Der totale Widerstand

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    06-Jun-2015
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Major v. Dach: Schweizer Armee Lehrbuch Widerstand

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Der totale WiderstandKleinkriegsanleitung fr JedermannMajor h. von Dach, Bern

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Es versteht sich von selbst, dass sich die schweizerische Landesverteidigung an die Grundstze des Vlkerrechts zu halten hat (Haager Abkommen ber die Gesetzte und Gebruche des Landkrieges und die Vier Genfer Abkommen von 1949).

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Inhalt

Einleitung ........................................................................................................................ 7Vorwort des Verfassers ......................................................................................................................... 7 Vorwort des Zentralvorstandes des Schweizerischen Unteroffiziersverbandes Widerstand bis zum ussersten ........................................................................................................................................... 7

Operative, taktische und technische Grundlagen des Kleinkrieges ................................ 9Kleinkrieg und ziviler Widerstand im Rahmen der schweizerischen Landesverteidigung. ................... 9 Ziele des Kleinkrieges ......................................................................................................................... 12 Die Entstehung der Kleinkriegsverbnde............................................................................................ 13 Praktisches Beispiel, wie ein Verband in eine Kleinkriegssituation geraten kann .............................. 16 Die Rollenverteilung zwischen Kleinkriegsverbnden und ziviler Widerstandsbewegung ................. 20 Die Grssenordnung der Kleinkriegsverbnde ................................................................................... 22 Entstehung und Ausweitung des Kleinkrieges .................................................................................... 25 Die operative Sicherung der Kleinkriegsverbnde .............................................................................. 25

Aufbau und Fhrung des militrischen Kleinkrieges ..................................................... 27Organisation ............................................................................................................................27Allgemeines ......................................................................................................................................... 27 Organisation eines Kleinkriegsverbandes........................................................................................... 27 Ausbildung........................................................................................................................................... 29 Nachrichtenbeschaffung ber die Haltung der Zivilbevlkerung......................................................... 30 Fhrung ............................................................................................................................................... 30 Ausrstung .......................................................................................................................................... 30 Bewaffnung.......................................................................................................................................... 33 Munitions- und Sprengmittelversorgung ............................................................................................. 34 Reparaturdienst ................................................................................................................................... 34 Sanittsdienst ...................................................................................................................................... 35 Verpflegungsdienst.............................................................................................................................. 35 Die Hilfeleistung der Zivilbevlkerung ................................................................................................. 36 Der Empfang von Materialabwrfen.................................................................................................... 37 Der Empfang von Fallschirmagenten .................................................................................................. 37

Leben.......................................................................................................................................38Aktionsraum / Ruhezone ..................................................................................................................... 38 Ruhe .................................................................................................................................................... 38 Biwak ................................................................................................................................................... 38 Wetterregeln ........................................................................................................................................ 41 Ergnzung der Verpflegung in Notlagen ............................................................................................. 44 Sprengstoffbeschaffung durch Ausbau von Minen ............................................................................. 46 Behelfsmssiger Sprengstoff .............................................................................................................. 48 Improvisierte Sprengladungen ............................................................................................................ 49 Die Lagerung der Munition .................................................................................................................. 49

Taktik/Technik..........................................................................................................................53Allgemeines Verhalten ........................................................................................................................ 53 Marsch................................................................................................................................................. 53 Ausschalten von Wachtposten ............................................................................................................ 55 Durchgabe einfacher Meldungen mit primitiven Mitteln ...................................................................... 56 Sabotage am Strassennetz ................................................................................................................. 57 Erstellen von Strassensperren ............................................................................................................ 58 berfall auf ein Einzelfahrzeug ........................................................................................................... 58 Feuerberflle ..................................................................................................................................... 61 berfall auf einen Strassengeleitzug................................................................................................... 64 Zerstrung von Motorfahrzeugen ........................................................................................................ 66 Handstreich ......................................................................................................................................... 69 Angriff auf ein Verpflegungs-, Fourage- oder Materialdepot............................................................... 74 Angriff auf ein Depot mit chemisch/technischen Produkten................................................................ 75 Angriff auf eine Benzintankanlage....................................................................................................... 76 Angriff auf ein Munitionsdepot oder Freilager ..................................................................................... 80 berfall auf einen Stab oder eine Truppenunterkunft ......................................................................... 82 Angriff auf einen kleinen Sttzpunkt.................................................................................................... 83 Angriffe auf das Telephonnetz ............................................................................................................ 83 Angriffe auf das Elektrizittsnetz ......................................................................................................... 85

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Angriff auf eine Transformatorenstation.............................................................................................. 85 Angriff auf das Leitungsnetz................................................................................................................ 88 Angriff auf das Eisenbahnnetz ............................................................................................................ 90 Sabotage an der Fahrleitung............................................................................................................... 90 Sabotage an der Fahrleitung............................................................................................................... 91 Sabotage am Unterbau (Geleise). Abschlagen der Schraubenkpfe................................................. 92 Sabotage am Unterbau. Sprengen der Geleise.................................................................................. 93 Sabotage am Unterbau. Zerstrung von Weichen und Herzstcken. ................................................ 96 Zerstrung von Rollmaterial ................................................................................................................ 96 Handstreich auf eine Eisenbahnstation............................................................................................... 98 Taktik der Linienunterbrechung........................................................................................................... 99 Angriffe auf Eisenbahnzge .............................................................................................................. 100 Angriff auf eine Brcke ...................................................................................................................... 107 Angriff auf Flugpltze ........................................................................................................................ 108 Angriff auf mobile Raketen-Abschussrampen................................................................................... 111 Vorbergehendes Besetzen von Ortschaften ................................................................................... 116

Aufbau und Kampffhrung der zivilen Widerstandsbewegung ....................................118Grundlagen und Organisation ............................................................................................... 118Allgemeines....................................................................................................................................... 118 Die Aufgaben der zivilen Widerstandsbewegung ............................................................................. 118 Das Problem der Kollaboration ......................................................................................................... 119 Der Schritt von der schweigenden Opposition zum aktiven Widerstand ...................................... 120 Zellenbildung ..................................................................................................................................... 121 Organisation und Ttigkeit der verschiedenen Sektionen ................................................................ 122 Prinzipskizze der Organisation einer Zelle (Idealform) ..................................................................... 123 Beschaffung und Verteilung von Giftkapseln .................................................................................... 127 Die Rolle der einheimischen Polizei.................................................................................................. 128

Die Taktik der Besetzungsmacht .......................................................................................... 129Allgemeines....................................................................................................................................... 129 Die Organisation der Besetzungsmacht............................................................................................ 129 Militradministration .......................................................................................................................... 131 Selbstverwaltung ............................................................................................................................... 131 Die politische Polizei ......................................................................................................................... 133 Grundstze des Terrors .................................................................................................................... 135 Kirchenkampf .................................................................................................................................... 137 Der Kampf um die Jugend ................................................................................................................ 139 Die Spaltung der Bevlkerung .......................................................................................................... 140 Die Taktik des Gegners beim Zerschlagen von Vereinen, politischen Parteien, Berufs- oder Wirtschaftsverbnden........................................................................................................................ 140 Das Vorgehen des Gegners beim Ausrotten gewisser Bevlkerungsschichten............................... 141

Die Taktik der Widerstandsbewegung .................................................................................. 141Verbergen von Waffen und Munition................................................................................................. 141 Herstellung illegaler Schriften ........................................................................................................... 142 Strassenpropaganda ......................................................................................................................... 145 Sicherung von Untergrundkonferenzen ............................................................................................ 146 Nachrichtenbermittlung ................................................................................................................... 147 Kurierdienst ....................................................................................................................................... 147 Schreibverkehr .................................................................................................................................. 149 Die bergabe von Meldungen .......................................................................................................... 150 Der Tote Briefkasten ..................................................................................................................... 150 Die Bentzung des Telephons .......................................................................................................... 152 Die Verwendung des Funks .............................................................................................................. 152 Sicherung von rtlichkeiten .............................................................................................................. 159 Sicherung gegen Abhorchgefahr aus Nebenrumen........................................................................ 160 Allgemeines Verhalten als Widerstandskmpfer .............................................................................. 160 Das Alibi ............................................................................................................................................ 162 Verhalten, wenn man in eine Strassenkontrolle gert ...................................................................... 163 Untertauchen. Auswahl und Bentzung von Unterschlupfen............................................................ 164 Das Bentzen von Eisenbahnzgen ................................................................................................. 164 Sonderschulung wichtiger Mitglieder der Widerstandsbewegung .................................................... 164 Spitzelbekmpfung............................................................................................................................ 165

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Verhalten bei der Verhaftung ............................................................................................................ 167 Verhalten im Gefngnis..................................................................................................................... 167 Verhalten im Verhr........................................................................................................................... 168 Die Folter ........................................................................................................................................... 169 Zwangserziehung und Gehirnwsche ............................................................................................... 169 Verhalten im Zwangsarbeitslager...................................................................................................... 171 Der passive Widerstand .................................................................................................................... 173 Unterwanderung paramilitrischer Formationen ........................................................................... 177 Bewaffneter Widerstand bei Verhaftung oder Verschleppung .......................................................... 178 Sabotage ........................................................................................................................................... 178 Attentate ............................................................................................................................................ 180 Handstreich der zivilen Widerstandsbewegung ................................................................................ 184 Offener Aufstand ............................................................................................................................... 188

Das Vorgehen der Besetzungsmacht bei der Bekmpfung von Kleinkriegsaktionen...202Partisanenbekmpfung..........................................................................................................202Allgemeine Grundstze ..................................................................................................................... 202 rtliche Verteidigung ......................................................................................................................... 204 Die Sicherung der Verkehrswege...................................................................................................... 204 Strassensicherung............................................................................................................................. 205 Eisenbahnsicherung .......................................................................................................................... 209 Sttzpunkt fr Strassen- oder Eisenbahnsicherung.......................................................................... 213 Einsatz der Jagdkommandos ............................................................................................................ 214 Suberungstaktik grsserer Verbnde.............................................................................................. 219

Die Bekmpfung der zivilen Widerstandsbewegung .............................................................226Allgemeines: ...................................................................................................................................... 226 Strassenkontrolle............................................................................................................................... 226 Suchaktionen..................................................................................................................................... 227 Durchkmmen eines Huserblocks................................................................................................... 228 Hausdurchsuchung............................................................................................................................ 231 Rumen eines Platzes ...................................................................................................................... 233

Die Bekmpfung von Unruhen und Aufstnden ....................................................................237Allgemeines ....................................................................................................................................... 237 Aufklrung ......................................................................................................................................... 237 Gliederung der Angriffskrfte ............................................................................................................ 238 Kampffhrung .................................................................................................................................... 239 Vorgehen in Strassen........................................................................................................................ 240 Niederkmpfen von Barrikaden und Strassensperren ...................................................................... 240 Suberung eines ausgedehnten Objekts (z. B. Fabrikkomplex)....................................................... 241 Besetzen der Stadt nach unterdrckter Unruhe oder niedergeworfenem Aufstand ......................... 245

Schlusswort .................................................................................................................248 Anhang A .....................................................................................................................249Ladungsberechnungen ..........................................................................................................249 Ladungsberechnung fr Holzsprengungen............................................................................249 Ladungsberechnung fr Eisensprengungen..........................................................................249Das Anbringen von Ladungen an Eisenprofilen................................................................................ 252

Anhang B .....................................................................................................................253

