Frank Berger Der r¶mische Schatzfund von Jever 1850

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  • 5/28/2018 Frank Berger Der r mische Schatzfund von Jever 1850

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    Oldenburger J ahrbuch

    Oldenburger Landesverein fr Geschichte, Natur- undHeimatkunde

    Oldenburg, 1957

    Frank Berger: Der rmische Schatzfund von Jever (1850)

    urn:nbn:de:gbv:45:1-3267

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    Old enbu rger Jahrb uch 100, 2000 227

    Frank Berger

    Der rmische Schatzfund von Jever (1850)

    1. Entdeckungsgeschichte

    Beim Abgraben von Kies stieen Arbeiter am 5. Mrz 1850 an der Prinzengraft inJever in Sichtweite des Schlosses auf einzelne und zusammenkorrodierte Silber-

    mnzen, die als rmisch erkannt wurden. Die Fundstelle liegt zwischen der 1844abgerissenen Albanitorwache und dem ehemaligen Armenhaus, dem heutigenSophienstift. Zwar lag der Fundort auerhalb der stdtischen Bebauung, aberinnerhalb der Befestigungsanlagen auf einem Vorwerk. Dieses wurde vermutlichbei einem Festungsausbau des Jahres 1536 angelegt, aber seit dem 18. Jahrhundertnicht mehr militrisch genutzt. Bauttigkeit und Bodenbewegungen bei der Errich-tung von Armenhaus und Albanitorwache mssen hier recht hufig vorgekommensein, doch wurde der Schatz davon wohl nie betroffen noch gar angeschnitten. DieMnzen lagen offenbar in 1,80 m Tiefe in ungestrtem Boden. Deshalb ist es kaumanzunehmen, da der Schatz ber eine grere Entfernung zusammen mit Erdeherantransportiert und so sekundr verlagert wurde. Ein Fundgef wurde nicht

    entdeckt. Noch drei Tage spter fand man vereinzelt Mnzen.Der Schatzfund verursachte natrlich bei den Findern und in der Umgebung einegroe Aufregung. Die Gesamtzahl der Mnzen wurde auf 3000 bis 5000 Stckgeschtzt. Ca. 2200 Exemplare verkaufte der Hauptfinder fr wenig Geld sofort aneinen rtlichen Goldarbeiter, der sie einem Altonaer Goldwarenfabrikanten zumEinschmelzen bergab. Die brigen Mnzen wurden in alle Winde zerstreut undgelangten in diverse Haushaltungen in Jever. Als die Kenntnis des Schatzfundes am8. Mrz 1850 die Behrden und Gebildeten erreichte, war das meiste schon frimmer verschwunden.Unsere heutigen Kenntnisse ber den Schatz verdanken wir dem Lehrer Stracker-

    jan, dem Stadtdirektor Mller und dem Oldenburger Bibliothekar Dr. Merzdorf.

    Als Lehrer Strackerjan sich um den Fund kmmerte, war es schon fast zu spt. Erberichtete, dass schon 2000 der Mnzen verkauft worden waren. In den Jeverlndi-schen Nachrichten 1850 beschreibt er die Fundstelle und zhlt diejenigen Denareauf, die er selbst zu Augen bekommen hat: So weit wir die gefundenen Mnzen

    Anschrift des Verfassers: Dr. Frank Berger, Historisches Museum Frankfurt, Saal-gasse 13, 60311 Frankfurt. Unvernderter Text des Vortrags anllich des 150jhri-gen Bestehens des Oldenburger Landesvereins fr Geschichte, Natur- und Heimat-kunde e.V. am 12. Mrz 2000 in Jever.

