Manver! Aber wenn die Geister der weienWolken gewahren, da den unteren feindlichen Rotten gewisserart die Munition ausgegangenist, dann erfassen die weien Geister pltzlich in allen Teilen die schwarzen und drngen sieso fest aneinander, wie fest da ist ein wirklicher Stein, und schleudern sie dann mit dergrten Heftigkeit hinab auf die Erde, und natrlicherweise zum grten Teile auf dieweitgedehnten Eisflchen des Thrones selbst, wie auch in weiteren Umkreisen, jedoch inkleineren Knoten, als Hagel in die Tiefen. Bei dieser Gelegenheit knnt ihr auch die Ursachedessen sehr leicht begreifen, warum namentlich ber die Eisfelder des Groglockners nicht selten zentnerschwere Eismassen den Wolken entstrzen, und oft in solcher Dichtigkeit,da da gewisserart ein Eisblock den andern vor sich hertreibt.[Gr.01_006,18] Wenn auf diese Weise dann das schwarze Gesindel samt und smtlich besiegtam Boden liegt, so lassen die weien Geister noch einen Regen, welcher da schon aus denFriedensgeistern besteht, ber diese Besiegten herabstrzen, lsen sich endlich selbst in einenschneidend kalten Wind auf und binden dadurch die Besiegten auf sehr lange Zeit an dasfrhere Eis des Thrones. Dadurch verschaffen sie diesen argen Wesen wieder eine Ruhe, inwelcher diese sich dann gewhnlich mit der Lnge der Zeit eines Besseren besinnen. Und istsolches eingetroffen, dann lst sich das eisige Band oder die naturmig-geistige Potenzwieder zu flieendem Wasser auf, und dem also gedemtigten Geiste wird der Gebrauchseiner Freiheit wieder anheimgestellt.[Gr.01_006,19] Bessert er sich, so wird er bald in die unteren Reihen der Friedensgeisteraufgenommen; bessert er sich aber nicht und wiederholt bei einer andern Gelegenheit solchenAngriff was leider am ftesten der Fall ist , so wird er dann wieder auf die ganzgewhnliche und einfache Weise gefangengenommen, aber allzeit ein bichen lnger in derGefangenschaft gehalten.[Gr.01_006,20] Sehet, das ist die erste Geisterszene, die sich vorzugsweise da ereignet, wo essich natrlicherweise um einen wenigstens vermeintlichen Thron handelt. Aber diese Szeneist nicht die einzige, die da vor sich geht, sondern es gibt dann auch noch gar viele, welcheaber nicht so wie diese in die naturmige Erscheinlichkeit mehr herberragen, sondern sieoffenbaren sich auf mannigfache Weise mehr dem Gefhl derjenigen, welche je Gelegenheithaben, wenigstens einen unteren Teil eines solchen Berges zu besteigen.[Gr.01_006,21] Um jedoch bei unserer Darstellung dieses Berges nicht in eine zu langeAusdehnung zu geraten, wollen wir bei der nchsten Gelegenheit nur noch zwei Punkten einekurze Aufmerksamkeit widmen und uns dann schnell dem evangelischen Teil, welcher freuch der bei weitem wichtigste ist, zuwenden.[Gr.01_006,22] Und so lassen wir es fr heute wieder bei dem bewendet sein!7. Kapitel Wege zur Demtigung und Erziehung der Naturgeister.
