Einfuehrung in Das Alte Testament

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  • 8/17/2019 Einfuehrung in Das Alte Testament

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    ALTES TESTAMENT 1 LINZER F ERNKURSE  

    Das Alte Testament als Reden von Gott

    1. Das Erste Testament als Reden von Gott und Mensch 3  1.1 Der Name: Altes Testament oder Erstes Testament 3 1.2 Schwierigkeiten mit dem Ersten Testament 3

    2. Die Bibel - das Wort Gottes 4 2.1 Im Ersten Testament kommen Menschen zu Wort 5 2.2 Im Ersten Testament reden Menschen von Gott 5 2.3 Die Bibel redet in einmaliger Weise über Gott 5

    2.4 Zum Verständnis der Inspiration der Hl. Schrift 6 3. Der Kanon der Heiligen Schrift 7 3.1 Das Entstehen des Kanons der Hebräischen Bibel 7 3.2 Der Text des Ersten Testaments 11 3.3 Die Kapitel- und Verseinteilung der Bibel 11 3.4 Die alten Übersetzungen des Ersten Testaments 11

    4. Der Kulturraum des Ersten Testaments 12 4.1. Das Klima 15 4.2 Die Pflanzenwelt 15 4.3 Die Tierwelt 16

    5. Die Geschichte Israels 16 

    5.1 Von der Vorgeschichte zur Geschichte 16 5.2 Die Geschichte Ägyptens 16 5.3 Die Geschichte der Bevölkerung Mesopotamiens 17 5.4 Die Geschichte Israels 18 5.5 Ursprungssituationen biblischen Glaubens 21

    6. Einige Grundzüge zu einer biblischen Theologie 24 6.1 Biblisches Reden von Gott 24 6.2 Biblisches Reden vom Schöpfergott 25 6.3 Biblisches Reden vom Bundesgott 25 6.4 Biblisches Reden von Gott in verschiedenen Zeiten/Kulturen 26 6.5 Textbeispiel: Psalm 23 26

    6.6 Die „Mitte“ des Ersten Testaments 28

    Verfasserin: Dr. Roswitha Unfried Herausgeber: Dr. Franz Kogler

      0732/7610-3232; Fax DW 3239, e-mail: fernkurse@dioezese-linz.at

    9. Auflage: 2002

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    2  LINZER FERNKURS - ERSTES TESTAMENT I: 1. Aussendung 

    „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade“ (Ps 119,105) 

    Vorwort Ganz herzlich möchte ich Sie als Teilnehmerin bzw. Teilnehmer des Fernkurses zum Alten Testament begrüßen. Neben einem Überblick über alle Schriften des Ersten Testaments wird eine Besprechung wichtiger Bibelstellen angeboten. Dies soll einer-

    seits einen Zugang zu anderen Texten ermöglichen und andererseits zum Ver-ständnis der Bibel beitragen. Innerhalb von zwei Kursjahren werden Sie sich einen guten Einblick in das Erste Testament verschaffen können.

    Die fortlaufende Lesung des Ersten Testaments scheitert oftmals am Umfang und an der Weitläufigkeit der Texte oder auch daran, dass es in anderen Kulturen und zu anderen Zeiten entstanden ist. Und doch ist dieses sogenannte Alte Testa- ment eine unaufgebbare Wurzel unseres Glaubens. So manche Person ist zur Glau- bensgestalt geworden: Abraham als Vater des Glaubens; Mose als der gottgesandte Führer aus der Unterdrückung und Not oder David als der gesalbte König = Messias.

    Das Erste Testament ist die Heilige Schrift für Jesus und die Urkirchen. Die Bücher des Neuen Testaments wurden ja erst 20-80 Jahre nach dem Tod Jesu ge- schrieben. Wenn ein Verweis auf die Schrift, auf das Gesetz oder die Propheten im

    Neuen Testament gemacht wird, dann ist damit die Heilige Schrift, das  Buch der Bü- cher zur Zeit Jesu gemeint. Im Neuen Testament und im Gottesdienst der frühchrist- lichen Gemeinden wurden selbstverständlich Texte und Begriffe wie Bund, Schöpfer, Gnade, Gerechtigkeit, Erlösung aus dem Ersten Testament verwendet.

