Dr. Dreer: Burnout vortrag JKU Linz

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Psychische Erkrankungen verursachen in Österreich derzeit einen volkswirtschaftlichenSchaden von jährlich sieben Milliarden Euro und dies mit stark steigender Tendenz. Laut einer neuen Studie des IWS sind psychische Belastungen schon jetzt die zweithäufigste Ursache für Frühpensionierungen. Seit Jahren gibt es trotz des Wissens um diese Entwicklung kaum Reaktionen und vor allem, wenn etwas passiert, dann ist es nur ein Reagieren und kein Agieren im Sinne einer Prävention. Durch diese Untätigkeit entstehen nicht nur immense Kosten für das Gesamtsystem, sondern es passiert ja ebenso eine Schädigung durch die Einbrüche in den Lebensverläufen der Menschen, ein „In-Kauf-Nehmen“ der Minderung von Chancen der sozialen Teilhabe durch die Verantwortlichen. Hier stellt sich nun die zentrale Frage: „Warum ist Prävention kein Handlungsschema in Österreich?“ Im Rahmen der Jahrestagung der NeuZeit KG soll dies unter dem Tagungsthema „Prävention – eine gesellschaftspolitische Verantwortung“ beleuchtet werden. Politiker, Ärzte, Vertreter der Sozialpartner und Institutionen sowie Arbeitspsychologen sind die Referenten und Diskussionspartner.

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o. Univ. Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Friedrich Schneider, Institut fr Volkswirtschaftslehre, Vorstand des Forschungsinstituts fr Bankwesen, Johannes Kepler Universitt Linz, Altenbergerstrae 69, 4040 Linz, Tel.: +43/732/2468-8210, Fax: +43/732/2468-8209, E-mail: friedrich.schneider@jku.atDr. Elisabeth Dreer, MScForschungsinstitut fr Bankwesen, Johannes Kepler Universitt Linz, Altenbergerstrae 69, 4040 Linz, Tel.: +43/732/2468-3296, E-mail: elisabeth.dreer@jku.atVolkswirtschaftliche Analyse eines rechtzeitigen Erkennens von BurnoutJahrestagung Resilienz, 8. Mai 2014Eine Initiative des IWS (Institut Wirtschaftsstandort O) und pro mente O Nr.1InhaltZiel der StudieWas ist Burnout?Studien zum Thema Burnout Studien zum Thema psychische ErkrankungenZahlen fr sterreichKosten von Burnout nach dem Diagnosezeitpunkt6.1 Minimum Maximum Kosten pro Fall6.2 Hochrechnung auf 500.000 Flle 6.3 Kosten von Burnout fr die BetriebeZusammenfassungEntwicklung der Plattform stressfrei-austria.atNr.21. Ziel der StudieZiel der Studie ist die Berechnung der volkswirtschaftlichen Kosten, die durch die Behandlung von Burnout anfallen. Anhand von drei Verlaufsszenarien von Burnout soll gezeigt werden,wie stark die Gesamtkosten pro Fall vom Diagnosezeitpunkt abhngen,wie sich dies auf die Kosten fr die Volkswirtschaft auswirkt und welche finanziellen Auswirkungen der Diagnose- und Behandlungszeitpunkt auf Klein- Mittel- und Grobetriebe hat. Nr.31970er entstand der Begriff "Burnout Syndrom" und beschreibt damals wie heute denZustand der emotionalen Erschpfung.Diagnoseinstrument fr Burnout: z.B. Maslach Burnout Inventory (MBI),Emotionale Erschpfung: Stress-Dimension des Burnout-Syndroms (Kraftlosigkeit, Mdigkeit, Antriebsschwche, leichte Reizbarkeit)Depersonalisierung: Gleichgltigkeit, tw. zynische/agressive Einstellung gegenber anderen Personen (Klienten/Patienten/Schlern/Pflegebedrftigen/Teamkollegen/Kunden.)Reduzierte persnliche Leistungsfhigkeit: Gefhl, trotz berlastung nicht viel erreicht zu haben2. Was ist Burnout?2.1 BegriffsdefinitionNr.42. Was ist Burnout?2.2 Betroffenheit - International (WHO)