  • 19. [Gr.01_007,01] Ihr habt in der gestrigen Mitteilung vernommen, da nach der endlichenGefangenschaft wieder die Befreiung eintritt, und da die also zur Besinnung und Ruhegebrachten Geister, so sie sich vollends gebessert haben, entweder zu den Friedensgeisternder unteren Stufe aufgenommen werden, oder da ihnen eine neue Freiheitsfrist eingerumtwird. Sehet, da ist auf etwas ein achtsames Auge zu haben: wohin dann solche der eigenenFreiheit berlassenen Geister geschickt werden![Gr.01_007,02] Sehet, wenn die naturmigen Geisterpotenzen sich wieder zu flieendemWasser auflsen, so werden eben solche frei gewordenen Geister mit dem Wasser gewisserartfreiwillig gebunden und mssen dann die Reise bis in das Meer machen.[Gr.01_007,03] Ihr werdet euch denken: Warum denn solches?[Gr.01_007,04] Sehet, gerade aus demselben Grunde, aus dem auf der Erde die Obrigkeitjemandem, der da einen Schaden angerichtet hat oder im Augenblick, als er den Schadenverben wollte, gefangen wird, eine solche Besserungsstrafe auferlegt, da er den Schadengutzumachen und nebstbei fr den bsen Willen noch ein Reue- oder Strafgeld zu entrichtenhat.[Gr.01_007,05] Sehet, gerade aus eben dem Grunde mssen solche Geister in jenem Staate,wo es viel genauer zugeht als auf der materiellen Welt, jeden verbten Schaden wie auchjenen, den sie haben verben wollen, bis auf den letzten Heller gutmachen und zudem nochfr ihren bsen Willen eine vollkommen angemessene Bue leisten, und erst dann, wennsolches alles genau befolgt worden ist, knnen sie in die erste Stufe der geistigen Vollendungaufgenommen werden.[Gr.01_007,06] Ihr werdet wieder fragen: Ja, wie knnen denn diese Geister im Meere daswieder gutmachen, was sie der Erde in einem dem Meere weit entlegenen Lande entwederschon geschadet haben oder doch wenigstens haben schaden wollen?[Gr.01_007,07] Natrlicherweise knnen sie das im Weltmeere wohl schwerlich gutmachen;aber da im Geiste niemand etwas Gutes wirken kann, wenn er nicht selbst gut ist, so bezeugtdiese Erscheinlichkeit das, da die Geister in diesem Zustande sich vollends demtigenmssen, bevor sie fhig werden, fr den Schaden Gutes zu ben; und weil demnach das Meerund dessen Grund der Erde immerwhrend tiefste Teile sind, so mssen demnach solchehochtrabenden Heldengeister diese Demtigungsreise machen, um dadurch mit der Zeit ausdieser ihrer Demtigung als neu- und wiedergeboren aufzusteigen in die Sphren derNutzwirkungen.[Gr.01_007,08] Es fragt sich jetzt: Werden solche Geister auch wirklich nach vollbrachterReise gebessert?[Gr.01_007,09] Da gibts verschiedene Abstufungen: Einige bessern sich schon auf demWege und knnen sich dann aus dieser feuchten Landstrae entfernen und zurckkehren,allwo sie dann erforscht und, so in ihnen nichts Arges mehr gefunden wird, aufgenommenwerden. Solchen Austritt knnt ihr daran merken, da am Morgen den Bchen, Flssen undStrmen weie Nebel entsteigen, die dann von der Sonne mit Hilfe der naturmigenPotenzen aufgezogen werden, in der Hhenregion aber dann bald aus diesen naturmigenPotenzen treten und dem naturmigen Auge unsichtbar werden.[Gr.01_007,10] Eine andere Art dieser Geister aber ist diejenige, welche sich aus einemgeheim wieder erwachten rger bei Nachtzeit sozusagen aus dem Staube macht und sich inanfangs sichtbarer Gestalt von grauen Nebeln in den Grben, Schluchten und Klften derBerge verbirgt, um bei einem nchsten Angriff wieder ttigst mitzuwirken.[Gr.01_007,11] Eine dritte Art solcher Geister macht zwar den Weg wirklich bis ins Meer;wenn sie aber da angelangt sind, so rotten sie sich nach den verschiedenen Arten ihrer Bosheitzusammen und machen sich dann ber das Meer her, und wehe dann dem Schiffahrer, der dain ihre luftigen Hnde gert! Wenn er noch mit dem naturmigen Leben davonkommt, sowird er Wunderdinge von der verheerendsten Art der Meeresstrme erzhlen knnen. Wennaber diese argen Patrone eine solche Bosheit ausben wollen, dann senden sie zuvor ein oder
