Fachworkshop Freiwilliges Engagement in Deutschland Bonn, Fachworkshop Freiwilliges Engagement in...

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  • Fachworkshop

    Freiwilliges Engagement in Deutschland

    Bonn, 18.12.2001

    Tagungsdokumentation

    Dienstsitz Berlin

    Dienstsitz Bonn

    POSTANSCHRIFT 11018 Berlin TEL 030 20 655 - 0-

    POSTANSCHRIFT 53107 Bonn TEL 0228 930 - 0-

    INTERNET www.bmfsfj.de E-MAIL broschuerenstelle@bmfsfj.bund.de

    Anne Hacket • Gerd Mutz Munich Inst i tute for Soc ia l Sc ience • I n tercu l tura l S tud ies of Economic L i fe and Work Münchner Inst i tut für Sozia l forschung • I n terkul ture l l e Wir tschafts- und Arbe i tssozio log ie

  • 2

    Inhaltsverzeichnis

    Inhaltsverzeichnis 2

    Geleitwort: Michael Bürsch 3

    Einleitung 5

    Teil 1: Dokumentation

    1. Konzeption des Freiwilligensurvey 9

    2. Diskussion 10

    - zur Engagementquote 10

    - zum Strukturwandel 16

    - zum Motivationswandel 19

    3. Konsequenzen für eine zukünftige Engagementforschung 25

    - wir brauchen eine Dauerbeobachtung 27

    - wir brauchen eine dynamische Engagementforschung 28

    - wir brauchen qualitative Studien 30

    Teil 2: Beiträge

    Bernhard von Rosenbladt, Infratest 33

    Helmut Klages, Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften 38

    Anne Hacket / Gerd Mutz , mISS 44 Thomas Gensicke, Infratest 51

    Dietmar Dathe / Ernst Kistler, INIFES 57

    Detlev Lück / Ruth Limmer / Andreas Klocke,

    Otto-Friedrich-Universität Bamberg 61

    Christina Stecker, Westfälische Wilhelms-Universität Münster 65

    Programmablauf 71

    Teilnehmende Personen und Institute 72

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    Michael Bürsch, MdB, Vorsitzender der Enquete-Kommission "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements" des Deutschen Bundestags

    Geleitwort

    In ihrem Bericht hat die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements" eine umfassende Bestandsaufnahme zur Situation des Engagements in den verschiedenen Handlungsfeldern und Politikbereichen und davon ausgehend weitreichende Entwicklungsperspektiven und Empfehlungen für die Engagementförderung vorgelegt. Bei der Erarbeitung der Bestandsaufnahme konnte zwar auf zahlreiche Publikationen und Forschungsarbeiten zurückgegriffen werden. Eine wertvolle Ressource stellten auch die Stellungnahmen und Problemdarstellungen von Vertreterinnen und Vertretern aus Vereinen, Verbänden und öffentlichen Einrichtungen dar. Bereits bei der Bestandsaufnahme wurden aber auch manche Wissensdefizite und Forschungslücken offensichtlich. So lässt sich beim derzeitigen Stand der Erkenntnisse nicht genau sagen, ob und in welcher Weise sich das bürgerschaftliche Engagement in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Die These vom Strukturwandel legt zwar grundlegende Veränderungen nahe und die einschlägigen Beobachtungen fachkundiger Experten sprechen ebenfalls für Umbrüche und neue Entwicklungen im Bereich des Engagements. Es mangelt allerdings an empirisch fundierten Daten, um präzise Aussagen über die Veränderung von Formen und Strukturen des bürgerschaftlichen Engagements treffen zu können.

    Forschungsdefizite bestehen auch bei ausgewählten Bereichen des Engagements, über die nur unzureichende Erkenntnisse vorliegen. Dies betrifft zum Beispiel das Engagement von Migrantinnen und Migranten oder auch die Bedeutung eines Engagements für Arbeitslose.

    Um den Wissensstand über das bürgerschaftliche Engagement und seine Rolle für eine aktive Bürgergesellschaft zu erweitern, empfiehlt die Enquete-Kommission deshalb einen Ausbau der Forschungsaktivitäten und sieht dabei vor allem drei Schwerpunkte. Erstens: Um Veränderungen des Engagements über längere Zeiträume hinweg erfassen zu können, ist eine Dauerbeobachtung des Engagements notwendig. Der im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vorgelegte Freiwilligensurvey stellt dafür eine geeignete Grundlage dar und sollte deshalb - nach einer Überarbeitung und Ergänzung des Untersuchungsdesigns - fortgeführt werden. Zweitens: Ein weiterer Schwerpunkt sollte auf die Untersuchung der institutionellen und organisatorischen Rahmenbedingungen gelegt werden. Dabei geht es sowohl um Studien, die die Handlungsabläufe und Strukturen in Organisationen des Dritten

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    Sektors, in Initiativen und in sozialen Bewegungen in den Blick nehmen, als auch um Untersuchungen zur Bedeutung dieser Organisationen und Zusammenschlüsse für die Bürgergesellschaft und ihre Beziehungen zu Staat und Wirtschaft. Drittens: Als zusätzliche Anforderung stellt sich eine Erweiterung der Forschungsthemen und Forschungsgegenstände. Dazu gehören Studien, die den Kenntnisstand über das Engagement ausgewählter Akteursgruppen (z. B. Migrantinnen und Migranten) erweitern. Dazu gehören des weiteren Studien, die die besonderen Ausdrucksformen, Bedingungen und Hemmnisse des Engagements in unterschiedlichen Handlungsfeldern der Gesellschaft herausarbeiten, um bereichsspezifische Ansatzpunkte für eine Politik der Förderung und Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements entwickeln zu können.