Das Burnout-Syndrom wird wissenschaftlich nicht als Krankheit gesehenwird nur als Zusatz, aber nicht als Hauptdiagnose mit dem Diagnoseschlssel Z73.0 erfasst:Z73: Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der LebensbewltigungZ73.0: Ausgebranntsein, Zustand der totalen Erschpfung, BurnoutWeltgesundheitsorganisationF00-F99: u.a.: Persnlichkeits- und Verhaltensstrungen, Intelligenzminderung,Verhaltens- und emotionale Strungen mit Beginn in der Kindheit und JugendNr.52. Was ist Burnout?2.3 Betroffenheit - sterreichHauptverband der sterreichischen Sozialversicherungstrger: Statistische Erfassung einer Krankmeldung: Zuordnung zu einer Krankheitsgruppe.Je nach Hauptdiagnose knnen sich auch unterschiedliche Zuordnungen von Burnout-PatientInnen zu verschiedenen Krankheitsgruppen ergeben. (z.B. Allergien, Magenschmerzen, Kreislaufprobleme usw. als Folge von psychischen Belastungen)

Es ist daher nicht mglich, spezifisches Zahlenmaterial zur Inzidenz (Eintritt des Ereignisses) und Prvalenz (Vorherrschen) abzuleiten.Nr.63. Studien zum ThemaNr.73. Studien zum Thema3.1 Burnout - Wie ausgebrannt ist sterreich?Studie des Online Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent.com (2010): Burnout - Wie ausgebrannt ist sterreich?Befragung von rd. 500 erwerbsttigen sterreicherInnen zwischen 16 und 65 Jahren. Laut Studie haben 4,0% das Gefhl, selbst von Burnout gefhrdet zu sein, 21,0% sehen sich eher gefhrdet, 21,8% weder noch, 33% eher weniger gefhrdet und 20,2% berhaupt nicht gefhrdet.Als Begrndung fr die Zunahme an Burnout-Fllen nennt die Studie den Faktor Stress. Nr.83. Studien zum Thema3.2 sterreichs erste groe BurnoutstudieStudie Business Doctors (ab 2006): sterreichs erste groe BurnoutstudieSchriftliche Befragung von rd. 7.000 Personen bzw. 12 Berufsgruppen, wie Handelsangestellte, IT-Beschftigte, Gesundheits- und Sozialbereich, etc. Die Studie zeigt, dass 19% aller Befragten Burnout-gefhrdet sind. Burnout-gefhrdete Personen sind hufiger krank: 37% der Burnout-Gefhrdeten waren im Jahr davor mehr als 20 Tage im Krankenstand bei den Nicht-Gefhrdeten waren es nur 11%. Evaluierungsstudie fr 2014 geplant.Nr.9Studie des Fonds Gesundes sterreich, FG: Grobetriebe (2007-2009)Praxis-Studie in 7Grobetrieben mit Schichtarbeit (n = 2.420 Fragebgen, Rcklauf < 50% und 35Interviews). Insgesamt weisen 23% der Befragten bereits Burnout-Symptome auf, d.h. sie sind fortdauernd erhhten Belastungen ausgesetzt, knnen Stress nicht mehr ausreichend verarbeiten und sich nur mangelhaft erholen.Fhrungskrfte haben ein geringeres Burnout-Risiko als andere Beschftigtengruppen. 67% der Schichtarbeiter, jedoch nur 23% der Tagesarbeiter verzeichnen Burnout-Symptome.In Unternehmen, in denen Betriebliche Gesundheitsfrderung (BGF) mit Fokus auf psychische Gesundheit durchgefhrt wird, berichten nur 10% der Beschftigten von Burnout-Symptomen wo es keine BGF gibt, sagen das rund 40%, wo vereinzelt BGF betrieben wird, sind es 20%.

3. Studien zum Thema3.3 GrobetriebeNr.10Studie der rztekammer: Kampf gegen das Ausbrennen (2011)Im Auftrag des sterreichischen rztekammer (K) hat die Universittsklinik fr Psychiatrie der Medizinischen Universitt Graz eine Studie zur Burnout-Gefhrdung von rzten abgeschlossen (Online-Umfrage bei 6.249 rzten). 54% befinden sich in unterschiedlichen Stadien von Burnout, der Groteil jedoch in Phase 1.Rund ein Drittel davon befinden sich jedoch in Phase III (berdurchschnittliche Gefhrdung, v.a. bei Spitalsrzten). Besonders gefhrdet sind Spitalsrzte unter 47 Jahren, v.a. jene in Turnus- und Facharztausbildung.