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EinleitungVorwort des Verfassers Der Verfasser ist sich im klaren, dass er ein heikles und ungefreutes Kapitel angeschnitten hat. Immerhin ist es im Zeitalter des totalen Krieges, wo es im Kampfe nicht nur um materielle, sondern ebensosehr um weltanschauliche Dinge geht, ntig, sich mit diesen Fragen zu beschftigen. Es kann angenommen werden, dass wir in einem Kriege grosse Teile unseres Territoriums, wenn nicht berhaupt das ganze Staatsgebiet, vorbergehend an den Gegner verlieren werden. Die Armee kann, im wesentlichen gesehen, niedergekmpft sein, selbst wenn sich noch betrchtliche Restteile davon im Alpengebiet (Rduit) whrend lngerer Zeit halten sollten. Der grsste Teil der Soldaten sowie die Masse der Zivilbevlkerung wird aber den Feldzug berlebt haben. Es stellt sich nun die Frage, ob nach dem Zusammenbruch der Armee diese berlebenden loyale Untertanen der neuen Machthaber werden sollen, die in Selbstzufriedenheit auf Rettung und Befreiung durch das Ausland harren, oder ob der alte Kampf in neuer Form mit allen Mitteln weitergefhrt werden soll. Es ist anzunehmen, dass bei der anerkannt grossen Freiheitsliebe der Bevlkerung einerseits und der erwiesenen grossen Rcksichtslosigkeit des mglichen Gegners anderseits es ber kurz oder lang zwangslufig zu Zusammenstssen zwischen Besatzungsmacht und Besiegten kommen wird. Es drfte deshalb nicht vllig unntz sein, Atmosphre, Technik und Taktik des Kleinkrieges festzuhalten. Vorwort des Zentralvorstandes des Schweizerischen Unteroffiziersverbandes Widerstand bis zum ussersten Nehmen wir an: Die Schweiz ist zum Kriegsschauplatz geworden! berlegene feindliche Krfte sind eingebrochen. Da und dort wurden eigene Truppen berrollt. Es ist ihnen gelungen, sich der Hand des Angreifers zu entziehen. Noch sind sie im Besitze ihrer Waffen und ihrer Ausrstung. Sie wollen kmpfen, Widerstand leisten bis zum ussersten! Aber wie? Oder: Der Feind hat eine Stadt besetzt. Die Bevlkerung ist unter seine Botmssigkeit geraten. Was tut in diesem Fall der Arbeiter, der Angestellte, der Freierwerbende? Was tut der Lehrer, der Zeitungsredaktor, der Arzt, der Beamte im ffentlichen Gemeindewesen? Was tun die Hausfrauen? Was tun die Eisenbahner, die Postangestellten, die Polizisten? Was tun die Soldaten? Was tun die Zivilisten? Werfen die einen ihre Waffen fort, weil sie die Aussichtslosigkeit jeglichen Widerstandes erkennen? Warten die andern gottergeben auf ihr weiteres Schicksal, oder stellen sie sich dem Feinde zur Verfgung? So viele Fragen - aber wo bleiben die Antworten darauf? Eines ist sicher: Der Feind wird keine Gnade kennen. Ein Menschenleben, Dutzende, Hunderte, Tausende - er wird sie bedenkenlos und rcksichtslos auslschen, wenn es seinem Zwecke dient. Der gefangene Soldat hat Deportation, Zwangsarbeit oder Tod zu erwarten. Aber auch der Arbeiter, der Angestellte, der Freierwerbende, die Hausfrau. Der Feind wird keinen Unterschied machen, und die Erfahrungen der jngsten Geschichte lehren, dass die physische Vernichtung des Besiegten so oder so zu erwarten ist. Manchmal wird sie nur etwas hinausgezgert. Der Offizier, der Unteroffizier, der Lehrer, der Redaktor, jede Frau und jeder Mann, die sich irgendwann und irgendwo einmal abschtzig gegen die Ideologie des Feindes geussert haben, die vor dem Kriege sich fr Demokratie und Freiheit eingesetzt und zum Widerstand gegen Diktatur und Despotie aufgerufen haben - sie alle stehen zuoberst auf der Abschuss- und Deportationsliste. Darber mssen wir uns klar sein! Was ist also zu tun, wenn der Feind im Lande ist? Was ist zu tun angesichts der Gewissheit, dass Not und Tod jede Mitbrgerin und jeden Mitbrger bedrohen, ungeachtet dessen, ob sie sich passiv oder aktiv verhalten wollen? Wir meinen, dass es besser ist, sich bis zum ussersten zu wehren! Wir meinen,

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dass jede Schweizerin und jeder Schweizer Widerstand leisten muss! Wir meinen, dass der Feind im eroberten Gebiet sich keine Minute ruhig fhlen darf. Dass wir ihm schaden, ihn bekmpfen mssen, wo und wie sich dazu Gelegenheit bietet! Damit haben wir klar und deutlich ausgesprochen, welchem Ziel unsere Schrift dienen will. In erster Linie und vor allem kommt im Kriegsfall der organisierte Widerstand durch die Armee. Es ist unsere Pflicht, mit allen Krften dafr zu sorgen, dass die Armee kriegstchtig und kriegsgengend ist und bleibt. Wir mchten, dass das gut verstanden wird. Aber wir wollen unserem Volke auch eine Wegleitung geben fr den Fall, dass Teile der Armee versprengt, abgesplittert oder eingekesselt werden. Fr den Fall, dass es Gefangenen gelingt, zu entfliehen, dass Teile der Zivilbevlkerung unter die Gewalt des Feindes fallen. Wir wollen ihnen zeigen, dass fr diesen schlimmsten aller Flle der Widerstand trotzdem nicht vergeblich sein, sondern zur ersten, zur gebieterischen Pflicht wird. Unsere Schrift will mithelfen, diesen Widerstand wirksam werden zu lassen; sie will verhindern, dass Schweizerinnen und Schweizer nutzlos und aus Mangel an Wissen und Knnen ihr Blut vergiessen oder ihr Leben verlieren. Man wird uns vielleicht entgegenhalten, dass es falsch und unklug sei, in aller ffentlichkeit ber diese Dinge zu sprechen und zu schreiben und den mglichen Feind ber das zu informieren, was wir zu tun gedenken, falls er uns berfallen will. Wir teilen diese Auffassung nicht und halten im Gegenteil dafr, dass der ffentlich bekundete Wille zum Widerstand bis zum ussersten mit zu jenen Abwehrmitteln gehrt, die ein Angreifer beim Fr und Wider einer geplanten Aktion Schweiz einkalkulieren und abwgen muss. In diesem Sinne bergeben wir unsere Schrift der ffentlichkeit und hoffen, dass sie Tausende von Lesern finden wird.

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Operative, taktische und technische Grundlagen des KleinkriegesKleinkrieg und ziviler Widerstand im Rahmen der schweizerischen Landesverteidigung. Wir glauben an die Kraft des Herzens! Wir glauben, dass zuletzt Recht und Menschlichkeit und nicht Macht und Hass triumphieren werden! Wir glauben, dass Gott nicht mit den strkeren Bataillonen, sondern mit der gerechteren Sache ist! Die stndige Bereithaltung einer modernen und kriegsgengend ausgersteten und ausgebildeten Armee ist das wichtigste Anliegen der schweizerischen Landesverteidigung. Daneben drfen aber auch zweitrangige Aufgaben nicht vernachlssigt werden. Eine davon ist die Notwendigkeit, den Kleinkrieg und zivilen Widerstandskampf vorzubereiten. Das Problem: Wir werden kaum isoliert fr uns allein angegriffen werden. Das Unternehmen Schweiz wird vielmehr als Nebenaktion im Rahmen einer weltweiten Auseinandersetzung vor sich gehen. Im Zuge der zu erwartenden weltumspannenden Kmpfe ist es sehr wohl mglich, dass grosse Gebietsteile - die aber im Weltrahmen gesehen nur Randgebiete darstellen - vorbergehend von den Krften der freien Welt aufgegeben werden mssen. Wir knnen in diesem Falle unsere Armee nicht im Zuge grossrumiger Absetzbewegungen ber weite Strecken zurcknehmen, sondern mssen als Schweizer den Kampf dort fhren, wo wir stehen, nmlich in der Schweiz. Und da wir allein nicht siegen knnen, sondern in dieser Situation zwangslufig die erste Runde verlieren mssen, bleibt nur der zh gefhrte Kleinkrieg und zivile Widerstandskampf als zweite Runde, bis der grosse Gegenschlag der freien Welt uns freikmpft. In dieser Notlage ist der totale Widerstand einer Kapitulation vorzuziehen. Wenn wir der Versklavung entgehen wollen, drfen wir den Kampf nicht aufgeben, nur weil die Feldarmee zerschlagen ist. Die Vorstellung ist berlebt, dass der Krieg lediglich eine Angelegenheit der Armee ist, und dass der Kampf nur durch Sieg oder Niederlage der Armee entschieden und beendet wird. Kampf der organisierten Armee bis zum bittern Ende und dann Kapitulation und Stillhalten gengt heute nicht mehr! Unsere Chancen, im Kleinkrieg zu bestehen: Je weltumspannender der Krieg sein wird und ber je weitere Gebiete der Gegner demgemss seine Mittel verzetteln muss, um so weniger Truppen vermag er auf die Dauer zur Niederhaltung aller besetzten Gebiete einzusetzen. Wohl ist es ihm mglich, eine kleine Armee relativ rasch zu zerschlagen, doch ist dieser Aufwand gering, gemessen an der Last, ein Gebiet jahrelang gegen zh gefhrten Kleinkrieg niederhalten zu mssen. Erfahrungsgemss setzt erfolgreiche Kleinkriegsbekmpfung eine mehrfache zahlenmssige berlegenheit an Infanterie voraus. Ferner hat nur gute Infanterie auf die Dauer Erfolg. Diese zahlenmssig starke Infanterie kann auch durch noch so grosszgigen Einsatz modernster schwerer Mittel (Panzer Flugzeuge) nicht ersetzt werden, denn im Kleinkrieg vermgen Maschinen den Menschen am wenigsten zu ersetzen. Wenn wir nur 30 000 Mann Kleinkriegstruppen aufzustellen, beziehungsweise nach der Niederlage im grossen Krieg beizubehalten vermgen (nicht einmal 10 % der Armee!) ist der Gegner gezwungen, dauernd mindestens 100 000 bis 150 000 Mann (gleich 8-12 Divisionen) im Lande zu belassen, um den Kleinkrieg nur einigermassen niederzuhalten. Grobe Erfahrungszahlen: Pro Quadratkilometer besetztes Gebiet 2 Mann Besetzungsmilitr. Fr Kleinkriegsbekmpfung (Suberung): Fnffache Obermacht an Menschen Voraussetzung!

