Friede und Heil, Ausgabe 2/2011

Click here to load reader

  • date post

    31-Mar-2016
  • Category

    Documents

  • view

    239
  • download

    6

Embed Size (px)

description

Zeitschrift der Franziskaner-Minoriten in Deutschland, Provinz St. Elisabeth

Transcript of Friede und Heil, Ausgabe 2/2011

  • 1Z20717F

    Zeitschrift der Franziskaner-Minoriten77. Jahrgang Nr. 2 2011

    Foto:

    And

    reas M

    urk

    FranziskanerkircheWrzburg

  • 18

    Das Geschenk des Auferstandenen an seine Jnger war die Beauftra-gung, den Menschen pace e bene zu bringen, Frieden und Heil. Am Abend des Ostertages kam er zu ihnen durch verschlossene Tren, hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Snden vergebt, dem sind sie vergeben (Johannes-Evangelium 20,22-23). Die Vollmacht der Prie-ster, im Namen Jesu die Befreiung von Schuld zuzusprechen, ist ein Geschenk an die Kirche. Wer das Sakrament der Vershnung in Anspruch nimmt, wird es besttigen. Beim Apostel Petrus waren es die beiden Szenen am Kohlenfeuer, die persn-liche Schuld und Vergebung durch den Herrn mit-einander verbinden. Es sind heilsame Fragen, die Gott an uns richtet, ber unser Gewissen, so fhrt es P. Josef Fischer aus. Wer diese Fragen tief in sich hineinlsst, wird keine oberflchliche Osterbeichte ablegen. Den Abgrund der Treulosigkeit im eige-nen Herzen zu entdecken, ist schwer zu ertragen. Genau dort beginnt die Umschmelzung innerer Erfahrung durch einen liebevollen Blick. Die Be-gegnung mit dem Lebendigen schenkt Vergebung. Es ist wie ein neues Aufatmen, nicht festgenagelt zu werden auf die dunkelste Stelle der eigenen Vergangenheit. Dieses sterliche Geschenk der Sndenvergebung wurde zur Lebensaufgabe des am 31. Januar verstorbenen P. Adalbero, jahr-zentelang Pnitentir an St. Peter im Vatikan.Fast sein gesamtes Ordensleben hat P. Adalbero Heussinger auerhalb unserer Provinz verbracht, aber im Auftrag der Provinz. Ihm sei daher ein ausfhrlicher Nachruf gegnnt. ber Neujahr konnte ich ihn fr drei Tage in Graz besuchen. Zu seiner schweren Krebserkrankung waren Schlag-anfall und Herzinfarkt gekommen, er konnte sich nur schwer artikulieren. Und Graz, die zweit-grte Stadt sterreichs, hatte ihn schon immer angezogen. Als kriegsmder Heimkehrer steuerte er von Feldbach aus das Minoritenkloster Graz an, fragte aber nach dem Franziskanerkloster, wie er es von Wrzburg her gewhnt war, und hatte

    keinen Erfolg. Die Minoritenkirche Mariahilf in Graz begeht am 29. Mai ein 400-Jahr-Jubilum, denn sie wurde am 29. Mai 1611 vom Minori-tenbischof Johannes Peter de Ponte eingeweiht. Auf der Rckseite des Heftchens ist die Eingangsfassade zu sehen. Wer ber ihre Geschichte und Kunstwerke mehr erfahren will, greife zum PEDA-Kunstfhrer Nr. 748/2009. Darin wird neben Kir-che und Konvent auch der pracht-volle Minoritensaal beschrieben.Fragt jemand nach dem Minori-

    tenkloster, und nicht nach dem Franziskanerkloster in Wrzburg, dann wird er nur Kopf-schtteln auslsen. Denn hier in der Stadt haben die braun gekleideten Franziskaner keine Nieder-lassung, und die Kapuziner auf dem Kppele oben tragen ihren eigenen unverwechselbaren Namen. Bruder Konrad Schlattmann brachte das Kunststck fertig, in seiner Vorstellung des Wrz-burger Konventes jeden einzelnen Mitbruder namentlich zu nennen. Notieren Sie sich schon einmal den Termin des Klosterfestes in diesem Jahr, den 16.-17. Juli. Sie werden einen Besuch bei uns nicht bereuen! Nicht beschrieben werden die Gebude: die Kirche, das Kloster und das Seminars St. Valentin. Sie waren nach den beiden Bombenangriffen am 3. und 16. Mrz 1945 nur ein formloser Trmmerhaufen mit ghnenden Auenmauern. Auch die wertvolle Klosterbiblio-thek wurde vernichtet. Relativ unbeschdigt blieb dagegen die Valentinuskapelle, der lteste Teil der Klosteranlage. Bewundernswert ist die Aufbau-leistung in den Jahren und Jahrzenten danach. So wurde erst in meiner Klerikatszeit (1959-65) eine Zentralheizung eingebaut. Bis dahin musste jeder, der es im Winter warm haben wollte, groe Ptte mit Sgemehl stopfen und hochschleppen. Die hatten dann eine Brenndauer von einigen Stunden. Einen besonderen Anteil am Wiederaufbau haben unsere treuen Wohltter.Es grt Sie in dankbarer VerbundenheitIhr

  • Als einziger Minoritenkonvent nrdlich der Alpen besteht die Niederlassung in Wrzburg ununterbrochen seit den Tagen unseres Or-densgrnders Franziskus bis heute. Ein wenig versteckt liegen Kirche und Kloster, eingerahmt von der alten Stadtmauer. Beim aufmerksamen Durchlesen erfahren Sie ber jeden Bruder im Haus etwas. Und falls Sie uns an Ihren zehn Fingern abzhlen wollen, mssen Sie dreimal ansetzen. Besuchen Sie uns doch einfach ein-mal, um Gottesdienst mitzufeiern, Ihre Snden-last loszuwerden oder einfach zum Klosterfest!

