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  • Lehrbrief fr Schiedsrichter Ausgabe 8 DEUTSCHER FUSSBALL-BUND 2006 SCHIEDSRICHTER-LEHRSTAB

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    Lehrbrief fr Fuball-Schiedsrichter

    AUSGABE 8

    DEUTSCHER FUSSBALL-BUND

    Art: Gruppenarbeit an Stationen fr ca. 30 Lehrgangsteilnehmer

    Dauer: ca. 90 Minuten Anspruch: Schiedsrichter aller Spielklassen Material: Arbeitshinweise zu den Gruppen-

    arbeiten Arbeitsmaterial fr die Stationen

    QUALITTSMANAGEMENT FR SCHIEDSRICHTER - VERBALE KOMMUNIKATION

    GnterThielking

    Hagen,Cuxhaven

    CarstenVoss

    Berlin

    Liebe Freunde,in wenigen Wochen be-

    ginnt die Fuball-Welt-meisterschaft 2006 in Deutschland. Neben etli-chen sportlichen Hhepunk-ten werden wir wieder eine Vielzahl von Schiedsrichter-Leistungen und Schiedsrich-ter-Entscheidungen erleben, die dafr sorgen, dass die Spiele regelkonform und fair gespielt werden.

    Diese eigentlich norma-le Arbeit der Unparteiischen wird etwa 95% der gesamten Spiele ausmachen. Wir wer-den aber auch Entscheidungen der Schiedsrichter sehen, die besonders beeindrucken. Kor-rekte Abseits-Entscheidun-gen, die mit dem menschlichen Auge kaum wahrnehmbar sind, gehren ebenso dazu, wie das souverne Auftreten der Schiedsrichter in extremen Konfliktsituationen oder das Fairplay und das Verstndnis der Unparteiischen bei ver-

    letzten Spielern. Diese ausgezeichneten Leis-tungen werden in den Massen-medien jedoch wohl nur am Rande erwhnt sie gehren eben zur Normalitt.

    Die wenigen Entscheidun-gen aber, die zur Kritik auf-fordern, die Sensationen, die sich im Fokus der Zeitlupen, Standbilder und mehrfachen Wiederholungen wiederfinden, sie werden die Diskussionen um die Person Schiedsrich-ter entfachen dabei machen sie nur einen uerst geringen Prozentsatz smtlicher Ent-scheidungen aus.

    Wir an der Basis der Schiedsrichter-Ttigkeiten knnen von ihnen wieder viel lernen. Selbst wenn der Fu-ball bei der WM 2006 in ande-ren Dimensionen gespielt wird, als der Fuball in den Stdten und auf dem flachen Land in unserer Republik, so werden uns die WM-Schiedsrichter in ihrem Auftreten und in ihrer

    menschlichen Ausstrahlung deutlich machen, wie wir in Rhetorik und Krpersprache unsere Entscheidungen noch besser vertreten knnen.

    Im Vorfeld der Spielleitun-gen dieser Schiedsrichter ge-ben wir in diesem Lehrbrief einige Hinweise und bungen, wie wir die Ausdrucksfhigkeit unserer Unparteiischen ben und damit verbessern knnen, denn unser Sprachvermgen und unsere Krpersprache sind trainierbar.

    1.Einleitende Worte und grundstzliche Anmerkungen1.1. Von den 10 Geboten zu den KaramellbonbonsUnsere aktive Sprache ist r-mer geworden, obwohl durch die neuen Medien und durch neue Technologien die Zahl der vorhandenen Wrter in der deutschen Sprache deutlich zugenommen hat. So verf-gen wir inzwischen ber einen passiven Wortschatz von bis

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    zu 50.000 Wrtern und Wort-kombinationen.

    Reichten fr die zehn Ge-bote noch 279 Wrter, so bein-haltet z.B. die EG-Verordnung ber den Import von Karamell-bonbons 25.911 Wrter.

