Eine Chronik: 100 Jahre Jugendstilvillafreiea · PDF fileKriegschirurgie und Erste Hilfe...

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  • Eine Chronik:100 Jahre Jugendstilvilla

    Am Goldgraben 14 Gttingen

    Ich denke, dass die einziehenden Damen vielleicht doch interessiert sein werden, wie und wann das Haus entstand und wer darin gelebt hat.

    Es ist kein supermodernes Seniorenheim, sondern ein Haus mit Vergangenheit.

    - Gerda von Werder, geb. von Esmarch, 21. April 1993 -

  • 100 Jahre JugendstilvillaZusammenfassung einer Ausstellung

    Zum 100jhrigen Hausjubilum wurde vom Verein Freie Altenarbeiteine Ausstellung in Form einer chronologischen Hausgeschichte zusammengestellt.

  • Zeitliche bersicht (1908-2008)

    10-jhriges Bestehen Alten-WG2004

    Klrung DenkmalpflegeApril 1992

    Fertigstellung der Sanierung + Einzug der Alten-WG

    1994

    Drewes-Stiftung Altenheim1919-1991

    Umwandlung des Altenheims in eine Alten-WG1991-1994

    100 Jahre Jugendstilvilla 2008

    Baugenehmigung fr altengerechten UmbauJuni 1992

    Haus im Besitz von Oberprsident Freiherr von Siller

    1918-1932

    Bewohnt von Familie von Esmarch1910-1918

    Entstehung des Hauses1908-1910

  • 1908 Das Haus entsteht

    Laut einem Bericht von Emma Merkel wurde das schne, groe Haus mit einem erheblichen Kostenaufwand von Professor von Esmarch fr sich und seine groe Familie erbaut. Nach Angaben von Gerda von Werder wurde die Villa Am Goldgraben 14 nach einem Entwurf ihres Vaters Erwin von Esmarch erbaut in Zusammenarbeit mit dem Berliner Architekten Ferber.

  • Bau des Hauses

    Die Plne des Architekten Ferber datieren auf 1908. Den Bau fhrte die Gttinger Firma Rott aus. Der Architekt Georg Rott hat viele Huser im Ostviertel gebaut.

    Das Haus wird nach Fertigstellung ein Jahr lang geheizt und ausgelftet und anschlieend 1910 von der Familie von Esmarch bezogen.

  • Der erste Hausherr: Die Familie von Esmarch

    1853 heiratete Friedrich von Esmarch Anna Strohmeyer, mit der er drei Kinder hatte (Walter, Agnes und Erwin). Anna Strohmeyer erkrankte

    gegen Ende der 1860er Jahre an Tuberkulose und

    starb 1870. Zwei Jahre spter verliebte

    sich eine Patientin in Friedrich von Esmarch. Es

    war Prinzessin Henriette von Schleswig-Holstein

    Sonderburg-Augustenburg,eine Tante der deutschen Kaiserin Auguste-Victoria. Durch diese Heirat wurde Friedrich v. Esmarch der

    Onkel von Kaiser Wilhelm II.

    Der Vater des Erbauers, Friedrich von Esmarch (1823-1908), war Arzt und Begrnder des Samariterwesens. Kriegschirurgie und Erste Hilfe bildeten Schwerpunkte in seinem beruflichem Leben. Er erfand den Eisbeutel, den Esmarch-Handgriff und die Esmarchsche Blutleere. Er wurde 1903 fr seine Kriegsdienste zum Ehrenbrger der Stadt Kiel ernannt.

    Standbild in Tnning (1905)

    Friedrich von Esmarch

  • Friedrich v.E. war eine Kapazitt in der Kriegschirurgie und Erste Hilfe, sein Sohn machte sich als Hygieniker einen groen Namen.

    Erwin von Esmarch, Hygieniker,, geb. 12. Mrz 1855 in Kiel, wurde 1881 Arzt an einer Augenklinik in Berlin, 1885 Assistent bei dem hygienischen Universittsinstitut in Berlin und Kustos des Hygienemuseums. 1890 habilitierte er sich als Privatdozent fr Hygiene an der Universitt, bernahm die Leitung der hygienischen Universitts-anstalt, wurde 1891 Professor und Direktor des hygienischen Laboratoriums in Knigsberg und 1899 in Gttingen.

