Dschungeldoktor auf Safari

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    Paul White

    Dschungel doktorauf Safari

    Christliche

    Literatur-Verbreitung e. V.

    Postfach 11 01 35 33661 Bielefeld

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    1. Auflage 2008 (CLV)

    Originaltitel: Jungle Doctor

    Originalverlag: The Paternoster Press, Exeter, Grobritannien

    der deutschen Ausgabe 1969R. Brockhaus Verlag Wuppertal und Zrich

    2008 by CLV Christliche Literatur-VerbreitungPostfach 11 01 35 33661 BielefeldInternet: www.clv.de

    bersetzung: Gottfried MllerUmschlag: typtop, Andreas Fett, MeinerzhagenSatz: CLVDruck und Bindung: CPI Ebner & Spiegel, Ulm

    ISBN 978-3-86699-111-8

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    Inhalt

    Ein Auto, ein Augenkrankerund der Mann der Kuh 7

    Sukuma 15

    Tod und Verderben dem Knig der Raubtiere 21

    Ein Leopard im dunklen Busch 29

    Pannen, Operationen und eine Tragdie 37

    In berschwemmungen, ohne Benzinund im Schlepptau 49

    Wieder daheim 63

    Keilriemen und Malaria 69

    Zwei und zwei sind 77

    Luse und viel Elend 83

    Feuer und Schlangen 99

    Fieber, Fliegen und ein Kampfum Leben und Tod 105

    In letzter Minute 123

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    Ein Auto, ein Augenkranker

    und der Mann der Kuh

    Hher, Samson!Einen Zentimeter nur!

    Noch ein bisschen!Halt!!!Ich lag der Lnge nach unter dem alten kastenfr-

    migen Ford. Von meinem Lagepunkt aus konnte ichTanganjika aus einem ungewhnlichen Blickwinkel

    betrachten. Auf der einen Seite standen weit aus-einander zwei riesige afrikanische Beine. Samsonversuchte mit aller Kraft, die linke Seite des Wagenshochzuheben, whrend ich den Wagenheber zu-rechtrckte. Ich sah, wie seine Muskeln langsam er-schlafften. Er lie das Fahrgestell vorsichtig herun-

    ter, grunzte und holte erst einmal tief Luft.Vor uns lag das, was man in Afrika eine Strae

    nennt. Durch die Vorderrder hindurch erblickte ichein typisches innerafrikanisches Alltagsbild. Von ei-nem niedrigen Gogohaus aus Lehm- und Flecht-werkwnden schauten Grasbschel und Krbisfla-schen herab. Dahinter lief ein kleiner Junge, mit ei-nem Knppel in der Hand, herum; neben ihm grastemageres, buckliges Vieh in einem Durcheinandervon Bcken und dickschwnzigen Schafen.

    Die schrille Pfeife des Tanganjika-Expresses zer-

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    riss die Stille des tropischen Mittags; der Zug arbei-tete sich mhsam auf seiner Siebenhundertmeilen-

    fahrt landeinwrts von Daressalam an der Kste desIndischen Ozeans zu den groen Seen. Der unge-whnliche Laut schreckte Hunderte von Ibissen auf,die zwischen den Hirsehalmen daherstolzierten undnach den Raupen pickten. Mit heftigem Flgelschlagstoben sie in die Hhe und zogen groe Kreise. Durch

    eine Lichtung im Dorngebsch beobachteten wir denZug. Die Wagen der dritten Klasse waren mit Afrika-nern, Indern und Arabern berfllt. Erschpft drein-schauende Europer sahen mit verlorenen Blickenber die weiten Ebenen. Das Geratter der Rder ver-

    lor sich langsam in der Steppe.Samson blies den Schlauch, der ein Loch hatte, aufund legte ihn in den feinen Sand. Vorsichtig nahm erihn wieder hoch; ein winziger Krater im Sand zeigteihm, wo das Loch war.

    Schnell kennzeichnete er die Stelle. Dann fuhr er

    mit der Hand ber die Innenseite des Gummireifensund zog den steinharten Dorn hervor, der die Ur-sache unserer Panne war. Zehn Minuten spter rat-terten wir weiter.

    Wir durchquerten vier Flsse und kreuzten die Ei-senbahnlinie, bevor wir Kikombo mit seinen schmut-zigen Geschftshusern aus Lehmziegeln und sei-nem groen Marktplatz erreichten. Jenseits der Stadtkamen wir auf eine Ebene, die whrend der achtmo-natigen Trockenzeit unfruchtbar dalag und mit wu-chernden Dornbschen bestanden war; doch die Re-

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    genflle gaben ihr ein vllig verndertes Aussehen.Kurz vorher waren schwere Gewitter niedergegan-

    gen; das Aussehen der Landschaft wurde nun von ei-nem wsten Durcheinander bunter Winden geprgt.Groe rote und gelbe Stockrosen wuchsen in Men-gen auf einem Hgel, der sich zum Flussufer hinun-terneigte. Der Fluss selbst war immerhin eine Vier-telmeile breit; sein Bett bestand aus hartem nassen

    Sand, nachdem er in der Nacht zuvor die brausen-den Wassermassen von den Bergen ber sich hattehinwegwlzen lassen.

    Wir nherten uns dem Flussbett. Samson zog dieBremse und deutete mit dem Kinn zum fernen Ufer

    hinber, wo die Strae pltzlich vor einem sechs Futiefen Abhang endete. Der reiende Strom der Was-serbche hatte Tausende Tonnen von Sand mitgeris-sen und ein Gebiet von einer Viertelmeile in eine ein-zige wogende Flut verwandelt. Daudi holte eine Ha-cke heraus und begann mit Samson den Uferhang

    abzuflachen, damit wir weiterfahren konnten.Gerade wollte ich mit zupacken, da erblickte ich

    einen alten Mann, der drei Khe vor sich her trieb.Zwei kleine Jungen begleiteten ihn. Der Alte schautezu mir herber und beschattete seine Augen. Da er-hellte sich sein Gesicht und er eilte auf mich zu.

