Dialogforen 2011 Woher? Wohin? Demographie und .Dialogforen 2011 „Woher? Wohin? – Demographie

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  • Dialogforen 2011Woher? Wohin?Demographie und Migration

    Positionen

  • 1 Vorwort

    2 Prof.UrsulaM.Staudinger Mit40nocheinmaldurchstarten

    4 FranzMntefering Demdemographischen WandelmitMutbegegnen

    6 Prof.RitaSssmuth Zuwanderungverlangt EngagementvonallenSeiten

    8 Prof.JrgHacker Wissensaustausch statt-verlust

    10 Dr.FlorenceTsagu rzteschwundhemmt Entwicklung

    12 Prof.RainerMnz Deutschlandbraucht eineWillkommenskultur

    14 Prof.HaraldA.Mieg Slumwachstumbremsen!

    16 Prof.PhilippOswalt AuchinderStadtplanunggilt: KlassestattMasse

    18 CumaliNaz KommunaleMitbestimmung fralle

    20 Ayglzkan IntegrationheitZukunft gemeinsamgestalten

    22 Programm

    24 Impressum

    Inhalt

  • MnchenerRckStiftung Positionen 1

    Vorwort ImJahr2050wirdjederdritteMenschinDeutschland60Jahreoderltersein.DieBevlkerungaltertundschrumpftgleichzeitig,invielenlndlichenGebietenentstehenGeisterregionen.InternationalverluftdieEntwicklungzumTeilinentgegengesetzteRich-tungen.EinBlickaufDemographieundMigrationsbewegungenderletztenJahreschrtAngstundUnsicherheit:Einwohnerschwund,bervlkerung,Verarmung,Migrationswellen,Fremden-hassundIntegrationdassindnurwenigeSchlagwrterderDebatten.

    NebennegativenAspektenbirgtdieaktuelleEntwicklungaberauchChancen:SokannetwaDeutschlandalsZuwanderungslandwiederattraktiverwerden.DieAnwerbungqualifizierterMenschenausdemAuslandistnichtnurwirtschaftlichattraktiv,sondernauchkulturell.

    SindunsereGesellschaftssystemeaufdiewachsendeZahlalterMenschenunddasAusblutenganzerRegionenvorbereitet?WiewirktsichdasAb-wandernklugerKpfeinLndernaus?WieknnenIndustrie-undEntwick-lungslnderihreHerausforderungenmeistern?

    AnfnfAbendenhabenwirinunserenDialogforen2011Woher?Wohin?DemographieundMigrationzahlreicheAspektebeleuchtetundanalysiert.IndieserkleinenBroschresind10span-nendePositionendazuzusammengefasst.

    IchwnscheIhneneineanregendeLektre.

    ThomasLosterMnchenerRckStiftung

    Demographie und Migration

  • MnchenerRckStiftung Positionen

    VeranstaltungDemographieheute:dieWeltimUmbruch?11.Januar2011

    DiemeistenMenschennehmeneineschrumpfendeBevlkerungalsBedro-hungwahr,weilsiedenWohlstandgefhrdet.ZuUnrecht,meintProf.UrsulaM.Staudinger.Denn:EsgibtgenugStudien,diebelegen,dassInvestitioneninQualittalsoBildungdazubei-tragen,dieabnehmendeQuantittmehralszukompensieren.LnderwiedieSchweizundDnemarkhabenzudemgezeigt,dasssichderWohlstandsverlusterheblichverringernlsst,wennmanltereMenschenverstrktindenArbeits-marktintegriert.Entscheidendistalsoweniger,wievielewirsind,sondernwiewirdiehhereLebenserwartungrichtignutzen.WirhabenesselbstinderHand,daslterwerdenzugestalten,stellteStaudingerklar.AuchdieAbnahmederkrperlichenundgeistigenLeistungs-fhigkeitistdemnachkeinHinderungs-grund.SielsstsichdurchentsprechendesTrainingsogardeutlichhinauszgern.

    FrStaudingeristdasblockweiseAbarbeitendesBerufslebenserstvielBildung,dannArbeit,dannRenteeinReliktderVergangenheit.WirbentigenandereLebenszeitstrukturen,alssieunsereElternundGroelternkannten,fordertedieVizeprsidentinderBremerJacobsUniversitt.Dasgeht,dennMedizinersagenuns,dassvieleheute60jhrige,wasihrwirklichesbiologischesAlteranbetrifft,etwa5JahrejngersindalsdieGenerationdavor.Dassolltedazugenutztwerden,sichmehrZeitinderMittedesLebenszugnnenundimmerwiederzuwechselnzwischenArbeits-undBildungsphasensowieFamilie.Esmussnormalwerden,dassmanmit40JahrennocheinenMasteroderBachelormachtunddanneineganzneueKarrierebeginnt,auchwenndasPersonalberaterundPersonal-abteilungeninUnternehmenheutenochanderssehen.DamitlieesichauchdasProblemdesFachkrftemangelsmindern.

    Mit 40 noch einmal durchstarten

  • 2/3

    Wir werden weniger und lter, und das ist gut so.

    Prof. Ursula M. Staudinger, Vizeprsidentin der Jacobs Universitt, Bremen

    2/3

    Methusalem-SyndromDer Anteil der Europer, die 65 Jahre oder lter sind, wird sich bis 2060 gegenber 1990 mehr als verdoppeln. Dagegen wird es relativ gesehen wesentlich weniger typische Erwerbsfhige im Alter von 20 bis 64 Jahren geben. Besonders deutlich drfte der Anteil der unter 20-Jhrigen zurckgehen: von knapp 27 Prozent Anfang der 1990er-Jahre auf weniger als 19 Prozent im Jahr 2060.

    0- bis 19-Jhrige 20- bis 64-Jhrige 65- bis 79-Jhrige 80-Jhrige und ltere

    1990

    2000

    2010

    2020

    2030

    2040

    2050

    2060

    10,626,7

    23,7

    21,3

    20,5

    19,7

    18,9

    18,8

    18,9

    59,5

    60,7

    61,3

    59,5

    56,7

    54,2

    52,3

    51,1

    12,3

    12,7

    14,4

    16,6

    18,0

    17,8

    17,8

    3,1

    3,3

    4,7

    5,7

    6,9

    8,9

    11,0

    12,1

    Bevlkerungsanzahl in %

    Quelle: Berlin-Institut fr Bevlkerung und Entwicklung, demos-Newsletter Ausgabe 121, 2011

    0 % 100 %

  • MnchenerRckStiftung Positionen

    VeranstaltungDemographieheute:dieWeltimUmbruch?11.Januar2011

    WiesolldiePolitikaufdemographischeVernderungenreagieren,vorallemaufdenstetenRckgangderGeburtenrate?

    OhneAngstundPanik,beruhigteFranzMntefering,auchwenndieDynamikdesWandelsbeiunsauer-gewhnlichsei.ImdichtbesiedeltenDeutschlandknnemanauchgutmit65Millionenstattderderzeitrund80MillionenEinwohnerleben.

    DassdieMenschenheutefreientscheidenknnen,wannundobsieKinderbe-kommen,siehtMnteferingalsFortschritt.VorwrfeseienfehlamPlatz,undesgeheauchnichtdarum,dieFrauenmitPrmiendazuzubewegen,mehrKinderzubekommen.WirmssenunskmmernumdieKinder,diewirhaben,undsolltenunsnichttotjammernberdie,diewirnichthaben,forderteer.

    Dazugehrt,dassderStaatnichtnurgleicheBildungschancenfralleschafft,sonderndaraufachtet,dassdieseChancenauchwahrgenommenwerden.

    JedesJahr70.000SchlerohneAbschlussdieseSituationisteinewirk-licheSchandefrunserLand,beklagtederfrhereSPD-Vorsitzende.VielejungeMenschenfhrtdasineineperspektiv-loseZukunftmitArbeitslosengeldII,wasverheerendistfrdieganzeGesellschaft.

    AuchProf.StaudingersiehtdieDebatteumdieFertilittsentwicklungkritisch.SiehltdenGeburtenrckgangfreinekulturelleErrungenschaft.AufdieseneueKonstellationmitaltenAntwortendemRufnachmehrKindernzureagieren,seiwidersinnigundanachro-nistisch.DerdemographischeWandelisteineChancefruns,berdasGemein-wesenundberdieWeiterentwicklungvonZivilisationnachzudenken.DieAussichtendafrsindvielversprechend.IndenknftigenGenerationen,dieweltweitmiteinandervernetztsind,breitensichWertvorstellungenmiteinerGeschwindigkeitaus,diewirunsnichtvorstellenknnen.DarinstecktvielPotenzial.Wirmssenesnurfrunsnutzen.