  • 20. zwei ganz locker gestaltete Wlkchen gewisserart zur Spionierung ber die Meeresflcheempor welche Wlkchen der erfahrene Schiffer gar wohl kennt , um zu erkunden, ob sichvon nirgends woher etwa von den Friedensgeistern etwas sehen lt; sind da noch irgendwosolche Friedensgeister zu erschauen, so verschwinden diese Wlkchen pltzlich, beiwelcher Gelegenheit dann auch uerst selten an einen bedeutenden Sturm zu denken ist.[Gr.01_007,12] Erschauen aber diese bswilligen Spione keine feindlichen Truppenirgendwo, dann erheben sie sich hher und hher, und in wenigen Minuten ist der freie Raumber dem Meere in allerdichteste Sturmwolken gehllt, aus welchen gar bald dieallerheftigsten Windste das Meer aufzuwhlen anfangen, und tausend und tausend Blitzewerden da auf diejenigen Geister hinabgeschleudert, welche den ernsten Weg der Besserungeingeschlagen haben. Allein, wie solche rebellischen Geister schon berall schlecht zuteilkommen, so nimmt auch diese Unternehmung allzeit ein schlechtes Ende fr sie; denn dawerden alsbald in Gedankenschnelle von unseren Hauptlandeswchtern friedliche Heere vonGeistern abgesandt. Diese werfen sich dann ber jene tobenden Scharen, schleudern dieselbengewhnlich im Hagel oder heftigen Regen ins Meer und entbinden bei dieser Gelegenheit diedemtigen Geister ihrer freiwilligen Haft. Jene Patrone der Bosheit aber werden dann ebensoschnell, wenn sie nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben, dem Nordpol zu befrdert; dieHelden aber mssen sich schon bequemen, auf eine sehr lange Zeit in das harte Eis desSdpols zu beien.[Gr.01_007,13] Sehet, also endet die Szene dieser Geister; die argen werden an ihren Ortbefrdert, die guten aber werden aufgenommen zur vielfachen Nutzwirkung.[Gr.01_007,14] Worin besteht denn diese?[Gr.01_007,15] Die erste Arbeit ist diese, da solche Geister auf die verschiedenen Alpengeschickt werden, und zwar an jene Stellen, welche sich in kahle Felsspitzen verlieren. Siemssen daselbst fr die Erhaltung derselben, wie auch fr die bedingte Auflsung derselbenunablssig Sorge tragen, aus welchem Grunde sie da alle Feuchtigkeit in die Poren desGesteins so verteilen mssen, da das Gestein dadurch von innen aus immerwhrend seinegleiche Festigkeit und Eigenschaft behlt; anderseits aber mssen sie das abgelste Gesteinalso weiter in die Tiefe befrdern, da es nach und nach der erlsenden Bestimmung immernher kommt.[Gr.01_007,16] Wenn sie irgendeine solche Sorge verabsumen, so geschieht es dann fter,da ihnen arge Geister hinter dem Rcken dadurch einen Possen spielen, da von ihnen einganzer Felsblock losgemacht und in die Tiefe geschleudert wird, was jedoch zumeist nur beigroen Aufstnden geschieht. Bei solch gelegentlicher Unvorsichtigkeit mssen sie danneinen solchen abgelsten Teil wohl versorgen, da er entweder irgendwo einen sicherenRuhepunkt findet, oder sie mssen ihn bis zu einem Bache oder Flusse bringen, damitdadurch die in ihm verschlossenen, noch nicht geborenen Geister zu keinem vorzeitigenAusbruche kommen; denn geschhe solches, so wre es nahezu um die ganze Erde geschehen.Daher werdet ihr einen solchen abgelsten Stein gewhnlich in einem Graben, in dem eineQuelle sich befindet, antreffen, oder ihr werdet ihn bis ber die Hlfte in der Erde sitzend undda mit allerlei Moos umgeben antreffen, oder ihr werdet ihn auch antreffen entwederzerstckelt oder ganz in irgendeinem bedeutenden Bache oder Flusse.