    Für die Erweiterung von Forschungsaktivitäten sind Veranstaltungen wie der Bonner Fachworkshop mit Expertinnen und Experten sinnvoll und hilfreich. Die vorliegende Dokumentation fasst die ertragreichen und konstruktiven Diskussionen des Workshops in gelungener Form zusammen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Forschungsschwerpunkten und zur Präzisierung der Fragestellungen im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements.

    Berlin, September 2002

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    Einleitung

    Der Deutsche Bundestag hat parallel zum Internationalen Jahr der Freiwilligen 2001 die Enquete-Kommission Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements eingerichtet. Beide Ereignisse – das Internationale Jahr der Freiwilligen und die Enquete-Kommission – haben sowohl in den Medien als auch in der Politik große Resonanz ausgelöst. Bürgerschaftliches Engagement ist somit in den letzten Jahren zu einem öffentlichen Thema geworden.

    Auch in der Wissenschaft wird bürgerschaftliches Engagement verstärkt analysiert und diskutiert. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen Fragen zur Engagementbereitschaft in Deutschland sowie zum Struktur- und Motivwandel des Engagements. Diese Forschungen lenken den Blick vom pessimistischen Beklagen abnehmender Mitmenschlichkeit zum allgemeinen Wandel des freiwilligen Engagements. Engagement wird in einem größeren Zusammenhang diskutiert: Soziales Kapital, Zivilgesellschaft und aktivierender Staat sind die zentralen Themen.

    Es fehlte eine solide und breite Datenbasis

    In der Großen Anfrage an die Bundesregierung 1996 wurde angemahnt, dass eine solide und breite Datenbasis zur Beurteilung wichtiger Fragen zum freiwilligen Engagement in Deutschland fehlt. Diese Lücke sollte der Freiwilligensurvey schließen, der 1998 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in Auftrag gegeben wurde. Der „Freiwilligensurvey – Freiwilligenarbeit, ehrenamtliche Tätigkeit, Bürgerengagement“ wurde durch den Projektverbund Ehrenamt im Jahr 1999 durchgeführt.

    Dem Projektverbund gehörten vier Institute an:

    Infratest Burke Soziaforschung München;

    Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung (FÖV) bei der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer;

    Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung (IES) sowie das Institut für Sozialwissenschaftliche Analysen und Beratung (ISAP).

    Der Freiwilligensurvey soll einen Überblick zum Thema Engagement geben

    Untersuchungsziel war es,

    „ein[en] Gesamtblick zu freiwilligem Engagement in Deutschland, unter Einbeziehung verschiedener Formen wie ehrenamtlicher Tätigkeit, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement in Initiativen und Projektgruppen und Selbsthilfe zu geben. Dabei sollen Umfang, Art,

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    Strukturbedingungen und Motivation freiwilligen Engagements dargestellt werden“,

    so der Herausgeber der Studie, Bernhard v. Rosenbladt.

    Es richteten sich hohe Erwartungen an den Freiwilligensurvey

    Mit der Erhebung des Freiwilligensurvey wurde die bisher umfassendste Datenbasis zum freiwilligen Engagement in Deutschland gewonnen. Es wurden zum ersten Mal fundierte Daten vorgelegt, die Auskunft über das Engagement in einzelnen Feldern (Sport, Kultur, Soziales etc.) geben und das Engagement ausgewählter Bevölkerungsgruppen (Jugendliche, Senioren, Frauen und Männer) näher beleuchten. Vor diesem Hintergrund waren auf Seiten der Verbände, der Politik und der Engagierten die Erwartungen an die Studie sehr hoch.

    Die Veröffentlichung der Ergebnisse löste eine rege Diskussion sowohl in den Organisationen des freiwilligen Engagements als auch in der Wissenschaft aus. So wurde unter anderem über die Qualität der Studie und die Gültigkeit der Daten debattiert; auch die Interpretation der Daten war uneinheitlich. Im Mittelpunkt der Kontroversen stand die errechnete Engagementquote, die im Vergleich zu früheren Studien mit rund 34% unerwartet hoch ausfiel. Zur Erklärung dieses Sachverhaltes wurde im Rahmen des Workshops auf die grundlegende Fragestellung des Freiwilligensurvey und auf die konkrete Formulierung bei der Befragung hingewiesen. So ging es dem Freiwilligensurvey um eine umfassende und breit angelegte Erfassung des freiwilligen Engagements, das neben den organisatorisch geregelten Engagementformen auch informelle Tätigkeiten, Selbsthilfeinitiativen und sporadisches Engagement ermittelt. Insofern wurde in der Umfrage ein breites Spektrum von Aktivitäten in „Vereinen, Initiativen, Projekten oder Se