Die Wehrmacht / Oberkommando der Wehrmacht / 1940

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Der Freiheitskampf des großdeutschen Volkes.

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  • DIE WEHRMACHT Der Freiheitskampf des grodeutschen Volkes

  • Adolf HitlerDer Fhrer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht

    DIE WEHRMACHTHerausgegeben vom Oberkommando der Wehrmacht

    Der Freiheitskampf des grodeutschen Volkes

    19 4 0 VERLAG DIE WEHRMACHT BERLIN

  • DIE WEHRMACHT 1940

    Der Freiheitskampf des grodeutschen VolkesHerausgegeben vom Oberkommando der Wehrmacht

    bearbeitet von Karl FischerSchutzumschlag: Theo Matejko

    Copyright 1940 by Verjag "Die Wehrmacht", Berlin-Charlottenburg

    InhaltsverzeichnisVorwort 9

    Von Generalfeldmarschall KeitelEinfhrung 10

    Von Oberst d. G. v. Wedel

    I. KAPITEL: 18 Tage Weltgeschichte1. September 1939 11

    Von Karl FischerGewaltsame Erkundung 17

    Von Kriegsberichter Gert HabedanckDer Fhrer bei seinen Soldaten 26Vor Hela, Gdingen und der Westerplatte 29

    Von Obermaschinist de JongVom Sinn dieses Krieges 34

    Von Prof. Dr. Friedr. GrimmHinter der Hecke Krieg oder Mord ? 38Sturmfahrt auf Lemberg 41Warschau - Das Schicksal einer Stadt 49An der Bzura 60Von Gefr. Wolf GlaerBlitzkrieg im Osten 64

    Von Rolf BatheDas Heer im Kriege 72

    Von Oberst Rudolf Ritter von XylanderAn der deutsch-sowjetischen Demarkationslinie 78

    II. KAPITEL: ... gegen England. . . denn wir fliegen, denn wir fliegen gegen Engeland! 83Die deutsche Luftwaffe im ersten Kriegsjahr 94

    Von General der Flieger QuadeLuftkampf ber Moor und Heide 102So ging Zerstrer "Grenville" unter 107Ein englischer Bericht Unter Wasser lauert der Tod Minen legen, Minen suchen, Minen rumen 111. . . gejagt von deutschem U-Boot 116

    Ein U-Boot-Kommandant erzhlt

    5

  • III.KAPITEL: Vor den BunkernSphtrupp, die ersten am Feind 122So wurde es gebt . . . Sturm auf ein feindliches Panzerwerk 126Schnitt durch ein Werk der Maginot-Linie 131Im Vorfeld Zwischen Westwall und Maginot-Linie 132Der Offizier von heute 137

    Von Oberstleutnant MatthaeiEine Division in Stellung Schematische Zeichnung 142

    IV. KAPITEL: Feldgraue NordlandfahrtDie Gangster vom Jssingfjord 145

    Von Kapitn Heinrich Dau, seinerzeit Kommandant der Altmark. . . wenn sie schieen, werden wir uns in einen feuerspeienden Vulkan verwandeln ... 156

    Von Oberleutnant z. S. Grosser und Leutnant z. S. SchmoeckelKampf und Ende des Kreuzers Blcher 162

    Von einem, der dabei war.Auf den Fersen der flchtenden Tommies 169

    Aus dem Tagebuch eines MitkmpfersNarvik Wir kmpften unter dem Polarhimmel 180

    Von einem ZerstrerkommandantenAuf U-Boot-Jagd 190Die Kriegsmarine im ersten Kriegsjahr 192

    Von Konteradmiral GadowDas Seegefecht bei Jan Mayen 200

    V.KAPITEL: Die Stunde des entscheidendsten Kampfes Der Tagesbefehl vom 10. Mai 1940 202Der Feldherr 206

    Von Reichspressechef Dr. DietrichFallschirmjger ber Rotterdam 212

    Von Kriegsberichter Fritz KrauseEben Emael 220Kamerad Sanittssoldat 225Bei Sedan ber die Maas 226

    Aus einem Tagebuch

    6

    So kam es zur Vernichtungsschlacht Vier Karten 234Die Kapitulation Belgiens Armee streckt die Waffen 235Dnkirchen Englands "siegreiche" Flucht vom Kontinent 238Schnellboot 246"Renate" schweigt . . . Nachrichtentrupp bei Kobelmont 247

    Aus einem Tagebuch.

    X-Uhr= Angriffsbeginn Der Durchbruch durch die Weygand-Linie 250Von Gefr. Treffz-Eichhfer

    Reitersphtrupp vor Paris 262Aus einem Tagebuch

    Eine reitende Batterie 266Paris! 268Die Brcke Aristide Briand Durch tausend franzsische Bajonette nach Vichy 271Und wir ziehen stumm ... 274Wir brechen durch die Maginot-Linie In der Hlle von Hollving-Saaralben 276 Von Oberleutnant Dr. Eichenlaub

    Sonnenwende in Compigne 285Von Major H. Martin

    Schweres Geschtz im Kampf 292Der Sieg 293

    Von Oberstleutnant Dr. Hesse

    Zum Generalfeldmarschall ernannt 303Beruhigt euch, er kommt! 304Das Portrt des Sturzkampffliegers 305Abschu ber Le Havre 306Deutsche Flugzeuge ber London 307Flammen sperren den Himmel 310PK-Berichterstatter? Soldaten! 312. . . den Helm fester binden! 314Es geschah 315Bildvermerke 318

    Zeichnungen von Theo Matejko, PK - E. Erdmann, Strobel, PK-Raebiger, Erwin Pohl, Janesch.

    7

  • Von hier und von heute geht eine neue Epoche der Weltge-schichte aus, und Ihr knnt sagen, da Ihr dabei gewesen seid,schrieb Goethe whrend der Kanonade von Valmy im Jahre1792.

    Goethe hat den Verfall jener neuen Epoche der Weltge-schichte nicht erlebt. Das wahre neue Zeitalter ist heute ange-brochen, und wir sind glcklich, da wir dabei gewesen sind.

    Es ist ein Mann, ein einziger, der das alte Zeitalter strzteund das neue schuf, der Fhrer und Oberste Befehlshaber derWehrmacht, der Mann, der in dem historischen Tagesbefehlvom 10. Mai 1940 seinen Soldaten zurief: Der heute begin-nende Kampf entscheidet das Schicksal der deutschen Nationfr die nchsten 1000 Jahre.

    Eine sptere Zeit wird erst ganz ermessen und wrdigenknnen, was Deutschland, sein Fhrer und seine Soldaten seitdem 1. September 1939 geleistet haben. Was sie erreicht haben,das wissen wir jedoch schon heute

    das ewige freie Grodeutschland.

    Generalfeldmarschall

  • Einfhrungvon Oberst d. G. v. Wedel.

    Ein Jahr Krieg hat durch das Genie des Fhrers der Wehrmacht des GrodeutschenReiches einzigartige militrische Erfolge gebracht. Nicht ordinre Siege wurden er-rungen, sondern Vernichtungsschlachten in einem bisher unvorstellbaren Ausmasind geschlagen worden. Der Sieg der deutschen Waffen beruht auf der Einheit derpolitischen und militrischen Fhrung, in der hchsten Spitze verkrpert durch diePerson des Fhrers, und auf dem Zusammenwirken der Wehrmachtteile undWaffengattungen.

    Dieser Zusammenklang von Fhrung und Truppe, der Wehrmachtteile untereinan-der, von Front und Heimat bildet den Pulsschlag des gesamten gewaltigen Gesche-hens unserer Tage.

    Das Bewutsein dieser Einheit des Handelns und Denkens gibt dem gesamten Volkimmer wieder neue Kraft, festigt den Glauben an den Endsieg.

    Halten wir uns diese Tatsachen immer wieder vor Augen.Die vom Oberkommando der Wehrmacht herausgegebene Zeitschrift Die Wehr-

    macht hat sich seit ihrer Grndung in den Dienst der Wehrmacht und der Wehrhaf-terhaltung des ganzen Volkes gestellt. In Wort und Bild war sie ein getreuer Spiegelder von Jahr zu Jahr wachsenden deutschen Rstung; schon im Frieden und ganz be-sonders im Kriege legte sie Zeugnis ab von der Wucht des Gesamtgeschehens, beson-ders aber von dem Zusammenwirken der Wehrmachtteile unter der genialen Fhrungihres Obersten Befehlshabers.

    So entstand eine gewaltige Sammlung von Stoff, von richtungweisenden Aufstzenund Bildern von zum Teil einzigartigem Wert, und es ergab sich ganz von selbst derGedanke, die wertvollsten und dokumentarischsten Beitrge in Buchformzusammenzufassen.

    Der erste Band umfat die Zeit vom 1. September 1939 bis 31. August 1940. Seit demvorigen Jahr hat sich die Perspektive immer weiter geffnet, so da dieses Buch, daserste in einer Reihe alljhrlich erscheinender Werke, auch in rckschauender Betrach-tung das glnzendste Kapitel der deutschen Kriegsgeschichte, ja der Kriegsgeschichteschlechthin, in seinem Inhalt widerspiegelt.

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    I. KAPITEL

    18 Tage Weltgeschichte1. September 1939 Von Karl Fischer

    Streift uns auch jetzt, in diesen letzten Tagen des August 1939, wieder nur der Kriegmit der Spitze seines Flgels, wie damals, als die Ostmark sich dem Reich anschlo, alsdie Sudetendeutschen an die Pforten des Reiches klopften, als die damalige Tschecheidas Reich um seinen Schutz bat?

    Monate ist die deutsch-polnische Spannung alt. Seit Monaten haben jenseits unsererstlichen Grenzen die Fanatiker eines greren Polens die Oder als polnischeGrenze verlangt, seit Monaten haben sie bekmpft, mihandelt, verschleppt,erniedrigt, gefoltert, gettet jene Deutschen, die das Diktat von Versailles vor zwanzigJahren den Polen in die Arme jagte, seit Monaten zieht man drben, jenseits der Gren-ze, einen Jahrgang nach dem anderen ein, denn man hat ja die Garantien Englandsund Frankreichs gegen Deutschland in der Tasche, und was ist schon Deutschland ge-gen ein Polen, das England und Frankreich die Welt zu seinen Verbndetenzhlen darf?Zwischenflle in Danzig, Verfrachtung polnischer Soldaten, Beamter, sogenannter Zi-vilpersonen auf die den Polen vorbehaltenen Gelnde und Gebude der Freien Stadt,Mihandlung von Volksdeutschen 38 Flle sadistischer Roheit zeichnet ein Beamterdes Auswrtigen Amts allein am 20. August auf , Erntefest mit blanken Messernals polnische Parole fr den 28. August, Transporte von Infanterie aus Graudenz,Thorn und anderen Garnisonen nach Dirschau, in Zivil natrlich, damit wir nicht zufrh bemerken, was sich drben abspielt. . .Das ist die Situation im August, und sie nimmt schroffste Formen an, als polnischeFlugzeuge die Grenze berfliegen, polnische Flak auf Hela und in Gdingen deutscheVerkehrsmaschinen unter Feuer nimmt, 70.000 Volksdeutsche ber die Grenzen Po-lens in das Reich fliehen.So sieht es aus, als Wehrmacht und Volk des Grodeutschen Reiches sich anschicken,auf Ostpreuens Schicksalsboden die 25jhrige Wiederkehr der Schlacht von Tannen-berg zu feiern.Diese Feier findet nicht statt, verlassen bleiben die Lager und die Tribnen, die fr denGedenktag errichtet wurden; Deutschland hat andere Sorgen, die feierlich geschmck-ten Felder und das Ehrenmal von Tannenberg warten vergeblich auf ihre Gste; manbegegnet nur feldgrauen Soldaten, jungen und alten . . .

    Die Bewhrungsprobe fr Wehrmacht und Volk beginnt.

    11

  • Das schlug der Fhrer Polen vor: RckgabeDanzigs an das Reich, Volksabstimmung imKorridor auer in Gdingen, exterritoriale Bah-nen und Autostraen je nach dem Ausfallder Abstimmung.

    Seit einer Stunde ist in Polendurch Anschlag die allgemeineMobilmachung befohlen wor-den. Erster Mobilmachungstagist der 31. August ... telepho-niert am 30. August, nachmit-tags um 17 Uhr 30, der deutscheGeschftstrger in Warschau anseine Regie rung.

    Sechseinhalb Stunden spterberreicht der britische Bot-schafter Hen-derson demReichsminister des ueren einMemorandum der britischenRegierung. Darin heit es, dieHeuchelei wird hinter allen Ris-sen der diplomatischen Tnchesichtbar, da es EnglandsWunsch sei, den Frieden zubewahren:

    ,,. . . die Regierung Seiner Bri-tischen Majestt erkennt voll an, da bei der Aufnahme der Verhandlungen (zwischenDeutschland und Polen) Eile geboten ist, und teilt die Befrchtungen des Herrn Reichs-ministers, die sich aus dem Umstand ergeben, da zwei mobilisierte Armeen sich in al-lernchster Nhe gegenberstehen . . .

    Deutschland hat nicht mobilisiert, sondern durch Verstrkung seiner jungen Wehr-macht lediglich dafr gesorgt, da der polnische Grenwahn nicht ungestraft an diedeutsche Grenze rhren kann.

