GGH Feature on Unterwasser

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Den Tauchgang zur MS Stubborn, dem U-Boot vor Malta, hat er gerade mal vor 20 Minuten beendet, da wird ihm übel. Alles fängt an, sich zu drehen, und er muss sich hinlegen. Bei u-Autor Gerald Nowak wurde nach zwei Dekounfällen ein PFO* diagnostiziert. Er hat Experten befragt und sich behandeln lassen. Text und Fotos: Gerald Nowak RISIKO PFO * * Ein PFO, ein persistierendes Foramen Ovale, ist ein kleiner Schlitz in der Scheidewand zwischen den Vorhöfen des Herzens. In der Regel verschließt es sich während der Neugeborenenperiode. Bei zehn bis 25 Prozent aller Menschen verbleibt jedoch eine Öffnung, die in aller Regel keinerlei Krankheitswert hat. Bei Tauchern allerdings kann das PFO das Risiko eines Dekounfalls erhöhen. 116 · u 4/15 4/15 u· 117 RISIKO PFO p PRAXIS

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  • Den Tauchgang zur MS Stubborn, dem U-Boot vor Malta, hat er gerade mal vor 20 Minuten beendet, da wird ihm bel. Alles fngt an, sich zu drehen, und er muss sich hinlegen. Bei u-Autor Gerald Nowak wurde nach zwei Dekounfllen ein PFO* diagnostiziert. Er hat Experten befragt und sich behandeln lassen. Text und Fotos: Gerald Nowak

    Risiko PFO** Ein PFO, ein persistierendes Foramen Ovale, ist ein kleiner Schlitz in der Scheidewand zwischen den Vorhfen des Herzens. In der Regel verschliet es sich whrend der Neugeborenenperiode. Bei zehn bis 25 Prozent aller Menschen verbleibt jedoch eine ffnung, die in aller Regel keinerlei Krankheitswert hat. Bei Tauchern allerdings kann das PFO das Risiko eines Dekounfalls erhhen.

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    Risiko PFop PRAXis

  • D en Tauchgang zur MS Stubborn, dem U-Boot vor Malta, habe ich gerade mal vor 20 Minuten beendet, da wird mir bel. Alles fngt an, sich zu drehen, und ich muss mich hinlegen. Nachdem ich mich hef-tig bergeben musste, ist Thomas Zurawski mehr als besorgt und verabreicht mir nach kur-zer Analyse sofort Sauerstoff. Es gibt keine An-zeichen eines klassischen Dekompressions-unfalls, wie Hautrtungen, Gelenkschmerzen, Seh- oder Sprachstrungen, Kribbeln oder Lh-mungen. Ob es sich um einen Hitzschlag han-delt? Wasser getrunken hab ich in der Tat zu wenig. Heute frh nur zwei Tassen Kaffee und ein kleines Glas Saft. Mehr nicht! Thomas gibt mir alles Wasser, das wir mit an Bord fhren. Es sind gut eineinhalb Liter, die ich in kurzer Zeit trinke, aber vieles davon erbreche ich wieder. Kurz nach der Rckkehr in die Tauchbasis wird

    klar, dass die Sauerstoffgabe keine Besserung bringt. Der einzig vernnftige Weg fhrt zur Dekokammer in Victoria.

    Hier erwartet mich bereits ein Team um Dr. Ma-rio Saliba. Er ist Spezialist fr hyperbare Medi-zin in Gozo. Nach eingehender Untersuchung stellt er mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Vertigo, einen Drehschwindel, fest. Er ruft sein Team zusammen, und im Nu stecke ich in der Kammer und es geht auf 18 Meter Tiefe. Er be-handelt nach Navy Tabelle 6. Fast fnf Stun-den Kammerfahrt liegen vor mir, die Tabelle gibt 285 Minuten vor. ber eine spezielle Mas-ke wird mir immer wieder fr 20 Minuten rei-ner Sauerstoff verabreicht, um dann fr fnf Minuten wieder Luft zu atmen. Nach 75 Mi-nuten geht es von 18 Meter auf neun Meter Druck herunter. Natrlich bin ich nicht alleine.

    Es muss immer ein Betreuer mit in der Kam-mer sein, falls man bewusstlos wird. Mein Be-gleiter ist ein alter Bekannter von Thomas Zu-rawski, Noel. Er war die letzten Tage schon mehrfach in der Kammer und erzhlt mir von den letzten beiden Verunfallten. Eigentlich un-glaublich, wie hufig die Kammer in Betrieb ist! Es zischt und drckt in meinen Ohren, wir ha-ben die letzten 30 Minuten vor uns, auf denen wir von 1,9 Bar Druck auf 1 Bar Druck herunter-gehen. Wie im Wasser ist das letzte Bar Druck-unterschied am strksten zu spren.

    Die Nacht ist unruhig. Ich darf im General Hos-pital von Gozo bernachten. Gerade bin ich richtig eingeschlafen, da werde ich auch schon wieder geweckt. Kammerfahrt Nummer zwei steht an. Bis zum Mittag dasselbe Spiel. Wieder geht es mit Begleitung in die Kammer. Dr. Sa-

    liba ist schon am Rechner, um die Fahrt einzu-geben. Diesmal sind es nur gut drei Stunden, die ich mit meinem schon bekannten Beglei-ter verbringen darf. Kurz vor dem Mittagessen bin ich wieder raus. Mir tut der Rcken weh. Dr. Saliba macht noch einige Tests mit mir. Leider ist der Vertigo immer noch an den Augen fest-zustellen. Nur mehr leicht, aber eben immer noch. Das heit morgen frh eine weitere Fahrt in der Kammer. Nach der dritten Fahrt testet Saliba lnger, denn er kann nichts mehr fest-stellen. Aber um sicherzugehen, muss ich viele verschiedene Tests ber mich ergehen lassen. Am Mittwochnachmittag wurde es mir schwin-delig und heute, am Freitagnachmittag bin ich wieder schwindelfrei. Wenn auch immer noch wackelig auf den Beinen. Ich htte nie gedacht, dass ich mal zum Dekokammer-Experten wer-den wrde.

    Wieder zuhause, habe ich, Mario Salibas Emp-fehlung folgend, sofort Dr. Christoph Kling-mann in Mnchen kontaktiert. Durch die per-snliche Empfehlung von Dr. Saliba bekomme ich einen zeitnahen Termin. Klingmann hrt sich meine Geschichte sehr genau an, mch-te aber auch gleich wissen, was sonst noch so alles im Laufe meines Taucherlebens gesche-hen ist. 34 Jahre tauchen und mehr als 4.000 Tauchgnge liegen hinter mir, den einzigen bewusst wahrgenommenen Unfall hatte ich 2008 auf Galapagos. Es war ein ganz norma-ler Tauchgang auf gerade mal 22 Metern Tiefe mit Nitrox 32. Wie in Gozo wurde mir pltzlich schwindelig, aber erst gut eine Dreiviertelstun-de nachdem ich aus dem Wasser war. Die Crew verabreichte mir damals fr zehn Stunden Sau-erstoff, bevor ein Speedboot mich nach San-ta Cruz in die Druckkammer brachte. Die Fahrt war die Hlle. Gut acht Stunden ber Wellen-

    WAS IST EIN OFFENES FORAMEN OVALE? Das offene Foramen Ovale (nach-folgend mit der im medizinischen Sprachgebrauch blichen Abkr-zung PFO bezeichnet) ist ein zu-meist kleiner, wenige Millimeter groer membranbedeckter Schlitz in der Scheidewand zwischen den Vorhfen des Herzens. Es handelt sich um ein berbleibsel aus der Embryonalentwicklung des Men-schen. In der Regel verschliet es sich whrend der Neugeborenen-periode. Bei 10-25% aller Men-schen verbleibt jedoch eine kleine ffnung, die in aller Regel keiner-lei Krankheitswert hat. Das PFO

    wird hufig als harmloser Zufalls-befund bei einer Herz-Ultraschall-untersuchung (Echokardiogra-phie) festgestellt.Wie funktioniert der katheterinter-ventionelle Schirmverschluss eines PFO? (Quelle: www.klinikumdo.de)Der nichtoperative Verschluss wird im Rahmen einer Herz katheter-Untersuchung vorgenommen. Hierzu erfolgt die Punktion der groen Oberschenkelvene in der Leistenbeuge; ber diese Punk-tionsstelle (eine 3-4 mm groe ffnung) werden smtliche be-ntigten Katheter und auch das

    Verschlusssystem selbst einge-fhrt. Es stehen mittlerweile ver-schiedene Verschlusssysteme zur Herzkatheter-Behandlung des PFO zur Verfgung. Der von uns ver-wendete Verschlussmechanis-mus besteht aus einem vorge-formten, feinen Metall- Geflecht, das an zwei miteinander fest ver-bundene Schirmchen erinnert. Der Verschluss erfolgt, indem auf jeder Seite des schlitzfrmigen PFO eines der Schirmchen ent-faltet wird, whrend der Mittel-teil im PFO liegt. Nach Entfernung smtlicher Katheter aus dem Her-

    zen verbleibt nur das Schirmchen selbst. Im Laufe der folgenden Wo-chen wchst das Metallgeflecht fest ein und wird vom menschli-chen Organismus nicht mehr als Fremdkrper wahrgenommen.

    VERTIGO Die Vertigo (lat. Umdrehung, Schwindel, von vertere, wenden) ist der medizinische Fachausdruck fr Schwindel. Das dazugehrige Adjektiv lautet vertigins (schwindelig).Unter Schwindel im medizinischen Sinne versteht man das Empfinden eines Drehge-fhls oder Schwankens oder das Gefhl der drohenden Bewusstlosigkeit. Definiert wird Schwindel im medizinischen Sinn als wahrgenommene Scheinbewegung zwischen sich und der Umwelt. Man unterscheidet u. a. Dreh-, Schwank-, Lift-, Bewegungs- und un-systematischen Schwindel. Auerdem werden Symptome einer Kreislaufschwche oft Schwindel genannt.Im Deutschen wird der Begriff folglich fr unterschiedliche Phnomene genutzt. Im Eng-lischen werden demgegenber vertigo (Schwindel) und dizziness (Benommenheitsge-fhl) unterschieden.(Quelle: Wikipedia)

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    rechter Vorhof

    ForamenOvale

    linker Vorhof

    Schematische Darstellung eines Herzen mit PFO.

    Die Druckkammer in Gozo ist eine moderne Zweimannkammer mit Druckschleuse. Die Mannschaft rund um Dr. Marios Saliba ist professionell ausgebildet.

    Die Unfalldaten unseres Autors und die von Dr. Saliba gefahrenen Behandlungen nach

    Navy Tabelle 6. Drei Kammerfahrten waren ntig.

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  • kmme springen und harte Schlge ver-kraften. Ein normaler Dekounfall wre fa-tal ausgegangen. In der Kammer wurden verschiedene Untersuchungen mit mir ge-macht. Fazit des behandelnden Arztes war: Kein Dekounfall! Keine Druckkammerfahrt! Erst das Telefonat mit einer Notruf-Hotline in Deutschland veranlasste die rzte zum Umdenken. Die rzte dort berredeten den Zustndigen mit einer Kostenber-nahmeerklrung, die per Fax einging. Erst dann wurde die Kammer angeworfen. Gut 30 Stunden nach dem Auftreten der Sym-ptome war ich endlich in der Druckkam-mer. Klingmann ist sprachlos: Die haben Sie nicht sofort behandelt, da sie Sorge um die Bezahlung hatten? Unglaublich. Ich nicke nur. Nach zwei Kammerfahrten auf 18 Meter mit fnf Stunden Dauer und ei-ne weitere am kommenden Tag auf 12 Me-ter mit drei Stunden Dauer waren die Sym-ptome geringer, aber nicht verschwunden. Dennoch wurde ich entlassen und ins Ho-tel geschickt. Immer noch war ich sehr wa-ckelig auf den Beinen. Mit dem Tauchen hatte ich abgeschlossen und dachte sogar, dass dies wohl das Ende meiner Tauchkar-riere ist. Klingmann will wissen, wie die Weiterbehandlung in Deutschland ver-lief. Gut eine Woche spter in Deutsch-land telefonierte ich ausgiebig mit mei-ner Taucher-Hotline. Inzwischen sprte ich von dem Drehschwindel kaum mehr et-was. Mein HNO- und Taucharzt behandel-te mich daraufhin auf einen Kalorischen Schwindel (siehe Kasten rechts). Die Be-

    handlung mit Warm und Kaltwasser schlug gut an. Klingmann verzieht das Gesicht und ist der Meinung, dass dies eher Zufall als echte Wirkung war. Na, ich war danach noch bei einem Internisten, um mich auf ein PFO untersuchen zu lassen. Da wurde mir ein Kon-trastmittel gespritzt und mittels Ultraschall untersucht. Das Ergebnis war negativ, des-halb bin ich bis heute davon ausgegangen, dass ich kein PFO habe.