    Für manche wird der Kurs zum Teil auch eine ungewohnte Sicht der Bibel und viele neue Erkenntnisse bringen. Auch wenn es Sie Mühe kosten wird und Sie ent- weder wegen dieser neuen Sichtweisen oder auch wegen der Fülle des Stoffes auf- geben möchten, so bitte ich Sie dennoch: Lassen Sie sich nicht vorschnell entmuti- gen und arbeiten Sie die Unterlagen weiter durch. Immer wieder machen Teilnehme- rinnen und Teilnehmer die Erfahrung, dass Auseinandersetzungen und Krisen für den Glauben eine Bereicherung sind.

    Diese erste Aussendung wird von vielen als sehr trocken und wenig inspirie-rend empfunden. Dennoch meine ich, dass die Einleitungsfragen einmal geklärt sein sollen und dann im Lauf des Kurses eine Hilfe sein werden, um auftauchende Schwierigkeiten zu überwinden.

    „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade.“ Mit die- sem Wort aus Ps 119,105, das gleichzeitig auch Motto für diesen Kurs sein könnte, wollen wir die Hinführung zum Ersten Testament beginnen.

    Dr. Roswitha Unfried

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    LINZER FERNKURS - ERSTES TESTAMENT I: 1. Aussendung  3

    1. Das Erste Testament als Reden von Gott und Mensch Die Hl. Schrift der Christen ist eine Einheit, die aus zwei Teilen besteht: Dem soge- nannten Alten Testament (AT) und dem Neuen Testament (NT). Das Christentum verwendet den Namen AT für den ersten Teil der Bibel. Christen berufen sich dafür besonders auf Jer 31,31-34 und das Zeugnis des NT (2 Kor 3,6; Lk 24,27) oder auf die sogenannten Erfüllungszitate (z. B. Mt 2,15). Darum haben für viele Christen vor allem die Verheißungen des AT keine Bedeutung mehr, weil sie ja in Jesus von Na-

    zaret erfüllt sind.

    1.1 Der Name: Altes Testament oder Erstes Testament Wenn Christen so denken, dann müssen sie sich auch die Frage gefallen lassen, ob das zweitausendjährige Christentum tatsächlich als Erfüllung der Verheißungen des AT gesehen werden kann. Ist es nicht eher so, dass die Verheißungen der ganzen Hl. Schrift Wirklichkeit wurden, und dass trotzdem ihre endgültige Erfüllung noch aussteht? So sind für Lk 2,29-32 die Worte von Jes 2,2-4; 25,6-8 bezüglich Je- rusalem und von Jes 42,6; 49,6 bezüglich des Gesandten erfüllt - und trotzdem er- warten wir die Verwirklichung und Vollendung dieser Verheißungen (vgl. Offb 21,1-5; 22,10.20).

    Weiters wird das Wort „alt“ von den meisten Christen verstanden als überholt, abgeschlossen, veraltet: Bedeutung hat dann eigentlich nur das NT. Dagegen steht die Erfahrung und das Wissen des Christentums, dass AT und NT die eine   Hl. Schrift bilden. Nur das NT als Bibel zu bezeichnen, ist eigentlich eine Unmöglichkeit. Die Kirche hat während der 2000-jährigen Kirchengeschichte gegen jeden Versuch eines Auseinanderreißens an dieser Einheit festgehalten. Schließlich hat das jü- disch-christliche Gespräch zur Einsicht geführt, dass die Bezeichnung AT missver- ständlich und verletzend ist.