    Die deutsche Regierung wnscht den Frieden. Sie hat sich trotz der wachsendenSpannung des deutsch-polnischen Verhltnisses bereit erklrt, bis zum Abend des 30.August einen bevollmchtigten Beauftragten der polnischen Regierung zu empfangen.

    In der Wilhelmstrae wartet man vergeblich, der polnische Vertreter bleibt aus. Da-fr trifft um diese Zeit die Nachricht von der polnischen Mobilmachung ein.

    Die Wrfel sind gefallen ...*

    Es ist der 31. August, abends 21 Uhr. Der Wagen des Botschafters Seiner BritischenMajestt fhrt in den Ehrenhof der Reichskanzlei ein, Die Regierung des DeutschenReiches hat keine Veranlassung mehr, dem Vertreter der Britischen Regierung irgendwelche Mitteilungen zu machen, da Verhandlungsgrundlagen zwischen

    12

    Der britische Botschafter Sir Neville Henderson ver-lt die Reichskanzlei nach seiner letzten Unterre-dung mit Auenminister von Ribbentrop. Er kenntjetzt die deutschen Vorschlge, aber indem er sienicht weitergibt, wird er zum Mitschuldigen am Krieg.

    Deutschland und Polen nicht mehr vor-handen sind.

    Trotzdem wird zu spter Stunde dembritischen Botschafter noch einmal Gele-genheit gegeben, die Vorschlge kennen-zulernen, die Deutschland Polen zu ma-chen gedacht hat. Sir Neville Hendersonnimmt sie zur Kenntnis und erfhrt, dasich bis zum vorletzten Abend vor demBeginn des Krieges kein polnischer Un-terhndler gemeldet hat.

    Die Unterredung ist zu Ende.Sein Wagen setzt sich in Bewegung

    und rollt der britischen Botschaft an derEcke Wilhelmstrae und Unter den Lin-den zu. Noch hat der Botschafter dieMglichkeit, den Frieden zu retten undeine Minute vor zwlf Polen zur Umkehrzu bewegen. Er tut es nicht, weil ihmdie deutschen Vorschlge zu schnell vor-gelesen seien, als da er sie ganz htteverstehen knnen.

    Drei Tage spter wird er Berlin verlas-sen haben und in London um schweres Geld seine Erlebnisse in Nazi-

    So stellte sich Polendas knftige

    Deutschland vor:Eine in Polen zu vie-len Tausenden ver-breitete Hetzskizze.

    die das deutscheVolk auf eine kleine

    Reservation im u-ersten Westen

    Deutschlands be-schrnkt wissen

    wollte

  • Deutschland an einen englisch-amerikanischen Verlag verkau-fen, und darin wird man lesenknnen, da er sehr wohl ver-standen hat, was Deutschlanddamals, am Vorabend des Krie-ges, Polen vorschlug.

    Es ist das letztemal, da derVertreter des Hauptschuldigenam Kriege sich mit einem Mit-glied der Deutschen Reichsre-gierung im letzten Atemhauchdes Friedens unterhaltenkonnte.

    Eine Woche zuvor, am 23.August 1939, durfte dieserselbe Sir Neville Hendersonauf dem Obersalzberg vor demFhrer des Grodeutschen Rei-ches stehen. Er durfte hren,da er, der Fhrer, bei dem ge-ringsten polnischen Versuch,noch weiterhin gegen Deutscheoder gegen Danzigvorzugehen, sofort eingreifenwerde und da eine Mobilma-chung im Westen mit einerdeutschen Mobilmachung be-antwortet werden wrde.

    Henderson: Ist das eineDrohung?

    Der Fhrer: Nein, eine Schutzmanahme!In dieser Schicksalswoche Europas also wute Henderson, worum es ging, und

    ebenso wute es Polen. Aber Henderson reiste aus Deutschland ab, um seine Memoi-ren zu schreiben, statt den Frieden zu retten. -

    Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Unter stillschweigender Duldung Englands undFrankreichs gibt die Fhrung der polnischen Soldateska die letzten Hemmungen auf die deutsche Grenze wird verletzt. In der Nacht zum 1. September schieen polnischeSoldaten zum erstenmal auf deutschem Boden gegen deutsche Soldaten.

    Vor dem deutschen Reichstag vom 1. September 1939 spricht der Fhrer. Er schildertdie Entwicklung der letzten vier Monate, er erinnert an die Warnungen, die er immerund immer wieder an die Adresse Polens und dessen garantierende Freunde, an dieKriegshetzer und Einkreiser gerichtet hat.

    14 .

    Er erinnert an die Friedensvor-schlge, die am Tag zuvor durcheine amtliche deutsche Mittei-lung dem deutschen Volk be-kannt geworden sind: eine Ab-stimmung im sogenannten Korri-dor unter der Aufsicht der vierMchte England, Frankreich, Ita-lien und der Sowjetunion, An-schlu Danzigs an das Reich, Be-lassung Gdingens bei Polen ohneRcksicht auf die Abstimmung,Schaffung exterritorialer Straenund Bahnen nach Ostpreuenoder Gdingen je nach dem Aus-fall der Volks-abstimmung . . . Es sind Vorschlge, grozgiggenug, um dem deutschen Volkden Atem zu nehmen. Polen hat nicht gewollt, Eng-land und Frankreich haben nichtgewollt - sie haben den Krieggewhlt.

    Ganz Deutschland, das Volkund seine Wehrmacht, ganz Eu-ropa, die Welt sitzen an diesemgeschichtlichen 1. September amLautsprecher und hren die Rededes Fhrers und seine Worte:

    Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zu-rckgeschossen! Und von jetzt abwird Bombe mit Bombe vergol-ten . . .

    Der Krieg beginnt. Unser Heer-lager im Osten setzt sich inBewegung.

    Ein neues Zeitalter fngt an ...

    *

    Der damalige Ministerprsident Chamberlainbei einer Rundfunkansprache zu Beginn desKrieges.

  • Der 1. September 1939, 5.45 UhrPolen hat nun heute nacht zum erstenmal auf unserem ei-genen Territorium auch durch regulre Soldaten geschos-sen. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurckgeschossen, und vonjetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten! . . . (Aus der Reichstagsrede des Fhrers vom 1. September1939)

    Der deutsche Heerbann berschreitet die stliche Grenze.

    16

    Gewaltsame Erkundung

    Dorfrand Zakroczym Von Kriegsberichter GertHabedanckIm September

    Mein Wagen wird frontfertig gemacht; die Reifen erhalten berdruck, ich bekomme20 Liter Benzin in Kannen und 5 Liter l als Reserve, und dann ab Richtung Przasnysz,wo meine Kompanie stehen soll.

    Nach halbstndiger Fahrt passiere ich die Sperren von Mlawa. Noch sieht man hierdie polnischen Bunker, die den deutschen Vormarsch aufhalten sollten. Ein paarWerke sind durch Artillerie angeschossen, andere sind berhaupt mitten im Bau vonden Polen verlassen worden. Unsere Truppen hatten die Bunkerlinie durch Umgehungim ersten Ansturm genommen.

    Mlawa liegt jetzt zu drei Vierteln in Schutt und Asche. Juden stochern in zerstrtenHusern herum. ber allem liegt die unbestimmbare und erregende Atmosphre desKrieges.

    Die Strae nach Prza-snysz istschlecht. Schlagloch reiht sich anSchlag loch; der Wagenschwankt wie ein Boot auf bigerSee. Links und rechts verbrannteGehfte. Eine gesprengte Brckehlt mich auf. Ich biege mit demWagen von der Strae und ge-ra-te in knietiefen Sand. Ein pol-nischer Bauer hilft mir, den Wa-gen flottzumachen. Es wirdAbend. In der Wohnung einespolnischen Zahnarztes in Plonskmache ich Quartier. Das Sofaklebt vor Dreck, aber es istweich, und ich schlafe ein, bevorich mich einmal umgedreht habe.

    *

    Abfahre Richtung Kanonen-donner.

    Ich frage mich nach dem

    Es regnet in Strmen. In Erdlchern, durcheine Zeltbahn nur sprlich ge-schtzt, verbrin-gen wir den Tag und die Nacht vor dem ange-setzten Erkundungsunternehmen.

  • nchsten Gefechtsstand durch und hre, da der Abschnitt, in dem ich mich befinde,von dem Bataillon X. gehalten wird. Hier bleibe ich, da es zu spt geworden ist, ummeine Kompanie zu erreichen. Auf einem Bauernhofe esse ich mit meinen Kameraden.Ein paar Schweine umlagern unseren Tisch. Der Gefechtsstand des Bataillons befindetsich unten in einem Kartoffelkeller . . .

    Bin bei der 3. Kompanie. Sie erhlt Beschu vom Rand des Ortes Zakroczym, dreiKilometer westlich von Modlin. Die Mnner haben sich in dem schluchtenreichen Ge-lnde eines polnischen Exerzierplatzes eingegraben. Der rechte Flgel des Kampfab-schnittes lehnt sich an die Weichsel. Das hohe Ufer gewhrt einen weiten Blick ber dieFluniederung.

    Die Verpflegung ist gut; an jeder verbrannten Hofstelle treiben sich Hhner in Scha-ren herum, die nach und nach in die Kochkessel wandern.

    Fr den Anbruch der ersten Morgendmmerung ist eine gewaltsame Erkundung an-gesetzt. Ich lasse mich einem Sphtrupp zuteilen.

    Ab 20 Uhr vorbereitender Feuerberfall auf Zakroczym. Das gesamte Dorf brennt rotlodernde Wolken heben sich gegen den Abendhimmel, in dicken Schwaden verliertsich der Rauch am Horizont. Ein phantastischer Anblick! Das brennende Dorf, die Ein-schlge unserer Granaten, die weien Leuchtkugeln jenseits der Weichsel. . .

    Der uerste Gefechtsposten vor dem Dorf Zakroczym. In ihren Tarnjacken sind die Posten kaum von dem lehmigenBoden Polens zu unterscheiden.

    Rechts: Ein Gefechtsstand in einer Schlucht der Weichselniederung bei dem Dorf Zakroczym.

  • Mit Sicherheit ist die erste Linie der Polen nicht zu ermitteln.Von 4.30 Uhr bis 6 Uhr ist absolute Feuerpause angesetzt, damit die Sphtrupps

    nicht gefhrdet werden knnen.Es regnet. Meine Feldbluse ist ziemlich durchgeweicht. Wir sitzen lange dicht zu-

    sammengedrngt in unseren Erdlchern. Der Feuerschein des brennenden Dorfes wirftab und zu ein flackerndes Licht auf den Gefechtsstand der Kompanie.

    Um 21 Uhr bringt ein Vorposten zwei deutschsprechende berlufer. Sie erzhlenvon der schlechten Stimmung drben, von dem miserablen Essen; von der militri-schen Gesamtlage haben sie keine Ahnung. Unser Artilleriefeuer liegt gut, eben seien,erzhlt der eine Pole, neben ihm ein Mann gefallen und drei verwundet worden.

    Mit ihren Aussagen knnen wir nichts anfangen. Einer der beiden Gefangenen wirdzwecks weiteren Verhrs zum Regiment geschickt.

    Ich lasse .mir ein paar Episoden der letzten Tage erzhlen. Hre von dem Durch-bruchsversuch einer polnischen Batterie, die im Galopp gegen die deutschen Linien an-ritt. Auf 50 Meter wurde sie angeblendet und vllig vernichtet. Ein frchterlichesChaos von Menschen, Geschtzen, Protzen und Pferden war alles, was von der Batte-rie brigblieb. Ich hre von den schweren Verlusten durch die Heckenschtzen, vonder Verpflegung eines Abschnitts, dem der Tro weggeschnappt worden war, durchsieben Junkers-Transportmaschinen, von der Erbeutung vierzehn startfertiger Flugzeu-ge, die den Unsern in die Hnde fielen, als sie nach einer notgelandeten Maschinesuchten . . .

    Es ist inzwischen vllig dunkel geworden.22 Uhr: Die vier Sphtruppfhrer treffen ein. Mordskerle, alles Bayern. Der Kompa-

    niechef W. trgt bereits das neugestiftete EK. Er unterrichtet die Sphtruppfhrer bisins kleinste.

    Ich werde dem Unteroffizier F. zugeteilt.W. gibt als Ziel aller vier Trupps den jenseitigen Dorfrand an; nach 90 Minuten soll

    jeder Trupp in seine Ausgangsstellung zurckgekehrt sein.W. ist guter Dinge. Er rechnet mit schwachem Widerstand.Ich krieche zum FlaMG-Zugfhrer ins Erdloch. Von Schlafen ist einstweilen keine

    Rede. Immer wieder MG- und Artilleriefeuer. Dann aber fallen mir die Augen zu, undich penne trotz der Sauklte ein.

    *

    3 Uhr 55: Wecken. Es ist stockfinster. Ich taste mich mit W. zu Unteroffizier F. DieMnner sind schon angetreten.

    Der letzte Feuerberfall ist noch im Gange. Es wird mit Kaliber 7,5 und 10,5 und mitFlaMG geschossen.