    Das ist schon seit 1221 so! Grade die jungen Brder im Wrzburger Franziskaner-Minori-tenkloster spotten auf diese Weise manchmal, wenn es in Diskussionen um neu zu treffende Entscheidungen aller mglichen Art geht. Wieso machen wir das nicht anders? Weil das schon seit 1221 so ist! Und alle lachen.

    Franziskanerkloster Wrzburg

    1221 ist das Jahr, in dem die ersten Minoriten er-folgreich nach Deutschland kamen, also noch zu Lebzeiten unseres Ordensgrnders Franz von Assisi (1181/82-1226). Bereits zwei Jahre zuvor wurden die ersten Brder nach Deutschland gesandt, die aber aufgrund mangelnder Sprach-kenntnisse mancherlei Misshandlungen erlitten und daher gezwungen waren, unverrichteter Dinge wieder nach Italien zurckzukehren. Beim zweiten Versuch gelang es schlielich zwlf Klerikern und Priestern und 15 Laienbr-dern, von Trient aus den Marsch ber die Alpen Richtung Deutschland anzutreten. Der Weg ging ber Bozen, Brixen, Sterzing und Matrei bis nach Augsburg. Gefhrt wurden sie dabei von dem Deutschen Csar von Speyer und dem ebenfalls sprachkundigen Bruder Barnabas. C-sar sammelte im Oktober 1221 seine Missionsge-fhrten in Augsburg zum ersten Kapitel der neu gegrndeten Ordensprovinz Teutonia. Dann

    Blick auf die Sdseite des Franziskaner-Klosters in Wrzburg Fotos: Andreas Murk

  • 20

    teilte sich die franziskanische Missionsgruppe in kleine Trupps. Eine Gruppe von Brdern gelangte auf den bekannten Verkehrs- und Han-delswegen im November 1221 nach Wrzburg, wo sie eine weitere Niederlassung grndeten. Brotzeiten von der Klosterpforte

    Whrend sich die Minoriten in Franken in den ersten Jahrzehnten vornehmlich um die Lepro-sen, die Ausstzigen, kmmerten, sind die etwa 20 Brder des Konventes Wrzburg heute in

    verschiedenen Aufgabenbereichen ttig. Bruder Maximilian beispielsweise ist Klinikseelsorger am Universittsklinikum Wrzburg. Viel Be-wegendes erfhrt er dort, groe Traurigkeiten erlebt er, aber Trost kann er dennoch in den meisten Fllen spenden. Vielleicht liegt es an seinem frhlichen Gemt, an dem die Gemein-schaft bei den Mahlzeiten oder der Rekreation, dem gemtlichen Beisammensitzen, teilhaben darf. Auch Bruder Ludwig und Bruder Helge kommen bei ihren Diensten an der Pforte des Klosters mit der Not vieler Menschen in

    Kontakt. Die meisten von ihnen sind zwar nicht ob-dachlos, haben jedoch zu wenig Geld, um sich selbst die notwendigsten Dinge kaufen zu knnen. An der Pforte werden daher jhr-lich weit ber 5000 Brotzei-ten ausgegeben, manchmal sogar zustzlich Schokola-de oder vor Weihnachten Christstollen. Bruder Tobias kommt dem franziska-nischen Charisma bei sei-nen sozial-caritativen T-tigkeiten in der Bahnhofs-mission, der Wrmestube und bei der Straenambu-lanz nach. Sein blaues Auto mit der groen Aufschrift Wrzburger Straenam-bulanz ist beinahe in der ganzen Stadt bekannt.

    Der Senior unserer Pro-vinz, Br. Bernward, lsst sich gerne von Br. Tobias versorgen und von Bruder Bonaventura, ehemaliger Provinzial, im Rollstuhl schieben. So steht der Oberpflzer Br. Bern-ward, wie er selbst immer wieder betont, kurz vor seinem 93. Geburtstag der Jngste in unseren Reihen ist dagegen gra-de mal 25 Jahre alt. Die Franziskanerkirche Wrzburg

  • 21

    gemeinsame morgendliche Messe feiern die lteren Brder Liborius, Paschalis und Ansgar mit ihm in der Hauskapelle. Seinen verdienten Ruhestand verbringt Br. Sebastian ebenfalls bei uns in Wrzburg, nachdem er als geschtzter Pfarrer in Kaiserslautern, Og-gersheim und Bonn ttig war. Obwohl Bruder Guido als Seelsorger in einem Altenheim in Schweinfurt auf einem Auenposten ist,gehrt auch er zu unserem Konvent dazu.

