Derplan 28 juli 2013

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Die Zeitung der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland

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  • derPlan 28 Die Zeitschrift der Kammer der Architekt(inn)en und Ingenieurkonsulent(inn)en fr Wien, Niedersterreich und Burgenland Juli 2013

    Ende September finden Nationalratswahlen statt. Ergo ist seit Monaten Wahlkampfzeit. Die Themen sind gesetzt. Eines davon ist leistba-res Wohnen. Einen besonderen Aspekt in die-se Debatte einzubringen bedarf akribischer Re-cherche und eines guten Timings. Beides hat die Bundeskammer umgesetzt. Die Debatte rund ums leistbare Wohnen mit der Warnung vor einer Kostenexplosion durch die Normen-flut anzureichern war ein geschickter Zug. Mit dem Versand der Presseaussendung Ende Mai war der Zeitpunkt gut gewhlt und ein nach-haltig kritisches Thema lanciert. Fr die Jour-nalisten war angerichtet. Die Zutaten waren geliefert: der besondere Blickwinkel zu einem komplexen Thema und leicht transportable und akribisch recherchierte Zahlenbeispiele. So ha-ben die Tageszeitungen Wirtschaftsblatt und die Presse sowie das Wochenmagazin For-mat die Story bernommen. Sie haben bei den Spitzenfunktionren der Bundeskammer sowie der Lnderkammer fr Wien, Nieders-terreich und Burgenland nachgehakt und die Zahlen mit Zitaten angereichert.

    Zu den Fakten: Am Ende der Ersten Repu-blik fand sterreich noch mit 693 Normen das

    Ein Lehrbeispiel fr gelungene Medienarbeit. Die Berufs-vertretung hat ein Thema antizipiert und mit dem besonderen Blickwinkel und klaren Fakten bereichert.

    Auslangen. Seither steigt die Zahl rasant: 1999 freute sich das Austrian Standards Institute bereits ber die zehntausendste Norm. Seither kommen Jahr fr Jahr zirka 2.000 neue Nor-men dazu. Ende 2008 hatte sich die Gesamt-zahl bereits auf 20.000 verdoppelt, inzwischen halten wir bei 24.667 Normen.

    Normen verursachen aber auch Kos-ten. Dieser Aspekt wurde bislang viel zu we-nig beachtet: Allein die seit dem Jahr 2000 neu- geschaffenen Normen verursachen im Bereich Wohnbau Kosten von mehr als zehn Prozent der Gesamtbaukosten von 2.000 Euro pro Qua- dratmeter. Durch eine Evaluierung dieser Nor-men knnte ein Drittel dieser Kosten gespart werden, ohne dass ein wesentlicher Qualitts-verlust eintreten wrde. Das wren jhrlich ber 300 Millionen Euro. Um diesen Betrag knnten jhrlich zirka 2.000 Wohnungen er-richtet werden. Wenn erfreulicherweise in sterreich intensiv ber leistbares Wohnen diskutiert wird, dann sollte bei den erwhnten berzogenen Normen als Erstes die Axt ange-setzt werden.

    Beim Normenlieferanten Nummer 1 dem Austrian Standards Institute (ASI) wurde von den Journalisten nachgefragt. Der Prsident des ASI, Universittsprofessor Walter Barfu, gegenber der Presse: Naturgem verteu-ernde Qualittsvorgaben fr das Bauen sind vor allem in Landesgesetzen in Form von Bau-ordnungen sowie in Richtlinien auerhalb von -NORMEN zu finden. Keine davon ist beim Austrian Standards Institute erarbeitet worden. Barfu weiter: Es ist legitim, ber ausufernde Qualittsansprche nachzudenken. Das ASI ist

    dafr aber mit Sicherheit nicht der geeignete Ansprechpartner.

    Dies wird freilich von der Berufsvertre-tung anders gesehen. Hauptverantwortlich fr die Normenflut ist das Austrian Standards In-stitute. Normen treten immer fter an die Stel-le von Gesetzen. Fr Normen sollten daher die gleichen rechtsstaatlichen Standards gelten wie fr den Gesetzgebungsprozess, dies ist derzeit jedoch in keiner Weise der Fall. Im Gegen-satz zur Gesetzgebung erfolgt die Normierung unter Ausschluss der ffentlichkeit. Wer wel-che Beitrge zu einer Norm geleistet hat, wird nie bekannt. Am Normierungsprozess wirken auch Experten mit, die Unternehmen mit Ei-geninteressen vertreten. So wird auch im Rah-men eines 8-Punkte-Forderungspakets u. a. die Evaluierung der bestehenden Normen gefor-dert, und noch vor der Wahl mge ein runder Tisch zu diesem Thema unter der Leitung des Wirtschaftsministers stattfinden. Das media-le Interesse wre sicher gegeben, die Berichter-stattung darber garantiert. Alexander Trbinger

    Kooperative Verfahren

    Bilanz nach einem Jahr:Lernend und offen, so sollen sie bleiben.

    Wahlkampfthema leistbares Wohnen Normen sind ein wichtiger Aspekt

    Normenflut

    wien.arching.atarchingakademie.at

    Die Frage nach der Honorie-rung muss auf jeden Fall ge-klrt werden, darber herrscht allgemeiner Einklang.Ein Round Table ................................. 4

    Die Inhalte von Einreichplnen: Was muss, was soll sein? Ein Architekt und ein Ingenieur-konsulent im Dialog.Eine Serie, Teil IV .............................. 8

    125 Jahre Burgtheater:Fr den im Oktober statt-findenden Jubilumskongress verlosen wir 20 Karten. Eine Gewinnchance .......................... 9

    Inhalt

    Inventur Regenwald ....7sterreich ist Vorreiter bei nachhaltiger Waldbewirtschaf-tung. Deshalb fliet heimisches Know-how nach Surinam.