    Wir machen uns auf den Weg und passieren den uersten Vorposten. Der Nach-bartrupp hat zunchst denselben Weg, der durch eine Schlucht fhrt. Jeder Trupp istvier Mann stark. Ein lMG begleitet uns auf einige 100 Meter, um in der Schlucht zu si-chern, durch die wir vorgehen sollen. Einzeln im Laufschritt los. Es wird langsam hell,und wir erhalten das erste Feuer. Deckung am Rande der Schlucht. . . Uns allen klopftein wenig das Herz, nur W. ist die Ruhe selbst.

    20

    Durch einen Feuerberfall leichter Artillerie wird das fr den kommenden Morgen angesetzte gewaltsame Erkundungs-unternehmen vorbereitet.

    Sprung auf! Weiter geht es in der Schlucht vorwrts. Von einem freien Platz aus se-hen wir die Weichselniederung im ersten Morgenlicht aufblitzen. Links zweigt eineneue schmale Schlucht ab. An der Ecke steht ein einzelnes weies Haus, von dem einschmaler Sandweg ins Dorf fhrt. Rechts und links acht Meter hohe steile Hnge. Wirverschwinden in diesem Hohlweg.Pltzlich klatschen MG-Garben ge-gen unsere Wand. Wir springen auf

    Zwei polnische Gefangene werden verhrt. Einervon ihnen bemht sich, an Hand einer Karte diepolnischen Stellungen anzugeben. Was wir er-fahren, ist jedoch sehr unbedeutend; wir hrennur, da das vorbereitende Feuer unserer Artille-rie nicht ohne Wirkung geblieben ist. Wie dieLage wirklich ist, werden wir nur durch das Un-ternehmen selbst feststellen knnen.

  • Das Erkundungsunternehmen beginnt. Vorsichtig geht der Sphtrupp, gedeckt durch Zune, Hecken und Strucher,vor. Den eigentlichen Verlauf des Erkundungsunternehmens im Bilde festzuhalten, verbot sich aus naheliegendenGrnden.

    die gegenberliegende Seite. Alles liegt auf der Schnauze. W., der uns nur wenige hun-dert Meter begleiten wollte, ist immer noch bei uns.Vier Meter vor mir eine Detonation. Irgendeiner brllt laut auf. Ich ziehe mich mit eini-gen Mnnern hinter mir zum Haus zurck.Sch. ist verwundet. Handgranatensplitter an der Brust. Ein anderer hat einen Splitter indie Backe bekommen. Sch. wird zum Haus zurckgeschleift. Mit mir ist's aus! sthnter. W. ist ganz ruhig: Red keinen Unsinn, du Bldian, kleiner Streifschu, sonst nix!

    Jawoll!, und auch Sch. wird ruhig.Friedel, befiehlt W., das Nest da oben wird ausgerumt!Unteroffizier F. saust auch schon die Bschung hoch. Zwei Mann folgen ihm. Wir

    hren Handgranaten und wildes Schieen. Aus der rechten Flanke patschen einzelneSchsse. Da kommt Friedel auch schon in langen Stzen zurck:

    Der ganze Graben ist oben voll!W. schreit: Runter die beiden anderen!In langen Stzen kommt der nchste den Hang herunter. Als dritter springt L. Er

    macht einen letzten Satz zu uns um die Ecke des Hauses, will melden . . . dann rollt erdirekt vor mir in sich zusammen.

    W. wirft einen kurzen Blick auf ihn. Kopfschu!, sagt er kurz.L. rhrt sich nicht mehr.Zu dritt, dann zu viert, schleifen wir L. Nur einer von den Verwundeten kann allein

    gehen.

    22

    L.'s Stahlhelm bleibt irgendwo hngen und wird abgerissen. Wir knnen uns nichtmehr darum kmmern. Weiter!

    Wir lsen uns von dem Haus. Neben uns klatschen Einschlge in den Sand. Wir set-zen uns in Trab. Vor mir verliert Sch. seine Pistole. Ich hebe sie auf. Mit der Rechtenschleife ich L. weiter an der Hand. Sie ist blutig und meine Hand gleitet ab. Immerwieder mu ich nachfassen.

    Der Kamerad, der rechts von mir luft, bekommt einen Wadenschu, fllt vornberund schleift sich auf dem Bauch weiter.

    Auch Sch. kann nicht mehr. W. ldt ihn sich allein auf die Schultern. Ich helfe ihm.Rings um uns schlagen unaufhrlich die Geschosse in den Sand.

    Ich bin na vor Schwei, meine Knie zittern . . . Endlich die erste Deckung. Ich lassemich erschpft hinfallen.

    W. mit ganz ruhiger Stimme: Kinder, diesmal sind wir abgeschmiert. Aber lat nur,das nchste Mal wird's anders.

    Wir kommen an die Vorpostenlcher. Es ist ziemlich hell geworden, und die Mn-ner sehen uns kommen. In langen Stzen springen sie aus ihren Lchern und helfentragen und ziehen.

    Wir sind wieder zurck. Auf W.'s Gesicht scheint das Lcheln erstarrt zu sein. Ergeht zu den Verwundeten und macht solange Scherze, bis sie endlich den Mundverziehen.

    Es ist 6 Uhr.

    Ein Kamerad ist verwundet. Unter dem Feuer des Feindes wird er ber eine Bschung getragen, die unsereStellung deckt.

  • Vor dem feindlichen Feuer geschtzt, wird der verwundete Kamerad von uns zum Verbandplatz getragen.Glcklicherweise sind seine Verletzungen ein Schu ins Bein nicht schwer.

    Pltzlich wieder Bewegung bei den Vorposten. Ich sause an die steile Bschung vorder Weichselniederung. Drben in den Weidenbschen schleifen drei Mann einen vier-ten heran. Mhselig geht es im feindlichen Feuer die steile Bschung herauf. Es ist dervierte Sphtrupp, der in seiner Ausgangsstellung eintrifft. Sphtruppfhrer R. ist gefal-len. Spter sehe ich ihn vom vordersten Loch aus im feindlichen Draht hngen. ZweiMann sind verwundet. G., den sie eben die Bschung heraufziehen, hat einen Bauch-schu abbekommen, aber anscheinend ist der Schu nur durch die Muskeln gegangen.Er hat sich fabelhaft gehalten. Nachdem er seinen Schu weghatte, hat er noch eineHandgranate abgezogen und in den feindlichen Graben geworfen.

    Es sind prachtvolle Kerle, einer wie der andere.Im Gefechtsstand der Kompanie nimmt der Bataillonskommandeur die Meldung

    24

    entgegen: Starke feindliche Stellung vor dem Dorf, die Polen leisten zhen Widerstand!

    Heute nacht, whrend ich dies schreibe, machen sich W. und F. auf, um den gefalle-nen R. zu holen, der tot im feindlichen Draht hngenblieb. Bis auf 30 Meter mssen siean den polnischen Graben heran . . .

    Einen Tag spter

    Eben erhalte ich Nachricht von meinen Kameraden. Sie haben es geschafft und R.aus dem feindlichen Draht geholt. Sie haben noch mehr getan: In einem zweiten Unter-nehmen haben sie die feindliche, weit berlegene Stellung aufgerollt. Diesmal sind sienicht abgeschmiert, und ob der Pole sich noch so verzweifelt wehrte, es half ihm nichts. . .

    Verwundetentransport

    25

  • Der Fhrer bei seinen SoldatenMein ganzes Leben gehrt von jetzt ab erst recht meinem Volk! Ich will jetzt nichts

    anderes sein als der erste Soldat des Deutschen Reiches!Ich habe damit wieder jenen

    Rock angezogen, der mir selbstder heiligste und teuerste war.Ich werde ihn nur ausziehennach dem Siege oder ichwerde dieses Ende nichterleben!"

    Diese Worte sprach der Fh-rer und Oberste Befehlshaberder Wehr-macht am 1. Septem-ber 1939 vor dem DeutschenReichstag, als die Wrfel gefal-len waren und seit dem frhenMorgen die deutsche Wehr-macht die Reihe glanzvollerTaten einleitete, die in 18 Tagendie polnische Armee und denpolnischen Staat vernichteten.

    Der Fhrer begab sich, imfeldgrauen Rock, selbst an dieFront. Unsere Bilder zeigen ihnbei seinen Soldaten; bei derLuftwaffe beglckwnschte er

    die ersten Flugzeugbesatzungen, die sich in dem siegreichen Kampf um dieLuftherrschaft im polnischen Raum ausgezeichnet hatten.

    Mit seinen Soldaten nahm der Fhrer aus der Feldkche die Mahlzeiten ein (Bildlinks). Auf dem Weg in die vordersten Linien begegnete er immer wieder den unendli-chen Kolonnen polnischer Gefangener, den passiven Zeugen der deutschen Siege (Bildoben).

    In Lodz fuhr der Fhrer am gleichen Tage ein, an dem der britische Rundfunkglaubte melden zu knnen, da Lodz von den Polen zurckerobert worden sei (Bildunten).

  • So wurde der polnische Grenwahngezchtet! Plakate, wie sie im Som-mer 1939 berall in Polen den demdeutschen Soldaten haushoch "ber-legenen" Polen darstellen sollten.

    Vor Hela, Gelingen und der WesterplatteVon Obermaschinist de Jong

    Danzig-Neufahrwasser, im September 1939, 4.40 Uhr.Leichter Nebel liegt ber dem Hafen und den Husern von Neufahrwasser. Das Li-

    nienschiff Schleswig-Holstein hat seinen Liegeplatz verlassen und fhrt in der Mitteder Weichselmnde auf die Westerplatte zu, einst Danzigs beliebtestes Volksbad, seit1920 ein zur Festung ausgebauter Munitionslagerplatz der Polen.

    Alle Mann an Bord stehen auf Gefechtsstationen. Unser Schiff ist nur noch 100200m von der Westerplatte entfernt. Wie ein Ruck geht es durch uns die Feuerglockenschrillen durch das Schiff: Salve! Gewaltige Detonationen folgen. Granate auf Gra-nate jagt aus den beiden 28er Rohren des vorderen Turmes und den 15er Rohren derKassemattgeschtze. Es ist, als sei die Hlle, los. Ununterbrochen quellen dicke braun-gelbe Pulverwolken aus den Mndungen und hllen unser Linienschiff ein, aus demmeterlange gelbrote Feuerstrahlen schlagen. Wie flammende Meteore ziehen die Ge-schogarben der Leuchtspurmunition ihre Bahnen.

    Gewaltige dickschwarze Rauchwolken steigen auf der Westerplatte auf. Eisen, Stei-ne, Dreck und Holz fliegen durcheinander, lichterlohe Flammen schlagen empor; dieAnlagen der Hafenfhre und das Werftgelnde brennen.

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  • Kampf vor Gdingen, heute Gotenhafen. Der Einschlag einesfeindlichen Geschosses liegt dicht, aber unschdlich vorSchleswig-Holstein.

    Sechs Minuten nur hat das mrderische Feuergedauert. Langsam fahren wir zurck. Manknnte meinen, auf der Westerplatte wrenjetzt alle Lebewesen vernichtet. Die dem Schiffzugeteilte Stotruppkompanie dringt ber diezerschossene Mauer in den Wald der Halbin-sel ein. Vereinzelte hohlklingende Gewehr-schsse, dann rasendes Maschinengewehrfeu-er, Handgranatendetonationen . . . Aufgereg-tes Maschinen-gewehrfeuer aus den festungs-artigen Bunkern des Gegners hlt den Sto-trupp auf.Wir treffen die Vorbereitungen zu neuem An-lauf. Danzig ist deutsch, hren wir ebennoch durchs Radio; da heit es auch schonwieder Artillerie klar zum Feuern! Wiederschrillen die Feuerglocken: Salve! Salve! Sowie jetzt konnte unser Schiff noch nie gefeuerthaben, auch nicht in der grten Seeschlachtaller Zeiten, am Skagerrak. Eine Breitsalvenach der anderen jagt hinber. Jeden Einschlagknnen wir beobachten. Die Granaten der 8,8Flakgeschtze detonieren in den Baumgipfelndes dichten Waldes, um die Baumschtzen

    Ein Infanteriegeschtz whrend des Kamp

    Nach einigen Salven beginnt die Westerplatte zu brennen.

    herunterzuholen. berall rollen die gelben Messingkartuschen an Deck herum. Schwe-lende Pulvergase ziehen ber Schiff und Meer.

    Tagelang dauert der Kampf; Stuka und Pioniere greifen ein, bis es dem Gegner end-lich in seinen betonierten Rattenlchern zu hei wird.

    Die Besatzung der Westerplatte in Danzig hat sich ergeben, meldet am 8. Septem-ber 1939 der Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht; das ganze Danzig ist jetztdeutsch. Am 20. September folgt Gdingen, der polnische Kriegshafen an der Ostsee,das heutige Gotenhafen, am 1. Oktober fllt Hela, der letzte Sttzpunkt des polnischenWiderstandes.

    Das Feuer der Schleswig-Holstein hat das Gehlz an der Westerplatte so vernichtet, da man sich in den ArgonnerWald whrend des Weltkrieges versetzt glauben konnte.