    Franziskanerkirche ohne Beichtsthle

    Einen recht groen Seelsorgebereich im Kon-vent nimmt das Beichtehren ein. Angeboten wird das Busakrament nicht in der groen Franziskanerkirche, sondern in der lteren Valentinuskapelle. Br. Electus, Br. Stephan oder unsere ehemaligen Afrika-Missionare

    Br. Gerhard und Br. Franz Ernst stehen auf Abruf bereit und sind im Einsatz, wenn die Beichtglocke klingelt. Ansonsten schreiben sie ihre Ansprachen und Predigten fr die Messfeiern. Vier Werktagsmessen werden in der Valentinuskapelle tglich gefeiert, in der Franziskanerkirche sonntags fnf. Denn am Abend feiert dort die Gemeinschaft St. Egidio Eucharistie. Schon von weit hrt man die meditativen Gesnge und das Klingeln des Weihrauchfasses. St. Egidio, eine kirchliche, weltweit aktive Laiengemeinschaft, die sich durch den Einsatz fr Frieden, kumene und Freundschaft mit den Armen auszeichnet, hat ihren deutschen Sitz in Wrzburg. St. Egidio gehrt zu den Einladenden beim jhrlichen, in unserer Franziskanerkirche stattfindenden Friedensgebet, bei dem hochrangige Vertreter verschiedener christlicher Kirchen um Frieden in der ganzen Welt beten.

    Ein breit gefchertes geistliches Konzert-programm erwartet die Zuhrer ebenfalls in der Kirche. Neben Blserensembles und erstklassigen Chren und Orchestern hat sich im vergangenen Jahr der Bach-Kantaten-Club Wrzburg bei uns gegrndet. Junge Studenten der Musikhochschule, die beim abendlichen Bier ihre Begeisterung fr Kantaten von Johann Sebastian Bach feststellten, fhren seitdem regelmig exzellent dargebotene, zum litur-gischen Jahr passende Bach-Kantaten auf. Vor einem stets wachsenden Publikum.

    Klosterfest zwei Tage lang

    Ob der im KZ Auschwitz umgekommene Franziskaner-Minorit Pater Maximilian Kolbe, dessen 70. Todestag wir in diesem Jahr bege-hen, Auswirkungen auf Wrzburg als Redak-tionsstandort fr die vorliegende Zeitschrift Friede und Heil und fr den Sendboten des heiligen Antonius hat, bleibt offen. Immerhin war Kolbe einmal in Wrzburg, um mit einer hier ansssigen Firma die Herstellung einer Druckmaschine fr die Herausgabe seiner weltweit verbreiteten Zeitschrift Ritter der Unbefleckten zu besiegeln. Bruder Polykarp hingegen kmmert sich mit ganzem Eifer um unsere beiden aktuellen Zeitschriften.

    Br. Martin Koch und Br. Konrad Schlattmann in der Junioratskapelle

  • 22

    Wrzburg als Sitz des Provinzialates und da-mit des Ordensoberen der deutschen Provinz, Provinzialminister Br. Leo, ist auch Ort der Diakonen- und Priesterweihen unserer Brder. War schon die Kirche bei der Diakonenweihe von Bruder Bernhardin im vergangenen Okto-ber fast zu klein, wird uns noch Greres er-warten, wenn er zusammen mit Bruder Steffen im Mai zum Priester geweiht wird.

    Doch das grte Fest eines jeden Jahres ist das schon ber die Grenzen Unterfrankens hinaus bekannte Klosterfest im Sommer. In den Wochen und Monaten vorher muss bereits organisiert, geklrt, be-sprochen und entschieden werden, damit das Wochenende ein Fest fr Brder und Gste wird. ber 5000 Besucher durften wir im vergangenen Sommer begren. Eine Herausfor-derung fr alle und besonders fr den Guardian des Kloster Bruder Paul-Maria. Auf groes Interesse stoen die Klosterfhrungen, die neben anderen Br. Martin sen. anbie-tet. Mit Sicherheit trgt auch Br. Josef an Klarinette und Saxophon zum Gelingen des Klosterfestes bei. Fast ununterbrochen erfreut er im Kreuz-gang und im Hof mit seiner Musik die Anwesenden.

    Junioren in der Ausbildung

    Br. Josef ist der Magister der Junioren, also der Brder, die nach den ersten beiden Ausbildungsjahren in unserer Gemeinschaft, dem Postulat und Noviziat, und somit nach der ersten Profess, in Wrzburg an der Univer-sitt Theologie studieren oder anderen Ttigkeiten nachgehen. brigens: Die Universitt Wrzburg mit momentan ber 20.000 Studenten wurde 1582 von Frstbischof Julius Echter von Mespelbrunn in unserem Franzis-kanerkloster gegrndet! Die jungen Brder im Juniorat bilden eigentlich eine eigene Gemeinschaft und haben

    somit fast gnzlich ihre eigenen Gebetszeiten, die stellenweise auf den universitren Betrieb abgestimmt sind. Natrlich helfen sie im Kon-vent dort mit, wo sie gebraucht werden und sind stets im Hochamt sonntags um 9.30 Uhr als Ministranten und Lektoren aktiv. Unter-sttzt werden sie von motivierten Ministran-ten und Lektoren, die zur feierlichen Liturgie der weiteren Sonntagsgottesdienste beitragen und um die sich Bruder Martin jun. kmmert. Teilweise sind die Junioren weiterhin fr die Sakristei zustndig, nachdem der jahrelange und zuverlssige Sakristan Br. Angelus diese

    Von re.: Junioratsleiter P. Josef Bodensteiner mit Br. Krzysztof Wrblewski, Br. Helge Lubberich, Br. Konrad Schlattmann und Br. Mateusz Kotylo.