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Da nicht nur die Schweiz besetzt sein wird, bentigt der Gegner anderswo noch viel mehr Okkupationstruppen. Weil er gleichzeitig noch mit einer Weltmacht im Kampfe liegt, sind unsere Chancen, im Kleinkrieg bestehen zu knnen, gar nicht so schlecht, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Eine in der ganzen freien Welt durchorganisierte Partisanenbewegung vermag auf jeden Fall den Kampf der Armeen durch grosse Krftebindung wesentlich zu entlasten. Die Besetzung Europas (ganz sicher aber die Nutzbarmachung) wird praktisch unmglich, wenn alle Lnder den Kleinkrieg und zivilen Widerstandskampf entfesseln. Wenn die schweizerische Armee zusammenbricht, kapituliert und in Gefangenschaft (lies Sklaverei) geht, ist es dem Gegner leicht, mit verhltnismssig wenig eigenen Mitteln und zusammen mit der 5. Kolonne, die ja auch bei uns existiert, das demoralisierte Land zu befrieden und unser Wirtschaftspotential fr seine Kriegsziele zu organisieren und auszuntzen. Durch Stillhalten und falsches Sich-Ergeben in das unvermeidliche Schicksal werden nur die Erfolgsaussichten (Endsieg) des Gegners im weltumspannenden Kampf gehoben. Die eigenen Leiden werden somit verlngert und gesteigert und nicht etwa verkleinert oder verkrzt, wie flschlicherweise angenommen wird. Dem Zusammenbruch des organisierten Widerstandes der Armee darf keine offizielle Kapitulation folgen. Wir mssen somit auf beide Arten von Krieg vorbereitet sein. Gerade weil wir schwach sind und den grossen Krieg - ob es uns passt oder nicht - bei einem die Entscheidung suchenden Angriff ber kurz oder lang verlieren werden. Diese verlorene erste Runde besiegelt aber unser Schicksal noch lange nicht. Denn nun folgt der hartnckige und bis zur Endniederlage des Gegners im grossen Weltgeschehen dauernde militrische Kleinkrieg und zivile Widerstandskampf. Es wre falsch, auf den Kleinkrieg, diese im grossen Rahmen gesehen so starke Krfte bindende Waffe aus Scheu, falschem Ehrbegriff oder berholten Vorstellungen zu verzichten. Bildet er doch eine der schrfsten und abschreckendsten Waffen des Kleinstaates. Der Gegner wird unsere Hemmungen zwar freudig begrssen, aber kaum durch sein Verhalten belohnen. Dem Tyrannen ist nichts lieber, als freiwillige Entwaffnung des Opfers. Und darauf wrde eine offizielle Kapitulation und der Verzicht auf Kleinkrieg schliesslich hinauslaufen. Pro und kontra Kleinkrieg: Die Gegner des Kleinkrieges fhren immer wieder 3 Hauptargumente an:-

Dass die Kampfform des Kleinkrieges nicht nur den Gegner, sondern auch die sogenannte Innere Ordnung des eigenen Staates gefhrde. Dass der Kleinkrieg zu grausamen Repressalien und damit zu beraus hohen Verlusten unter der Bevlkerung fhre. Dass die Gesetze und Gebruche des Landkrieges missachtet wrden.

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Dem ersten Argument kann entgegengehalten werden:-

Eine politische Ordnung, wie wir sie bejahen, bleibt beim einzig mglichen Gegner nicht bestehen. Moderne Kriege sind Weltanschauungskriege, in denen es um Sein oder Nichtsein geht. Ziel ist heute nicht mehr der militrische Sieg, sondern die Eingliederung in eine ideologische Machtsphre. Wer sich vom Widerstandskampf fernhlt, ist in der Nachkriegszeit, die auch wieder einmal kommt, moralisch erledigt und hat, wenn vielleicht auch nicht gerade sein Mitspracherecht, so doch bestimmt seinen politischen Einfluss verloren. Wer mit dem Feind oder seinen Mitlufern aktiv oder passiv zusammenarbeitet, verliert mit diesem zusammen den Krieg und zustzlich noch die Ehre. Wer aber im Widerstandskampf aktiv mitmacht, kann an politischem und moralischem Einfluss fr die Nachkriegszeit nur gewinnen.

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Dem zweiten Argument kann entgegengehalten werden:-

Eine Periode der Besetzung wird bei einem totalitren Gegner auf jeden Fall mit grossen Opfern an Menschen und Gtern verbunden sein. Auch ein freiwilliger Verzicht auf den Kleinkrieg wrde daran nicht viel ndern. Wenn wir dem Gegner gestatten, sich ungestrt einzunisten und unser Gebiet fr seine Kriegszwecke zu organisieren, geraten wir hchstens unter den Hammer der Fliegerverbnde und Fernwaffen der noch kmpfenden freien Welt. Im Zweifelsfalle ist es aber besser, als Widerstandskmpfer im Gefecht gegen den Landesfeind umzukommen, denn als fr den Feind arbeitender Sklave in der Fabrik von den Fernwaffen der Freunde erschlagen zu werden! Die Bevlkerung wird den Kampf mit der Besetzungstruppe, die ein totalitres Regime vertritt, wenn vielleicht auch nicht gerade sofort, so doch sicher spter aufnehmen. Denn wer mehr will, als gerade bloss am Leben bleiben, wird frher oder spter gegen den ihm zugemuteten ewigen und brutalen Zwang rebellieren. Um Weltanschauungen und politische berzeugungen ist eben immer hrter gekmpft worden, als um ein Stck Brot! Die Ursprnge der Kampfhandlungen werden fast durchwegs Affekthandlungen sein.

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Dem dritten Argument kann entgegengehalten werden:-

Die rcksichtslose Kampffhrung der totalitren Mchte hat zu einer Verwilderung und Verrohung der Kriegsbruche gefhrt, die wir zwar tief bedauern, aber nicht ndern knnen.1 Vor dieser unerfreulichen Entwicklung drfen wir die Augen nicht verschliessen und mssen - ob es uns passt oder nicht - die notwendigen Konsequenzen ziehen! Das sogenannte Partisanenunwesen des Zweiten Weltkrieges war nicht zuletzt die direkte Antwort der Getretenen auf die rcksichtslose Kampffhrung des totalitren Angreifers. Im brigen ist es im Kleinkrieg mglich, sich an die Gesetze und Gebruche des Landkrieges zu halten.

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Zusammenfassung: Es geht fr uns in grossen Zgen um folgendes: 1. Den Selbstbehauptungswillen (Glauben an die eigene Sache) aufrechtzuerhalten. Somit den der militrischen Auseinandersetzung vorausgehenden Propaganda- und Zersetzungskrieg zu gewinnen (Geistige Landesverteidigung). 2. Der Terrorwirkung des Atombeschusses (evtl. nur der Drohung damit) zu widerstehen (Zivilschutz). 3. Den mit maximaler Krftezusammenballung gefhrten Durchmarschkrieg zu bremsen oder aber die Ausradierungsaktion Schweiz (Verschwindenlassen der demokratischen Eiterbeule inmitten eines besetzten Europas) mglichst lange hinauszuzgern. Diesen Kampf bei ungnstiger Entwicklung der Lage (Niederlage der Feldarmee) durch Fhrung eines zhen Kleinkrieges und zivilen Widerstandes ins Unbegrenzte fortzusetzen.'

Historische Beispiele aus dem Zweiten Weltkrieg Konzentrationslager der Mationalsozialisten. Versuch der Ausrottung ganzer Rassen oder Bevlkerungsschichten, z.B. Judenverfolgung. Die Ttigkeit der Einsatzkommandos im besetzten Russland usw. Unter nationalsozialistischer Herrschaft umgekommen (verhungert, starben als Arbeitssklaven, wurden ermordet, werden vermisst): u.a. 6 Millionen Juden. 7 Millionen russische Zivilpersonen. 4.2 Millionen polnische Zivilpersonen. 130 000 deutsche Widerstandskmpfer usw. Verschleppung zum Arbeitseinsatz o durch die Nationalsozialisten aus dem besetzten Europa nach Deutschland. Beispiel: Ostarbeiter. Zwangseinsatz von 2 Millionen russischer Zivilpersonen (davon die Hlfte Frauen). o durch die Russen aus den von ihnen vor, whrend oder nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten. Unmenschliche Behandlung der Kriegsgefangenen. Von insgesamt 5,7 Millionen russischer Kriegsgefangenen sind 2,6 Millionen in deutscher Gefangenschaft umgekommen. Jahre und jahrzehntelange widerrechtliche Zurckbehaltung der deutschen Kriegsgefangenen in Russland (Arbeitssklaven). Massendeportationen, Zwangsumsiedlungen, z.B. durch Russen im Baltikum, in Ostpreussen usw. Erklrung der Frau des Besiegten zur Kriegsbeute des einzelnen Soldaten. Russische Armee. Aufruf Jlia Ehrenburgs.

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Es werden viele Bedenken und Warnungen gegen den Kleinkrieg erhoben. Viele Fachleute fhren aus, dass der Partisane und Widerstandskmpfer im Zeitalter der Technik nicht mehr zum Zuge komme. Gerade weil wir an schweren Mitteln arm sind, neigen wir dazu, den Wert der Technik zu berschtzen und in ihr ein Allheilmittel zu sehen. Aber tuschen wir uns nicht! Ein nchster Krieg wird ebensosehr im Zeichen der Ideologie, wie der Technik stehen. Neben den vielen technischen Neuerungen laufen wir leicht Gefahr, dies zu vergessen. Das ist fr uns umso gefhrlicher, als wir das Rennen mit der Kriegstechnik nie werden gewinnen knnen. Bestenfalls vermgen wir knapp Schritt zu halten. Umso mehr haben wir Veranlassung, andere Gebiete nicht ganz zu vernachlssigen.1 Trotz vieler menschlicher Mngel und Schwchen wrde der einzelne Schweizer Brger im Falle einer Niederlage und Besetzung nicht tatenlos zusehen, wie der Gegner Zehntausende als Arbeitssklaven deportieren, Tausende als potentielle Feinde liquidieren und unsere Jugend zu einem System umerziehen wrde, das wir nie gutheissen knnten. Fr diesen letzten und ussersten Verzweiflungskampf sind wir unsern Leuten eine Anleitung schuldig, denn mit dem Willen zum Widerstand allein ist es nicht gemacht. Dieser bildet nur die notwendige Grundlage. Darber hinaus muss man noch Taktik und Technik kennen. Unrichtige Vorstellungen sowie mangelhafte Vorbereitungen fhren zu unntigen Verlusten. Wir drfen nicht ahnungslos in eine doch immerhin mgliche Besetzung hineinschlittern. Bei einem allflligen Verteidigungskrieg gegen den einzig mglichen Gegner mssen auch wir - ob es uns passt oder nicht - zum letzten Gefecht antreten und den Kampf mit einer Erbitterung und Glaubensstrke auskmpfen, die derjenigen des fanatisierten Feindes um nichts nachsteht! Frher konnte sich der einzelne Brger aus dem Kampf heraushalten und die Auseinandersetzung ruhig einem relativ kleinen Teil des Volkes, eben der Armee, berlassen. Das hat sich mit dem Aufkommen der totalitren Mchte gendert. Vor Faschisten und Nationalsozialisten konnte und vor Kommunisten kann man nicht kapitulieren! Die Gewissheit, dass der Kampf erst aufhrt, wenn der letzte Schweizer und die letzte Schweizerin deportiert oder erschossen sind, drfte bei der Lagebeurteilung durch einen fremden Generalstab ob sich der Fall Schweiz lohnt oder nicht ebenso sehr ins Gewicht fallen, wie das Vorhandensein einiger Hundert Panzer und Flugzeuge.2' ber den Krieg und eine mgliche Niederlage hinaus zu planen, gehrt mit zu den grndlichen Verteidigungsvorbereitungen eines Kleinstaates! Ziele des Kleinkrieges Operative Ziele:-

Fortsetzung des Widerstandes in jenen Landesteilen, die vom Gegner besetzt sind, oder Weiterfhrung des Kampfes nach der Niederlage der regulren Armee, mit dem Ziel, den Krieg zu verlngern. Fr schwache oder unglcklich kmpfende Nationen kann der Kleinkrieg sogar wichtiger werden, als der Kampf der organisierten Armee! Historische Beispiele:Dauer des grossen, regulren Krieges 1 Monat 0 Tage 7 Wochen 2 Wochen 1 Woche 7 Wochen 12 Tage 3 Wochen Dauer des Kleinkrieges nach der Besetzung 5 Jahre 5 Jahre 5 Jahre 4 Jahre 4 Jahre 4 Jahre 4 Jahre 4 Jahre

Zweiter Weltkrieg 1939 1945 Land Polen Dnemark Norwegen Belgien Holland Frankreich Jugoslawien Griechenland

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Kleinkrieg ist die Kampfweise jener, die sich nicht geschlagen bekennen. Hierdurch wird der Krieg in die Lnge gezogen. Den fr den Widerstandskmpfer endet die Auseinandersetzung nicht mit einer verlorenen Schlacht, sondern erst mit dem Tode. Womit nichts gegen Panzer und Flugzeuge gesagt sein will. Diese sind absolut notwendig. Je mehr wir davon besitzen. Umso besser! Aber sie alleine gengen nicht. Der Verfasser mchte, dass dies gut verstanden wird.