  • Warum?Bilder wie dieses, gewhnlich sogar gestellte Aufnahmen, die an die Sentimentalitt appellieren und den Ha gegenDeutschland schren sollten, erschienen zur Zeit des Polenkrieges in zahlreichen Zeitschriften des Auslandes, nament-lich des neutralen, soweit es englandhrig war. Alle diese Zeitschriften vergaen aber hinzuzufgen, da -----------

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    Darum!---------- die polnischen Machthaber schon vor dem Ausbruch des Krieges ihr Volk zum Krieg gegen alles Deutsche auf-riefen, und da dieser Propaganda nicht weniger als 58.000 Volksdeutsche in Polen zum Opfer fielen, die von der polni-schen Bevlkerung in bestialischer Weise hingemordet wurden. Unsere Aufnahme zeigt zwei Deutsche, die von Polenerschlagen wurden.

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  • Vom Sinn dieses KriegesVon Professor Dr. Friedrich Grimm

    Wenn man den Sinn eines Krieges begreifen will, mu man die Ereignisse inden Rahmen der Geschichte stellen. Denn es ist ein geschichtlicher Vorgang,der sich heute vollzieht. Das hat Adolf Hitler wie kein anderer erkannt. In sei-nem Lebensbuch Mein Kampf setzte er auf den ersten Seiten seinem Ge-schichtslehrer ein rhrendes Denkmal der Dankbarkeit. Ich lernte, soschreibt Adolf Hitler, Geschichte ihrem Sinne nach begreifen.

    Ideen sind es, die das Leben der Vlker bestimmen. Man hat sie auch fixeIdeen genannt, weil sie wie unabnderbare Gesetze durch die Jahrhunderteihre Gltigkeit zu behalten scheinen.

    Zwei Ideen haben vor allem die Geschichte des modernen Europa bestimmt:die englische Politik von der Balance of power oder dem Gleichgewicht derKrfte, die immer wieder die beiden strksten Mchte des Festlandes,Deutschland und Frankreich, gegeneinander ausspielte, damit keine von ih-nen so stark werde, da sie Englands Vormachtstellung in der Welt gefhrdenknnte, sowie die Politik, die man in Frankreich die klassische, traditionel-le oder historische Politik zu nennen pflegt, und die der franzsischeSchriftsteller Maurice Barrs in einem groen nachgelassenen Werk Frank-reichs ewige These die fixe Idee der Geschichte Frankreichs genannt hat.Diese fixe Idee der Geschichte Frankreichs soll darauf hinauslaufen, im Inter-esse der franzsischen Sicherheit die deutsche Einheit zu verhindern.

    Als das von Bismarck geschaffene Deutsche Reich zu Beginn dieses Jahrhun-derts so stark wurde, da es die englische Weltmachtstellung zu bedrohenschien, begann der englische Knig Eduard VII. die Politik der entente cor-diale und der Einkreisung Deutschlands, die schlielich zum Kriege von1914 fhrte. England hat es aber auch stets verstanden, das englische Blut zuschonen und seine Weltmachtstellung durch fremden Bluteinsatz zu sichern.So war 1914 Frankreich dazu ausersehen, der Festlanddegen Englands zusein. Der englischen Politik gelang es, die Krfte in Frankreich zu wecken undfr den Krieg gegen Deutschland zu gewinnen, die die Trger der traditio-nellen Politik Frankreichs waren und seit 1870 in dem Gedanken der Revan-che lebten. Dieser Krfte bediente sich England schon damals, um Frankreichfr seine plutokratischen, finanziellen und kommerziellen Interessen in dengroen Krieg mit Deutschland zu treiben.

    Als dann im Jahre 1933 nach dem groen Zusammenbruch von 1918 und der Miwirtschaft der Systemparteien in Deutschland das Dritte

    Reich unter Adolf Hitler die deutsche Wiederherstellung in die Hand nahm,stellte sich wiederum England dieser geschichtlichen Entwicklung entgegenund versuchte, wie unter Eduard VII., Deutschland einzukreisen, wobei es,

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    vom internationalen Juden- und Freimaurertum untersttzt, wieder die tradi-tionelle Politik Frankreichs zu nutzen verstand, um die herrschenden franz-sischen Kreise fr den neuen englisch-franzsischen Angriffskrieg gegenDeutschland einzusetzen, fr den das franzsische Volk in seinen breitenMassen keineswegs begeistert war.

    Die geistige Oberschicht in Frankreich griff, um das franzsische Volk fr denAngriff auf Deutschland bereit zu machen, die Schlagworte wieder auf, dieman in Frankreich die traditionelle Politik nennt, und die im franzsischenVolk auch das Testament Richelieus genannt wird. Man glaubt in Frank-reich, da Richelieu, der Kardinal und Staatskanzler Ludwigs XIII., seinenNachfolgern ein Testament hinterlassen habe, wonach A und O aller franzsi-schen Politik Deutschland gegenber sein msse, immer wieder die deutscheEinheit zu verhindern. Mitten im letzten Kriege, am 25. April 1915, hat der be-kannteste franzsische Historiker der Neuzeit, Jacques Bainville, ein Buchherausgegeben, in dem diese Politik in ihrer klarsten Form durch die Jahrhun-derte dargestellt und auf eine letzte Formel gebracht wird: Verhindert diedeutsche Einheit!

    Jacques Bainville gehrte zu den Mnnern, die wie Maurice Barrs, GabrielHanotaux, Charles Maurras und andere den grten Einflu auf die geistigeVorbereitung des Siegerfriedens von Versailles gehabt haben. In Versaillessollte Bismarcks Werk, die deutsche Einheit, wieder zerstrt wer-den. Diedeutsche Kleinstaaterei sollte wiederhergestellt und Deutschland in seinekleinsten Bestandteile, Preuen, Bayern, Wrttemberg, Sachsen usw., zerlegtwerden. Man wollte bis auf den Westflischen Frieden von 1648 zurckgehen,der das Vorbild des Diktates von Versailles sein sollte.

    Auch im Krieg von 19141918, uns Deutschen damals kaum bewut, ging esnoch einmal um die deutsche Einheit. Noch einmal sollte das deutsche Volkdafr kmpfen mssen, da Bismarck es gewagt hatte, gegen das ewige Ge-setz des Westflischen Friedens zu verstoen, da keiner Knig, keiner Herr-scher, keiner Fhrer sein darf in Deutschland.

    In Versailles wurde das Ziel, die Zerschlagung der deutschen Einheit, nichtvllig erreicht. Bainville schrieb deshalb schon im Jahre 1920 ein neues Buch,in dem er den Friedensvertrag von Versailles aufs schrfste kritisierte. DiesesKartengebude werde eines Tages zusammenbrechen, wenn Deutschland un-ter einem Fhrer geeint, mit allen Krften, die einem 60 Millionen-Volke zurVerfgung stnden, darangehen werde, seine Ketten zu zerbrechen. Erstwerde sterreich sich mit Deutschland ver-einigen, denn sterreich seideutsch. Dann kmen die Sudetendeutschen dran, dann Danzig und der Kor-ridor. Wenn dann Frankreich, durch einen Bndnisvertrag verpflichtet, sichanschicken werde, Polen zu Hilfe zu eilen, wrde es, da Deutschlands Forde-rungen gegen Polen gerecht seien, noch als Angreifer bezeichnet werdenmssen.

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  • Die historische Mission der Befreiungspolitik des Fhrers erkennt man am besten imLichte dieses franzsischen Schrifttums. Denn es ist eine historische Mission, die heuteder Fhrer vollzieht, eine Mission, der sich keine Gewalt der Erde entgegenstellenkann.

    Das Ziel ist, wie sich schon aus Punkt 1 und 2 des Parteiprogramms vom 24. Februar1920, das einen Monat nach Inkrafttreten des Versailler Vertrages aufgestellt wurde,ergibt, die Vollendung der deutschen Einheit in einem grodeutschen Reich durchberwindung der Friedensvertrge von Versailles und St. Germain.

    Dieses gewaltige Werk der deutschen Befreiung und Vollendung der deutschen Ein-heit hat der Fhrer bis zum 1. September 1939 zum Staunen der Welt ohne Krieg voll-bracht, und es schien fast so, als ob der Fhrer als erster Staatsmann der Geschichtevon der Regel befreit sei, die sonst als ein unabnderliches Gesetz betrachtet wird, daGrenzpfhle nie ohne Krieg versetzt werden knnten.

    Auch die letzte Phase der deutschen Revision, Danzig und der Korridor, sollte nachdem Willen des Fhrers ohne Krieg gelst werden. Er vertraute darauf, da Polen, imGeiste des Pilsudski-Abkommens, die Frage der deutschen Ostgrenzen friedlich mitDeutschland regeln wrde.

    England hat das nicht gewollt. Es reizte Polen Ende Mrz 1939 zum Widerstand aufund gab ihm den Blankoscheck, wonach England und spter auch Frankreich Waffen-hilfe versprachen, wenn Deutschland irgendwie seine berechtigten Ansprche gegenPolen im Osten verwirklichen wrde.

    So geht also auch der neue Krieg noch einmal um die deutsche Einheit.Diese Einheit mu im Gegensatz zu der traditionellen Politik Englands und Frank-

    reichs erkmpft werden. Das ist der tiefste Sinn dieses Krieges.

    Der Reichsmarschall des Grodeutschen ReichesHermann Gring

  • Hinter der Hecke...Krieg oder Mord?

    Vom Beginn des Krieges an fhrte Polen nicht nur mit seiner Wehrmacht, sondernauch mit seiner bedenkenlos aufgehetzten Zivilbevlkerung Krieg gegen Deutschland.Die Heckenschtzen wurden zum Begriff des Krieges in Polen, und sehr erheblicheVerluste mute unsere Wehrmacht durch die Ttigkeit dieser Franktireure in Kaufnehmen, die sowohl in Polen als auch im feindlichen Ausland als Helden gefeiertwurden.

    Von der Schuld, die Zivilbevlkerung zum aktiven Einsatz gegen deutsche Soldatenaufgehetzt und damit selbst alle Konsequenzen her-aufbeschworen zu haben, die dieseArt von Kriegfhrung haben mute, konnten die polnische Regierung und das polni-sche Oberkommando vom ersten Tage des Krieges an nicht freigesprochen werden. Siehatte still-schweigend geduldet, da zahllose Tausende von Volksdeutschen in Po-lenbei Kriegsbeginn auf bestialische Art und Weise ermordet wurden und da damit diepsychologischen Voraussetzungen fr einen hnlichen Mordkrieg gegen die regulrendeutschen Soldaten geschaffen wurden. Sie hat sogar in Rundfunkaufrufen die polni-sche Bevlkerung zum Kampf gegen die deutschen Truppen aufgefordert, untersttztvon den Propagandaorganen Englands und Frankreichs, und als vermessene polni-sche Befehlshaber daran gingen, die Stadt Warschau zu verteidigen, wurde durch Polen hat das "Verdienst", den Heckenschtzenkrieg, den

    Mord, zum System gemacht zu haben. Nicht nur durch ihreeigenen, sondern auch durch die auslndischen Senderforderte die polnische Regierung vom ersten Kriegstage anihre Bevlkerung zur hinterhltigen Ermordung deutscherSoldaten auf. Unser Bild links zeigt deutsche Soldaten in ei-ner kleinen polnischen Stadt auf der Wache gegen Hecken-schtzen, die wiederholt durchmarschierende Kolon-nenbeschossen hatten. Mit allen Mitteln werden die Mordnesterunschdlich gemacht.

    Viele Drfer mssen regelrecht ausgekmmt werden, umden Wider-stand der Franktireure endgltig brechen zuknnen (Bild oben). Hufig gingen diese Suberungsaktio-nen nicht ohne Verluste ab, da die polnischen Banditen inden Hecken und Scheunen der Hfe gute Deckung fanden.

    Bild rechts: Obwohl das polnische Militr lngst aus diesemDorf verschwunden ist, wird immer noch aus Dachluken,Kellerfenstern usw. gefeuert. Es bedarf konzentrierter Auf-merksamkeit unserer Soldaten, um fr die nachfolgendenTruppen den Marsch durch das Dorf ungefhrlich zumachen.

  • die Presse, durch den Rundfunk, durch Flugbltter die zivile Bevlkerung unterrichtet,auf welche Weise man den Heckenschtzenkrieg gegen Deutschland wirksam fh-ren knnte, wie man mit Benzinflaschen und Handgranaten Panzerkampfwagen erle-digen, wie man Sphtrupps und vorgeschobene Abteilungen abschneiden und ver-nichten knne.

    Es gibt kaum einen deutschen Verband im Polenfeldzug, der von der Wirkung die-ser Propaganda, von der Ttigkeit der Heckenschtzen nichts gesprt hat. Nochlange nach dem Abschlu des Polenfeldzuges trieben diese Franktireure in Polen ihrUnwesen, und sie wurden mit den Mitteln bekmpft, die das Vlkerrecht fr solcheFlle zult. In allen Kriegen, die im Lauf der Geschichte bisher gefhrt wurden, galtund gilt der Heckenschtze als Mrder; er hat keinen Anspruch darauf, anders als einsolcher behandelt zu werden.

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    Sturmfahrt auf LembergBeiderseits Przemysl vorstoend wurden Sambor und Jaworow genommen und mit vorge-

    worfenen Abteilungen Lemberg erreicht.Lemberg ergab sich gestern den bereits im Abmarsch befindlichen deutschen Truppen. berga-

    be-Verhandlungen sind im Einvernehmen mit dem am Ostrand der Stadt stehenden sowjetrussi-schen Truppen im Gange.