    Na, das werden wir gleich sehen, Kling-mann erklrt mir seine Methode: Wir ma-chen einen Bubbletest. Dabei vermische ich Ihr Blut mit einer sterilen Kochsalzlsung und pumpe es zwischen zwei Spritzen so lange hin und her, bis es richtig aufgeschumt ist. Danach spritze ich es wieder zurck in Ihre Vene und hre mit dem Ultraschall, ob ein PFO vorliegt. Ich bin etwas beunruhigt. Luft im Blut? Ist das nicht lebensgefhrlich? Kling-

    mann schmunzelt. Ja, diese Geschichte kur-siert berall durch die Medien und Filmwelt. Aber man braucht schon eine riesige Spritze, um einen Menschen umzubringen, und dann nur direkt in die Adern gespritzt. Diese kleine Menge kann der Krper locker wegstecken, muss er ja im Prinzip bei jedem Tauchgang. Na, dann mal los. Klingmann zieht die Sprit-ze auf und setzt ber eine Art Weiche eine zweite Spritze an. Nun wird die Luft so lan-

    DEKOMPRESSIONSKRANKHEIT TyP IBei einer Dekompressionskrankheit vom Typ I lagern sich die Blasen in der Haut, der Mus-kulatur, an den Knochen oder den Gelenken an. Sie verursachen dort Juckreiz (Taucher-flhe), Druckempfindlichkeit der Mus-keln, Gelenkschmerzen und Bewegungs-einschrnkungen (Bends). Diese Symptome treten in 70 Prozent der Flle innerhalb der ersten Stunde nach dem Tauchgang auf, teil-weise wurden aber auch noch Symptome 24 Stunden nach dem Tauchgang beschrieben.Am hufigsten treten blaurote Verfrbungen mit leichten Schwellungen der Haut auf, die der Patient als Taucherflhe mit starkem Juckreiz beschreibt. Die Schwellung (dem) ist durch Verschlsse der Kapillaren und Lymphgefe der Haut mit Mikroblasen ver-ursacht, welche eine erhhte Durchlssigkeit fr Wasser aufweisen.In der Muskulatur verursachen die Blasen Druckempfindlichkeit und ziehende Schmer-zen. Dies hlt einige Stunden an und hnelt anschlieend dem Muskelkater.Gelenke, Knochen und Bnder zeigen Schmerzen und Bewegungseinschrn-kungen. Am hufigsten treten diese in den Kniegelenken auf, seltener an Ellbogenge-lenk und Schulter. Die Bezeichnung Bends fr diese Symptome kommt von der ge-bckten Haltung der unter dieser Berufs-krankheit leidenden Caissonarbeiter (engl.: to bend = beugen).Sofort nach dem Auftreten sollte reiner Sau-erstoff verabreicht werden. Die Beschwer-den verschwinden in der Regel auch ohne Druckkammerbehandlung rasch. Da die DCS I oft der Vorlufer der gefhrlichen DCS II ist, ist jedoch auch bei Abklingen der Beschwer-den eine Druckkammerbehandlung emp-fehlenswert.

    DEKOMPRESSIONSKRANKHEIT TyP IIBei einer Dekompressionskrankheit vom Typ II manifestieren sich die Blasen im Ge-hirn, dem Innenohr oder dem Rckenmark. Ebenfalls werden Verschlsse der Blutge-fe durch Gasblasen (Embolien) hier ein-geordnet.Zentrale Embolien verursachen unmittelbar eine Bewusstseinstrbung, bisweilen auch Bewusstlosigkeit und Atemlhmung, weil wichtige Gehirnbezirke ausfallen. Manch-mal hat der Taucher auch zunchst eine Be-wusstseinstrbung, die erst spter in ei-ne vollstndige Bewusstlosigkeit bergeht. Ebenso treten Halbseitenlhmungen und

    isolierte Ausflle der Extremitten auf. Em-bolische Verschlsse im Rckenmark ver-ursachen beidseitige Lhmungen, Emp-findungsstrungen oder auch Harn- bzw. Mastdarmstrungen. Diese treten etwas spter als zentrale Embolien auf und stei-gern sich oft von Missempfindungen in den Zehen bis zur vollstndigen Lhmung zwei Stunden spter. Innenohrembolien verursachen Brechreiz, belkeit, Ohrgerusche und Schwindel.Eine Differenzierung zwischen DCS II und AGE (arterielle Gasembolie) ist dem Erst-helfer kaum mglich (AGE tritt unmittel-bar auf). Die fehlende Unterscheidbarkeit ist aber aufgrund gleicher Erste-Hilfe-Manah-men zunchst nicht wesentlich.

    DEKOMPRESSIONSKRANKHEIT TyP IIILangzeitschden bei Tauchern werden unter Typ III zusammengefasst. Als Berufskrank-heit anerkannt sind bisher die aseptische Knochennekrose (AON), Hrschdigungen, Netzhautschden sowie neurologische Fol-geschden nicht behobener DCS Typ II.Ursache der Skeletterkrankungen und Ge-lenkvernderungen sind durch die langfri-stige Aufsttigung dieser Gewebe begrn-det. Hier reichen die Tauchpausen nicht aus, um diese langsamen Gewebe vollstndig entsttigen zu knnen. Ebenfalls stehen Mi-kroblasen in Verdacht, die bei Berufstau-chern in der Zeit zwischen Auftauchen und Aufsuchen der Dekompressionskammer ent-stehen. Diese Blasen bleiben durch die Re-kompression stumm, fhren aber mgli-cherweise zu Langzeitschden.Es sind aber auch Schden dieser Art bei einmaliger, aber sehr langer Druckexpositi-on berichtet worden (U-Boot-Fahrer eines 1931 gesunkenen U-Bootes, die vor ih-rer Rettung sehr lange unter Druck (36,5 m) standen und bei denen 12 Jahre spter AON festgestellt wurde).