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Das ganze besetzte Gebiet soll in stndige Unruhe versetzt werden, so dass sich niemand mehr allein und ohne Waffen bewegen darf. Kleinkriegsverbnde sollen Furcht und Verwirrung hinter der feindlichen Front hervorrufen, den Gegner zu umstndlichen, krfteverzehrenden Sicherungsmassnahmen zwingen und ihm Verluste sowie materiellen Schaden zufgen. Historisches Beispiel: Gesamtverluste der deutschen Wehrmacht in den Partisanenkmpfen des Zweiten Weltkrieges: ca. 300 000 Mann. Fernziel des Kleinkrieges ist der allgemeine offene Aufstand, um den Gegner wieder aus dem Lande zu vertreiben, wenn die allgemeine Kriegslage dies gestattet, d. h. wenn die Besetzungsmacht am Rande des Zusammenbruchs steht. Historische Beispiele aus dem Zweiten Weltkrieg: a) Aufstand der franzsischen FFI gegen die Deutschen, anlsslich der Invasion 1944; b) Vertreibung der Deutschen aus Jugoslawien, in Zusammenarbeit mit der russischen Armee; c) Aufstand gegen die Deutschen in Oberitalien im April 1945.

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Taktisch / Technische Ziele:-

die Verkehrswege (Eisenbahnen, Strassen) das bermittlungsnetz (Telephon, Funk, Radio, Fernsehen) das Elektrizittsnetz Industriebetriebe, Depots Stbe, Verwaltungs- und Regierungsstellen.

Die Entstehung der Kleinkriegsverbnde-

Der Kleinkrieg bedarf eines festen Kerns guter Truppen, welche den Mitlufern und Helfern Rckhalt bieten. Die gegnerische Taktik des blitzschnellen berspringens der Fronten durch die Luft oder des berrollens durch Panzertruppen, die viele Verbnde nur in grossem Rahmen zerschlgt oder ausmanvriert, ohne sie indessen vllig zu vernichten, verschafft uns diesen Kern. In unserem Lande, wo jeder auch nur halbwegs Taugliche in irgend einer militrischen Formation eingeteilt ist, wird sich die Masse der Trger des Kleinkrieges immer aus abgesplitterten Teilen der Armee zusammensetzen.1 Versprengte Kompagnie-, Bataillons- oder Regimentsstbe sammeln die verlorenen Haufen2. Wo Stbe fehlen, bernehmen entschlossene Offiziere oder Unteroffiziere Organisation und Leitung. Die hhere Fhrung - soweit eine solche berhaupt noch besteht oder Verbindung hat - muss sich auf die Herausgabe von Weisungen fr die Kampffhrung beschrnken. Im brigen siehe Skizze Seite 15.

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Diese zu sammeln sowie fehlende Spezialisten aus der Bevlkerung zu ergnzen, stellt das erste Ziel dar. Kombattante Truppen, Ortswehren, Betriebswehren. Polizei, kampfwillige Zivilpersonen.

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Praktisches Beispiel, wie ein Verband in eine Kleinkriegssituation geraten kann

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Fsilierzug Hofer wird bei der Verteidigung des Sttzpunktes Steinegg zerschlagen und befindet sich nun im Rcken des vorstossenden Gegeners. Der Oberleutnant besammelt die Reste des Zuges abseits der Strasse auf der bewaldeten Hhe. Im Tal unter sich sieht er feindliche Kolonnen in sdwestlicher Richtung fahren. Er lsst die erschpften Leute whrend des Restes des Tages schlafen und berlegt sich das weitere Vorgehen. Aus dem Taktikunterricht kennt er die Verhaltensregeln fr abgesprengte Truppenteile. Das Reglement Truppenfhrung (TF 69) sagt sinngemss etwa folgendes: - die Chefs abgesprengter Truppenteile handeln selbstndig; - Entscheidend ist, dass weitergekmpft wird. - Folgendes Verhalten kommt in Frage: a) Halten eines Gelndeteils, dessen Besitz im Interesse des Ganzen liegt; b) Anschluss an die eigenen Truppen suchen; c) Zum Jagdkampf im Rcken des Gegners bergehen. Der Zugfhrer entschliesst sich zur Lsung b. Er will abseits der grossen Strasse marschierend den Anschluss an die eigenen Truppen suchen. Nachdem er drei Nchte marschiert und am Tag im Wald versteckt geruht hat, wird ihm klar, dass es unmglich ist, die eigenen Truppen wieder zu erreichen. Sein vor Tagen stark dezimierter Zug hat inzwischen durch die verschiedenartigsten Elemente Verstrkung erhalten (Siehe Skizze Seite 19).

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Oblt Hofer macht eine neue Beurteilung der Lage: Auftrag: Nach TF 69 ist entscheidend, dass nicht kapituliert, sondern weitergekmpft wird. Der Auftrag lautet also nach wie vor Kampf! Gelnde: Das Detachement befindet sich hinter der feindlichen Linie im besetzten Gebiet. Der momentane Standort (hgliges, bewaldetes Gelnde) wird vom Gegner vorerst kaum betreten werden. Es bietet vorlufig Schutz und verschafft eine Atempause, die ermglicht, die notwendigen organisatorischen und seelischen Umstellungen vorzunehmen. Mittel: (Siehe auch Skizze Seite 19) a) Rest des Zuges. Kampfkraft 1 Fsiliergruppe und 1 reduzierte Mg-Gruppe. 1 Leichverwundeter. Moral: intakt; b) Unterwegs aufgenommene versprengte Militrpersonen. Strke etwa 2 Gruppen, darunter Elemente, die fr eine eventuelle Kleinkriegsfhrung besonders wertvoll sind (Sprengausbildung). Moral: unbekannt (Unsicherheitsfaktor); c) Unterwegs aufgenommene Zivilpersonen. Verschiedenste Elemente bezglich Alter, Herkunft, militrischen Vorkenntnissen und Bewaffnung. Moral: Patrioten. Freiwillige. Zum Teil Leute, die aus politischen Grnden mit dem Rcken zur Wand stehen und vom Gegner nichts zu erwarten haben als die Kugel oder den Strick! Sie haben keine Wahl und werden bis ans Ende durchhalten; d) Versorgung: Munition, Sanittsmaterial knapp. Verpflegung noch fr 1 Tage. Feind: Im weitern Vormarsch begriffen. Kampftruppen von hohem Kampfwert. Verhalten gegen die Zivilbevlkerung, soweit bekannt, korrekt. Drften in absehbarer Zeit durch Sicherungsverbnde von geringerem Wert sowie Parteimilitr und Polizei abgelst werden. Zu diesem Zeitpunkt wird auch der Terror gegen die Zivilbevlkerung einsetzen. Eigene Mglichkeiten: Grundstzlich besteht die Wahl zwischen Gefangenschaft und bergang zum Kleinkrieg.

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Wenn wir schon leiden und sterben mssen, dann lieber in der Heimat als in der Fremde. Solange wir noch ein Gewehr in der Hand tragen, schlgt uns kein fremder Antreiber. Solange noch einer von uns bewaffnet durch die Wlder streift, ist die Freiheit noch nicht untergangen.

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Oblt Hofer beschliesst daher, zum Kleinkrieg berzugehen. Dieser Entschluss fllt ihm nicht leicht. Er weiss, dass Kleinkriegsverbnde wegen der nicht geregelten Unterkunfts-, Versorgungs- und Sanittsdienstfrage unverhltnismssig mehr leiden als regulre Truppen. Er ist sich bewusst, dass die erste lngere Schlechtwetterperiode, sicher aber der kommende Winter das Detachement grausam dezimieren wird. Er fragt sich ehrlich: Sind wir den zu erwartenden krperlichen und seelischen Strapazen, die weit ber diejenigen des jetzigen Feldzuges hinausgehen werden berhaupt gewachsen?-

Der Zugfhrer kann in dieser Situation nicht einfach nur befehlen, sondern muss mit seinen Mnnern sprechen. Hierbei wird seine berzeugungskraft ebensosehr ins Gewicht fallen, wie die reine Befehlsgewalt, die er selbstverstndlich nach wie vor hat. Von jetzt an hat Oblt Hofer folgende Probleme vllig selbstndig zu lsen: - Verpflegung - Organisation des Detachements - Unterkunft - Taktik und Technik des Kleinkrieges - Bewaffnung - Fragen des Kriegsrechts - Munitionsversorgung - Sanittsdienst - Reparaturdienst - Hilfeleistung durch die Zivilbevlkerung Die Lsung reiner berlebensprobleme (Verpflegung, Unterkunft, Gesunderhaltung) werden sein Denken und Handeln unverhltnismssig stark belasten. Um den Forderungen des Kriegsrechts Genge zu tun, muss das aus Militr- und Zivilpersonen gemischte Detachement: 1. Einen verantwortlichen Fhrer aufweisen. 2. Ein aus der Ferne erkennbares Abzeichen tragen. 3. Die Waffen offen tragen. 4. Sich an die Gesetze und Gebruche des Krieges halten. Punkt 1 ist erfllt. Oblt Hofer ist verantwortlicher Chef. Wenn er ausfllt, folgt der Nchsthchste. Punkt 2: a) gilt nur fr die nicht uniformierten Zivilpersonen; b) der Begriff . . . aus der Ferne erkennbar bedeutet Infanteriekampf-Distanz, das heisst von 100 m an abwrts; c) als Kennzeichen kommt die Eidgenssische Armbinde in Frage, wie sie im Aktivdienst 1939-45 von unsern Ortswehren getragen wurde. Diese besteht aus einem roten Stoffband mit einem weissen Schweizerkreuz. Breite zirka 12 cm. Am linken Rockrmel getragen. Sie lsst sich leicht aus weissem und rotem Tuch zurechtschneidern. Punkt 3 ist klar und bedarf keiner weitern Erluterungen. Punkt 4: siehe Illustriertes Handbuch ber die Gesetze und Gebruche des Krieges (Schweizer Armee 1969), welches alle eingeteilten Wehrmnner besitzen.