3. Studien zum Thema3.4 rzteNr.11Studie des Wirtschaftsforums der Fhrungskrfte, WdF; Gesundheitsstudie Fhrungskrfte (2011)Im Auftrag des WdF in Zusammenarbeit mit der Vienna Insurance Group wurde eine Web-gesttzte Befragung zum Thema Work-Life-Balance unter den sterreichischen Fhrungskrften (WdF-Mitglieder) durchgefhrt (n=203). In der Studie wurde auch die Burnout-Betroffenheit erhoben. Mehr als die Hlfte der Befragten, die aktuell gesundheitliche Probleme bekennen, haben darber hinaus Burnout-Erfahrungen. Ein Prozent der ManagerInnen konstatiert bei sich selbst ein akutes, massives Burnout-Problem, weitere 6% fhlen sich knapp davor! 3. Studien zum Thema3.5 FhrungskrfteNr.12bersicht ber Burnout-Studien in sterreichAnmerkung: Es wird kein Anspruch auf Vollstndigkeit erhoben. Der Stichprobenumfang muss nicht mit dem tatschlichen Rcklauf (insb. bei Fragebogenerhebungen) bereinstimmen. Quelle: Eigene Darstellung. 3. Studien zum Thema3.6 bersicht / Zusammenfassung

Nr.13Studien zum Thema psychische erkrankungen Nr.14Bundesministerium fr Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Pensionsversicherungsanstalt und Integrated Consulting Group: Seelische Gesundheit in sterreich (2012)Ziel der Studie: Status der psychischen Versorgung in sterreich zu erheben und mit jenem von Deutschland, Italien, Dnemark, Finnland, Norwegen, Schweden und den USA zu vergleichen. sterreich ist beim Mental Health Index der OECD gemeinsam mit Italien das Schlusslicht der Vergleichslnder. Bis zum Jahr 2030 wird erwartet, dass sich die durch psychische Erkrankungen bedingten Kosten weltweit mehr als verdoppeln im Vergleich zu anderen nicht infektisen Erkrankungen ist zu erwarten, dass die hchsten Kosten durch psychische Erkrankungen verursacht werden (World Economic Forum, 2011).

4. Studien zum Thema psychische Krankheiten4.1 Studie Seelische Gesundheit in sterreich, 2012Ranking in absteigender Reihenfolge:NorwegenDnemarkDeutschlandSchwedenFinnlandsterreichItalienNr.15WIFO Studie: Psychische Belastung der Arbeit und ihre FolgenZiel der Studie: Art und Ausma der psychischen Arbeitsplatzbelastungen zu eruieren und die gesundheitlichen Folgen daraus abzuleiten. Die Studie besagt, dass ein Drittel der unselbstndig beschftigten Mnner und ein Viertel der unselbstndig beschftigten Frauen psychischen Belastungsfaktoren ausgesetzt sind (Zeitdruck, berbeanspruchung). Die durchschnittliche Dauer der psychischen Krankenstnde ist mit 47 Tagen erheblich hher, als jene mit krperlichen Diagnosen, die durchschnittlich 11 Tage dauern.Die WIFO-Studie beziffert die gesamtwirtschaftlichen Kosten der psychischen Belastungen fr 2009 mit etwa 1,2% des BIP oder 3,3 Mrd. Euro (medizinische und betriebliche Kosten).

4. Studien zum Thema psychische Krankheiten4.2 Studie Psychische Belastung der Arbeit und ihre Folgen, 2012Nr.16HV und GKK Salzburg, Studie: Analyse der Versorgung psychisch Erkrankter: Psychische Gesundheit (2012) Ziel der Studie: Auswertung der gesamten Medikamentendaten, der Daten zu stationren Aufenthalten und Krankenstnden aufgrund psychischer Diagnosen (Datenbasis 2009).Betroffenheit von psychischen Krankheiten:Rd. 900.000 Personen erhielten Leistungen der Krankenversicherung wegen psychischer Leiden840.000 sterreicherInnen erhielten Psychopharmaka (ohne private Zusatzleistung)78.000 sterreicherInnen waren im Krankenstand70.000 hatten einen stationren AufenthaltIn Summe werden in sterreich jhrlich zwischen 800 und 850 Mio. Euro fr psychisch erkrankte Menschen ausgegeben (Krankenbehandlung, Anstaltspflege und Krankengeld, ohne Rehabilitation und Kosten der PV fr Berufsunfhigkeit).

4. Studien zum Thema psychische Krankheiten4.3 Studie Psychische Gesundheit, 2012Nr.17Zahlen fr sterreichNr.185. Zahlen fr sterreichAbbildung 1: Arbeitsausflle pro 1.000 Erwerbsttige aufgrund von psychischen Strungen und VerhaltensstrungenVon insgesamt 1.224 Krankenstand-fllen entfielen 2,3% auf Krankenstnde aufgrund psychischer Strungen (und Verhaltensstrungen), Zahlen fr 2012Anstieg zwischen 2000 und 2012: