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  • discussion paper Nr. 40/2018

    Juni/2018

    discussion paper

    Judith Vey

    Leben im Tempohome. Qualitative Studie

    zur Unterbringungssituation von

    Flüchtenden in temporären

    Gemeinschaftsunterkünften in Berlin

    Unter Mitarbeit von Salome Gunsch und Aryan Sehatkar

  • 2

    Impressum

    Zentrum Technik und Gesellschaft

    Sekretariat HBS 1

    Hardenbergstraße 16-18

    10623 Berlin

    www.ztg.tu-berlin.de

    Die discussion paper werden von Martina Schäfer und Gabriele Wendorf

    herausgegeben. Sie sind als pdf-Datei abrufbar unter:

    http://www.tu-berlin.de/ztg/menue/publikationen/discussion_papers/

    http://www.tu-berlin.de/ztg/menue/publikationen/discussion_papers/

  • 3

    Zusammenfassung

    Der vorliegende Forschungsbericht ist Teil der Studie „Handlungsfähigkeit in

    der bundesdeutschen Flüchtlingsunterbringung“ (gefördert durch die Fritz

    Thyssen Stiftung, Laufzeit 2016 bis 2019), in der verschiedene

    Flüchtlingsunterkünfte auf ihre Auswirkungen auf die Bewohner*innen und

    ihre Handlungsmöglichkeiten hin untersucht werden.1 In der hier

    vorgestellten Teilstudie stehen temporäre Gemeinschaftsunterkünfte in

    Berlin im Zentrum der Analyse, so genannte Tempohomes. Ziel der

    Untersuchung war es, die Situation und Probleme der Bewohner*innen zu

    verstehen, ihre Bedürfnisse zu identifizieren und daraus

    Handlungsempfehlungen für politisch und administrativ Verantwortliche

    sowie zivilgesellschaftliche Akteur*innen abzuleiten.

    Die Studie zeigt, dass bestimmte Veränderungen und Verbesserungen der

    Wohnsituation in den Tempohomes möglich sind, wenn ausreichend

    finanzielle Mittel und Ressourcen bereitgestellt werden. Eine qualitative

    Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation in Form einer adäquaten

    Unterbringung und einer selbstbestimmten Lebensführung für Flüchtende ist

    jedoch nur durch strukturelle Veränderungen zu erreichen, da sich die

    Flüchtenden räumlich wie sozial, ökonomisch, politisch und kulturell von der

    deutschen Gesellschaft ausgeschlossen fühlen. Die zentralisierte

    Unterbringung in Sammelunterkünften fördert diese gefühlte und reale

    Isolation, Segregation, Exklusion und die damit einhergehende

    Stigmatisierung und fehlende Selbstbestimmung und Privatsphäre enorm;

    sie ist jedoch nur ein Aspekt der Lebensrealität der Flüchtenden in

    Deutschland. Die notwendigen strukturellen Veränderungen umfassen

    infolgedessen nicht nur die Unterbringungs- und Versorgungssituation,

    sondern auch die kontinuierlich restriktiver werdende Asylgesetzgebung und

    -umsetzung in Deutschland und Europa.

    Die Teilstudie wurde zusätzlich durch die Senatsverwaltung für Integration,

    Arbeit und Soziales/den Beauftragten des Senats von Berlin für Integration

    und Migration finanziell unterstützt. Salome Gunsch und Aryan Sehatkar

    haben im Rahmen eines Praktikums an dem Projekt mitgewirkt und die

    Workshops unterstützend begleitet. Ihnen, allen teilnehmenden Flüchtenden

    und anderen Interviewpartner*innen, allen Übersetzer*innen und

    1 Weitere Teilprojekte sind: „Zufluchtsorte? Eine Kurzstudie zur Unterbringungssituation von

    LGBTIQ*-Geflüchteten in Berlin“ (Leitung: Dr. Judith Vey; gefördert durch die Bundesstiftung

    Magnus Hirschfeld, Bearbeitung: Vanessa Einbrodt und Wael Mahmoud, Laufzeit Juli 2017 bis

    Januar 2018) und „Stadträumliche Kurzstudie zu Partizipationsmöglichkeiten von

    Geflüchteten und Menschen mit Migrationsgeschichte/People of Color* im Bezirk Pankow“

    (Leitung Dr. Judith Vey und Dr. Dr. Peter Ullrich, TU Berlin, Bearbeitung: Salome Gunsch und

    Corinna Trogisch, Laufzeit September 2017 bis Februar 2018). Diese wurde von der

    Intergrationsbeauftragten von Berlin – Pankow in Auftrag gegeben.