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    kennen, sind die berwiegend meisten von Hadrian und Trajan, ziemlich viele vonDomitian und Titus, weniger von Vespasian, sehr wenige von Nero und Sabina.Auerdem sind uns bekannt geworden nur 3 Vitellius, 1 Julia, 1 Marciana, 1 Ploti-

    na, 1 Matidia, 1 griechische Mnze und, was das Auffallendste ist, nur 1

    AntoninusPius". Auerdem sollen noch andere Gegenstnde aus Silber dabei gefunden wor-den sein.Am 16. Mrz kam Bibliothekar Dr. Merzdorf nach Jever. Er informierte sich bei Leh-rer Strackerjan nach dem Stand der Dinge und erfuhr, dass das meiste schon wegwar. Stadtdirektor Mller hatte inzwischen alle verbleibende Stcke gegen eine ent-sprechende Abfindung an die Arbeiter sichergestellt. Ihm ist die Rettung desSchatzfundes von Jever zu verdanken. Merzdorf fand bei Mller ca. 400 Denare inungereinigtem und oxydiertem Zustand vor und schaute sie sich an: Nach ober-flchlicher Durchsicht ergab sich, dass diese Denare aus den Jahren 69 - 170 nachChristus unter den Kaisern Vitellius bis Antoninus Pius geprgt seien, und meist ver-

    schiedene Stempel - fast nie Doubletten - zeigten, dass die Kaiser Trajan und Ha-drian in berwiegender Anzahl vertreten seien, whrend andere seltener sich vor-fanden. Durch Zufall sind die seltensten Stcke, die dem Fund angehrten, in festeHnde gekommen, aus denen dieselben schwer zu erhalten sein drften so z. B. dieMnzen der Julia, Sabina, Plotina und ein Antoninus Pius. Das Auffinden und aus-suchen war selbst den Mnzunkundigen durch die Brustbilder leicht." Von denweiteren silbernen Gegenstnden erfuhr Merzdorf nur noch von einem silbernensog. Ohrlffel. Er empfahl Stadtdirektor Mller, fr die Mnzen eine Kaufsummezu zahlen, die dem doppelten Silberwert entsprche und kam dabei auf 150 TalerKaufpreis. Aus heutiger Sicht war diese Summe angemessen und eher hoch. DieFinder werden als arme Familienvter bezeichnet, die das Geld gut brauchen kn-

    nen. Die Mnzen aus dem Gewahrsam des Stadtdirektors Mller und auch der Sil-berlffel wurden der Empfehlung gem fr die groher/.oglichen Sammlungenerworben.

    Der literarische Niederschlag des Fundes von Jever war sehr gering. Neben demBericht von Lehrer Strackerjan in den Jeverlndischen Nachrichten gab es nur nocheine Notiz in der Numismatischen Zeitung vom April 1850 auf Seite 56:Mnzfund. Zu anfang vorigen Monats fanden Arbeiter zu Jever gegen 4-5000rmische Silberdenare etwa 4-5 Fu tief in der Erde, sie waren grtenteils sehr guterhalten, mssen jedoch zuerst von einer schwrzlichen, ein wenig mit Grnspanversetzten Umhllung chemisch befreit werden. So viel bis jetzo bekannt gewordenist, sind sie von den Kaisern Nerva, Vespasion, Domitian, Trajan und Hadrian und

    es haben sich unter ihnen noch keine numismatischen Seltenheiten vorgefunden.Merkwrdig bleibt es, da man bis jetzo in dieser Gegend noch keine berbleibselaus der Rmerzeit aufgefunden hat, was Veranlassung zu der Annahme gab, dadie Bewohner dieser Gegend in keinem Verkehre mit den Rmern gestanden ht-ten, auch ber deren Anwesenheit in derselben nichts Geschichtliches vorliegt."Auf der Basis dieser Notizen wird der Schatz von Jever von Mommsen 1860 bisStupperich 1980 aufgefhrt. Die Wiederauffindung und Rekonstruktion des Schat-zes unternahm 1981 der Bonner Archologe Volker Zedelius. Er identifizierte dieber 400 Mnzen des Oldenburger Landesmuseums, die berwiegend ohne Fund-hinweis unter den brigen rmischen Mnzen der Sammlung lagen. Weitere Dena-