    LUNGENBERDRUCKUNFALL AGE (ARTERIELLE GASEMBOLIE) Bei einem zentralen Lungenriss gewinnt die Alveolarluft durch die Verletzung des blut-reichen Gewebes der Lunge Zugang zum Gefsystem. Es kommt zum bertritt der Atmungsluft in die Lungenvenen. Die Luft-blasen rufen dann nach Passage durch die linke Herzkammer embolische Verschls-se in den Endarterien des Rckenmarks, des Gehirns oder auch der Herzkranzgefe her-vor. Symptome ansonsten wie bei DCS II.(Quelle: Wikipedia)

    BUBBLE TESTBei dieser Methode wird eine sterile Kochsalzlsung mit dem eigenen Blut ver mischt und so lange zwischen zwei Spritzen hin- und hergepumpt, bis sich kleine Blasen bilden. Danach wird diese Luft-Blut-Lsung zurck in die Vene inji-ziert. Die Blasen werden ber die Vene in die rechte Herzseite geleitet. Gibt es ein Loch zwischen dem linken und rechten Vorhof, treten die Blasen ber, und es er-tnt ber das Ultraschallgert, das an der Halsschlagader angesetzt ist, ein wasser-fallartiges Gerusch. Ist kein Loch vor-handen, werden die Blschen einfach durch die Lunge ausgefiltert. Dieser Test zeigt relativ sicher an, ob ein PFO vorhan-den ist oder nicht. Die einzige Mglich-keit, absolut sicher ein PFO auszuschlie-en oder nachzuweisen, geht ber eine TEE-Untersuchung.

    KALORISCHER SCHWINDEL Durch verschiedene Strungs-mglichkeiten des Gleichge-wichtsorgans kann es zu einem Drehschwindel, lat.: Vertigo, und in der Folge zu belkeit oder so-gar Erbrechen kommen. Die hu-figsten Schwindelursachen beim Tauchen sind hier kurz darge-stellt. Eine mgliche Ursache des so-genannten kalorischen, d. h. durch Temperaturunterschiede bedingten Schwindels ist in der Grafik dargestellt.

    Kommt es bei einem Mittelohr-Barotrauma zum Einriss des Trom-melfells und damit zum Eintritt von kaltem Wasser in das Mittel-ohr, so fhrt das kalte Wasser zu

    einer vorbergehenden Abkh-lung im Bereich des Mittelohres.

    Da der seitliche Bogengang des Gleichgewichtsorgans nur durch einen dnnen Knochen vom Mit-telohr getrennt ist, kommt es hier auch zu einer Abkhlung der Innenohrflssigkeit im Bo-gengang.

    Die abgekhlte, physikalisch schwerere Innenohrflssigkeit sinkt ab und fhrt so zu einer Flssigkeitsbewegung im seit-lichen Bogengang, die von Ner-vensystem als Drehbewegung des Krpers interpretiert wird. Nach Erwrmung des eingedrun-genen Wassers verschwindet der

    Drehschwindel jedoch wieder in-nerhalb weniger Minuten.

    Behandlung:Die kalorische Splung ist die wichtigste Methode zur seiten-getrennten berprfung des Gleichgewichtsorgans. Hierbei wird im Wesentlichen die Funk-tion der Bogengnge sowie des Sacculus und Utriculus ber-prft. Der Reiz erfolgt ber eine Temperaturnderung im ue-ren Gehrgang (30 C und 44 C) und wird ber den Nervus ve-stibularis an das Gehirn weiter-geleitet.Die Temperaturvernderung be-wirkt eine Flssigkeitsbewegung in den Bogengngen, die wiede-

    rum einen Nystagmus auslst. Dieser wird ber eine Video brille registriert.(Quelle: www.hno.uniklinik-bonn.de)

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    Der Verschlussmechanismus besteht aus einem feinen Metall- Geflecht, das an zwei miteinander verbundene Schirmchen erinnert. Der Verschluss erfolgt, indem auf je-der Seite des schlitzfrmigen PFO eines der Schirmchen entfaltet wird. Das Metallgeflecht wchst fest ein und wird vom Krper nicht als Fremdkrper wahrgenommen.

    Gerald Nowak nach der Druckkammer-fahrt: Noch etwas angeschlagen von den drei Kammerfahrten, aber glcklich wie-der geradeaus laufen zu knnen.

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  • ge hin und her gepumpt, bis mein Blut hell-rot und ziemlich aufgeschumt aussieht. Die Rckfhrung in die Vene drckt und brennt ein wenig. Ist aber auszuhalten. Bereits nach 20 Sekunden ertnt ein heftiges, rauschen-des Gerusch aus dem Ultraschall. Mist, ich hab dann doch ein PFO. Gar nicht so klein das Loch. Die Lautstrke habe ich bisher sel-ten gehrt. Aber wie gro das Loch ist, muss dann von den Herzspezialisten festgestellt werden. Er gibt mir die Kontaktdaten der Herzklink Mnchen und empfiehlt mir, mit Prof. Dr. Ewert zu sprechen.

    Im Herzzentrum Mnchen bekomme ich rasch einen Termin, Professor Ewert nimmt sich Zeit und erklrt mir die Vorgehenswei-se. Wir haben zwar das Ergebnis des Bubble-Tests, aber ob Sie ein PFO haben oder nicht, wissen wir erst, wenn wir nachgeschaut ha-ben. Es knnen rein theoretisch auch Lun-genshunt sein. Lungenshunt? Ich erfahre in den nchsten 60 Minuten, dass dies Lcher in der Lunge sein knnen, die ebenfalls Mi-kroblschen bertreten lassen. Er zeigt mir den Katheter, mit dem sogenannten Schirm-chen. Dieses Schirmchen wird ber eine Vene

    an der Leiste bis zum Herzen hochgeschoben. Mittels Echokardiographie kann der Opera-teur verfolgen, wo sich der Katheter befindet und das Schirmchen durch das Loch zwischen den beiden Herzkammern einsetzen. Der Ein-griff dauert im Normalfall zirka 30 Minuten. Um sicher zu stellen, dass keine Komplika-tionen auftreten, muss ich dafr einen Tag vorher ins Herzzentrum kommen und einen Nacht zur Beobachtung nach dem Eingriff bleiben. Ich bin guter Dinge und vereinbare einen Termin, der sich mit meinen geplanten Reisen in Einklang bringen lsst.

    GASTRANSPORT IM KRPERAbAtmung in DeR Lunge Unabhngig davon, ob Stickstoff (N2) im ve-nsen Blut physikalisch gelst ist oder in Form kleiner Gasblasen zur Lunge transpor-tiert wird, kann das berschssige N2 in der Regel ber die Lunge abgeatmet werden. Das im Blut gelste N2 diffundiert entspre-chend dem Konzentrationsgeflle aus den Lungenkapillaren in die Lungenalveolen, wie es vom ueren Gasaustausch des CO2 her bekannt ist. Die Blasen des gasfrmig transportierten N2 werden in den Lungenkapillaren wie in einem Filter festgehalten und fhren hier zu einem lokalen Durchblutungsstop. Das in den Blschen befindliche N2 diffun-diert dann wie das gelste N2 entsprechend dem Konzentrationsgeflle in die Lungen-alveolen und fhrt so zur Verkleinerung und schlielich zum Verschwinden der N2-Blase.

    ShuntgeFSSe in DeR Lunge Wenn pro Zeiteinheit sehr viele N2-Blasen aus den Krpergeweben in die Lunge gelangen, so knnen bis zu 30 % aller Lungenkapillaren gleichzeitig durch N2-Blasen verlegt werden,

    ohne dass es zu subjektiv wahrnehmbaren Symptomen kommt. Diese Situation fhrt allerdings durch den erhhten Gesamtwiderstand der Lunge zu einem Blutrckstau, der eine Erhhung des Blutdrucks in den Lungenarterien und eine Belastung des rechten Herzens zur Folge hat. bersteigt der Lungenarteriendruck ein ge-wisses Ma, so werden sogenannte Kurz-schluss- oder Shunt-Gefe in der Lunge geffnet, durch die N2-reiches und blasen-reiches Blut direkt in die Lungenvenen ge-langt. Derartige, normalerweise nicht oder kaum durchblutete Shunt-Gefe gibt es brigens an vielen Stellen im Krper.

    FORAmen OvALe In der oben beschriebenen Situation mit Er-hhung des arteriellen Drucks in der Lun-ge und im rechten Herz kann es bei einigen Menschen noch zu einem weiteren Effekt kommen. Bei Menschen mit einem nicht fest verwach-senen ovalen Fenster in der Herzscheide-wand kann es zum Blutbertritt aus dem

    rechten Vorhof in den linken Vorhof kom-men, wenn der Blutdruck im rechten Vorhof den im linken Vorhof berschreitet. Norma-lerweise tritt dies nicht auf, da das den ge-samten Krper versorgende linke Herz stets hhere Innendrcke aufweist als das rech-te Herz. Bei einer Erhhung des Lungenwiderstandes oder bei Pressatmung mit einer Druckerh-hung im Brustraum kann jedoch der Druck im rechten Vorhof den im linken Vorhof ber-schreiten. Dies fhrt dann zum bertritt von N2-reichem und blasenreichem Blut unter Umgehung des Lungenkreislaufs direkt in den linken Vorhof.

    ARteRiALiSieRung vOn bLASen Beide Mglichkeiten, geffnete Shunt -Gefe in der Lunge und Rechts-links-Shunt durch ein offenes Foramen ovale, fhren so zur Einschwemmung von N2-Blasen in den Krperkreislauf und zu einer verzgerten N2-Entsttigung des Krpers, da das schon N2-vorgesttigte arterielle Blut zu einem gerin-geren Konzentrationsgeflle in den Geweben fhrt. (Quelle GTM)

    ALTERNOBARER SCHWINDEL Ein durch Druckunterschiede bedingter Schwindel, lat.: alternobare Vertigo, kann sowohl in der Kompressionsphase als auch in der Dekompressionsphase eines Tauchgangs auftreten. Hat ein Taucher whrend des Abtauchens auf einem Ohr Druckausgleichsprobleme mit Verlagerung von Steigbgelfuplat-te und Rundfenstermembran, kann es durch die unterschiedlichen Druckverhlt-nisse in beiden Gleichgewichtsorganen wie beim oben beschriebenen einseitigen Kaltwasserreiz zu Drehschwindel und evtl. weiteren Begleitsymptomen kommen. Auch in der Auftauchphase ist bei einem einseitigen inversen Barotrauma des Mittel-ohres durch die unterschiedlichen Druck-verhltnisse in beiden Innenohren eine entsprechende Symptomatik mglich. Wird bei einem Mittelohr-Barotrauma ver-sucht, den Druckausgleich im betroffenen Ohr mit einem krftigen Valsalva-Man-ver zu erzwingen, kann dies zu einer Erh-hung des Drucks im gesamten Kopfbereich und damit zu einer Verstrkung der Druck-unterschiede im betroffenen Ohr fhren. Mglicherweise tritt ein Drehschwindel erst dann auf, wenn ein krftiges Valsalva-Manver durchgefhrt wird.

    SCHLUCKECHOAls Transsophageale Echo-kardiographie (engl. trans-esophageal echocardio-graphy, Abk. TEE), auch Schluckecho genannt, be-zeichnet man eine spezielle Form der Echokardiogra-fie, eine Ultraschallun-tersuchung, bei der ein Endoskop mit einem ein-gebauten Schallkopf in die Speiserhre eingefhrt wird. Im Bereich der Speise-rhre kann man, aufgrund der unmittelbaren Nach-barschaft zum Herzen, de-taillierte Aussagen zu be-stimmten Fragestellungen machen. Insbesondere bei Erkrankungen der Herzvor-hfe (Vorhofgerinnsel, Vor-hofscheidewand-Defekte, Tumoren) und Herzklap-pen (Entzndungsherde) stellt diese Untersuchung die Methode der Wahl dar. (Quelle: Wikipedia)

    FACHMEINUNG: PROF. DR. PETER EWERT, Direktor in der Klinik fr Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler im Herzzentrum Mnchen.

    FACHMEINUNG: DR. RALF BUSCH, AQUA MED MEDICAL BOARDDer Wunsch nach ei-ner PFO-Diagnostik wird seit Jahren zunehmend an die Tauchmedizi-ner herangetragen und aus gutem Grund lan-ge nicht immer erfllt ... Das PFO ist EIN mg-licher Grund, der zum Gasblasenbertritt fh-ren kann, aber beilei-be nicht der einzige. In jeder (gesunden) Lun-ge befinden sich auch Shunt-Verbindungen, die den bertritt kleinster Gasblasen ermglichen. Der mi-nimal-invasive Bubble-Test nach einem Tauchgang zeigt uns die Anwesenheit von Gasblasen im arteriellen System. In-wiefern diese zur Auslsung von Sym-ptomen einer Dekompressionserkrankung (DCS) beitragen, konnte bei vielen 10.000 Tauchgngen bislang nicht zuverlssig belegt werden. Grere Blasenbertritte nach einem Valsalva-Manver hier ger-ne im Transthorakalen Ultraschall darge-stellt sind ein Hinweis auf ein mglicher-weise vorliegendes PFO. Zuverlssiger ist hier eine Ultraschalluntersuchung, bei der die Sonde durch die Speiserhre auf Herz-hhe vorgeschoben wird. Hierbei kann auch die Relevanz des PFO besser einge-schtzt werden, da der Blutbertritt unter Valsalva-Manver auch quantifiziert wer-den kann.

    Auch wenn wir gerade nach rezidivie-renden (wiederholten), unverdienten Fllen einer Dekompressionserkrankung im Nachgang fast immer ein PFO finden, sollte die Indikation zum Verschluss zu-

    rckhaltend erfolgen und spezialisierten Zentren vor-behalten bleiben. Mit den Regeln fr das low bubble diving und dem Erlernen ge-eigneter Druckausgleichs-techniken ohne erhhte Pressdrcke gibt es probate Mittel, auch diesen Menschen das Tauchen im Sinne des re-creational scuba divings ge-fahrenarm zu ermglichen.Auch mit dem Schulterblick zu den neurologisch ttigen

    Kollegen stellt sich die Indikationsstel-lung strenger dar.Hier braucht es drei Schlaganflle mit Thrombenbertritt, bevor ber einen PFO-Verschluss nachgedacht wird. Dennoch: Nach sorgfltiger Risikoabw-gung, ausfhrlichster Beratung und viel Erfahrung kann der PFO-Verschluss eine individuelle Entscheidung sein. Das indivi-duelle Einhalten und die Kenntnis der De-kompressionsphysiologie wrden drama-tisch mehr Tauchunflle verhindern, als einige nach den Regeln der Kunst (ver-schlossene PFOs) ... Den Lungenshunts grere Aufmerk-samkeit zu widmen, bleibt eine Aufga-be, mit der sich derzeit viele befassen, die aber nicht einfach zu lsen sein wird.Dennoch ist die Freude unbeschreiblich, mit jemandem die ersten Tauchgnge zu machen, bei dem ein PFO als Risikofaktor eindeutig identifiziert werden konnte und der Verschluss reibungslos geklappt hat.

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    Er hat unseren Autor Gerald Nowak persnlich ber den Eingriff und die Folgebehand-lung aufgeklrt. Im Gesprch ber die Risiken hat er Folgendes erklrt: Seit vielen Jahren wird ber den Sinn und die Gefahren ei-ner Occluder-Implantation bei einem offenen Foramen Ova-le (PFO) diskutiert. Interpre-tiert man die relevanten Stu-dien, die zu diesem Thema inzwischen gemacht wurden, kommt man zu dem Schluss, dass bei entsprechenden Ri-sikogruppen, der Schirmver-schluss eine wirksame Pro-phylaxe sein kann. Jeder, der bereits einmal Symptome der Dekompressionskrankheit erlebt hat und weiter intensiv in Tiefen taucht, die De-kompressionszeiten erfordern, kann am besten mit einem Bubble-Test prfen, ob er ein PFO hat. Im positiven Falle muss das nicht automa-

    tisch bedeuten, dass ein inter-ventioneller Verschluss klar in-diziert ist. Ich empfehle aber, in diesem Fall nicht nur einen er-fahrenen Taucharzt um Rat zu fragen, sondern auch, sich ber die technischen Aspekte, die Ri-siken und Vorteile eines Schirm-verschlusses in einem Zentrum beraten zu lassen, das sehr viel Erfahrung mit dem interventi-onellen Verschluss hat. Groe Zentren haben bereits viele hundert Verschlsse durchge-fhrt. In meiner Klinik waren es allein in 2014 90 Schirmver-schlsse im Vorhofseptum. Wir haben inzwischen Langzeiter-

    fahrungen von ber 18 Jahren und wissen, dass beim Verschluss eines einfachen PFO in dieser Zeit keine Sptkomplikationen auftreten. Der Ein-griff dauert in der Regel ca. 30 Minuten und ist in der Hand eines in der Technik erfahrenen Kathe-terarztes ein sicheres Verfahren.

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    Risiko PFop PRAXis

  • Der Tag des Schirmchens ist gekommen und ich rcke ins Herzzentrum Mnchen ein. Ein wenig Bammel hab ich doch, denn ich kann ja keinen Einfluss nehmen, wenn ich da un-ter Narkose auf dem Tisch liege. Egal, ich muss da jetzt durch. Ich habe fr mich die Entschei-dung getroffen, das Loch verschlieen zu las-sen, um auch weiterhin ohne Einschrnkungen tauchen zu knnen. Ich fhle mich gut betreut und vertraue dem Team um Professor Ewert. Bis ich mich versehe, liege ich auf dem OP-Tisch und scherze noch mit der Narkoserztin. Scha-de, dass sie so schnell verschwunden ist, denn als ich wieder klar denken kann, liege ich schon wieder in meinem Zimmer. berrascht stelle ich fest, das gerade mal eine Stunde vergangen ist, seit ich das Zimmer verlassen habe. Ja, das war fast schon Rekord. Nur 15 Minuten hat das Team um Professor Ewert gebraucht, um das Schirmchen zu platzieren. Schwester Barbara ist die Seele der Station. Ich bin glcklich, denn ich fhle rein gar nichts Auergewhnliches. Nach einigen Untersuchungen und vielen War-tezeiten darf ich tags darauf die Klinik verlas-sen. Ich muss nun fr drei Monate tglich zwei Blutverdnner-Tabletten zu mir nehmen. Clopi-dogrel und ASS. Die ASS sogar fr 6 Monate.

    Bereits nach vier Wochen halte ich es nicht mehr aus und will unbedingt wissen, ob das Schirmchen dicht ist. Ich konsultiere einen rt-lichen Internisten, da im Herzzentrum Mn-chen kein Termin mehr zu bekommen ist. Auf dem Farbultraschall sehe ich mein Herz und das Schirmchen deutlich abgebildet. Es ist dicht! Na, dann kann ich ja bald wieder unter Was-ser, nur leider hat da mein Professor auch noch ein Wrtchen mitzureden, denn erst nach dem obligatorischen Schluckecho und der Freigabe durch den Spezialisten darf ich wieder offiziell tauchen. Aqua med wird mir da sicher zustim-men, denn ich mchte auch weiterhin gut von ihnen betreut werden. Somit brauche ich auch deren Zustimmung. Aber ich bin da guter Din-ge. In Krze darf ich den vermutlich hrtesten Teil meines PFO-Vorfalls ber mich ergehen las-sen: das Schluckecho ohne Betubung! p

    FACHMEINUNG: DR. CHRISTOPH KLINGMANN, MNCHEN, PFO SPEZIALIST UND BUCHAUTORunterwasser: Dr. Kling-mann, knnen Sie uns erklren, was ein PFO ist?Klingmann: Der Be-griff PFO (patent fo-ramen ovale) stammt aus dem Englischen und bedeutet offenes Foramen Ovale, wes-halb man im Deut-schen auch gelegent-lich OFO dazu sagt. PFO bedeutet, dass zwischen rechtem und linkem Vorhof des Herzens eine klei-ne ffnung vorhanden ist, die in der Regel vllig unproblematisch ist. Im Mutterleib vor der Geburt ist die ffnung zwischen linken und rechten Vorhof berlebens-wichtig, da das Blut nicht durch die Lunge fliet und somit diese Kurzschlussverbin-dung gewollt ist. Nach der Geburt ver-schliet sich diese Kurzschlussverbindung und verwchst sich. Bei ca. 25-30 % der Be-vlkerung bleibt jedoch eine kleine ff-nung bestehen. Auch diese ist in der Re-gel geschlossen und nur bei Erhhung des Drucks im Brustkorb ffnet sie sich fr ei-nen kurzen Moment. Bei ca. 10-15 % der Bevlkerung ist die Kurzschlussverbindung permanent leicht geffnet.unterwasser: Welche Rolle spielt ein PFO fr Taucher?Klingmann: Grundstzlich ist diese Kurz-schlussverbindung, also das PFO, kein me-dizinisches Problem. Beim Tauchen spielt das PFO aber eine besondere Rolle, da ei-gentlich bei fast jedem Tauchgang kleine Blschen im vensen Blut vorhanden sind und in Richtung Lunge transportiert wer-den. Die Lunge kann diese kleinen Mengen von Mikroblschen gut vertragen und die Blschen verstopfen die kleinen Blutgefe in der Lunge und werden dort abgeatmet. Liegt nun ein PFO vor, so knnen die klei-nen Mikroblschen durch die Kurzschluss-verbindung auf die arterielle Seite des Blut-kreislaufes gelangen. Von hier aus knnen Sie in die verschiedenen Organe gelangen und hierdurch Symptome einer Dekom-pressionserkrankung hervorrufen.In den 1990er Jahren wurde erstmalig in ei-ner Publikation festgestellt, dass bei Tau-chern mit Dekompressionserkrankung gehuft ein PFO vorliegt. Dies war die Ge-

    burtsstunde der Wahrneh-mung eines PFO als Risiko-faktor fr die Entstehung von Tauchunfllen. Inzwi-schen gibt es sehr viele Untersuchungen zum PFO als Risikofaktor fr Dekom-pressionsunflle. Wissen-schaftlicher Konsens ist inzwischen, dass das Vor-handensein eines PFO zunchst einmal ber-haupt kein Problem dar-stellt. Denn wie oben ge-sagt, mindestens jeder vierte Taucher hat ein PFO. Glcklicherweise treten

    Dekompressionsunflle aber nur sehr sel-ten auf. Ein PFO ist zunchst einmal ein Risikofak-tor, wie es viele andere Risikofaktoren gibt: zu schneller Aufstieg, verpasster Dekom-pressionsstopp, Dehydrierung, Dekom-pressionstauchgnge, Tauchgnge tiefer als 30 m, Tauchgnge in kalten Gewssern und viele Risikofaktoren mehr. Es gibt al-so viele Schrauben, an denen man drehen kann, um das Dekompressionsunfallrisiko zu reduzieren. Der Verschluss eines PFO sollte erst das En-de verschiedener Manahmen zur Redukti-on des Dekompressionsunfallrisikos sein.

    buchtipp: moderne tauchmedizin hand-buch fr tauchlehrer, taucher und rzteFundierte tauchmedizinische Kenntnisse fr jeden Taucher einfach zu verste-hen. Leicht verstnd-liche und detaillierte Informationen ber die Auswirkungen des Tauchens auf den menschlichen Krper. Dieses Buch wendet sich an Tau-cher wie Tauchmedi-ziner gleichermaen und vermittelt die speziellen Grundlagen ebenso wie weiterfhrende Informationen rund um die Tauchmedizin. Ein Standard-werk, das in keiner Bibliothek von enga-gierten Tauchern und Taucherrzten feh-len sollte.Herausgeber: Dr. Christoph Klingmann, Gentner-Verlag, 65 Euro, ISBN 3-872 47 744-7

    TAUCHUNFALLVERSICHERUNGEN / HILFE: DAn-hotline, international: Tel. +39 06 4211 8685

    DAn-hotline, Deutschland und sterreich: Tel. 00800 326 668 78 (00800 DAN-Notruf)

    Schifffahrtmedizinisches institut der marine, diensthabender taucherarzt: Tel. +49 (0)431 540 90

    hotline des vDSt: Tel. +49 (0)700 348 354 63

    taucherhotline von aqua med: Tel. +49(0)700 348 354 63

    Druckkammerliste auf: www.gtuem.org

    FACHMEINUNG: DR. ULRICH VAN LAAK, DAN EUROPE FOUNDATION Der falsche Feind! Bemerkungen zum Offenen (Persistie-renden) Foramen Ovale (PFO) bei Tau-chern.Wie wir heute wissen geriet das PFO vor bald 20 Jahren (1997) keineswegs zu Recht in den tauchmedizi-nischen Mittelpunkt allen Denkens. Da-mals lste eine Stu-die, die Hirnschdi-gungen bei Tauchern mit PFO beschrieb, einen echten Hype aus. Nicht jeder hat sich bis heute davon erholt. Der Gedanke, das PFO sei der Feind, ist so bestechend, so einfach nachvollziehbar und auf den ersten Blick auch so verstndlich ge-wesen. Daraus leitete sich nachhaltig die Auf-fassung ab, kein PFO-Trger zu sein oder sein PFO operativ verschlossen zu haben, fhre si-gnifikant zu mehr Tauchsicherheit. Leider kann das 2015 lngst nicht mehr so stehen bleiben, denn der Feind lauert ganz woanders. Das Foramen Ovale ist beim Embryo ein wichtiger Kurzschluss zwischen den beiden Herzvorkammern (Herzvorhfe). Als Stti-gungstaucher im Fruchtwasser ntzt dem Embryo seine Lunge vor der Geburt nichts. Die Natur hat sie durch den Kurzschluss sinn-vollerweise ausgeschaltet. Die Sauerstoffver-sorgung erfolgt ber die Nabelschnur, wie bei einem Helmtaucher. Unmittelbar nach der Geburt entfaltet sich die Lunge und ber-nimmt die Sauerstoffversorgung. Jetzt ist der Kurzschluss berflssig. Das Foramen Ova-le verschliet sich Wochen nach der Geburt. Leider nicht bei jedem. Das ist schon seit 1875 bekannt. Etwa 30 Prozent der Erwach-senen tragen auf Dauer ein millimeterkleines PFO. Es macht sich nicht weiter bemerkbar. Und es gibt keinen Grund, danach zu suchen, ob man eines hat oder nicht. Was viele aber nicht wissen: ber ein groes PFO knnen bei momentaner Druckerhhung durch Nie-sen, Husten oder Pressatmung Blutgerinn-sel vom rechten (eigentlich niedriger Druck) in den linken Herzvorhof (eigentlich hherer Druck) bertreten. Das kann zum Schlagan-fall fhren. Bei hohem Risiko wird ein groes PFO bei betroffenen Patienten durch ei-nen Eingriff mit einem Occluder, oft als Schirmchen bezeichnet, verschlossen. Der Eingriff erfolgt zumeist mittels eines Kathe-

    ters ber eine Vene in der Leiste. Er hat Risiken, schwere Kompli-kationen sind indes selten.Wenn der PFO-Verschluss aus tauchmedizinischen Grnden erfolgt, sind Eingriff und Risiken grundstzlich die gleichen.Ein PFO-Verschluss zur ver-meintlichen Erhhung der Tauchsicherheit wird in tauch-medizinischen Fachkreisen al-lerdings uerst zurckhaltend gesehen. Aus rein prophylak-tischen berlegungen heraus sollte ein PFO bei Tauchern nie-mals verschlossen werden. Und

    selbst bei Verschluss nach symptomatischen Tauchunfllen fehlt jeder Beweis dafr, dass mit der dann geschlossenen Pforte auch kein Feind mehr da ist. Denn der kommt ber eine wenig bekannte Hintertr.Bei Tauchern geht es ja um den bertritt von (Mikro-)Gasblschen vom vensen (rechten) in den arteriellen (linken) Kreislauf. Haben die Gasblschen den Wechsel auf Links voll-zogen, knnen sie Symptome eines Dekom-pressionsunfalls verursachen. Die groe Sor-ge gilt dabei neurologischen Ereignissen, die sich unter anderem durch Lhmungen oder Funktionsausflle zeigen.Der Seitenwechsel ber ein PFO setzt eben-so wie beim bertritt eines Blutgerinnsels vo-raus, dass es gro und es zum Druckanstieg rechts grer links gekommen ist.Es gibt eine ganze Reihe an Regeln fr si-cheres Tauchen, die auf mglichst geringe Blschenzahl und Minimierung des ber-tritts ber ein PFO fokussieren. Hier geht al-so auch ohne Herzoperation durch Vorsorge etwas! ber diese 15 Regeln des low bubble diving informiert der Taucherarzt. Disziplinierte Befolgung der einschlgigen Regeln reduziert das Risiko eines Dekom-pressionsunfalls maximal. Insgesamt gehen wir von einer Auftritts-Wahrscheinlichkeit ei-ner Dekompressionskrankheit von 1-2 auf 10.000 Tauchgngen aus. Bei Trgern eines groen PFO und Nichtbeachtung dieser Re-geln verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit. Sie bleibt damit gleichwohl sehr gering.Wenn also das PFO ein Feind unter Kontrol-le ist, wo versteckt sich dann der wirkliche Feind?Er verbirgt sich im fr Taucher lebenswich-tigen Filterorgan fr Inertgasblschen selbst: Der Lunge. Dort gibt es bei jedem Taucher immer Bereiche, die zwar durchblutet sind, aber nicht am Gasaustausch teilnehmen. In

    diesen momentanen oder dauerhaften At-elektasen sind die vielen kleinen Hintert-ren lokalisiert, durch die winzig kleine Gas-blschen bei jeder Dekompression auf die linke Kreislaufseite wechseln. Sie haben nur etwa 1/5 der Gre von mit Ultraschall nach-weisbaren Gasblasen, die ber ein PFO wech-seln knnen. Weil sie so winzig sind, sind sie auch so gefhrlich. Sie verteilen sich als ein globaler Blschenschauer ber die arterielle Versorgung in allen Krperorganen. Wenn zufallsverteilt Rckenmark, Kleinhirn oder Innenohr betroffen werden, kommt es zu sehr viel schlimmeren Symptomen, als es eine Dekompressionskrankheit der Haut dar-stellt.Jeder Taucher ohne und mit PFO muss sich vergegenwrtigen, dass sich das individu-elle Risiko, eine Dekompressionskrankheit zur erleiden, vornehmlich ber diese Lungen-Shunts definiert. Die Eintrittswahrscheinlich-keit ist absolut nicht vorhersehbar. Wenn auf Lungenebene ein Blschenbertritt erfolgt, ist dieser nach heutigem Stand der tauch-medizinischen Wissenschaft sehr viel bedeu-tender als ein manifestes PFO. Das Problem der Lungen-Shunts ist, dass sie vom Taucher im Gegensatz zum PFO nicht so gut durch die Einhaltung der Regeln fr sicheres Tauchen beeinflusst werden kn-nen. Wenn dort ein Schauer von Mikrobls-chen bertritt, erfolgt eine Normalverteilung in den Krpergeweben. Der Zufall bestimmt, wo es zu Problemen kommt. Diese werden nicht nur durch die Blschen als solche, son-dern durch die individuellen Entzndungs-reaktionen auf die Fremdkrper Gasbls-chen bestimmt.Ganz hufig ist ein Dekompressionsunfall al-so zufllig durch an empfindlicher Stelle ent-zndlich wirkende Mikrogasblschen be-dingt, die das Lungenfilter berwunden haben.Hier genau ist der wirkliche Feind lokalisiert nicht beim PFO.Besonders tragisch ist dabei die etwaige Zu-fallsverteilung der die Lunge berwundenen Gasblschen im Krper des Tauchers und die individuellen Reaktionen auf diese Entzn-dungsprozesse shit happens! Nur dort, wo es durchblutungstechnisch gesehen Problem geben kann, gibt es mglicherweise welche.

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    Risiko PFop PRAXis

  • ICH WRDE DEN VERSCHLUSS MEINES PFO SOFORt WieDeR DuRchFhRen LASSen. DER EINGRIFF WAR UNKOMPLIZIERT UND ERMGLICHT

    MIR WIEDER Ohne einSchRnkungen ZU TAUCHEN. ICH FREUE MICH AUF VIELE WEITERE

    TAUCHGNGE UND HOFFE EUCH AUCH ZUKNFTIG TOLLE BILDER LIEFERN ZU KNNEN!

    GERALD NOWAK

    126 u 4/15

    p PRAXis