[Gr.01_007,17] Und das ist demnach auch die Ursache, warum nicht selten mehrere hundertund tausend Zentner schwere Steinblcke allda in den Flssen und Bchen angetroffenwerden, wo es weit und breit frs erste keine solchen Felsgebirge und frs zweite auch keinehnliche Steingattung gibt.[Gr.01_007,18] Die Naturforscher werden hier freilich sagen: Was ist das fr lcherlichesZeug! Solches bt ja nur das Wasser aus durch seine Schwere, welche zunimmt, je schnellerund heftiger der Fall wird.[Gr.01_007,19] In naturmiger Hinsicht haben sie freilich wohl auch recht so wiederjenige, der da sagt, da zwei mal zwei vier ist; wei aber der Mathematiker auch, was alles
  • 21. seinem Produkte zugrunde liegt? Kennt er die Einheiten, aus welchen er sein Produkt gebildethat? Er kennt wohl die Zahl der seinem Auge und seinem Verstande gleichartigen Dinge;kennt er aber auch das Wesen der Dinge, die er gezhlt hat, in ihrem Grunde? Kann er dieunendliche Vielheit und Verschiedenheit der Teile und Krfte berechnen, welche zur Bildungeines Dinges notwendig sind?[Gr.01_007,20] Wahrlich, wenn er das vllig erkennte, da wrde es ihm auch ganz klarwerden, wie seicht seine Berechnung der Dinge war, da er vermge ihrer Gleichartigkeit vierStcke zusammengezhlt hat.[Gr.01_007,21] Wie also bemerkt, geht es auch unserm Naturforscher bei seiner Darstellungnicht nur um nichts besser denn unserm Mathematiker, sondern noch um vieles schlechter!Denn er sieht wohl das Wasser flieen; aber was dazu erforderlich ist, um eben das Wasserflieen zu machen und demselben den gerechten Grad der Schwere zu geben und dabei aberwohl zu wissen, worin an und fr sich die Schwere besteht, sehet, das mchte unsermscharfsinnigen Naturforscher wohl etwas zu unsichtbar sein! Denn da das Wasser nachirgendeinem geneigten Bette sich fortbewegt, das merkt auch derjenige, der gerade keinNaturforscher ist. Wer trgt denn aber das Wasser auf die Hhe der Berge, sammelt esdaselbst und befrdert es nutzwirkend in die Tiefe? Sehet, das wre schon wieder eineandere Frage! Man wird auch hier mit dem innern Druck und mit dem Gesetz derwechselseitigen Anziehung zum Vorschein kommen; wenn Ich aber dann frage: Wer bt dennden Druck und die wechselseitige Anziehung aus?, da wird es auch sicher aus sein mit derAntwort.[Gr.01_007,22] Solches setze Ich aber darum hierher, damit euch das vorerwhnte ersteGeschft der Geister nicht so sehr befremden soll; und daher glaubet es, da auf der ganzenErde ganz bestimmt nichts ist und geschieht, was da nicht ausginge von den Geistern allerArt, entweder guten oder argen![Gr.01_007,23] Wenn ihr denn alsonach auf irgendeine Alpe geht was euch allzeit sehrvorteilhaft ist , so werdet ihr hier und da an Stellen kommen, wo es so recht zerstrt aussieht,darob euch dann auch ganz unheimlich zumute wird und ihr glaubet, da sei alles im starrstenTod begraben; aber gerade da geht es um so lebendiger zu, denn da haben solch nutzwirkendeGeister vorerwhnter Art am meisten zu tun, zu sorgen und zu wachen, damit allmhlich dasalles wieder in die schnste Ordnung gebracht wird. Wo es euch aber auf einer solchen Alpeganz wohl und hehr erbaulich zumute wird, wie zum Beispiel an solchen Stellen, wo die Alpemit allerlei wohlriechenden Krutern bewachsen ist, da hausen auch schon seligere undfriedsame Geister, deren Geschft ein ruhigeres, aber zugleich auch geistig genommen einviel groartigeres ist denn das der frheren.[Gr.01_007,24] Wenn ihr aber auf jene Hhen gelanget, die schon mit immerwhrendemSchnee und Eise bedeckt sind, und die reine und frische Luft euch fr die Lnge der Zeitunertrglich wird, da fngt auch schon der vollendeten Geister erste selige Region an, oder, soihr es annehmen wollet, da greifen oder reichen der Himmel und die Erde sichtbar zusammen;denn die irdische Klte bedeutet eben den gnzlichen Mangel der Eigenliebe und somit denhchsten Grad der Nutzwirkung naturmig genommen, das heit: vom Geistigen aus insNaturmige bergehend betrachtet.[Gr.01_007,25] Wer von euch somit je eine solche Gebirgshhe geschaut hat, der hat auch dieunterste Region des Himmels mit seines Leibes Augen geschaut.[Gr.01_007,26] Ihr werdet hier freilich fragen und sagen: Wieso denn? Wie ist solches zuverstehen?[Gr.01_007,27] Und Ich sage euch darauf: Wer solches versteht, dem wird auch das Wiesogar bald einleuchtend werden. Es wird doch sicher diejenige Stelle der Erde dem Himmel amnchsten zu stehen kommen, an der die menschliche Habsucht und Eigenliebe keineGrenzsteine mehr setzt und keine verheerenden Prozesse wegen Mein und Dein mehr fhrt.Ihr drftet nur einen Versuch machen und ein tausend Joch groes Eisfeld irgendeines
  • 22. Gletschers zu eigen verlangen, ja ihr knnt euch sogar ohne irgendeine Anfrage aufirgendeinem Eisboden ansssig machen, und seid versichert, es wird euch solchen Grundniemand streitig machen, sowenig als ihr es einem andern streitig machen mchtet, wenn esihn gerade gelsten sollte, sich ein Stck eines solchen stark abkhlenden Grundeszuzueignen.[Gr.01_007,28] Nun sehet, aus dieser kurzen Darstellung werdet ihr nun das Wieso auchleicht begreifen; denn wenn der Himmel auch gewisserart naturmig die Erde berhrte, sowre es wohl mit dem Leben wie mit dem Dasein des ganzen Planeten auf einmal zu Ende.[Gr.01_007,29] Kann aber der Himmel die Erde irgend berhren, wo sie so vielfach durch dieschnde Habsucht entheiligt ist? Aus diesem Grunde sind solche Berhrungspunkte nur damglich, wo die Erde von aller Scheelsucht der Menschen ganz und gar frei ist.[Gr.01_007,30] Aus diesem Grunde ist dann auch unser Groglockner vorzugsweise einsolcher Berhrungspunkt! Und so auch irgendein Mensch auf seinen hchsten Zinnen etwaserrichten mchte, wonach die Habsucht auch nur eines Menschen lstern werden knnte, sowrde da von den reinen Geistern auch schon sogleich gehrig dafr gesorgt, da hnlicheEinrichtungen binnen kurzer Zeit wie aus dem Dasein verschwinden; und so wird ein solcherPlatz durch seine eigene Reinheit und durch die Reinheit seiner Geister gehrig gereinigt.[Gr.01_007,31] Das wre somit eine Art geistiger Eigenschaft, welche ber die naturmigenGeister hinausragt und dann und wann noch naturmige Erscheinlichkeiten zult; unddemnach bleibt uns nur noch eine Art brig, die nur sehr wenigen Menschen dann und wannsichtbar wird. Diese Art werden wir das nchste Mal betrachten und mit ihr auch sogleich aufdas Evangelische bergehen. Und so lassen wir es fr diesmal wieder bei dem bewendetsein!8. Kapitel Wege zur Besserung der Naturgeister.[Gr.01_008,01] Was alsonach die dritte Art der Geister anbelangt, so ist auch diese wieder indrei verschiedene Arten zu scheiden, und zwar in eine untere, in eine mittlere und in eineobere Art.[Gr.01_008,02] Zu der unteren Art gehren alle jene geistigen Wesen, welche das Innere derBerge bewohnen und daselbst die Metalle und die Wasserquellen, wie auch das Gestein undErdreich in der Berge Innerem berwachen. Diese Art der Geister ist somit auch an und frsich wieder dreifach zu scheiden, und zwar in Feuergeister, Erdgeister und Wassergeister.Diese Geister sind weder bswilliger noch guter Natur, sondern sie sind ein bares Mitteldingzwischen Gut und Bse; daher werden sie auch zu eben diesem Zwecke verwendet: dieFeuergeister zum Auskochen der Metalle, die Wassergeister, um die Feuergeister bei ihrerArbeit zu dmpfen, und die Erd- und Steingeister, um die Feuer- und Wassergeister in ihrenSchranken zu halten.[Gr.01_008,03] Wer sich vom Dasein dieser Geister berzeugen will, der mache nurBekanntschaft mit biederen und unbefangenen Bergleuten, und er wird unter hundert solchenMenschen sicher neunzig antreffen, welche in ihrem Leben wenigstens ein-, zwei- oderdreimal ein oder das andere sogenannte Bergmnnlein gesehen haben. Diese Art Geisterkommen nur gar selten auf die Oberflche der Erde; denn ihre innere Geschftswelt kommtihnen viel herrlicher vor als die uere gehaltlose, wie sie zu sagen pflegen. Nur mt ihreuch nicht etwa denken, da ihnen die Materie bei ihrem Hin- und Herwandern hinderlich sei;solches ist sie mitnichten. Wo immer sich ein solcher Geist hinbewegen will, so geht er durchWasser, Feuer oder Steine noch um vieles ungehinderter als ihr durch die Luftregionen. Dennwo ihr Materie erschauet, da erschaut der Geist nur die entsprechende Substanz derselben.Diese allein ist fr ihn ein Etwas; die eigentliche grobe Materie aber ist fr ihn ein baresNichts und ist fr ihn so gut wie gar nicht da.[Gr.01_008,04] Da diese Geister nutzwirkend sind, knnt ihr aus dem Amt erkennen, das sieversehen; nur drfen sie nicht durch einen Unglubigen, wie auch Glubigen, durch
  • 23. mannigfache Lsterungen und Verunglimpfungen ihrer Wesenheit gereizt werden. Geschiehtsolches irgendwo, dann sind sie auch gar bald bereit, sich an derlei Menschen bitter zu rchen.[Gr.01_008,05] Wehe hernach dem, der in ihre Hnde gert! Den Glubigen zchtigen siedurch allerlei Mittel, die ihnen zu Gebote stehen, den Unglubigen aber erfllen sie nichtselten mit einer unausstehlichen Angst, oder sie machen ihm einen unerwarteten Schreck,oder sie werfen ihm irgendein leibliches unheilbares bel auf den Hals. Dagegen hat derglubige sanftmtige Mensch von ihnen nichts zu befrchten, im Gegenteil: so sich ein alsoglubiger Gutmtiger in den unterirdischen Hhlen und Gngen der Berge verstiegen hat, sozeigen sie ihm fast allzeit einen sichern Ausweg. Dieses alles knnt ihr buchstblich bei allenBergleuten erfahren; und mget ihr dieselben aus den verschiedensten Erdgegendenvernehmen, so werden ihre Aussagen ganz vollkommen bereinstimmen. Das ist demnachdie erste Art der dritten Art Geister.[Gr.01_008,06] Unter welchem Gesichtspunkte alle diese Geister in der eigentlichenGeisterwelt vorkommen, das wird erst in dem evangelischen Teil gezeigt werden; und sogehen wir nun zu der zweiten oder mittleren Art ber.[Gr.01_008,07] Diese Art Geister ist zumeist auf der Oberflche der Erde beschftigt, und esgibt derselben zahllos viele. Der eine Teil hat fr alle Bume, Gestruche, Pflanzen, Grser,Moose und Schwmme zu sorgen und die in den Pflanzen selbst noch nicht frei gewordenenGeister bei ihrer Ttigkeit zu leiten, damit jede Pflanze, sei es nun ein Baum oder was immer,ihre ursprngliche Form und Beschaffenheit erhlt. Der andere Teil dieser Geister aber hat dieTierwelt unter sich und mu da dieselbe Obsorge tragen, welche der eine Teil dieser Geisterbei der Pflanzenwelt zu tragen hat, nmlich, da jedwedes Tier seiner Form, seinerBeschaffenheit und Ttigkeit entspricht. Diese Art Geister wird den Menschen nur gar seltensichtbar. Diese Geister haben viel zuwenig Zeit, als da sie darauf bedacht sein sollten, sichunntzermaen sichtbar zu machen; denn die fortwhrende Nutzwirkung und de