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    re ermittelte er im Schlomuseum zu Jever. Diese waren teilweise als Einzelstcke,teilweise mit Sammlungen in den Bestand gekommen. Unter ihnen befinden sichviele der eher seltenen Stcke, von denen Strackerjan und Merzdorf berichteten, so

    Denare von Nero, Galba, Vitellius, der Domitia, von Marc Aurel und Lucius Verus.Drei Denare schlielich liegen jetzt im Ostfriesischen Landesmuseum in Emdenund weitere zwei im Westflischen Landesmuseum fr Kunst und Kulturgeschichtein Mnster.Leitmnze der Ermittlungen von Zedelius war die Leierdrachme Trajans. Er stelltenur Mnzen zusammen, die eine hnliche Korrosion, Patina und einen vergleichba-ren Erhaltungszustand durch die scharfe Reinigung hatten. Am Ende kam er auf564 Mnzen, die er im Jahre 1982 in einem Aufsatz publizierte. Der Silberlffel kamin die Groherzogliche Altertmersammlung, die 1919 zum Teil versteigert wurde.Er drfte sich unter den versteigerten Stcken befunden haben, da er heute nichtmehr nachzuweisen ist und leider liegt auch keine Zeichnung des Lffels vor.

    2. Inhalt des Fundes

    Von ursprnglich 3000 bis 5000 Denaren knnen wir heute noch 564 Stck nachwei-sen. Auch mit dieser Anzahl ist der Schatzfund von Jever noch der grte erhaltenermische Mnzschatz in Norddeutschland. 44 Exemplare befinden sich davon heu-te noch in Jever selbst, im Schlomuseum, und die berwiegende Mehrheit nichtweit davon entfernt im Oldenburgischen Landesmuseum.Die nchstkleineren Denarschtze kennen wir aus Neuhaus an der Oste (345 Dena-re erhalten), Rinteln (243), Lashorst (186), Middels-Osterloog (80), Rtenbrock (75),

    Laatzen (74) und Grpel (65). Das Schicksal, dass die meisten Mnzen abhandengekommen sind, beschrnkt sich nicht auf Jever. In Filsum in Ostfriesland stehen6 vorhandene Denare zwei Pfund verschollenen Stcken gegenber und aus Welse-de bei Hameln sind aus einem Topf voll Mnzen nur vier Stck bekannt.Die Mnzen des Schatzfundes reichen zeitlich von Augustus bis Septimius Severus.lteste Mnze ist ein Gaius/Lucius - Denar des Augustus in stark abgegriffenemZustand, geprgt 2/1 v. Chr. in Lyon. Dem folgen ein Denar des Nero (54-68), einerdes Galba (68/69 n. Chr.) und zwei des Vitellius (69 n. Chr.). Die Flavischen Kaiser(Vespasian/ Titus/ Domitian) sind mit 133 Denaren vertreten. Nach 14 Denaren desNerva (96-98) machen 250 Denare des Trajan (98-117) den Lwenanteil des Fundesaus. Eine Besonderheit ist darunter eine sog. Leierdrachme des Trajan aus Lykien.

    Dieser Mnztyp wurde eigentlich fr den lokalen Mnzumlauf in Kleinasien ge-prgt, gert aber gelegentlich unter die rmische Reichsprgung und wanderte somit den Denaren in den Norden. Wichtig fr die Akzeptanz dieser uerlich garnicht so fremdartigen Mnze war, dass die in Gewicht und Feingehalt den regul-ren Denaren in etwa entsprach. Der folgende Kaiser Hadrian (117-138) ist mit 144Mnzen am zweitstrksten vertreten. Von ihm gibt es eine irregulre Nachprgungeines Denars im Fund, eine sog. Barbarische Nachahmung. Das Ende bilden 10 De-nare des Antoninus Pius (138-161), zwei des Marc Aurel (161-160) und zwei desSeptimius Severus (193-211). Die Zugehrigkeit von drei Denaren des Severus Alex-ander (222-235) zum Fund ist hchst unsicher.

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