    Aus den Berichten des OKW vom 13. und 23. Sept. 1039.Der folgende Bericht eines Offiziers, der an der Sturmfahrt teilgenommen hat, gibt einen Aus-

    schnitt aus den Kmpfen an der Ostfront, der fr den polnischen Krieg und die damalige deutscheKriegfhrung und fr den Schneid unserer Soldaten kennzeichnend ist.

    Der 12. September 1939 sollte fr die Gebirgsdivision X ein denkwrdiger Tag vonungeahnter Reichweite werden.

    Zunchst wurde der Vormarsch auf Sambor fortgesetzt, das am 11. Septemberabends kampflos besetzt worden war. Whrend des Vormarsches traf bei OberstSchrner um 8.30 Uhr ein Befehl des Kommandeurs der Division, GeneralmajorKbler, ein: Ziel fr heute: Schrfstes Vordringen auf Lemberg.

    Durch Einzelbefehle werden nach kurzer Orientierung Hauptmann Merxmller unddie ihm unterstellten Unterfhrer sogleich entlassen, mit dem Auftrag: Vorhut fhrtum 10.00 Uhr von Sambor-Nord zum Vorsto in Richtung auf Lemberg an. An-schlie-end folgt Befehlserteilung an die Verfolgungsgruppen des Gros, die baldigst hinterder Vorhut zunchst in Richtung auf Kalinow (7 Kilometer nordostwrts Sam-bor) zufolgen haben. Der Verfolgungsbefehl wird nachtrglich schriftlich festgelegt und inrund 100 Exemplaren an alle Fhrer und Unterfhrer whrend des Vorfah-rensausgegeben.

    Pnktlich um 10.00 Uhr fhrt Hauptmann Merxmller an der Spitze der Vorhut vonSambor aus ber Kalinow in Richtung Lemberg vor. Das Gros, voran Bataillon Seitz,folgt dicht aufgeschlossen nach. Die ,,Sturmfahrt nach Lemberg hat begonnen!

    Bei der Straengabel sdlich Koniuszka trifft die Vorhut auf Feind in etwa Kompa-niestrke, der in unbekmmerter Marschkolonne auf der Strae auf Nordosten mar-schiert. Die vordersten Wagen erffnen MG-l'euer auf die Kolonnen. Der Feind flchtetrechts und links auf die Felder. Tote und Verwundete liegen umher, fhrerlose Pferde-fahrzeuge rasen kreuz und quer ber die Strae und mssen von den Fahrern in sau-sender Fahrt umsteuert werden.

    Das Tempo wird noch gesteigert. Beiderseits der Strae werfen Feindgruppen von 3,6, 10 und 20 Mann die Waffen weg und heben die Hnde. Rudki wird in einer Staub-wolke durchrast; vorbergehend ein 60- bis 70-Kilometer-Tempo, wie spter nochmalskurz vor Lemberg; die Vorhut nhert sich der Seeenge bei Malowanka.

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  • Hier kommt das letzte groe Hindernis, wo der Feind vor Lemberg noch erfolgreichWiderstand leisten kann und mu. Die Spitze bricht trotz starkem Feuer in rascherFahrt bis in die Ortsmitte ein; Unteroffizier Pssinger der 16. Kompanie deutscherMeister im Langlauf zeichnet sich dabei aus. Starkes feindliches MG- und Schtzen-feuer zwingen die rckwrtigen Teile der Vorhut und das Gros zum Halten. Die erstenVerluste treten ein.

    Nach eineinhalbstndigem Gefecht ist die Vormarschstrae wieder frei. Der Regi-mentskommandeur fat, noch whrend das Gefecht luft, alle erreichbaren Teile zumfrontalen Durchsto weiter in Richtung Lemberg zusammen. Eine motorisierte Spitzeauf wenigen Wagen wird gebildet. Sie fhrt an, dahinter der Regimentsstab, dann einenoch verlastete Pionierkompanie usw. Befehl: Unter Staubentwicklung, Reichsauto-bahntempo, los auf Lemberg! Das rasch wieder verladene Bataillon Seitz folgt aufge-schlossen nach.

    Der Weg ist berst mit Ausrstungsgegenstnden, weggewor-fenen Waffen undFahrzeugen aller Art. Polnische Soldaten laufen beiderseits der Strae mit erhobenenHnden im Straengraben der Kolonne entgegen.

    Das Tempo steigert sich vorbergehend bis zur Leistungsgrenze der Motoren.Immer wieder halten die Offiziere des Stabes an der Strae, ordnen den Vormarsch,

    rufen den vorbeugenden, spter wieder eingeholten Truppen die Parole des Tages zu:

    Lemberg, hmmern ihnen dieses Wort dieses Ziel unermdlich ein und reien siedamit trotz aller Schwierigkeiten vorwrts, bis die ersten Wagen nach Lemberg-Westhineinrasen.

    Hier schlgt starkes feindliches Feuer, Gewehrfeuer, MG, bald auch zwei Geschtze,gut gezielt, entgegen; kein Kunststck fr den Feind, der nur die Strae entlang aus si-cherer Stellung zu schieen braucht. Die Abwehr verstrkt sich bald, der Feind hat of-fensichtlich den ersten Schrecken des vllig unerwarteten berfalls auf die Stadt ber-wunden. Aus Husern, Eisenbahnwagen, von Bumen schlgt feindliches Feuer entge-gen, polnische Infanterie tastet sich heran. Die Handvoll Leute, die Lemberg in rasen-der Fahrt erreicht haben, klammert sich mit dem Regimentsstab in der westlichen Hu-sergruppe fest und hlt das gewonnene Gelnde, bis nach und nach rckwrtige Teileder Verfolgungstruppen herankommen.

    Meldung trifft ein, da inzwischen auf der Marschstrae in Rudki und nrdlich da-von ernste Kmpfe mit den zuerst berrannten, jetzt aber gesammelten Feindteilenentbrannt seien. Auf Untersttzung knne daher vorerst nicht gerechnet werden.

    Nur der Divisionskommandeur, Generalmajor Kbler, trifft allein mit dem i. Gene-ralstabsoffizier noch in den spten Nachmittagsstunden in Lemberg-West ein. Die Di-vision gibt Befehl, alle verfgbaren motorisierten Teile in der Nacht vom 12. zum 13.September im Lastkraftwagentransport nach Lemberg vorzuziehen.

    Die Masse des Gebirgsjger-Regiments X ist im Verlaufdes 12. Septembers unter derFhrung des Oberst Franekam Anfang der Gebirgsdivi-sion nach einer einstndigenRast bei Grodowice bis Sam-bor vormarschiert, wo um18.00 Uhr Alarmquartiere be-zogen wurden. Noch um11.15 Uhr waren weitere Ver-strkungen zu den Verfol-gungstruppen vorgeholtworden. Am 13. Septemberum 6.30 Uhr findet die Be-fehlsausgabe fr die Bereit-stellung zum Angriff aufLemberg durch den Divi-stonskommandeur persn-lich an die Kommandeurestatt. Whrend die Offiziere

    Die Sturmfahrt der Gebirgsdivisionnach Lemberg. Die gekreuzten Schwer-ter geben die Gefechte an, die die Divi-sion auf ihrem Marsch zu bestehenhatte.

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  • in einem Garten versammelt sitzen, die Angriffsgliederung in ihre Karten eintragen,heulen feindliche Granaten darber hinweg, um mit dumpfem Krachen zunchst wei-ter rckwrts einzuschlagen.

    Der Angriff, den laut Divisionsbefehl Oberst Schrner fhrt, soll am West- undNordwestrand der Stadt entlang gehen, um sich in den Besitz der Hhen bei Zboiskazu setzen. Hier tritt zum ersten Male der Name Zboiska auf, der fr den Kampf desGebirgsjger-Regiments X fr die Tage vom 13. bis zum 21. September eine ungeahnteBedeutung erhalten sollte.

    Die Gebirgsdivision bestimmt 10.15 Uhr als Angriffszeit.Auf der berragenden Hhe des Steinberges (Hhe 374) war das weitgesteckte Ziel

    des Tages in Richtung der beherrschenden Hhen von Zboiska ebenso klar zu berblik-ken wie das bisherige Angriffsgelnde. Alles kam darauf an, den Angriff gegenberdem zweifellos erschtterten Feind in raschem Flu zu halten. Die Auswirkungen derdrckenden Hitze machten sich derart bemerkbar, da ein vorbergehendes Halt frdie angestrengte und seit dem Vortag berhaupt nicht verpflegte Truppe eingelegtwerden mute, und tatschlich lebte in krzester Zeit der feindliche Widerstand inberraschender Strke wieder auf. Die Baumschtzen wurden immer lebhafter.

    Frontal angesetzte Sphtrupps blieben in diesem konzentrischen und gut gezielten Feuer dicht vor der eigenen Front liegen.

    Die Gebirgsdivision befiehlt am 13. September den Angriff fr 10.15 Uhr.

    Um 12.40 Uhr gelingt durch den vorzglich nachbauenden Fernsprechtrupp desOberleutnants Hbsch Verbindungsaufnahme mit dem Divisionskommandeur; Gene-ralmajor Kbler weist nochmals auf die Bedeutung der Hhen von Zboiska hin undwnscht ein "Heil" fr die Fortsetzung des Angriffs.

    Die Gefechtsgruppe Picker schlngelt sich nun stundenlang in Gebirgs-ordnungdurch dichten Buschwald, die Gebirgsjger schleppen ihre schweren Lasten ber eineAnzahl tiefeingeschnittener Tler, die smtlich in Ostwestrichtung verlaufen und ber-quert werden mssen - bis schlielich etwa 1 y2 Kilometer sdwestlich Holosko freiesGelnde erreicht wird. Die Zeit drngt, die hier frhzeitige Dmmerung macht sichschon bemerkbar. Der Regimentskommandeur befiehlt daher, Holosko auf krzestemWeg zu berfallen und in einem Sto bis Zboiska auf der Strae vorzugehen.

    Ein ortsansssiger Wiener weist uns auf dem krzesten Weg nach Zboiska,ein auerordentlicher Glcksfall, denn nach der Karte 1 : 300.000 war nicht zu fhren.In der Reihenfolge 13. Kompanie, MG-Zug, 7. Kompanie, Teile 1/Pi. Y, mit gre-rem Abstand 8. Kompanie, geht es beiderseits des Weges flott nach Zboiskavor. Der Aufenthalt der 6. Kompanie und ebenso der 2. Kompanie istunbekannt.

    Zwei polnische Offiziere laufen den Gebirgsjgern - sehr erstaunt - in dieHnde.

    Acht Tage lang verteidigt die Gefechtsgruppe Schrner das beherrschende Hhengelnde von Zboiska

  • In Zboiska wird mit Einbruch der Dunkelheit ein polnisches Biwak von der 13.Kompanie gestrmt. Die Masse der Polen entkommt jedoch unter Zurcklassung etli-cher Toter im Dunkeln; eine ganze Anzahl bespannter Fahrzeuge, meist mit Lebens-mitteln beladen, bleibt in unseren Hnden.

    Aber schon die nchste Stunde lt es unratsam erscheinen, in der tief im Tal gele-genen Ortschaft whrend der Nacht zu bleiben. Die Polen fhren verschiedene undteilweise gutgegliederte Gegenangriffe gegen Zboiska durch; wiederholt kommen sieauf Handgranatenwurfweite heran. Der Regimentskommandeur befiehlt daher der Ge-fechtsgruppe Picker, den Ort zu verlassen und die beherrschenden Hhen, die inzwi-schen durch Sphtrupps gesichert waren, in igelartiger Stellung, unter vlliger Sper-rung der groen Strae, zu besetzen. Diese im Dunkel der Nacht schwierige Bewegungwird reibungslos durchgefhrt. Ein planmiges Einrichten zur Verteidigung kann je-doch erst mit Hell werden am 14. September erfolgen.

    Mit dem 14. September morgens beginnt der Abwehrkampf auf den Hhen vonZboiska und bei Holosko, der im Rahmen der Einschlieung von Lemberg durch dieGebirgsdivision in der Kriegsgeschichte eine einmalige und einzigartige Bedeutunghaben wird.

    Die Gefechtsgruppe Schrner verteidigte das beherrschende Hhengelnde vonZboiska, in der Ortschaft Holosko und auf den Begleithhen ihre Stellungen acht Tagelang, mit Front zunchst nach zwei, dann bald nach drei und vier Seiten. Dreimal wardie Gefechtsgruppe von jeder Verbindung mit der Gebirgsdivision und von jedemNachschub vllig abgeschnitten; jeden Tag und jede Nacht wurden auf dem ungesi-cherten, 5 km langen Weg zur nchsten Gefechtsgruppe Ordonnanzoffiziere, Transpor-te, Sphtrupps angeschossen und abgeschossen.

    Der Feind war auf der Nord- und auf der Sdfront um ein vielfaches strker: ber20.000 polnische Soldaten verteidigten Lemberg; sie verfgten ber nahezu 100 Ge-schtze. Von auen herein, und zwar von Norden, von Nordosten und von Nordwe-sten drngten dauernd die zusammengeballten Teile der polnischen 11. und 24. Divi-sion sowie nicht mehr feststellbare andere Truppenteile.