  • 4

    Unterstützer*innen gebührt großer Dank. Besonderer Dank gilt auch Tofigh

    Zergani, der mich über ein Jahr lang als Forschungsassistent unterstützt

    hat. Ich danke ebenfalls Corinna Trogisch für die Lektüre und Korrektur der

    Entwurfsfassung.

    Abstract

    Living in a Tempohome. A Qualitative Sub Study on the Living

    Conditions of Refugees in Temporary Refugee Accommodations in

    Berlin

    The presented research report is part of a long-term study that began in

    2016 and is expected to end in 2019 entitled “Agency in German Refugee

    Accommodations” (funded by the Fritz Thyssen Foundation).2 The aim of

    this study is to investigate different types of refugee homes and understand

    the impacts that these accommodations have on the inhabitants, their

    agency and current situations. This report describes results of a sub study

    that focuses specifically on temporary refugee homes in Berlin, so called

    “tempohomes”. The objective of this research is to gain an understanding of

    the situation and problems experienced by the inhabitants of these

    tempohomes, in order to identify improvement and action for responsible

    actors in administration, politics and civil-society.

    The study concluded that some changes and improvements concerning the

    living conditions in the tempohomes are possible given sufficient financial

    resources. However, experiences reported by the refugees, such as feeling

    completely segregated, isolated and excluded from the German society and

    a feeling of suffering from the resulting stigmatization and the lack of

    agency and privacy, cannot be remedied by financial resources. Although

    the centralized accommodations in camps is indeed a major contributor of

    reported exclusion, the study points out that it is the broader asylum

    system and its reality that drives these problems. For this reason, structural

    changes in the type and supply of refugee accommodations and in the

    increasingly more restrictive asylum system are indispensable for ensuring

    adequate accommodations and the possibility of self-determined lives for

    refugees.

    2 Dr. Vey is also head of the study "Places of Refuge? A short study on the accommodation

    situation of LGBTIQ* refugees in Berlin" (funded by the Federal Foundation Magnus

    Hirschfeld, conducted by Vanessa Einbrodt and Wael Mahmoud between July 2017 and

    January 2018) and a study on opportunities for participation for refugees and

    migrants/people of color* in the district of Berlin – Pankow (together with Dr. Dr. Peter

    Ullrich, TU Berlin, Salome Gunsch and Corinna Trogisch between September 2017 and

    February 2018), which was funded by the commissioner for integration of Berlin – Pankow.

  • 5

    The sub study is partially funded by the Senate Department for Integration,

    Labour and Social Services/the Commissioner of the Senate of Berlin for

    integration and migration. Salome Gunsch and Aryan Sehatkar contributed

    to this study as part of an internship. We would like to thank all

    participating refugees and interview partners, all translators and supporters

    of this study. A special thanks goes to Tofigh Zergani, who supported me as

    a research assistant for over one year. I would also like to thank Corinna

    Trogisch for proofreading the draft version.

  • 6

    Nicht-akademische Zusammenfassung auf Deutsch

    Dr. Judith Vey ist Soziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am

    Zentrum Technik und Gesellschaft der Technischen Universität Berlin. Sie

    leitet dort mehrere Forschungsprojekte zur Flüchtlingsunterbringung in

    Deutschland. Der vorliegende Forschungsbericht ist Teil der Studie

    „Handlungsfähigkeit in der bundesdeutschen Flüchtlingsunterbringung“, in

    der von 2016 bis 2019 die Auswirkungen verschiedener

    Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland auf die Bewohner*innen und ihre

    Handlungsmöglichkeiten hin untersucht werden.

    In der hier vorgestellten Teilstudie wurden Tempohomes in Berlin besucht

    und Mitarbeiter*innen und Bewohner*innen befragt. Ziel der Untersuchung

    war es, die Situation und Probleme der Bewohner*innen zu verstehen, ihre

    Bedürfnisse herauszufinden und daraus Handlungsempfehlungen für Politik

    und Verwaltung abzuleiten.

    Die Studie zeigt, dass die befragten Bewohner*innen darunter leiden, dass

    sie gemeinsam mit Menschen zusammenwohnen müssen, die sie nicht

    kennen, dass sie viele wichtige Dinge in ihrem Leben nicht selbst

    entscheiden können und dass sie keine eigene Wohnung haben. Zudem

    fühlen sie sich zum Teil durch die Heimmitarbeiter*innen kontrolliert und

    von der deutschen Gesellschaft ausgeschlossen. Viele erhalten keine Arbeit,

    auch der Zugang zu Kindergarten-, Schul- und Studienplätzen ist schwierig.

    Gerade in den Tempohomes ist es für Familien und Einzelpersonen zu eng,

    viele Dinge des alltäglichen Lebens (wie Küchenutensilien,

    Internetverbindung, Freizeitbeschäftigungsmöglichkeiten etc.) fehlen ihnen.

    Sie wünschen sich all