Die Erforschung der „Gehirnbewegungen“ .4.1 1811 bis 1842: Dominanz der Monro-Kellie-Doktrin

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Transcript of Die Erforschung der „Gehirnbewegungen“ .4.1 1811 bis 1842: Dominanz der Monro-Kellie-Doktrin

  • Band 13Studien des Aachener Kompetenzzentrums fr Wissenschaftsgeschichte

    Thomas T. Nagel

    Die Erforschung der Gehirnbewegungen

    in medizinhistorischer Sicht

    Thom

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    Bewegt sich das Gehirn oder nicht? Wenn ja vollfhrt es seine Bewegungen auch im natrlichen, geschlossenen Zustand des Schdels oder nur nach Erffnung desselben? Und sind die Bewegungen des Gehirns sollten sie existieren synchron zum Schlag des Herzens oder zum Rhythmus der Atmung ? So sehr die Erforschung der Hirnbewegungen inzwischen in Vergessenheit geraten sein mag, so waren diese Fragen im 19. Jahrhundert ein hochaktuelles Thema fr die damals ttigen rzte und Experimentalphysiologen. Art, Genese und Bedeutung, vielmehr jedoch die Frage nach der Existenz der Gehirnbewegungen bei intaktem Schdel, haben teils heftigen wissenschaftlichen Disput jahrhundertelang genhrt. Beginnend in der Antike bis zum Jahr 2008 bildet die vorliegende Studie die Erforschung von Gehirnbewegungen bis in die Grenzbereiche zu anderen Forschungsgebieten ab, wobei das Hauptaugenmerk auf der zweiten Hlfte des 19. Jahrhunderts ruht. Neben Einzelanalysen ausgewhlter Arbeiten wird die Synthese zwischen dem globalen historischen Kontext und der fokussierten Forschungsgeschichte hergestellt.

    ISBN 9783862193226

  • Studien des Aachener Kompetenzzentrums fr Wissenschaftsgeschichte Band 13 Herausgegeben von Dominik Gro

  • Thomas T. Nagel

    Die Erforschung der

    Gehirnbewegungen in medizinhistorischer Sicht

    kasseluniversity

    press

  • Die Erforschung der Gehirnbewegungen in medizinhistorischer Sicht

    Von der Medizinischen Fakultt

    der Rheinisch-Westflischen Technischen Hochschule Aachen zur Erlangung des akademischen Grades

    eines Doktors der Medizin genehmigte Dissertation

    vorgelegt von

    Thomas Tobias Nagel

    aus

    Krefeld

    Berichter: Herr Universittsprofessor

    Dr. med. Dr. med. dent. Dr. phil. Dominik Gro Herr Universittsprofessor Dr. med. Hans Clusmann

    Tag der mndlichen Prfung: 20. Januar 2012

  • Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet ber http://dnb.d-nb.de abrufbar D 82 (Diss. RWTH Aachen University, 2012) ISBN print: 978-3-86219-322-6 ISBN online: 978-3-86219-323-3 URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0002-33235 2012, kassel university press GmbH, Kassel www.upress.uni-kassel.de Abbildung Umschlag: Zusammengestellt aus den Abbildungen 96, 25

    und 79. Nachweise s. Abbildungsverzeichnis, S. 529. Umschlaggestaltung: Jrg Batschi Grafik Design, Kassel Printed in Germany

  • Meiner Fee fr ihre Liebe,

    meinen Brdern fr ihr Blut.

    Meinen Ahnen und Nachfahren fr ihre Seele

  • 7

    Inhalt

    I. Einleitung

    1. Zielsetzung

    2. Material und Methode

    3. Grundlagen der Gehirnbewegungen

    II. Historische Darstellung der Erforschung von Hirnbewegungen

    1. Von der Antike bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts

    1.1 Retrospektive

    2. Von 1562 bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts

    2.1 Die These vom Mondwechsel als Ursache der Gehirnbewegungen

    2.2 Die These der alleinigen Sinus- oder Piaarterienpulsation

    2.3 Die These der aktiv beweglichen Dura mater

    2.4 Die Frsprecher der Gehirnbewegungen

    2.5 Retrospektive

    3. Von 1744 bis 1811: Durchbruch der Experimentalphysiologie

    3.1 Retrospektive

    4. Von 1811 bis 1920: Die Einfhrung der graphischen Methode

    4.1 1811 bis 1842: Dominanz der Monro-Kellie-Doktrin

    4.2 1842 bis 1866: Erstarken der Gegenbewegung

    4.3 1866 bis 1920: Dissemination der Forschungsschwerpunkte

    4.3.1 Zusammenhnge zwischen Schlaf und Hirnbewegungen

    4.3.2 Einfluss verschiedener Substanzen auf die Gehirnbewegungen

    4.3.3 Auswirkungen von Affekten und geistiger Arbeit auf

    die Bewegungen des Hirns

    4.3.4 Spezielle Aspekte der intrakraniellen Zirkulation

    4.3.4.1 Vergleichende Untersuchungen von Hirn und Auge

    4.3.5 Innervation der Hirngefe und Einfluss von Elektrizitt

    auf die Hirnbewegungen

    4.3.6 Hirndruck und Hirnbewegungen

    4.3.7 Exotische Erklrungsmodelle und Untersuchungsanstze

    5. Von 1920 bis heute

    5.1 Retrospektive

    III. Besprechung ausgewhlter Arbeiten aus dem Untersuchungs- zeitraum

    11

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  • 8

    1. Bird 1834

    1.1 Inhaltliche Darstellung

    1.2 Diskussion

    2. Ecker 1843

    2.1 Inhaltliche Darstellung

    2.2 Diskussion

    3. Donders & Berlin 1850

    3.1 Inhaltliche Darstellung

    3.1.1 Donders

    3.1.2 Berlin

    3.2 Diskussion

    4. Mller 1860

    4.1 Inhaltliche Darstellung

    4.2 Diskussion

    5. Fischer 1865

    5.1 Inhaltliche Darstellung

    5.2 Diskussion

    6. Leyden 1866

    6.1 Inhaltliche Darstellung

    6.2 Diskussion

    7. Salath 1876

    7.1 Inhaltliche Darstellung

    7.2 Diskussion

    8. Mosso 1881

    8.1 Inhaltliche Darstellung

    8.2 Diskussion

    9. Berger & Brodmann 1901 / 1902

    9.1 Inhaltliche Darstellung

    9.1.1 Berger

    9.1.2 Brodmann

    9.2 Diskussion

    IV. Kontexualisierung und Diskussion des Forschungsverlaufs

    V. Zusammenfassung

    VI. Ausblick

    VII. Quellenangaben

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  • 9

    1. Literaturverzeichnis

    2. Verzeichnis der Abbildungen

    Anhang A: Erklrung historischer Laborgerte

    505

    529

  • 10

  • 1. Zielsetzung

    11

    I. Einleitung Das Gehirn ist das wohl komplexeste und fr viele auch faszinierendste Organ des Kr-pers. Die Eigentmlichkeit seiner Struktur wird jedoch von der seiner vielseitigen Leistun-gen bei weitem bertroffen. Sptestens seit es als Sitz des Bewusstseins identifiziert wurde, regte das Gehirn des Menschen unzhlige Spekulationen, Mythen und Theorien sowie eine groe Anzahl wissenschaftlicher Untersuchungen an, die Erklrungen fr seine einzigarti-gen Funktionsuerungen geben sollten. Bis in die heutige Zeit sind bei weitem noch nicht alle Prozesse bekannt, die im zentralen Nervensystem stattfinden, und so wird das Hirn auch in Zukunft noch Gegenstand zahlreicher Untersuchungen sein.

    Thema dieser Arbeit ist ein Forschungszweig, der in historischen Arbeiten ber die Geschichte der Hirnforschung bislang kaum untersucht wurde: Es geht um die Erfor-schung der Hirnbewegungen, ein Thema, das heute fast kurios anmutet. Ein mglicher Grund liegt darin, dass die eigentlichen Bewegungen des Gehirns bereits seit langer Zeit mangels klinischer Relevanz nicht mehr von Interesse fr die Forschung sind. Sie sind jedoch Haupt- oder Nebenthema einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten, berwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Das spezielle anatomische Wissen war um 1800 noch sehr mangelhaft und die physiologischen Kenntnisse futen mehr auf philosophisch geprgten berlegungen als auf experimentellen Erfahrungen. Dennoch war die Wissen-schaft im Umbruch begriffen und eine Flle von Experimenten wurde unternommen, um das Wissen zu vermehren und existierende Thesen zu verifizieren oder zu widerlegen.

    Der eigentliche Wert, den die Untersuchungen der Gehirnbewegungen darstellen, ist vor Allem durch die zahlreichen daraus hervorgegangenen weiterfhrenden Arbeiten begrndet. Die Anfnge der Erforschung von Symptomen und Therapie des Hirndrucks entstammen diesem Feld ebenso wie die Messung der zerebralen Zirkulation. Des Weiteren finden sich Beitrge zur allgemeinen Kreislaufphysiologie, Physiologie des Schlafes, Epilep-sie, Pharmakologie, Neurologie, Osteopathie und sogar zur Embryologie.

    Die in Vergessenheit geratenen Arbeiten, welche der Erforschung von Hirnbewegun-gen gewidmet sind, bieten also interessante und vielseitige Mglichkeiten fr historische Untersuchungen. Da bisher noch keine Arbeiten vorliegen, in denen dieses Thema erschpfend behandelt wurde, bestand hier Forschungsbedarf. 1. Zielsetzung

    Primres Ziel dieser Arbeit ist es, die Erforschung der Hirnbewegungen historisch mg-lichst umfassend zu beschreiben und dabei zum einen die wesentlichen konzeptionellen Umbrche, zum anderen die entsprechenden Strmungen und Standpunkte unter den beteiligten Wissenschaftlern darzustellen. Der jeweilige Stand der Kenntnis und techni-schen Mglichkeiten ist dabei ebenso zu bercksichtigen, wie die oben erwhnten, parallel verlaufenden, verwandten Forschungsschwerpunkte, da diese besonders ab der zweiten Hlfte des 19. Jahrhunderts in den untersuchten Werken in unterschiedlicher Gewichtung behandelt werden.

    Es werden neben der eigentlichen Darstellung des Gesamtverlaufes der Forschungs-

  • I. Einleitung

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    front und ausgewhlter Arbeiten, welche Marksteine der Forsc