    Die Lage wechselte whrend eines Kampftages und whrend einer Nacht meistmehrere Male. Die Meldungen von allen Seiten der vier Fronten berstrzten sichbeim Regimentsstab, der inmitten der igelartigen Stellung in notdrftigen Grben desSchieplatzes Lemberg seinen Gefechtsstand aufgeschlagen hatte. Zur vorderen Linieim Sden (gegen Lemberg) hatte man vom Regimentsgefechtsstand aus nur 500Schritte zu gehen, zur nrdlichen Front etwa 700 Schritte, dafr waren es nach Ostenzu den ueren Sicherungen der Zboiska-Stellung etwa 11/2 Stunden, in den Kesselvon Holosko hinunter etwa rund 40 Minuten, wenn auch ein ungestrter Spaziergangdorthin vielleicht nur 25 Minuten betragen htte.

    Besonders gefhrlich war die Tatsache, da ab 15. September die Angriffe aus derallgemeinen nrdlichen Richtung und die Ausfallversuche aus Lemberg heraus jeweils

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    auf die Minute gleichzeitig begannen. Wir wissen heute, da die einzelnen Feindgrup-pen durch Funk in guter Verbindung standen.

    Die feindliche Artillerie scho zwar schematisch, sie kannte sich aber aus erklrli-chen Grnden auf ihrem Schieplatz Lemberg recht gut aus. Das Einmalige und mora-lisch auerordentlich Drckende war, da die einzelnen Stellungsteile jeweils durchdie feindliche Artillerie vom Rcken beschossen wurden. War z. B. das Bataillon Seitzin der Abwehr eines ernsten Angriffes mit der Front nach Norden im Kampf, so schodie Lemberger Artillerie zur Untersttzung des feindlichen Durchbruchversuches vonder Stadt her, also von Sden, in den Rcken der Verteidiger. Manche Krise mute ent-stehen; jede wurde gemeistert.

    Die Gebirgsdivision hatte im Westen und Sden der Stadt Lemberg andere schwereKmpfe zu bestehen. Es war oft nicht mglich, der Gefechtsgruppe Schrner eine str-kere artilleristische Untersttzung zuzubilligen als nur von ein bis zwei schweren Bat-terien. Dafr verfgte an den Hauptkampftagen der Feind gegen unsere Gefechts-gruppe im Norden ber 1 1/2 7,5-cm-Batterien und ber eine 10-cm-Batterie; von Lem-berg heraus schossen mit beachtlicher Przision jeweils zwei bis vier7,5-cm-Geschtze, gelegentlich eine 10-cm-Batterie und einige Festungsgeschtze, de-ren Wirkung am strksten war. Wir erfuhren spter, da es sich um 22-cm-Mrser ge-handelt hatte.

    Fr die Fhrung der Gefechtsgruppe war es manchmal vielleicht die schwersteNervenbelastung, der im harten Abwehrkampf befindlichen Truppe die erwartete undin jeder anderen Lage auch verfgbare Artillerieuntersttzung nicht verschaffen zuknnen. Denn der Truppe konnte man den Ernst der Lage an allen Fronten, die Tatsa-che des vlligen Abgeschnittenseins und andere Dinge nicht klarmachen, und manwollte es auch nicht. Mancher Hilferuf nach Verstrkung, nach Munition, nach Ver-pflegung, nach Verwundetenfrsorge usw. traf auf dem Regimentsgefechtsstand ein;es dauerte Tage und Nchte, bis geholfen werden konnte. Denn wir waren allein. DieStellung mute gehalten werden; der lakonische Satz Gefechtsgruppe Schrner hltgegen feindliche Angriffe aus Norden und Sden ihre Stellungen bildete eine ebensoselbstverstndliche wie klar erkannte Forderung angesichts der Gesamtlage derGebirgsdivision.

    Der Erfolg konnte erst am 21. September und in den nachfolgenden Tagen berse-hen werden. Die Gefechtsgruppe zhlte allein etwa 2500 Gefangene, darunter 150 Of-fiziere (u.a. zwei Regimentskommandeure und eine Reihe von Generalstabsoffizie-ren). Wir erbeuteten neben ungezhlten Gewehren und Maschinengewehren anderesunbersehbares Gert, zwei 7,5-cm- und eine 10-cm-Batterie. Dies ist aber nur ein Teil,vielleicht nur ein kleiner Teil der tatschlichen Beute, denn am 21. September began-nen mit unserem Abrcken (denn Lemberg wurde bekanntlich dem russischen Inter-essengebiet zugesprochen) ganze Zge von Gefangenenkolonnen, Pferden usw. ausdem Wald von Brzuchowice und den umliegenden Hhen herauszustrmen.

    47

  • Gegen alle bermacht und ber alle Krisen hinweg waren die Stellungen gehaltenworden; der groe Enderfolg war der rastlosen Einsatzbereitschaft aller Offiziere undUnteroffiziere und der auerordentlichen Zhigkeit der Gebirgsjger zu verdanken.Die Erkenntnis, der ganzen Ostarmee voraus zutiefst in Feindesland zu stehen, war da-bei ein mchtiger Faktor des Aushaltens; desgleichen war die Tatsache, da gerade derdeutsche Gebirgssoldat sich den Polen haushoch berlegen fhlte, ein wesentlichesMoment zum Sieg. Eine groe Untersttzung bildeten fr uns auf dem Ostflgel undin der Mitte die Hhen von Zboiska, die ein Schulbeispiel einer berragenden, alles be-herrschenden Hhenstellung bedeuteten.

    Die Erinnerung an die einzigartigen Tage des Abwehrkampfes auf den Hhen vonZboiska und in der Hlle von Holosko wird stets verbunden sein mit dem Gedankenan die Tapferen, die ihr Leben fr den Sieg lieen.

    Auf den Meldeblock skizziert.

    48

    WARSCHAU...Das Schicksal einer Stadt

    Ans Unwirkliche grenzt die Przision, mit der sich der deutsche Vormarsch in Polenvollzieht. Marsch, Kampf, Umzingelung, Vernichtung wie an mathema-tischen Tabel-len errechnet geht dies alles vor sich, logisch und zwangslufig lst sich jedes taktischeund strategische Problem. Es ist kein Kraut gewachsen gegen die deutscheKriegfhrung.

    Die Hauptmacht Polens ist zwischen der Bzura und der Weichsel zum Kampf ge-stellt. Die Vernichtung des Groteils der polnischen Wehrmacht reift heran und damitder entscheidende Sieg.

    Zwei Tage nach Kriegsausbruch am 3. September klopft der Krieg mit hartem Kn-chel an die Pforte der Hauptstadt Polens die deutsche Luftwaffe, die nach 48 Stun-den Krieg Beherrscher des Luftraumes ber Polen geworden ist, greift Flugplatz und Flugzeugwerke von Okecie in unmittelbarster Nhe Warschaus an.

    Weitere fnf Tage dauert es, bis die Hauptstadt Polens aus allernchster Nhe denKanonendonner hrt und den heien Atem des Krieges sprt. Es ist der 8. September,als die ersten deutschen Soldaten, Panzerkampfwagen, in die Vorstdte Warschauseindringen.

    Um diese Zeit ist die Sache Polens bereits verloren. Im Nordwesten Warschauswird der Feind geworfen, und im Osten verriegeln deutsche Sturzkampfflugzeuge dieAusgnge aus der Stadt; die ersten Huser Warschaus sinken in Trmmer und begra-ben unter sich Frauen und Kinder Opfer der polnischen Artillerie, die vom Ostenher die westlichen Vororte der Stadt beschiet.

    Der von vornherein fr Polen verlorene Kampf um Warschau beginnt. Auf PolensSchuldkonto gehen die ersten Opfer, die ersten Wolken brennender Huser undStadtteile.

    Auf Polens Konto; denn es ist klar, da Polen in diesem schon verlorenen Krieg nieseine Hauptstadt wird halten knnen.

    Aber mit dem Kleinkrieg, mit dem Heckenschtzenkrieg glaubt Polen, das heran-reifende Ende verzgern zu knnen.

    Das polnische Oberkommando meldet ber den Kurzwellensender London GSBam 9. September:

    Wir erwarten, da der Kampf um Warschau schwer sein wird, aber wir habenhinter uns nicht nur die Armee, sondern alle Brger der Stadt, die ein Gewehr tragenknnen ...

    Und am gleichen Abend, 20 Uhr 30, verbreitet der Londoner KurzwellensenderGSA ber die Welt und namentlich nach Amerika:

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  • Die vielen Tausende von Mnnern aus der Zivilbevlkerung halten noch immerdem deutschen Angriff stand.

    Die ersten Rauchschwaden ziehen ber die polnische Hauptstadt und verdunkelnden Himmel. Die ersten Straen sind durch zertrmmerte Mauern versperrt. Das Volkvon Warschau wei genau, was ihm bevorsteht. Trotzdem berichtet der Sender War-schau II am 11. September um 20 Uhr 41:

    Bei dem Angriff auf Warschau Stadt erlitt ein deutscher Tank ein schmhliches En-de. Zivilbevlkerung machte ihn kampfunfhig ...

    Zivilbevlkerung noch ahnt Warschau nicht, da dieses Wort einmal das Schick-sal seiner Stadt entscheiden wird.

    Beim Vormarsch gegen Warschau hat unsere Luftwaffe glnzend vorgearbeitet. Der Flugplatz und die Flugzeug-werke von Okecie dicht bei Warschau wurden bereits wenige Tage nach Kriegsausbruch erfolgreich bombardiert. Un-sere Luftaufnahme zeigt die Bombeneinschlge, die bei einem einzigen Angriff erzielt wurden.

    Am 8. September meldete der Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht, da die eilige Rumung Warschaus im

    Gange sei, und am gleichen Tage noch, da abends 17 Uhr 15 die ersten deutschen Truppen in das westliche War-schau eingedrungen sind.

    Der deutsche Sender:Achtung, Warschau! Achtung, Warschau! Das Oberkommando der Wehrmacht

    gibt folgendes zur Kenntnis: Das deutsche Verbot der Beschieung offener Stdte,Drfer und Ortschaften durch die deutsche Artillerie und die deutsche Luftwaffe istvon der Bedingung abhngig, da die Gegenseite bereit ist, die Erklrung abzugeben,da sie aus ihnen keinen Kriegsschauplatz zu machen beabsichtigt. Da die polnischeRegierung ohne Rcksicht auf die Bevlkerung ihres Landes sich an diese Bedingungnicht hielt, wird die deutsche Armee von heute an mit allen Mitteln den Widerstandin diesen Ortschaften brechen ...

    Das ist eine letzte Warnung. Es ist der 16. September, der letzte Tag, die letzteStunde zur Einsicht und Umkehr.

    ber zwei Millionen Einwohner zhlt die Stadt; mehr als hunderttausend Solda-ten befinden sich in ihren Mauern. Warschau ist von jeder Verbindung mit dem Hin-terland abgeschlossen. Es hat nichts, kein Wasser, kein Gas, keine Zufahrtsstrae eshat nur eine Zukunft, Vernunft zu zeigen oder vernichtet zu werden.

    Die Hauptstadt Polens wre eine leichte Beute. Sie ist so gut wie vllig, umzingelt,unsere Luftwaffe hat alle militrisch wichtigen Ziele unter das Feuer ihrer Bomben

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  • Unaufhaltsam geht es auf der Strae nach Warschau vorwrts. Artillerie zieht durch ein von den Polen eingeschertesDorf.

    genommen, leichte, schwere und schwerste Artillerie ist aufgefahren. Warschau mufallen, wenn dieser militrische Apparat zu arbeiten beginnt.

    Aber zwei Millionen Menschen?Das Oberkommando der Wehrmacht versucht das letzte Mittel, den offenbar zum

    Wahnsinn entschlossenen Kommandanten der Stadt zur Vernunft zu bringen: Am 17. September, morgens um 8 Uhr, erscheint beim Stab eines polnischen Infante-

    rieregimentes in einer Vorstadt Warschaus ein deutscher Parlamentr. Er verlangt,zum Kommandanten der Stadt gefhrt zu werden. In seiner Tasche hat er ein Schrei-ben seines Korpskommandeurs an den Kommandanten der Stadt Warschau, in demder deutsche General noch einmal schriftlich unter Darlegung aller Grnde und Mg-lichkeiten den Polen auffordert, die Stadt zu bergeben.

    Der deutsche Offizier wird gebeten zu warten. Er sitzt in einer polnischen Unter-kunft und wartet, wartet, wartet ...

    Nach anderthalb Stunden kommt der Meldegnger zurck:Der Herr General bedauert, den deutschen Offizier nicht empfangen zu knnen.Der Deutsche versucht, den Brief, den er in der Tasche trgt, durch einen polnischen

    Offizier dem Stadtkommandanten zukommen zu lassen, aber jeder Pole lehnt diebernahme des Auftrages ab. Der deutsche Parlamentr grt, dreht sich auf dem Ab-satz um, steigt in den Wagen und verschwindet, zunchst von den Polen begleitet,dann von den deutschen Gefechtsposten in Empfang genommen.