    Mbukua, Buana.Mbukua, erwiderte ich.Wir schttelten uns die Hnde; ich erkannte in

    ihm einen meiner schwersten Flle wieder. SeineFe und Beine waren damals fast ganz mit Brand-

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    wunden bedeckt gewesen, und seine beiden Augentrugen noch Merkmale von Star-Operationen.

    Na, Mulewa, wie geht es dir?Mulewa?, fragte er kopfschttelnd. So heieich nicht!

    Aber natrlich heit du so. Ich wei doch noch,wie ich deine Brandwunden behandelte, als du blindwurdest, weil du in ein Feuer hineingeraten warst.

    Habe ich dir nicht die Augen operiert und dir dasAugenlicht wiedergegeben?

    Gewiss, Buana, das stimmt schon, aber ich heienicht Mulewa er lachte herzlich. Das war ein-mal mein Name. Jetzt heie ich Benjamin. Guck

    mal! Er nahm ein hlzernes Flschchen, das er umden Hals hngen hatte, zog den Korken heraus undschttete zwei kleine Gegenstnde in seine Hand,die wie schmutzige halbierte Erbsen aussahen. Eswaren seine Augenlinsen. Er hielt sie mir hin undsagte:

    Zehn Jahre lang, Buana, haben mich diese Din-ger nicht sehen lassen. Ich konnte sie einfach nichtloswerden; auch der Medizinmann und meine Ver-wandten schafften es nicht. Nur du mit deinem klei-nen Messer konntest es; und siehe da, ich verstand,wie Jesus Snde wegnehmen kann, diesen Schmutzder Seele. So wurde ich Christ und jetzt heie ichBenjamin. Diese drei Khe hier bringe ich nach Bui-giri als mein Dankopfer an Gott.

    Vorsichtig tat er seine Augenlinsen in die Flaschezurck, die er sich wieder umhngte. Du hast mit

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    deinem Messer viel besser gepredigt als mit deinerZunge, bemerkte er dabei.

    Gerade einen Tag vorher hatte Samson mich nochan eine berhmte Predigt erinnert, die ich einmal ge-halten hatte. In aller Einfalt hatte ich der Versamm-lung erzhlt, ich htte gesehen, wie eine Menge vonBffeln sich von Ast zu Ast geschwungen und be-hnde mit ihren Schwnzen herumgewirbelt htte.

    Wem man bedenkt, dass der Affe auf Suaheli nyaniund der Bffel nyati heit, begreift man, wie leichtsolche Fehler entstehen knnen.

    Wie geht es dir denn jetzt, Benjamin, fhlst dudich wieder krftig?

    Ja, Buana, ganz krftig; nur meine Brustschmerzt ein wenig.Er schlug seinen grauen berwurf zurck und

    lie sich auf einem Felsbrocken mitten im Flussbettnieder. Buana, wenn du dein Hrrohr bei dir hast Ich wrde mich sehr freuen, wenn du mich unter-

    suchen knntest.Ich klopfte leicht und horchte.Es hat nicht viel Sinn, einen Afrikaner whrend

    einer solchen Prozedur neunundneunzig sagen zulassen; daher hatte ich das Wort ngombe gewhlt.Es ist Tschikogo-Dialekt und bedeutet Kuh.

    Der alte Mann atmete tief und sagte ngombe,whrend ich aufmerksam horchte. Ich ahnte nicht,dass ich noch vor dem Abend gehrigen rger mitdem Wort Kuh haben wrde. Ich beruhigte denMann und versprach ihm noch fr denselben Tag

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    Arznei, wenn er ins Krankenhaus kme. Er rief mirLebewohl zu und trieb seine Khe wieder an. Nach

    kurzer Zeit hatten wir das Flussufer gengend abge-flacht, um unsere Reise fortsetzen zu knnen. EineMenge Leute kam uns entgegen, als wir uns Buigirinherten. Jeder von ihnen trieb eine hckerige Kuhauf die Kirche zu. Meistens sieht man die Einheimi-schen Getreide in kegelfrmigen Krben transportie-

    ren wobei die Frauen sie geschickt auf dem Kopfbalancieren, whrend die Mnner sie auf den Schul-tern tragen , doch heute war es eine viehische An-gelegenheit. Vor dem Krankenhaus hielten wir an.Der alte afrikanische Pfarrer und der Dorfschullehrer

    eilten herbei, um uns die Hand zu schtteln.Mbukua, Buana, riefen sie.Ale mbukuenji, erwiderte ich.Buana, es tut sich viel bei uns in diesem Jahr. Un-

    sere Leute haben beschlossen, Gott als Erntedank-opfer aus jedem Haushalt eine Kuh zu geben.

    Hinter der Kirche vernahm man das Brllen undStampfen von Viehherden. Der Erntedankgottes-dienst war sehr eindrucksvoll. Nach dem Gottes-dienst schossen mir eine Menge Gedanken durchden Kopf. Dort hinten musste eine Herde von etwavierzig Khen stehen. Obwohl diese abgehrtetenSteppentiere nicht viel mehr als einen halben LiterMilch am Tag gaben, konnten wir mit zwanzig Li-tern Milch allerhand anfangen. Die Kinder im Kran-kenhaus wrden jeden Tag frische Milch hab