    Im aktiven Wortschatz ver-fgen wir ber ca. 2.000 bis 4.000 Wrter, im tglichen Sprachgebrauch bentigen die meisten Bundesbrger dage-gen nur ca. 400 800 Wr-ter, wobei dieser Wort- und Sprachschatz abhngig ist von dem Bildungsstand der Men-schen. Doch die aktive Spra-che ist so trainierbar wie ihre Umsetzung im Alltagsgesche-hen, denn die Fhigkeiten zur Kommunikation werden einem nicht als Geschenk in die Wiege gelegt. Dies bedeutet, dass wir Schiedsrichter, ebenso wie die Mitarbeiter in groen Unter-nehmen, Organisationen und Verwaltungen regelmig eine ausgefeilte Sprache mit der dazugehrigen Krpersprache ben mssen.

    1.2. Der schnelle KonterDie Bundeszentrale fr politi-sche Bildung (BpB) bringt hier-zu in diesen Tagen eine CD-ROM mit dem Titel Schneller Konter heraus. Sie soll in Schulen und Bildungseinrich-tungen eingesetzt werden, um Schler und Auszubildende in der spontanen Sprache zu schulen, hat doch die BpB die-se Sprachlosigkeit vieler Men-schen in Stress-Situationen erkannt.

    Dabei sind es nicht nur jun-ge Menschen, denen oft die Worte fehlen. Auch die lteren mssen regelmig feststellen,

    dass ihr aktiver Wortschatz, vor allem in Konfliktsituatio-nen nicht mehr der Alte ist. Sie knnen in kritischen Situa-tionen nicht mehr angemessen verbal kontern. Sie werden ag-gressiv, verlieren die Ruhe und damit die Sachlichkeit.

    Es sind Situationen, die fr uns Schiedsrichter zum Tages-geschft gehren und auf die wir uns vorbereiten mssen.

    Mit diesem Lehrbrief geben wir deshalb zum Thema Ver-bale Kommunikation einige Hinweise und Arbeitsmittel, die vor allem bei Lehrgn-gen in Gruppen von ca. 5 bis 8 Personen als Rollenspiele, als Sprachbungen oder auch als Argumentationshilfen be-arbeitet (besprochen) werden knnen.

    1.3. Der klare Strafsto und seine Folgen ... ein BeispielJeder Schiedsrichter hat sie wohl schon erlebt, die eigent-lich klare Entscheidung auf Strafsto, fr jeden auf dem Platz sichtbar. Eine Entschei-dung, die dennoch von der ver-teidigenden Mannschaft vehe-ment kritisiert wird. - Was kann passiert sein? War es der viel zu leise Pfiff, der in dieser Si-tuation das Spiel unterbrochen hat? Ist es die Krpersprache, mit der der Schiedsrichter in diesem Moment in Richtung Strafstomarke trabt? Oder ist es die unsichere sprachli-che Darstellung, mit der der Unparteiische gerade jetzt auf die aggressiven uerungen der Spieler reagiert?

    Fakt ist in diesem Augen-blick fr den Unparteiischen auf jeden Fall, dass er in sei-

    ner so sicheren Entscheidung pltzlich unsicher wird und noch mehr Kritik hervorruft.

    Erst viel spter, oft auf dem Weg nach Hause fallen ihm vie-le Mglichkeiten ein, wie er in dieser Situation htte reagie-ren knnen. Wohl jedem von uns ist so etwas schon mehr als einmal passiert ... nicht nur auf dem Fuballplatz.

    2. Didaktisch methodische HinweiseSprache trainieren heit: Aktiv kommunizieren! Die Grnde fr die Bedeutung einer solchen Lehreinheit fr Schiedsrichter in allen Spielklassen wurden schon deutlich hervorgeho-ben. Sprechen ben, Sprache lernen, sprachlich agieren und reagieren heit es in diesem Lehrbrief.

    Die Lehrgangsteilnehmer mssen deshalb an den Stati-onen, die sie in dieser Einheit durchlaufen, deutlich erkenn-bare Sprachanteile bekom-men. Dafr sind die Aufgaben so konzipiert, dass die Teilneh-mer sich zunchst mit der Ar-beitsbeschreibung befassen, ihren Arbeitsauftrag erkennen und sich dann in ihrer Gruppe verbal uern. Kommen bei diesen Lehrgngen Teilnehmer zusammen, die sich noch nicht kennen, so ist es in jedem Fall notwendig, dass sich jeder zu-nchst vorstellt.