    *Gut, der Warschauer Stadtkommandant will den Kampf. Will ihn die Bevlkerung

    Warschaus?An die Zivilbevlkerung der Stadt Warschau! So beginnt ein Flugblatt, das

    in Tausenden von Exemplaren an diesem Tage ber Warschau abgeworfen wird. EureRegierung hat Warschau zum Kampfgebiet gemacht und es der Eigenschaften einer of-fenen Stadt beraubt. Eure militrische Fhrung hat nicht nur Warschau beschieen las-

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    sen, sondern Euch auerdem aufgefordert, mitWaffen in der Hand den deutschen Truppen Wi-derstand zu leisten, und mit dieser Aufforderungzum Heckenschtzenkrieg hat die polnische Re-gie-rung das internationale Recht gebrochen. Daeinige Teile der Warschauer Bevlkerung dieserAufforderung Folge geleistet haben, ist WarschauKriegsgebiet geworden . . . Heute richtete man anden Kommandanten der Stadt Warschau folgendeAufforderung:

    1. Die Stadt soll als Ganzes im Lauf von zwlfStunden ohne Kampf den deutschen Truppen, dievon allen Seiten Warschau umzingelt haben,bergeben werden.

    2.Die in Warschau befindlichen polnischenTruppen haben in der gleichen Zeit sich der deut-schen Armeefhrung zu ergeben.

    Sturzkampfflugzeuge haben militrische Ziele in Warschau angegrif-fen, whrend die polnische Artillerie von Osten her die westlichen, inder Hand der Deutschen befindlichen Stadtteile mit Artilleriebeschiet.Trotz zahlreicher Warnungen durch das Oberkommando der deut-schen Wehrmacht hat der polnische Stadtkommandant Warschau ineine Festung verwandelt. Barrikaden wurden errichtet, Straenbah-nen quer zur Fahrtrichtung gestellt, und Tausende von polnischen Zi-vilisten griffen auf Befehl des Kommandanten' zur Waffe, so da derKampf um die Stadt zu einem Kampf um ein befestigtes Lager wurde.

  • Warschau gibt den Kampf auf; es hat schlielich doch bedingungslos kapituliert. Im Dunkel der Nacht stellt sich die mili-trische Besatzung der Stadt es sind ber 100.000 Mann zum Abmarsch in die Gefangenschaft auf.

    Deutsche Soldaten in den Kasematten der Festung Warschau.

    3. Wenn diese Aufforderung angenommen wird, mu dem deutschen Kommandeurdavon Mitteilung gemacht werden.

    4. Wenn dieser Aufforderung nicht Folge geleistet wird, bleiben der WarschauerZivilbevlkerung zwlf Stunden Zeit zum Verlassen des Stadtgebietes. Nach Ablaufdieser zwlf Stunden wird Warschau als Kampfgebiet betrachtet werden . ..

    *

    Aber Warschau hrt nichts, hrt nichts als da es nun ernst wird, und der Kom-mandant der Stadt richtet an das Oberkommando der deutschen Wehrmacht die Bitte,einen Parlamentr fr die Verhandlungen ber den Abzug der Warschauer Zivilbe-vlkerung und des diplomatischen Korps am 17. September zu empfangen . . .

    Uwaga Warszawa! Uwaga Warszawa! Czy slyszycie nas! Achtung, Warschau!Achtung, Warschau! Hrt uns! Der deutsche Sender antwortet auf das polnische An-suchen und erklrt die deutsche Bereitschaft, polnische Zivilbevlkerung und Mitglie-der des diplomatischen Korps auf dem Weg Warschau Praga Minsk auf derHhe der deutschen Vorposten durchzulassen.

    Der Erhalt dieser Meldung mu umgehend durch Warschau auf Welle 7190 kHzbesttigt werden.

    7190 kHz meldet sich nicht.Was geht in Warschau vor? Auf der deutschen Front wei man es nicht.

    Der Kommandant Warschaus begibt sich in Begleitung deutscher Offiziere zu den bergabe-verhandlungen in einen kleinen Ort vor Warschau.

  • Der Kommandant Warschaus bei den Kapitulationsverhandlungen.

    Ist die Warschauer Zivilverwaltung tatschlich bereit, auf Befehl des militrischenKommandanten mit der gesamten Bevlkerung den Deutschen Widerstand zu leisten?Gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen Militr- und Zivilbehrden? Vielleichtinnerhalb des Stabes des Kommandanten selbst?

    Seit Tagen ist die deutsche Wehrmacht vorbereitet, Warschau mit allen militrischenMitteln zur Ergebung zu zwingen.

    Unsere Stuka und Kampfflugzeuge, bisher nur fr militrische Ziele eingesetzt, un-sere Artillerie und Sturmkompanien sind bereit und warten.

    Der Kommandant Warschaus rhrt sich nicht. Aber am 17. September kommt pltz-lich durch den ther eine Bitte an das Oberkommando der Wehrmacht, einen polni-schen Parlamentr zu empfangen.

    Die deutschen Sender antworten: Der polnische Parlamentr habe sich dort unddort zu der und der Zeit im beleuchteten Auto mit weier Flagge einzufinden.

    Die deutsche Antwort wird wiederholt, doch um Mitternacht mu das OKW fest-stellen, da sich kein Parlamentr bei den Gefechtsposten unserer Truppen eingefun-den hat.

    Wer hat die Bitte in den ther gesandt? Warum ist die deutsche Bereitwilligkeit un-beantwortet geblieben? Auf der Seite rechts: Anfang und Schlu des Protokolls ber die Verhandlungen zur bergabe der Festung Warschau-Praga. Auf deutscher Seite wurde das Protokoll von dem damaligen General der Infanterie Blaskowitz, dem Oberbe-fehlshaber der 8. deutschen Armee, unterzeichnet.

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    Warschau will den Kampf, und es wird ihn bekommen. Die auslndischen Diploma-ten sind, und das ist bislang das einzige Zugestndnis des Warschauer Stadtkomman-danten, durch die deutschen Linien in Sicherheit gebracht worden.

    Brger Warschaus! In den Straen der Stadt hrt man das Schieen der Artillerie.Frauen und Kinder laufen durch die Straen eurer Stadt und sterben im Feuer jener, die unverantwortlich und blind von den Dchern der Stadt schieen.

  • Die Nacht der Schrecken ist fr Warschau gekommen. Wir wollen nicht den Unter-gang Eurer Hauptstadt. Wir wollen nicht Eure Not und Euren Tod!Frauen Warschaus! Wenn Ihr nicht die Bevlkerung Eurer Stadt in den Tod strzenwollt, dann sorgt dafr, da alle Mnner sofort die Waffen niederlegen. Wer morgenohne Waffen in seinem Haus bleiben wird, hat nichts zu frchten ...

    Das war der letzte Appell an die Vernunft der Bevlkerung Warschaus.*

    Deutsche Artillerie hat den Kampf aufgenommen, deutsche Sturzkampfflugzeuge ver-nichten mit hundertprozentigem Erfolg alle militrischen Objekte der Stadt. Eineschwere Wolke legt sich ber Warschau. Deutsche Stotrupps gehen gegen die Auen-befestigungen vor. Das Fort Mokotowski wird genommen, und am 27. September 1939kapituliert die Hauptstadt Polens bedingungslos.

    Die polnischen Truppen marschieren ab, am 2. Oktober 1939 rcken die ersten deut-schen Truppen in Warschau ein.

    Deutscher Schtzengraben vor Warschau whrend der bergabeverhandlung.

    Mit Mann und Ro und Wagen

    hat sie der Herr geschlagen

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  • An der BzuraVon Gefr. Wolf Glaer

    An den Ufern der Bzura liegtein kleines Grab. Unweit eineskleinen Haines aus groen gel-ben Sonnenblumen wlbt sichein kleiner Sandhgel, an desseneinem Ende ein schlichtes Holz-kreuz einen deutschen Stahlhelmtrgt. Hier ruht einer von uns.Auch einer! Einer unsererBesten. In seinem Tagebuchefanden wir die unvergnglichenWorte Hans Grimms aus denLetzten Aufzeichnungen desHauptmanns F. von Erckert:In erster Linie grte

    Selbstachtung Nichts Gemeines tun,Leib und Seele reinhalten. Sich stets beherrschen; selbstlos,heiter und mutig sein . . .

    Durch unwegsames Gelnde und ber vllig durchweichte Straengeht der Marsch der Kompanie.

    Diesige, graue Herbstfrhe lastet auf den Ufern der Bzura. Im Frhdunst geht eineSchtzenkompanie vor, geht vor gegen jenen Flu, dessen Ufer schon im Weltkriegvom Blute deutscher Soldaten getrnkt wurden. Ein besonderer Auftrag fhrt diesenkleinen Haufen Feldgrauer vor gegen den Polen, der stark verschanzt am jenseitigenBzuraufer liegt. Die Kompanie sichert den bergang des Regiments! . . . Ohne An-lehnung, ohne Untersttzung schwerer Waffen heit es mglichst unbemerkt an denFeind kommen und ihm eine Lcke schlagen, dort, wo eine neue Brcke entstehen soll.

    Noch hat der Gegner nichts bemerkt. Im Schritt gehen die grauen Gestalten vor-wrts. Der Nebel lt die Umrisse unwirklich gro erscheinen. Da zerreien die erstengellenden Gewehrschsse die unwirkliche Stille. Da heult es auch schon heran. Wie eintollwtiger Hund poltert die feindliche Artillerie los und erfllt die Luft mit dem Don-ner berstender Granaten. Die Einschlge liegen noch ziemlich weit hinten.

    Die Kompanie strmt! Ein toller Wirbel erfat alle und reit alles nach vorn. Vorwrts, vorwrts, nur dieser eine Gedanke beherrscht aller Sinne! Voller Ge-nugtuung sprt jeder, wie die Granattrichter der Polen immer weiter zurckbleiben,in der Meinung, unsere Reserven zu treffen.

    60

    Da orgelt es von neuem heran. Jetzt auf und nieder, hin und her! Ein Fauchen undZischen erfllt den weiten Raum. Dazwischen das Pfeifen und Surren der Geschosse!Voller Verbissenheit wehren sich die feindlichen Gefechtsvorposten. Doch vorwrts!

    Mit heiem Kopf und heiem Herzen strmt eine junge Front. Mit mchtigen Sprn-gen strzt ein Melder nach vorn! Endlich ist der Tag gekommen, ist sein Tag gekom-men! Sein heiester Wunsch geht in Erfl-lung: Ran an den Feind! Unglubig habenseine Kameraden ihn angeschaut, wenn er von dem Kampf Mann gegen Mannschwrmte. Allen voran strmt er, reit die Kameraden links und rechts mit sich.Vorwrts!

    Der letzte Widerstand der Vorposten verrinnt. Der Pole geht zurck, um sich vonder eigenen Hauptkampflinie aufnehmen zu lassen. Doch unser Feuer lt keinenmehr zurck. Hochatmend erreichen die ersten Mnner das Ufer, einer nach dem an-deren. Sie werfen sich hinter die sprliche Deckung, die der Uferdamm gegen dasfeindliche Feuer von jenseits des Flusses bietet, um Atem zu schpfen.

    Unheimliche Stille beherrscht fr Augenblicke den Raum nach all dem Hllenlrmberstender Granaten und Schrapnells. Nun sichtet der Kompaniechef die Reihen seinerLeute. Zwei Drittel der Kompanie, das ist der Rest! Da schwirren die Meldungenheran. Verwundet, verwundet gefallen. Der und der dieser und jener . . .

    Wir decken den ber-gang des Regiments. Das istder Auftrag. Das heit: Wei-ter vorwrts! Von allen Sei-ten schlagen die Geschosseein. In den Bumen mssensie sitzen. Von hinten undvon vorn werden wir be-schossen. Da fllt der ersteBaumschtze von seinemhohen Sitz. Ein fanatischerBursche! Doch mitten imFeuer weiter! Es mu einBrckenkopf gebildetwerden.

    Bzura! Ein breiter Fluwlzt seine grauschwarzenWassermassen dahin. Bzura!Deine blutdrstigen Uferstillen aufs neue ihre Gier!Da schnellen die erstengrauen Gestalten hinab inden weigelben Flusand.

    Die ersten Gewehrschsse haben dieStille zerrissen. Schtzen und MG ge-hen in Stellung, aber noch liegen dieEinschlage weit hinten

  • Es sind drei Mann. Weit vorn ein Melder! Ihnen folgen zwei zusammengewrfelteGruppen. Ohne Zaudern sucht er die Furt. Die anderen folgen ihm ohne Befehl. Eisiglt das herbstliche Wasser die Mnner erschauern. Es geht ihnen bis an den Leib. Nunaber durch! Strauchelnd, vom Wasser gehemmt, arbeiten sie sich vorwrts. Manchmalspritzt das Wasser jh auf, wenn ein Gescho vom Baum seinen mrderischen Wegnimmt.

    Als erster erreicht jener Eine den jenseitigen Uferrand. Mit Schwung fliegt eineHandgranate ins gegenberliegende Haus. Kampfesfreude glht in den Augen des Ei-nen. Endlich kmpfen! Der Feind ist aus dem qualmenden Haus gewichen. Es folgendie anderen.

    Er aber springt auf und rast nach vorn. Durch einen niedergebrochenen, windschie-fen Gartenzaun, ber zertretene Blumen springt er hinaus ins Freie. Fragend blickensich alle an. Er erreicht eine flache Mulde auf freiem Gelnde. Da knattert ihm wildesGewehrfeuer aus vielen Lufen entgegen. Die anderen lugen hinter der Deckung. Pan-therartig springt er auf und will zurck. Im Sprunge entfllt ihm kraftlos sein Gewehr.

