Die Wurzeln des Faschismus

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    21-Jul-2016
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Eine Broschüre zum 8. Mai - Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung.

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  • Die Wurzeln

    des Faschismus

    Eine Broschre der

    8. Mai 1945: Befreiung - was sonst? Gegen Nazis - Aber Warum? Neue Nazis, alte Inhalte

  • ...Schworen sich die befreiten Hft-linge aus dem Konzentrationslager Buchenwald am 19. April 1945. Deutsch-land wurde wenige Wochen spter, am 8. Mai 1945, durch den Vormarsch der Ro-ten Armee auf Berlin vom faschistischen Terror befreit. Seitdem wird offiziell alles, was mit Faschismus und Rassismus zu tun hat, gechtet. Dennoch stellen sich eine Menge Fragen, die die Aktualitt des Schwurs von Buchenwald aufzeigen: Wie konnte der sogenannte Nationalsozialis-tische Untergrund (NSU) zehn Jahre lang Menschen ermorden? Wieso wird eine faschistische Partei wie die NPD durch Steuergelder finanziert, obwohl sie eine direkt Nachfolgepartei der NSDAP ist und Mitglieder dieser Partei den NSU

    mit Waffen versorgten? Wie kann es sein, dass dem Staat die Machenschaften des NSU bekannt waren und sie nur mit staatlicher Hilfe gedeckt werden konn-ten? Warum werden heute noch Bewei-se vernichtet? Wieso wird die Versamm-lungsfreiheit von Faschisten mit brutaler Gewalt durchgesetzt, whrend antifaschis-tischer Protest kriminalisiert wird? Wieso brennen immer mehr Flchtlingsunter-knfte und nehmen die direkten Angriffe auf MigrantInnen und Linke zu? Es waren Nazis, die seit 1990 knapp 200 Menschen umgebracht haben.

    Die Vernichtung des Nazismus mit sei-nen Wurzeln ist unsere Losung ... - Was sind diese Wurzeln?

    Die Vernichtung des Nazismus mit

    seinen Wurzeln ist unsere Losung.Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.

    Intro

    Hintergrundbild: Eingangsgebude des Konzentrationslagers Buchenwald, dessen Lagertor die Inschrift Jedem das Seine trug.

  • Am 8. Mai 1945 kapitulierte die deut-sche Wehrmacht bedingungslos, der zweite Weltkrieg war beendet. Wie kam es dazu und wer wollte den Krieg?

    Ende der 1920er Jahre gab es weltweit eine heftige Wirtschaftskrise, so auch in Deutschland. Die Lasten dieser Krise sollten nicht die Unternehmer bezahlen, sondern sie wurden auf die Arbeitenden abgewlzt: Armut, Arbeitslosigkeit und Hunger fhrten dazu, dass vielen klar wurde, dass ein System, das auf Konkur-renz ausgelegt ist, fr die Mehrheit der

    Bevlkerung keine Verbesserungen birgt. KommunistInnen, GewerkschafterInnen und andere fortschrittliche Krfte wollten die Verschlechterungen nicht akzeptieren und setzten sich fr eine Gesellschaft ein, die nicht auf Konkurrenz und Ausbeu-tung basiert. Durch die Untersttzung von Banken und Konzernen waren aber die Nazis mit ihren Versprechungen und Erklrungen erfolgreicher: Fr sie waren an allem Elend, an Armut und Hunger be-stimmte Minderheiten schuld: Juden und Jdinnen, Sinti und Roma, KommunistIn-nen, Linke und GewerkschafterInnen.

    BefreiunG!Was sonst?

    Hintergrundbild: Aufnahme des sowjetischen Fotografen Jewgeni Chaldej, welche einen Rotarmisten beim Hissen der Sowjetunion-Flagge auf dem Reichstag zeigt. Sie entstand whrend der Schlacht um Berlin am Ende des zweiten Weltkriegs.