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Sappeur-Uof 6 Flab-Uof Mineur 7 Verpflegungs-Soldat Funker 8 Waffenmechaniker Artillerist 9 Frauenhilfsdienst Panzersoldat 10 Sanitts-Uof Besatzung eines notgelandeten grnlndischen Aufklrungsflugzeuges. 1 Mann leicht verletzt. (Grnland wurde ebenfalls wie die Schweiz von Gelbland angegriffen.) Kantonspolizisten. Polizeiuniform, Rucksack, Maschinenpistole mit 5 Magazinen, 7,65-mm-Pistole mit 80 Schuss. Wollen nach der Besetzung nicht fr die totalitre Macht arbeiten. 60jhriger Mann. Militrhose, zivile Windjacke, Rucksack, Karabiner, 54 Gewehrpatronen. Nicht mehr militrdienstpflichtig. Frher in der Armee Fsilier-Wachtmeister. Im Zivilberuf Zeitungsredaktor. Hat sich vor dem Krieg in seiner Zeitschrift unermdlich fr Freiheit und Recht eingesetzt. Frchtet, von der Besetzungsmacht deportiert oder erschossen zu werden. 52jhriger Mann. Zivilkleidung, Rucksack Pistole 7,65 mm, 30 Pistolenpatronen, Feldstecher. Ist seit 10 Jahren aus gesundheitlichen Grnden aus der Armee entlassen. War frher Artillerie-Hauptmann. Im Zivilberuf Rechtsanwalt. Nationalrat. Hat sich politisch stark gegen den heutigen Gegner exponiert. Frchtet, von der Besetzungsmacht deportiert oder erschossen zu werden. 55jhriger Mann. Waffenrock, Zivilhose, Rucksack, Karabiner, 30 Gewehrpatronen, 1 Browningpistole mit 24 Patronen. Aus der Wehrpflicht entlassen. Frher in der Armee Motorfahrer-Unteroffizier. Im Zivilberuf Universittsprofessor. Sehr bekannte Persnlichkeit. Frchtet, von der Besetzungsmacht zur Kollaboration erpresst zu werden. Ist zu bekannt, um bei der zivilen Widerstandsbewegung untertauchen und illegal arbeiten zu knnen. 51jhriger Mann. Zivilkleidung, Rucksack, Karabiner, 18 Gewehrpatronen. Aus der Wehrpflicht entlassen. Frher in der Armee Gefreiter in einer Pzaw-Kp. Im Zivilberuf hoher Gewerkschaftsfunktionr. Hat sich in der Vorkriegszeit stark gegen den heutigen Angreifer exponiert. Frchtet, von der Besetzungsmacht liquidiert zu werden. 40jhriger Mann. Zivilkleidung, Umhngetasche, keine Waffe. Aus wehrwirtschaftlichen Grnden kriegsdispensiert. Hat vor 20 Jahren eine Sanittsrekrutenschule absolviert. Hochqualifizierter Spezialarbeiter. Frchtet, als Spezialist in die Kriegsindustrie des Angreifers verschleppt zu werden. Jnglinge, 18 Jahre alt. Zivilkleidung, Rucksack, Dienstbchlein, Eidgenssische Armbinde, keine Waffe. Als Grenadiere rekrutiert. Konnten aber nicht mehr rechtzeitig zur Armee eingezogen werden. Militrische Vorbildung: 2 Jungschtzenkurse. Gutes staatsbrgerliches Bewusstsein. Wollen nicht tatenlos zusehen, wie die Heimat untergeht und die Bewohner in Knechtschaft geraten.

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Die Rollenverteilung zwischen Kleinkriegsverbnden und ziviler Widerstandsbewegung-

Man unterscheidet zwischen: a) mobilen Kleinkriegsverbnden, die zur Armee gehren oder sich aus Resten davon zusammensetzen; b) lokalen, ortsgebundenen Elementen der zivilen Widerstandsbewegung. Die Kampfidee geht dahin, im ganzen besetzten Gebiet durch die ortsgebundene zivile Widerstandsbewegung den Widerstandskampf zu fhren (passiver Widerstand, Sabotage, Gegenpropaganda usw.) und gleichzeitig durch mobile Kleinkriegsverbnde gewisse befreite Gebiete zu schaffen. Die befreiten Gebiete haben keine festen Grssen. Sie knnen einige Dutzend Quadratkilometer, aber auch einen ganzen Kanton oder Landesteil umfassen. Die befreiten Gebiete knnen in der Regel nur einige Wochen oder Monate gehalten werden, bis der Gegner sich zu Suberungsaktionen aufrafft, vor denen ausgewichen wird. Durch laufende kleine Aktionen (Nadelstichtaktik) der ortsgebundenen Krfte der zivilen Widerstandsbewegung erreicht man eine Verzettelung der gegnerischen Krfte. Behlt man die Initiative und schtzt den Aufbau der Mobilen Krfte (Kleinkriegsverbnde).

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Freie Zone Lebensraum der Kleinkriegsverbnde. Schwankt in der Grsse. Kann einige Dutzend Quadratkilometer, aber auch einen ganzen Kanton oder Landesteil umfassen. Kann von der Besetzungsmacht nur noch mit kampfstarken Verbnden (Bataillon/Regiment) betreten werden. Schwchere Krfte werden von den berlegenen Kleinkriegsverbnden sicher vernichtet. Demgemss wird die Freie Zone von der Besetzungsmacht nur noch selten betreten (z. B. fr grossangelegte Suberungs- und Vergeltungsaktionen). Von der Besetzungsmacht mehr oder weniger kontrollierter Raum. Im allgemeinen entlang der grossen Verkehrsverbindungen. Truppen-, Material- und Gtertransporte verkehren unter bewaffnetem Geleitschutz (Konvoisystem). Ortschaft Aktionsgebiet der zivilen Widerstandsbewegung. Kampfverfahren: Passiver Widerstand, Spionage, Sabotage, Gegenpropaganda.

Sttzpunkt Von der Besetzungsmacht dauernd gehalten. Besatzung: in der Regel ein Bataillon. Ausnahmsweise eine verstrkte Kompagnie. Zur Verteidigung eingerichtet: Waffenstellungen, Drahthindernisse, Minenfelder, Scheinwerferstnde usw. Rastplatz fr Strassengeleitzge. Ausgangsort fr Suberungs- und Vergeltungsaktionen. Rckhalt fr Jagdkommandos, Agenten sowie einheimische Verrter. Mobile Krfte (Kleinkriegsverband) Kampfverband in Kompagnie- bis Bataillonsstrke. Weicht bei feindlichen Grossaktionen in benachbarte Rume aus. Gibt dadurch die freie Zone vorbergehend auf. Kehrt zurck, wenn der Gegner abgezogen ist. Nimmt nie einen Entscheidungskampf an, bei dem die Existenz des Verbandes aufs Spiel gesetzt wrde. Ortsgebundene Krfte (zivile Widerstandsbewegung) In Stdten und grssern Ortschaften vorhanden. Bleibt immer an Ort und Stelle. Kann notfalls durch vorbergehendes Einstellen ihrer Ttigkeit untertauchen. Koordiniert ihre Aktionen soweit als mglich mit den Kleinkriegsverbnden. Angriffe der Kleinkriegsverbnde. Nach Art und Strke verschieden. Kann den Sabotageakt eines Sprengtrupps von 3-4 Mann, aber auch den Angriff eines Bataillons umfassen. Richtet sich in der Regel gegen die Verbindungswege abseits der feindlichen Sttzpunkte. Ausnahmsweise auch gegen schwchere Postierungen.

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Die Schweiz ist in ihren grenznahen Gegenden umgeben von klassischem Partisanengebiet. Der Franzsische Jura, die Savoyer und die Italienischen Alpen sind Kampfgebiet der Partisanen des Zweiten Weltkrieges. Der Schwarzwald und die sterreichischen Alpen drften sich ebenfalls fr Partisanenkmpfe eignen. Es ist kaum denkbar, dass die Schweiz allein besetzt wird. Die Nachbarlnder, oder wenigstens Teile davon, wren in dieser Situation bestimmt auch okkupiert und wrden in irgend einer Form den Kleinkrieg fhren. Die schweizerischen Partisanen wrden somit Rckhalt und Anlehnung bei hnlichen Verbnden des Auslandes finden. Folgende Zusammenarbeit ist denkbar: Nachrichtenaustausch. Hinberwechseln auf auslndisches Gebiet, wenn vor grossen Suberungsaktionen ausgewichen werden muss. Koordination von Kleinkriegsaktionen, z. B. Angriffe auf durchgehende internationale Strassen- und Eisenbahnverbindungen (Gotthardlinie, Simplon usw.).-

Legende:1. 2. 3. 4. 5. 6. Basler und Ostschweizer Partisanen Graubndner Partisanen Tessiner Partisanen Walliser Partisanen Genfer Partisanen Neuenburger und Waadtlnder Partisanen

Die Grssenordnung der Kleinkriegsverbnde Allgemeines:-

Eine Hauptschwierigkeit liegt darin, ein wohlabgewogenes Strkeverhltnis fr die Kleinkriegsverbnde zu finden.

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Situation bei der Aufstellung nur schwacher Kleinkriegsverbnde:-

Schwache Kleinkriegsverbnde in Gruppen- bis Zugsstrke erlauben dem Gegner, seinerseits nur schwache Besetzungsdetachemente einzusetzen und eine starke zentrale Eingreifreserve auszuscheiden. Schwache Besetzungsdetachemente erlauben, viele einzelne Postierungen vorzunehmen. Viele Postierungen ergeben ein dichtes Beobachtungs- und Oberwachungsnetz. Spione, Agenten und Verrter finden berall im Zwischengelnde Rckhalt und Hilfe. Ein dichtes berwachungsnetz erschwert die Ttigkeit der Kleinkriegsverbnde in hohem Masse. Im brigen siehe Skizze Seite 24.

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Situation bei der Aufstellung kampfstarker Kleinkriegsverbnde:-

Starke Kleinkriegsverbnde mit schweren Waffen zwingen den Gegner, seinerseits kampfstarke Garnisonen zu bilden. Er muss sich auf das Besetzen der wichtigsten Punkte und Verbindungswege beschrnken und vermag keine nennenswerte zentrale Eingreifreserve auszuscheiden. Alle kleinen Postierungen im Zwischengelnde mssen aufgehoben werden, da sie sonst ein sicheres Opfer der starken Kleinkriegsverbnde werden. Dadurch finden Spione und Agenten des Gegners, sowie Verrter im Zwischengelnde keinen Rckhalt und knnen von uns leicht ausgeschaltet werden. Wenige Postierungen ergeben ein dnnes Beobachtungs- und berwachungsnetz. Die Bewegungsfreiheit der Kleinkriegsverbnde wird dadurch gross (siehe Skizze Seite 25). Kleinkriegsverbnde von Regimentsstrke und mehr sind zu schwerfllig. Sie erliegen leicht der Versuchung, den Kampf nach den Regeln des regulren grossen Krieges offen zu fhren. Weiter sind sie nur schwer zu versorgen. Am geeignetsten sind Verbnde von Bataillonsstrke, mit etwas schweren Waffen (Minenwerfer, rckstossfreie Geschtze). Sie sind stark genug, um auch grssere feindliche Postierungen (Kompagniesttzpunkte) mit Erfolg angreifen zu knnen. Anderseits aber doch wieder so schwach, dass sie nicht der Versuchung erliegen, die Grundstze der Kleinkriegstaktik zu vergessen. In der schlechten Jahreszeit, wo nicht biwakiert werden kann, sind die Verbnde durch Entlassung von Leuten zu verkleinern (Sptherbst bis Frhjahr). Im Sommer werden die Entlassenen wieder beigezogen. Das gleiche gilt sinngemss fr Operationen in Gegenden, wo die Versorgung erschwert ist.