  • 23

    Ankunft der Franziskaner in Wrzburg

    Im selben Jahr (1221) gelangte Bruder Csar nach Wrzburg und nahm einen begabten und gebildeten jungen Mann mit Namen Hartmut in den Orden auf. Da die Italiener den Namen nicht auszusprechen wussten, nannten sie ihn Andreas, zumal er am Tage des seligen Andreas (dieses Fest wird am 30. November gefeiert) in den Orden auf-genommen worden war. Dieser wurde in kurzer Zeit Priester und Prediger, und sp-ter wurde er zum Kustos Sachsens gemacht.

    hnlich nahm er einen Laien mit Namen Rdiger auf, der spter in Halberstadt zum Guardian gemacht und Lehrer in der geist-lichen Zucht der seligen Elisabeth wurde; er unterwies sie, Keuschheit, Demut und Ge-duld zu wahren und in Gebeten zu wachen und sich in Werken der Barmherzigkeit zu mhen. hnlich nahm er auch einen Laien mit Namen Rudolf auf.

    Aus der Chronik des Jordan von Giano, Kapitel 25

    Klosterfest im Kreuzgarten des Wrzburger Franziskaner-Klosters, von li.: Br. Tobias Matheis, Br. Rafa Lotawiec (Krakau), Br. Helge Lubberich und P. Dr. Wayne Hellmann (USA).

    Aufgabe abgegeben hat. Dennoch steht er ihnen immer wieder mit kleinen Tipps zur Seite. In Br. Willibord haben grade die Studenten unter den Junioren ebenso einen guten Helfer gefunden: als Leiter der groen Bibliothek wei er przise, wo welches frs Studium wichtige Buch steht.

    Um ihre Gemeinschaft zu strken und dem Le-ben in der franziskanischen Spur nherzukom-men, treffen sich die Junioren regelmig zum Bibelteilen, fahren monatlich zur Recollectio, einem Besinnungs- und Einkehrtag, machen jhrlich gemeinsame Exerzitien und begehen jeden Abend gemeinschaftliche Rekreation. Hin und wieder schauen sie einen Film, vor-nehmlich ausgesucht von Bruder Mateusz, be-suchen Konzerte oder treiben Sport wie jeder Jugendliche eben auch. Und als Mitglieder der Arbeitsgruppe Jugend- und Berufungspastoral unserer Provinz laden sie ein zu verschiedenen Angeboten fr Kinder und Jugendliche, z.B. zu den bekannten Sommerzeltlagern fr Kinder.

    Das Wrzburger Konventsleben, das mehrere Generationen unter einem Dach verbindet, ist bunt und vielfltig. Und das schon seit 1221!

    Br. Konrad Schlattmann

  • 24

    War Ihnen diese Einzelheit schon einmal auf-gefallen? Nach der Gefangennahme Jesu hatte man zum Verhr mitten im Hof des Hohen-priesters ein Feuer angezndet, an dem sich auch Petrus wrmte. So berichten es alle vier Evangelisten. Und wieder brennt ein Kohlen-feuer, am Ufer des Sees von Tiberias. Der auf-erstandene Herr fragt seinen Jnger dreimal: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?

    Am Dienstag der Karwoche jhrt sich heuer zum sechsten Mal der Tag der Wahl Josef Kar-dinal Ratzingers zum Papst. Dieses Ereignis deutet er selbst rckblickend als Schock (in einem Interview mit Peter Seewald; vgl. das Gesprchsbndchen Licht der Welt, S. 91ff). Seines Erachtens htte es Jngere und Bessere gegeben fr die Nachfolge des Mannes mit dem Fischerring. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe und mit der Hoffnung auf groe Zusammenarbeit habe er Ja gesagt.

    Papst Benedikt XVI. orientiert sich an den Rat-schlgen des heiligen Bernhard von Clairvaux. Der schrieb vor 800 Jahren seinem Zeitgenos-sen, Papst Eugen III., einiges zur Fhrung der Amtsgeschfte ins Stammbuch. So ist z.B. von einer Befrchtung die Rede, dass du von Beschftigungen umringt, deren Zahl nur an-steigt und deren Ende du nicht absiehst, dein Antlitz verhrtest. An einer anderen Stelle heit es: Erinnere dich daran, dass du nicht der Nachfolger von Kaiser Konstantin, sondern der Nachfolger eines Fischers bist. Die moder-nen Begleiterscheinungen bei Leitungstrgern, berforderung und Selbstberschtzung, las-sen gren. Der wortgewaltige Ordensmann und Dichter des Schlussteils von Salve Regi-na, Bernhard, legt Papst Eugen III. dringend die Achtsamkeit fr sich selbst ans Herz nach dem Motto: Gnne dich dir selbst wenigstens dann und wann!

