آ»Geschichte der Versicherungآ« ... Ausgabe 02/2010 29. Januar 2010...

download آ»Geschichte der Versicherungآ« ... Ausgabe 02/2010 29. Januar 2010 Versicherungsforen-Themendossier

of 9

  • date post

    17-Jun-2020
  • Category

    Documents

  • view

    0
  • download

    0

Embed Size (px)

Transcript of آ»Geschichte der Versicherungآ« ... Ausgabe 02/2010 29. Januar 2010...

  • Ausgabe 02/2010 29. Januar 2010

    Versicherungsforen-Themendossier

    »Geschichte der Versicherung«

    Die Versicherungswirtschaft spielte für die Entwicklung der Weltwirtschaft eine

    bedeutende Rolle: bereits im Altertum sicherte sie den Seehandel ab. In der

    Neuzeit spielten die Feuerversicherungsanstalten eine wichtige Rolle, da es immer

    wieder zu großen Bränden kam. Mit der Weiterentwicklung der Mathematik in

    der Aufklärung eröffneten sich perspektivisch neue Geschäftsfelder: Lebens- und

    Krankenversicherung. Dieser Streifzug durch die bewegte Geschichte der Versicherung

    zeigt, dass die Versicherungswirtschaft in der Vergangenheit immer wieder Lösungen

    auch für besondere Herausforderungen gefunden hat.

  • EINFÜHRUNG IN DAS THEMA

    Eine Versicherung verbindet zwei menschliche Grundbedürfnisse: Schutz vor Unsicherheiten und als Folge daraus: Erhalt der Selbstständigkeit. Mit der Versicherungsnahme versuchen Menschen die Folgen privater Schicksalsschläge zu mindern; bereits im Altertum nutzten Kaufleute die Chance auf Gewinne durch die Übertragung oder Teilung ihrer Risiken.

    Karawanen, Schiffe, Sklavenhändler

    Aus der Antike sind verschiedene Vorformen der Versicherung bekannt. Die älteste Variante: die einfache Risiko- und Vorsorgegemeinschaft. Der Einzelne musste das Risiko nicht mehr allein tragen. So gab es bei Ägyptern und Römern Sterbegeldkassen, bei den Juden Brautausstattungsvereine. Die Schutzgemeinschaft der phönizischen Seehändler - seit etwa 3000 v. Chr. - ersetzte ihren Mitgliedern verlorene Schiffe. Dem heutigen Versicherungsbegriff am nächsten kam das bei den Griechen übliche Seedarlehen. Private Investoren gewährten dabei dem Schiffseigner ein Darlehen, das bei Verlust des Schiffes nicht zurückgezahlt musste. So bekam der Eigner den Schaden ersetzt. Erreichten Schiff und Ware den Zielhafen wohlbehalten, wurden hohe Zinsen fällig - eine Art nachträgliche Prämie. Bei den Seedarlehen handelt es sich daher nicht um eine einfache Risikogemeinschaft, sondern um Risikoübertragung mit Gewinnmöglichkeit für den Darlehensgeber. Zumindest der Form nach ebenfalls äußerst modern: die antike griechische Sklavenhalterversicherung: Gegen einmalige oder wiederholte Beiträge zahlte der Vertragspartner eine Entschädigung, wenn ein Sklave entlief. Auch die private Rentenversicherung haben offenbar die Griechen erfunden – überliefert aus Milet. Die Stadt brauchte dringend Geld und zahlte ihren Bürgern als Gegenleistung für eine einmalige größere Summe lebenslang jährliche Renten.