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Zusammenfassung:-

Wenn es gelingt, Kleinkriegsverbnde von ca. Bataillonsstrke mit schweren Waffen zu bilden, vermag der Gegner den Grossteil des Landes nicht wirklich zu besetzen, sondern muss sich auf die Beherrschung der wichtigsten Verkehrswege beschrnken.

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Zentrale Eingreifreserve (mechanisiertes Polizei-Regiment), als Feuerwehr gegen lokale Unbotmssigkeiten und Aufstnde. Gross-Sttzpunkt der Besetzungsmacht (verstrktes Bataillon).

Sttzpunkt der Besetzungsmacht (verstrkte Kompagnie). Polizeiposten der Besetzungsmacht (Gruppen- bis maximal Zugstrke). Feindlicher Agent oder Verrter aus der Bevlkerung, der fr die Besetzungsmacht Kundschafterdienst leistet. berwachungsnetz der Besetzungsmacht.

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Entstehung und Ausweitung des Kleinkrieges (Siehe gelbe Schematafel Kleinkrieg am Beginn des Buches) Die operative Sicherung der Kleinkriegsverbnde Die zivile Widerstandsbewegung bernimmt die operative Sicherung der Kleinkriegsverbnde durch Spionage und berwachung. Spionage:-

Abhorchen von Funk und Telephon. Systematisches Aushorchen der Mitglieder der Besetzungsmacht. Aufschnappen unvorsichtig fallengelassener usserungen. Bestechung und Erpressung von Funktionren der Besetzungsmacht.

berwachung:-

Nie abreissende Beobachtung der Strassen, Eisenbahnlinien und Flugpltze, um Truppentransporte frhzeitig feststellen zu knnen.

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Die bermittlung der Aufklrungsergebnisse erfolgt durch Kuriere, Brieftauben oder Funk. (Siehe Skizze Seite 26.)

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Legende: Operative Sicherung der Kleinkriegsverbnde durch die zivile WiderstandsbewegungAngehrige der zivilen Widerstandsbewegung bei der heimlichen berwachung von Stben, Reserven, Flugpltzen, Bahnhfen, Strassen und Eisenbahnlinien. Sicherungsposten der Partisanen.

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Aufbau und Fhrung des militrischen KleinkriegesOrganisationAllgemeines Die Organisationsarbeiten umfassen:-

Bildung der Kampfverbnde Ausbildung / Umschulung Beschaffung von Waffen, Munition und Verpflegung Beschaffung von Ausrstungsgegenstnden (Ruckscke, Zelte, Winterartikel usw.) Nachrichtenbeschaffung ber die Haltung der Zivilbevlkerung

Organisation eines Kleinkriegsverbandes Allgemeines:-

Man unterscheidet: a) Kleinkriegsabteilungen b) Kleinkriegsdetachemente Bei den Kleinkriegsdetachementen unterscheidet man in leichte und schwere Detachemente. Die Kleinkriegsabteilung weist Bataillonsstrke auf (Mannschaftsbestand nicht ber 400 Mann). Das Kleinkriegsdetachement weist Kompagniestrke auf (Mannschaftsbestand nicht ber 100 Mann). Die Kleinkriegsabteilung setzt sich zusammen aus: Abteilungsstab 2-3 leichte Detachemente 0-1 schweres Detachement

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Abteilungsstab (15-20 Mann):-

Der Abteilungsstab gliedert sich in: Fhrungsorgan Aufklrungsorgan bermittlungsgruppe Spezialistengruppe Fhrungsorgan: Abteilungskommandant, Adjutant, Nachrichtenoffizier. Aufklrungsorgan: 2-3 Mann. Nur Rahmenpersonal. Die ausfhrenden Organe sind zivile Kundschafter. bermittlungsgruppe: 4-6 Mann. Funker. Kuriere. Erstellt folgende Verbindungen: a) zur zivilen Widerstandsbewegung b) zu benachbarten Kleinkriegsabteilungen c) zur schweizerischen Armeeleitung im Alpenreduit d) zur schweizerischen Regierung im Alpenreduit oder im Exil (Ausland) e) zum befreundeten Ausland Spezialistengruppe: 6 Mann. (1) Eisenbahnfachmann (2) Elektrizittsfachmann (3) PTT-Fachmann (4) Ingenieur- oder Genieoffizier

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(5) Verbindungsmann (Politiker, Pfarrer usw.) (6) Propaganndafachmann (z.B. Redaktor usw.) Nr.1-3 erteilen Anleitungen fr Spezielle Sabotage Nr.4 erteilt Anleitungen fr Allgemeine Sabotage Nr.5 obliegt die Verbindung Kleinkriegsabteilung - Zivilbevlkerung Nr.6 Organisiert in Zusammenarbeit mit der zivilen Widerstandsbewegung die Gegenpropaganda Leichtes Detachement (70-80 Mann):-

setzt sich zusammen aus: Kommandotrupp Sanittstrupp 1-2 Kampfzgen 1 Zerstrungszug Kommandotrupp: Detachementskommandant, Kommandant-Stellvertreter, Feldweibel, Fourier. Sanittstrupp: 2-3 Mnner oder Frauen mit Tragbahren und Sanittsmaterial. Kampfzug: 20-25 Mann. Bewaffnung: Karabiner, Maschinenpistolen, Sturmgewehre, leichte Maschinengewehre, Gewehrgranaten, Handgranaten. Zerstrungszug: 15-20 Mann. Bewaffnung: Karabiner, Maschinenpistolen, Sturmgewehre. Ausrstung: Sprengmittel, Brandmittel, Demoliermaterial usw.

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Schweres Detachement (80-100 Mann):-

setzt sich zusammen aus: Kommandotrupp Sanittstrupp 1 Panzerabwehrzug 1-2 Maschinengewehr-Zge 1-2 Minenwerfer-Zge 1 Tragtierzug Das schwere Detachement ist nur Ausbildungs- und Verpflegungseinheit. Die Feuerelemente werden gruppen- oder zugsweise den leichten Detachementen fr besondere Aktionen zugeteilt. Geschlossener Einsatz des schweren Detachements nur in Ausnahmefllen. Verwendet werden nur solche schwere Waffen, die zerlegt abseits von Strassen und Wegen im Gelnde nachgetragen werden knnen. Kommandotrupp: Detachementskommandant, Kommandant-Stellvertreter, Feldweibel, Fourier. Sanittstrupp: 2-3 Mnner oder Frauen mit Tragbahren und Sanittsmaterial. 1 Arzt. Panzerabwehrzug: 15-20 Mann. Raketenrohre, rckstossfreie Geschtze, Panzerabwehrlenkwaffen. Nur in Ausnahmefllen klassische Panzerabwehrkanonen. Maschinengewehr-Zug: 20-30 Mann, 4-6 Mg. Minenwerfer-Zug: 10-15 Mann, 2-3 Mw. Tragtierzug: 10-12 Mann, 10-12 Tragtiere (Pferde, Maultiere). Die Tragtiere werden verwendet: a) fr den Transport der Maschinengewehre, Minenwerfer und rckstossfreien Geschtze; b) in den Beutesammeltrupps (siehe Seite 65); c) fr Transporte innerhalb der Abteilung (Verwundete, Verpflegung, Munition usw.).

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Einteilung der Mannschaft:-

Die vorhandene Mannschaft wird ihren Vorkenntnissen entsprechend eingeteilt oder so gut als mglich umgeschult. Fehlbestnde werden durch geeignete Elemente aus der Zivilbevlkerung ergnzt. Ebenso werden

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sptere Verluste ausgeglichen. Vergiss nicht: Jede Zivilperson, die einem Kleinkriegsverband beitritt, ist dadurch fr immer feindlichen Terrormassnahmen entzogen (Deportation, Sippenhaft, Geiselerschiessung usw.).-

Fsiliere und Panzergrenadiere werden in die Kampfzge der leichten Detachemente eingeteilt. Grenadiere, Sappeure, Mineure und Sprengspezialisten der Luftschutztruppen werden in die Zerstrungszge der leichten Detachemente eingeteilt. Mitrailleure, Minenwerferkanoniere und Panzerabwehrmannschaften (Raketenrohrschtzen, Lenkwaffenschtzen, Pak-Bedienungen) werden in die schweren Detachemente eingeteilt. Folgende Leute werden zu Fsilieren umgeschult und in die Kampfzge der leichten Detachemente eingeteilt: Motorfahrer, Kavalleristen, Panzersoldaten, Artilleristen. Piloten, Fliegerbodenpersonal, Flabsoldaten. Luftschutzsoldaten, Pontoniere. Angehrige der Versorgungstruppen und der Feldpost. Angehrige von Polizei, Ortswehr, Betriebswehr, Hilfsdienst. Freiwillige Zivilpersonen: a) noch nicht dienstpflichtige Personen, wie Vorunterrichtler, Kadetten, Pfadfinder, Jungschtzen usw.; b) aus Alters- oder Gesundheitsgrnden aus der Wehrpflicht entlassene Personen; c) vom Kampfgeschehen berrollte kriegsdispensierte Personen (z. B. Eisenbahner, Postbeamte, Angestellte der Militrbetriebe usw.). Sanittssoldaten und Angehrige des Frauenhilfsdienstes werden in die Sanittstrupps der Detachemente eingeteilt. Feldprediger und zivile Pfarrer sind entweder den Abteilungsstben (Spezialistengruppe) oder den Sanittstrupps der Detachemente zuzuteilen. Sie eignen sich sehr gut als Verbindungsleute zur Bevlkerung sowie zum Kontakthalten mit eigenen Verwundeten und Kranken, die bei der Bevlkerung in Versteck und Pflege gegeben werden. An Stelle fehlender Funker werden Amateur-Radiobastler rekrutiert. Waffenmechaniker, notfalls zivile Mechaniker, werden als Lehrpersonal fr Beutewaffen beigezogen. Dank ihrer natrlichen technischen Begabung verstehen sie rasch die Bedienung der fremden Waffen und knnen die brigen Leute in deren Handhabung unterrichten.

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Ausbildung-

Verhalte dich vorerst ruhig und vermeide Kampfhandlungen. Du darfst den Gegner nicht zu Gegenmassnahmen reizen, welche dich im schwchsten Moment (Organisations- und Ausbildungsphase) treffen wrden. Auch bei erfahrenen Soldaten wird man um eine - wenn auch kurze - Ausbildungsperiode nicht herumkommen. Diese dient dazu: a) den Fhrern das Kennenlernen ihrer neuen Mannschaft zu ermglichen; b) die Leute aneinander zu gewhnen; c) die Leute mit den Grundstzen (Taktik und Technik) des Kleinkrieges vertraut zu machen; d) die Leute in der Handhabung der Spreng- und Brandmittel zu unterrichten; e) die Leute an den fremden Waffen auszubilden; f) die Leute im Kriegsrecht zu unterrichten. Je nach Umstnden wird sich diese Ausbildung ber lngere oder krzere Zeit erstrecken und Tage, Wochen oder gar 1-2 Monate betragen. Es ist klar, dass bei lngerer Organisations- und Ausbildungsphase die Erfolgsaussichten steigen und damit im sptern Kampfeinsatz die Verluste geringer und das Selbstvertrauen grsser sein werden.