  • Im Jahr 1933 geht alles dann ganz schnell. Bestochen von den Industriellen, ernennt Hindenburg Hitler zum Reichskanzler, kurz vor der Wahl 1933 initiieren die Fa-schisten den Reichstagsbrand und geben die Schuld daran den Kommunistinnen und Kommunisten. Dies wird als Anlass fr die Reichstagsbrandverordnung ge-nommen: Viele KommunistInnen und So-zialdemokratInnen werden verhaftet, das Ermchtigungsgesetz wird beschlossen das ihnen letztendlich alle demokrati-schen Rechte nimmt. Juden und Jdinnen werden verfolgt und ermordet. Alle br-gerlichen Parteien werden aufgelst, die Gewerkschaften werden zerschlagen, und am 1. September 1939 mit dem Einmarsch in Polen der zweite Weltkrieg begonnen. In Konzentrationslagern werden Jdinnen und Juden, Sinti und Roma, Kommunis-tInnen und andere fortschrittliche Krf-te umgebracht. Mehrere Millionen Men-schen werden in Konzentrationslagern industriell ermordetet, Millionen weitere kommen im Krieg um. Auch mit den Toten wurde noch Geld gemacht: Ein grausames Beispiel ist der Verkauf von Goldzhnen oder Haaren der Ermordeten.

    Die versprochenen sozialen Vernderun-gen fr die deutsche Bevlkerung kom-men natrlich nicht. Die Wirtschaft wird auf die Kriegsproduktion ausgerichtet, ein Panzer nach dem anderen wird her-gestellt. Denn die aggressivsten Teile der herrschenden Klasse wollen sich durch Krieg weitere Profite sichern. Es war die-se aggressive Linie, die die faschistische

    Diktatur aufgebaut hat um ihre Interes-sen gnadenlos durchsetzen zu knnen. Die Lhne sinken, Mitbestimmung und kritische Stimmen wird verboten, immer mehr Menschen werden als Arbeitsskla-ven zur Zwangsarbeit gentigt. Die Ban-ken und Konzerne in Deutschland verdie-nen am Krieg und der Zwangsarbeit wie nie zuvor. Den Werkttigen Deutschlands geht es dafr umso dreckiger.

    Doch dagegen regte sich Widerstand. Im Faschismus gab es mutige Frauen und Mn-ner, die sich der Unterdrckung entgegen-stellten und ihr Leben, fr die Befreiung von diesem grausamen System, hergaben. Sie wurden jedoch so stark verfolgt und bekmpft, dass eine Befreiung schlielich nur mit Untersttzung von auen mglich war. Ohne den Einsatz der Anti-Hitler-Ko-alition, allen voran der Roten Armee der Sowjetunion wre Deutschland am 8. Mai 1945 nicht befreit worden.

    Aber wie Brecht sagte: Der Scho ist fruchtbar noch.... Denn immer noch ha-ben die Banken und Konzerne die Macht. In diesem Land wurden nach dem zwei-ten Weltkrieg wieder Altnazis in Amt und Wrden gehoben. Und immer noch wird der 8. Mai mit einer Niederlage Deutsch-lands verknpft. Dabei wurde an diesem Tag die Mglichkeit zum Aufbau einer Welt des Friedens und der Freiheit erst gegeben. Wir fordern deshalb den 8. Mai den Tag der Befreiung vom Faschismus zum Feiertag zu erklren.

    4 Befreiung! was sonst?

    Hintergrundbild: Befreite Hftlinge des Konzentrationslagers Dachau.

  • Auch heute noch kommen Faschisten zu Kundgebungen und Demonstra-tionen zusammen. Sie nutzen die Mei-nungsfreiheit um ihre rassistischen und menschenverachtenden Parolen zu ver-breiten. Dabei bildet sich oft Widerstand, viele Menschen werden Laut wenn Rech-te Angst und Schrecken verbreiten wollen.

    Wenn gemeinsam gegen Nazis demons-triert wird, stehen Menschen zusammen, die ganz unterschiedliche Vorstellungen von Wesen und den Ursachen des Fa-schismus haben. Gegen Nazis da sind

    sich alle einig, aber warum wir dagegen sind, ist oft unklar. Um Nazis tatschlich zu bekmpfen, muss klar sein, was Faschis-mus eigentlich ist und woher er kommt.