    Mittelalterliche Wurzeln der Versicherung auf Gegenseitigkeit

    Nach dem Zusammenbruch der antiken Kulturen schliefen die überregionalen wirtschaftlichen Aktivitäten im frühen Mittelalter weitgehend ein, die Handelsvolumina schrumpften fast auf Null, da die nun in Europa herrschenden „Barbaren“ zunächst kaum Luxusgüter benötigten. Die Franken und Normannen waren bekanntlich eher raue Gesellen, die statt Seide und Brokat lieber Leinenhosen und Fellumhänge trugen. Aber selbst die Kaufleute dieser Zeit, die lokal, regional und in steigendem Umfang auch interkontinental tätig waren, mussten Risiko tragen. Die aus altgermanischen Gemeinschaften entstandenen Gilden und Zünfte boten ihren Mitgliedern Unterstützung im Todesfall an, oft auch bei anderen Notfällen wie Krankheit, Reiseunfall, Brand, Raub oder Viehsterben. Schiffer- und Kaufmannsgilden sowie Handwerkerzünfte breiteten sich auf dem ganzen Kontinent aus. Seit dem 16. Jahrhundert sind auch spezielle Brandgilden bekannt – Vorläufer der Feuerversicherung. Die Kassen der Gilden und Zünfte nahmen später auch Fremde auf und sind so die Wurzeln der heutigen Versicherung auf Gegenseitigkeit.

    Die Seeversicherung: Wurzel der Versicherung auf kaufmännischer Grundlage

    Erst mit den Kreuzzügen fand das Abendland wieder in größerem Stil Gefallen an orientalischen Gewürzen, Stoffen und anderen edlen Dingen. Syrische Häfen gerieten in italienische Hand. Es kam zu einem enormen Aufschwung des Schiffbaus und des Seehandels. Die Genuesen und Venezianer betrieben ihn in großem Stil - mit steigenden Handelsvolumina wollten sie ihre Geschäfte natürlich angemessen absichern. Zunächst

    Versicherungsforen-Themendossier: Geschichte Ausgabe:02/2010 2/9

  • griffen sie auf das im Mittelmeerraum bewährte Seedarlehen zurück. Aber 1234 verbot Papst Gregor IX. dieses – die hohen Zinsen (circa 30 Prozent) waren dem frommen Mann ein Dorn im Auge. Denn auch im Christentum galt damals ein Zinsverbot. Nur von Mitgliedern anderer Religionen durften Zinsen genommen werden und umgekehrt. Außerdem war man im Mittelalter der Meinung, Krankheiten, Brände und andere Schicksalsschläge seien gerechte Strafen Gottes. Die praktische Notwendigkeit trieb findige Kaufleute, einen Weg zu finden, das kanonische Zinsverbot zu umgehen: durch Renten und Prämien. Vor allem der Warentransport per Schiff war viel zu riskant, um ungesichert durchgeführt werden zu können. Am Ende der Entwicklung steht der moderne Versicherungsvertrag mit Nennung der Prämienhöhe.

    Neuzeit: Wohlfahrt und rationaler Geist

    Vor allem die häufigen großen Brände bis weit in die Neuzeit waren Schadenfälle, die den Einzelnen überforderten. So kam es dazu, dass öffentliche Institutionen die Garantie übernahmen. Nach dem großen Brand von London 1666 geschah dies in England. Die erste deutsche städtisch garantierte Versicherung war die Hamburger Feuerkasse, gegründet 1676. Im Laufe des 18. Jahrhunderts entstanden dann in fast allen deutschen Staaten Gebäude-Feuerversicherungs-Anstalten, zuerst 1718 in Preußen. Diese Anstalten wurden oft als Zwangsversicherungen mit Monopol angelegt – Ausdruck merkantilistischen und obrigkeitsstaatlichen Gedankengutes. Für Zwangsversicherungen plädierten auch große Wissenschaftler der Aufklärung, wie Leibniz und Fermat. Fermat war einer der Vorreiter der Versicherungsmathematik, der Berechnungen zur richtigen Prämienhöhe von Leibrenten anstellte. Städtische und kirchliche Leibrenten waren seit dem Mittelalter sehr verbreitet, wurden aber viel zu billig verkauft. Der Astronom Edmond Halley stellte die erste Sterbetafel zusammen.