    Erwin von Esmarch erweiterte die Technik der bakteriologischen Untersuchung durch seine Rollrhrenmethode, gab die Methode der Desinfektion der Wnde durch Abreiben mit Brot an und arbeitete ber das Kreolin, die Wirkung des strmenden berhitzten Wasserdampfes, die Sonnendesinfektion, die Benutzung der Milzbrandsporen als Testobjekte bei Prfung der Wirkung desinfizierender Mittel. Ferner machte er Untersuchungen ber die Biologie von Spirillum rubrum, ber die Schicksale pathogener Mikroorganismen im Tierkrper, ber Wasserfiltration durch Steinfilter etc. Er schrieb: Hygienisches Taschenbuch (3.Aufl.1902); Hygienische Winke fr Wohnungsuchende (1897).

    Erwin von Esmarch

  • Stammbaum der Familie von Esmarch

  • Stammbaum der Familie von Esmarch

    Conni v.E.*1894 t ?

    Hans-Christianv.E. *1899

    Winfried v.E.*1897 t ?

    Annelies v.E.*1896 t ?

    Gerda v.E.*1906 t ?

    Herta v.E.*1903 t1904

    Erwin vonEsmarch

    *1855 t1916

    Elvire vonVoigts-Retz

    * ?

    ?Julius

    von Voigts-Retz*1822 t1904

    Anna Strohmeyer*1832 t1870

    Friedrichvon Esmarch*1823 t1904

    Walter v.E. Agnes v.E. 5 Tchter3 Shne

  • Gartenansicht vom Haus

  • Einzug der Familie von Esmarch

    1910Prof. Dr. Erwin von Esmarch, Sohn eines berhmten Vaters und selbst ein bekannter Mediziner sowie ehemaliger Assistent von Robert Koch (ehem. Direktor des Hygienischen Instituts in Gttingen), bezog mit seiner Frau Elvire und fnf Kindern samt Personal (mit Diener Franz, dem Kinderfrulein und der Kchin) und nicht zuletzt mit einem groem Hund im Jahre 1910 das fertiggestellte Haus Am Goldgraben 14 in Gttingen.

    Skizze vom Architekten gezeichnet:

    Treppenhaus und Blumenpodest

  • Souterrain:

    Kellerrume fr Heizung, Koks, Kartoffeln, Obst, Gemse

    Waschkche

    Bgelstube

    Tobekeller mit direktem Ausgang in den Garten (ersetzte bei trbem Wetter, Regen und im Winter den Garten)

    Kellerraum fr die Gartengerte, ebenfalls mit Ausgang in den Garten

    Grundriss der Jugendstilvilla zur Familienzeit

  • beim Betreten des Hauses von der Strae aus: groe Diele mit Holzkamin an der Hinterwand des Foyers, davor eine Sitzgruppe mit Korbsthlen

    links von der Diele: Garderobe und Telefon

    groes Esszimmer

    daneben: groer Wohnraum, Salon genannt, von dem man auf eine gerumige Glasveranda kam mit Schiebefenstern zum Garten und einer Tr, die in den Garten fhrt

    gemtliche Bibliothek

    Herrenzimmer: Arbeitszimmer / Studierstube des Hausherrn

    daneben: Damenzimmer mit kleiner Empore und Ausgang in den Garten

    Raum des Dieners Franz mit kleinem Fenster zum Hauseingang

    Parterre:

    Grundriss der Jugendstilvilla zur Familienzeit

  • Parterre: groe Kche mit einem groen Kohlenherd in der Mitte (hier regierte die Kchin Minna Spitze)

    daneben: Anrichte (hier war der Diener Franz fr den Abwasch des Geschirrs und die Pflege des Silbers zustndig)

    Servierraum mit Klappe in der Tr und eingebautem Khlschrank mit Metallbden und Eisklappen nach auen