    Eine wtende Gewehrsalve streckt ihn dahin. Getroffen sinkt er zurck. AngstvolleSekunden verstreichen, bis die besorgten Stimmen Antwort erhalten. Beinschu. Gott sei Dank! Er lebt! Aber sie knnen ihn nicht holen. Der Pole achtet aus seiner Stel-lung auf die kleinste Bewegung.

    Nun folgt das Regiment. Nach einer Stunde ist der Feind aus seiner Stellunggewichen.

    Jener Eine aber ist tot. Tot wie viele andere mutige Kmpfer. Eine zweite Kugel hatihn durch den Kopf getroffen. Stumm liegt er neben ihm sein Tagebuch. . . . sichstets beherrschen, selbstlos, heiter und mutig sein . . .

    An der Bzura liegt ein stilles Grab! Darauf ein Strau farbiger Herbstblumen.

    Die Kompanie deckt den bergang des Regiments, und das heit: Weiter vorwrts

  • Blitzkrieg im OstenDer Feldzug in Polen

    Von Rolf Bathe

    Der Feldzug in Polen ist beendet! Mit diesem schlichten Satz beginnt der Kriegs-bericht des Oberkommandos der Wehrmacht vom 23. September, der den dramati-schen Ablauf des deutsch-polnischen Krieges zusammenfat.

    In ihrer grenzenlosen Selbstberschtzung hatte die polnische Heeresleitung sich inder Hoffnung gewiegt, in einem Krieg, den Deutschland nach zwei Fronten zu fhrenhatte, mindestens die Abwehr so lange erfolgreich durchfhren zu knnen, bis die festversprochene Hilfe britischer Land-, See- und Luftstreitkrfte wirksam geworden war.

    Der polnische Aufmarsch umfate vier Armeen. Gesttzt auf die starke Festungsli-nie am Narew marschierte die Nordarmee in den Raum zwischen Lomza und Mlawazum Einfall nach Ostpreuen vom Sden her auf, whrend gleichzeitig eine weitereKrftegruppe von Osten her in die deutsche Grenzprovinz einfallen sollte.

    Trotz dringender Warnungen des franzsischen Generals Weygand, der den Korri-dor im Kriegsfall als unhaltbar bezeichnet hatte, war eine zweite polnische Armee mitsehr starken Krften im Korridorgebiet aufmarschiert. Um diesem konzentrischen Angriff auf Danzig und Ostpreuen den notwendigenRckhalt zu geben, war die strkste polnische Armee in dem Rume um Posen zusam-mengeballt . . .

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    Der deutsche Gegenangriff erfolgte jedoch mit einer so blitzartigen Schnelligkeit,da diese strkste polnische Armee infolge Aufreiung ihrer Flanken und des drohen-den Verlustes ihrer rckwrtigen Verbindungen schleunigst den Rckzug nach Ostenantreten mute, ohne vorher berhaupt ernstlich ins Gefecht gekommen zu sein. Diepolnische Sdarmee schlielich war im Raum Krakau - Lemberg aufmarschiert.

    Das deutsche Oberkommando hatte von vornherein ein Ziel fest ins Auge gefat. Esgalt, die in dem weitgeschwungenen Weichselbogen zusammengeballte Masse des pol-nischen Heeres beiderseits umfassend anzugreifen, zu stellen und zu vernichten, bevornoch strkeren Teilen des polnischen Heeres der Rckzug ber die rettenden Ufer derWeichsel nach Osten gelungen war. Von Anfang an zielte daher die Storichtung desdeutschen Angriffs gegen Flanke und Rcken des polnischen Heeres.

    Der deutsche Gegenangriff, der sturmartig losbrach, warf schon in den ersten beidenTagen alle Berechnungen des polnischen Generalstabes ber den Haufen. Noch bevordie im Gebiet der Narewfestungen versammelte starke polnische Armee ihren Vor-marsch angetreten hatte, sah sie sich be-reits von dem wuchtigen Angriff der Armee des Generals der Artillerie

    Der Marsch unserer Armeen im Polenfeldzug.

  • Im Schtzengraben vorModlin.

    v. Kchler angefallen,die den Gegner auf dieNarewfestungen zu-rckdrngte. Gleich-zeitig griffen Teile derostpreuischen Armeemit der Storichtungnach Westen die Fe-stung Graudenz unddie Weichsellinie an,um der aus Pommernheraus zum Gegenstoangesetzten deutschenKampfgruppe die

    Hand zu reichen. Die in Pommern aufmarschierte Armee des Generals der Artillerie v.Kluge hatte als nchstliegende Aufgabe den Auftrag erhalten, die Verbindung mit Ost-preuen herzustellen.

    Der Vorsto der Armee v. Kluge, der in scharf sdstlich gerichtetem Sto gegen dieWeichsellinie BrombergGraudenz erfolgte, traf die feindliche Korridorarmee soberraschend, da nach dem berrennen der befestigten Brahelinie und dem ununter-brochenen Vormarsch, den vor allem der rcksichtslose Einsatz der jungen deutschenPanzerwaffe immer wieder in Flu brachte, schon am dritten Vormarschtage starkepolnische Krfte abgeschnitten waren. Bereits am 4. September erreichten Vorhutender Armee v. Kluge die Weichsel bei Kulm.

    Am folgenden Tage nahmen Regimenter der ostpreuischen Armee in schlagarti-gem Angriff die Festung Graudenz und reichten ihren Kameraden von der Armee v.Kluge die Hand. Nach mehrfachen erbitterten Durchbruchsversuchen und schwerstenblutigen Verlusten, die zur vlligen Vernichtung mehrerer Divisionen fhrten, streckteder Rest der polnischen Armee etwa 15.000 Mann die Waffen.

    Inzwischen hatte die Heeresgruppe Sd, die unter dem Oberbefehl des General-oberst v. Rundstedt mit drei Armeen in Schlesien und der Slowakei aufmarschiert war,einen Schlag gegen die polnische Sdarmee und die in Ostoberschlesien stehendenfeindlichen Krfte gefhrt, die nach den bereits erlittenen Niederlagen auf dem nrdli-chen Kriegsschauplatz nun das gesamte Gebude des polnischen Operationsplaneswie ein Kartenhaus zusammenstrzen lieen.

    Die Strke des deutschen Angriffs aus Schlesien heraus traf den polnischen General-stab vllig berraschend. Unter Aussparung des ostoberschlesischen Industriegebieteserfolgte sdlich und nrdlich der Vorsto der Armeen des Generalobersten List unddes Generals der Artillerie v. Reichenau mit einer derartigen Schnelligkeit, da am sie-benten Tage des Vormarsches der deutsche Wehrmachtbericht bereits melden

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    Modlin war die letzte Festung Polens,die sich ergab (am 25. September, ei-nen Tag nach der Kapitulation von War-schau). Unsere Bil-der (rechts und un-ten) geben einen Ausschnitt aus der rie-sigen Zahl der Gefangenen, der letztenaus der groen Schlacht Warschau-Modlin.

    konnte, die Spitzen unse-rer vorgeworfenen motori-sierten Truppen seien nurnoch 60 Kilometer von War-schau entfernt.

    Jetzt berstrzten sich die Ereignisse: Ohne rechts und links zu sehen, nur das groeZiel vor Augen, tief im Rcken der polnischen Heeresmasse an der Weichsel und vorWarschau die Lebensnerven Polens zu zerschneiden, hasteten Schnelle Truppen aufden nach Warschau fhrenden Straen vorwrts. Am 8. September bereits tauchten dieSpitzen deutscher Panzertruppen vor Warschau auf und konnten die Stadt mit ihrenzentralen Bahnlinien von Westen her abriegeln und damit der noch mehrere hundertKilometer westlich stehenden Masse des polnischen Heeres die wichtigste Rckzugs-strae sperren.

    Nicht minder atemlos hatte sich der Vormarsch des Sdflgels der Armee v. Rei-chenau vollzogen, die bei Sandomir unweit der Mndung des San gleichfalls dieWeichsel erreicht hatte und auch hier zurckflutenden polnischen Heeresteilen denRckzug ber den rettenden Strom sperrte.

  • Der Deutsche an der Weichsel bei Sandomir, der Deutsche vor Warschau, der Deutschevon der Linie StrasburgThornBromberg her tief in der Flanke . . ., so schlugen dieUnglcksnachrichten im Hauptquartier der Posener Armee ein, die ohne bisher ge-fochten zu haben nun eiligst die Provinz Posen rumen mute und in Gewaltmr-schen den Rckzug in Richtung KutnoBzura-Linie Warschau antrat, um der drohen-den Umklammerung noch in zwlfter Stunde zu entgehen. Aber es war bereits zu spt!

    Vor allem war es die im Raum von Breslau aufmarschierte Armee des Generals derInfanterie Blaskowitz, die jetzt mit weit ausgreifenden Schritten antrat, ber Lodz hin-aus bis zur Flulinie der Bzura vorstie und mit der Front nach Norden den abstr-menden Massen der Posener Armee des Feindes den Ausweg nach Sden und Sd-osten verriegelte.

    Whrend sich hier zwischen Kutno, der Bzura und der Weichsel die Einkesselungeiner gewaltigen polnischen Heeresmasse abzeichnete, war es der Armee v. Reichenaugelungen, nrdlich des Gebirgszuges der Lysa Gora zwischen Radom-Zwolen und derWeichsel die auf der Verfolgung von Oberschlesien mehrfach geschlagene polnischeArmee zu stellen, einzukreisen und zu vernichten.

    Ein Kapitel fr sich bilden in diesem Feldzug der Kampf, der Vormarsch und dieVerfolgung der am Sdflgel des deutschen Ostheeres aufmarschierten Armee des Ge-neraloberst List. Diese Stogruppe hatte als Gegner die starke polnische Sdarmee vorsich. Auch die Armee List packte den Feind gleichzeitig frontal mit der Storichtungauf Krakau und flankierend von den Karpaten her an.

    Die Erfolge der Armee List stehen trotz der besonderen Schwierigkeiten des Kampf-gelndes in Galizien und im Gebirge denen der brigen Armeen in nichts nach.Krakau, Polens alte Hauptstadt, wurde einfach berrannt und kampflos in Besitz ge-nommen. Innerhalb weniger Tage fiel die mchtige San-Festung Przemysl, Lembergwurde unter harten Kmpfen eingeschlossen, und whrend der Ablsung durch russi-sche Truppen streckten die starken polnischen Streitkrfte auch hier die Waffen.

    Inzwischen hatte sich in der Schlacht im Weichselbogen zwischen Kutno, derBzura und der Weichsel fr die hier eingeschlossene polnische Heeresmasse eine Kata-strophe vollzogen, wie sie in dieser Gre ohne Beispiel in der Kriegsgeschichte allerZeiten ist.

    Es ist ein ungeheuer packendes, dramatisches Bild, das der Stand der Schlacht vom10. September an gewhrt. Aus dem Netzegau von Bromberg her drckt die pommer-sche Armee v. Kluge ber Hohensalza den Feind nach Sdosten, wo die nordschlesi-sche Armee Blaskowitz bereits sdlich der Bzura alle Auswege verrammelt hat. VonNorden her legt die ostpreuische Armee v. Kchler den Ring, um gleichzeitig auchden letzten Ausweg im Nordosten ber die Festung Modlin zu sperren.

    Im Osten des gewaltigen Kessels schlieen vor den Toren von Warschau Divisionender Armee v. Reichenau den Kreis, aus dem es fr die polnische Heeresmasse kein Ent-kommen geben darf.

    Fast zehn Tage hat die groe Schlacht im Weichselbogen angehalten.Die letzte Meldung brachte das Ende des polnischen Heeres, brachte den deutschen

    Waffen einen weltgeschichtlichen Sieg. 50000 Gefangene meldete der

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    Wehrmachtsbericht vom 19. September; 105.000 Gefangene waren es am nchstenTage, und am 21. September war die Gefangenen beute auf 170.000 Mann angeschwol-len. Zwei Tage spter wurde der Oberbefehlshaber der Korridorarmee, General Bort-nowski, in den Bzura-Smpfen mit seinem gesamten Stab gefangengenommen.

    Mit dem Abschlu der Schlacht im Weichselbogen, mit der Einnahme von Gdin-gen, bei der ebenso wie bei der Eroberung der Westerplatte unsere Seestreitkrfte inengster Kampfgemeinschaft mit den Landtruppen mitwirkten, war der polnische Feld-zug beendet. Nur zwei Widerstandsinseln, Warschau und die Festung Modlin, hieltensich noch. Polens Hauptstadt war seit dem 14. September bedroht. Im Hinblick auf diemehr als eine Million betragende Bevlkerung Warschaus war das deutsche Oberkom-mando aus Grnden der Menschlichkeit entschlossen, unntze Opfer zu vermeiden.

    Es stellte dem polnischen Militrbefehlshaber ein Ultimatum, sich innerhalb von 24Stunden zur bergabe zu entschlieen. Nach einem Hin und Her von Annahme undAblehnung der Kapitulation wurde es klar, da der polnische Befehlshaber in War-schau ohne Rcksicht auf das Leben einer Million hilflo