    HeilsameBegegnungen

    am Kohlenfeuer

  • 25Apostel Petrus verleugnet ChristusRembrandt, 1660, Rijksmuseum Amsterdam

  • 26

    Der Blick auf Petrus

    Der jetzige Papst bringt sein Bemhen in dieser Richtung so auf den Punkt: den inneren ber-blick, die innere Sammlung zu behalten, aus der dann die Sicht aufs Wesentliche kommen kann. Ist diese Perspektive nicht grundstzlich fr jeden Christenmenschen gltig?! Kennen nicht auch wir die Sehnsucht danach, Umsicht und gttlichen Tiefblick im Handgemenge des Alltags zu bewahren?! Ob Papst Benedikt in diesen Tagen um das Osterfest in den Be-

    trachtungen der biblischen berlieferung zu seinem Vorgnger, Simon Petrus, wie sie uns das Johannesevangelium in der Kar- und Oster-liturgie wieder bereithlt, dieses Wesentliche findet? Und ob er zur Ruhe kommt, in den Freuden und Belastungen seines Pontifikats, im Ringen um die Frage, worin die Erneuerung der Kirche wahrhaft besteht?

    Machen wir deshalb einen inneren Sprung an das Kohlenfeuer! Dort schlgt Petrus, dem Wortfhrer und Erstgenannten in den Apo-

    stellisten, die Stunde der Wahrheit, und dies in zwei-facher Weise: in der Passion und nach der Passion. Jesu stummer Blick nach der Ver-leugnung durch Petrus lsst den Apostel seine Schuld verspren und bereuen. Die dreifache Frage des Meisters nach seiner Auferstehung heilt diese innere Wunde, und Christus traut einem Fischer eine groe Aufgabe zu: den Glauben der Jnger und Jngerinnen zu str-ken, die Einheit zu festigen, die Herde zu weiden das geschieht wieder an einem Kohlenfeuer.

    Gottes Fragen fhren zu Selbsterkenntnis

    In dieser Art der schmer-zenden Erinnerung liegt der Trost eines neuen Anfangs. Da feiert der Felsenmann mit all seiner bitter erfah-renen eigenen Unbestndig-keit ein Fest der Auferste-hung mitten im Alltag.

    Es ist wunderbar, sich im Anblick und im Wort Christi zu erkennen. Wie kostbar ihm doch Menschen gera-de auch in ihrer Schwche sind. Und wie luternd, ja

    Walter Habdank, Petrus begegnet dem Auferstandenen. Farbholzschnitt, 1984 Galerie Habdank

  • 27

    erschreckend ist es, das eigene Versagen tiefer zu erfassen. Hier msste man die Petrusdar-steller unserer Schwarzenberger Passion zu ihrem Erleben befragen. Dazu gehrt auch Br. Bernhardin Seither, der sich mit Br. Steffen Behr auf die Priesterweihe im Mai vorberei-tet. Die Szene der Verleugnung hat einen fast bersehbaren Niederschlag gefunden auf dem franziskanisch so zentralen, sterlich hellen Kreuzbild von San Damiano. Der Hahn im unteren rechten Abschnitt erinnert an das Versagen des ach so selbstsicheren Petrus. Statt Mein Leben will ich fr dich geben heit es nur noch: Ich kenne diesen Menschen nicht.

    Der Meister reagiert auf die Verletzung der Freundschaft nicht mit einem Vorwurf wh-rend seiner grausamen Passion nicht und nach der Auferstehung von den Toten erst recht nicht. Er schweigt bzw. fragt dreimal: Liebst du mich? Steter Tropfen hhlt den verhrteten Stein. Fragen von Gott her sind biblisch gesehen immer seine Art und Weise, den Menschen in eine tiefere Selbsterkenntnis zu fhren und die eigene Bedrftigkeit annehmen zu lernen. Die so Angerufenen sollen Standpunkt beziehen.

    Wo bist du?, so sprach schon der Schpfer zu seinem Spitzengeschpf Mensch nach dem Sndenfall. Was willst du, dass ich dir tun soll?, so Jesus zum blinden Bettler Bartimus. Wen sucht ihr?, fragt Jesus seine Verfolger im Garten Getsemani. Der Auferstandene fragt beim dritten Mal: Liebst du mich mehr als diese mich lieben? Petrus kapituliert heilvoll: Herr, alles weit du. Du erkennst doch, dass ich Dir Freund bin (nach der bersetzung von Fridolin Stier).

    Begegnung schenkt Vergebung

    Es ist bitter, hinter den Erwartungen an sich selbst so weit zurckzubleiben. Es ist dem-tigend, wenn andere dies mitbekommen. Den Abgrund der Treulosigkeit im eigenen Herzen zu entdecken, ist schwer zu ertragen. Genau dort beginnt die Umschmelzung innerer Erfahrung durch einen liebevollen Blick. Die Begegnung mit dem Lebendigen schenkt Ver-

    gebung. Es ist wie ein neues Aufatmen, nicht festgenagelt zu werden auf die dunkelste Stelle der eigenen Vergangenheit.

    Petrus erfhrt am Kohlenfeuer das Wunder des Verzeihens, das er an sich geschehen lsst und nicht abwehrt. Mehr noch: er nimmt den Auftrag seines Meisters an: Weide meine Schafe! Der Fischer wird zum Hirten. Petrus wird die Leitung der Kirche anvertraut. Zusam-men mit Mt 16,17f gilt diese Ostergeschichte in Joh 21 als Haftpunkt fr das Petrusamt und die besondere Rolle des Bischofs von Rom. Dieses sterliche Nachtragskapitel beim vierten Evan-gelisten endet mit einer erneuten Berufung des Petrus, hinter seinem Herrn herzugehen und sich fhren zu lassen, gerade im Altwerden.