    Studierende ......................... 10Ein runder Tisch mit Studentin-nen und Studenten der Wiener Universitten zum Thema STEP 2025.

    Baugruppen ........................ 16 Die neue Form der Bauherr-schaft mit ihren Vorteilen und dem Versuch, eine Abkrzung zu nehmen.

    Architektur & Spa .....17 Die Vermittlung von Baukultur an den heimischen Schulen. Ein Interview dazu mit Barbara Feller.

    Nach der Flut .................... 20 Ein berblick an steuerlichen Manahmen, die nach der Hoch-wasserkatastrophe von Relevanz sein knnen.

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  • Sehr geehrte Frau Kollegin,sehr geehrter Herr Kollege!In vielen Kontakten wird mir immer wieder be-sttigt, dass die Kammer sich sehr aktiv pr-sentiere und in vielen Bereichen mitmische. Nun, das ist die Aufgabe einer Berufsvertre-tung: nmlich die Anliegen der Berufsgrup-pe zu formulieren, zu diskutieren, zu bndeln und schlielich gegenber den verschiedenen Partnern der Berufsgruppe zu vertreten. Diese Partner sind: die Politik, die zuvorderst die we-sentlichen gesellschaftlichen (und damit auch baulichen) Projekte formuliert und im Rahmen der gesetzgeberischen Kompetenz die Rahmen-bedingungen der Berufsausbung von uns Architekt(inn)en und Ingenieurkonsulent(in-n)en mageblich bestimmt. Die Behrden, de-nen als Vollzugsorgane der Gesetze und Ver-ordnungen eine berragende Rolle zukommt. Das Wie ihres Vorgehens, also die Art und Weise, wie sie das Gesetz anwenden und inter-pretieren, entscheidet oft darber, ob etwas geht oder nicht geht. Die Auftraggeber, die als ffentliche oder private Bauherren die direkten Partner der Architekten und Ingenieurkonsu-lenten sind. Und schlielich Partnerorganisa-tionen (etwa Universitten, Architekturhuser, Ingenieurvereine und -verbnde, Normungs-institut), deren Ziele sich oft mit denen der Be-rufsvertretung decken oder sich zumindest berschneiden.

    Ich denke, wir haben auf allen Ebenen gute Dialogplattformen etabliert. Exemplarisch mchte ich anfhren:

    Erst vor einem halben Jahr wurden die Wohlfahrtseinrichtungen nach 20 Jahren Diskussion und Auseinandersetzung in das staatliche Pensionsversicherungssystem ber-

    fhrt. Dies war nur mglich, weil es uns ge-lungen ist, auf mehreren Ebenen Gesprchs-plattformen aufzubauen und als kompetenter, einiger und im Inhalt legitimierter Partner fr die involvierten Ministerien und das Parlament aufzutreten.

    Auch die vom niedersterreichischen Lan-deshauptmann Prll und mir unterfertigte und im Rahmen einer Veranstaltung proklamier-te niedersterreichische Baukulturdeklarati-on war letztlich das Ergebnis eines intensiven, auf hohem Niveau gefhrten Dialogs zwischen uns und den Vertretern des Landes Nieder- sterreich.

    Im Rahmen des STEP 2025 (Wiener Stadt-entwicklungsplan 2025) organisieren wir der-zeit im Rahmen eines sogenannten future.lab einen breiten Dialog zwischen Politik, Vertre-tern der Planungsdirektion und Kammermit-gliedern zur Formulierung eines Beitrags zur stdtischen Rahmenplanung fr die nchsten Jahrzehnte.

    Im Burgenland stehen wir am Beginn eines aktiven Dialogs mit der Landesregierung und den Einrichtungen der Architekturvermittlung ber die Ausgestaltung des Jahres der Baukul-tur 2014 im stlichsten Bundesland.

    Auf Ebene der Behrden pflegen wir etwa mit den Baudirektionen Wiens, Niederster-reichs und des Burgenlands einen intensiven Dialog u. a. ber alle Fragen der Auslegung und Anwendung des Baurechts und der Gestaltung von Vergabeverfahren.

    Vielschichtig und ebenfalls sehr zeitinten-siv sind unsere laufenden Gesprche mit den Vertretern der ffentlichen, institutionellen und privaten Auslober ber die konkrete Aus-gestaltung der Vergabeverfahren. Unsere Ex-pertise wird in mehr Verfahren als je zuvor in

    Brief des Prsidenten

    INTERN 2derPlan N 28 Juli 2013

    Architekt Mag. arch.Walter StelzhammerPrsident

    GENDER Ausschlielich der besseren Lesbarkeit halber wird in manchen Texten und berschriften bei Personen- und Berufsbezeichnungen auf ein Nebeneinander weiblicher und mnnlicher Formen zugunsten der alleinigen mnnlichen Form verzichtet. Selbstverstndlich beziehen sich smtliche Texte der Ausgabe von derPlan sowohl auf weibliche als auch auf mnnliche Vertreter der jeweiligen Berufsgruppen.

    IMPRESSUM Medieninhaber und Herausgeber: Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten fr Wien, Niedersterreich und Burgenland, A-1040 Wien, Karlsgasse 9, wien.arching.at Art Direction: Christian Sulzenbacher Konzeption und Redaktion: Alexander Trbinger, Redaktionsbeirat: Marlies Breuss Sektion Architekten, Peter Resch Sektion Ingenieurkonsulenten Mitarbeiter Text: Herbert Ablinger, Peter Bauer, Angela Bibulowicz, Marlies Breuss, Barbara Feller, Horst Hckel, Erich Kern, Christian Klausner, Marion Kuzmany,