Fotografie - ... Die Fotografie hat viele Facetten, und eine der spannendsten ist wohl der Bereich...

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    13-Feb-2020
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    Die Fotografie hat viele Facetten, und eine der spannendsten ist wohl

    der Bereich Porträt und People. Mitmenschen, die uns nahestehen,

    oder andere interessante Menschen abzubilden, ist eine wirkliche

    Herausforderung. Wohl jeder von uns hat schon einmal andere

    Menschen fotografiert, im Urlaub, auf einer Party, auf einer Hochzeit,

    und nicht immer sind die Ergebnisse so geworden, wie wir uns

    das vorgestellt haben. Das hat mehrere Gründe, angefangen vom

    richtigen Licht über die Kameraeinstellungen und die Optik bis hin zur

    Nachbearbeitung. Der vorliegende Artikel möchte einen praxisnahen

    Einblick in die Porträtfotografie geben und auch die Fallstricke auf dem

    Weg zum ersten Model-Shooting aus dem Weg räumen.

    Porträt- und PeoPle-

    Dr. Tilo Gockel hat in der Informatik, im Bereich der Bildverarbeitung promoviert und kennt entsprechend auch die der Bildbearbeitung zugrunde liegenden Methoden. Weiterhin hat er sich schon immer parallel mit Fotografie beschäftigt. Beispiele seiner Arbeit und Workshops findet man unter http://www.praxisbuch.net und http://www.fotopraxis.net

    .psd 11/2010 | www.psdmag.org/de

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    Fotografie

  • Licht | Licht kann von oben, seitlich, unten, hinten kommen, diffus oder direkt sein, künstlich oder natürlich, neutral oder mit Farbstich. Es kann schmeicheln, konturieren, Markantes hervorheben oder ver- bergen. Es kann langweilig oder interessant sein. Dass die Lichtsi- tuation viel wichtiger ist als die Wahl der Kamera, zeigt ein aktuel- ler Youtube-Clip, in welchem von einem Profi-Fashion-Fotografen ein iPhone (!) für ein Fashion Shooting verwendet wird [15]. Die richtige Lichtsetzung verlangt vor allem eine gute Beobachtungs- und Erin- nerungsgabe: Welche Situationen haben wir schon einmal erlebt, in denen das Licht besonders schön war und wie genau war die Lichtwi- rkung dort? Auch mit Studiolicht wird man stets (unbewusst) versu- chen, als schön empfundene, natürliche Lichtsituationen nachzuem- pfinden. Einige Grundregeln zum Umgang mit Licht:

    • Diffuses Licht ist schmeichelnder als direktes Licht. Diffuses Licht entstammt stets einer großflächigen Lichtquelle: Nordfenster, Südfenster an einem trüben Tag, Softbox, Umbrella (als Durchlicht- oder Reflexlichtquelle verwendet), angeblitzte weiße Wand, angeblitzter weißer Reflektor, durchleuchtete Translum- Folie.

    • Je weiter entfernt die Lichtquelle ist, desto härter wirken Licht und Schatten. Beispielsweise ist die Sonne zwar eine große Lichtquelle, sie ist aber weit entfernt und wirkt dadurch hart. Man sollte entsprechend für ein weiches Licht die Softbox oder den Umbrella möglichst nah am Model platzieren.

    • Lichtquellen wirken natürlicher, wenn sie über der Augenlinie des Models positioniert werden.

    12 .psd 11/2010 | www.psdmag.org/de

    Model-Akquisition, Kontakt, Vertrag und Umgang | Wo kommen denn eigentlich die Models her für die ersten Porträtversuche? Natür- lich kann man den Partner, die Verwandtschaft oder einfach sich selbst fotografieren und sogar mit der letzteren Variante noch tolle Ergebnisse erzielen, wie es zum Beispiel Dustin Diaz eindrucksvoll beweist [14]. Wichtig ist, auf welchem Wege auch immer, ein vorzeig- bares Portfolio aufzubauen, denn dieses ist bei der Model-Suche das Aushängeschild. Das Henne-Ei-Problem – keine Models ohne Port- folio, kein Portfolio ohne Models – lässt sich alternativ auch mit einer kleinen Investition in ein paar Porträt- und Studiokurse bei renom- mierten Fotografen lösen [1, 9, 10]. Mit dem so entstandenen res- pektablen Portfolio sollte man dann aber ehrlich umgehen und den Models zu verstehen geben, dass man noch im Lernprozess ist und dass die Bilder bei organisierten Shootings entstanden sind. Und dann, irgendwann, wird es einen sicherlich zu Deutschlands größ- ter Model-Börse, der ‚Model-Kartei’, ziehen [12]. Die Model-Kar- tei ist in der kleinsten Leistungsvariante kostenfrei und bietet Foto- grafen, Models und Visagisten eine Plattform zur Diskussion, zum Kennenlernen und zum Verabreden. Die Spielregeln hat man nach zwei Wochen intus, und dann macht der Austausch dort richtig Spaß.