    Und wo brennt Jesu Kohlenfeuerfr mich persnlich? Fr unseren Papst? Fr unsere Kirche?

    P. Josef Fischer

    Herr, du allein weit, wie mein Leben gelingen kann.

    Lehre mich, in der Stille Deiner Gegenwartdas Geheimnis zu verstehen,

    wie in Deinem Anblickund in Deinem Wort

    Menschen sich erkannt habenals Dein Bild und Gleichnis.

    Hilf mir loszulassen,was mich daran hindert,

    Dir zu begegnenund mich von Deinem Wort

    ergreifen zu lassen.

    Hilf mir zuzulassen,was in mir Mensch werden willnach dem Bild und Gleichnis,

    das Du Dir von mir gemacht hast.

    P. Peter Kster SJ

  • 28

    Am 31. Januar verstarb in Graz im 88. Lebens-jahr P. Dr. phil. Dr. theol. Adalbero Heussin-ger, Mitglied der Deutschen Franziskaner-Minoriten-Provinz. 36 Jahre lang stand er im Dienst der Ppste, als Apostolischer Pni-tenziar (Beichtvater) an St. Peter im Vatikan. Die letzten zehn Lebensjahre verbrachte er im Minori-tenkloster Graz, beliebt als Ruhestandsseelsorger an der Wallfahrtskirche Mariahilf.

    Geboren am 12. Februar 1923 in Bundorf, in der Pfarrkirche am 15. Februar auf den Namen Adalbert getauft, wuchs der sp-tere Minorit in den unter-frnkischen Hassbergen auf, abseits der groen Durchgangsstraen. Doch fand er sich in der gro-en weiten Welt zurecht. Nach einem vorgezogenen Abitur als Seminarist in Wrzburg zum Militr-dienst rekrutiert, erlebte er das Kriegsende als Unteroffizier der Luftwaffe in Feldbach / Steiermark und schlug sich in entbehrungsreichen Mrschen ber Salzburg bis nach Franken durch. Bereits am 28. Oktober 1945 begann er im Kloster Schwarzenberg sein Noviziat, bekam den Ordensnamen Adalbero, legte ein Jahr spter die ersten Gelbde ab und schloss sich am 30. Oktober 1949 durch die Fei-erliche Profess auf Lebenszeit dem Minoriten-orden an. Zum Philosophiestudium schickten ihn die Oberen von 1946 1949 zu den Jesuiten, an das Berchmanskolleg in Pullach. Nach dem anschlieenden Theologiestudium an der Uni-versitt Wrzburg wurde P. Adalbero am 5. Mrz 1952 durch Bischof Julius Dpfner in der Wrzburger Augustinerkirche zum Priester geweiht. Es folgten zehn Promotionsjahre an

    P. Adalbero Heussinger ist heimgegangen

    der Jesuiten-Universitt Gregoriana in Rom, die er mit dem Dr. phil. und Dr. theol. abschloss.

    Im Vatikan. Nach einigen Monaten im Wrz-burger Konvent wurde P. Adalbero im Sep-

    tember 1962 Direktor des Sptberufenenseminars Maximilian Kolbe in Bam-berg, bis er dann am 1. Mai 1964 seine Lebensaufgabe antrat im Kollegium der Vatikan-Pnitenzire, die ihren Konvent im Palazzo del Tribunale haben, eine Gehminute nach St. Peter. Vor der Zulassung werden die Kandidaten nach allen Regeln der Kunst schrift-lich und mndlich exami-niert. P. Adalbero diente seiner Gemeinschaft 19 Jahre als konom und sechs Jahre als Vikar, vor allem aber ging er auf im Dienst am Sakrament der Vershnung, der heiligen Beichte, in den Sprachen Deutsch, Franzsisch und Italienisch, 37 Jahre lang,

    bis 2001. Da sein Beichtstuhl strategisch gnstig lag und von den ppstlichen Gendarmen gut berwacht werden konnte, sa Papst Johannes Paul II. immer darin, wenn er am Karfreitag Beichte hrte kein anderer Beichtstuhl wurde so sauber geputzt, wie P. Adalbero schmun-zelnd kommentierte.

    Es ist nicht leicht, sagte P. Adalbero einmal ber seinen Dienst, sechs Tage die Woche, mehrere Stunden tglich in die Seele der Menschen zu schauen. Die Menschen kommen zur Beichte, um die individuelle Schuld los zu werden, nicht anonym und nicht in irgend-einem Deal zwischen dem Snder und dem lieben Gott, sondern durch ein persnliches Be-kenntnis. Erst durch die Artikulation benennt

    P. Adalbero vor dem Hauptaltar der Wallfahrts-kirche Maria hilf in Graz.

  • 29

    man und bekennt man und leistet durch das gesprochene Wort dem Verdrngen Vorschub.