    Warum? Weil wir davon ausgehen, dass nur wer seinen Gegner kennt, ihn auch (erfolgreich) bekmpfen kann. Wir ver-stehen Faschismus als eine Form von Herrschaft. Das bedeutet, dass sich An-tifaschismus nicht auf die Bekmpfung von bestimmten Ideen, Gesinnungen oder einer Weltanschauung beschrnken darf. Faschismus ist aber nicht blo irgendei-

    Gegen Nazis - aber warum?

  • ne Herrschaft. Wie bei jeder Herrschaft ist deren Charakter dadurch bestimmt, wessen Interesse mit ihr durchgesetzt wird. Und jedes historische Beispiel von Faschismus an der Macht, egal ob in Deutschland, in Italien, in Spanien, Por-tugal, Griechenland oder Chile, belegt: Es waren die Klasseninteressen der groen Konzerne und Banken (des Monopolka-pitals) , die umgesetzt wurden, sobald der Faschismus an die Macht kam. Es waren nicht die Interessen der Bevlke-rung, nicht die der Mittelschichten, nicht die des sogenannten Lumpenproletari-ats. Wenn Teile der Bevlkerung fr Pro-paganda und individuelle Vorteile durch den Faschismus empfnglich waren, dann waren es dennoch nicht ihre Interessen, die nun herrschten sondern sie wurden damit lediglich zur Untersttzung oder Duldung der faschistischen Herrschaft

    ganz anderer Interessen gekdert. Weil der Faschismus stets nur den Interessen der aggressivsten Teile der Herrschenden dient, mssen wir mglichst groe Teile der brigen Bevlkerung zum gemeinsa-men Kampf fr ihre Interessen gewinnen.

    Das Monopolkapital war in Deutschland aber auch schon im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und nach der Befrei-ung vom Faschismus in der Bundesrepu-blik die vorherrschende Macht und ist es noch heute. Deshalb ist es uns wichtig, zu sehen, dass der Faschismus eine besonde-re Form der Herrschaft des Monopolka-pitals ist. Es ist die Form, bei der jeglicher Ausdruck von Interessen, die von denen der herrschenden Klasse abweichen, il-legalisiert und verfolgt wird. Das unter-scheidet den Faschismus vom brgerli-chen Parlamentarismus. Deshalb ist eine

    6 Gegen Nazis - aber Warum?

  • Bundesrepublik, in der KommunistInnen erneut verfolgt und eingesperrt wurden, deren Polizei und Justiz Aufmrsche von Faschisten duldet und schtzt und in der der Staat mit seinen Geheimdiensten in die Aktivitten einer Terrorgruppe wie dem NSU verstrickt ist, noch nicht fa-schistisch. Aber damit ist auch klar, dass die heute Herrschenden und ihr Staat kein mglicher antifaschistischer Bndnis-partner ist. Jeden antifaschistischen Erfolg in diesem Staat mssen wir ihnen abtrot-zen und gemeinsam mit anderen sel-ber erkmpfen.

    Mit Erklrungen darber, wie es zum Fa-schismus kam, befassen wir uns also nicht aus theoretischer Neugier sondern weil wir genau wissen wollen, und auch wissen mssen, was Faschismus ist, um ihn wirk-sam zu bekmpfen!

    Hintergrundbild: No Pasarn! - Sie werden nicht durchkommen! war die Parole der Gegner der Fa-schisten um Franco im spanischen Brgerkrieg. Sie wird der spanischen Kommunistin Dolores Ibrruri zugeschrieben.

  • Mit dem militrischen Sieg der Roten Armee und der anderen Streitkrf-te der Anti-Hitler-Koalition ber Nazi-Deutschland 1945 schien sich die Hoff-nung auf eine Welt ohne Faschismus zu erfllen. Das galt jedoch nicht berall: In Lndern wie Portugal oder Spanien ber-dauerte der Faschismus bis in die 1970e