    Die gängigste Shooting-Form unter den Amateur-Fotografen und -Models ist das TfP- oder TfCD-Shooting: Time-for-Pictures oder Time-for-CD. Hier bringt das Model die Zeit mit und bekommt dafür Bilder auf einer CD – Geld fließt in dieser Vertragsvariante keines. Womit wir auch schon beim Vertrag wären: Der sog. Model-Release- Vertrag sichert die Verwertungsrechte der Bilder und klärt eventuelle weitergehende Vereinbarungen. Ein Vordruck zur freien Verwendung steht unter [13] in der Workshop-Sektion zum Download zur Verfü- gung. Viele weitere Details lernt man nach und nach in den ange- sprochenen Kursen, beim Model Sharing oder bei den ersten eige- nen Gehversuchen: Wie kommuniziert man mit dem Model? Wie gibt man dem Model ein Gefühl der Sicherheit? Wo findet sich auch Outdoor ein Platz zum Umziehen? Wie kann man Bildideen vorab sammeln, erklären und diskutieren, und wo findet man interessante Locations? Die Antworten auf diese Fragen und auf viele andere gibt die Praxis. Wie stets im Leben, so sollte auch hier der Umgang von gegenseitigem Respekt geprägt sein, und das schließt Zuverlässig- keit, Pünktlichkeit und Höflichkeit ein. Eine gute Vorbereitung auf das erste eigene Shooting sind neben besagten Schulungen auch Bücher wie jene von Cora Banek oder Oliver Gietl [6, 19]; zu Details zu Fotomodel-Posen gibt es ein gutes Werk von Sven Schwöbel [11]. Am ‚Learning by doing‘ führt allerdings kein Weg vorbei.

    Abbildung 1: Die Model-Kartei, Deutschlands größte Plattform für Models, Visagisten und Fotografen.

    Abbildung 2: Besonderes Licht kann ein Porträt auch besonders interessant machen. Hier kommt das fleckige Licht links von einem Kirchenfenster. Kamera: Canon APS-C mit EF 50 mm f/1.4, Av- Modus, Blendenzahl κ = f/1,4, tv = 1/60 Sekunde, ISO 400, –1/3 EV, Spot Metering auf die Wange. Model: Maria, MK 233187.

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    PoRtRÄt- Und PEoPlE-FotoGRaFiE

  • Effekte | Neben den angesprochenen optischen Effekten wie Unschärfe, extremen Winkeln und extremen Brennweiten kommen auch Filter für interessante Effekte in Betracht. Ein Polfilter oder UV-Filter, mit Vaseline eingerieben, eine Nylonstrumpfhose über dem Objektiv oder ein einfaches Anhauchen der Frontlinse können einer Porträt-szene eine ganz neue, mystische Wirkung geben. Auch schick ist ein Effekt aus den 60ern: das ‚Überstrahlen‘ des Models im Gegenlicht. Das kann gegen die tief stehende Sonne aber auch wie im schicken Bildbeispiel von Ben Jaworskyj trickreich mit einem Blitz mit Orange-Filterfolie realisiert werden. Die zweite Lösung funktio- niert natürlich auch an bewölkten Tagen. Man lässt bei dieser Tech- nik die Sonne oder den Blitz einfach gerade so am Hals oder in der Armbeuge des Models angeschnitten herauszwinkern (Abbildung 4).

    Bildverarbeitung | Kein schönes Porträt ohne sorgfältige Nachbear- beitung im Raw-Konverter und ohne zumindest ein leichtes Touch- up in Photoshop. Das ist ein weites Feld, und entsprechend gibt es hierzu auch bereits viele gute Bücher und Workshop-DVDs [4, 5]. Als Quickstart soll hier ein einfacher Ablauf für einen aktuell ange- sagten Look vorgestellt werden: Es handelt sich um einen entsät- tigten Hochkontrast-Look, der edel und chic wirkt und mit wenig Aufwand zu erzeugen ist. Am Anfang steht die übliche Kontrolle der Übersteuerung im Raw-Konverter; zum Umgang damit vgl. bspw. [18]. Dann wird dort der Kontrastregler aufs Maximum gebracht,

    • Mehrere Lichtquellen auf gleicher Leistung wirken unnatürlich und erzeugen auch unnatürliche Schatten. Eine zweite Lichtquelle zum Aufhellen kann oft besser und einfacher durch einen großen Reflektor erzeugt werden.

    • Licht ohne Schatten ist langweilig. Die Form eines Gesichts oder eines Körpers kann man nur im Zusammenspiel von Licht und Schatten herausmodellieren.

    Für schnelle, erste Erfolgserlebnisse gibt es eine Reihe von Stan- dard-Licht-Setups, die man zumindest einmal durchgespielt haben sollte (vgl. [2, 19] und die Workshops im weiteren Verlauf).

    Optik und Kameratechnik | Eine Porträtaufnahme soll den Porträ- tierten herausstellen und den Hintergrund zurücktreten lassen. Dies kann man zum Beispiel durch einen gezielten Schärfe-Unschärfever- lauf realisieren, wie er mit lichtstarken Telebrennweiten gut möglich ist. Eine klassische Porträt-Kombi ist bspw. Nikon D700 + Nikkor 85 f/1.4, offenblendig oder ganz leicht abgeblendet, aber diese Kombi- nation ist leider nicht ganz billig. Ansehnliche Ergebnisse sind aber auch mit einer Crop-Kamera (Canon APS-C, Nikon DX) und einer preiswerten 50-mm-Festbrennweite möglich. Die Unschärfe im Hin- tergrund wird ausgeprägter mit längerer Brennweite, weiter geöffne- ter Blende, geringerem Abstand vom Motiv und größerem Abstand vom Hintergrund. Zu Details zu Schärfentiefe und Bokeh (Foto-Slang für die Qualität der Unschärfe) vgl. auch [16] und [17]. Ansonsten sollte man stets im Raw-Format fotografieren, um später auch extre- mere Anpassungen ohne Tonwertabrisse vornehmen zu können. Auch kann man dann den Weißabgleich und den Farbraum später noch verlustfrei umstellen. Bei Porträts sollte das (vordere) Auge scharf sein, sonst ist das Bild meist verloren. Gerade bei Offen- blende kann dieser Anspruch zu einer wirklichen Herausforderung werden. Hier hilft Schärfespeicherung, u.U. Liveview, Übung und das Aufnehmen besonders vieler Bilder. Als Belichtungsme