    In Graz. Nach 36 Jahren im Vatikan whlte P. Adalbero fr seinen Ruhestand das Minori-tenkloster in Graz, geographisch auf halbem Wege zwischen Rom und Wrzburg. In der Wallfahrtskirche Mariahilf, damals im Jahr 2001 von Patres der Provinz Slowenien betreut, hielt P. Adalbero Pilgermessen, lernte wieder predigen und genoss die Arbeit im Klostergar-ten, bis ein Bandscheibenvorfall ihn bremste. Glubige und Kleriker schtzten seinen auf-opferungsvollen seelsorgerlichen Dienst. Ex-zellenz Dr. Egon Kapellari, Dizesanbischof von Graz-Seckau, besuchte ihn am Krankenbett und nahm ihn fr seine letzten sechs Lebens-tage in das neue dizesane Priesterheim auf, ein Zubau zum Annaheim in Graz. Die prie-sterlichen Mitbrder begleiteten P. Adalbero in den letzten Stunden, bis zu seinem Tod am 31. Januar um 0.45 Uhr. Ich will heim. Warum dauert das so lange?, wiederholte er immer wieder auf dem Sterbebett.

    Er hat es als seine besondere Aufgabe ange-sehen, Menschen im Auftrag Jesu Christi und durch den Dienst der Kirche in der Beichte aus Verstrickungen zu befreien und Verzeihung und Frieden zuzusprechen, so betont Bischof Kapellari in seinem Nachruf. Und beim Re-quiem am 7. Februar in der Franziskanerkirche Wrzburg rckte Provinzialminister P. Leo Beck zurecht, was in Zeitungen einseitig be-tont worden war: In diesen Tagen war auch zu lesen, dass P. Adalbero Beichtvater von Ppsten und Kardinlen gewesen sei. Nun, wichtiger als diese Bemerkung ist, dass er sehr vielen Glubigen als Beichtvater im Petersdom die Barmherzigkeit Gottes erleben lie und so vielen Menschen zu einem Neuanfang ihres Lebens helfen durfte. Er sagte immer: In der Beichte muss man gtig und barmherzig sein, weil auch Jesus so zu uns ist!

    Ehrungen, kirchliche und kosmische, blieben nicht aus. Zum Abschied aus Rom berreichte Kardinalstaatssekretr Angelo Sodano am 8. Juni 2001 die Auszeichnung PRO ECCLESIA ET PONTIFICE, verliehen von Papst Johannes

    Paul II. Zu seinem 85. Geburtstag wurde in sterreich eine eigene Briefmarke mit dem Foto von P. Adalbero herausgegeben, das auf seinem Sterbebildchen zu sehen ist. Und im Jahr 2006 erfolgte eine Ehrung durch die Internationale Astronomische Union. Der 1991 gesichtete Kleinplanet Nr. 21075 wurde auf Vorschlag sei-nes Entdeckers, des Heidelberger Astronomen Dr. Lutz Schmadel, auf den Namen Heussin-ger getauft. Da die Vergabe-Kommission nur widerwillig Priester zulsst, musste der be-freundete Grazer Astronom Prof. Dr. Hermann Haupt massiv intervenieren. Bisher kreisen erst zwei priesterliche Asteroiden am Himmel, ein Ratzinger und ein Heussinger, letzterer 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, zwischen Mars und Jupiter. Er bestimmt die Zahl der Sterne und ruft sie alle mit Namen, preist Psalm 147,4 den Schpfergott. Er blicke auch in Gte auf die 88 Lebensjahre, 65 Profess-jahre und 59 Priesterjahre von P. Adalbero, der in der Ordensgruft auf dem Hauptfriedhof in Wrzburg beigesetzt ist, und hole ihn heim inseinen Frieden. R.i.p. PP

    Im Kosmos ziehen zwei Asteroiden ihre Bahnen, getauft auf Ratzinger und Heussinger.

  • 30

    Gebetsmeinungen der M.I.

    April - Mai

    Damit die Auferstehung Jesu zum Zeichen der Hoffnung fr all jene werde, die in ihrem Leben von der Last ihres Kreuzes niedergedrckt werden.

    Damit die mtterliche Nhe Mariens jedem Glaubenden helfe, sich auf seinem Lebensweg geliebt und begleitet zu fhlen.

    Wir gratulieren unserem Mitbruder

    P. Bernward Bauerim Franziskanerkloster Wrzburgzu 60 Priesterjahren am 11. April.

    LaudatoEin Liederbuch fr junge Menschen

    250 thematisch sortierte Neue Geistliche Lieder,

    alle mit Akkorden versehen. Spiralbindung. 12 zzgl. Versand.

    Bestellung ber:[email protected] oder

    Bildungshaus Kloster Schwarzenberg, Telefon: 09162-92889-0.

    Zur Aufnahme in den

    Seraphischen Messbund gengt eine formlose Anmeldung.

    Beitrag fr die Aufnahme Lebender(mit voller Anschrift) je 25,

    Beitrag fr die Aufnahme Verstorbener(Name, Vorname) je 10,

    Bestellung vonheiligen Messen

    nach besonderer Meinung (Intention)Stipendium jeweils 10,

    derWunderbaren Medaille in Cellophanhlle, mit zwei Gebeten. Stckpreis 50 Cent, zuzglich Briefporto.

    derMonatszeitschrift Sendbote des heiligen Antonius

    JahresAbonnement 29,

    Bestellungen an: Ordensapostolat Postfach 11 05 62 97032 Wrzburg [email protected]

  • M. I.

