Die Drei Tage im Tempel (Jakob Lorber)

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    18-May-2015
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    Spiritual

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Durch das innere Wort empfangen und niedergeschrieben von Jakob Lorber.

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  • 1. DIE DREI TAGE IM TEMPELDurch das innere Wort empfangen und niedergeschrieben von Jakob Lorber.Nach der 10. Auflage.Lorber-Verlag Hindenburgstrae 5 D-74321 Bietigheim-Bissingen.Alle Rechte vorbehalten.Copyright 2000 by Lorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen.1. Kapitel Die Sitte der Kinderprfungen im Tempel zu Jerusalem.[DTT.01_001,01] Es war Sitte und vorgeschriebener Brauch im ganzen Reiche der Juden, dasie ihre Kinder, wenn sie das zwlfte Jahr zurckgelegt hatten, nach Jerusalem bringenmuten, wo sie im Tempel von den ltesten, Pharisern und Schriftgelehrten befragt wurdenber alles, was sie bis zu diesem Alter besonders in der Lehre von Gott und den Prophetensich zu eigen gemacht hatten.[DTT.01_001,02] Fr solche Prfung war auch eine kleine Taxe zu entrichten, nach der dieGeprften, so sie es wnschten, gegen eine nochmalige kleine Taxe ein Fhigkeitszeugniserhielten. Hatten sich die Kinder in jeder Hinsicht ausgezeichnet, so konnten sie dann auch indie Schulen des Tempels aufgenommen werden und hatten Aussicht, einst Diener desTempels zu werden.[DTT.01_001,03] Konnten die Eltern nachweisen, da sie dem Stamme Levi entstammten, soging es mit der Aufnahme in des Tempels Schulen leicht. Konnten die Eltern das aber nichtnachweisen, so ging es mit der Aufnahme schlechter, und sie muten sich in den Stamm Levifrmlich einkaufen und dem Tempel ein bedeutendes Opfer bringen.[DTT.01_001,04] Die Tchter waren von dieser Prfung ausgenommen auer sie wolltenauf Antrieb ihrer Eltern sich auch prfen lassen, der greren Gottwohlgeflligkeit wegen. Indiesem Falle wurden sie von den Altmttern des Tempels in einer besonderen Behausung feingeprft und bekamen auch ein Zeugnis von allen bis dahin erworbenen Kenntnissen undFertigkeiten. Solche Mdchen konnten dann Weiber der Priester und Leviten werden.[DTT.01_001,05] Die Prfungen der Knaben und noch mehr der Mdchen dauerten nur kurz.Es waren einige Hauptfragen schon fr immer bestimmt, die ein jeder Jude seit langeherauswendig wute.[DTT.01_001,06] Die Antworten auf die bekannten Fragen wurden den Kindern gelufigeingebleut, und es hatte der Prfer die Frage kaum zu Ende gebracht, so war der geprfteKnabe auch schon mit der Antwort fertig.[DTT.01_001,07] Mehr als zehn Fragen hatte kein Prfling bekommen, und es ist darumleicht begreiflich, da eine Prfung bei einem Knaben kaum ber eine Minute Zeit gedauerthat. Besonders wenn er die ersten Fragen ganz gut und sehr fertig beantwortet hatte, dawurden ihm die andern meist erlassen.[DTT.01_001,08] Nach vollbrachter kurzer Prfung bekam der Knabe ein kleines Zettelchen,mit welchem er sich mit seinen Eltern an derselben Taxkasse zu melden hatte, bei der erehedem die Prfungstaxe entrichtete, wo er dann gegen Vorweisung des Prfungszettelchenswieder eine kleine Taxe zu entrichten hatte, so er auf das Zettelchen ein Tempelzeugnis habenwollte. Kinder armer Eltern muten ein Signum paupertatis (Armutszeugnis) mitbringen,ansonst sie zur Prfung nicht zugelassen wurden.[DTT.01_001,09] Die Zeit der Prfung war entweder zu Ostern oder zur Zeit desLaubhttenfestes und dauerte gewhnlich fnf bis sechs Tage. Bevor aber die Prfungen imTempel ihren Anfang nahmen, wurden schon ein paar Tage frher Tempeldiener in dieHerbergen geschickt, um sich zu erkundigen, wieviele Prfungskandidaten etwa anwesendseien.[DTT.01_001,10] Wer sich da besonders vormerken lassen wollte gegen ein kleine Taxe, derkonnte es tun, weil er dadurch frher zur Prfung kam. Die ohne Taxe muten danngewhnlich die letzten sein, und mit ihrer Prfung nahm man sich durchaus nicht viel Mhe,

2. und die Zeugnisse blieben gewhnlich aus. Man versprach ihnen wohl, solche einmalnachzutragen, woraus aber gewhnlich nie etwas geworden ist.[DTT.01_001,11] Manchmal aber geschah es auch, da Knaben von sehr viel Geist undTalent den Prfern auch Gegenfragen stellten und Aufklrung ber dies und jenes aus denPropheten verlangten. Bei solcher Gelegenheit gab es unter den Prfern dann gewhnlichverdrieliche und rgerliche Gesichter; denn die Prfer waren selten in der Schrift und in denPropheten mehr bewandert als heutzutage die sehr mager bestellten Abc-Lehrer. Sie wutennur soviel, um wieviel sie zu fragen hatten. Darber hinaus sah es gewhnlich sehr finster aus.[DTT.01_001,12] Es saen aber bei den Prfungen, gewisserart als Prfungskommissare,wohl auch einige lteste und Schriftgelehrte. Sie prften aber nicht, sondern hrten nur zu,was da geprft ward. Nur im vorerwhnten besonderen Falle, so es sich der Mhe lohnte,fingen sie sich zu rhren an und verwiesen zuerst einem so Fragen stellenden Knaben seineunkluge Vermessenheit, der es gewagt hatte, seine Prfer in eine unangenehme,zeitzersplitternde Lage zu versetzen.[DTT.01_001,13] Solch ein Knabe wurde, wenn er sich nicht leicht einschchtern lie und beiseinem Vorhaben und Begehren verharrte, mehr des Scheines vor dem Volke als der tieferenWahrheit wegen, einstweilen auf die Warteseite gestellt und mute auf die fr derlei kritischeFragen gegebene erklrende Antwort bis zu einer gewissen Stunde am Abend warten, wo erdann erst eigens vernommen wurde.[DTT.01_001,14] Kam dann die anberaumte Stunde, so wurden stets mit einigem Unwillensolche Knaben aus ihrem Versteck hervorgeholt, muten ihre frher gestellten Fragenwiederholen, und einer der ltesten und Schriftgelehrten gab dem Fragesteller gewhnlicheine sehr mystische und soviel als mglich verworrene Antwort, aus welcher der Knabeoffenbar nicht klger wurde und das Volk schlug sich dabei an die Brust und bewundertetief, dumm, stumm, taub und blind die unerforschliche Tiefe des Geistes Gottes durch denMund eines ltesten und Schriftgelehrten und verwies am Ende einem solchen Knaben seineunbesonnene Keckheit.2. Kapitel Der geistreiche Jesusknabe im Tempel. Die Opfergabe des alten Simon. DieVorfrage. Die Rede des jngeren Schriftgelehrten.[DTT.01_002,01] Aber so ein recht geistreicher Knabe lie darauf den Kopf noch nichthngen und sagte: Alles Wirken in der groen Gotteswelt ist am Tage vom hellstenSonnenlicht erleuchtet, und selbst die Nacht ist nie so finster, da man gar nichts sehen sollte;warum mu denn gerade jene wichtige Lehre, die dem Menschen den Weg zum wahren Heileklarst und hellst zeigen soll, so verworren und keiner Seele verstndlich gegeben sein?[DTT.01_002,02] Und der Knabe, der den ltesten eben dieses eingewendet hatte, war Ichselbst und brachte sie dadurch in eine groe Verlegenheit, zumal Mir alles anwesende Volksehr recht zu geben anfing und sagte: Beim Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs dieserKnabe ist zum Verwundern gescheit, der mu noch mehreres mit den ltesten undSchriftgelehrten verhandeln! Wir wollen ihnen fr ihn ein bedeutendes Opfer in denGotteskasten legen.[DTT.01_002,03] Ein sehr reicher Israelite aus Bethania (es war dies der damals noch lebendeVater des Lazarus, der Martha und Maria) trat hervor und erlegte fr Mich ein Opfer von 30Pfund Silber und etwas Gold blo zum Behufe dessen, da Ich lnger mit den ltesten undSchriftgelehrten verhandeln durfte.[DTT.01_002,04] Die ltesten und Schriftgelehrten nahmen natrlich das groe Opfer nurgar zu gerne an, und Ich bekam dadurch ordentlich Luft, mit den ltesten in eine ganzauerordentliche und vorher aus sicherem Grunde nie dagewesene Besprechung kommen zudrfen.[DTT.01_002,05] Aus dem Jesaias aber war schon die erste und die vorerwhnte Vorfrage,deren uerst mystisch-dunkle Beantwortung dann eben den Grund zur folgenden gedehnten 3. Verhandlung bildete, die wir nun werden folgen lassen. Wer sie mit gutem und liebereinemHerzen lesen wird, der wird auch vieles aus ihr fr seine Seele und seinen Geist gewinnen.[DTT.01_002,06] Bevor wir aber zu der greren Verhandlung kamen, und weil Ich die gutbezahlte Freiheit, zu reden, hatte, kehrte Ich zur Vorfrage zurck und fing die ltesten undSchriftgelehrten ber die einzelnen Punkte derselben zu befragen an.[DTT.01_002,07] Die Vorfrage aber war genommen aus dem Jesaias, 7. Kapitel, 14. Vers und15. und 16. Vers dazu, und die Verse lauten: So wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben:Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebren, den wird sie Emanuelheien. Butter und Honig wird er essen, da er wisse Bses zu verwerfen und Gutes zuerwhlen. Aber ehe der Knabe lernt Bses verwerfen und Gutes erwhlen, wird das Land,davor dir grauet, verlassen sein von seinen zwei Knigen.[DTT.01_002,08] Der erstere Teil der Vorfrage bestand darin: wer die Jungfrau und wer ihrSohn Emanuel sei, und wann dies geschehen werde, da solch ein Sohn in die Welt geborenwerde. Die Zeit mte schon da sein, indem das Land Jakobs schon seit mehreren Jahrenseiner beiden Knige entsetzt sei und nun die Heiden zum Herrn habe. Ob etwa nicht jenervor zwlf Jahren zu Bethlehem von der Jungfrau Maria, die dem Zimmermanne Josephangetraut war noch nicht als Weib, sondern als Pflegebefohlene nach dem alten Brauche desTempels in einem Schafstalle geborene Knabe, dessentwegen die Weisen vom Morgenlandeherbeikamen, um ihn als den verheienen groen Knig der Juden zu begren, dem Annaund Simeon im Tempel bei der Beschneidung ein groes Zeugnis gegeben haben, eben jenerEmanuel sei, von dem Jesaias geweissagt habe.[DTT.01_002,09] Nun, auf diese nicht unbedeutende Vorfrage fing ein ltester, so ein rechtherrschschtiger Knauser, ein verworrenstes Zeug zusammenzuschwtzen an, das Ich garnicht bekanntgeben will, weil er Mich daneben auch einen schlecht erzogenen Knaben nannte,da Ich schon von einem Aus-einem-Weibe-Geboren-werden etwas wte.[DTT.01_002,10] Nur ein jngerer, ein wenig menschlicher aussehender Schriftgelehrtererhob sich dagegen und sagte, da solches noch keineswegs auf eine schlechte Erziehunghindeute, da besonders in Galila die Knaben eher reif wrden als in dem verkmmertenJerusalem, wo nichts als Luxus und eine groe Verzogenheit der Kinder daheim sei. Manknnte Mir schon eine bessere Antwort auf sein Gutstehen fr Mich geben, denn er meine,da Ich schon mit allen Verhltnissen des menschlichen Lebens bestens vertraut sei. Mansolle nur die andern Knaben entfernen u