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Nachrichtenbeschaffung ber die Haltung der Zivilbevlkerung-

Es geht darum, herauszufinden: a) wer generell zuverlssig ist; b) wer von den Zuverlssigen bereit ist, aktiv zu helfen. Zum Beispiel Verpflegungs- und Nachrichtenbeschaffung, Verbergen und Pflegen von Verwundeten und Kranken, Minenlegen usw.; c) wer mit dem Gegner sympathisiert oder in irgend einer Form zusammenarbeitet (Mitlufer, Nutzniesser, Denunziant usw.).

Fhrung-

Die Auswahl der Fhrer kann nicht sorgfltig genug vorgenommen werden. Allgemeine Achtung und Anerkennung durch seine Leute ist Voraussetzung, da ihm, einmal hinter der gegnerischen Front, keine Heerespolizei und kein Militrgericht mehr helfen, Disziplin und Kampfgeist aufrechtzuerhalten. Der militrische Grad spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Der Typ des Blenders ist ungeeignet. Dieser vermag sich in der regulren Truppe wenigstens einige Zeit dank dem sttzenden Korsett des ganzen militrischen Apparats zu halten. Im Kleinkrieg jedoch nie. Nur ausgesprochene Truppenfhrer, die mit Menschen umzugehen verstehen, vermgen sich zu behaupten. Der Fhrer muss zudem einige technische Kenntnisse besitzen, da es sich im Kleinkrieg weniger darum handeln wird, grosse Fhrerentschlsse zu fassen, als vielmehr einige mglichst einfache Aktionen mit stark technischem Einschlag sauber durchzufhren. Jeder Fhrer hat im Kleinkrieg unvergleichlich mehr Selbstndigkeit und Freiheit des Handelns, als er es fr die gleiche Kommandostufe im regulren Krieg haben wrde. Der Kleinkrieg wird viele Fhrer niederer Grade in Situationen bringen, in denen sie auf allen Gebieten vllig selbstndig handeln mssen.

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Ausrstung-

Ein Teil deiner Leute besteht aus Ortswehren, Polizei und freiwilligen Zivilpersonen. Diesen fehlen viele Artikel der persnlichen Ausrstung und Bekleidung. Verschaffe diesen Leuten eine Art felddiensttaugliche Uniform (Oberkleider, Combinaisons usw.). Wer in Zivilkleidung kmpft, muss eine Eidgenssische Armbinde tragen (Modell analog unserer Ortswehr zu Beginn des Zweiten Weltkrieges).

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Zelte sind wichtig, da hufig biwakiert werden muss. Fehlendes Zeltmaterial wird bei zivilen Zeltsportlern sowie in Fachgeschften requiriert. Rucksack, Essbesteck, Essgeschirr, Feldflasche, Taschenlampe usw. werden feindlichen Gefallenen

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abgenommen oder bei der Bevlkerung eingesammelt.-

die Wintervorbereitungen mssen frhzeitig getroffen werden. Beschaffe Wolldecken, Mntel, Skiblusen, warme Unterkleider und gutes Schuhwerk. Ferner werden aus weissen Tchern behelfsmssige Schneetarnberwrfe hergestellt. Pro Kleinkriegsdetachement werden 2 Radioapparate beschafft. a) ein gewhnlicher Hausapparat fr den Anschluss an das Elektrizittsnetz; b) ein Reiseapparat mit Batteriespeisung, fr den Empfang in einsamen Gegenden, wo keine Anschlsse vorhanden sind. Mit Hilfe der zivilen Widerstandsbewegung wird der Batterienachschub organisiert. Setze als Bedienungsmannschaft der Radios Amateur-Radiobastler ein, die mit ihren Kenntnissen Strungen und Defekte mit primitivsten Mitteln zu beheben vermgen. Die Armeeleitung im Alpenreduit oder die Exilregierung im Ausland knnen so ber jede Distanz und durch jeden eisernen Vorhang hindurch Geist und Ttigkeit der Kleinkriegsverbnde strken und lenken. Der moralische Wert solcher Radiosendungen fr die vereinsamten Freiheitskmpfer ist unschtzbar. Die Besetzungsmacht wird frher oder spter alle Radioapparate beschlagnahmen, um das Abhren fremder Sender zu verunmglichen. Die zivile Widerstandsbewegung muss daher frhzeitig Apparate, Ersatzteile und Batterien verstecken.

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Bewaffnung Allgemeines:-

Die Beschaffung der Waffen ist weniger schwierig als die Versorgung mit Munition. Die Kollektivwaffen (Lmg., Mg., Rak.Rohre, Mw., rckstossfreie Geschtze usw.) stammen von den abgesplitterten Teilen der Armee, die den Kern der Kleinkriegsverbnde bilden. Hilfsdienstpflichtige, Ortswehren und Polizei werden ihre Waffen in der Regel mitbringen (Karabiner, Pistolen, Maschinenpistolen). Es handelt sich vor allem darum, die freiwilligen Zivilpersonen zu bewaffnen.

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Mglichkeiten der Waffenbeschaffung:-

Einsammeln in zivilen Haushaltungen. Jede Schweizer Familie besitzt noch eine ltere, aber durchaus brauchbare Armeewaffe (Gewehr 11, Karabiner 11 oder 31).1 Einsammeln ziviler Privatwaffen bei Jgern und Schtzen (Jagdgewehre, Stutzen, Revolver, Pistolen usw.). Requirieren in zivilen Waffenhandlungen, Bchsenmachereien und auf Polizeiposten. Einsammeln von Waffen auf schlecht aufgerumten Schlachtfeldern. Ausbau noch brauchbarer Waffen aus zerstrten Befestigungen, Panzern2 und Flugzeugen.3 Dem einzelnen getteten Gegner abgenommene Waffen.

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Die Besetzungsmacht zieht alle Waffen ein. Auf illegalem Waffenbesitz steht die Todesstrafe. Die privaten Waffenbesitzer werden ihre Waffen daher gerne den Kleinkriegsverbnden abgeben. 2 Abmontieren der Bord- und Flab-Mg. Einsammeln der Handgranaten, Pistolen und Maschinenpistolen der toten Panzerbesatzungen. Mitnahme der Mg.- und Kanonenmunition. Stahlgranaten eignen sich als Sprengladungen. Siehe hierzu Seite 48 3 Einsammeln der Pistolen der toten Flugzeugbesatzung. Mitnahme der noch vorhandenen Fliegerbomben und raketen. (Eignen sich als Sprengladungen. Siehe Seite 48). Ausbau der Bord-Mg.

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Munitions- und Sprengmittelversorgung Allgemeines:-

Der chronische Munitionsmangel beeinflusst die Taktik der Kleinkriegsverbnde in hohem Masse.

Grundstzliche Versorgungsmglichkeiten:-

Munitionsausrstung der abgesprengten Armeeteile. Munitionsversorgung aus den von der Armeeleitung versteckt angelegten Depots. Angriffe auf feindliche Munitionstransporte und Depots. Dem einzelnen getteten Gegner abgenommene Munition.

Eventuelle Versorgungsmglichkeiten:-

Sporadische Luftversorgung aus dem Alpenreduit, solange dieses noch besteht. Systematische Luftversorgung durch die noch kmpfende freie Welt.

Weitere Versorgungsmglichkeiten:-

Einsammeln von Munition auf schlecht aufgerumten Schlachtfeldern. Einsammeln in zivilen Haushaltungen. In jeder Schweizer Familie ist Gewehr- oder Pistolenmunition vorhanden. Einsammeln kleinster Privatbestnde bei Jgern und Sportschtzen. Behndigung der Bestnde ziviler Schtzenvereine (Munitionsmagazin im Schtzenhaus). Requirieren in zivilen Waffen- und Munitionshandlungen, Bchsenmachereien usw. Requirieren auf Polizeiposten. Einsammeln von Spreng- und Zndmitteln bei Bauern und Waldarbeitern sowie in zivilen Baufirmen und Steinbrchen. Ausbau von Minen in schlecht oder gar nicht gerumten Minenfeldern (siehe Seite 46).

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Reparaturdienst-

Der Reparaturdienst spielt eine wichtige Rolle, da die Kleinkriegsverbnde gezwungen sind, den Krieg des armen Mannes zu fhren. Das Fachpersonal besteht aus: a) Truppenhandwerkern (Waffenmech., Gertemech., Sattler, Schneider, Schuhmacher usw,); b) zum Kleinkriegsverband eingezogene zivile Handwerker. Kleinere Reparaturen werden feldmssig ausgefhrt. Grssere Reparaturen werden heimlich in zivilen Schlossereien, Schmieden oder mechanischen Werksttten vorgenommen. Die Waffenmechaniker knnen dort in Zivilkleidung getarnt whrend einigen Stunden oder Tagen arbeiten und die Maschinen bentzen.

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Sanittsdienst Allgemeines:-

Es wird keine eigentliche Sanittsorganisation aufgebaut. Der Betrieb von Feldspitlern wre ja auch ganz unmglich, da sich die Verbnde in stndiger Bewegung befinden. Das Detachement verfgt lediglich ber einen Sanittstrupp. Sanittsunteroffiziere werden gleichmssig auf die einzelnen Detachemente verteilt. Steht ein Arzt zur Verfgung, so wird er im Sanittstrupp des schweren Detachements eingeteilt. Fehlendes Sanittspersonal wird aus der Zivilbevlkerung rekrutiert (Krankenschwestern, Krankenpfleger, Samariter usw.). Die Sanittstrupps leisten nur erste Hilfe und machen die Verwundeten transportfhig. Anschliessend werden diese bei zuverlssigen Elementen der Bevlkerung in Versteck und Pflege gegeben.

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Beschaffung von Sanittsmaterial:-

Sanittsmaterial, das die abgesprengten Armeeteile mit sich fhren. dem Gegner abgenommenes Sanittsmaterial. Zusammenbetteln kleinster Quantitten in privaten Haushaltungen. Requirierung bei Zivilspitlern, Hilfsposten grosser Industriebetriebe, Apotheken, Zivilrzten usw. Heimliche und getarnte Lieferungen der Verbandmaterial- und Heilmittelindustrie via zivile Widerstandsbewegung.

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Verpflegungsdienst-

Der grosse Krieg ernhrt sich aus Fabriken, Magazinen und Depots. Im Kleinkrieg aber ernhrt der Krieg den Krieg! Kleinkriegsverbnde leben aus dem Land sowie von Verpflegungsgtern, die sie dem Gegner abgenommen haben. Die schwer zu lsende Verpflegungsfrage beeinflusst die Taktik der Kleinkriegsverbnde in hohem Masse. Deshalb leben die Detachemente einzeln und werden die Abteilungen nur vorbergehend fr grssere Kampfaktionen zusammengefasst. Es ist naturgemss leichter, verstreute Detachemente von 70-100 Mann aus dem Lande zu verpflegen als geschlossene Abteilungen von 400 Mann. Die Verpflegung wird bei Bauern, Mhlen, Lebensmittelgeschften und Depots requiriert. Hierbei sind Konflikte mit der Bevlkerung zu vermeiden, z. B.: Bezahlung. Weitgehende Schonung der Privatpersonen. Oberfall vor allem auf die von der Besetzungsmacht betriebenen staatlichen Lebensmittellden und Depots. Jagd und Fischfang knnen in bescheidenem Masse helfen, Lcken zu fllen. Hochwertige und haltbare Lebensmittel werden fr die harte Zeit des Winters reserviert und in versteckten Depots eingelagert (Bchsenmilch, Schokolade, Ovomaltine, Knckebrot, stark l- und fetthaltige Konserven, Rauchfleisch, Speck und Dauerwurstwaren). Im brigen siehe Seite 44.