    Vorratsraum

    neben der Kche: Leute Esszimmer unter dem Trmchen (ein sehr hbscher, blau gestrichener Raum mit fester Bank, Tisch, Sthlen)

    Gsteappartement

    kleines Gesellschaftszimmer

    Grundriss der Jugendstilvilla zur Familienzeit

  • 1. Etage: 5 Kinderzimmer

    Schlafzimmer der Mutter

    kleines Wohnzimmer, von dem man auf einen groen Balkon gelangte, der nach Sden offen war (hier frhstckten die Eltern oft)

    Musikzimmer mit Flgel

    2. Etage: zwei Gstezimmer (das blaue und das rosa)

    Wohnraum mit daneben liegendem Schlafzimmer des Vaters

    Zimmer fr das Personal

    Zimmer fr den ltesten Bruder - vom zweiten Stock fhrte

    eine Treppe zum groen Bodenraum

    Grundriss der Jugendstilvilla zur Familienzeit

  • Bodenraum:

    Garten:

    zum Trocknen der Wsche und fr weitere Abstellmglichkeiten

    sehr gerumig mit zwei groen runden Rasenpltzen

    Kieswege fhrten zu einem schattigen Sitzplatz unter einer groen Buche und einer Anhhe hinauf zum Gartenhaus mit Kompostplatz

    Sitzplatz mit bequemer wei gestrichener Bank, Tisch und Sthlen

    von dort fhrte ein kleines Tor zum Tennisplatz (links vom Haus)

    Grundriss der Jugendstilvilla zur Familienzeit

  • Skizze AuenansichtGartenseite

  • Skizze AuenansichtWest-Seite

  • Innen- und Auenansichten der Jugendstilvilla

    Es freut mich, dass unser schnes Esszimmer in seiner damaligen Form erhalten bleiben soll sowie die groe Kche, in deren Mitte ein groen Kohlenherd stand, wo unsere Kchin Minna Spitze regierte, wie auch die Anrichte daneben, wo Franz, unser Diener, fr den Abwasch des Geschirrs und die Pflege des Silbers zustndig war. Neben der Kche in einem sehr hbschen blaugestrichenen Raum mit fester Bank, Tisch und Sthlen war das Leute - Esszimmer und darunter das Zimmer von Franz.

    Neben dem Esszimmer war ein groer Wohnraum, ein so genannter Salon, von dem man auf eine gerumige Glasveranda kam mit groen Schiebefenstern zum Garten und einer Tr, die in den Garten ging, wo man zu einem groen Sitzplatz kam unter einer riesigen Akazie. Ein sehr beliebter Sitzplatz mit bequemer weigestrichener Bank, Tisch und Sthlen. Von dort fhrte ein kleines Tor zum Tennisplatz, den es schon lange nicht mehr gibt.

    -(Briefwechsel zwischen Gerda von Werder und der Alten-WG 1993)

  • Wenn man das Haus von der Strae aus betrat, kam man in eine groe Diele mit Holzkamin an der Hinterwand, davor eine Sitzgruppe mit Korbsthlen. Links von der Diele war eine Garderobe und das Telefon. Das Frulein vom Amt verband den Anrufer mit dem gewnschten Teilnehmer.

    Der Garten war sehr gerumig mit zwei groen runden Rasenpltzen, auf denen Boccia, Krocket und Federball gespielt wurde. Kieswege fhrten zu einem schattigen Sitzplatz unter einer groen Buche und eine Anhhe hinauf zu unserem Gartenhaus.

    Im 1. Stock waren nach Sden unsere fnf Kinderzimmer, das Schlafzimmer meiner Mutter und ein kleines Wohnzimmer, von wo man auf einen groen Balkon gelangte. Dort frhstckten die Eltern oft, tranken Tee und aen dort im Sommer Abendbrot.

    - aus dem Briefwechsel zwischen Frau Gerda von Werder geb. von Esmarch an den Magistrat der Stadt Gttingen und an Frau Plotzki (ehem. Bewohnerin), 1993

    Innen- und Auenansichten der Jugendstilvilla

  • Im zweiten Stock