    Bestimmte Kriterien soll-ten hierfr vorgegeben wer-den (Alter, Verein, Spielklasse, Schule bzw. Beruf usw.).

    Der Lehrwart wird bei den folgenden bungen lediglich ein paar Arbeitshinweise ge-ben, evtl. ein wenig den Ablauf

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    steuern. Die Rolle der Modera-toren wird von sprachgebten Teilnehmern selbst bernom-men, die whrend der gesam-ten Einheit an ihrer jeweiligen Station bleiben, kennen sie doch hier am besten den Ar-beitsauftrag der Gruppe.

    Bereits im Vorfeld soll der Lehrwart geeignete Schieds-richter in diese Moderatoren-funktion einweisen. Er muss dann nur noch auf die Statio-nen mit den Arbeitsblttern bzw. Arbeitsmaterialien hin-weisen, die Gruppen diesen Moderatoren zuordnen, und alles Weitere organisiert sich von selbst.

    Die Erfahrung hat gezeigt, dass es sich lohnt, die Arbeits-mittel (Wortzettel, Fotos, Text-zettel u.a.) zu laminieren, um sie bei anderen Gelegenheiten wieder verwenden zu knnen, ohne dass sie vom einmaligen Gebrauch zu sehr beschdigt sind. Auch ist es sinnvoll, fr die Arbeitsbltter an jeder Sta-tion eine andere Farbe zu wh-len (z.B. Station 2.1.1. bekommt Gelb; Station 2.1.2. Hellgrn, Station 2.1.3. Hellblau, Station 2.1.4. Wei usw.).

    2.1. Hinweise zu den StationenAus dem Bereich der rhetori-schen bungsformen werde in diesem Lehrbrief sieben bun-gen vorgestellt. Abhngig von den zeitlichen und rumli-chen Mglichkeiten sowie den sprachlichen Voraussetzungen der Teilnehmer (TN) kann der Lehrwart sich die fr seine Ar-beit entsprechenden Statio-nen aussuchen. Deutlich wird dabei, dass diese Lehreinheit methodisch hnlich abluft

    wie die Stationsarbeit bzw. das Circuit-Training, wobei an jeder Station ein Moderator den Ablauf der Gruppenarbeit steuert.

    Pro Station (nach Nummern geordnet) arbeiten ca. 5 7 Teilnehmer jeweils ca. 20 25 Minuten. Nach Ablauf der Zeit werden die Stationen getauscht, d.h., dass die Gruppe von Stati-on Nr. 1 nach Nr. 2 geht, diese nach Nr. 3 und so weiter.

    Als Sitzordnung bietet sich bei den bungen 2.1.1. 2.1.5. ein Kreis um einen groen Tisch bzw. ein Sitzkreis an. Bei den bungen 2.1.6. und 2.1.7. sollen die Darsteller bzw. der Referent vor der Gruppe stehen und die Ausfhrungen machen.

    Hier nun erste Hinweise zu den Stationen, die auf beson-deren Arbeitsblttern fr jeden Teilnehmer noch einmal detail-lierter vorgestellt werden.

    2.1.1. Stehgreiftraining Drei Worte ... eine Story (Blatt 1)Der Lehrwart schreibt auf 30 kleine Zettel 30 Begriffe (je Zettel ein Begriff). Diese soll-ten in der Mehrzahl aus dem Bereich Fuball bzw. Regel-werk des DFB kommen. Die Zettel kommen dann in einen Briefumschlag. Zu Beginn die-ser bung kann sich jeder TN aus dem Umschlag drei Zettel ziehen, z.B. Ansto Autopanne Ju-

    gendspiel Tiefer Boden Strafsto

    Verletzung Brieftrger Freude

    schweres SpielGefallen einem TN die Begrif-fe nicht, so hat er einmal die

    Mglichkeit, sie wieder in den Umschlag zu legen und sich drei neue Begriffe zu ziehen.

    Anschlieend haben die TN Zeit, die Kurzr