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Die Hilfeleistung der Zivilbevlkerung Allgemeines:-

Die Bevlkerung ist dein grsster Freund. Ohne ihre Sympathie und ttige Mithilfe kannst du dich auf die Dauer nicht halten. Du darfst sie deshalb nicht unntz durch brutales Auftreten oder disziplinloses Verhalten gegen dich aufbringen. Es darf nicht soweit kommen - und diese Gefahr besteht an sich dass die Kleinkriegsverbnde fr die eigene Bevlkerung zum grssern bel werden als die Besetzungsmacht. Wo du etwas requirieren musst, fordere nicht mit der Maschinenpistole, sondern unter Berufung auf das gemeinsame Ziel und mit Appell an die Vaterlandsliebe. Vergiss nicht, dass die Gesetze des grossen Krieges kaum mehr Gltigkeit haben und dir jeder Greis, jede Frau und jedes Kind unverhltnismssig stark schaden knnen, wenn sie wollen. Du bist praktisch auf Gedeih und Verderb vom guten Willen der Bevlkerung abhngig. Vom standhaften Geist des ... ich weiss nicht. Ich habe nichts gesehen und nichts gehrt, und dies auch unter dem persnlichen Risiko von Deportation oder Tod. Die Bevlkerung wird anfangs mutlos und eingeschchtert sein. Das wird sich aber ndern, und zwar um so sicherer, je lnger Krieg und Besetzung dauern.

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Spezielles: Einmal aufgewacht, kann dir die Bevlkerung auf vielerlei Arten helfen. Nachstehend einige Mglichkeiten:-

Dauernde und systematische Beobachtung des Gegners. Unaufflliges Wachestehen fr die Kleinkriegsverbnde (siehe Seite 38). Verpflegung besorgen. Kranke und Verwundete verbergen und pflegen. Material und Munition verbergen. Wegweiserdienste leisten. Spezialisten fr die Kleinkriegsverbnde stellen. Verwundete und Gefallene ersetzen. Feststellen, wer mit dem Gegner zusammenarbeitet. Selbst wenn die Bevlkerung wider jedes Erwarten deinen Bestrebungen lau gegenberstehen sollte, wirst du immer einige Leute finden, die opferbereit genug sind, um dir als Beobachter, Kundschafter und Meldelufer zu dienen. Auch in den befreiten Gebieten drfen die Chefs der Kleinkriegsverbnde nur getarnt und usserst vorsichtig mit den Organen der zivilen Widerstandsbewegung zusammenarbeiten. Sie drfen nie vergessen, dass der Kleinkriegsverband bald einmal den Standort wechseln wird, die Angehrigen der Widerstandsbewegung aber ortsgebunden sind und auch nach dem Abzug der Partisanen weiterarbeiten mssen. Ihre Tarnung darf daher nicht aus Bequemlichkeit aufgedeckt werden.

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Der Empfang von Materialabwrfen-

Markiere die Abwurfzone mit Licht. Mittel: a) starke Taschenlampen; b) Blechbchsen. Brandsatz: Einige Handvoll stark mit Benzin, Petrol oder l durchtrnkte Erde. Halte Lschmittel (Rasenziegel, Sand, Erde) neben den Lichtquellen bereit, um diese augenblicklich lschen zu knnen, wenn feindliche Nachtjger im Tiefflug die Abwurfzone mit Bomben und Bordwaffen angreifen. Lasse Fallschirme und Packmaterial nicht einfach liegen. Der Gegner kann wertvolle Schlsse daraus ziehen. Nimm diese Dinge mit oder vergrabe (verbrenne) sie.

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Der Empfang von Fallschirmagenten-

Fallschirmagenten werden in kleinen Gruppen (2-3 Mann) abgesetzt. Es handelt sich in der Regel um wertvolle Spezialisten fr die Kleinkriegsverbnde oder die rtliche Widerstandsbewegung (Funker, Instruktoren, Kommandanten usw.). Das Absetzen von Personen wird immer koordiniert mit Materialabwrfen (Funkgerte, Waffen, Munition, Sprengmittel usw.). Man unterscheidet Landesteile und Anschlusspunkte. Als Anschlusspunkte bezeichnet man Orte, wo die Fallschirmspringer mit zuverlssigen Einwohnern Kontakt aufnehmen knnen und notfalls Untersttzung und Hilfe finden. Es werden immer mehrere Anschlusspunkte bezeichnet. Die Landestelle wird nie direkt auf einen Anschlusspunkt gelegt. Von der Landestelle aus muss aber der nchste Anschlusspunkt in 1-2 Stunden Fussmarsch erreicht werden knnen. Das ist besonders wichtig bei Verwundung oder Verschmutzung/Durchnssung anlsslich der Fallschirmlandung. Beides erregt leicht Verdacht.

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LebenAktionsraum / Ruhezone-

Man unterscheidet im Kleinkrieg in: a) Aktionsraum; b) Ruhezone. in der Ruhezone werden grundstzlich keine berflle und Sabotageakte durchgefhrt, um keine Gegenmassnahmen zu provozieren (z. B. Suberungsaktionen). Distanz Aktionsraum - Ruhezone: a) ca. 10 km, wenn einige Bergzge oder Hgelketten dazwischen liegen; b) ca. 15-20 km im offenen Gelnde. (Siehe Skizze Seite 39.)

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Ruhe Die folgenden Grundstze gelten nur im Aktionsraum:-

Bewege dich nur in der Nacht und ruhe am Tag in den Wldern. Wo du notgedrungen im freien Gelnde lagern musst, whle hochgelegene Punkte, die weiten berblick gestatten. Bentze nie zwei Nchte hintereinander den gleichen Lagerplatz. bernachte nie am gleichen Platz, wo du tagsber gerastet hast.

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Die folgenden Grundstze gelten im Aktionsraum und in der Ruhezone:-

Halt- und Lagerpltze werden bei Tag durch Beobachtungsposten gesichert. In der Nacht legt man Doppelposten auf den Annherungslinien in den Hinterhalt (siehe Skizze Seite 43). Weit vorgeschobene Sicherungen bedeuten bloss eine Gefahr. In der Ruhe sichert man sich durch einzelne Posten in der unmittelbaren Nhe des Biwaks. Hierfr werden auch Zivilpersonen beigezogen, die den Gegner unauffllig beobachten knnen (siehe Skizze Seite 40). Fliegertarnung und Fliegerbeobachtung sind wichtig, um nicht vom grssten Feind der Kleinkriegsverbnde, dem Kampf- und Transporthelikopter, berrascht zu werden (Feuerberfall aus der Luft/ Landung von Jagdkommandos). Fr jeden Tag wird eine Alarmorganisation herausgegeben, damit jedermann weiss, was bei berfall zu tun ist. Gleichzeitig wird ein Sammelpunkt fr Versprengte bezeichnet. Abdetachierten Einzelgngern oder Unterabteilungen werden immer mehrere Punkte bekanntgegeben, wo sie wieder Anschluss finden oder auf Meldung stossen, wohin sich das Detachement inzwischen begeben hat (siehe Skizze Seite 55).

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Biwak-

Entscheidend ist Tarnung gegen Erdbeobachtung und Fliegersicht. Der Biwakplatz muss im Windschatten liegen. Er soll mglichst bei jeder Witterung trocken bleiben oder schlimmstenfalls rasch trocknen. Wiesenbden sind immer feucht und begnstigen die Tau- und Nebelbildung. Sie sind daher als Biwakplatz nur bedingt geeignet. Lehmbden sind ihrer Wasserundurchlssigkeit wegen schlecht geeignet. Moosboden ist nur bei dnner Moosschicht gengend trocken. Dichter Wald mit viel Unterholz ist stickig, feucht und insektenreich. Sandbden sind warm und trocken und eignen sich daher am besten. Leichtes Geflle ist besser als ganz ebener Boden (Wasserabfluss).

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Sicherung eines ruhenden Kleinkriegsdetachements bei Tag: Partisanen: 1. Luftspher 2. Beobachter mit Feldstecher. Hlt Sichtverbindung zum Sicherungsring 3. Als Holzsammler.. getarnter Wachtposten

Vorbergehend zur Sicherung beigezogene Zivilpersonen: 4. Frau mit Kleinkind. Abnehmen der Wsche = Achtung Gefahr! 5. Spielende Jugendliche. Mit Spielen aufhren und Richtung Dorf gehen = Achtung Gefahr!.. 6. Arbeitender Mann. Schliessen der Haustre = Achtung Gefahr!

7. Arbeitender Bauer. Beim Baum absitzen = Achtung Gefahr! Als Biwakmaterial dient primr das persnliche Zelttuch. Daneben leisten auch Improvisationen gute Dienste (siehe Skizze Seite 42). Der Zugfhrer bestimmt die Baupltze fr die einzelnen Zelte und erteilt die Anordnungen bezglich Tarnung. Unregelmssigkeit der Biwakanordnung erzielt Tarnwirkung. Wo nicht in Wldern biwakiert werden kann, sind die Zelte dem Gelnde anzupassen (auflockern, zerstreuen). Auch tarngefrbte Zelttcher, die der Beobachtung von Auge entgehen, prsentieren sich auf der Fliegerphotographie als helle Flche. Es ist daher immer die dunkle Seite des Zelttuches nach aussen zu kehren. Kanten

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und Flchen mssen durch Auflegen von Zweigen und sten gebrochen werden.-

Der Zugfhrer regelt, wann und wo Kochfeuer angefacht werden drfen (Feuerschein, Rauch). Neben den Feuerstellen ist immer Sand oder Erde zum raschen Lschen bereitzuhalten. Wasser ist ungeeignet (entwickelt verrterischen Dampf). Der Biwakplatz wird von Steinen, grossen sten usw. grob gesubert und das Tarnmaterial bereitgelegt. Anschliessend werden die Zelte aufgestellt und sofort getarnt. Nur eine peinlich genaue Biwakordnung ermglicht raschen Abbruch und Wegmarsch ohne Materialverluste, auch unter erschwerten Bedingungen (Nacht, Regen, Schnee). Pro Zug wird eine Latrine eingerichtet. Diese kommt an einen schattigen Ort zu liegen, wo Fliegen eher fernbleiben. Die Latrine besteht aus einem 60 cm tiefen und 30 cm breiten Graben, ber den sich die Bentzer rittlings hocken. Die Erde wird auf der einen Seite wallartig aufgeworfen. Ein Spaten wird bereitgelegt, um den Kot sofort mit Erde zudecken zu knnen. Pro Zug wird eine Abfallgrube ausgehoben. Latrine und Abfallgruben sind wichtige Bestandteile der Lagerhygiene und helfen mit, Krankheiten fernzuhalten. Als Trinkwasser wird in erster Linie Wasser ab Hochdruckleitungen oder laufendes Quellwasser verwendet. Fluss- und Seewasser ist nur in Notfllen zu verwenden und muss vor dem Genuss immer abgekocht werden. Bei Bchen ist der Oberlauf zu kontrollieren, um eventuelle Verunreinigungen durch Wohnhuser, Stlle, Jauchegruben usw. festzustellen. Wasser aus Sodbrunnen ist verd