    Dem demo-graphischen Wandel mit Mut begegnen

  • 4/5

    Wir sollten uns nicht totjammern ber die Kinder, die wir nicht haben.

    Franz Mntefering, Vizekanzler a.D. und Mitglied des Deutschen Bundestages

    SchrumpfendeGesellschaft2009 kamen in Deutschland 665.126 Kinder zur Welt. Das war die niedrigste Geburtenzahl seit 1946. Damals wurde ein Drittel mehr Kinder geboren als heute. Im Anschluss an den Baby-Boom der Nachkriegsjahre sank die Zahl der Geburten seit Mitte der 1960er-Jahre fast stetig.

    Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland * vorlufiges Ergebnis

    Anzahl der Lebendgeborenen in Mio.

    1.2

    1.1

    1.0

    0.9

    0.8

    0.7

    0.6

    1.3

    1.4

    1.5

    1946

    1990

    1950

    1995

    1955

    2000

    1960

    2005

    1965

    1970

    1975

    1980

    1985

    2010

    *

    1961 Einfhrung der Anti-Baby-Pille

    1989 Mauerfall

  • MnchenerRckStiftung Positionen

    VeranstaltungUrsachenfrMigration:WarumwandertdieWelt?22.Mrz2011

    Mehrals200MillionenMenschenlebenweltweitfernabvonihremHeimatort.DerzeitnimmtdieseZahljhrlichum3Prozentzu.DieZahlenderInternatio-nalenOrganisationfrMigration(IOM)belegendieDimensionderweltweitenMigration.blicherweisewandernMenscheninnerhalbeinesLandes.DochdrftengrenzberschreitendeWanderbewegungenknftigeinegrereRollespielen.Umwelt-undKlimavernderungenwerdenzuganzneuenMigrantenstrmenfhren,diezudenklassischenTatbestndenGewalt,KriegundArmutdazukommen,istsichProf.RitaSssmuthsicher.

    SietrittdeshalbfreinenehrlichenUmgangmitdemThemaMigrationein.

    Esistwichtig,denMenschenzuerklren,dassZuwanderungkeineeinfacheSacheist,wederfrdieAnkommenden,nochfrdieAufnehmenden.Siertdazu,dieProblemekonstruktivanzugehen.Dasfunktioniertambesten,indemmananhandpraktischerBeispielevermittelt,welchenNutzenMigrantenstiftenknnen,etwainderhuslichenPflegeoderindenBetrieben.

    DiefrhereBundestagsprsidentinpldiertdafr,dieMenschenhinterdenMigrantenwahrzunehmen,siealskul-turelleBereicherungzubetrachtenundihreQualifikationenanzuerkennen.Dagegenistsieskeptisch,obsichMigra-tionmitpolitischenMittelnsteuernlsstundverweistaufdieErgebnisseeinerKommission,diederfrhereUN-General-sekretrKofiAnnaneingesetzthat.

    ZentralesErgebniswardieAussage,dasskeinStaatfrsichalleindasProblemlsenkann.DochimGrundemchtejederStaatweiterfrsichselbstaufdiesemGebietentscheiden,haderteSssmuth,dieselbst2JahrelangderUNGlobalCommissiononInternationalMigrationangehrte.AnlasszuPessimismussiehtsieallerdingsnicht:GrundstzlichhabejedeGesellschaftdieFhigkeit,neueKonzeptezuentwickeln.Esmussabersofortgehandeltundverhandeltwerden,umimKrisenfallnachhaltigeLsungenparatzuhaben.

    Zuwanderung verlangt Engagement von allen Seiten

  • 6/7

    Umwelt- und Klima-vernderungen werden uns ganz neue Migranten-strme zufhren, die zu den klassischen Tatbestnden Gewalt, Krieg und Armut dazukommen.

    Prof. Rita Sssmuth, Bundestagsprsidentin a.D.

    Klimabed. Verschlechterung der Trinkwasserversorgung Klimabed. Zunahme von Strmen und berschwemmungen Klimabed. Rckgang der Nahrungsmittelproduktion Umweltbedingte Migration Hotspot

    Bleibenodergehen?Umwelt- und Klimavernderungen beeinflussen die Migrationsstrme immer strker. Besonders Lnder der Sdhalbkugel sind davon betroffen. Menschen verlieren wegen schwieriger