    Deshalb wird in letzter Zeit für das sogenannte Alte Testament der Ausdruck „Hebräische Bibel“ oder „Erstes Testament“ verwendet. In diesem Fernkurs wird der Name Erstes Testament  (ET) bevorzugt.

    Anregung: Was fällt Ihnen zu ET ein? Gibt es einen Leitsatz, der für Ihr Glaubensle- ben Bedeutung hat?

    1.2 Schwierigkeiten mit dem Ersten Testament Schwierigkeiten sind vor allem darauf zurückzuführen, dass das ET in einem ande- ren Lebensraum  entstanden ist. Der hebräische Mensch spricht anders von der Erde als der Mitteleuropäer, der geprägt ist durch die griechisch-römische Kultur. Wäh- rend dieser berichtet, bestimmt, abgrenzt, begreift, sieht (eine Theorie hat) und rein begrifflich (= abstrakt) denkt, so erzählt, umschreibt, erfährt, hört, denkt der hebräi- sche Mensch in Beziehungen (d. h. er lobt, rühmt, bittet und klagt). Das ET kennt keine Abhandlungen oder Lehren, z. B. über den Mann, die Frau, über Gott. Gottes- offenbarungen sind keine Wesensangaben Gottes, wie er in sich ist, sondern wie er sich in dieser Welt dem Abraham, Elija, Jeremia, dem Beter, usw. zu erkennen gibt. Er ist kein Gott der Philosophen „an und für sich“, sondern ein Gott, der den Men- schen anspricht und auf Antwort wartet, den Menschen zum Handeln bewegen will.

    Schwierigkeiten können sich deswegen ergeben, weil das ET in seiner schriftli- chen Form 2000-3000 Jahre alt ist; mündliche Überlieferungen sind oft noch älter (z. B. das Lamechlied in Gen 4,23f, die Gestalt des Melchisedek in Gen 14,18-20; der Bundesschlussritus in Gen 15). Oft stehen Texte aus verschiedenen Zeiten, die den- selben Inhalt haben, nebeneinander (z. B. Gen 15 und 17; Ex 3,9-14 und Ex 6,2-8)

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    4  LINZER FERNKURS - ERSTES TESTAMENT I: 1. Aussendung 

    oder sind miteinander verwoben (z. B. Gen 6-8; Ex 14,10-31). Wichtige Texte wurden nämlich einerseits stets neu erzählt, um Antwort zu geben auf die Fragen und Nöte der betreffenden Zeit, andererseits wollte man nichts vom Überlieferten weglassen.

    Jedes menschliche Reden hat eine bestimmte Form (z. B. Predigt, Vortrag, Unterricht, usw. oder Begrüßungen). Im Alten Orient ist die Sprache ungleich mehr gebunden an feste Formen als in modernen Sprachen, z. B. die Botenspruchformel „So spricht ...“ bedeutet, dass nicht mehr der Bote spricht, sondern der, welcher den Boten geschickt hat. Hört ein Israelit „So spricht Jahwe“, dann weiß er: Was folgt, ist Wort Gottes .

    Das ET ist ein Geschichtsbuch, das wohl weltliche Geschichte erzählt, aber nur insofern diese für den Glauben wichtig ist. In geschichtlichen Ereignissen wird sichtbar, dass Gott an uns Menschen handelt. Geschichte in der Bibel ist also ge-  deutete  Geschichte. Ebenso wie die Bibel keine geschichtlichen Tatsachen vermit- teln will, so macht sie auch keine naturwissenschaftlichen Aussagen. Sie sagt, dass   Gott handelt; das wie  (z. B. der Schöpfung) wird entsprechend dem Stand der betref- fenden Zeit ausgedrückt.

    Viele Christen stoßen sich an den anderen religiösen und sittlichen Ansichten des ET (z. B. die vielen Frauen Davids [2 Sam 3,2-5] oder Salomos [1 Kön 11,3]; der „Betrüger“ Jakob [Gen 27]; der jähzornige Mose [Ex 2,11f] oder die Flüche in den

    Psalm