    Schon in der Renaissance gestalteten Kaufleute und Juristen das Versicherungsrecht aus, zunächst in Italien. Dies setzte sich in der Zeit der Aufklärung fort. Gegenstand war v.a. die Seetransportversicherung. In den Niederlanden, Frankreich und England folgten im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts Regelungen für Lebens-, Postfracht-, Brand- und Rückversicherungen. In Deutschland nahm das Versicherungsrecht im 17. und 18. Jahrhundert ebenfalls bis dahin nicht gekannte Formen an. Das preußische Seerecht von 1727 und die Assekuranz- und Haverey-Ordnung der Stadt Hamburg von 1731 waren wegweisend. Das preußische Allgemeine Landrecht von 1794 enthielt dann bereits 425 versicherungsrechtliche Vorschriften.

    Das 19. Jahrhundert: der Versicherungswirtschaft wird Dampf gemacht

    Im 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche Versicherungszweige und -unternehmen neu. 1820 und 1827 wurden in Gotha die beiden ersten modernen, überregionalen Versicherungsvereine gegründet: die Feuer- und Lebensversicherung von Ernst Wilhelm Arnoldi. Die beiden Vereine fielen in eine erste Gründungswelle der Jahre um 1820/30. Weitere folgten 1850/60 und 1880 vor dem Hintergrund von Liberalisierung und Gewerbefreiheit, einhergehend mit steigendem Kapitalbesitz. Da England in der Industrialisierung am fortgeschrittensten war, hatte auch die englische Versicherungswirtschaft Vorsprung. So gab es in England seit 1859 die Maschinenversicherung, weil es durch Dampfkessel immer wieder zu Schäden kam. In den siebziger Jahren hatte Deutschland aufgeholt, und in den Neunzigern war das Kaiserreich z.B. im Schienenexport Weltmarktführer.

    Versicherungsforen-Themendossier: Geschichte Ausgabe:02/2010 3/9

  • „Volldampf voraus!“ – diese Devise Kaiser Wilhelms II. - eigentlich politisch gemeint – zeigt einen wesentlichen Motor des Wachstums auch der Versicherungswirtschaft: die Revolution des Transportwesens mit Dampfschiff, Eisenbahn und schließlich Auto. 1898 kam die erste „Karambolage-Versicherung“ auf den Markt.

    Die geistigen und sozialen Grundlagen der Gesellschaft waren im 19. Jahrhundert im Umbruch begriffen. Kirchenvertreter in Süddeutschland wetterten noch in dieser Zeit gegen Versicherungen, weil die strafende Hand Gottes außer Kraft gesetzt würde. Gleichzeitig wurde, im Wesentlichen auf Betreiben Bismarcks, die moderne Sozialversicherung eingeführt. Bismarck beabsichtigte, vor allem die unruhigen Arbeiter durch staatliches Versicherungswesen und Staatspension zu konservativerem Verhalten anzuregen. Die Ideen der Opposition fanden insofern Eingang in die Gesetze, als dass die staatlichen Pflichtversicherungen (Unfallversicherung in Betrieben, Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung) von arbeitnehmerverwalteten Anstalten getragen wurden. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen gehen hierauf zurück.

    Im Zuge der Nationalstaatsbildung bemühte man sich um zentrale Kodifizierung des Versicherungsrechts. In Deutschland begannen diese Bestrebungen mit der Nürnberger Konferenz 1857 bis 1861, Marksteine waren BGB und HGB (1896). Noch das heutige Versicherungsrecht baut im Wesentlichen auf der Grundlage von VAG (1901) und VVG (1908) auf. Auch die Aufsicht geht auf „Kaisers Zeiten“ zurück: damals hieß das „Reichsaufsichtsamt für Versicherungswesen“.

    20. Jahrhundert: Kalter Krieg, Globalisierung und Deregulierung

    Die Pflichtsozialversicherungen verbreiteten den allgemeinen Versicherungsgedanken und mehr Menschen schlossen auch Individualversicherun