    FRIEDE UND HEIL, Zeitschrift der deutschen Franziskaner-MinoritenHerausgeber: Deutsche Franziskaner-Minoriten-Provinz St. Elisabeth, Franziskanergasse 7, Wrzburg, Tel. 09 31/3 09 01-0, Fax 09 31/3 09 01-21,e-mail: [email protected]

    Kurzadresse: Ordensapostolat Postfach 11 05 62 97032 Wrzburg

    Redaktion: P. Dr. Polykarp Gtz OFM Conv. Mit kirchlicher Druckerlaubnis.Druck: Benedict Press, 97359 Mnsterschwarzach. Erscheinungsweise: fnfmal jhrlich.Die Zeitschrift FRIEDE UND HEIL vermittelt den Mitgliedern der Franziskanischen Gemeinschaft (FG), der Marianischen Initiative P. Kolbe (M.I.) und des Seraphischen Mebundes sowie Freunden und Wohlt-tern unseres Ordens und seiner Missionen Anregungen fr ein christliches Leben im Geist Mariens und des heiligen Franziskus. Statt eines Abonnements bitten wir alle Bezieher, einen Unkostenbeitrag von mindestens 10, pro Jahr an uns direkt (oder an unsere Frderer zwecks Sammelberweisung) zu entrichten.Unser Konto: Ordensapostolat, LIGA Regensburg (BLZ 750 903 00) Kto. 3016307 IBAN: DE88 7509 0300 0003 0163 07 BIC (SWIFT-Code): GENODEF1M05.

    31

    Angstfreies Sterben

    Als Vorbung zum Sterben lie Franziskus sich ausziehen. Er legte sich auf den bloen Boden. Auf sein Leben zurckblickend, bekannte er vor den Umstehenden: Ich habe das Meine getan. Und als Mahnung und Wegweisung fgte er hinzu: Was ihr zu tun habt, mge Christus euch lehren!

    Der Guardian lie ihn mit einer Hose und Kutte bekleiden und sagte zu ihm: Damit du auch weit, dass du darauf kein Eigentum hast, so nehme ich dir die Vollmacht, sie jemand anderem zu geben. Das Antlitz von Franz leuchtete vor Freude, weil er lauter von Gott geliehene Sachen trug.

    Fr den Augenblick seines Todes bestimmte er: Sobald ihr merkt, dass der Todeskampf eintritt, legt ihr mich nackt auf den Boden, wie ihr mich vorgestern gesehen habt. Und wenn ich gestorben bin, so lasst mich solange liegen, als man bequem Zeit braucht, um eine Meile zu gehen. So erfllte Franz buchstblich sein Ge-lbde der Armut, das er bei jenem Gerichtstag auf dem Marktplatz von Assisi gesprochen hat-te: Ich werde nackt zu meinem Vater gehen.

    Wie Franziskus lebenslang mit dem Einsatz seiner Person sein Hier bin ich, Herr vollzog, so starb er auch seinen Tod im Geist des Ab-rahams. Sein Magenleiden zehrte die letzten Krfte seines ausgemergelten Krpers auf. Die Blutungen huften sich, sein Augenleiden steigerte sich zu unertrglichen Schmerzen.

    Sonnengesang, letzte Strophe Er unterwarf sich einfach nach dem Wunsch des Bruders Elias der vom Arzt empfohlenen Operation: die Schlfen mit glhenden Eisen zu brennen. Er schaute das glhende Eisen an: Mein Bruder Feuer! Sei in dieser Stun-de sanft gegen mich, weil ich dich von jeher geliebt habe um der Liebe dessen willen, der dich geschaffen hat.

    Franz machte zum Zeichen seines existen-ziellen Lebensverbundes mit Christus wieder

    das Kreuzzeichen ber sich und ber das gl-hende Eisen und lie sich furchtlos brennen. Er erlebte seine Krankheit und sein Sterben bewusst als Mit-leiden und Mit-sterben in den Tod Christi hinein.

    Franz verfiel von Tag zu Tag zusehends. Sein Herz versagte, er schwoll an. Er fragte den befreundeten Arzt offen: Sag mir, was hltst du von meiner Wassersucht sag mir die Wahrheit und frchte dich nicht. Mit Gottes Gnade bin ich stark genug, dem Tod ins Auge zu schauen. Die Gnade des Heiligen Geistes ist in mir. Darum ist mir Leben oder Sterben gleich. Da gestand der Arzt offen: Fr rzt-liche Kunst ist deine Krankheit unheilbar.

    Auf diese Worte lehnte sich Franz zurck, hob die Hnde gen Himmel und rief: Will-kommen sorella morte - Schwester Tod! Wenn es der Wille des Herrn ist, dann holt mir Bru-der Angelo und Bruder Leo, dass sie mir von Schwester Tod singen. Der todbereite Franz fgte seinem Sonnenlied, dem Lied seines Lebens, nun eine neue Strophe an: Gelobt sei mein Herr durch unsere Schwester Tod, den Tod des Leibes Selig jene, die an deinen heiligen Willen sich binden, denn ihnen kann der zweite Tod nicht an.

    Aus dem Nachlass von P. Dr. Agathon Kandler

  • 400 Jahre Mariahilf Minoritenkirche zu Graz

    Foto

    : P

    eda,

    Pas

    sau